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Wie ein Fähnchen im Winde..

Verfasst: Dienstag 24. Oktober 2006, 17:28
von Demoar Llastobhar
Endende Straßen:

„Demoar!“, hallte die Stimme der Magistra durch die Hallen. „Stöberst du etwa wieder in meinen Unterlagen?“ Schnelle Schritte erklangen in dem langen Korridor immer lauter werdend. Demoar ließ eilig die Blätter auf den Tisch fallen, sprang auf, ergriff die Laterne, mit der er im Dunkeln versucht hatte, Einblick in die Notizen der Magistra Andira zu gewinnen, und eilte zur Tür und wenig später verstummten seine Schritte in der Ferne. Kurz darauf schlug die Tür auf und eine große, steif aufgerichtete Frau betrat den Raum. Ein abschätzender Blick wanderte umher und musterte jede Kleinigkeit genaustens. Langsam näherte sie sich dem groben, hölzernen Tisch, auf dem die Notizblätter wild durch einander gewürfelt lagen. An manch einer Stelle lugte einen unsaubere Skizze schwer definierbarer Wesen hervor, hin und wieder standen undefinierbare Worte des ein oder anderen Zaubers auf den Blättern und überall dazwischen füllte eine stark geneigte, gleichmäßig anmutige Schrift das Papier. Zweifelsohne hatte Demoar wieder einmal in der Dissertation der Magistra über Dämonologie gestöbert. Langsam schüttelte sie den Kopf, wandte sich zur Tür um, schloss sie leise und wenig später verhallten auch ihre Schritte im Gang.

Hastig atmend kam er in seinem kleinen Schlafzimmer zum Stehen. Die Laterne flackerte aufgeregt, und erst als die Tür leise geschlossen war und er mit dem Rücken an sie gelehnt stand, die Laterne in der einen Hand, einen Zettel in der anderen, konnte er ruhiger atmen. Schnell durchquerte er den schmalen Raum und setzte sich an sein schäbiges Pult, entfaltete den Zettel und stellte die Laterne neben ihn. Überschrieben war der Zettel mit den Worten: „Die Wahren Namen“…

Am nächsten Morgen - Demoar saß gerade in einer Vorlesung zum Thema Elementarmagie, die, trotz dessen, dass er sie schon etliche Male gehört hatte, einfach nicht langweilig werden wollte – als die Magistra Andira in den Raum eintrat. Ein kurzer scharfer Blick auf Demoar und schon wusste er, dass er hinauskommen sollte. Als sich die Tür von Außen schloss, vernahm man aus dem Inneren nur noch das gedämpfte, monotone Lamentieren eines alten Magisters vor einer kleinen Gruppe Adepten. Demoar derweil schritt beunruhigt neben der Magistra her. Einsam klangen ihre Schritte durch die weit gestreckten Hallen der Akademie, an manchen Ecken war es stockfinster, an anderen wiederum flutete das Licht durch ein Fenster den Gang, doch überall war es einsam und leer. Vor ihrem Büro angekommen, dem, indem er gestern Nacht verbotenerweise herumgestreunt war, blick sie abrupt stehen. Demoar bemühte sich angestrengt, so auszusehen als wüsste er weder warum sie ihn hierher führte noch was sie überhaupt von ihm wollte. Noch bevor sie sich der Tür auf etwa drei Meter genähert hatten glitt sie auf. Demoar folgte ihr hindurch und fand das Zimmer unverändert vor. Die Truhe waren geöffnet, in ihnen lagen durcheinander gewürfelte Reagenzien und Artefakte, in den Regalen standen staubige Folianten und alte Wälze und auf dem Tisch lagen unsortierte Notizen – jene Notizen aus denen er den einen, sorgsam gefalteten Zettel entwendet hatte, der nicht im Mindesten an die Handschrift der Magistra erinnerte, sondern aus der Feder irgendeines anderen Schülers der Magie stammte.

Die Magistra blick kurz stehen, blickte sich um, als hoffte sie, etwas Neues in diesem Raum zu finden, oder gar als hätte sie diesen Raum noch nie zuvor betreten – sie blickte sich um, wie sie es die Nacht zuvor getan hatte: nüchtern, distanziert, objektiv, scharf; und doch wusste Demoar, dass sie sich nicht umsah, sondern ihn aus den Augenwinkeln kaum merklich musterte. Dafür musste er sie nicht ansehen, er folgte ihrem Blick ganz so, als wolle er wissen, nach was sie denn Ausschau hielte. Abrupt wandte sie sich um, stemmte die Hände in die Hüften – ihr Kleid schlug dabei viele Falten – und blickte ihn völlig ausdruckslos und neutral an. Dann sprach sie leise: „Warum tust du das?“

Noch ehe Demoar antworten konnte, noch ehe er unschuldig hätte fragen können, was sie denn meine, warum sie ihn schon wieder irgendeiner Tat bezichtigte, die er doch niemals hätte begangen haben können, da hatte sie sich schon wieder umgedreht, ging schnellen Schrittes auf den Tisch zu und krallte nach ein paar Notizen. Kurz sank Demoar das Herz in die Hose. Wenn sie wusste, dass er hier herumstöberte, dann war dies nicht im Mindesten so gefährlich, wie wenn sie gewusst hätte, dass er sie bestohlen hatte. Sanktionen für seine Taten war er gewohnt, doch manchmal grauste es ihm vor der Magistra. „Warum liest du über ein Thema, dass so gefährlich ist, wie dieses hier? Warum übst du nicht wie alle anderen auch die Theorie?“. „Weil ich die Theorie schon kenne!“, fiel er ihr ins Wort. „Wie oft soll ich noch die Vorlesungen zu den Theoremen, zu der Struktur des Geistes, zu den Artefakt- und Sigillenmagien besuchen?“ Langsam wandte die Magistra den Kopf über die Schulter. „Ich weiß sehr wohl, dass du alle Theorie beherrscht, doch in all deinem Übermut und deiner Ungeduld bist du für Wissen der Dämonologie noch nicht bereit.“

Demoar senkte den Kopf und sie schritt an ihm vorbei. „Ich kann nicht länger zulassen, dass du nachts in der Akademie herumstreunst und versucht, an dir verbotenes Wissen zu gelangen. Heute noch wirst du die Akademie verlassen“ Trauer klang in ihrer Stimme, doch auch der harte Klang des Pflichtbewusstseins, das diese Frau schon immer geprägt hatte. Sie entfernte sich und Demoar stand allein in ihrem Büro. Die restlichen Aufzeichnungen der Dämonologie lagen vor ihm auf dem Tisch und jeder andere, der sich jetzt aus dem Büro getrollt hätte und alles daran gesetzt hätte, die Magistra von seiner Einsicht zu überzeugen, war einfach grundauf verschieden von Demoar. Kurze Zeit war er enttäuscht, dass sie ihn wirklich wegschicken wollte, doch andererseits bot ihm das die Gelegenheit, sein Wissen nunmehr endlich in der Praxis anzuwenden. Ein Zauberverbot, das den Adepten auferlegt worden war, galt für ihn nun nicht mehr. Er griff nach den restlichen Notizen und verlies den Raum. Zurück in seinem eigenen Zimmer kramte er seine wenigen Habseeligkeiten zusammen, verstaute die erbeuteten Notizen in einem Buch über abstraktes magisches Grundwissen, das er eher wie einen Talisman, denn als ein Nachschlagewerk behandelte, denn er kannte es ohnehin in- und auswendig, schnappte sich dazu noch ein für ihn sehr viel wertvolleres Werk nämlich die „Manipulation des Geistes“ – diese Thematik hatte ihn schon seit jeher fasziniert, mehr noch als die Dämonologie, - und schulterte die gefüllte Tasche. Seine Schritte trugen ihn durch den immer noch so einsamen Gang, vorbei an den dunklen Ecken, in denen man die Hand vor Augen nicht sehen konnte, vorbei an den von Licht gefluteten Ecken, in denen man die Hand vor Augen auch nicht sehen konnte, vorbei an der Tür, aus der noch immer die monotone, lamentierende Stimme des alten Magisters hervordrang, der zum tausendsten Mal seinen Vortag über das Grundwissen der Elementarmagien hielt, vorbei an den anderen Klassenzimmern, von denen die meisten heute ohnehin leer waren, denn die meisten Stunden fanden dieser Tage im Freien statt. Anstatt inne zu halten, als er den Eingang der Akademie durchquerte, durch die imposanten Statuen alter Zauberer, ging er geradewegs den Weg entlang, den seine Füße ihn trugen. „Weg von hier“, war sein Gedanke, „wo ich nicht lernen darf, da will ich nicht bleiben.“

Neue Wege - der Aufbruch:

Nach wenigen Stunden erreichte er die Siedlung am Hafen, ein raues Örtchen, an dem nicht selten Muskelstärke erlaubt wird, über Verstand zu triumphieren. Nicht gerade ein Ort, an dem sich ein Schüler der Magie heimisch fühlen würde, doch von hier aus legten Schiffe und Kutter, Frachter und Boote in aller Herren Länder ab. Das erstbeste Schiff erwählte er als jenes, das ihn fort von hier tragen sollte. Nichts hielt ihn hier: Seine Familie verstand ihn ohnehin nicht, „Bauernvolk“ hatte er sie oft genannt, denn sie verstanden nichts von der filigranen Kunst der Magie, Freunde hatte er nur selten gehabt und wenn er welche hatte, dann verlor er sie oder sie ihn aus völlig belanglosen Gründen. Und nun war ihm das Lernen auch noch verboten worden – alle Taue die ihn hier hielten, waren durchtrennt worden. Das Schiff legte binnen weniger Minuten ab, als alle Kisten, von denen manche einen ekelerregenden Geruch ausstießen, am Heck des Schiffes und unter Deck verstaut worden waren. Seinen Rucksack neben sich gelegt, die Hände zufrieden gefaltet, schloss er in Deckung einiger großer Kisten die Augen.

