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Totgeglaubte leben länger...

Verfasst: Sonntag 12. November 2006, 17:18
von Ari´derya
Eine kleine, in eine dunkelblaue Robe gehüllte Gestalt eilte durch die fast menschenleeren Gassen Rahals. Um diese Stunde, weit nach Mitternacht, war außer patroullierenden Gardisten und der ein oder anderen zwielichtigen, Dienstleistungen unterschiedlichster Art anpreisenden, Person niemand auf den Straßen zu sehen. Ari'derya passierte ungehindert das Stadttor, folgte dem Weg eine Weile lang bis sie, vermutlich eher willkürlich, im Zwielicht des Waldes untertauchte. Sie wurde zu einem Schatten, einem von vielen - lautlos, nahezu unsichtbar, keinerlei Spuren hinterlassend. Obwohl niemand in der Nähe war, der sie hätte sehen können, schlug sie weder die Kapuze ihrer Robe nach hinten, noch nahm sie die weiche Stoffmaske ab. Als es dämmerte, ließ die Lethra sich auf dem Waldboden nieder, rollte sich einfach zusammen und dämmerte vor sich hin, bis die Dunkelheit wieder hereinbrach. So vergingen zwei oder drei Nächte, bis sie an ihrem Bestimmungsort angekommen war. Eine kleine Höhle in einem nahezu undurchdringlichen Waldstück, so gut verborgen dass man sie noch nicht einmal sah wenn man direkt davor stand. Durch Zufall hatte sie jene Höhle vor mehr als einem Jahr entdeckt und ihren Standort bisher niemandem anvertraut - selbst Kyr'laex nicht. Kyr'laex -totgesagt, mehr als einmal, mehr als einmal tatsächlich dem Tod sehr nahe gewesen - und jedes Mal wieder zurückgekehrt, dann, wenn man es am wenigsten erwartete. So auch jetzt. Wie ein Geist war er plötzlich hinter ihr aufgetaucht.... Und für sie, Ari'derya, war es nun an der Zeit sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen. Lange genug war sie weggelaufen.Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen zückte die Lethra ihren Dolch und setzte ihn an der rechten, von einer auffälligen Brandwunde gezierten Wange an....

Verfasst: Montag 13. November 2006, 18:41
von Ari´derya
Am Morgen des ersten Tages in ihrem selbstgewählten Exil stand Ari´derya noch vor Sonnenaufgang auf, ergriff ihre Waffe und trat vor die Höhle. Lange wanderte ihr Blick über die silberne Pantherklaue. Keine Scharte, keine matte oder befleckte Stelle entging ihr, wiederholt schüttelte sie den Kopf ob ihrer eigenen Achtlosigkeit. Sie betrat die Höhle wieder, kam nach wenigen Augenblicken mit einem Lederbeutel in der linken Hand zurück. Die Lethra ließ sich im Schneidersitz auf dem Waldboden nieder, schnürte den Beutel aus, holte einen Stein heraus und begann mit diesem die Schneide ihrer Waffe zu schleifen. Ihre Bewegungen waren zuerst ein wenig unsicher und langsam, doch schon nach wenigen Augenblicken wurden sie schneller, gingen ihr letztlich wie von selbst von der Hand. Wiederholt strich Ari´derya mit dem linken Zeigefinger über die Schneide, erst, als jene so scharf war, dass sie sich daran schnitt, legte sie den Schleifstein zur Seite. Daraufhin nahm sie ein weiches, sauberes Tuch aus dem Beutel, reinigte und polierte damit die Waffe so gut wie möglich. Abermals begutachtete sie die Pantherklaue eingehend, musste noch einige Male zum Tuch greifen und polieren bis der unzufriedene Zug um ihren Mund herum verschwand. Die Lethra erhob sich wieder, die Waffe fest in der rechten Hand... und begann zu kämpfen. Nicht gegen einen sichtbaren Gegner, vielmehr gegen einen Gegner, der nur in ihrer Vorstellung zu existieren schien. Sie parierte, fintierte, ging in die Offensive, zog sich wieder zurück... die Waffe durchschnitt immer schneller und kräftiger die Luft, die Bewegungen wurden fließender, geschmeidiger... nach und nach schien ihr Körper sich an jene Bewegungsmuster zu erinnern, die sie noch vor nicht allzu langer Zeit in Perfektion beherrscht hatte. Erst, als ihre Kleidung am Körper klebte, ihre Waffenhand schon zitterte und die Umgebung sich vor ihren Augen zu drehen begann beendte Ari´dery ihre Übungen, zog sich wieder ins Innere der Höhle zurück.

