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Blut und Flammen, mehr als ein Alptraum, Cira ad Ethir..

Verfasst: Sonntag 29. Oktober 2006, 22:21
von Nuria Mondin
Vollkommen ruhig und ein wenig matt saß Nuria am Lagerfeuer, die Augen geschlossen, fühlte die Elemente, wie ihre Kräfte sie umgaben, atmete ruhig und tief ein und aus. Es war das erste Ritual gewesen, was sie in ihrem jungen Leben geleitet hatte, und nun würde einer das Wirken Mutters an seinem Leibe spüren, während ihr der Wind der Nacht durch das lange, schwarze Haar wehte.
Noch einmal sah sie den Ablauf des Rituales vor sich, vernahm sie ihre eigenen Worte, die seinen Traum malten:

Ein Traum soll es sein, der ihm in Gedanken einen Weg der Umkehr zeigt und der nicht spurlos an ihm vorberziehen soll.
Ein Traum soll es sein, in dem sich der Schlafende in seiner vertrauten Umgebung wiederfindet.. seine Schlafkammer soll es sein, die er erblickt vor seinem geistigen Auge. Nicht wissend, ob er wacht oder schlummert, soll jener Mensch zunächst die vertrauten Gegenstände mustern, den Geruch seiner Schlafstatt wahrnehmen, den Boden, die Wände, die Decke, sein Fenster mit dem Auge erfassen, die Struktur seines Lagers fühlen, ehe das ungewohnte, überraschende Ereignis seine gewohnte Umgebung verändern soll:
Blut soll von den Wänden laufen,
Blut soll sich auf dem Boen sammeln
rot soll der Anblick seines Zimmers sein und Blut soll ihn umgeben, schwer soll es lasten und langsam von den Wänden kriechen und sich um ihn umzu schließen.
In dem Traum soll die Sonne aufgehen... ihr Schein soll durch das Fenster fallen und ihr Licht eine Straße auf dem roten Grund bilden. Schritt um Schritt soll ihr Licht zu dem Wesen dringen, welches sich noch auf seiner Bettstatt befindet, ehe sie auf ihn trifft, ihn blendend... so hell mag die Sonne blenden, dass er nichts mehr sieht als das weiß, das helle Gleißen des Lichtes, das in seine Augen trifft, geblendet soll er sein, so stark, dass es ihm schmerzt, doch kein winden und kein Bedecken der Augen mit den Händen soll jenes Licht löschen können.
So sehr soll das Licht ihn blenden, dass er, nun aufschreckend erwachend, auch weiterhin nichts als die gleißende Helligkeit zu sehen vermag, keinerlei Behandlung soll sie von ihm nehmen können.
Erst in der siebenten Nacht nach diesem Traume soll die Blendung von ihm weichen und erst am siebenten Morgen soll der Träumer seine volle Sehkraft wie zuvor wieder erlangen.

Verfasst: Montag 30. Oktober 2006, 22:52
von Cira Ad Ethir
Was für ein Tag... Cira betrat das Haus der Bruderschaft und ging zu ihrer Schlafstätte. Die letzte Nacht war seltsam gewesen, viele berichteten von einem Schrei, doch sie hatte nichts vernommen...
Lange hatte sie im Gebet verharrt, auf Antwort und Erleuchtung hoffend, doch die Zukunft blieb ihr verwahrt.
Der Tag war anstrengend gewesen und keinesfalls so gelaufen, wie es ihr recht gewesen wäre. Ihr Körper schmerzte noch an einiges Stellen vom Kampf... der Kampf... nun ja, sie würde ihre Lehren daraus ziehen und hoffte, die anderen würden das Gleiche tun.
Müde fiel sie auf ihr Bett und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange, und der Schlaf überkam sie...