Als er sie wieder öffnete stand der Kahn an Land und Kisten wurden abgeladen. Das Schiff war auf Gerimor angekommen und um möglichst unauffällig zu wirken, legte er seine Tasche auf eine Kiste und hievte sie den Kahn hinunter. Bei dem regen Treiben, das ihm Hafen herrschte, fiel er überhaupt nicht auf. Er stellte die Kiste ab, nahm die Tasche und machte sich eilends davon in die nächste Schänke.

Hier war er nun also angekommen, er saß an einem Tisch etwas am Rande der Taverne und hörte die brüllenden Seemänner, wie sie über dies und das nicht sprachen sondern wirklich nur brüllten. Das Bier schwappte mit jeder Geste in Massen aus den Krügen, doch es floss schließlich auch immer wieder reichlich nach, also störte das niemanden. Nicht weit von sich hörte er ein paar Männer über Magier sprechen. Geduckt und geheimnistuerisch sprachen sie darüber, wie unheimlich es doch sei, dass diese Leute Dinge einfach so geschehen lassen konnten, ohne dass es dafür irgendeine logische Erklärung geben könnte. Doch diese gab es! Zuhauf gab es Erklärungen, warum ein Zauber das tut, was er tut, doch diese Männer waren sosehr in ihre eigene kleine, beschränkte, sich nur auf sich selbst und ihr engstes Umfeld beziehende Welt vertieft, dass sie weder erkennen noch verstehen konnten, wie eine Manipulation der Magie eine Wirkung in der Materiellen Welt zur Folge haben konnte, wie das Eintauchen in eine transiente Ebene den Geist gleichermaßen mit Inspiration und Ausgeglichenheit überschüttete, wie er ihn auch in ärgste Gefahr stürzen konnte. Schmunzelnd blickte er auf ihre Rücken, und besann sich darauf, wie arm sie doch waren, dass sie nie die Erfahrung der Magie gehabt haben, noch jemals machen werden. Er erhaschte noch einen Gesprächsfetzen, der sich um eine gewisse Academia Arcana drehte. „Wunderbar!“, dachte er sofort. Daraufhin erhob er sich, schnappte seinen Beutel und verließ die Taverne, um sich auf die Suche nach der Academia zu machen, von der er schon jetzt völlig überzeugt war, er würde dort endlich Wissen erfahren, dass ihm früher immer verwährt worden war. Unterwegs, als er sich langsam versuchte auf der Insel Gerimor zurecht zu finden, wurde ihm nach und nach immer bewusster, wie viel Zeit er doch eigentlich zuhause vergeudet hatte. Schon lange hatte er dort der – wie sich nunmehr herausstellte – vergebenen Hoffnung nachgehangen, er würde bald schon in die tieferen Mysterien der Geistesmagie eingeweiht werden, eben jene Magie, die ihn schon immer gleichsam wenn nicht gar noch mehr fasziniert hatte als die Magie der Dämonologie. Und doch konnte man wohl kaum sagen, dass die Bereiche sich in irgendeiner Form ausschließen sollten. War es ist nicht ein gewaltiges Stück mentalmagischer Kunst, einen Dämon unter seinen Bann zu legen? Von diesen Gedanken beflügelt, in der Hoffnung, nun auf Gerimor an der Academia Arcana endlich das Wissen zu erhalten, was ihm eben diese für ihn noch verschlossenen Bereiche aufschlüsseln würde, lenkten ihn seine Schritte weg von Bajard auf zur Academia Arcana, wo er nunmehr um die Aufnahme an die Akademie ersuchen wollte, denn dort wollte er lernen, wie er die Menschen seinem Willen unterwerfen konnte.

So nun also der Beginn?

Nachdem Meister Elucius Demoar wiederholt auf seine nach des Meisters Definition Ungeduld aufmerksam machen musste, erbat er von Demoar eine schriftliche Abhandlung über eben dieses Thema. Demoar lies mit der Abhandlung nicht lange auf sich warten. Bereits zwei Tage später hatte der ArcoVeneficus die Schrift in seinen Händen:

Die Geduld - eine wahre Tugend?
Im Folgenden will ich der Aufforderung Meister Elucius' nachkommen, und einige kurze Ausführungen über das, was man als Geduld tituliert, in Form eines Essays in Worte fassen. Zunächst einmal sei hierbei als Basis eine knappe, möglichst objektive Definition für all jene, die zwar wissen, was der Begriff Geduld bedeutet - denn, so denke ich, weiss dies wohl jeder - es aber ihrerseits nicht zu fassen vermögen, angeführt. So fasse ich denn Geduld in folgende Definition:
  • Geduld ist die Fähigkeit, warten zu können. Als geduldig erweisen sich jene, die ihre Bedürfnisse zurückstellen, in Hoffnung darauf, dass sie sich bald erfüllen mögen.

Vielerorts wird Geduld als Tugend angesehen, doch meiner Meinung nach ist es lediglich eine Tugend, nicht ungeduldig zu sein, Geduld selbst ist aber gleichsam wie Ungeduld nichts Tugenhaftes. Letztlich habe ich einen wichtigen Punkt der Erklärung, warum denn nun Geduld für mich eben nicht die Tugend ist, als die sie von so Vielen doch bewertet wird, bereits in der Definition vorrausgenommen: Geduld geht Hand in Hand mit Hoffnung. Dabei spreche ich hier nicht zwingend von einer möglicherweise verzweifelten Hoffnung, sondern auch einfach schon von der Hoffnung, die sich eher der Erwartung denn einer verblendeten, verirrten Illusion annähert. Hoffnung bedeutet letztlich nur, untätig in einem Zustand zu verweilen, und geduldig hoffend darauf zu warten, dass er sich ändert und dies bestenfalls zum Guten.
Doch gerade diese Untätigkeit ist es, die der Geduld ihre Tugenhaftigkeit nimmt, denn wer so vermessen ist, anzunehmen oder gar zu hoffen, dass Missstände sich schlichtweg durch Warten, ewiges Dahinvegetieren, Nichtstun, blosse Selbstaufgabe sich irgendwann selbst zu lösen beginnen, der handelt offensichtlich nicht tugendhaft.
So komme ich also zu dem zurück, was ich bereits anfangs einwarf. Die Geduld verdient es genausowenig als Tugend tituliert zu werden, wie es die Ungeduld verdienen würde, so stelle ich die These auf, dass die einzig richtige Bezeichnung einer Tugend hier die der "NichtUngeduld" wäre."


Und so bläßt der Wind..

Verschlossen saß er dieser Tage einsam im Park Varunas und lies den Blick über die sich im Winde rhythmisch wiegenden Gräser schweifen. Wie sie da tanzten, wie sie sich vor ihrem Herren verneigten, demütig, untertänig.. zufrieden. Wie ein Fähnchen im Winde...

Sein Blick wanderte weiter zu den großen Eichen um ihn herum, die sich so majestätisch und erhaben sie dort auch wachen, genauso unterwürfig dem Winde neigenm wie es die Gräser tun. Hoch gewachsene Baumriesen biegen sich ganz gleich den Gräsern. Wie ein Fähnchen im Winde...