Verfasst: Donnerstag 16. November 2006, 16:06
von Ari´derya
Langsam nur beruhigten sich Atem und Puls der Lethra. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte sie dieser Schattenkampf höchstens ein wenig ins Schwitzen gebracht, doch jetzt... Ihr Körper war von zu wenig Nahrung und stark vernachlässigten Übungen geschwächt, Dinge, die früher selbstverständlich gewesen waren, stellten nun enorme Anstrengungen dar. Sie hatte sich einfach viel zu sehr gehen lassen, hatte sich Verzweiflung und Mutlosigkeit hingegeben, anstatt, wie es ihre Pflicht gewesen wäre, gegen diese Gefühle anzukämpfen, aufzustehen und zu handeln... Und auch wenn sie immer noch überdeutlich die Leere in sich spürte, sich nach der Stimme und Nähe des Vaters sehnte, so waren die Tage des Nichtstuns endgültig vorbei. Sie war endlich aufgestanden...

Als Ari´derya wieder vollkommen ruhig geworden war, schloss sie die Augen und zwang sich dazu, noch tiefer und gleichmäßiger zu atmen als zuvor. Nach und nach gelang es ihr, sämtliche Gefühle und Gedanken zu verbannen, ihre Umwelt vollkommen zurück zu drängen. Dann begann sie, leise, aber klar und ohne zu stocken zu sprechen...

"Dir zu dienen heisst Ehrfurcht zu lernen, um nicht im falschen Hochmut den Sinn unseres Strebens aus den Augen zu verlieren.

Dir zu dienen heisst Gehorsam zu lernen, denn aus ihm erwaechst das Vertrauen sein Leben in die Haende deiner Geweihten zu legen.

Dir zu dienen heisst Treue zu lernen, denn aus ihr erwaechst der grosse Geist, welcher all deine Geweihten gleichermassen erfuellt.

Dir zu dienen heisst ...."

Verfasst: Donnerstag 16. November 2006, 23:48
von Mory'tael
Aus dem Dunkel des Nestes funkelten zwei rot glimmende Augen die Lethra an. Es keuchte kratzig aus der Kehle des Lethyren, welcher am Ende seiner Kräfte dem Treiben zusah. Sie war schon immer sehr stark und schon immer legte der Vater seine Tatze schützend über diese Lethra. Einst war sie die erste Lethra, die höchste ihrer Art. Sie das Eigentum des ersten Lethrixors genoss von je her einen hohen Stand im Nest.

Sie würde dem Volke einige Siege schenken im Namen des Vaters, selbst nach dem Ableben des alternden Lethyren. Seine Wunden wollten sich wie seine Lebenskraft nicht mehr regenerieren und auch sein Geist schien mit jedem Atemzug schwächer. Mory`tael war dem Vater so nah. Bald würde er vor seinem Schöpfer stehen um ihm Rede und Antwort zu stehen. Doch was würde er dem Vater sagen?

Er habe bei seiner letzten Aufgabe versagt? Oder würde er Sagen, Er habe eine Reihe von mächtigen Lethyren geschaffen? Oder würde er von den jungen Letharen berichten. Die jungen Letharen deren Kraft für das Volk ein Segen sind. Vielleicht würde er dem Vater auch von dem Wandel der Zeit berichten. Eine Zeit in der nicht der Geist zählt, eine Zeit in der nur die Klinge regiert, eine Zeit in der Chaos in des Vaters Reich Einzug erhielt.

