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Der Weg zur Freiheit führt über Leichen

Verfasst: Samstag 4. November 2006, 19:11
von Thrillom Samuas
Er ward mal wieder am Freidhof zu Varuna, um nach dem Rechten zu sehen, als eine Gruppe Gardisten mit einer Gefangenen vor den Toren auftauchen. Empört richted er seine Worte gegen sie. Was fällt ihnen ein den Boden der Ruhe, aufdem die Toten Schlafen mit Waffen zu betreten?
Die Antwort der Gardisten war klar und selbst ihn überzeugten sie Sovort. Luczilla wollte am Grabe ihres Verstorbenen Cousin Richard trauern. Es war keine Große Leistung seinen Gedankensprung zu gehen. Unsanft wurde er von den Gardisten Vertrieben. Und unter einem Schwachen grinsen Machte sich der alte auf in die Gruft des Friedhofes jene zu Erwecken die dort ewig Schliefen. Die Trauer an der Oberfläche wurde je unterbrochen. Die Weiche Erde wölbte sich...Riss und Gab die Toten Preis welche sich voller Hass und Rachsucht über die Lebenden her machten. Ritter, Handwerker, Soldaten erwachten mit der Bewaffnung welche sie in der letzten Stunde trugen. Ein Zombi mit einem Riesigen Schmiedehammer entwich aus dem Grab vor welchem Luczilla weilte und Schleuderte diesen in Richtung des Helmes eines Gardisten...
Das Chaos war Perfect...und als sich die Toten beruhit hatten...fehlte einiges auf dem Friedhof...

Tanz auf des Toten Schmied Beerdigung

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 02:31
von Luzcilla Amarth
Varuna zur späten Abendstund

Nur das Getrampel der Spinnen an der Decke war zu hören in ihrer einsamen Zelle.

Unterschätzt hatte sie den Grafen, sie hätte ihn für leichter manipulierbar gehalten doch die Zeiten waren ungünstig für Intrigenschmiede wie sie es einer war. Ihr Plan war nicht aufgegangen die Politik Varunas mal wieder so zu lenken wie es ihr gefiel. Ihr Feind hatte gelernt wie man mit ihr umging, der Schlangenzunge Amarths. Sie musste nun davon ausgehen das wirklich ihr Kopf gefordert wäre auf dem Schafott. Geköpft als Alatars Märtyrerin auf dem Marktplatz. Vor einem Monat hätte ihr das noch gefallen. Doch es war etwas geschehen, Luzcilla hatte des „Einen“ Segen verloren. Die sich sonst so selbstsichere Luzcilla stand ohne ihren geliebten Gott da. Sie konnte es sich nicht erklären wer so mächtig war in Rahal so gegen sie zu intrigieren das des „Einen“ Schlächterin dermaßen in Ungnade gefallen war. Ohne Alatars Segen würde Luzcilla bald auf dem Sterbebett verweilen, immerhin hatte ihr der Blutgott immer wieder das Geschenk der Regeneration gegeben. Alle ihre Wunden egal wie alt und bedeutsam waren nur Zierde, ein makaberes Kunstwerk auf ihrem trainierten Körper. Doch jene Wunden rissen wieder auf entzündeten sich. Wenn erst ihre Kopfwunde aufriss wäre es um sie geschehen. Doch so mächtig war ihr Feind in Rahal doch nicht. Den sie verlor den Segen sehr langsam.

Ihr goldenes Auge suchte durch die Zellen.

Nun musste sie sich auf seltsame Gestallten einlassen um hier wieder hinaus zu kommen. Doch Richard hatte ihnen vertraut den Schatten Engeln, nun war es an Luzcilla das Selbe zu tun. Nur makaber das gerade Richards Beerdigung ihr zur Flucht verhelfen sollte. Oft hatte Richard über ähnliche Methoden erzählt und auch im Grunde waren Amarths Grundsätze derer der Schatten nicht unähnlich. Immerhin folgten sie dem Weg Noir`s. Sie hatte in der Nacht eine Nachricht bekommen. Blut rann durch die Ritzen der Gefängnis Mauer und verkündete den finsteren Plan. Luzcilla hatte wirklich die Chance ihr missratenes Leben in den Dienst eines neuen Herrn zu stellen. Mächtig genug um sich an Alatars Schergen zu rächen und den Anhängern der Hure den Gar auszumachen.


Ein finsteres Lächeln formte sich auf Luzcillas Mund. Ihr Auge hatte das Bewegen der Türklinge wahrgenommen. Dann beginnt es also, auf zum Tanz auf des toten Schmieds Beerdigung.

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 03:43
von Luzcilla Amarth
Weg zum Friedhof

Adrian Greif trat durch die große Eichetür in den dunklen nassen Gang der Zellenblöcke. Sein süffisantes Grinsen war schon fernem zu sehen.

Na Amarth, höhnte er. Grade er den sie nur zu gut kannte, einem ehemaligen Soldat der Garde des Herrn. Oh der rahaler Speichellecker, kam es aus ihrem Mund. Nein grinste er triumphierend, sie so dort zu sehen, Varunas Speichellecker wenn ich bitten darf.

Da war er, Faktor X den Luzcilla nicht berechnen konnte. Adrian Greif ehemals in Rahaler Dienst stand vor ihr. Hass ihr gegenüber musste er genug haben sie hatte ihn nie gut behandelt in Rahal. Zudem hatte sie wahrlich Angst davor mit ihm alleine zu sein. Er war wahnsinnig genug ohne nachzudenken die Tür aufzusperren und sie zu töten. Achtung hallte es durch die leeren Gänge des Gefängnistraktes der Gardisterei.


Ein Herr in prunkvoller Lederrüstung und dem Rangabzeichen eines Leutnants schritt auf die Beiden zu. Luzcilla musste Lächeln welch unverschämtes Glück.

So sehen wir uns auch mal drang seine tiefe Stimme durchs Gitter. Luzcilla durchleuchtete diese Gestallt. Konnte es sein das sie heute 2 Orcs mit einem Hieb erledigen konnte. Luzcilla begann ihre Scharade und ihr Kopf nickt ihm freundlich entgegen. Luzcilla Amarth sehr erfreut Herr…. Mit wem habe ich die ehre, säuselte Luzcilla es aus ihrer Zelle. Leutnant Adrenalon herrschte er sie in seinem militärischen Ton an. Luzcilla wurde hellhörig, die Götter hatten es wirklich gut gemeint mit ihr heute. Ich habe von euch gehört. So? Aye! Luzcilla testete seine Reaktion und wurde überrascht. Von meiner Waffenschwester sprach sie überdeutlich. Frau Oberst meint ihr womöglich, kam wieder als knappe militärische Antwort zurück. Luzcilla war beeindruckt selten hatte sie einen so disziplinierten Soldaten gesehen. Er hatte nicht mal gezuckt bei ihrem Versuch seinen wunden Punkt zu attackieren. Luzcilla kannte ihr Gegenüber von etlichen Geheimdienst berichten. Doch seine Auftreten und seine Art waren untypisch für einen Varunesen. Wieder und wieder versuchte Luzcilla Adrenalon im folgenden Gespräch eine Gefühlsregung abzugewinnen doch erfolglos. Sie hatte keine Zeit nun aber mehr für ihre Spiele. Womit habe ich denn die Ehre euch beide vor meiner Zelle zu haben. Nun hattet ihr nicht einen Wunsch hallte es durch Luzcillas Kopf. Luzcillas Miene änderte sich schlagartig und ihre gespielte Überraschung füllte den Raum. Ich darf meinem toten Cousin die letzte Ehre erweisen? Auf Anordnung des Hauptmanns ja…. Glaubt mir ich war dagegen. Da war sie die erste unterschwellige Gefühlsregung des sonst so kühlen Leutnants. Adrenalons Unzufriedenheit über seinen Befehl Luzcilla zum Friedhof zu bringen war über deutlich. Bekomme ich meine Krücke stocherte Luzcilla in Adrenalons winziger Wunde. Und wieder erkannte sie seinen Unmut über die Situation. Ohne Krücke herrschte er sie knapp an.

Luzcilla mühte sich auf und zerrte sich am Gitter hinauf. Der Kadett öffnete die Tür und drängte sie mit Schild und Schwert zurück. Adrians Freude über die Chance Luzcilla erschlagen zu können wenn sie fliehen wollte war erdrückend. Langsam streift sie durch die feuchten Gänge zum Ausgang der Gardisterei in Begleitung ihrer Bewacher. Knarrend öffnete sich die Tür und die untergehend rote Winter Sonne blendete Luzcilla in ihr Auge. Frischer Wind glitt durch ihr Haar.