Ein leises Seufzen durchschnitt die sonst so kühle, nahezu vereiste, zum ewigen Stillstand verdammte Herbstluft. Demoars Blick hatte sich wieder von den Eichen abgewandt und war in undefinierbare Fernen gerückt, um sich in seinen Gedanken nicht von weltenlichen Belangen, wie den Fähnchen im Winde ablenken lassen zu müssen.
Was war nur los mit ihr.. oder besser mit ihnen?
Völlig zerstört sitzt sie am Tisch in der Weinschenke, erstickt ihre Trauer im tiefroten Wein und vermittelt gänzlich die Erscheinung eines hilflosen Mädchens, das am Boden zerstört dort vor sich hin schluchzt. Und nur einen umgestoßenen Becher und ein hilfloses Wanken später amüsiert sie sich schon wieder mit zwei Jungen Buben. Noch einmal schüttelte Demoar den Kopf. "Was ist das nur?", dachte er irritiert. So irritiert, wie er sich im Grunde den ganzen Abend über gefühlt hatte. Diese Gefühlsschwankungen, .... wie ein Fähnchen im Winde..
Während sie sich dort mit den beiden Jungspunden so ausgelassen amüsiert hatte, während ihre Tränen, die wenige Minuten vorher noch geflossen waren, schon längst auf ihren Wangen getrocknet waren und nun von den sich kräuselnden Grübchen bizarr verzerrt wurden, während ein ums andere Mal ein neuer Weinbecher zum Prosit angesetzt wurde und sie ihn mit eiligen Zügen leerte, während ihre Wangen immer mehr rötliche Farben annahmen, während dieser Zeit schien sich Demoars Bild von einer Priora merklich zu verzerren.
Wieder zeugte ein kurzes Kopfschütteln Demoars davon, dass er auf seiner Bank im Park Varunas nicht in einen Wachschlaf verfallen war, doch seine Gedanken hingen noch immer dem gestrigen Abend hinterher. Der einzige Lichtblick, der scheints in der Lage war, das hochgeachtete Bild, das er vor diesem Abend von ihr gehabt hatte, wieder aufzubauen, war das Versprechen, sie würde ihn zu geeigneter Stunde zu sich bestellen, und ihm das ein oder andere erklären, das nicht mehr zu klären galt, als ihre Runde, nachdem die beiden Jungspunde gegangen waren, durch eine Fremden Pferdezüchter unterbrochen wurde.

Ein Fähnchen im Winde...

So lange Zeit hatte er sie nie anderen Dingen gewidmet, als der für ihn höchsten Kunst und allen Dingen, die in - ganz gleich wie entfernt - irgendeiner Weise mit ihr in Bezug standen. Von der Ettikette seinesgleichen bis zu den Wahren Namen hatte er in nahezu jedes Gebiet seine Nase hereingesteckt und dabei trat ein Gebiet, das nun sein Leben viel immanenter bestimmte, nie aus dem Schatten der Vernächlässigung hervor: Das Wesen der Frauen.
Beinahe beschämt dachte er darüber nach, dass es doch im Grunde nicht so schwer sein könne, sie zu verstehen und doch war es eine Sache von derartiger Komplexität, dass ihm nur wenige Themen einfallen könnten, die es mit ihr dem Wesen der Frauen aufnehmen könnten.
Waren alle Frauen so? Waren sie alle unbändigen Gefühlsschwankungen unterworfen? Hatte sich nicht nur zwei Nächte zuvor bereits eine andere Frau derart verwirren aufgeführt? Wo sie sonst einem geselligen Redefluss hätte folgen können, dauerte es nun scheinbar Stundenlang, bis sie auch nur eine Antwort hatte herausbringen können. Durch ständiges Innehalten, Zögern, unsicheres Umsehen und besinnendes Nachdenken hatte vermochte sie es, Demoars Frage im Grunde nicht zu beantworten, wenn gleich sie sich doch eine gute Stunde darüber unterhielten.
Wo sie so gesellig gewesen war, hatte diese Frage sie völlig aus dem Konzept geworfen. Ihre Laune, ihre Art, ihre Anmut hatten sich.... hatten sich gewandelt.... wie ein Fähnchen im Winde...

War war es nun? Das Wesen der Frauen?
Noch ein kurzer Gedanke wurden den beiden zuteil, Una und Tara, eher er sich erhob, langsam den gepflasterten Weg entlang ging, dabei scheinbar eine kühle Barriere durchschreitend und zu den Gräsern und den Bäumen sah, die sich noch immer untertänig verneigten.
"Wie ein ....", dachte er und ging resigniert davon

Verfasst: Sonntag 19. November 2006, 16:11
von Demoar Llastobhar
Was nur war geschehen?
Schon allzulange hatte er Tara nicht mehr gesehen. Gebeten hatte sie ihn um Zeit; Zeit sich über ihren Verlust, den Neuanfang, sich selbst im Klaren zu werden. Doch was bedeutete diese Zeit

Wie lange hatte sie vor, ihn vor der Tür frieren zu lassen. Wie lange musste er zitternd auf der Matte nächtigen, drinnen das Warme Feuer ihrer Liebe prasselnd, ohne ihm die Tür zu öffnen. Wollte sie warten, bis der Schnee fiel? Bis das erste Mal der Frost einsetzte? Wollte sie warten, bis der Winter kommt und er die Knospen ihrer Beziehung in Frost und Raureif zerklirren lässt?
"Das Fähnchen im Winde... ",dachte er sich. Doch ist sie das überhaupt? Ist sich sich über sich selbst im Klaren.. Hat es überhaupt Sinn? Doch wollte er nun die Flinte ins Korn werfen, "nur weil nicht alle Knabenmorgenblütenträume reiften?"

Langsam wendet er den Blick zur Seite, das Feuchte Pflastergestein des Varunaer Marktplatzes spiegelt den spärlichen Lichtkegel der Laternen, doch ansonsten hüllt sich die Welt in Schweigen. Was ist das? Noch nie hatte er sich über etwas derartiges Gedanken gemacht. Nie hatte er sich einer Schwäche hingegeben, die diese Beziehung zweifelsohne war - barg sie doch die Fähigkeit in sich, ihn zu lähmen, in zu solchen Gedanken zu treiben, die ihn gerade plagten. War es vielleicht doch besser, seine Barriere, die er abschottend um sich herum errichtet hatte, wieder aufzubauen? Diese Barriere, die ihn davor hatte schützen sollen, sich einem Menschen zu nähern? Diese Barriere, die er für Tara im Sturm hatte eingerissen? Diese Barriere, die nun zerborsten in Trümmern zu seinen Füßen lag und ihm jeglichen Schutz verwehrte? Diese Barriere, die nun den Weg bahnte, für solche Gefühle, die ihn beinahe zu paralysieren im Stande waren?

Wollte er das?
Wollte er es nicht?
Was war ihm wichtig?

Er hatte schon so vieles aufgegeben... und dennoch war er allein gut gefahren. Warum nun also mit ihr? Und doch schmerzte ihn dieser Gedanke. Er wollte sie nicht aufgeben. Und doch schien sie sich hinter ihrem Schmerz zu verstecken. Ganz so als suche sie eine Entschuldigung. Eine Entschuldigung, ihm nicht erklären zu müssen, warum er ihr nicht genügte..
Und wieder tat es weh... das Fähnchen im Wind schnitt ihm Narben ins Gesicht...

Verfasst: Dienstag 21. November 2006, 15:51
von Demoar Llastobhar
Lange Zeit saß Demoar allein auf der verwitterten, hölzernen Bank.
Lange Zeit hatte er dort allein vor sich hin sinniert.
Und lange Zeit hatte er gebraucht, um doch zu keinem Schluss zu kommen...

Vor ihm her trief ein vereinzeltes Blatt in den Wogen des Windes, in starren Wirbeln, in vereisten Figuren, in undurchdringlichen Bahnen kämpfte sich das Blatt zum Boden.

"Alles findet sein Ende", dachte er zu sich. Vielleicht hatte es wahrlich kenien Zweck mehr; zu lange hatte er sich seiner Suche, seiner Sehnsucht nach Tara hingegeben. Wie sehr hatte sein Studium darunter gelitten. Meister Elucius wartete sicher schon lange Zeit auf seine Ausarbeitungen über die Grenzen der Magie... die Moral... das eigentümliche Wesen der Causalitaet. Wahrlich wie akausal doch die Gefühle waren. Wie verworren konnten sie sein, wie undurchdringlich. Keine Logik...

Ein Fähnchen im Winde...

Wie lange lagen diese Schriften, zum Teil schon fast fertig, nun schon beinahe vergessen in de ansonsten so leeren Hallen der Akademie.

Nein es hatte schlicht keinen Zweck. Er wollte nicht weiter im dumpfen Schatten eines ihm unbekannten Verstorbenen vor sich dahinvegetieren müssen. Er wollte sich nicht den Schwankenden Launen dieser Frau unterwerfen. Diese Launen, sie waren...