Cira öffnete die Augen und richtete sich langsam auf ihrer Lagerstätte auf.
Draußen war es immer noch dunkel, es musste wieder mitten in der Nacht sein. Doch warum war sie schon wieder aufgewacht? Sie sah sich im Raum um, doch alles war still, sehr still.
Sie lehnte sich zurück und schloss ihre Augen wieder, doch nur, um sie eine Sekunde später erschrocken wieder zu öffnen. Was war passiert? Der Raum hatte sich verändert, die Luft im Raum hatte sich verändert. Das Atmen fiel ihr plötzlich unglaublich schwer. Sie griff sich an die Kehle, versuchte ruhig zu atmen, doch es gelang ihr nicht. Ihr Blick schwenkte unruhig umher. Was war das an der Wand und auf dem Boden? Blut? Der ganze Raum schien eingeschlossen von Blut. Es lief von den Wänden, sammelte sich am Boden, tropfte von der Decke und benetzte ihre Haare und ihre Haut. Lief über ihren Mund, so dass sie nicht im Stande war zu atmen.


Mit einem erstickten Schrei fuhr Cira von ihrem Bett auf. Erschrocken sah sie sich im Raum um, doch alles war wie vorher. Hatte sie geträumt? Geträumt wach zu sein? Langsam schüttelte sie den Kopf, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, doch es gelang ihr nicht. Es musste ein Traum gewesen sein. Doch was hatte er zu bedeuten? Er war völlig anders als die Nacht zuvor, von der Gewissheit, dass keine Gefahr drohte war nun nichts mehr geblieben.
Völlig erschöpft legte sie sich wieder nieder. Sie musste schlafen, Kraft schöpfen und die Bedeutung dieser Ereignisse verstehen lernen.


Doch ihre Nacht sollte noch nicht vorüber sein... sie hatte gerade erst begonnen.

Verfasst: Dienstag 31. Oktober 2006, 16:02
von Cira Ad Ethir
Unruhig war ihr Schlaf... ständig warf sie sich von einer Seite auf die andere.
Sie träumte wieder...

Es war immer noch dunkel, als sie die Augen aufschlug. War sie wirklich wach? Alles war ruhig, der Raum sah aus wie immer. Langsam setzte sie sich auf ihr Bett. Sie fühlte sich furchtbar. Müde und doch nicht müde.. ihre Glieder schmerzten und der blutige Traum schien sich in ihrem Geist eingebrannt zu haben. Doch es war nur ein Traum... ein Traum wie dieser? Was würde jetzt geschehen? Und was hatte das alles zu bedeuten? Nie zuvor war sie sich so sicher gewesen, nur zu träumen.
Sie stand auf und ging durch den Raum. Alles schien normal. Auch draußen war alles ruhig. Sie ging zum Fenster und sah hinaus. Am Horizont schien sich ein heller Streifen zu bilden. Sonnenaufgang. Sonnenaufgang ? Cira hielt in ihren Gedanken inne. Das Fenster lag nach Süden... also kein Sonnenaufgang!? Wie gebannt schaute sie auf den immer heller werdenden Streifen, der sich ihr zu nähern schien. Er wirkte jedoch nicht bedrohlich... doch plötzlich schien der Streifen in einem gleißenden Licht zu explodieren, welches die gesamte Umgebung erhellte und in ihren Augen brannte. Mit einem kurzen Schrei wandte sie sich ab und schloss ihre Augen.


Es war hell als sie ihre Augen öffnete. Sie war wach, keine Träume mehr. Doch wieso war es so hell? Sie schloss ihre Augen wieder um sie ganz langsam zu öffnen, doch die Helligkeit schien nun noch intensiver als zuvor. Beinah schmerzhaft brannte es in ihren Augen, so dass sie diese schnell wieder schloss. Träumte sie etwa immer noch? Nein, kein Traum. Das Licht war da. Doch was für ein Licht... blendend, schmerzhaft...
Sie versuchte aufzustehen und sich mit zusammengekniffenen Augen durch den Raum zu tasten. Das erst beste Kleidungsstück das sie in die Hände bekam, band sie sich um ihren Kopf, um Ihre Augen zu schützen. Doch es half nicht viel, das grelle Licht schien hindurch zu schimmern. Sie konnte die Augen immer nur kurz öffnen, doch selbst dann war es nicht möglich etwas zu erkennen.
Sie tastete sich zurück zum Bett.
Was hatte das zu bedeuten?
Was hatte sie getan, um so geblendet zu werden?
Und was sollte sie nun tun ?