Es war nicht die Aufgabe der Letharen offen in einen Krieg zu ziehen und doch waren in dieser Zeit die Letharen als Beute aller Völker verschrieben. Diese Lethra tat das richtige um ihrem Vater zu dienen. Sie war um so vieles stärker als Mory es je sein könnte. Nein Mory zog immer den Weg der grauen Eminenz vor. Seine stärke war es zu planen und zu verhandeln. Den Feind einzulullen und mit leeren Versprechen in sein verderben zu locken. Stärken welche diese Zeit nicht mehr benötigte.

Das Schimmern seiner Augen schien mit jedem keuchenden Atemzug schwächer zu werden. Die Klingen der Hinrah die Bisse der Wölfe Lameriasts haben ihn zuviel Blut und Kraft gekostet. Seine Lebensfaden schien sich seinem Ende zu nähern und doch würde er mit einem Lächeln vor seinen Vater treten. Denn nun wusste er was er dem Götterkönig sagen würde. „Vater dein Volk ist in der Lage sich der neuen Zeit anzupassen und bald bereit deinem Ruf in die Schlacht zu folgen.“

Zitternd jedoch mit einem freudigen Zischen bewegte sich der alternde Lethyr in die hinteren Höhlen. Es würde viel vorzubereiten sein, wenn der Vater ihn ruft würde er bereit sein. Berichten würde er seinem Schöpfer von Ari`derias Kampfgeist.

Verfasst: Dienstag 21. November 2006, 20:50
von Ari´derya
Eine Reise in die Vergangenheit... ja, so könnte man Ari´deryas Zeit im selbstgewählten Exil beschreiben. Jahrzehnte war es her, dass sie den Haushalt ihres Vaters verlassen hatte und zur Lethra Kyr'laex' wurde... Jahrzehnte war es her dass ihre Ausbildung zur Lethraxiae und auch ihre Einweisung in die Lehren Alatars begonnen hatten. Und doch erinnerte sie sich an beides noch so deutlich, als wäre es erst gestern gewesen... Ari´derya wiederholte sie, Schritt für Schritt, Übung für Übung, Wort für Wort.

Sie trieb Körper und Geist jeden Tag an ihre Grenzen, widmete sich Ausdauertraining, Übungskämpfen und dem stoischen Erdulden von Schmerz genauso wie Meditation, Gebet und dem Rezitieren von Glaubenssätzen und Dogmen. Genauso wie damals fiel es ihr anfangs schwer... der Körper protestierte heftig gegen die ungewohnte Beanspruchung, der Geist konnte die schmerzenden Muskeln und das Brennen der großflächigen Wunde auf der rechten Wange nur mit Schwierigkeiten hinter sich lassen. Doch nach einiger Zeit gewöhnte sich die Lethra daran, Routine stellte sich ein. Sie wurde kräftiger, Tag für Tag - und auch, wenn Meditation und Gebet nicht das Gefühl der Nähe des Einen wiederherstellen konnten, so schufen sie doch eine gewisse Sicherheit, trieben Verzweiflung und Mutlosigkeit zurück. Die Tage vergingen...

Verfasst: Montag 4. Dezember 2006, 18:44
von Kyr´laex
Totgesagte leben länger

Dunkle Wolken zogen sich vor den Mond, die Sterne schienen nur vereinzelt. Es würde in Kürze wieder einen Regenschauer geben. Der Wind riss an der Kutte der Gestalt, welche sich unauffällig zwischen zwei Häusern bedeckt hielt. Ihren übermenschlich scharfen Augen entging keine Bewegung entlang der Straße. Sie hatte ihr Opfer bereits ausgemacht, sich hier in Position gebracht. Es würde hier entlang kommen. Sicher fühlte es sich in Rahal.

Die Gestalt musste sich ein leises Lachen verkneifen. Hatten sich ihre vorherigen Opfer im Tempel doch auch so sicher gefühlt. Ein kurzes verräterisches Blinken verriet den aus der in einer Falte der Kutte verborgenen Scheide gezogenen Dolch. Nein, dieses Opfer würde nicht sterben, aber der Dolch würde dennoch seinen Dienst tun. Sollte doch niemand etwas hören, eine Spitze an der Kehle macht schnell stumm. Nun konnte sich die Gestalt doch kein leises Lachen in sich hinein verkneifen.