Ein Fähnchen im Winde...

Er wollte nicht weiter sich selbst und Tara leiden lassen.
Die Zeit... Tara hatte sie verlangt, gefordert gar.. und er hatte ihr unüberdacht zugesichert, sie ihr zu geben, wohl wissend, ihrer im Grunde nicht habhaft werden zu können. Nein er war nicht Herr über Zeit und Raum... und er würde es erst recht nicht werden, wenn er nun nicht bald Vernunft erlangte.

Die Zeit... so akausal... so völlig ohne Logik... ein Fähnchen im Winde...

Kurz flammten Erinnerungen auf. Ein verzerrtes Bild, so verwaschen als sei es eine Jahrhunderte alte Malerei, die der unaufhörlichen Verwirrterung anheim gefallen war, ... sich ihr nicht hatte widersetzen können. Der Zeit... Schleichend lösten sich die Schleier, das Bild wurde deutlicher, die Szenerie tauchte von Sekunde zu Sekunde deutlicher aus seinem Unterbewusstsein in die Wirklichkeit. Er hatte dieser verworrenen Fantasie schon des öfteren nachgehangen - immer dann, wenn er wieder viel zuviel Zeit hatte; Zeit, den Ausläufern seiner Gedanken frei Ideen, Begierde, Wunschverlangen als Nahrung für Ausläufer stetig wachsender, sich immer vermehrender Gedanken zu bieten und dann aus Unvorsichtigkeit, gar aus Neutralität sie gedeihen zu lassen... Um in ihnen zu versinken...

Verfasst: Donnerstag 23. November 2006, 21:18
von Demoar Llastobhar
Es war wahrlich an der Zeit gewesen, seinen Pflichten wieder nachzukommen. Endlich würde er die Aufgaben, die er sich vor einiger Zeit selbst auftrug, zum Ende bringen.
Die farblosen Fasern der Feder tanzten bei jedem Schriftzug, nur von einem stetigen, ruhigen Kratzen untermalt, als die Feder behände über das grobfaserige Papier fährt und dort die letzten Reste der an ihr haftenden Tinte verstreicht. Es war bereits tief in der Nacht, als Sephraim zu ihm hereinkam und sich ihm gegenübersetzte. Langsam richtete Demoar den Blick auf und musterte ihn eine Weile. Nur selten hatten die beiden mehr als Willkommensgrüße und Verabschiedungen gewechselt. Sephraim war ein gewissenhafter und aufgabenbewusster Mann und umso erstaunter war Demoar, als dieser sich auf dem Stuhl ihm gegenüber wortlos niederließ und den Blick auf seine Aufzeichnungen richtete.

Schließlich hob er die Stimme, als er scheints die Überschrift der langen Pergamentrolle, die sich über den Tisch erstreckte, und die ersten paar Zeilen darunter, die nicht viel mehr Inhalt, als eine Einleitung es gemeinhin tat, in sich barg, gelesen hatte.
"Ihr müsst wissen, ich habe jedes Buch innerhalb dieser Bibliothek gelesen. Wenn man so lange hier arbeitet wie ich, dann verspührt man hin und wieder das Verlangen, sich auch ein wenig diese Werke zu Gemüte zu führen. Seit Eure letzten Werke hier eingeordnet wurden, sind keine Neuen mehr eingetroffen. Früher war das anders. Bedauerlich, dass sovielen Scolaren und Disciplini sowenig an dem Studium liegt."

Ein Stummes Nicken - mehr konnte sich Demoar nicht abgewinnen, während er das Pergament einrollte.

"Sagt.. wenn dieses Werk fertig ist, darf ich es dann lesen?"

Noch einmal richtete sich der Blick Demoars auf sein Gegenüber, die nebelgrauen, tiefen Augen, nur von einer hauchzarten, orangfarbenen Flamme durchzogen, schneiden den Blick der grünen Augen Sephraims. Dann wandte sich sein Blick langsam herunter auf die Rolle in seiner Hand, das grobfasrige Pergament lässt ein gewisses Gefühl von Beständigkeit erstarken.
Schliesslich streckte er ihm die Rolle entgegen, mit den Worten: "Dieses hier ist fertig"

Ein kurzes Lächeln glitt über Sephraims Züge, als er die Rolle entgegen nimmt und sich daran machte diese zu lesen. Unterdessen zog Demoar bereits eine weitere Rolle hervor, auf der bereits gute 2 Ellen fließender Text in eben dieser tiefblauen Tinte, in markant gestochenen Lettern geschrieben stand - die Tinte war bereits ein wenig in Richtung der Maserung des Pergaments verlaufen und dort zur Ruhe gekommen.

Sephraims Augen gleiten stumm über den Text, der sich ihm beim Entrollen des Pergaments bot:


Die Grenzen der Magie


Ich denke, nicht wenige von Euch, die Ihr Euch nun die Mühe machen wollte, mein Werk zu diesem Thema zu Gemüte zu führen, haben sich von diesem eurer Meinung nach möglicherweise erstütterndem, vielleicht auch nur einer abfälligen Bemerkung würdigen oder schlicht paradoxen Titel verleiten und verführen lassen, in das Regal zu greifen, sich zu setzen und ein wenig Ihrer Zeit den Gedanken und Ideen meiner Wenigkeit zu opfern, wenn auch nur, um am Ende feststellen zu wollen, und dies vielleicht auch zu tun, dass ich jener Tor sei, der glaube, der Magie seien Grenzen gesetzt.

Wenn es die Wahl meines Titels vermochte, Euch dazu zu verleiten, dieses Werk aufzuschlagen, dann hat sie damit auch schon all ihre Schuldigkeit getan und kann getrost von nun an nicht mehr als Aufmerksamkeit heischendes Wortgeflecht über meinem Essay stehen, sondern schlicht und ergreifend - wie es für einen Titel gepflogen ist - das Thema des Werkes benennen.
Doch nun will ich mich und vor Allem Euch nicht weiter mit leeren Phrasen, langweiligem Einleitungsgeplänkel und gerade allzu theoretischen Annahmen langweilen zum Thema kommen:

"Die Grenzen der Magie", ... und wer hier dachte, ich dummer Tor hätte nicht begriffen, dass einer unendlich transzendenten Macht wie der Magie keine Beschränkungen oder gar Grenzen auferlegt seien, der hat das Wesen der Magie wohl selbst noch nicht zur Gänze begriffen oder ist schlicht noch nicht tief genug eingetaucht, in die Theoretischen Abgründe, derer ich mich hier ergebe. Die Magie ist für uns Menschen immer nur soweit greifbar, wie auch wird in der Lage sind, sie zu begreifen.
Ohne viel um die beiden meiner Meinung nach wichtigsten und mächtigsten Grenzen herum zu reden, nenne ich sie frei heraus: Vorstellung und Moral. Wer der Vorstellung seines Ziels, das er seinen Gedanken entreißen will und in die Realität zwingen will, nicht habhaft werden kann, wer unfähig ist, seine Gedanken derartig zu fokussieren und zu kanalysieren, der wird immerfort der Grenze seiner eigenen Imagination unterworfen sein.

Den Grenzen der Moral sind nur jene Menschen unterworfen, die es als ihre Pflicht erachten, moralisch zu handeln. Sinnigkeit und Unsinnigkeit einer moralischen Haltung maße ich mir an dieser Stelle nicht an, zu bewerten, jedoch will ich nicht darauf verzichten, auf den Begriff der Moralität und die Notwendigkeit oder Unnotwendigkeit ihrer selbst in einem forführenden Werk tiefgreifender einzugehen.
Letztlich - so denke ich - sollte inzwischen offensichtlich sein, das eine jedewede Grenze, ganz gleich ihrer Auslegung, letzten Endes ausschließlich aus dem eigenen Willen erwächst.

"Der Wille, das ist jene Kraft,
die, wenn sie will, schlicht alles schafft"
(Demoar Zarach)

Der Wille selbst definiert im Grunde nicht unsere Geistigen Fähigkeiten, sondern unsere Geistigen Möglichkeiten, unser Verlangen, unser Bestreben, das maßgeblich die Formgebung und eben den Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten bestimmt.

Das hauptsächliche Problem, wenn man sich einmal der Existenz und Immanenz dieser Grenzen bewusst geworden ist, ist, dass man sich kaum zwingen kann, sich Dinge vorstellen zu können. In eben dem Moment, als der kurze, vielleicht zerbrechliche, nur glassplitterhafte, filligrane Gedanke, das zerborstene Mosaik das Licht unserer eigenen Gedankenwelt erblickt, das prismatisch reflektierte Lichtgewirr unserer Imagination vielleicht gar einem Fantasmus gleich, in eben diesem Moment hat die Grenze unserer Vorstellung einen Schritt in Richtung Unendlichkeit, Unglaublichkeit ... Unmöglichkeit getan.