Verfasst: Mittwoch 1. November 2006, 10:28
von Cira Ad Ethir
Der Tag verging quälend langsam. Die meiste Zeit verbrachte Cira grübelnd auf Ihrem Bett, immer wieder in ihren Gedanken unterbrochen von heftigen Kopfschmerzen und brennenden Augen. Sie hatte sich ein dunkles Tuch um die Augen gewickelt, welches aber nur zeitweise eine sehr geringe Linderung brachte.
Sie hatte sich tastend durch das Haus bewegt und etwas Obst und Wasser auftreiben können. Die vorrätige Medizin konnte sie nicht nehmen, da sie ja nicht sehen konnte welche der Flaschen ihr vielleicht helfen könnten.
Die Bedeutung des Ganzen blieb ihr indes immer noch verborgen. Zuerst war da diese Nacht, in der viele einen Schrei gehört hatten und auch sie deutlich spüren konnte, dass es etwas geschehen würde. Aber DAS!? Nein, das war etwas völlig anderes. Es musste eine Erklärung geben und sie würde einen finden.

Sie legte sich wieder auf ihr Bett, zu stark war im Moment der Schmerz in ihren Augen und in ihrem Kopf, als dass sie weiter fähig gewesen wäre ihren Gedanken nachzugehen.

Bald würde sicherlich ein Mitglied der Bruderschaft das Haus aufsuchen und sie vorfinden. Vielleicht würde dann eine Medizin helfen, oder ein Heiler gerufen werden können.

Verfasst: Donnerstag 2. November 2006, 00:27
von Vardek Cane
Seltsam, dachte er, es war ja sonst nicht die Art der Ritterin gewesen sich zu verspäten. Kurz schweifte sein Blick nochmals gen Himmel, die Sonne begann bereits unterzugehen, grübelnd stand er im Gras vor dem Rahaler Stadttor. Hatte er sich am Tag geirrt? Schwester Cira hatte ihm doch aufgetragen ihn heute zu treffen, doch dieser Tag war bereits viel zu fortgeschritten. Raschen Schrittes begab sich der junge Krieger in Richtung Stadtor, tiefe Falten bildeten sich dabei an seiner Stirn...

Er drückte die Türe des Hauses der Bruderschaft auf und trat ein, sein Blick schweifte dabei suchend umher. Er stockte als er schließlich eine einsame, in eine schwarze Robe gekleidete Gestalt an dem großen Tisch der Bruderschaft sitzen sah.

"Den Einen zum Grusse, Schwester Cira" meinte er zögernd, die Ritterin dabei musternd. Sie hatte gerade überhaupt nicht auf seine Anwesenheit reagiert und hielt den Kopf unter der Kapuze starr nach vorne gerichtet, irgendetwas war hier sehr merwürdig...

Verfasst: Donnerstag 2. November 2006, 10:16
von Cira Ad Ethir
Cira saß bereits eine ganze Weile am großen Tisch im Haus der Bruderschaft. Sie war gegen einen der Stühle gestoßen und wollte sich nur kurz setzen, als sie sich tastend aus der Küche zurückbewegt hatte. Doch die Kopfschmerzen waren immer noch so stark, dass sie nicht wieder aufgestanden war. Sie hielt ihren Kopf gesenkt und hatte die Augen immer noch mit der dunklen Binde umwickelt. Außerdem war die Kapuze ihrer Robe tief ins Gesicht gezogen. Ihre Augen brannten wie Feuer, beinah taub vor Schmerz schien ihr Körper zu werden.