Da war es, das Opfer. Selbst in der Dunkelheit konnte er ihre blaue Hautfarbe ausmachen. Eine lange Zeit war vergangen, seid er sie das letzte mal sah. Er spürte keinen Verlust, nur der Zorn kochte in ihm auf. Die Wut auf den Verrat, die Wut darauf wie jemand so schändlich die Hand beißen konnte, die ihn fütterte, oder sie. Doch es war nicht an der Zeit, er musste Abwarten. Geduld üben. Es war immer eine seiner Schwächen gewesen die Zeit abzuwarten, wann es an der Zeit war. Doch er hatte gelernt. Auf bittere Weise.

Kaum war sie an ihm vorbei gegangen huschte er mit seinen übermenschlichen Reflexen aus der Dunkelheit zwischen den Häusern, überraschte sein ahnungsloses Opfer. Verzweifelt versuchte sie ihn mit einem Rippenstoß abzuschütteln, mit einem Zischen entwich die Luft aus seinen Lungen, doch letztendlich war die Mühe doch vergebens. Schnell brachte er die Hand über ihren Mund und versprach ihr das Genick zu brechen, wenn sie nicht gehorchte. „Wenn du schreist muss ich dir den Hals umdrehen Ari'derya.“ Bewusst nannte er ihren Namen und nutzte die Zunge des Vaters.. Einmal kurz bäumte sie sich noch auf, doch dann gab sie ruhe. Der Dolch durfte heute kein Blut lecken. „Du weißt ich würde nicht zögern. Kein Letharf würde dies. In die Bibliothek und keine Spielchen.“

Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand sie vor ihm, als er die Maske langsam vom Gesicht zog. Seine Kapuze wurde gemächlich in den Nacken geschoben, das Kinn anschließend leicht in die Höhe gereckt. Ein herrischer Blick erfüllte die fliederfarbenen Augen, wieder von der alten Stärke beseelt, wie vor jenem verhängnisvollen Tag. Ihr musternder Blick entartete immer stärker zu einem entgeisterten Starren und eine Blässe stieg ihr ins Gesicht. Das Brandmal auf ihrer Wange wurde in Kontrast nur noch deutlicher zu erkennen. Ein Schmiedehammer nebst stilisierter Pantherklaue.

„Was hat es mit meinem Todesurteil auf sich?“, erfüllte seine barsche Frage den kleinen Raum. „Mory'tael erklärte dich für vogelfrei, weil du angeblich das Volk verraten hast.. er sagte, du habest Ketzer unterrichtet, Verhängnis über Rahal und die Letharen gebracht.“ Erläuterte sie ihm mit gedämpfer Stimme, derselben Zittern mit Schnelligkeit zu überspielen versuchend. „Und wer sollen diese Ketzer sein?“, fragte er gelassen, während er einen Schritt vor trat und nach ihrem Gesicht griff. Zunächst schien sie einen Schritt zurück weichen zu wollen, blieb schließlich jedoch vor ihm stehen. „Er nannte keine Namen, meinte jedoch er habe die Situation noch retten können.“, brachte sie noch heraus, bevor sie zur Gänze erstarrte. Auffallend mager zeichneten sich ihre Wangenknochen deutlich ab, ebenso wie ihre Schultern und die dürren Arme. Jede sichtbare Stelle ihrer Haut war von unzähligen augenscheinlich Peitschenhieben übersäht, sie schienen schon länger zurück zu liegen und würden niemals komplett verschwinden.