Es war der Geruch der Freiheit nur leider verpesteten 20 gerüstete Gardisten die Luft. Hudgarr hatte sich nicht Lumpen lassen. Er hatte die übelsten Schergen und Gardisten zusammen rufen lassen die er gefunden hatte. Nicht einmal in Luczillas bester Stunde und in Waffen hätte sie dieses Aufgebot an Wachen bezwingen können. Die Eisen wurden ihr lächelnd von einem übel riechenden Gardisten angelegt und man sammelte sich um Luzcilla. Im Gleichschritt, hallte es aus Adrenalons Kehle.

Mühevoll humpelte Luzcilla Schritt für Schritt durch die Strassen Varunas die Strassen waren in dieser kalten Jahreszeit fast leer. Dennoch sah man in den oberen Stockwerken sich die Bürger das Schauspiel, mit platt gedrückten Nasen an den Scheiben, an.

Es war wie eine abscheuliche Parade zur Schaustellung einer Massenmörderin. Ein seltsames Gefühl als Todgeweihte auf dem Weg zum Friedhof zu sein in Begleitung ihrer Peiniger. Die Fahnen Varunas wehten über dem Tor und in Luzcilla kochte der Hass auf. Wenn sie diesen Abend überlebte würde sie diese Tore erst wieder durchschreiten wenn die Stadt brenne und sie sich an den Leichen ihrer Feinde erfreuen kann. Der Duft von Weihrauch stach ihr in der Nase. Nach einem ewig langen Weg zum Friedhof hatte man den Zaun erreicht. Auf dem Friedhof arbeiten die Totengräber und der Wärter empfing sie am Tor……

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 13:59
von Thrillom Samuas
Er hatte seinem Verstorbenen Genossen noch einen letzten Gefallen zu tun, Sicher hatte Thrillom Richard bei seinem letzten Weg zu dem Meister Begleited, doch seine letzte Bitte konnte er ihm nicht ausschlagen. So setzte er sich eines Abends an seinen Schreibtisch und setzte ein Schreiben auf, welches den Plan ins Rollen bringen sollten. Ein schreiben das wie jedes welches er Aufsetzte, Betrügen und Lügen sollte um seine Ziele in Kreifbare nähe zu bringen.
Die Schattenengel machten sich langsam auf den Willen eines Verstorbenen Mitgliedes in die Tat umzusetzten, und so erreichte Leutnand Adrenalon recht eilligst ein Merkwürdiges Pergament von äusserster dringlichkeit.

http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?p=84566#84566

20 Mann auf des toten Manns Grab..

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 14:53
von Adrian Greif
Langsam sank sein Kopf zurück auf die Stuhllehne und er schloss die Augen. Was zur Hölle war heute passiert?! Diese elendige Schlange von Amarth. Selbst die Ritterin von Elbenau wollte sie schnell hinrichten lassen. Und die verurteilte normalerweise niemanden so schnell! Was sollte dieser wirklich saudumme Befehl sie zum Friedhof zu geleiten?! Er schnaubte. Obwohl, eigentlich sah ja alles ganz gut aus. Bis zum Friedhof. Dann fing das Verderben an...

Luzcilla kniete auf dem Grab, die 20 Gardisten - darunter er selbst - hielten sie wie von Leutnant Adrenalon befohlen im Auge. Plötzlich wurde der Leutnant nervös. Hatte er was gehört? Man merkte es daran wie er sich hektisch umsah. Er musste irgendetwas mitbekommen haben von der Hölle die von jetzt auf gleich über die Gardisten hereinbrach. Verstorbene Leiber quälten sich aus der Erde. Verdammt, er wusste garnicht dass Varuna überhaupt in der Lage war so viele Menschen an einem Ort zu verscharren!
BLAN KZIEHEN! brüllte der Leutnant. Wie unnötig. Die 20 Männer um ihn herum rissen bereits beim ersten Anzeichen von Gefahr die Waffen aus den Scheiden. Auch der Angriff hätte eigentlich nicht befohlen werden müssen. Neben ihm gingen zwei zu Boden, an den Knöcheln von Zombies gepackt die gerade aus der Erde stiessen. Viele der Soldaten entschieden sich für das gleiche: Amarth! Die Äxte und Schwerter schnitten sich durch die zähen Leiber der Zombies und dann leuchtete da etwas: ein weisses Hemd, schwarze Haare und nicht faulige Haut. Amarth! Miststück! DU kommst hier nicht raus! Der Axthieb hätte ihr den Schädel gespalten hätte ihn nicht von der Seite so ein Untotes Mistvieh angefallen und ihn zur Seite gedrängt. Dass die Axt sich durch die Haut an Luzcillas Schulter schnitt merkte er nicht mehr. Und als das Vieh einen Arm weniger und ein beachtliches Loch im Schädel hatte war Amarth verschwunden. Verfluchter Mist!

Er sah sich um und versuchte sich die Lage klar zu machen. Der Friedhof sah aus wie ein Schlachtfeld. Vier Gardisten standen noch. Mit ihm also fünf. Und der Leutnant. Den Göttern sei Dank. Automatisch scharten sich die fünf verbleibenden um den Hauptmann um weitere Befehle entgegen zu nehmen. Aber dazu kam es nicht. Als die Gruppe den Hauptmann erreichte, der gerade damit fertig war den Friedhofsgräber zusammenzuschreien, angekommen war fing dieser auf einmal an zu röcheln und Blut zu spucken. Dann brach er zusammen und erst jetzt sahen die Männer den Dolch den ihm jemand in den Rücken gestochen hatte. Ein letzter Abschiedsgruß dieser Alatarischen Schlange? Zwei Frauen tauchten auf und fragten ob sie helfen könnten. Helfen. Wer würde den 15 gefallenen helfen? Gefallen am Ort des Todes - welch Ironie des Schicksals. Er schüttelte diese Gedanken ab, dafür war nicht die Zeit!

Warum jetzt gerade ein Kadett die Gardisten anwies was nun zu tun sei wusste in diesem Moment keiner so wirklich. Aber es störte auch keinen. Zwei Gardisten und er selbst sollten den Leutnant zum Kloster bringen. Die restlichen zwei zurück nach Varuna laufen und sofort eine Suchmanschaft nach Amarth auf die Beine stellen. Die zwei Frauen packten ebenso an. Erstaunlich war es, aber sie konnten dem strammen Militärschritt der Gardisten mithalten. Sie blieben auf den Pfaden, wer weiß was für einen Plan ihre Gegner noch in der Hinterhand hatten? Der Weg zum Kloster war weiter als gedacht und der Leutnant nicht gerade ein zierliches Frauchen. Dementsprechend schnauften alle beteiligten als sie am Klostertor ankamen. Aber für eines war noch Kraft: Laut zu schreien! Und in genau diesem Tonfall forderte er nun das Tor zu öffnen, man hätte einen verblutenden Soldaten hier. Es dauerte eine halbe Ewigkeit in den Augen der Gardisten. Dann aber öffnete endlich jemand. Und er führte die Gardisten auch sogleich in ein Schlafgemach wo der Leutnant sanft abgelegt wurde. Bei allem was Gut und Recht war..wenn die Frau Oberst erfahren würde dass ihr liebster nun hier verletzt lag war es vorbei mit der Ruhe die Sire de Arganta gestern noch befohlen hatte. Adrian geleitete noch die zwei Frauen zum Tor und bedankte sich für die Hilfe. Dann zurück vor das Schlafgemach. Der Eimer beim Brunnen des Klosters musste für eine kurze Erfrischung herhalten. Unruhig tigerte er vor dem Schlafgemach auf und ab..und stockte plötzlich. Oh nein. Nicht jetzt, nicht sie..!

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 16:03
von Andrey von Greifenbach
Sein Schlaf ging ruhig und regelmässig, nachdem der Templer van Saleth ihn behandelt hatte. Nur der Wickel, der sich um seinen Bauch legte, und der Schweiss, der in groben Perlen auf seiner Stirn stand, zeugten davon, dass etwas schreckliches mit ihm geschehen sein musste...

____


Er nahm den Brief von dem Tisch, brach das Siegel. Dann überflog er kurz die Zeilen, und seufzte dabei. Als hätte er nicht schon genug zu tun!
Als er fertiggelesen hatte, setzte er sich.
Das war der Hammer. Luzcilla Amarth zum Friedhof... Er war immer Loyal gewesen, hatte keine Befehle hinterfragt und erwartete, das seine Befehle ebenso behandelt wurden. Aber dies?! Er schmiss den Brief wieder auf den Tisch zurück und erhob sich. Kurzzeitig hatte er gar ernsthaft drüber nachgedacht, ob Luzcilla nicht vielleicht vorher ein dummer Unfall im Kerker passieren sollte... "Wenn, dann jetzt. Bevor ichs mir noch anders überlege und der Schlange eigenhändig etwas antue."

