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Episoden im Kerker Rahals

Verfasst: Montag 27. November 2006, 00:08
von Velvyr´tae
Achtet darauf das meine Anweisungen befolgt werden, Hauptmann.

Mit diesen Worten wandte sich die Lethra ab von jenem Steinbau, in welchem die Gefangenen Rahals schmachteten. Im Besonderen lag darin eine menekanische Frau, eines jener Geschöpfe die der Lüge Eluives unwiderruflich verfallen waren. Es wäre eine solche Freude, ihr jede Hoffnung zu rauben, jeden Liedton zu zerschlagen und sie zerbrechen zu sehen. Doch im Augenblick war sie bewusstlos, ihr Geist fern der Realität. Es wäre Verschwendung sie jetzt schon sterben zu lassen, und so hatte Velvyr sich daran gemacht den zarten Körper der Frau für die kommende Tortur zu stärken. Hatte ihr Wasser eingeflößt, einen stärkenden Trank darunter gemischt.

Die Wachmänner wechselten sich nun ab um im Stundentakt der Menekanerin Wasser einzuträufeln, sollte sie gestärkt sein, auch einen Getreidebrei. Von Zeit zu Zeit sah auch die Lethra durch die Gitterstäbe, ließ sich die Türe aufschließen um die Gestalt der Fremden reglos zu beobachten, die tiefgrünen Augen von verirrten Lichtstrahlen in seltsames Glühen getaucht. Jedes mögliche Zeichen des Bewusstseins wurde registriert, ein fast sanftes Lächeln auf den Lippen. Noch konnte sie warten, warten auf das Erwachen ihres Opfers.

Es wurde spät in Rahal, die Nebel senkten sich über die Stadt. Das leise Krächzen der Krähen drang durch die kalte Nachtluft, nur selten durchbrochen von harten Schritten auf den steinernen Straßen. Auch die Wachmänner wurden eingelullt vom trügerischen Frieden, mehrere widmeten sich einem Kartenspiel, während einer die undankbare Aufgabe hatte, die Gefangene zu füttern. Doch Darion war beinahe dankbar für diese lästige Pflicht. Er hatte den schlüpfrigen Geschichten der Sänger gerne gelauscht, wenn sie von der überwältigenden Schönheit der Frauen Menek'Urs berichteten. Diese hier war wohl schmutzig und zudem bewusslos, in seinen Augen minderte dieser Zustand jedoch nicht seine Faszination. Er berührte sie nicht, die Weisung des Hauptmannes deutlich genug im Ohr. Aber seine Augen konnte er dennoch nicht von ihr lassen.

Dieses - zumindest für ihn herrliche - Schauspiel wiederholte sich stündlich, und auch er wartete auf ein Zeichen des Bewusstseins.

Verfasst: Sonntag 3. Dezember 2006, 12:01
von Shazeera Bashir
Entfernt hörte sie noch das Zuschlagen der Zellentür, doch gedämpft nur, übertönt von dem leiser werdenden Rauschen des Blutes in ihren Ohren. Das Gehör war der letzte Sinn, der aussetzte, bevor das Ende kam, das hatte sie dereinst gelernt. Irgendwie fand sie den Gedanken gerade unheimlich beruhigend.
Auf der Zunge schmeckte sie Blut, ihr Atem roch nach Blut, lass es rein, das bist Du selbst. Sie haben Dich umgebracht, Du weißt es, lass es zu, akzeptiere es, Du brauchst Dich nicht zu wehren. Du bist müde. Ist schon in Ordnung. Tock-tock, der letzte Klang von Stiefeln auf dem Boden, alles gleitet über in ein leises Rauschen, Du bist allein, allein mit Dir selbst. Du hast Deinen Frieden gefunden, verwehre Dich ihm nicht. Schlafe jetzt.

Als eine geraume Zeit später der nächste ihre Zelle betrat fand er folgendes Bild vor:
Die Frau lag noch immer so wie sie hin gefallen war in der Ecke. Ettliche Blutergüsse und die Abdrücke von Stiefeln und Ringen am Oberkörper und der zweifach gebrochenen Nase zeugten von ihrer Mißhandlung, die fahle, trockene und faltige Haut und die spröden Lippen von der mangelnden Versorgung und aufkeimendem Wundfieber. Überall in der Zelle roch es nach Blut, Schweiß und Exkrementen, ein Gestank, den keine Seife, allenfalls Säure oder Lauge aus Haut und Schleimhäuten hinfort spülen konnte.
Die verfilzten, langen Haare, die dreckige Haut und die entzündeten Wunden zeugten von mangelnder Hygiene, das blasse, weiche Zahnfleisch von zu wenig Sonnenlicht und schlechter Ernährung.
Das offensichtlichste an ihr aber waren Gesicht, Schultern und Oberkörper, die von den Klauen des Panthers und seinen spitzen Zähnen vollkommen zerschlissen und fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt waren, so daß nur die wenigen, die sie einmal unverschleiert gesehen hatten, sie als Shazeera identifizieren konnten. Die tiefe, vereiterte Wunde am linken Oberarm, in den mit einem Messer eine stilisierte Pantherklaue eingeritzt wurde ließ keinen Zweifel daran, wessen Werk dies war, auch wenn man dies natürlich als List deuten konnte.
Die Kleidung, sollte man ihr diese wieder anziehen, ist bis auf den zerrissenen Schleier unbeschädigt, die Robe die sie in der Zelle trug in einem ähnlich schlechten Zustand wie sie selbst.

