Gedankenkerker
Verfasst: Samstag 25. November 2006, 00:02
Wege kreuzten sich, Wege gabelten sich, verliefen sich im Nichts, endeten in Sackgassen, vereinten sich, wurden breiter und verjüngten sich, waren erhellt, lagen verborgen in tiefsten Schatten. Das alles waren Wege, so verschieden, so untrennbar vereint.
Wenn man an einem Scheideweg stand, wenn der Weg zurück verbaut war, mußte man eine Entscheidung treffen. Ich hatte meine längst gefällt. Es gab immer einen leichten und einen schweren Weg. Ich will verdammt sein, wenn der leichte der meinige sein sollte, das war er nie und das würde er nie sein. Doch welcher der schwerere ist blieb ab zu warten. Beobachten und lernen. Das war der Weg. Die richtige Entscheidung zum rechten Zeitpunkt. Sollten sie glauben, was sie wollten, woran sie glaubten war nicht von Belang, nicht hier und nicht jetzt. Lernen.
Bisher war dieser Weg eine ziemliche Enttäuschung gewesen oder zumindest waren es jene, denen sie bisher darauf begegnet war. Zu berechenbar. Zu kurzsichtig. Tief drinnen langweilten sie diese Menschen, wie Spielsteine konnte man sie hin und her schieben, Reaktionen auslösen und unterbinden, man konnte so tun, als spiele man mit, man konnte Regeln aufstellen und brechen mit nur einem Wink, kaum stark genug, einen Grashalm zu verbiegen. Hier gab es nichts, das ich lernen konnte, nichts, das mir nicht schon vertraut war. Je dunkler der Wein, desto bitterer der Geschmack, sagte das Sprichwort. Ja, diese Verbitterung saß tief, machte sie verletzlich und angreifbar. Nein, diese beiden konnten ihr auf ihrem Weg weder folgen, noch konnten sie ihr Begleiter sein. Schlangen, ja, aber sie bissen sich in den eigenen Schwanz, schwächten ihr ureigenes Potential, anstatt es geballt dem Feind entgegen zu schleudern.
Was sie vom Hauptmann zu halten hatte wußte sie nicht so recht. Der Tragweite seines Handels war er sich jedenfalls kein Stück weit bewußt. Gut, woher auch, das hier war wohl nichts, womit er sich jemals befaßt hatte. Ein wenig erinnerte er sie an die Säbeltänzer in der Ferne, an Bauern auf einem Schachbrett. Sie zogen nicht, sie wurden gezogen, gezogen und geopfert. Denkt er, daß er den Durchmarsch schafft? Hat er das Potential hierzu? Lohnt es sich, es heraus zu finden? War es von Belang für sie oder für sonst irgendwen? Welchen dunklen Wein mochte er getrunken haben? Verzweifelung? Gier? Oder verlangte es ihm nach dem alles formenden Kampf, dem Gemetzel um die Krone des Kriegsfürsten? Sie mußte sich eingestehen, daß sie diesen Gedanken erregend fand, interessant genug um ihm nach zu gehen.
Im Gegensatz zu ihrer Süssen. Nein, dort sah sie keine allzu große Chance. Zu einfach gestrickt, zu leicht zu entzürnen. Liebes, Zorn vernichtet immer und seinen Träger zuerst. Aber sei unbesorgt Herzchen, Dein Dolch ist bereits geschmiedet und Deine Kiste gezimmert, Dein Sand verrinnt rasch im Glas und Dein Stern hat seinen Zenith längst überschritten. Bald schon wirst Du als Sternschnuppe verglühen und Deine Asche wird auf die Gebeine der Überlebenden herab regnen und die Blumen auf den Totenangern dieses Landes nähren. Auch Du spürst es, ich seh es an Deinem Blick, der Verzweifelung, mit der Du Dich an Dein verpfuschtes Leben klammerst und Dir einredest, es sei bedeutungsvoll. Du spürst es, aber Du willst es nicht wahr haben. Das ist Deine Sünde. Das und Deine Hilflosigkeit mit Worten.