Kadett Greif war bereits im Kerker, warum wusste er nicht. Aber man sah, das die beiden sich nicht sonderlich mochten. Langsam begann er, den Kadetten mit anderen Augen zu sehen.
Luzcilla Amarth war die Freundlichkeit in Person. Wäre sie eben nicht _Luzcilla_ gewesen, er hätte sich sicherlich auf ein Gespräch eingelassen. Hier aber war es anders: Dort war sie, die "Waffenschwester" Darnas..."Beherrsch dich, lass dir nichts anmerken..." Es war nicht einfach für ihn, diese Frau dort zu sehen, die Darna schon soviel Kummer bereitet hatte.

Er konnte sich halbwegs beherrschen, hielt sich bedeckt und militärisch knapp. Ob sie ihre Krücken haben könnte? Pah. Vielleicht würde sie ja...-unvorteilhaft- stolpern...


Bis zu Friedhof ging alles gut. Die Gardisten, allesamt ehrenwerte Soldaten und geschult, machten ihre Aufgabe sehr gut.
Jedoch, als sie am Friedhof ankamen, waren sie nicht allein. Der Friedhofswächter und sein Gehilfe waren dort. Und sie standen dort, als hätten sie die Truppe beinahe erwartet. Er bat sie knapp, und vielleicht auch nicht allzufreundlich, den Friedhof zu verlassen oder Abstand zu halten. Es war keine Zeit für freundliche Floskeln, er wollte dies so schnell wie möglich hinter sich bringen. Die beiden verzogen sich in das Friedhofhaus, und Luzcilla begann ihr Theaterspiel vor dem Grab Richard Amarths.


______


15 Tote. 15 Gardisten, die unter seinem Befehl standen und in den Tod gingen, weil er letztendlich doch _zu_ loyal war. Er fuhr sich über das Gesicht. Der Friedhof bot ein Trauerspiel, überall verrottete, verweste Leichen, die Seite an Seite mit den gefallenen Soldaten lagen. Er fuhr herum..Luzcilla war im Durcheinander des Gemetzels verschwunden. "VERDAMMT!!!"
Er schrie den Friedhofswärter zusammen. Er brüllte ihm speichelnd ins Gesicht, wie sowas an einem heiligen Ort passieren könne... Die Überlebenden hielten nach Luzcilla Ausschau, aber ihm war klar, das sie nicht mehr da sein würde.

Er wollte gerade herumfahren un die Verbliebenen sammeln, um eine gross angelegte Suchaktion zu starten, als der Schmerz ihn von den Beinen fegte. Es war ein stechender, plötzlicher Schmerz...Er fiel auf die Knie, stütze sich auf dem Boden ab. Blut tropfte aus den Nischen seiner Lederrüstung, er spuckte Blut, röchelte...


Das letzte, was er bewusst wahrnahm, war die gellende Stimme Adrians "DER LEUTNANT!"... und der lange Dolch, der sich seinen Weg tief durch das Leder, die Haut und das Fleisch gebahnt hatte...




Wenn der helle Tag sich in deinen Augen bricht,
Doch sein Schein berührt dich nicht.
Ich seh die Schatten auf deinem Gesicht,
1000 Narben in den Zügen eingegraben
Als Abglanz vom Licht...

Da war niemand mehr, der zu dir spricht,
Sie sind alle schon fort.
Wohin sie gingen, weißt du nicht,
Nur ihr Fleisch blieb zurück.
Ihr Blut in deinen Augen trübt die Sicht,
Wie ein Abglanz vom Licht.

Und ein weitrer Teil von dir zerbricht...

Doch manchmal ist da eine Stimme
Die aus dem Dunkel zu dir spricht.
Du kennst ihren sanften Klang,
Doch ihren Namen kennst du nicht.
Du verstehst kaum, was sie dir sagt,
Und irgendwann verstummt sie ganz.
Das Schemen verschwand im Lichterglanz
Von deinen Händen tropft das dunkle - Rot...
Und du bleibst allein zurück mit dem - Tod...
Von dem, was du tatest



Wendest du ab das Gesicht
Niemand soll dich so sehen
Hier, im Abglanz vom Licht..

(Eisregen - Im Abglanz vom Licht)



Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 16:47
von Darna von Hohenfels
Oh nein. Nicht jetzt, nicht sie...!
Oh nein. Nicht jetzt, nicht er...!

Eine Uniform im Kloster war schon schlimm genug. Und dann auch noch Greif. Allein sein Anblick ließ das ganze Programm runterspulen, was sie derzeit mit ihm verband - Wohlwollen, untergraben durch Vorwürfe, Erinnerungen an Gespräche, Erinnerungen, daß sie ihn nun länger eigentlich schon nicht mehr näher betrachtet hatte, als das fehlende Barett an ihm anzumäkeln. Er hielt es in der Hand.
Doch was hatte er hier zu suchen? Hatte die Garde es geschafft, die Arbeit also doch ins Kloster zu ihr zu schmuggeln? Was war denn nun wieder 'wichtig'?

"...und denkt daran, Ihr seid nicht im Dienst!" Aus Adrians Mund (fast egal, ob es der Mund seiner Hoheit war oder des Kadetten) klang das irgendwie schon nach einem Trick, daß sich pauschaler Argwohn ergab.
"Was?", entfuhr es ihr schärfer als gewollt. Was hatte der Kadett hier zu suchen?
Luzcilla geflohen.
"Wieso 'letzter Wunsch'?", fragte sie streng dazwischen, "Es hat doch noch keine Verhandlung stattgefunden?"
Adrenalon.
Verletzt.
Schwer.
Dolch.
Rücken.
Ein Blick von ihm zu den Schlafsälen hinter ihr. Eine wohltönende, gedämpfte Stimme. "Lady von Elbenau..." - Bruder Lucenius.
Es war zuzusehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Adrenalon. Dolch. Dolch...
"Nimm den Dolch meines Vaters, Waffenschwester. Ich möchte, daß du ihn trägst und an mich denkst, wenn ich tot bin." - Erinnerung.
"War es Luzcilla, die ihm den Dolch in den Rücken rammte?", fragte ihre Stimme, als gehöre sie nicht zu der Ritterin. Bekam sie eine klare Antwort? Sie konnte kaum klar denken. Geflohen. Luu hatte dem Grafen gedroht, Eileen könne etwas geschehen.
"Ich bring sie um..." Ihre Worte klangen leise, gefährlich, Zeichen hochkochender, ohnmächtiger Wut, während sie sich in Bewegung setzte und einzig tief verankerte Erziehung verhinderte, Lucenius nicht dabei umzurennen, als er sie nur mit einem ausgestreckten Arm aufhalten wollte.
"Er braucht Ruhe, Milady."
"Ich werde ihn nicht wecken. Ich werde nur zu ihm gehen." Zwei Weltgesetze, die verkündet wurden.

Weich und voller Trauer lag der Blick auf der auf dem Bett liegenden Gestalt. Blut an seinem Rücken, auf den Laken, Verbände, weißes Tuch, rotes Blut...

In ihr kämpfte alles gegeneinander. Vernunft gegen Gefühle. Nicht schreien. Nicht zusammenbrechen. Nicht unter dem nächstbesten Vorwand das Kloster verlassen und Luzcilla einen Kopf kürzer machen oder dabei selber draufgehen. Nicht...
"Du warst nicht da."
"Hudgarr hat den Trupp zusammengestellt. Sie war gut bewacht."
"Verräter in der Garde."
"Nein. Ich traue jedem einzelnen. Selbst Greif."
"Du warst nicht da."


Sie trat zu ihm, setzte sich auf die äußerste Kante. Nicht wecken. "Ich möchte aber... Nähe..." Ganz sacht, ganz behutsam, strich sie ihm über das verschwitzte Haar.
"Ich war nicht da", flüsterte sie fast ohne Laut, "Aber ich bin jetzt da. Und ich bleibe hier."

Vernunft siegte. Betäubte die Gefühle so weit, wie nötig, um zu funktionieren. Sie trank, sie aß, sie schlief. Kein Appetit, keine Ruhe, doch er sollte sich nicht auch noch Sorgen machen müssen, wenn er selber aufwachte. Er sollte kein Wrack vorfinden. Für ihn versuchte sie, irgendwie selber zu überleben, bis er zurück ins Leben kam - so lange war sie gleichzeitig lebendig und tot.
"Luzcilla. Ich bring sie um. Sie war das nicht, oder? Ich will sie nicht umbringen. Auf's erste Blut war unser erstes Duell. Auf's zweite Blut das zweite. Das dritte... ich töte dich, Luzcilla. Irgendwann töte ich dich, oder du mich. Drittes Blut."