Das Öffnen der Tür hatte sie gar nicht sofort bemerkt, erst als die Stimme Vardeks erklang wurde ihr bewusst, dass jemand eingetreten war.
Seine ersten Worten drangen nur mühsam in ihren Geist ein. Ein Gruß? Eine Frage, warum sie nicht zum Treffpunkt gekommen war?
Sie versuchte den Kopf leicht anzuheben, damit er die Augenbinde sehen konnte. Nun schien ihm klar zu sein, dass etwas nicht stimmte. Mit besorgtem Ton in der Stimme fragte er, was vorgefallen war.
Was war vorgefallen? Eine Gute Frage! Cira hatte ja selbst keine Erklärung für alles.
Langsam begann sie, ihm von der letzten Nacht zu erzählen, von den Träumen, die keine Träume waren, oder doch?! Sie berichtete von dem Blut das erst überall war und dann dennoch nicht mehr da war. Und schließlich von dem Sonnenaufgang, der keiner war, und von dem grellen Licht, das sie immer noch blendete.
Ihre Stimme klang schwach und sie sprach recht langsam, immer wieder Pausen einlegend und sich mit der Hand an den Kopf greifend, infolge der wohl starken Kopfschmerzen. Das Sprechen war anstrengend, doch war es an der Zeit, dass jemand erfuhr was ihr widerfahren war.
Vardek hörte ihr aufmerksam zu, doch eine Erklärung blieb auch ihm verborgen. Seine Sorge galt wohl auch eher dem Wohlbefinden der Ritterin. Er besorgte einen heilenden Trank, doch Linderung brachte jener auch nicht. Das Brennen in ihren Augen war genauso stark wie zuvor, lediglich die Kopfschmerzen schienen sich für einen kurzen Moment abzuschwächen. Medizin würde hier also nicht helfen...

Doch was sollte sie tun? Sie musste ihre Stärke wiederfinden. Und ihre Stärke lag im Glauben an Alatar. Doch das Beten fiel ihr schwer, zu stark waren die Schmerzen.
Sie musste an einen Ort, wo die Macht Alatars allgegenwärtig war.
Sie stand ruckartig auf, was sie sofort bereute, da ein stechender Schmerz ihren Kopf durchzog. Dennoch sagte sie mit fester Stimme zu Vardek, er solle sie in den Tempel des Herrn geleiten.
Sie verließen also das Haus der Bruderschaft und Vardek führte sie durch die inzwischen dunklen und leeren Straßen Rahals. Niemand begegnete ihnen und das war auch gut so. Niemand sollte eine Ritterin des Herrn in solch einem Zustand sehen.
Die Wachen vor dem Tempel verneigten sich respektvoll als die beiden eintraten, so dass sie wohl nichts bemerkten. Vardek führte sie die Stufen hinauf bis vor das Ankh. Als Cira dort niederkniete konnte sie bereits die Macht Alatars wieder deutlicher in sich fühlen. Ihre Augen brannten zwar immer noch, aber die Schmerzen in ihrem Kopf waren hier deutlich leichter zu ertragen.
Als sie nun vor dem Altar kniete und ihr Körper langsam zu innerer Ruhe fand, sagte sie mit monotoner Stimme zu Vardek, der in einiger Entfernung beobachtend wartete:
„Ich werde hier im Gebet verweilen, ich werde die Stärke des Herrn wieder in mich aufnehmen. Bis dahin werde ich keine Nahrung zu mir nehmen, bringt mir lediglich einen Krug Wasser! Möge der Herr euch schützen.“ Danach senkte sie ihr Haupt und begann im Gebet zu versinken. Vardek sagte wohl noch etwas zustimmendes, doch Cira hörte es nicht mehr, ihre Gedanken waren bereits bei ihrem Herrn.

Die Zeit der Heilung und einer neuen Stärke sollte nun beginnen...

Verfasst: Donnerstag 2. November 2006, 22:02
von Cira Ad Ethir
Um sie herum war nichts mehr... sie spürte nichts, sah nichts und hörte nichts.
Das Hämmern in ihrem Kopf und das Brennen in ihren Augen schien so weit weg zu sein, dass nur noch ein Schatten davon übrig geblieben war. Dennoch konnte sie ihre Augen noch nicht öffnen und das Tuch würde weiter an seiner Stelle bleiben.
Eine Nacht und einen Tag saß Cira bereits vor dem Altar und betete zu ihrem Herrn. Mit jedem Wort das sie an ihn richtetet wurde es leichter, mit jedem Wort schien ein Stück ihrer alten Stärke zurückzukehren.
Doch bis dahin fehlte noch viel.
Sie hatte seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen und nichts mehr gegessen, lediglich einige Schlucke Wasser hatte sie wie in Trance zu sich genommen. Vardek hatte wie versprochen einen Krug gebracht, doch hatte sie es gar nicht bemerkt, so sehr war sie im Gebet gewesen. Oder Vardek hatte sie einfach nicht stören wollen, und deshalb den Krug leise abgestellt.
Der fehlende Schlaf und der Hunger sollten nicht ohne Folgen bleiben. Zwar spürte sie, in ihren Gebeten versunken, weder Hunger noch Müdigkeit, doch sollten sie bald Visionen heimsuchen.