Mit einem harten Griff seiner Hand drehte er ihren Kopf zur Seite, so dass er das Brandmal auf ihrer Wange deutlich erkennen konnte. „Du scheinst ihnen geglaubt zu haben.“, erläuterte er in einer schlichten Feststellung. „Nein. Nein, ich habe es nicht geglaubt. Ich wusste, dass du lebst, ich wusste das du nichts getan hast.“ „Tot sollte ich also auch sein.“, kam es ihm leicht spöttisch über die Lippen. „Mory'tael und die Anderen stellten es gerne so dar, wenn ich mich darauf berief, dass du es eben nicht warst.“ Den linken Arm hielt in einer unnatürlichen Haltung an seinem Körper, als er in einer abfälligen Handbewegung ihr Gesicht aus seinem Griff entließ und sprach: „Ein Letherix der Metalle also?“ „Ich habe mir dieses Los nicht ausgesucht“, antwortete sie ihm leise. „Von einem toten Letarfen sicherlich ein Aufstieg.“, kam schlicht seine Erwiderung. Ihre Antwort war nur Schweigen, doch senkte sie den Kopf so weit, dass es stark an eine Verneigung erinnern sollte.

„Ist er für die Narben verantwortlich?“, fragte er weiter in seinem distanzierten, sachlichen Tonfall. „Nein, so weit hätte ich es nicht kommen lassen. Jene sind dafür verantwortlich, die mich daran hinderten, deinen Auftrag auszuführen und auf direktem Weg nach Rahal zurück zu kehren. - Menschen.“ „Ich wurde ebenso aufgehalten. Vielleicht sollte ich sagen glücklicherweise. Mit einem verbeulten Ahadschild gewinnt man keine Schlachten mehr.“ Ein forschender Blick ihrerseits enthüllte ihr, dass Kyr'laex ebenfalls nicht bei vollen Kräften war, jedoch bei weitem nicht so ausgemergelt wie sie, während er fortfuhr. „Ich habe es geschafft mir einen Tempel der menschlichen Gläubigen des Vaters zu unterwerfen. Und so rief der Alka mich zurück nach Rahal und er wird auch den Bann in unserem Volke von mir nehmen.“ Bei seinen Worten hoben sich ihre Mundwinkel andeutungsweise und sie murmelte eher zu sich selbst: „So eröffnete der Vater uns beiden neue Wege.“ Und lauter fügte sie hinzu: „Ich hätte nie gedacht, dass du zurück kehrst, nicht nach dieser Zeit. Vielleicht wendet es sich noch alles zum Guten. Nach den Zeiten als Sklavin der Menschen, oder der kastenlosen Lethra eines Schmiedes. Was danach folgen soll weiss ich nicht, leere bisher. Bedeutungslosigkeit.“ „Möglicherweise wirst auch du es schaffen wieder zu alter Stärke hinauf zu steigen. Mit ein wenig mehr Nahrung.“ Den zweiten Satz in einem spöttischen Tonfall hinzufügend.

„Das allein wird nichts ändern. Nahrung , körperliche Stärke... das hätte ich ja schon lange ändern können, es wäre noch nicht einmal schwierig gewesen. Doch sag, was nutzt mir das, wenn ich mit meiner Stärke nichts bewirken kann? Wenn die Tatze des Vaters von mir so weit entfernt ist wie das Sternenzelt vom Erdboden?“, erläuterte sie ihm in einem resignierten Tonfall. „Auch ich fand den Weg zurück zum Vater.“, kam die einfache Antwort von ihm zurück. „Du warst ihm auch stets näher als ich... Wenn du den weg zurück nicht gefunden hättest, wer dann?“, setzte sie dann nach. „Vielleicht du meine Schwester. Der Herr steht dir nicht im Weg, du bist es immer Selbst.“, erläuterte er nun in einem beschwörenden Ton. Ihr nachdenklicher Blick führte an ihm vorbei uns sie ließ sich mit der Antwort einige Zeit, bevor sie fortfuhr: „Vielleicht... doch eröffnete sich mir bisher keine Lösung.. kein Weg, an mir vorbei zu kommen.“

In seinem beschwörenden Tonfall fuhr er nun weiter fort: „Erinnere dich an die alten Lehren. Sie haben noch immer ihre Gültigkeit. Warum gibst du einem Bettler keine Goldmünze?“ „Weil die von den Starken am Leben gehaltenen Schwachen die Gesellschaft vergiften.. für sie ist im Reich des Vaters kein Platz.“, kam von ihr die Antwort unmittelbar, ohne zu Zögern.