Ich hoffe, dieses Werk hat vielen von Euch meine Ideen und Gedanken näher gebracht, doch noch mehr hoffe ich, dass so viele Leser als irgendmöglich sich mit mir auf eine interessante Konversation über dieses vielleicht brisante oder gar anmaßende Thema einlassen, um Gedanken auszutauschen, fortzuführen, in andere Bahnen zu lenken, kontroverse Argumente gegeneinander auszuspielen oder mich - sofern mein ich mich der Schlagkräftigkeit und Evidenz der Argumente meines Gegenübers schlicht nicht widersetzen kann - vom völligen und absoluten Gegenteil zu überzeugen.
Ich beende mein Werk nun denn mit folgendem Ausspruch, den ich vor langer Zeit in einem Werk fand, und den ich als die Grundaussage, auf die sich dieses Werk stützt, ansehe:

"Wisse Mensch, dein Wille ist die Grenze"

Verfasst: Freitag 24. November 2006, 16:42
von Amphion Elucius
Gerade von einer Exkursion zurückgekehrt und wie in letzter Zeit, fast in jeder Minute, in die Umgestaltung des Unterrichtes an der Akademia Arcana vertieft eilte er durch die steinernen Gänge des schlichten Gemäuers in die Richtung seines Arbeitszimmers. Oben in der Halle angekommen viel sein Blick wohl eher zufällig auf den alten Magister Sephraim, der offensichtlich in ein Buch vertieft schien. Da ihn dieser ofenbar nicht bemerkte, lies er sich nicht aufhalten und steuerte weiter zielstrebig das Arbeitszimmer an. Kaum war er an dem Magus vorbei, drang das klatschende Geräusch, dass beim schwungvollen zuschlagen eines Buches zu vernehmen war an Amphions Ohren und mit nüchterner Stimme sagte Sephraim: "Arco Veneficius, das solltet ihr euch einmal zu Gemüte führen, der junge Discipulus Zarach, ihr wisst schon wen ich meine, dieser ungeduldige Schreiberling hat sich doch tatsächlich an einem Werk über die Grenzen der Magie versucht. Es ist zwar nicht gerade das umfassendste das ich bisher las und man könnte sicherlich noch etwas anfügen, aber er hat die wichtigsten Aspekte ganz gut erfasst."
Wohl überrascht über die unverhoffte Ansprache, hielt Amphion inne und blieb für einen Moment irritiert stehen: "Discipulus Zarach? nungut, ich werde es bei Gelegenheit einmal überfliegen, bitte legt es mir auf den Schreibtisch." Dann setzte er seinen Weg Richtung Arbeitszimmer fort...

Verfasst: Freitag 24. November 2006, 23:12
von Demoar Llastobhar
Lange hatte er es an diesem Abend nicht mehr ausgehalten. Nein Müdigkeit hatte ihn hinterrücks wie ein hinterlistiger Schatten überkommen, hatte ihm seine Klinge an die Kehle gehalten und sich seine bemächtigt. Ohnmächtig, sich zu widersetzen, ließ Demoar sich rücklings in die Dunkelheit fallen, die mit heischenden Nüstern und messerscharfen Klingen nach ihm griff, ihn umfasste, an seinen Kleidern zerrte, ihn immer tiefer nach unten zog – den Abgrund allen Seins in urtiefe Dunkelheit gerade so, als sei er nun gezwungen, seine weitere Studien in der Verbannung durchzuführen, und dann… schlug er auf.
Ein leiser, dumpfer Aufschlag war zu vernehmen, erstickt in den Wandbehängen, unfähig die wenigen Treppen nach Oben zu erklimmen, von den Türen eingekerkert, auf sich allein gestellt, in sich gekehrt, verebbend. Die regungslose Gestalt Demoar Zarachs lag zusammengekauert vor dem alten, eichenhölzernen Stuhl, auf dem eben noch schlaftrunken zusammengesunken war, seine langen, schlohweißen Haare verworren über das Pult verstreut, auf dem sein Kopf in seinen Armen vergraben war, die Finger beinahe einem Deut gleich auf die Textstelle gerichtet, die mehrfach durchgestrichen worden war, die Feder irgendwo auf dem Boden liegen, eine schmale, trügerische, schwächer werdende Spur bläulicher Tinte über die dunklen Schiefergesteine nach sich ziehend. Das Tintenfass stand glücklicherweise unversehrt auf dem Pult, einige Tropfen neben ihm zeugten von kärglichen Versuchen, noch mitten in der Nacht einige sinnige Gedanken zu Papier zu bringen, die aber eher in wahrloser Sauerei auf dem Pult endete. Schlieren blauer Tinte waren die Überbleibsel der Tintenflecke, die er beim Fallen mit seinem Robenärmel erfasst hatte und in wirren Bahnen über den Pult verzerrt waren.

Als am nächsten Morgen die ersten, jungen Sonnenstrahlen durch die Fenster in die Akademie fielen und langsam über den Boden krochen, sich schleichend vortasteten, nur zaghaft wagten, sich an den Vorhängen entlang zu tasten und von Sekunde zu Sekunde kroch der erhellende Lichtschein näher an den regungslosen Körper auf dem Boden. Noch immer waren seine Haare verworren um den zur Seite gerichteten Kopf wie ein beschützender Rahmen wahllos zerstreut. Seine Augen ruhig geschlossen, seine scharfen Gesichtszüge beinahe in bedächtiger Umsicht und sein Mund beinahe von seinen weißen Haaren verdeckt. Schließlich übermannten die Lichtstrahlen den reglosen Leib. Seine Haare reflektierten die Lichtstrahlen mannigfaltig in alle Richtungen und umhüllten Demoars Gesicht in diffusem Schein. Als wäre er mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht, kam Sephraim die Treppe herunter, bereits in seiner gewohnten Magierrobe, seine gepflegte Frisur, den Magierhut schnurgerade nach oben gerichtet und etwas irritiert fiel sein Blick auf den reglosen Körper auf dem Boden. Eilige Schritte trugen ihn die letzten Stufen die Treppe herunter und schon hatte er sich neben Demoar hinabgebeugt und legte seine Hand auf seine Stirn.

„Mhh, verletzt ist er scheinbar nicht. Er hat sich etwas zuviel zugenommen, wie es scheint. Geistige Arbeit ist um einiges anstrengender als es körperliche Arbeit auch nur im Entferntesten sein kann...“

Langsam fuhr seine Hand zu Demoars Arm und begann ihn etwas zu rütteln.

„Disciplinus Zarach, wacht auf“

Langsam zuckte eines seiner erschöpft wirkenden Augenlieder und öffnete sich, ehe das andere sich – einem langsamen Nachzügler, der erbittert versucht, den Kampf wieder aufzunehmen – widerstrebend auch regt und schließlich ebenso öffnet.
Die grauen Augen von nebligen Schleiern, die keine näheren Strukturen im Inneren des Auges erahnen ließen, blickten den Magister vor sich an. In seinen unergründlichen Pupillen, tief in den wabernden Nebeln, die tanzend unwirtliche Gebilde zu formen schienen, regte sich etwas, kaum bemerkbar, ganz so, als sei er erst jetzt wirklich erwacht, als sei er erst jetzt bewusst in die Realität eingetaucht. Und dann… fielen seine Augen wieder zu und der Kopf erschlaffte.
Noch ein kurzes Schmunzeln huschte über die Züge des Magisters, ehe er meinte:

„Nun dann schlaft Euch aus, Disicplinus.“

Und mit diesen Worten erhob er sich, ging in den Vorraum, holte von dort ein dunkelrotes, ausgefranstes Kissen, schob es ihm unter den Kopf und lies eben jenen behutsam wieder sinken. Beim Aufrichten fiel der Blick auf das Pergament auf dem Tisch, das von einigen Tintenflecken ansonsten nahezu vollendet schien. Ein kurzer Blick durch den Raum… und wieder konnte er dieser Neugierde nicht widerstehen. Er griff nach dem Pergament, setzte sich auf den Stuhl, der wenige Stunden zuvor Ort Demoars Schwächeanfall gewesen war, und vertiefte sich, den Blick hin und wieder auf den Burschen vor sich gerichtet, in den Text…

Verfasst: Sonntag 26. November 2006, 14:48
von Demoar Llastobhar
Das Wesen der Moral – Stütze des Glaubens oder Gefängnis des Geistes


Wie bereits in meinem vorangehenden Werk über die Grenzen der Magie angekündigt, folgt nun mein fortführendes Werk über das Wesen der Moral. Mit dem gewählten Titel habe ich bereits versucht, zweier immanenter Standpunkte habhaft zu werden.