Verfasst: Donnerstag 9. November 2006, 19:36
von Darna von Hohenfels
Ich zähl bis drei, Luzcilla...

Rafael war wieder in die Reihen der Ritter aufgenommen. Weitere Schatten schienen besiegt, auf daß lichtere Tage anbrechen mögen. Am Brunnen des gräflichen Schlosses von Varuna trat eine Gestalt in weißer Rüstung auf eine Gestalt in goldener Rüstung zu.
Und wieder begann ein Spiel von Licht und Dunkel...

"Am Ende gewinnt immer das Gute."
"Es wird nie ein glückliches Ende geben, denn es endet nichts."


"Er ist im Kloster gut aufgehoben. Die Herrin wird über ihn wachen...", ließ es sich von der weißen Rüstung vernehmen. Bernsteinfarbene Augen richteten sich auf die Freundin ihm gegenüber. Im geschmiedeten goldenen Metall ein verletzter Kern, Darnas Augen hatten die Düsternis in ihrem Blick sogar während der ganzen Zeit der hoheitlichen Zeremonie bewahrt. Und hätte sie nur fünf Herzschläge so geschaut wie jetzt, Aradan hätte sich gesorgt.
"Doch glaube ich, bedarf hier eine weitere Person ihren Schutz... Ihr wollt Fräulein Amarth suchen?"
"Wenn es Luzcilla war, die ihm ihren Dolch, den sie mir schon einmal aus geheuchelter Sympathie anbot, in den Rücken jagte, werde ich sie zu gegebener Zeit aufsuchen und töten, Sir." Die Stimme war emotionslos und benannte Fakten.
Aradan nickte bedächtig. Nie hätte seine Knappin so gesprochen. Es war viel geschehen.
"Ihr wisst, daß ich jenes weder gutheißen noch erlauben darf, auch wenn ich verstehe, wieso und wie Ihr empfindet...", sein Blick richtete sich auf die winzigen Wellen des Brunnens, "Ich verstehe dies sogar sehr gut, glaubt mir... aber ich erspare Euch nun eine Predigt, die eh nur auf taube Ohren stoßen würde."

Taub. War sie das? Jedesmal, wenn sie an die bleiche Gestalt des Menschen dachte, an dem liebend ihr Herz hing... wenn sie an das Blut dachte, das aus seinem Körper floß... wenn sie die vom Kampfeshandwerk schwielige, kräftige und doch auf ihre Weise feingliedrige Frauenhand vor ihrem geistigen Auge sah, die sich mit einem darin gehaltenen Dolch hob und herabfuhr...
dann stieg ein Grollen in ihr empor, dumpf und tief, ein inniger Wunsch, Luzcilla dafür die Kehle zu zerreißen, die Klinge umzudrehen und sie in Luzcillas eigenen Körper zu jagen. Dann hörte sie nur noch ein Rauschen in den Ohren und die Welt versank.
Taub. Ja.
Und sie wusste, das war der Gegner. Dies war Haß in seiner puren Form.
"Ich fürchte mich, mich näher mit Luzcilla zu befassen - sie... 'auf mich wirken zu lassen'", hatte sie der Heiligkeit gestanden, noch bevor die heilige Frau selber mit der Amarth gesprochen hatte.
"Dann musst du dies auch nicht, wenn du dich nicht dagegen gewappnet fühlst, Kind", hatte die sanfte Antwort gelautet.
Und jetzt?
"Es reicht. Sie hat Eileen mit dem Tod gedroht. Die Liste ihrer Opfer... Menschen, die unter ihr zu leiden hatten... Alyssa, Erinna, Damian, Arton, Adrenalon, dies bloß mir bekannte Namen... ich selbst... weitere, die sie nun mit ihrer Verderbnis mit sich zu reißen versucht, Selissa, Greif, Alliestra... Wer als nächstes? Es reicht. Es reicht!"

"Doch lasst mich Euch eines sagen, Milady von Elbenau", klangen Aradans Worte im Hier und Jetzt weiter, "und dies kommt aus tiefstem Herzen und beruht auf meiner Erfahrung im Kampfe - für einen Kampf mit Luzcilla Amarth seid Ihr noch nicht bereit."
Genauso nüchtern, wie er es sagte, hätte sie ihm zugestimmt.
Irgendwie... hatte ein Kampf mit Luzcilla es aber noch nie vermocht, sie wirklich zu erschrecken. "Vielleicht Schicksal, Sir", entgegnete sie kühl, "Erstes Duell auf's erste Blut, zweites Duell auf's zweite..."

Se hatte das erste Duell gewonnen. Im Kupferkettenhemd gegen Luzcilla Amarth... es war fast sentimental anrührend. Sie hatte die Ehre Temoras verteidigt und - ja, als wär es Fügung gewesen - gewonnen. Hatte den ersten Treffer gesetzt, und er war schwer genug gewesen, um zu gelten. Zuletzt, als Darna sie in ihrem Haus besucht hatte, hatte Luzcilla vermutlich gedankenlos ihr Wort gebrochen, das sie damals als Bedingung ihrer Niederlage hatte geben müssen:
In Darnas Anwesenheit nicht mehr über die guten Götter zu lästern.
"Na komm, Darna - wie viele blinde Heiler gibt es in der Stadt der Hure?"
Wortbruch.
Das zweite Duell hatte sie bestritten, um gegenüber ihren Freunden rechtfertigen zu können, daß sie für die zwei Gefangenen als Austausch nach Rahal gehen würde, und daß damit Luzcillas Jagd auf Erinna ein Ende hätte. Sie hatte den Sturm gerufen und sich von ihm niederdrücken lassen. Sie hatte gewusst, daß sie keine Chance hätte. Mit allem Stolz eine silberne Rüstung tragend, während die Schlächterin Rahals alle Register zog, sich auf den Kampf vorzubereiten... Luzcilla hatte die frischgebackene Ritterin in den Boden gestampft, und niemand hätte daran je Zweifel gehegt.
"Na komm, Darna! Ich werde dir zeigen, daß deine Temora nicht mit dir ist!"
Zähneknirschend hatten Aradan und Rafael zugesehen. Ob Aradan die Bilder jetzt noch ebenso vor Augen hatte wie sie? Temora war bei ihr geblieben, mit ihr gewesen - die ganze Zeit. Nur... anders.

"Solltet Ihr ihr gegenübertreten, wird sie Euch töten, denn bezwingen werdet Ihr sie nicht. Es wird Euer Tod sein, Milady - und sagt mir, was würdet Ihr dadurch gewinnen?
Und was würdet Ihr dadurch nur verlieren? Denkt an Adrenalon... was glaubt Ihr, wie es ihm ergeht, wenn er erfährt, daß Ihr im Kampf gegen Fräulein Amarth gefallen seid? Denkt Ihr, dies wird ihm helfen, zu genesen? Er braucht Euch - hier und jetzt an seiner Seite, und nicht an irgendeinem fernen Ort auf irgendeinem Schlachtfeld, wo Ihr Euer Leben sinnlos einer der gefährlichsten Kriegerinnen der Pantherschergen hinfortwerft, nur weil Ihr sein Schicksal rächen wollt..."
Darna verengte die Augen. Was dachte Aradan sich eigentlich? Hielt er sie für blöd?
"Ich denke nicht an jetzt, Sir." Ihre Stimme war kalt. "Ich habe Zeit, die sie nicht hat... ich will keine Rache. Es ist vorbei. Ihr muß Einhalt geboten werden, sonst wird Eileen nur ihr nächstes Opfer sein."
"Zeit... Zeit werdet Ihr auch brauchen, wenn Ihr es mit ihr aufnehmen wollt."
Darna hob das Kinn. Ja, sie würde Zeit brauchen. Luzcilla übte sich in Waffenarten, von denen sie nicht einmal etwas verstand. Luzcilla selber hatte sie trainieren wollen, doch Darna war dankbar darum, daß das Schicksal sie früh wieder ihrem Zugriff entzog. Sie würde anders lernen müssen. Sie hätte eigentlich schon eher Luzcillas Leben ein Ende machen sollen? Hatte sie schon unentschuldbar Zeit verpasst?
"Wie die Göttin vor Varuna feststellte, daß sie zu spät kam, stelle ich es für Adrenalon fest, daß ich zu spät bin...", sinnierte sie. Der Schaden war bereits geschehen.