Du denkst, daß Du mächtig bist, weil Du stark und grausam bist. Kleines, Macht entsteht nicht durch Kraft oder eine gezogene Waffe, Macht entsteht wenn man nur durch die Kraft des Wortes den Lauf der Dinge verändern, jemanden erheben oder sein Schicksal besiegeln kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Für Deinen Schlag schulde ich Dir etwas und ich weiß schon, wie ich es Dir vergelten werde. Ich werde Dich etwas lehren, ich werde Dir einen Spiegel vorhalten, ich werde Dich lehren, was es heißt, hilflos zu sein. Was wirst Du tun, wenn Du nirgendwo mehr sicher bist außer in Deinen eigenen vier Wänden aus Stein? Was wenn ich den Varunesen erzähle wem Du dienst, den Bajardern, daß Du Kinder tötest und den Berchgardern, daß Du Minenarbeiter versklavst? Was wenn ich den Menekanern erzähle, daß Du eine Salzhändlerin überfallen hast, den Zwergen, daß Du als Barbierin gelernt hast wie man Bärte kürzt, den Elfen, daß Du Bäume fällst, den Gläubigen Kra'thors, daß Du Untote jagst, den Anguren, daß Du Met gestohlen hast, den Tiefländern, daß Du zum Spaß Wölfe erlegst, den Orks, daß Du gut schmeckst und den Letharen, daß ich Dich mit den Rittern der Allianz Tee trinken sah? Was wirst Du dann tun? Ich weiß es, weißt Du es auch?
Aber gut, die vorrangige Frage jetzt war nicht, was man hier lehren konnte, sondern wie man das beste aus der Lage machen konnte. Möglichkeiten gab es einige. Manche schwerer, manche leichter. In der Theorie. In der Praxis stand ihr Entschluß schon lange fest, die Frage war wohl lediglich, ob der Gedanke so gut, die Umsetzung so erfolgreich sein würde wie in den dutzenden Gedankenspielen, die sie durchgegangen war, Szenarien die sie entwarf, testete, nachbesserte, verwarf und aufgriff. Wenn man erst einmal vom dunklen Wein gekostet hatte, machte er schnell süchtig. Man wollte mehr, immer mehr.
Auch ihr war die dunkle Seite Eluives, die die Fremden hier in den Namen ihres zweitgeborenen Sohnes faßten, vertraut. Vertrauter, als Ihnen hier lieb sein durfte. Aber sie war eine Spielerin, man deckte niemals sein Blatt gleich zu Beginn auf, solange noch eine Karte auf der Kippe stand, denn sonst verlor man alles. Man spielte drei, vier, vielleicht fünf Stiche, zählte seine Punkte zusammen, dann deckte man auf und räumte ganz groß ab, während der Rest noch mit baffem Mund da stand. Den ersten Stich hatte sie heute gemacht, verdeckt und während die beiden noch dachten, daß sie ihr Blatt überreizt hätte zählte sie schon in Gedanken ihre Trümpfe und rechnete die nächsten Stiche zusammen. Sie kannte ihre Mitspieler nicht, aber gut, diese kannten sie auch nicht oder glaubten nur sie zu kennen. So war niemand im Vorteil und es gab nichts schöneres als einen Gegner, der einen unterschätzte, während man in seinem Kerker ausharrte und sich schwächer gab als man war. Das war der Weg und den würde sie gehen, gleich wie viele Leichen ihre Schritte auf diesem Pflaster dämpfen würden. Er führte zum Ziel und nur das war von Belang. Wenn man erst einmal am Ziel angekommen war, dann fragte niemand mehr, auf welchem Pfade man dorthin gefunden hatte. Auch das war der Weg, ein weiterer Tropfen des Weines, der ihre Lippen so rot gefärbt und den Gaumen so süßlich gekitzelt hatte, der bleiern schwer im Magen lag bis man sich seiner gewöhnt, sich ihm angepaßt hatte. Das war der Weg der Schatten. Ihr Weg, wie er ist, war und immer sein würde. Dieser Weg war ein Kreis. Schon immer gewesen. Der Weg war ihr ganz persönlicher Kerker aber solang er einem soviel Strecke, so viel Raum von Wand zu Wand ließ wie bisher sollte es so sein.