Die Moral – so scheint es meiner Erfahrung nach zumindest und ich kann lediglich und ausschließlich aus meiner Erfahrung heraus berichten, denn welchem übergeordneten Sammelbegriff wäre mein Wissen zuzuordnen, wenn nicht der Erfahrung, wo ich doch alles, was ich weiß, mittelbar oder unmittelbar erfahren haben muss – ist ein von dem Glauben in himmlische Höllen erhobenes oder in abgrundtiefe Schluchten versenktes Abstraktum, dem auf dem individuellen Wesen selbst basierend auf unterschiedlichste Weisen begegnet wird.
Im Grunde ist Moral eine leere Hülle, wie sie jedes Wort ist, dem der Mensch – eher unwillkürlich – einen Sinn einhaucht; wie ein waberndes, formloses, diffuses Nebelgebilde, entsprungen aus den Urgrüften der Welt, das nun in Form gegossen, geschlagen, gebrannt wird, um sich selbst in jedes Menschen Gedanken in anderer Gestalt wieder zu finden.

Es ist wohl mehr als evident, dass die Jünger Temoras die Moral als eine ihrer Höchsten Tugenden, die sie dem transzendenten Wesen ihrer Gottheit näher bringen können, bezeichnen. Selbst die Pilger Alatars wissen um die Bedeutung der Moral, wie sie auch um Wesen und Art der Treue und Ehre wissen. Wo sich Wege und Ziele aufs Schärfste unterscheiden, kann doch die eingeschlagene Richtung so gleich sein.

Ob nun aber die Moral sich gleichsam derart einfach und logisch als eine dem Menschen glauben gemachte Tugend, die doch nur darauf wartet, als Illusion enttarnt zu werden, als eben dieses enthüllen lässt, ob sie so widerstandslos die protektiven Hüllen fallen lässt und sich als das zeigt, was sie ist, das wird sicher nicht eindeutig zu bestimmen sein, schon allein, weil eine solche Bewertung zwingen _derart_ subjektiver Natur sein _muss_, dass eine allgemein gültig, objektive Wertung vollends unmöglich ist.
Ich warne an dieser Stelle bereits davor, dass ich von nun an meiner subjektiven Wertung gezwungenermaßen freien Lauf lassen werden muss. Es sei mir also verziehen, dass die von mir angestrebte und erhoffte Allgemeingültigkeit meiner Aussagen darunter zuweilen womöglich leidet.

Ich für meinen Teil denke, dass ich es mir nicht anmaßen kann, die gedanklichen Gebilde moralischer Grenzen, die sich hinter allerart Tugenden verstecken und mancher Lande als Grundfesten eines bestimmten Glaubens fungieren, in Worte zu zwängen.

Ein Wort – eine sprachliche Metapher eines Gedankens, den wir auszudrücken suchen.
Eine Metapher – eine Verunstaltung, die den wahren Gedanken in sich selbst verwischt.

Wir erfahren nichts, wie es ist. Schon wenn wir uns beim Sehen, beim bloßen Aufnehmen der Art und Form eines Gegenstandes, einer visuellen, beim Hören einer akustischen oder beim Fühlen einer haptischen Metapher bedienen, dann muss diese Verwischung und Veruntreuung nicht auch noch durch sprachliche Metaphern exzessiv fortgeführt werden.

Für mich sind Tugenden demnach undefinierbare Gedankensplitter, die dazu verdammt sind, auch eben dies immer zu bleiben, will man sie nicht ihres eigentlichen, immanenten, unantastbaren Wesens berauben.
Wie der Einzelne nun den Wert einer Tugend für sich selbst einstuft, wie er der Begrifflichkeit, hinter der sich eben ein solcher filigraner Gedankensplitter versteck, begegnet, das sei jedem für sich selbst überlassen. Ich zumindest bin zu dem Schluss gekommen, dass einem jeden dieser Gedanken mit ausreichender Skepsis gegenüber zu treten ist, um eben nicht in Naivität gewogen, sich etwas hinzugeben, was im Grunde doch dem Geiste eines klar und frei denkenden Menschen widerstrebt.
In einem vorangehenden Werk hatte ich bereits meine Gedanken der Idee der Geduld, die von vielerlei Menschen als eine Tugend eingestuft wird, geäußert und klar zum Ausdruck gebracht, dass und warum Geduld eben keine Tugend ist. Mit eben dieser Skepsis – man mag es gar Argwohn nennen – sollte man jeder Art fremder Gedanken begegnen und für sich selbst auf Richtigkeit und Gültigkeit prüfen, denn anderweitig wird man über kurz oder lang nach den Regeln und Meinungen der Masse leben und genauso oberflächig und undurchdacht handeln, wie es die breite Masse tut.

Ich möchte hiermit mich nun wieder aus den allzu ethisch, philosophischen Gefilden zurückziehen und jeden in dem Glauben belassen, den er für sich selbst als den einen Wahren erachtet und jeden den Tugenden und Moralvorstellungen huldigen lassen, die seine Gottheit vorschreibt, aber dennoch hoffe ich, dass ein jeder, der bis hierher den Weg durch mein Werk fand, von nun an mit angemessener Skepsis dem, was ihm glauben gemacht wird, es sei richtig, allgemein gültig und gut, gegenübertritt, ohne es in Blinder Naivität für sich zu übernehmen.


Verfasst: Montag 27. November 2006, 18:06
von Demoar Llastobhar
In langen, ruhigen Schritten, nur hin und wieder von einem dumpfen Klacken des Stabes, den er sonst nur so selten mit sich führte, untermalt, wandert er durch die dunklen Straßen Varunas.
Gerade noch hatte er mit Una, Keara und Tara beim Konzert in Varuna gesessen. Aus lauter sich gebietender Sittlichkeit versuchte er, nicht vollends einzuschlafen, doch eines verlockenden, Ruhe spendenden Tagtraumes konnte er sich nicht erwehren. Immer als wieder Ruhe eintrat, als die Saiten zu klingen endeten, sah er sich schlaftrunken im Raum umher, und seufzte kaum merklich, als Felicitas wieder in die Saiten griff und begann, ein weiteres ihrer melodisch-wehmütigen, Müdigkeit erregenden, beinahe melancholischen Lieder anzustimmen.
Was hätte er an diesem Abend alles schaffen können, wäre er nicht mit den drei Llastobhardamen mitgegangen.
Und nun – es war schon bald Mitternacht – war er endlich unterwegs zum Gasthaus. Von dort wollte er gerade noch ein Buch holen, um es an der Academia vorbeizubringen, erst dann wollte er sich endlich zu Bett begeben. Im inzwischen beinahe vollends dunklen Gasthaus – nur hier und da glimmte ein zuckender Lichtschein in den ansonsten finsteren Fenstern auf – angekommen, griff er eilig das Buch auf seinem Pult und machte sich durch die dunkle Nacht zur Akademie auf. Obwohl er sich die Nacht hätte erhellen können, tat er es dennoch nicht. Das Dunkel hatte etwas Geheimnisvolles an sich. Einfühlsam, fast geborgen, wandelten sich die Schatten der Nacht um ihn herum, doch nur der eilig zuckende Robensaum war es, was noch davon zeugte, dass Demoar hier gerade vorbeigeeilt war. Und schon war auch der Saum entschwunden.
Nach einiger Zeit traf er am Tor der Akademie ein. Im Inneren glimmte noch immer eine schwächliche Kerze, Sephraim saß brütend über einigen Botenschriften und als er Demoar erblickte, meinte er sofort, sodass Demoar nicht einmal mehr Zeit genug für die gebührende Begrüßung hatte: „Herr Zarach, gut dass ihr gerade eintrefft. Ein Bote traf unlängst an der Akademie ein und gab hier einen Brief für euch ab.“
Ein kaum merkliches Nicken, ehe er sich dem Tisch näherte und den Brief entgegen nahm. Eilig öffnete er den Brief… und erst als Sephraim ihn einige Minuten ansprach, was denn los sei, erwachte er aus seinen Gedanken.