Weitere zwei Tage und Nächte würden vergehen, dann begann es...

Verfasst: Donnerstag 2. November 2006, 22:26
von Vardek Cane
Leise entfernte er sich wieder, den leeren Wasserkrug in den Händen haltend. Cira hatte ihn nicht bemerkt, wie gebannt saß jene vor dem Altar, keine Regung war zu sehen, nur an dem geleerten Wasserkrug war bemerkbar das sie sich bewegt haben mußte. Noch einmal wendete er den Kopf und starrte eine Zeitlang nach hinten, dort wo sich die Ritterin befand. Das sich der erhabene Shan'Ryhl gerade jetzt auf Reisen befinden mußte, war gerade zu diesem Zeitpunkt äußerst unglücklich.

Schließlich wendete er sich um und begab sich in Richtung des Hauses der Bruderschaft. Was im Namen des Herrn war nur mit Cira geschehen? Insgeheim fragte er sich ob es nicht doch eine Krankheit wäre, die die Ritterin befallen hatte. Wenn sich nicht bald eine Besserung zeigen würde würde er ihr von der Heilerin erzählen von welcher er sehr viel hielt. Ein Lächeln umspielte seine Lippen und für kurze Zeit vergass er seine Besorgnis um Cira als er an die junge Heilerin mit ihren hübschen blauen Augen und dem lagen schwarzen Haar dachte. Ja, dachte er, vielleicht würde Laila Cira helfen können...

Verfasst: Montag 6. November 2006, 11:53
von Cira Ad Ethir
Weitere zwei Tage und Nächte hatte Cira betend im Tempel verbracht, ohne das nennenswerte Linderung eingetreten war oder das ihr Erkenntnisse über ihren Zustand offenbart wurden. Inzwischen hatten sie die Entbehrungen, der Nahrungsentzug und Schlafmangel in eine tiefe Art der Trance der versetzt, ihre Schmerzen und das Brennen in den Augen nahm sie nur noch wie eine ferne Erinnerung war. Und die nächste Nacht sollte endlich Veränderungen mit sich bringen...

Erneut brach die Nacht über Rahal und den Tempel herein. Cira kniete vor dem Altar, ihr Körper vor Erschöpfung bereits leicht wankend. Ihre Haut glänzte fiebrig, doch ihre Stimme, mit der sie fortwährend Gebete sprach, wurde immer fester und lauter.
Plötzlich hielt sie inne, warf den Kopf in den Nacken und streckte ihre Arme zur Seite. Ihr Körper zuckte immer wieder unkontrolliert als in ihrem Geist erst Fragmente, dann komplette Bilder und Szenarien auftauchten.

Verfasst: Montag 6. November 2006, 17:57
von Nuria Mondin
Vor ihrem inneren Auge zeichneten sich zwei Schemen ab... ein kleinerer etwas näher, dahinter ein größerer. Beides waren es Katzen... doch keine Panther. Nach und nach sah sie schärfer und schärfer, in einigem Abstand blieb die große Katze stehen, ihr Blick auf der kleineren ruhend. Jene hielt in etwas Respektabstand ebenso vor ihr inne. Silberschwarz getiegert war das Fell, seidig und gepflegt wirkte es. Bernsteinfarbene Augen beäugten sie und ein zaghaftes Mauzen drang aus deren Kehle. Einige Male schritt sie vor ihr auf und ab, sich zaghaft etwas näher wagend, doch wohl darauf bedacht, nicht in ihre Reichweite zu gelangen. Noch einmal ein "Miau!" diesmal klang es forscher, ehe sie sich umwandte, ein Stück von ihr weg zu der großen Katze lief, welche nach wie vor wachsamen Blickes die kleinere beobachtete. Nach einem Drittel der Wegstrecke hielt sie inne, blickte sich zu ihr um, abermals mauzend, fordernd klang es. Ein weiteres Drittel legte sie zurück, erneut dann innehaltend und sich zu ihr umwendend, abermals ein forderndes Mauzen erklingen lassend.

