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Bevor der Nachtwächter den Morgen begrüsst...

Verfasst: Freitag 17. November 2006, 12:17
von Elias Fregolan
..tritt Elias aus der Herberge auf die Strasse. Nochmals würde er sich nicht blamieren bei den Leibesübungen mit Sire Llastobhar. Ja laufen konnte er so schnell wie ein Hase und so lange wie... wie ein Tier das eben lange laufen konnte. Aber sein Oberkörper wollte einfach nicht so schnell Kraft und Ausdauer aufbauen, wie es der Knappe wollte. Gut...im Vergleich zu früher hatte er schon große Fortschritte gemacht. Sein Kreuz fing an nicht mehr wie ein aus Brettern genageltes Kreuz auszusehen. Auch waren schon Muskeln an Brust und Armen zu sehen. Es ist ja nicht so, dass es nichts bringen würde. Aber Sire Cathal hatte seinen Willen angestachelt nicht mehr nach 5 Liegestützen erschöpft zusammen zu brechen. Außerdem würden die Übungen Elias helfen den Kopf etwas klar zu bekommen. es war noch Dunkel auf den Strassen Varunas, als sich der rothaarige Knappe aufmachte und das leise klackern von Laufschuhen auf dem Kopfsteinpflaster zu hören war. Ja laufen konnte er wirklich. Seine Schritte waren lang.. harmonisch und ausgewogen. Kein Wunder.... war er früher auch vor allem und jedem weggelaufen statt sich ausgiebig zu prügeln. Die Defizite in der Muskelstärke hatte Elias eben mit seinen Beinen wettgemacht. Es dauerte nicht lange, bis er seine eigene Strategie für Rauferein entwickelt hatte. Wenn ihm einer deutlich überlegen war, was so ziemlich jeder Bursche aus dem Dorf gewesen ist, provozierte Elias ihn eben solange, bis er ihm wutentbrannt nachlief. Meist dauerte es nicht lange, bis er hinter sich das erschöpfte keuchen hören konnte. Dann war der Zeitpunkt gekommen anzuhalten und die Fäuste fliegen zu lassen. So konnte Elias selbst den dicken Wachzieherjungen Fred eine tracht Prügel verpassen. Obwohl Freds Oberarme so dick und stark waren wie Eichen. Als Fred aber mit gebrochener Nase durchs Dorf lief war Elias Triumph perfekt gewesen. Niemand hatte ihn länger gehänselt.

Klack..Klack..Klack.. "eine Schlacht dauert manchmal Stunden Elias...und du würdest im Moment nicht mal 5 Minuten überleben"
Pah er würde es seinem Herren schon zeigen! Haus um Haus zog an ihm vorbei während er in der späten Nacht durch die Strassen der Stadt lief. Eine kleine Dunstwolke schob der junge Mann vor sich her, wann immer er den Atem durch den Mund entließ. Durch die Nase ein und durch den Mund ausatmen. Immer im gleichen Takt und niemals unbegründet schneller werden. Freundlich lächelte Elias einer Bäckerin zu, die in diesen Stunden ihr Tagewerk begann. Er sah nicht ihren verdutzten Blick den jungen Mann in den Farben seines Herren auf der Strasse laufen zu sehen. Es war Elias auch egal, was andere denken mochte. So egal wie die Worte von dem Narren Morian oder der Letha, welche er ab und an in Bajard traf. Ihre Worte über Macht, Kampf und die dunkle Seite des Lebens waren genauso unbeeindruckend wie die Taschenmagiertricks von diesem Lestat. Sie würden es nie verstehen, dass Elias nicht kämpfen wollte. "Wer den Frieden liebt rüstet sich für den Krieg" aber nicht um des Krieges willen sondern weil es immer Subjekte wie diese Leute gab, die einfach nicht in Frieden leben konnten. Es ärgert ihn, dass er wegen solchen Wesen kämpfen würde müssen.