Wenn man an einem Scheideweg stand, wenn der Weg zurück verbaut war, mußte man eine Entscheidung treffen. Ich hatte meine längst gefällt. Es gab immer einen leichten und einen schweren Weg. Ich will verdammt sein, wenn der leichte der meinige sein sollte, das war er nie und das würde er nie sein. Doch welcher der schwerere ist blieb ab zu warten. Beobachten und lernen. Das war der Weg. Die richtige Entscheidung zum rechten Zeitpunkt. Sollten sie glauben, was sie wollten, woran sie glaubten war nicht von Belang, nicht hier und nicht jetzt. Lernen.
Bisher war dieser Weg eine ziemliche Enttäuschung gewesen oder zumindest waren es jene, denen sie bisher darauf begegnet war. Zu berechenbar. Zu kurzsichtig. Tief drinnen langweilten sie diese Menschen, wie Spielsteine konnte man sie hin und her schieben, Reaktionen auslösen und unterbinden, man konnte so tun, als spiele man mit, man konnte Regeln aufstellen und brechen mit nur einem Wink, kaum stark genug, einen Grashalm zu verbiegen. Hier gab es nichts, das ich lernen konnte, nichts, das mir nicht schon vertraut war. Je dunkler der Wein, desto bitterer der Geschmack, sagte das Sprichwort. Ja, diese Verbitterung saß tief, machte sie verletzlich und angreifbar. Nein, diese beiden konnten ihr auf ihrem Weg weder folgen, noch konnten sie ihr Begleiter sein. Schlangen, ja, aber sie bissen sich in den eigenen Schwanz, schwächten ihr ureigenes Potential, anstatt es geballt dem Feind entgegen zu schleudern.
Was sie vom Hauptmann zu halten hatte wußte sie nicht so recht. Der Tragweite seines Handels war er sich jedenfalls kein Stück weit bewußt. Gut, woher auch, das hier war wohl nichts, womit er sich jemals befaßt hatte. Ein wenig erinnerte er sie an die Säbeltänzer in der Ferne, an Bauern auf einem Schachbrett. Sie zogen nicht, sie wurden gezogen, gezogen und geopfert. Denkt er, daß er den Durchmarsch schafft? Hat er das Potential hierzu? Lohnt es sich, es heraus zu finden? War es von Belang für sie oder für sonst irgendwen? Welchen dunklen Wein mochte er getrunken haben? Verzweifelung? Gier? Oder verlangte es ihm nach dem alles formenden Kampf, dem Gemetzel um die Krone des Kriegsfürsten? Sie mußte sich eingestehen, daß sie diesen Gedanken erregend fand, interessant genug um ihm nach zu gehen.
Im Gegensatz zu ihrer Süssen. Nein, dort sah sie keine allzu große Chance. Zu einfach gestrickt, zu leicht zu entzürnen. Liebes, Zorn vernichtet immer und seinen Träger zuerst. Aber sei unbesorgt Herzchen, Dein Dolch ist bereits geschmiedet und Deine Kiste gezimmert, Dein Sand verrinnt rasch im Glas und Dein Stern hat seinen Zenith längst überschritten. Bald schon wirst Du als Sternschnuppe verglühen und Deine Asche wird auf die Gebeine der Überlebenden herab regnen und die Blumen auf den Totenangern dieses Landes nähren. Auch Du spürst es, ich seh es an Deinem Blick, der Verzweifelung, mit der Du Dich an Dein verpfuschtes Leben klammerst und Dir einredest, es sei bedeutungsvoll. Du spürst es, aber Du willst es nicht wahr haben. Das ist Deine Sünde. Das und Deine Hilflosigkeit mit Worten.