"Nichts ist zu spät, Darna", warf Aradan ihr entschieden entgegen. "Adrenalon lebt noch - und wenn Ihr ihm helft, wird er das auch weiterhin."
"Ich werde nicht warten, bis sie merkt, was sie geschafft hat und das Versäumnis, ihn ganz zu töten, nachholt, um mich zu brechen." Der Blick der sich verengenden Augen mutete nun tatsächlich gefährlich an.
"Ihr werdet warten müssen, bis Ihr überhaupt eine Chance habt!"
"Das werde ich - und keinen Herzschlag länger als nötig." Es war ihre Kampfansage.
"In Eurer derzeitigen Verfassung, wo in Euch nicht Eure Fertigkeit, sondern heißer Zorn und kalte Verachtung regieren, seid Ihr keine würdige Gegnerin für eine solch erfahrene Kriegerin!"
Aradan seufzte und sah in die Baumkronen.
Er hatte ja recht. Sie musste nicht nur der Schild aus Metall schützen, sondern vor allem ein fester Schild um ihre Seele. Und der war in diesen Stunden mehr als bröckelig, das wusste sie selber. Doch was belehrte er sie also über Dinge, die ihr klar waren? Sie war nie auf Aradan wütend gewesen - doch es bewegte sich gerade da hin, und schon das kränkte sie, verletzte sie weiter.
"Wenn Ihr mir nicht zuhören wollt, daß ich nie davon geredet habe, jetzt oder so wie jetzt zu ihr zu reiten, dann lasst es, Sir. Doch entschuldigt, dann ist dies Gespräch hier unwichtig und ich habe anderes zu tun."
Sie wandte sich den Ställen zu. Im Kloster lag Adrenalon. DER war jetzt wichtig.

"Wartet."
Aradan stand wie zuvor, keine Regung war von ihm ausgegangen, noch immer sah er auf die sich lichtenden Baumkronen und den im Spätherbst verhangenen Himmel.
Die Ritterin blieb stehen - die Haltung an einen Stier gemahnend, vor dem ein rotes Tuch herumwedelte. Nur das Scharren mit dem Fuß hätte gefehlt.
"Ich werde Euch trainieren...
Nehmt mein Angebot an oder seht zu, wie Ihr allein Eure Fertigkeit entsprechend erhöht, Milady."
Langsam drehte die goldene Rüstung sich um.
"Ich habe gegen solche wie sie gekämpft... zu hunderten." Er klang nicht hochtrabend, sondern düster, entfernt und nachdenklich. "Vielleicht hilft Euch meine Erfahrung, zu bestehen. Vielleicht ist auch diese nicht genug - man wird es sehen. Doch ohne Hilfe... befürchte ich, Ihr werdet versagen."
Er wandte den Blick ruhig zu ihr.
"Das befürchte ich nicht, das weiß ich", lautete ohne Emotion vernichtend ihr eigenes Urteil.

"Also nehmt Ihr an?"
"Ich werde Euer Angebot zu schätzen wissen, Sir - wenn Adrenalon genesen ist." Erneut in Aradans Lehre. Sie freute sich nicht darüber. Es war der Anfang von einem Ende.
"Eine Bedingung stelle ich aber - nein, es sind sogar zwei: Erstens, Ihr wisst, daß ich keine halben Sachen mache. Das Training wird hart und manchmal unfair erscheinen. Doch Ihr werdet es erdulden müssen, solltet Ihr Euch dafür entschließen.
Und die zweite Bedingung ist: Ihr geht nicht, bevor Ihr nicht bereit seid. Woran wir das erkennen? Ihr besiegt mich im Kampfe... Wenn Euch das gelingt, wird Euer Training beendet sein und ich werde nicht weiter versuchen, Euch aufzuhalten."
Nur dieser Prüfstein? Sie würde sehen, ob das für Luzcilla reichte. Sie ahnte weitere. Luzcilla war die einzige Person, bei der Darna es sich erlaubte, sie lieber gnadenlos zu überschätzen, als ihr irgend etwas nicht zuzutrauen.

Aradan konnte sie wappnen, es im Kampf mit den besten Rittern des Landes aufzuhalten - doch Luzcilla war eine andere Klasse. Sie ahnte, wie Luzcilla dachte. Sie würde wissen müssen, wie sie sich bewegte. Und Darna wusste, wer über dieses Wissen verfügte und auf ihrer Seite war.
Kein Herzschlag, den das Zögern währte:
"Akzeptiert."

Sie ging zu ihrem Pferd und schwang sich in den Sattel.
"Das Tor auf!", bellte sie knapp den Befehl zu den Wachen und eine Gestalt in goldener Rüstung verließ das Schloß.
Eine Gestalt in weißer Rüstung sah ihr nachdenklich nach, bis sie verschwunden war.

Verfasst: Mittwoch 15. November 2006, 21:03
von Luzcilla Amarth
In der Nähe der Klosterpforte sitzt, in sich zusammen gesackt, ein Mann, von Hunger und Armut gezeichnet. In seiner Hand hält er verkrampft ein goldschimmerndes Pergament. Als er die Ritterin in goldener Rüstung, in der Ferne, sieht müht er sich auf seine Knie und kriecht zur Straßenmitte. Aus seiner Kehle krächzt er immer wieder die Worte:" Mylady für euch von meiner Herrin", den Arm mit dem Schriftstück deutlich gen Himmel gereckt. Im Augenblick der Übergabe, an die Dame von Elbenau, stirbt der alte, kranke Mann, als ob er nur für den Zweck des Pergamentzustellens gelebt hätte. Die Schriftrolle ist von eleganter Schönheit mit einem purpurfarbenem "A" in der Mitte.


Liebe Schwester,

es tut mir unendlich Leid, dass ich nicht persönlich mit dir reden kann. Leider ist meine Verfassung sehr schlecht. Aber ich freue mich dich bald wieder sehen zu können, wenn ich das Bett verlasse. Voller Freude muss ich dir berichten, dass ich deinen liebenswürdigen Verlobten kennen gelernt habe. Er ist ein stattlicher Mann, von militärischer Anmut. Ich hoffe dir hat mein Geschenk gefallen, ihn im Kloster sehen zu können. Ach ja, muss Liebe schön sein. Aber der Grund dieser Zeilen ist es, mich nach deiner Verfassung zu erkundigen. Ich würde zu gerne in deine Augen blicken und deinen Zorn und Hass spüren. Wie ist das Gefühl dieser Kraft, dieser Macht in deinen Adern? Spürst du wie dich die Gefühle treiben? Die Wut, die in dir aufkocht? Es ist erhebend in solch einem Moment die Klinge zu führen. Das Auge, das Ohr, ja sogar der Geschmack spüren nur das Gefühl des Kampfes. Es mindert deinen Schmerz und gibt dir unendliche körperliche Stärke. Du kannst dich uneingeschränkt auf ein Ziel konzentrieren. Aber ich kenne dich liebe Schwester. Dich wird der Hass in deinem Herzen nicht überwältigen. Du wirst ihm Einhalt gebieten, immerhin bist du meine Schwester im Geiste. Wie gerne würde ich dir zeigen, wie du ihn leitest, deinen Zorn, wie du seine Stärke für dich gewinnst. Aber das müssen wir wohl auf einen anderen Zeitpunkt verschieben. Wir werden uns bald wieder sehen.
Grüße an Antarian und Adrian von mir.

In aufopfernder Liebe,
deine Schwester Luzcilla

Verfasst: Freitag 17. November 2006, 04:49
von Darna von Hohenfels
Scherbenlese

"Ich weiß nur... nicht recht, was... was ich von diesem Scherbenhaufen, den sie übrig ließen, neu aufsammeln darf und was ich daraus machen soll, Euer Heiligkeit."
"Dein Herz wird dich weisen, spüre an welchen Scherben du dich nicht schneiden wirst."

Ziehe deine Klinge nie im Zorn.
"Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit entbiete ich mein Schwert, um zu streiten für alles, was recht ist." Untote. Es waren Untote, ein angenehm klares Feindbild. Die Worte kamen ihr routiniert und doch mit allem gebotenen Ernst über die Lippen, eine Verkündigung, während ihr Schwert das restliche Dasein dieser Kreatur zu Boden schickte.
"Es war eine schöne Erfahrung, mit Eurem reinen Geist zu streiten, Knappin." - Aradans Worte. Rein... waren sie das auch jetzt?
"Sagt mir... wieso habt Ihr Wut?", fragte der Templer im flackernden Schatten des Katakombenganges. War es so offensichtlich? Wut... nein. Nein, sie übte sich in Beherrschung. Keine Raserei, geplant und präzise geführte Schläge. Kein Groll gegenüber ihrem Gegner.