Verfasst: Mittwoch 29. November 2006, 21:38
von Demoar Llastobhar
Irian Zarach
Großbauer zu Kandora auf Dantalien

Zuhänden von Demoar Zarach

Dem König und dem Reiche zum Gruße mein Sohn,
vielleicht wunderst du dich … nein ich gehe davon aus, dass du dich wunderst, dass ich dir nun einen Brief schreibe, wo wir dich doch vor Jahren haben ziehen lassen, nie versucht hatten, dich zurückzuholen, nie Kontakt aufnahmen.
Ich hatte schon immer das Gefühl, dass du keinen Bezug zu deiner Familie hattest … und ich denke, so hart diese Worte auch klingen mögen, du kannst sie mir nicht übel nehmen, denn wahrscheinlich bist du genau der selben Meinung. Du erinnerst dich vielleicht an die Geburt deines kleinen Bruders, als du elf Jahre jung warst. Nun vielleicht erinnerst du dich auch nicht… das war die Zeit, als du zwei geschlagene Wochen verschwunden warst, völlig spurlos, und dann von einem auf den anderen Tage wieder da warst, ohne auch nur die leiseste Entschuldigung oder auch nur einen Kommentar, gerade so, als wäre nie etwas gewesen.
Ich will dich dafür nicht wieder schelten… das hatte ich damals im Übermaß getan und auch dafür entschuldige ich mich noch einmal. Als du mich gebeten hast, dir den Aufenthalt an der Akademie zu finanzieren, war der nächste Streit vorprogrammiert. Du musstest doch gewusst haben, dass ich dieser Zeit kein Verständnis für solcherlei Dinge hatte. Und dennoch … ich habe es dir letztlich ermöglicht, die Akademie zu besuchen. Demoar, noch einmal will ich mich entschuldigen für die Kindheit, die du erfahren hast. Vielleicht haben wir deine jüngeren Geschwister über dich gestellt.
Deine Mutter ist gestern gestorben und deshalb schicke ich dir heute diesen Brief. Heute, als endlich ein Versprechen beendet ist, das ich vor mehr als 18 Jahren gab. Deine Mutter bat mich, das dir Zeit ihres Lebens nicht über deine Herkunft zu berichten.
Ich nenne sie deine Mutter und doch ist sie es nicht.
Ich nenne mich deinen Vater und doch bin ich es nicht.
Ich nenne meine Kinder deine Geschwister und doch sind sie es nicht.
Ich nenne uns Familie und doch sind wir es nicht.
Ich überlasse es dir selbst, zu entscheiden, ob du uns weiterhin als deine Familie betrachtest, doch deine leibliche Mutter ist nicht die Frau, die es 17 Jahre vorgab zu sein. Vor über 18 Jahren übernahmen wir ein nicht ganz einjähriges Kind von dem Temora Kloster in Kandora. Von deiner Mutter ist nicht mehr als ihr Vorname Ailis bekannt. Wir nahmen dich damals auf, weil wir selber keine Kinder hatten, und als meine Frau dann zwei Jahre später doch schwanger wurde, haben wir dich wohl vernachlässigt.
Ich hoffe, du verzeihst mir und meiner Frau. Ich weiß nicht, wie ich dies alles in Worte fassen soll. Ich hoffe, du verstehst, was du mir dennoch bedeutest, wenn du siehst, was ich dir mit diesem Brief sende.
Du warst, bist und bleibst Mitglied unserer Familie und bist jederzeit willkommen.

Irian Zarach


Er griff noch einmal gedankenverloren in den vergilbten Umschlag und zog ein faseriges, ausgetragenes Stück Leinen heraus. Darauf ein einfaches Symbol. Eine Weile betrachtete er es, ehe er den Blick abwandte und sich daran machte, die Antwortnote zu verfassen. Ein leeres Stück Pergament war schnell gefunden, eine kurze, ihn nicht im Mindesten mehr als der Brief berührende Antwortnote schrieb er eilig in fahrigen Linien darauf. Noch einmal betrachtete er seine Antwort, ließ den Blick im Nachhinein über das Leinenstück streifen und für kurze Zeit verschwand der neblig graue Schleier in seinen Augen und gab Blick in die Untiefen seiner Selbst.
Wer sie gesehen hätte, wäre sicher kopfüber gekippt und in ihnen versunken, ertrunken, erstickt – doch niemand sah es. Er reichte Sephraim wortlos die Antwortnote, der dies nur stumm nickend zur Kenntnis nahm und sich wieder seinen Geschäftigkeiten widmete. Erst als Demoar die Akademie verlassen hatte, entfaltete er das Pergament und last die vereinsamte Zeile:

Ich war nie, bin nicht und werde nie Mitglied dieser Familie sein.

Demoar Irgendwer

Verfasst: Freitag 1. Dezember 2006, 23:09
von Demoar Llastobhar
Lange noch streifte er durch die Nacht. Wo er das Buch gelassen hatte – er wusste es nicht mehr, doch inzwischen schien es ihm auch derartig belanglos, dass er sich mit weiteren Gedanken dieser Art nicht noch mehr belasten wollte. Ein leises Rascheln des regenfeuchten Grases war das einzige, ihn ständig begleitende Geräusch um ihn. Kein einziger Stern am Himmel, nicht einmal der Mond sandte seine kalten, blassweißen Strahlen aus. Als er die hohen, massiven Stadtmauern erreichte, war auch in Varuna bereits Ruhe eingekehrt – nur hin und wieder drangen Laute aus dem Inneren der Stadt in die Dunkelheit der Nacht.
Unentschlossen hielt er vor dem massiven Tor, von einem halben Dutzend Wachen flankiert, inne.
Was genau wollte er hier eigentlich?
Erhoffte er sich, in dieser Stadt Antworten auf seine Fragen zu finden?
Doch wo wollte er suchen, wenn nicht hier?
Und wenn doch hier, warum dann nirgendwo anders?
Seine Gedanken überschlugen sich… wirre Gebilde, unwirkliche Formen, seine Vergangenheit blinkte vor ihm auf, längst entschwundene Erinnerungen kehrten mit geballter Stärke der Vergänglichkeit und unnachgiebiger Grausamkeit zurück – so heftig, dass es ihn beinahe von den Beinen riss.
Einige skeptische Blicke spürte er sich in seinen Rücken bohren; die Gardisten bedachten ihn mit ungnädigen, gar argwöhnischen Mienen und er konnte es ihnen beileibe nicht verdenken. Wie abstrus hatte es wohl ausgesehen, als er unwillkürlich, scheinbar völlig grundlos vor ihnen in die Knie sackte, das Gesicht etwas verzerrt, der Blick in unendliche Ferne entrückt.
Eilige Schritte trugen ihn durch das Tor und er fand sich in der verschwörerischen Dunkelheit Varunas wieder. Eine Weile streifte er wieder ziellos durch die Stadt und gerade als unwirtliche Gedanken ihn wieder zu übermannen drohten, fand er sich im unteren Viertel der Stadt just vor dem Hause von Ving Wyllen wieder. Ungeniert, ob der späten Stunde, hob er seine Hand und klopfte.
Beinahe etwas missgehalten beklagte sich Ving über den noch späten Besuch, doch Demoar nahm es nicht wirklich für voll, denn gerade, als er angeklopft hatte, flog die Tür auch schon auf und Ving stand vor ihm, gerade so, als hatte er bereits auf Besuch sonst welcher Art gewartet.
Die üblichen Begrüßungsfloskeln verpassten Demoar diesmal einen ungewohnt heftigen und schmerzhaften Stich. Seinen Nachnamen, so ungeniert ausgesprochen, wollte und konnte er ncht mehr hören, doch ehe er Ving darauf hinwies und sich auf ein schmerzliches Gespräch einließ, erduldete er lieber die nadelstichartigen Schmerzen, die wieder alte, längst verworrene Gedanken zu Tage brachten.

Nicht lange und ein weites Klopfen ertönte an der Tür. Eine Frau, die Ving erst fast parolenhaft als Una begrüßen wollte, nur um dan zu erkennen, dass Una nicht im Entferntesten mit derart weiblichen Vorzügen aufwarten konnte, stand auf der Schwelle und lächelte die beiden lasziv an.
Nach einiger Zeit, innerhalb derer Demoar sich des Öfteren von eben jener Frau als Vings Lustknaben hatte titulieren lassen müssen, hob Ving den Schwindel auf. Die Konturen der Frau verschwammen, fielen gar in sich zusammen und etwas männlichere, wenn doch immer noch recht androgyne Züge, traten zum Vorschein.
Nach wenigen Minuten Unterhaltung wusste Demoar bereits recht genau, was für eine Art Mensch er vor sich hatte. Einen Weibeheld und einen Schwätzer…
Und dennoch… selbst, wenn der Mann offenkundig etwas älter war als Demoar, erinnerte Laures’ Auftreten Demoar an sein eigenes Verhalten… damals.
Damals lange bevor er in die Akademie eintrat.
Lange noch bevor er sich dem Studium der Magie verschrieb.
Inzwischen, nach seinen niederschmetternden Erlebnissen mit Tara, hatte er seine Zuversicht, was Frauen anbelangte, beinahe völlig verloren. Una hatte ihm erst am Vortag gesagt, dass er ein hübscher Bursche sei und sie sich selbst in ihn verlieben würde, wenn sie nicht schon in Feoras ihre Liebe gefunden hätte.
Und doch war es dieser Satz gewesen, der eine von Tara gnadenlos erstickte Flamme wieder entfacht hatte. Und dieser Bursche nun, wie er dort selbstgefällig mit einem attraktiven Schmunzeln stand, er war es, der diese Flamme durch seine eigentümliche art wieder entflammte.
Demoar glaubte gern, dass Laures keine Probleme damit haben würde, Frauen für sich zu gewinnen, das selbst ohne seine Gabe. Vielleicht sollte er sich von diesem hübschen Mann, der ihn unverholen als Vings Lustknabe tituliert hatte, doch einmal wieder etwas auf die wackeligen Beine helfen lassen, die Frauen gegenüber inzwischen immer zu versagen drohten.
Frauen, … sie waren eben doch alle Fähnchen im Winde…