Du denkst, daß Du mächtig bist, weil Du stark und grausam bist. Kleines, Macht entsteht nicht durch Kraft oder eine gezogene Waffe, Macht entsteht wenn man nur durch die Kraft des Wortes den Lauf der Dinge verändern, jemanden erheben oder sein Schicksal besiegeln kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Für Deinen Schlag schulde ich Dir etwas und ich weiß schon, wie ich es Dir vergelten werde. Ich werde Dich etwas lehren, ich werde Dir einen Spiegel vorhalten, ich werde Dich lehren, was es heißt, hilflos zu sein. Was wirst Du tun, wenn Du nirgendwo mehr sicher bist außer in Deinen eigenen vier Wänden aus Stein? Was wenn ich den Varunesen erzähle wem Du dienst, den Bajardern, daß Du Kinder tötest und den Berchgardern, daß Du Minenarbeiter versklavst? Was wenn ich den Menekanern erzähle, daß Du eine Salzhändlerin überfallen hast, den Zwergen, daß Du als Barbierin gelernt hast wie man Bärte kürzt, den Elfen, daß Du Bäume fällst, den Gläubigen Kra'thors, daß Du Untote jagst, den Anguren, daß Du Met gestohlen hast, den Tiefländern, daß Du zum Spaß Wölfe erlegst, den Orks, daß Du gut schmeckst und den Letharen, daß ich Dich mit den Rittern der Allianz Tee trinken sah? Was wirst Du dann tun? Ich weiß es, weißt Du es auch?
Aber gut, die vorrangige Frage jetzt war nicht, was man hier lehren konnte, sondern wie man das beste aus der Lage machen konnte. Möglichkeiten gab es einige. Manche schwerer, manche leichter. In der Theorie. In der Praxis stand ihr Entschluß schon lange fest, die Frage war wohl lediglich, ob der Gedanke so gut, die Umsetzung so erfolgreich sein würde wie in den dutzenden Gedankenspielen, die sie durchgegangen war, Szenarien die sie entwarf, testete, nachbesserte, verwarf und aufgriff. Wenn man erst einmal vom dunklen Wein gekostet hatte, machte er schnell süchtig. Man wollte mehr, immer mehr.
Auch ihr war die dunkle Seite Eluives, die die Fremden hier in den Namen ihres zweitgeborenen Sohnes faßten, vertraut. Vertrauter, als Ihnen hier lieb sein durfte. Aber sie war eine Spielerin, man deckte niemals sein Blatt gleich zu Beginn auf, solange noch eine Karte auf der Kippe stand, denn sonst verlor man alles. Man spielte drei, vier, vielleicht fünf Stiche, zählte seine Punkte zusammen, dann deckte man auf und räumte ganz groß ab, während der Rest noch mit baffem Mund da stand. Den ersten Stich hatte sie heute gemacht, verdeckt und während die beiden noch dachten, daß sie ihr Blatt überreizt hätte zählte sie schon in Gedanken ihre Trümpfe und rechnete die nächsten Stiche zusammen. Sie kannte ihre Mitspieler nicht, aber gut, diese kannten sie auch nicht oder glaubten nur sie zu kennen. So war niemand im Vorteil und es gab nichts schöneres als einen Gegner, der einen unterschätzte, während man in seinem Kerker ausharrte und sich schwächer gab als man war. Das war der Weg und den würde sie gehen, gleich wie viele Leichen ihre Schritte auf diesem Pflaster dämpfen würden. Er führte zum Ziel und nur das war von Belang. Wenn man erst einmal am Ziel angekommen war, dann fragte niemand mehr, auf welchem Pfade man dorthin gefunden hatte. Auch das war der Weg, ein weiterer Tropfen des Weines, der ihre Lippen so rot gefärbt und den Gaumen so süßlich gekitzelt hatte, der bleiern schwer im Magen lag bis man sich seiner gewöhnt, sich ihm angepaßt hatte. Das war der Weg der Schatten. Ihr Weg, wie er ist, war und immer sein würde. Dieser Weg war ein Kreis. Schon immer gewesen. Der Weg war ihr ganz persönlicher Kerker aber solang er einem soviel Strecke, so viel Raum von Wand zu Wand ließ wie bisher sollte es so sein.