Doch ihre Laune war miserabel. Der Streit mit Viola rumorte in ihr, ließ es unter dem Deckel kochen. Eines war ihr so ernst wie nur irgendwas gewesen: sie mißgönnte Viola kein Glück. Aber...
Und dieses Aber war wohl groß genug gewesen, alles genau verkehrt zu machen. Was hätte sie tun sollen, dieses Verhalten auch noch gutheißen? Bah! Und nun? Sie hatte sie genau in Tajaras Arme getrieben.
"Ich hab nie von Liebe meines Lebens erzählt, oder? ich weiß, ich liebe diese Frau und im Gegensatz zu dir habe ich damals auch bei Alvis keine Wochen gebraucht, um festzustellen, daß ich diesen Mann liebe."
"Im Gegensatz zu dir bemesse ich Liebe nicht daran, meinen Körper bei Verliebtheit irgendwem hinterherzuschmeißen. Wie du bei Alvis oder womöglich gar dieser Frau."
Widerwärtig.
"Sagt deine Gottheit nicht selbst etwas von Liebe?"
Abrupt knallte Darnas flache Hand auf den Tisch, als die Woge von Zorn sie kurz wegspülte. Viola - ausgerechnet Viola! - ließ sich auf dieses dreckige, infame Spiel ein, als Ungläubige ihr die Regeln und Gebote ihres eigenen Glaubens im Hals herumdrehen zu wollen?! Sie gerade so herumzudrehen, wie es ihr gerade am besten passte? DAS überließ sie besser den Alatardienern, von denen wusste sie wenigstens, daß sie ihr in den Rücken zu fallen versuchten und konnte sich vorher dagegen wappnen!
"Untersteh dich eine solche Dreistigkeit, in deiner Position mir da was anhand des Glaubens vorhalten zu wollen, Viola Ser'Rhal!"

"Sagt mir... wieso habt Ihr Wut?"
Das fragte er... Wieso musste sie hier ausgerechnet einem Templer begegnen und sich eindringlicher als gewünscht der Prüfung unterstellen, ob sie zornig war? Höflich bleiben. Höflich bleiben. Kein Groll.
"Ein" Templer? Nein... auch noch der Templer, der ihr das Schwert abgesprochen hatte. Nun gut. Das war erledigt, bereinigt. Da stand nur noch eine gewisse Unhöflichkeit im Weg...
"Vielleicht ist es mir inzwischen mal vergönnt, Euren Namen zu erfahren, Euer Gnaden?"
Uff, hoffentlich hatte das gerade nicht so eisig geklungen, wie es ihr selber gerade vorkam. "Beherrsch dich, um Himmels Willen!"
"Ihr habt mich nie danach gefragt...", setzte er an.
"Das ist doch wohl die Höhe, ich hätte bitte WAS nicht? Lügner!"
"Damian Bacthal ist mein Name... junge Ritterin."
Schweigen.
Schweigen von ihr und in ihr. Dann brach der Sturm los.
"Er weiß es nicht. Er muß, darf, kann es nicht wissen. Er hätte es wissen müssen, als er deinen Namen hörte. Nichts. Kein Wort. Schon von Arton nicht, und auch von ihm nicht. Was hast du erwartet, Dank? Ich habe nie Dank verlangt. Damals nicht und heute nicht. Ist auch besser so. Für diesen Mann hast du deinen Arsch nach Rahal und in die Hände von Luzcilla verfrachtet, damit er aus dem Kerker kommt, und er hat nichts Besseres zu tun, als im Kloster über dein Schwert zu meckern. 'Junge Ritterin.' Schweig. Kein Wort. Du belügst dich doch selber, wenn du keinen Dank verlangst und jetzt zornig würdest. Aber miese Laune wird man ja hoffentlich noch haben dürfen. Geh weg. Lass mich in Ruhe."
Rauschen in ihren Ohren.
"Doch hört auf Euer Herz..."
"Brauch ich nicht hinhören, das tut weh. Lass mich in Ruhe."
"Ich muss nun gehen, Ritterin. Es war mir eine Freude, Euch wiedergesehen zu haben."
"Ich geleite Euch hinaus, Euer Gnaden." Höflich bleiben.

Der Ausgang. Sie fühlte sich innerlich ausgelaugt, fühlte gerade gar nichts mehr, und vielleicht war das gut so. Dort, die Treppe...
zwei Höllenhunde davor. Dahinter zwei Frauen. Magierstab. Schwarz, alles komplett schwarz bei der einen. Die andere dunkelrot.
"Wer seid Ihr?", erklang die Frage.
"Wenn du jetzt antwortest, sacken sie dich ein. Du bist doch gerade gefundenes Fressen. Sie werden dich umdrehen, Darna. Was hättest du ihnen gerade entgegenzusetzen? Gar nichts. Antworte nicht. Absurd. Nicht antworten? Du trägst die Antwort auf deinem Leib, Wappenrock, Umhang... welcher Ritter hätte Grund, seinen Namen verschämt und angstvoll zu verbergen? Du bist eine von Elbenau. Du bist geliefert. Du hättest auf Zeron hören sollen, dich ihm anzuschließen. Feiges Zusammenrotten, kann man hier nicht mal mehr alleine ein paar Untote zu Boden schicken?! Zahl den Preis, die Gläubiger stehen vor dir."
Sie nannte ihren Namen und erwartete das Ende.
"Ah.... die Hexe...", klang es von der einen.
"Also... solltet ihr nun gehen."
"Geh. Frag nicht, red nicht, geh. Ich sollte sie zu einem handlichen Päckchen zerkleinern, samt ihren Höllenkötern und sie nach Rahal treten. Du bist noch nicht völlig lebensmüde. Leichtsinn ist kein Mut. Was soll das? Geh."

"Ich muß ins Kloster. Ich hätte gar nicht raus sollen. Morgen die Bestattung. Wieder einen Termin nach dem anderen. Erst für Adrenalon die Krankenpflegerin, dann für Viola. Und dann so ein... Desaster...
'Wie war Euer Urlaub, Ritterin, seid Ihr gut erholt?'
Ha. Ha. Ha.
Hör auf, alles schlecht zu reden. Du hast das alles gewollt. Und hätte dir irgendwas davon egal sein sollen? Viola im Stich lassen? Adrenalon seiner Verzweiflung überlassen? Sollen dir fünfzehn tote Gardisten schnuppe sein? Ich hätte gerne zu Felis Konzert gewollt... Noch ein Termin?! Du tickst ja nicht richtig!"

Sie bemerkte den Mann erst gar nicht richtig, der auf sie zukroch.
"Mylady..."
Sie wandte den Kopf, furchte die Stirn. Was... Als sie das Schreiben in der Hand hielt, sah sie ihn in sich zusammensinken. Entsetzen weitete ihre Augen.
"Was... nein. Haltet aus, ich... Hilfe! HILFE! CASSIAN!"
Tot. Einfach tot. Ungläubig sah sie auf den alten Mann. Was war heute los?
Ihr Blick fiel auf das Schreiben. Sie hätte das "A" bemerken sollen. Sie hätte sie gleich zerreißen sollen. Sie las.
"Cassian... bitte... k..kümmert Euch..." - ihre rechte Hand ballte sich zur Faust, "Ich muß..."
Rauschen.
"Ins Kloster. Ich muß ins Kloster. Was sie mit dem Schreiben bezweckt, ist klar. Einer ihrer miesen Tricks. Selbst der Tote. Mißbraucht. Nur mißbraucht, Mittel zum Zweck. Aber er ist tot. Was lässt sie eine solche arme Seele verrecken, nur um... für ihre Pläne... sie hat alles geplant, alles. Du hast es nicht glauben wollen, daß es kein Zufall war, daß sie ausgerechnet Adrenalon den Dolch in den Rücken jagte, nicht wahr? Vielleicht arbeitet ihr noch Adrian Greif zu und hat ihn ihrem Geheiß gemäß brav hierhergebracht, auf Befehl deiner... 'lieben... Schwester...'
Nein. Trage keinen Haß in diese Mauern. Das will sie nur. Du bist nicht nur schwach, du schwächst andere. Erst Viola, jetzt... Nein."

"Nein, Luzcilla. Nein. So... nicht..."
Sie schloß die Augen, suchte fieberhaft nach irgendwas, das diesen Zorn erstcken konnte.
"Du tust mir leid...", murmelte sie leise. Nochmal.
"Du tust mir leid." "Sie müsste dir eigentlich leid tun, ja. Sie hat dir immer leid getan. Sie ist gefallen. Und sie muß sterben. Muß sie das? 'Mit Alatar kam das Böse in die Welt. Schwert und Blut richten seit diesen Tagen, gerichtet wurde über euch. Ausgestossen sollt ihr sein aus der Welt der Lebenden, und Eluives Vergebung erbitten wir für euch, dass das Verstummen Eurer Misstöne ihre Harmonie schöner erklingen lasse und ihr neu Teil davon werdet. Findet zurück in Temoras Licht und schauet ihre Gerechtigkeit. Möge euer Sturz ins Dunkel mit dem Tod ein Ende finden. Wir, die Lebenden, haben versagt darin, euch den rechten Weg zu weisen.' Ja. Es tut mir leid. Auch ich habe versagt darin, ihr den rechten Weg zu weisen. Sie tut mir leid."
"Du tust mir leid, du tust mir leid, du tust mir leid, du tust..."
"Sie tut dir Leid, ja - wie wahr... Ein ums andere Mal tut sie dir ein Leid an..."