Der viel zu spät hinzu gezogene Heiler hatte keine andere Möglichkeit, als bei seinem Eintreffen den Tod der Frau durch Wundfieber, Einblutungen in die Lunge und einen viel zu hohen Blutverlust durch die Verletzung mehrerer Schlagadern fest zu stellen und mit anerkennendem Nicken fest zu halten, daß hier jemand wohl sehr sauer war und überaus gründlich zu Werke gegangen ist.
Auf die Frage, ob man an diesem Umstand etwas ändern könne kann er nur den Kopf schütteln und an einen Nekromanten verweisen und selbst dieser konnte konnte diese Leiche nur zum Gehen bewegen, nicht aber den entstandenen Schaden rückgängig machen, da keine Magie und kein göttliches Wirken totes Fleisch genesen lassen oder die entstandenen Spuren verwischen konnte. Allenfalls eine Illusion mag möglich sein und selbst jene würde sich binnen weniger Stunden oder maximal Tage auflösen.
Somit blieben den Rahalern nur folgende Möglichkeiten: Den Körper so wie er ist an Menek'Ur zu überstellen, den Körper zu waschen und wieder an zu kleiden, auch wenn der zerrissene Schleier schwer zu ersetzen sein dürfte oder die Leiche kurzerhand verschwinden zu lassen und darauf zu vertrauen, daß kein Menekaner auf die Idee kommen würde, die Spur dieser Frau zurück zu verfolgen.

Verfasst: Sonntag 3. Dezember 2006, 21:07
von Velvyr´tae
Der aufdringliche Gestank nach Blut, Schweiß und den Ausdünstungen von Angst und Schmerz verfolgte die Lethra auf ihrem Weg aus dem Kerker Rahals. In der kleinen, abgedunkelten Zelle hatte sie ihn genossen, in vollen Zügen eingeatmet. Die Qual einer Ungläubigen gegen die Qual einer Schwester eingetauscht, in Zorn und Hass getränkte Vergeltung.

Sie darf nicht sterben. Mehr kann und will ich nicht verlangen.

Mit diesen Worten verließ der großmächtige Alka den finsteren Raum, mit dem Schließen der Türe jeden Lichtstrahl verbannend. Er hatte offenbart was sie bereits vermutet hatten. Rhy'xaryl lebte nicht mehr, hatte ihren letzten Dienst getan. Und wo zuvor kühle Berechnung vorgeherrscht hatte, wuchs nun die kalte Flamme des Zornes. Erschlagen von den Menekanern, zerstückelt und den nichtwürdigen Händen der verblendeten Ketzer ausgeliefert. Und hier, im Schmutz dieser Zelle, lag vor ihnen die Möglichkeit zur Rache. So nahe, so verlockend.

Sie warf Lhan'Chyl einen Blick aus den Augenwinkeln zu. Ihre Verbindung war gewachsen, erstarkt in der Vergangenheit. Es kostete keine Worte um ihre Zustimmung, ihre Gier zu erkennen. Und so näherten sie sich synchron der Menekanerin, die selbst in dieser aussichtlosen Lage noch gedankenlosen Zorn mit provokanten Worten zu erwecken suchte.

Ein Schlag, mit Genuss auf den Nasenrücken gerichtet. Präzise Hiebe folgen aufeinander, ausgewählt um Schmerz zu bereiten, den Geist in blutige Nebelschleier zu tauchen.

Die Gegenwehr war heftig, und steigerte die beiden Schwestern in einen Rausch, dem nur noch das Wort des Alkas im Wege stand. Ihre eigenen, höhnischen Worte drangen auf den Geist der Menekanerin ein, während Lhan'Chyl die systematische Rache dem Gipfel zutrieb. Doch ihr Geist wollte nicht brechen, zu spröde und heiß um sich zu beugen ohne zu brechen. Es gelang der Gefangenen, einen Dolch in die Fußsohle der Lethra zu treiben, ein weiterer Riss in den Dämmen der Selbstbeherrschung. Ein leises, eiskaltes Wort, eine Bitte in der zischenden Sprache ihres Volkes und aus den Schatten der Zelle materialisierte sich das Geschenk des Einen. Der Panther, selbst nur ein Geschöpf der Schatten, schoß in einem geschmeidigen Sprung auf die Frau zu, stieß sie zu Boden. Jede Gegenwehr beantwortete er mit einem Prankenhieb, der ihre Sinne schwinden lassen sollte. Und doch schien sie ihr Wille am Leben zu erhalten, denn verzweifelt versuchte sie die grollende Schnauze des heiligen Tieres fort zu drücken. Ein Ohr bekam sie zu fassen, riß jenes herab.

Ein Knurren, wie aus drei Kehlen zugleich erfüllte die Zelle. Und die Zähne des Panthers gruben sich in die Schulter der Gefangenen, dem Spiel ein Ende setzend. Stille folgte, lediglich unterbrochen vom mühsam wieder unter Kontrolle gebrachten Atem der beiden Schwestern. Ein Blickwechsel, stummes Nicken. Sie verließen die Zelle, ein letzter Blick auf das blutende Bündel in der Ecke.

Der Seelenfresser möge dich holen, auf ewig quälen. raunte sie in die beklemmende Stille hinein, dann schloß sich die Türe.

Es verblieb ihnen nur den Wachen anzuweisen, sie sollten sich zu gegebener Zeit um die Wunden der Gefangenen bemühen. Sie sollte nicht sterben, noch nicht. Alles weitere blieb der Garde und dem Alka überlassen, sie hatten ihr Werk getan. Vom Zorn, dem mühsam beherrschten Hass blieb nur Leere zurück, nicht mehr.