Verfasst: Montag 6. November 2006, 20:21
von Cira Ad Ethir
Cira's Körper war plötzlich ganz ruhig geworden, als sich die Bilder klarer in ihrem Geist abzeichneten.
Doch wo war sie? Sie konnte nichts erkennen... doch... zwei Schatten.
Sie ging auf die Schatten zu, glaubte sie zumindest.
Einer war nah, der anderer weiter entfernt. Jetzt konnte sie deutlicher sehen, die Schatten wurden zu Umrissen, vier Beine, Augen.. Panther?? Ein Zeichen Alatars? Cira lief schneller darauf zu. Die Schatten bemerkten sie nicht. Jetzt konnte sie es erkennen. Keine Panther, Katzen! Zwei Katzen, eine größer, die andere kleiner. Die Kleine schien der Größeren nachzulaufen. Was hatte das zu bedeuten? Sie blieb stehen. Die Katzen waren auch stehengeblieben und schienen sie direkt anzusehen. Es war, als hörte sie ein Miauen, als treffen die Augen der kleineren Katze genau in ihre eigenen. Hatte sie tatsächlich etwas gehört? Die Katze lief ein Stück weiter, blieb erneut stehen und sah sie wieder an. Diesmal hörte sie ein Miau! Es klang fast wie ein Donnern in ihren Ohren und einem unwiederstehlichen Drang folgend, wendete sie ihre Schritte in die Richtung der Katzen. Diese waren nun die Führer auf dem Weg durch ihren Geist.

Verfasst: Montag 6. November 2006, 20:35
von Nuria Mondin
Gemeinschaftlich gingen die große und die kleine Katze voraus, die kleinere sich immer wieder umblickend, wie um sich zu vergewissern, dass sie auch folgte. Über eine saftige Wiese kamen sie, in allen Farben erblühten Nelken, Osterglocken, Primeln, Stiefmütterchen, Dalien, Rosen, Schneeglöckchen... wahrlich, an ihnen konnte man keine Jahreszeit ablesen. Hell war es, doch die Sonne direkt nicht auszumachen. Schließlich gelangten sie an einen Ort, an dem das Blumenmeer nurmehr flachem Grün wich. In dessen Mitte stand ein Schrein, ein leichtes Funkeln umgab seine schlichten Mauern... doch der Grund.. er war über und über mit Blut bedeckt. Vor lauter Blut war nicht mehr zu erkennen, wem jener Schrein einst gegolten hatte... über ihm hatten sich die Wolken ein wenig zusammengezogen, so dass es etwas dunkler war als auf jener Wiese. Die große Katze ließ sich auf ihre Hintertatzen sinken, kaum dass sie aus den Blumen getreten war, doch nicht in Ciras Weg, ein kleines Stück seitwärts. Wieder nahm sie die Rolle der Beobachterin ein, während die kleine Katze etwas näher an jenen Schrein tappste. Schräg neben den Eingang setzte sie sich, ein Sonnenstrahl fiel durch die Wolkendecke und ließ ihr Fell ein wenig erschimmern. Mit großen Augen blickte sie zu Cira. Kein Laut drang aus ihrer Kehle, eine Weile nur saß sie da, sie stumm anstarrend, vielleicht mochte sie sogar einen Vorwurf in den Augen jener Katze sehen...
ehe sie plötzlich, wie auf ein unhörbares Kommando hin aufsprang, mit einigen Sätzen zur großen Katze sprang und mit jener im Blütenmeer verschwand. Nur kurz konnte man noch die Schwanzspitzen über dem hohen Gras sich entfernen sehen, so Cira ihnen nachblickte, nunmehr allein gelassen am verwüsteten Schrein...