Und er stellte im Bewusstsein, dass sie die Antwort weiß stellte er die nächste Frage: „Und was macht jene Schwach?“ Ihre schlichte Antwort lautete sofort: „Der fehlende Wunsch sich aus eigener Kraft aus der Situation zu befreien..“

Und es folgte in einem nun provozierenden Ton: „Und möchtest du eine der Ihren sein?“ „Nein.“, erwiderte sie ruhig, mit jedem Wort der Antworten wirkte ihre Stimme deutlich fester als zuvor.

Als Antwort erhobt der Letharf die Arme vor die Brust und verschränkte jene dort, seine Wange zuckte kurz, als er den linken Arm anhob. „Ich werde niemals wieder so kämpfen können, wie damals, ich benötige ein starkes Schwert an meiner Seite. Erinnerst du dich an Quarius?“ Sie bestätigte die Frage mit einem Nicken. „Meine Zeit ihn nieder zu strecken ist vergangen. Die Jemand anderes wird kommen müssen.“ Sie neigte auf diese Worte hin ihren Kopf und erwiderte leise: „Doch die Dinge haben sich geändert, Kyr'laex... ich bin gebunden durch die Gesetze unseres Volkes. Ich bin die Lethra Ryx'tares, seine Befehle muss ich anerkennen... So wie ich.. früher... die deinen anerkannte.“ „Und er möchte keine wehrhafte Lethra?“, fragte er begleitet von einem Heben der von Narben zerfurchten Augenbraue. „Doch, das möchte er... schließlich wäre sie eine Zierde an seiner Seite.“ Begleitet von einem ungläubigen Keuchen fragte er anschließend: „Eine Zierde? Was zählt außer dem Willen des Einen? Was ist dann eine Zierde?“ „Blendwerk, das uns ablenkt... und uns vom eigentlichen Ziel weglockt. Doch solltest du das wohl eher Ryx'tare fragen...“, war ihre von Schlichtheit in der Stimme getragene Antwort. Seine Augen drückten nun einen beinahe Fassungslosigkeit zu nennenden Ausruck in sich. „Aber er ist ein Letarf?“ „Gewiss. Ein Letharf der stolz darauf ist, sich in seinem Volk eine gewisse Position erarbeitet zu haben.. und der seinen Einfluss und seine Bedeutung gerne mit einer starken Lethra... einer ehemaligen Streiterin des Herrn.. unterstreicht.“, war die weiterhin von der Schlichtheit, welche eine stille Überlegenheit in diesem Teil des Gespräches unterstreichen sollte getragen war. „Ich höre dich von einem varuneser Gecken sprechen.“, antwortete der Letarf, als er seine Fassung wieder gewonnen hatte. Auf seine Worte hin sagt sie nichts, schüttelt weder den Kopf, noch nickt sie. Nur ein Funkeln loderte in ihren Augen.

„Denk über meine Worte nach und fühle in dich selbst hinein, ob die alte Flamme des Zornes noch lodert.“, spricht er noch während er sich die Maske wieder über das Gesicht zieht und sich anschließend zum gehen umwendet, zurück ins nächtliche Rahal tretend. Die Saat des neuen Zornes war gelegt, das Feuer würde bald wieder auflodern. Ein zufriedenes Nicken zu sich selbst erging, als der Tetrarch Latens zurück zum Kloster schritt. Das Fundament Rahals würde neu erschaffen, mit seinem Volke als Rückgrad, das Menschleinvolk als willige Diener. Es verlief alles nach Plan, der Vater würde stolz auf ihn sein. Schlussendlich würde er doch an seiner Tafel sitzen und voller Ehrfurcht in sein Antlitz blicken dürfen. Jede Pein des Lebens wäre vergessen, jeder Schmerz hätte sich gelohnt. Ja, sie würde sein Fundament stärken.