Gerüstet flüchtete sie sich zur Kirche.
Ihr Körper funktionierte ohne ihr Denken und mit dumpfem Krachen schlug der Torflügel, der ihr näher gewesen war und größeren Schwung bekam, ungebremst in die Verankerung seiner Scharniere.
Dort. Vor ihr. Das Temorakreuz. Wie zu einem großen Holzstück an der Wasseroberfläche steuerte sie darauf zu.
"Was fühlst du? Ja, du wirst deinen Zorn besiegen, sicher... hat sie ja auch geschrieben, nicht wahr? Dieses berechnende Miststück. Und wenn doch nicht? Etwa aus Trotz nicht? Hat sie erst recht, was sie will. Dieses berechnende Miststück! Weißt du, wie man das nennt, Darna? Wenn man sich nicht mehr bewegen kann, ohne geschlagen zu werden? SCHACHMATT!
Wagst du, diesem Symbol der Reinheit näher zu kommen? So?"

Sie hielt auf der Stufe inne.
Ein Scheppern, als sie auf die Knie fiel. Krachend schlug in hilfloser Wut die gepanzerte Faust auf den Steinfußboden der Altarempore. Einmal.
"Ich... WILL NICHT!" Zweimal.
"Sieh dich an. ...'Ritterin'... Könnte sie jetzt in deine Augen sehen..." Dreimal.

"Warum schreist du so hier herum, Darna?"
Sie hob den Kopf - selbst diese Bewegung fiel ihr schwer. War das diese Stimme gewesen, die sie hinter sich gerade gehört hatte?
"Adrenalon?"
Er hatte sich hergequält. Die Verbände nässten sich unter austretendem Wundwasser, der Weg vom Bett, vom Zimmer hierher hatte ihn entsetzliche Mühen gekostet, daß ihm der Schweiß auf der bleichen Stirn stand. Bis zu einer der Bänke hatte er es geschafft, jeder weitere Schritt alleine unmöglich.
"Für dich... Du hast doch um Hilfe gerufen, nicht wahr? Sieh ihn dir an. Er liebt dich."
"Ich sollte allerdings jetzt besser ins Bett zurück, als hier auf einer Bank zu sitzen." Hinter allem Humor blanker Ernst. "Himmelverflucht, daß er hier sitzt, könnte sein Tod sein..."
Während sie mehr auf ihn zu taumelte, als zu gehen, hob er die Hand und sah sie bittend an.
"Reiß dich zusammen. Er braucht dich."
"Hilf mir bitte, aufzustehen."
Bilder der helfenden Hand, alte Gleichnisse - anderen die helfende Hand zu sein, zu halten, bis sie auf eigenen Füßen stehen konnten.
"Du kannst doch selber nicht mehr stehen."
Sie schloß die Augen. "Temora..." Lange hatte kein solches Flehen mehr in diesem Bitten gelegen. "Hilf mir. Hilf ihm. Hilf uns."
Müde vertraute sie sich der bekannten Wärme an, die ihren und seinen Körper durchflutete, ihnen Kraft gab, in seiner Wunde ein wohliges Kribbeln verströmte, ein weiteres Aufreißen verhinderte, als sie ihn sicher unter seinem Arm hindurch griff und zum Zimmer zurück halb trug, halb stützte.

Ächzend ließ er sich auf das Bett fallen.
"Und wofür? Die Genesung der letzten Tage - wohl ziemlich zunichte. Danke, Darna."
"Es tut mir leid", flüsterte sie.
"Was tut dir leid?", fragte er zurück.
"Daß du... dich... gequält hast, weil... ich nicht... stark genug bin." Sie schloß die Augen. "War bestimmt auch ihr Plan. Schiefer." "Ich weiß, was sie will. Mich... brechen."
"Damit sie dich umformen kann, ja. Wie die Männer Rahals, sie hat dir doch davon erzählt. Wer nicht gehorcht, wird gebrochen, und am Ende dienen sie ihr, daß sie sich in dieser geistlosen 'Verehrung' gedemütigter Seelen suhlen kann."
Adrenalons Miene wirkte nun verärgert. "Zorn? Der ist bei ihm leicht, zu wecken. Du hast Angst, ihm diesen Brief zu zeigen, nicht wahr? Er wird sie hassen. Wenn du es schon verleugnest, das zu tun - er tut es, bestimmt."
"Red keinen Blödsinn. Ich hab mich nicht gequält. Und wenn sie dich brechen will, dann braucht es schon besseres, als das über mich zu machen."
"Ach ja? Vielleicht. Ja, ziemlich sicher hättest du weit über diesem Brief stehen können - aber zur Abwechslung hat sie mal den richtigen Zeitpunkt erwischt. Diesen Zeitpunkt hast du ja auch lange genug währen lassen. Du hattest gerade wieder gedacht, es geht bergauf, nicht wahr? Schwachsinn."
"Ausserdem... Ich stehe hinter dir. Also komm jetzt ja nicht auf krumme Gedanken. Lass dich ja nicht davon beeinflussen, hörst du!"
"Er hat recht. Wofür willst du all das getan, alles durchgemacht haben, wenn du jetzt aufgibst? Du reißt ihn mit hinab?
Hast du Viola nicht schon genug getreten, daß das jetzt auch egal ist?
Nein, niemals!
Du machst schon wieder alles von dir abhängig, nicht wahr? Wie egozentrisch ist DAS denn bitte, daß du glaubst, Adrenalon würde fallen, wenn du fällst? Ich darf mal lachen. Du bist eben fertig. Meine Güte. Reicht es nicht? Es reicht doch langsam. Was wollen sie alle noch von dir?"


Sie sank langsam nach vorne, mit einem Scheppern der Rüstung und einem leisen Ächzen des Menschen darin ging sie erneut in die Knie. Er versuchte, ihre Hand zu greifen, und sie suchte seine. Immernoch hielt sie das Pergament umkrallt.
"Zeig mal her, den Wisch."
"Tu's nicht! Was soll der Unfug? Er kriegt ihn sowieso, willst du hier Kinderspiele betreiben, ihn ihm vorenthalten? Kannst du ihm endlich mal vertrauen, bittschön?"
Seine Blicke überflogen die Zeilen. Dann senkten sich seine Augenbrauen, er zerknüllte den Zettel erneut und pfefferte ihn in irgendeine Ecke.
"Hättest du auch tun sollen. Und für einen zerknüllten Brief liegt da draußen jetzt eine Leiche herum?"
"Tot...", flüsterte sie kraftlos, "Der Bote... tot. Starb einfach... so. Wie... ein... Spielzeug. Wie geplant. Alles geplant."
"Nimm dir den Scheiß, der da drin steht, ja nicht zu Herzen, hörst du! Denn das ist, was sie will, und wenn du dich dahingehend .. gehen lässt, dann hat ihr Plan seine Wirkung erzielt."
"Ich weiß." Sie war so entsetzlich müde. "Ich weiß. Ich könnt sie jubeln hören... sie braucht mich nur so zu sehen..." Sie senkte den Kopf und fühlte sich gegriffen, gab dem Ziehen nach, mit dem er sie näher zu sich holte. Als sie in seine Augen sah, die ihr so energisch Kraft geben wollten, füllten sich ihre eigenen Augen mit Tränen.
"Wrack."
"Und genau deswegen stehst du jetzt auf und lässt dich nicht hängen! Tust du das, so war auch mein Opfer umsonst, hörst du? Diese Frau verdient es nicht, so zu gewinnen! Und sie wird es nicht, denn gemeinsam sind wir stärker als diese Hure!"
"Ich kann nicht mehr...", wisperte sie, "Viola fort... pfeif auf den Brief, aber..."
"Was ist mit Viola?"
"Alles falsch gemacht heute... fort... hasst mich...", erste Tränen liefen, "Genau verkehrt... und wie... geplant kommt... diese... Hyäne, dieser Aasgeier... und..."
"Jetzt sammel dich mal und red vernünftig, ich versteh kein Wort." Er wählte die Worte bewusst hart - und hatte einigermaßen damit Erfolg.