Verfasst: Montag 6. November 2006, 21:08
von Cira Ad Ethir
Wohin gingen sie? In einigem Abstand folgte Cira den beiden Katzen, von denen sich die kleinere immere wieder umblickte, wohl fordernd ihnen zu folgen. Zuerst war der Weg dunkel und unbestimmt, doch von einem Moment zum anderen fand sich Cira auf einer grünen Wiese wieder, die voller bunter Blumen schien. Die Katzen verschwanden beinah zwischen diesen, doch Cira konnte sie nicht aus den Augen verlieren, irgendetwas ließ sie dem Weg der Katzen folgen, der auf einem flachen Stück grüner Wiese zu enden schien. Aber auf dieser Wiese stand etwas. Cira konnte Mauern erkennen. Zu diesen Mauern liefen die beiden Katzen, blieben jedoch etwa abseits davon sitzen. Der Weg zu den Mauern blieb ihr allein offen. Als Cira näher kam, erkannte sie diese Mauern, sie war hier schon einmal gewesen. Die Katzen schienen ebenfalls zu erkennen, dass Cira nun wusste, wo sie sich befand, denn sie blickten sie mit ihren großen Augen einen Moment lang durchdringend an, und der Ausdruck in diesem Blick sagte alles. Plötzlich sprangen die Katzen auf und waren von einer Sekunde zur nächsten verschwunden.
Cira stand nun allein inmitten des Schreines, blickte sich um, und sah ihn von Blut überzogen brach vor sich liegen. Der Schrein war einst ein strahlender Ort des Sonnenscheins inmitten dieser grünen Wiese, doch nun war hier Kälte und Schatten. Die Sonne vermochte nicht den Boden des Schreines zu erreichen.
Cira's Augen verengten sich ein wenig. Es war ihr Werk gewesen, diesem Schrein seine Macht zu nehmen, sei es auch nur für einen gewissen Zeitraum gewesen. Sie hatte ihrem Herrn gedient. War seinen Weg gegangen. Sie Temoras Macht in diesem Schrein besiegt.. doch offenbar hatte sie noch etwas anderes angegriffen. Die Schöpferin selbst.
Sie hatte etwas gespürt, als sie damals die Gegend um den Schrein betreten hatte, dieses jedoch nicht deuten können. War es ihre Präsenz gewesen? Cira hatte es nicht beachtet, und ihr Unachtsamkeit war nun bestraft worden.
Während sie nachdenklich im Schrein stand waren die Wolken darüber immer dunkler geworden und der Wind immer heftiger. Er fegte über den Boden des Schreins und schien die blutigen Bandagen davonzuwirbeln.
Cira wurde an den Rand gedrängt... von einer heftigen Böe erfasst, verlor sie auf den Stufen den Halt und fiel.. und fiel.. schier endlos...


Mit einem erschöpften Stöhnen brach Cira vor dem Altar zusammen und blieb reglos liegen.

Als sie erwachte war bereits hellichter Tag. Ihr Körper fühlte sich noch taub an und ihrem Geist war eine seltsame Leere. Aber die Kopfschmerzen und das Brennen in den Augen war vergangen. Mühsam richtete sie sich in eine sitzende Position auf. Mit einer unendlich langsamen Bewegung streifte sie die Augenbinde ab und öffnete vorsichtig ihre Augen. Wie ein sich langsam hebender Schleier konnte sie die Einrichtung des Tempels erkennen. Den Altar, das Ankh, die Bankreihen... alles wurde zunehmend deutlicher.
Eine Weile verharrte sie noch in ihrer sitzenden Stellung, die Umgebung betrachtend. Dann stand sie langsam auf, verneigte sich vor dem Ankh und verließ den Tempel in Richtung des Hauses der Bruderschaft. Sie musste etwas essen und sich ausruhen.

In ihrem Geist war noch immer diese Leere und die Gedanken an das Erlebte waren hinter einem Schleier verborgen. Und dieser sollte sich niemals heben.



[ooc: Das Ganze soll einen Tag vor der Alka-Wiederkehr sein]