Nach etlichen Kraftübungen im Park von Varuna machte sich Elias mit schmerzenden Oberarmen und Brustmuskeln auf den Rückweg. Doch diesmal schlug er den Weg durch die Armenviertel der Stadt ein. Der Morgen graute und hier herrschte schon ein reges Treiben. Kein Wunder...diese Menschen durften keine Zeit vertrödeln, wenn sie ihre Familien satt bekommen wollten. Was würde er dafür geben ihnen allen helfen zu können? Vorsichtig setzte er seinen Weg fort...nicht aus Angst überfallen zu werden. in diesem Teil der Stadt waren die Wege nicht gepflastert und sauber. Sire Cathal würde mächtig böse werden, wenn sich sein Knappe das Bein brach, weil er ein Schlagloch trat. Dennoch verschloss Elias seine Augen nicht vor dem Elend, was sich ihm bot. Kleine Kinder, die Kübel schleppten, die größer waren als sie selbst. Männer, die altes Holz schleppten um damit das Haus zu heizen. Aber am meisten schockierte den Knappen aber eine Frau, die auf den Treppen ihres Hauses ihr Kind säugte. Ihr Busen war klein und verschrumpelt. Wie sollte er auch stramm und fest sein, wenn sie selber hungerte? Wie sollte das Kind satt werden? Schnell lief Elias weiter....

Wieder zurück in seiner Kammer beschloss Elias sein möglichstes zu tun. Viel war es sicherlich nicht. Aber er nahm seine Ersparnisse aus der kleinen Kiste und machte sich wieder auf in das Armenviertel. Dort angekommen beobachtete er genau die Menschen und suchte sich die bedürftigsten von ihnen. So kam es, dass einige unter ihren Türen einen halben Kreuzer durchgeschoben vorfanden. Schnell machte sich Elias jedes Mal aus dem Staub. Wer aber schnell ist, wird noch den rothaarigen Burschen in den Farben des Hauses Llastobhars sehen können.

Verfasst: Dienstag 21. November 2006, 17:52
von Elias Fregolan
Die Sache stank.... und zwar gewaltig...wenn nicht gar bis zu Himmel. Für wie blöd hielt Selissa ihn eigentlich? Er war nicht irgendein rotzfrecher und einfälltiger Bauernjunge. Glaube sie wirklich Elias würde auf so plump vorgebrachte Versuche reinfallen? Wenn ihm jemals einer über sein würde dann müsste diese Person schon gerissen sein wie ein Fuchs. Ihm eine Flasche mit Karottensaft zu schenken...der natürlich auch noch ohne Gift oder sonstigen Schmachsubstanzen versetzt war. Nur so weil sie ihn so gut leiden mag. NA SICHER!!! und die Llastobhars haben weißes Haar, weil sie sich keine Farbe leisten können.

Das Problem an der Sache war nur, dass Elias sich nicht sicher sein konnte, bis der Saft geprüft war. Ein Selbsttest kam nicht in Frage. Den Spaß würde er ihr nicht geben, wenn er mit Magenkrämpfen im Bett lag oder sie ihm erzählte, dass sie in der Flasche vorher zwei Wochen Spucke gesammelt hat. Elias musste also eine geeignete Testperson finden. So machen das Wissenschaftler nun mal. Und er war ja neben dem Großmeister aller Klassen im Kernespucken noch Naturwissenschaftler aus Passion. Getrieben von den wirklich wichtigen Fragen..Wieviel Luft passte in einen Frosch? Beißen Fische bei strömenden Regen besser? Warum wird die Haut schrumplig wenn man lange im Wasser sitzt?
Aber dieser Fall hier war etwas ganz Neues. Hier ging es um Beweisführung. Der Beweis musste fallen, dass Selissa einfach nur unterlegen war. Elias spürte schon das Kribbeln in den Fingern.