"Das Ritual hat geklappt. Sie ist... vielleicht sechzehn. Und sie hatte mich gebeten, bei ihr zu sein, weil...", vage hoben sich ihre Schultern. "Weil sie dir vertraut. Weil du ihr immer eine Hilfe warst, wenn sie Kummer hatte. Weil du selbst einen bei dem Ritual ausbrechenden Dämon eher zu Hackfleisch verarbeitet hättest, um sie zu schützen. Weil sie deine kleine Viola ist und du ihr Geborgenheit gegeben hast und geben wolltest."
"Weil ich da sein sollte für sie. Ich gab mein Wort. Sie brachte ein Mädchen... junge Frau mit... Blaue Haare, scheußlich aussehende Robe, eine von Ronyas Frauen von Lameriast... Viola... erklärte mir, daß sie diese Tajara liebe. Nicht aus... Zuneigung, Trost, wie ich erst dachte... sondern wollte mir erklären, daß es Liebe sei, wie zwischen dir und mir..."
"Dabei hast du für ihn noch nicht mal die Beine breit gemacht."
"Und weiter?" - es schien ihn nicht groß zu rühren.
"Nach dem Ritual war sie bewusstlos. Ich brachte sie ins Schloß... nach Hause... und ließ... diese Tajara draußen, sagte ihr, wenn sie so erwachsen wäre, wie sie aussähe, solle sie sich mal klarmachen, daß sie... ein... halbes Kind..." Ihr Reden wurde immer stockender, widerwillig zog sie den Kopf zurück.
"...geschändet hat? Tja. Wo die Liebe hinfällt."
"Als Viola wach wurde, kam es wieder zur Sprache. Und ich... wurde w...", wieder stockte sie.
"Wütend. Das Wort heißt 'wütend', Darna. Und du warst doch noch nett. Bei anderen würde Violas Wange noch übermorgen von der Ohrfeige wehtun, die sie verdient hätte. Nein. Nein, ich würde sie nie im Leben schlagen. Ach nein?"
Auf Adrenalons Lippen zeigte sich ein angedeutetes Schmunzeln.
"wütend, als sie mir was erzählen wollte, daß Temora ja doch auch Liebe predige und ich gar nicht wüsste, wie man lebt und...", sie schüttelte den Kopf, "Nach zwei Wochen redet sie da was von inniger Liebe... zu einer Frau... und..."
Sie seufzte laut. "Ich hab ihr gesagt, daß ich sie vielleicht wieder ernst nehme, wenn sie auch mal ihren Verstand dabei benutzt. Da schrie sie mich an."
"Ich glaube fast, du machst dir da viel zu viele Gedanken."
"Was?!"
"Weißt du, im Endeffekt ist es ihre persönliche Sache. Und wenn sie meint, diese Erfahrung machen zu müssen, dann finde ich, sollte sie es."
"WAS?!"
"Ich will mit dir darüber beileibe nicht diskutieren, aber es steht denke ich niemandem zu, über die Gefühle anderer zu urteilen oder gar zu streiten. Wenn sie meint, dass dies ihr Weg ist, soll sie ihn gehen. Vielleicht hörst du das nicht gern... aber vielleicht solltest du sie langsam laufen lassen."
"Nach drei Wochen kommt sie doch an und heult irgendwas rum. Das kann doch nicht funktionieren, was stellt sie sich eigentlich vor?"
Er lachte leise.
"Genau das meine ich. Lass sie laufen, Darna."
"In ihr Unglück?"
"Dein... 'Mündel'? Deine Schülerin, über die du mehr weißt als ihr eigener Vater? Dieses Kind, für das du deine ganze Erfahrung zusammengekratzt hast, um ihr über diese selbstverbockten Lebenskrisen zu helfen? Von der du deine Gefühle nicht distanzieren kannst, obwohl sie dir ein ums andere Mal Herzattacken und graue Haare beschert? So betrachtet... solltest du sie vielleicht besser in den Wind schießen, ja. Hör auf, so einen Mist zu erzählen! Mir ist Viola nicht egal!"

Es tat alles so weh. Auch diese Beschämnis darüber, überhaupt davon verletzt zu sein, daß den drei Menschen, für die sie sich an Rahal ausgeliefert hatte, diese Tat völlig nichtig war.
"Vielleicht wissen es Damian und Erinna nicht mal. Das kann schließlich sein. Und was, wenn sie nur schweigen, weil sie sich nicht in deiner Schuld sehen wollen? Was wäre das bitte für eine Last? Oder was willst du? Daß sie dir lobhudeln. Igitt."
Sie starrte nur noch stumpf vor sich hin.
"Ich bin müde, Adrenalon." Es war gerade nicht nur ein Zustand, wie man ihn jeden Tag hatte.
"Jetzt hör auf, zu denken, und schlafe. Das ist ein Befehl, Frau Oberst!"
In diesem Moment läutete die Torglocke.
"Erinner ich mich richtig, daß du in einem halbwegs vergleichbaren Moment mal eine Wette gewonnen hattest?"

Hudgarr.
Irgendwie...
"Wer auch sonst, um diese Zeit?"
Das ahnungslos-liebe Lächeln wie immer. Ihr eigener Blick tat ihr schon leid, ohne daß sie ihn sehen musste.
"Temora mit Euch, Hudgarr. Was ist?"
"Oh, welch Redeschwall. Wenn du so weitermachst, könnte das glatt noch ein Gespräch werden."
"Ich habe etwas für Euch und Adrenalon. Damit ihr beide auf die Beine kommt."
"Darf ich in zynisches Gelächter ausbrechen? Darf ich? Bitte."
Sie sah ausdruckslos auf die Krüge, die er in der Hand hielt.
"Was ist das?"
"Karottensaft", erklärte er ernst und militärisch knapp. "Vom Dunkelhof. Ist gesund." Ihre Augen verengten sich. "Dunkelhof. Ich bring ihn um."
"Hudgarr... ich will gerade nichts... absolut gar nichts... mit irgendwas zu tun haben, was in Zusammenhang mit Rahal steht, ja?"
Fragend sah Hudgarr sie an.
"Oh komm, bitte... Aber du wirst ihm jetzt nicht erklären, warum du nichts vom Dunkelhof hälst und was du von dieser netten Gästeliste zu Luzcillas Hochzeit noch heute hälst, richtig?"
"Und damit meine ich diesen Hof, den Luzzzz..." - sie hatte gerade sogar Mühe, den Namen über die Lippen zu bringen.
"Doch, natürlich erklärst du es... was frag ich auch?"
"...den sie frohgemut benutzte, um dort ihre Hochzeit zu feiern und smtliche Ahads und weiteren Diener Alatars dorthin einzuladen."
"Falsch."
"Ach, hervorragend - jetzt also die mitternächtliche Diskussion über die Rechtschaffenheit dunkelhofer Karottensaftes... Und das mit Hudgarr. Der dich entweder gekonnt an die Wand diskutiert oder sturer als ein Esel ist. Eigentlich fällt auch in ersterem Fall beides zusammen."
"Die waren in Rahal, weil sie nicht auf den Hof durften..."
"Und selbst, wenn es nicht so ist - ich will daran gerade nicht erinnert werden, ja?", knurrte sie, "Ich will mit diesem Drecksweibsbild gerade nichts zu tun haben! Gar nichts! Nicht mal die Erinnerung an sie!"
Er schaute auf die Krüge.
"Jetzt wird dich auch noch Karottensaft an Luzcilla Amarth erinnern. Böser Karottensaft!"
"Nehmt das mit oder tut sonstwas damit."
"Schieb dir deinen Karottensaft an unsittliche Stellen, Hauptmann! Und lass mich endlich schlafen!"
"Ich habe sie von Mhyri Famrock, aber wenn Ihr meint sie ist Alatari - bitte."
"Mir. heute. egal", knurrte sie, "Gute Nacht."
Das Klostertor schloß sich vor Hudgarr Nase und beleidigt zog er mitsamt Karottensaft von dannen.
"Damit hast du ihn heute auch noch verärgert. Du kriegst echt schnell Übung, Leute an denen dir was liegt, vor den Kopf zu stoßen! Wenn du darauf einen heben willst, hättest du den Karottensaft behalten sollen!"

Als sie zurück ins Zimmer kehrte, musste sie sich über ihre eigene Geistesgegenwart wundern - sie platzte rein, schmiß die Tür hinter sich zu, sah Adrenalon schlafen und krallte sich noch schnell genug die Türklinge, um das Knallen nicht zu laut sein zu lassen.
"Darna?", flüsterte irgendwo in ihr etwas nur noch leise, tröstend - und mahnend.
So leise, wie es in der Rüstung eines Reichsritters eben möglich war, verließ sie das Zimmer wieder, sah durch die Arkaden des Ganges zu dem sanften Leuchten auf der Wiese.
"hilfe"
Sie schlich dort hin - für weitere Tränen fehlte gerade Kraft. Zum wiederholten Mal an diesem Tag auf beiden Knien umklammerte sie die niedrige Ummauerung des Baumes wie eine Ertrinkende.