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Eine geheimnisvolle Frau

Verfasst: Freitag 27. Oktober 2006, 02:51
von Tajara Nair
Heute vor einem Jahr wurde Milo ermordet schoss es Taara schon den ganzen Tag über dem Kopf. Sie betete zu keinen göttern an seinem Grab, sie betete nur für ihn. Da wo er etzt war solle er in frieden ruhen. Und er wartete auf sie.

Doch heute Nacht schien es ihr wichtig, zu seinem Grab zu fahren und an seiner Seite bei seinem Grab zu übernachten. Sie war es ihm schuldig, und eine Stimme drängte sie dazu.

Nicht nur dass sie in Baard eine alte Freundin wiedertraf - eine seltsame Frau folgte ihr.

In dem Moment als sie von Regado begann zu erzählen und eine Erdbeere hervorholte wurde ihr bewusst, dass er etwas vor hatte. Wahlloses Leute vergiften, davon musste sie Ronya erzählen. Wie kam er nur an so viele Erdbeeren? Sie gab ihm bloß eine.

Und noch etwas erschien ihr seltsam. Ihre Fragen über die Schwesternschaft.

Es waren keine wichtigen Fragen, sondern bloß die Frage, wer sie seien - und sie beantwortete sie alle ehrlich und offen.

Geheimnisvoll war sie diese Frau - sie schien ziellos umherzuwandern, hier und da etwas zu tun - dort und da ihren Schmerz zu vergessen, gleichwohl wie es Taara getan hatte - doch sie sprachen, und allmählich wurde es jener Frau klar, dass die Gefährtinnen des Waldes nicht das waren wovon Trunkenbolde und Tagelöhner in Bajard berichteten - sondern wahrlich Butsschwestern seien.

Es war wohl ein Beweis des Vertrauens, dass auch sie Ehrlichkeit zeigte. Auch wenn Taara misstrauisch war - ein gewisses Vertrauen brachte sie jener Frau entgegen - etwas wie Verbundenheit.

Als sie an Milos Grab ankam dachte sie immer noch an sie - etwas ging von ihr aus was sie bedrückte und beschwingte.

Verfasst: Freitag 27. Oktober 2006, 03:16
von Vyra Lopasz
Vyra war doch inzwischen sichtlich geschafft von dem langen Tag der sich ihr geboten hatte.

Noch immer schmerzte die Wunde in ihrer Lende manchmal auf, und ihre Gedanken zogen sie an jene kalte Nacht zurück, wo der eine Lethar ihr mit voller Wucht ins Gesicht getreten hatte. Und traurig musterte sie kurz ihre Tasche in der sich ein kleines Büchlein befand, welches jenen ernüchternden Inhalt hatte, welches sie sich in den letzten Tagen vor dem Einschlafen gegeben hatte. Doch heute würde sie auf die Gedichte und Zeichnungen dieses Büchleins verzichten, denn zu viel gab es in ihrem eigenen Buch zu verzeichnen.

In ihrem kleinen Zimmer dass sie gemietet hatte, war nur ein kleiner Tisch, und an jenem ließ sie sich nieder. Sie zündete eine Kerze am Tisch an und legte ihr Büchlein daneben. Viele Namen würden heute hinein kommen, doch der wichtigste Name war scheinbar Tajara.

Ein großes Rätsel waren die Gefährtinnen bis heute gewesen, passten sie doch nicht in das allgemeine Bild der üblichen Gruppierungen, doch im Endeffekt waren sie eigentlich genau das, was sich Vyra tief im inneren erwartet hatte: eine kleine Gemeinschaft von Aussteigern, die sich den Luxus echten Zusammenhalts und Friedens verdient hatten.

Sie überlegte kurz, ob sie womöglich zu viel Vertrauen geschenkt hatte. Doch dann verwarf sie den Gedanken. Es war nicht wichtig.
Wer Vertrauen missbrauchte beging einen Kardinalfehler.

"Jeder Tag ist ein letzter Tag" schoss es ihr durch den Kopf. Es gibt keine andere Wahl, sie hatte es nunmal entschieden und sie könnte sich den Luxus nicht erlauben, nur auf die Gunst von der Königin zu leben. So traurig es war, sie brauchte neue Kunden.

Während sie so am Tisch saß, überkam sie etwas Hunger und sie durchsuchte ihre Tasche nach etwas Essbarem. Sie war schon so lange auf, dass es bestimmt schon nach Mitternacht sein musste. Es war nie gut, so spät zu essen, und so spät schlafen zu gehen, aber manchmal war es wie ein Urlaub von Disziplin sich sowas zu erlauben.
Was sie fand war nur eine Erdbeere und der leichte Nachtschattengewächs-geruch der davon ausging, für ihre geübte Nase in einem windstillen Raum leicht zu erkennen, vor allem weil die Erdbeere schon langsam den Geist aufgab, verzog ihr sofort das Gesicht.

Sie legte die Erdbeere neben die Kerze und betrachtete sie. Eine seltsame Fröhlichkeit überkam sie. Wenn sie daran dachte, dass sie am Anfang gar nicht daran gedacht hatte, an der Erdbeere zu Kosten. Sie hätte fast hineingebissen. Es war eigentlich der Blick von Nilama, der aussagte "ich weiss nicht so recht" der sie innehalten ließ. Sofort schaltete sich das Paranoide wieder in ihr ein.
Aber es war ein Teil ihrer Ausbildung so einen Zufall als Chance zu sehen und ihn zu kontrollieren. Erst später konnte sie sich der Erdbeere widmen. Der gute Nilama hatte ihr Leben gerettet. Nun zumindest ihr Wohlbefinden für einige Stunden, denn die Erdbeere schien mit keinem tödlichen Gift versehen worden zu sein.

Diese zwei Rüpel in der Stadt, nun, besonders Regado der einem Hund Alkohol zu trinken gab, würden undankbarerweise auch etwas längere Einträge in ihrem Buch erhalten.
Langsam schrieb sie einen Namen nach dem anderen sorgfältig ein, mit kurzen Zusammenhängen und Informationen. Für das ungeübte Auge war es nur ein Buchstabensalat, aber sie wusste genau welcher Buchstabe welchen bedeutete. Es war kein besonders sicheres Verschlüsselungssystem, aber zumindest würde es einen ersten Blick ablenken.

Schließlich kam sie auch zu Tajara, wohl jener Person über die sie am längsten nachsinnte. Merkwürdig war es, jemanden derart vertrauenswürdig zu finden. Merkwürdig und gefährlich.

Vyra hatte inzwischen keine verwunderung mehr über ihre paranoide Art. Sie würde diesen Schwestern zumindest Interesse schenken. Auch wenn ein echtes Vertrauen in der Welt einer Vyra nie wieder existieren würde, war der Versuch darum ja nicht umsonst.

Erneut blickte sie auf die Erdbeere und fühlte sich noch etwas schwindlig von der Spinne, die sie gebissen hatte.

"Nichts geht über einen Tag an dem man vergiftet wird" hörte sie noch Markus in ihrem Kopf sagen und musste lächeln.
Ja, Markus und seine alten Giftsprüche waren nicht nur Humor sondern auch oft Weisheiten und Mischanleitungen für sich gewesen. Er fehlte Vyra. Alle fehlten ihr, selbst jene, die sie verraten hatten.
Dennoch. Es war eine schöne Zeit gewesen.

Vyra blies die Kerze schließlich nach langer Schreibarbeit aus. Sie blieb noch eine gute halbe Stunde regungslos am Tisch sitzen und lauschte.
Dann ging sie wirklich schlafen.