Außerdem konnte Elias auch nicht einfach zum nächsten Magier rennen und ihn bitten den Trunk zu begutachten. Wenn da wirklich Gift drin wäre, müsste er Selissa auch ans Messer liefern. Dann würden andere über sie richten und ihm den totalen Sieg nehmen. Das dürfte auf keinen Fall passieren! Zurück zum Kern der Angelegenheit. Zurück zu Elias Instrument der Beweisführung. Die Testperson.... Sollte es ein anderer Mensch sein? Am besten noch Einer, den Elias nicht mochte? Nein...das war zu gefährlich...Nachher passiert noch etwas und dann würde er in Erklärungsnot kommen. Dann vielleicht ein Tier? Ja das war es! Schon fing Elias in seiner kleinen Stube an zu grübeln. Welches Tier wird wohl bereitwillig Karottensaft zu sich nehmen? Einen Fisch darin schwimmen lassen? Nein das würde ihn bestimmt wegen etwas anderem umbringen...Eine Katze? Nein...die mögen bekanntlicherweise lieber Milch...und mischen mit Milch kam nicht in Frage..das würde das Ergebnis verfälschen. Aber welches Tier liebt Karotten? Natürlich..ein Kaninchen!!

Tief unter seinem Umhang saß das flauschigste Kaninchen aus ganz Varuna und Elias strebte auf seine Unterkunft zu. Nichtmal 10 Goldstücke hatte er berappen müssen. Die Treppen zu seiner Kammer flog Elias förmlich hoch. Oben angekommen holte er die eigen für das Kaninchen besorgte Brotkiste heraus. Fein ausgelegt mit alter Kleidung, damit es das Testtier auch bequem hatte. Ein Namen bekam das Kaninchen absichtlich nicht. Es konnte ja sein, dass es bei der Beweisführung verstarb. Tragisch aber nicht aus zu schließen. Aufmerksam verfolgte der Knappe die Versuche des Kaninchens seine neue Umgebung zu untersuchen. Ein bisschen war es ja schon putzig mit seinem Flauschefell, den unschuldigen Kulleraugen und der kleinen Nase. Elias musste sich schon förmlich zwingen die kleine Schale mit Karottensaft aus der Flasche in das gezimmerte Zuhause des Kleinen zu stellen. Aber für die Wissenschaft mussten auch mal Opfer gebracht werden. Sofort schob Elias die Kiste unter das Bett...unfähig auch nur eine Sekunde länger dem Probanten zuschauen zu können. Wenn es morgen noch lebte dann war der Saft zumindest nicht vergiftet. Ob er seltsam nach Schnodder geschmeckt hat würde das Kaninchen freilich nicht berichten können. Aber dafür gab es dann ja andere Testpersonen. Würde der Kleine aber sterben...dann würde Selissa ihn zu essen bekommen. Das schwor sich Elias...und nicht irgendein Schwur sondern einen heiligen Schwur auf beide Beine von Temora! Gut das Beichtvater von Sareth nicht anwesend war. Elias würde wieder eine Predigt bekommen...wenn schon schwören dann auf den ganzen Körper der Göttin. Aber mehr als zwei Beine war Selissa nicht wert.. Mit einem letzten Blick auf das Bett und die Kiste darunter verließ Elias seine Stube und widmete sich der hoch wichtigen Säuberung von Sire Llastobhars Stall

Verfasst: Montag 27. November 2006, 17:12
von Elias Fregolan
Leise hallten die Schritte des Läufers auf dem Kopfsteinpflaster von Varuna. Da Elias immer in den Morgenstunden zu laufen pflegte war er allein mit sich und seinen Gedanken. Der gestrige Abend kann nur als reinste Katastrophe bezeichnet werden. An ihm hat es ja nicht gelegen. Elias hatte seinen Plan bis ins kleinste Detail sorgfältig geplant und umgesetzt. Den Kirschkern sauber abgenagt und bis zum Applaus während der Vorstellung von Baronin von Stolzenfels gewartet. Niemand hatte das verräterische Plopp gehört...Nur den Treffer an Selissas Kopf und ihr fast zu Boden kippen, weil sie mal wieder rumgewippt ist auf ihrem Stuhl. Als der Graf und Lady Darna dann die arme kleine Knappin scholten war Elias Sieg perfekt.

Während Elias schwungvoll einen Fuss vor den anderen setzte ging er in Erinnerungen nochmals zurück in den Kerker. Dort war ihm alles aus der Hand geglitten. es war ja auch nicht abzusehen, dass Selissa so ausklinken würde

"Hey Selissa...hab ich dir schon gesagt, dass dir eine Rüstung unglaublich gut steht? Sie überdeckt deine missratene weibliche Statur fabelhaft"
Wie eine wilde Zuchtsau kurz vor dem Sprung des Ebers kam sie auf ihn zugestürmt. Ihr Dolch flog aus der Scheide und landete an Elias Hals. Mit der Hand schlug er den Dolch von seiner Kehle und sah im gleichen Augenblick ihre Faust vorschnellen und den Gardisten reinkommen. Natürlich ließ er sich treffen und ging theatralisch zu Boden. Doch was passierte? Der Gardist ging nur dazwischen, statt sich Selissa gleich vor zu knöpfen. Beide wurden abgeführt und von Hauptmann Armath und Lady Darna im Saal zur rede gestellt. Nach einem kurzen Intermezzo ging’s dann zum großen Verhör ins Schloss. Beide Knappen mussten abrüsten und sich gegenüber setzen. Einander offen sagen, was sie dem anderen vorwarfen. Der springende Punkt an der Sache war, dass weder die Lady noch der Hauptmann überhaupt mitbekommen haben, was da vor sich gegangen war. es lag auch auf der Hand, dass recht schnell der schuldige feststand...nämlich Elias! Kein Wunder...war Selissa doch Lady von Elbenaus Knappin und der Hauptmann ebenfalls. Zu dritt gingen sie auf Elias ein und er bekam gehörig was zu hören. Dabei war er es nicht gewesen, der eine Waffe gezogen hatte. Gut Elias hatte ein paar Streiche gespielt. Nix dramatisches oder gefährliches. Es war Selissa, die die Grenze überschritten hatte. Unfähig sich zu wehren hatte sie zur Waffe gegriffen. Höchst Ritterlich!

Was Elias aber am meisten zusetzte waren die Anschuldigungen von Sire Llastobhar. Vor den Feinden des Reiches sein Haus blamiert...PAH die dummen Eisenwartler waren in einem ganz anderen Raum als das ganze passierte! Sie hatten gar nichts mitbekommen können. Aber dieser Flohsack von Armath hatte mal wieder die Realität so verdreht wie sie ihm am besten passte. Und das nicht zum ersten Mal! Ohja dieser Kerl... die typische Wache... nicht viel im Kopf aber wohl andere Qualitäten, die eine Frau verzücken konnte. Anders konnte Elias sich die baldige Hochzeit mit der Baronin nicht erklären. Und sie war ja Nichtmahl eine hässliche Frau, die den erst besten Bewerber nehmen würde. Verkehrte Welt!
Aber Elias hat die schelte seines Sires schweigend ertragen. Keine Rechtfertigungen...sie hätten eh nicht viel genutzt. Wer glaubte ihm schon eher als einem Hauptmann der ja alles mitbekommen hatte? Aber die Rache war sein
Mit Selissa hatte er einen kurzen Frieden geschlossen. Sie war ihm unterlegen, dass stand nun klar fest. Aber dem Hauptmann musste er sich nun einmal vorköpfen. An seiner Hochzeit vielleicht...Ja der Gedanke gefiel Elias. Diesmal würde er lange vorher anfangen zu planen und dafür sorgen, dass die Hochzeit dem Hauptmann im Gedächtnis blieb. Ein Leben lang und nicht im Guten!

Elias fing an zu grinsen während er weiterlief. Laufen machte den Kopf frei..und würde ihm helfen zu planen. Vielleicht würde er es sogar so hinbiegen können, alles Selissa in die Schuhe schieben. Das wäre natürlich eine Meisterleistung aber kein zwingendes muss. Zuerst würde er einfach mal nett und höflich zu ihr sei und etwas Gras über die Sache wachsen lassen. Mit ihr gemeinsam die ganzen Strafen der Ritter abarbeiten. Da war es wieder das Gefühl der Ungerechtigkeit. Er, Elias, hatte mehr Strafen aufgebrummt bekommen als Selissa. War das die Gerechtigkeit von der Sire Llastobhar immer sprach? Ohne den anderen zu hören einfach ab zu urteilen? Nein… und dies würde er seinem Herren nicht vergessen.Er hatte nicht mal ein Wort zur Verteidigung zu gelassen. Cathals Stern an Elias Firmament hatte etwas an Leuchtkraft verloren