Verfasst: Donnerstag 21. Dezember 2006, 13:20
von Demoar Llastobhar
Gedankensplitter - eine Ruine

Ein wirrer Taumel von Gedanken... Ailis...
Verworrene, fantastische Ideen durchzogen seinen Verstand und drohten, die Grundfeste aller Vernunft niederzureißen.. Una...
Und doch schien immer ein Licht Beständigkeit dem Wirbel entgegenzustehen... Cathal...
Filigrane Gedankensplitter lösten sich von dem riesigen Ganzen, das einmal seine Vernunft gewesen war und durchstreiften in wirren Bahnen den unendlichen Raum, der sich auftat, als sein Verstand brach...
Wieder und wieder fuhr er sich durch die lange, weichen Haare, versuchte verzweifelt Sinn und Ordnung in den wirren Wust seiner Gedanken zu bringen. Je mehr er auch versuchte, sich zu konzentrieren, je mehr er sich an die rettende Vernunft klammern wollte, desto mehr entschand sie ihm und glich von Sekunde zu Sekunde mehr dem Fanatimus.
Wahnsinn, Unsinn, Irrsinn! - und doch ein Sinn?

Verfasst: Sonntag 4. Februar 2007, 00:03
von Demoar Llastobhar
Beinahe erstorben… und doch regt sich ein schwacher Hauch

Er konnte nicht anders als Laures für sein unerschütterliches Selbstbewusstsein zu bewundern. Ein Selbstbewusstsein, das nicht selten in scheints exzessive Arroganz über schwang, doch immer wieder mit einzigartiger Genauigkeit in die Kerbe schlug, die seine gesamte Erscheinung schon beim ersten Zusammentreffen mit ihm unweigerlich hinterließ.
Bei ihrem letzten Zusammentreffen, bei dem auch Demoars Magister Ving zugegen war, traf er wieder einmal auf ein Mädchen, das er bisher schon des Öfteren in den Straßen Varunas gesehen hatte, nie jedoch mit ihr in ein Gespräch verwickelt worden war. Und nun stieß ihn Laures mit brüderlichem Wohlwollen unbarmherzig in diese Unterhaltung hinein. Immer wieder war er hilflos den Sticheleien des Schwätzers ausgeliefert, während Ving nur ein müdes Lächeln für den sachte, aber beständig tobenden Zwist zwischen den beiden übrig hatte, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder seinen Rauchfiguren zuwandte, die immer bizarrere Formen und Farben annahmen.
Nicht wenig später traf er Viola, das Mädchen aus der Taverne in Bajard, in der Taverne zu Varuna wieder – diesmal ohne einen stichelnden Laures neben sich. Es war atemberaubend, über welche Lebensweisheit dieses naive Mädchen zu verfügen schien, die gute drei Jahre jünger war, als er selbst.
Sie hatte schon eine Menge erlebt und war scheints genauso vom Leben enttäuscht worden, wie Demoar, nur wollte sie nicht alle Hoffnung aufgeben und sich hinter einem Wall schlechter Erfahrungen und schmerzlicher Erinnerungen verbergen. Vorsichtiger sein, das wollte sie und wieder kam der Eindruck einer unschuldigen Naivität in Demoar hoch; er selbst konnte nicht ablassen von seiner Barrikade, die er errichtet hatte; noch zu klar waren die Erinnerungen an orkanartige Böen, die das Fähnchen aufgeregt zappeln ließen, ehe…
Er konnte nicht so schnell verzeihen,… ihr? Oder Ihr? Oder gar sich selbst?

Verfasst: Montag 5. März 2007, 17:10
von Demoar Llastobhar
Er wusste selber nicht, was ihn geritten hatte, sich bei dieser Kälte in den Wald zu verirren, weshalb er nun schon beinahe eine geschlagene Stunde durch den Schnee stapfte, der ihm bis an die Knöchel reichte. Nicht einmal den Weg erkannte er mehr und doch hatte diese Kälte etwas Beruhigendes, etwas beinahe Behagliches. Er konnte weit in den lichten Wald hineinsehen; am anderen Ende ließen sich sogar die Gebirge um Rahal erahnen, als ein leichtes Schneetreiben einsetzte.
Schließlich zog Demoar seine Robe enger um sich, und rieb die bläulich verfärbten Finger aneinander, und verbarg sie im Schutz der Taschen seines Mantels. Vielleicht war es doch an der Zeit umzukehren. Wieder wandte er seinen Blick nach Westen. Wenn dort Rahal lag, dann müsste – und mit diesen Worten wandte er sich in die entgegen gesetzte Richtung – dort Bajard liegen. Noch einmal ließ er den Blick umherwandern, bis er – gerade so, als benötige er diese Selbstbestätigung – nickte und sich in die Richtung auf den Weg machte. Nach wenigen Minuten erneuten Durch-den-Schnee-stapfens kam er an ein vereinzeltes Haus, das Gartentor weit aufgestoßen, frische Spuren im Schnee, selbst die Haustür nur angelehnt.
Ein kurzer Blick über die Lichtung und er hatte seine Orientierung wiedergefunden. War das… das musste die Stelle sein, die Viola ihm beschrieben hatte. Und allem Anschein nach war sie sogar zuhause. Ein unsicheres Schmunzeln huschte über seine Züge und er richtete Robe und Umhang zurecht. In seiner Hand manifestierten sich in farbenfrohem Flimmerwirbel einige weiße Lilien zu einem ansehnlichen Strauss gebunden.
So gerüstet bahnte er sich seinen Weg durch den Schnee, durch das Gartentor hindurch, bis zu ihrer Haustür. Der Höflichkeit Tribut zollend, hob er die freie Hand und klopfte kurz an. Innen regte sich nur langsam – von leisem Stöhnen begleitet – etwas und nach einiger Zeit wurde die Tür wurde völlig aufgezogen.

Der erste Blick… und dann der zweite

Der Anblick, der sich ihm bot, mochte im ersten Moment zu einem gelinden Schmunzeln verleiten: Viola mit einem deutlich roten Schleier auf den Wangen, einem ausdruckslosen Blick und einer halb leeren Flasche in der Hand. Beim zweiten Blick erschrak Demoar und ließ die Lilien aus der Hand fallen. In ihrer Schulter steckte, von blutgetränktem Stoff umsäumt, ein Bolzen. Viola wankte auf den nächstbesten Sessel und ließ sich fallen. Es vergingen einige Sekunden, ehe Demoar überhaupt reagieren konnte, dann aber eilte er sofort neben sie und untersuchte die Wunde. Ein kraftloses „Zieh… raus“ war für ihn weniger eine Bitte als viel mehr eine Warnung. Die zitternde Stimme flackerte nur kurz im Raum, ehe sie wieder verschwand, und dabei Viola den letzten Rest ihrer Kraft zu rauben schien. Schnell war die Entscheidung gefasst: Er legte seine Hand um den Schaft und schloss kurz die Augen, während Viola leise seufzte. Schließlich griff er den Schaft fest und zog ihm mit einem Ruck heraus, wobei Viola mit ihrem ganzen Körper nachkam und schrie. Als der Bolzen heraus war, ging alles recht schnell. Viele Male hatte Amphion es ihnen eingebläut, wie derartige Wunden zu verschließen waren. Nachdem er sich ausreichend konzentriert hatte, begann die Wunde in einem gesunden Rotton zu erstrahlen und wuchs innerhalb weniger Sekunden zu. Eine kleine Narbe blieb zurück, die jedoch kaum zu erkennen war.
Als er den Blick auf Viola richtete, bemerkte er, dass sie beinahe das Bewusstsein verloren hatte, ihre Lippen waren vollkommen Blau von der Kälte. Erst jetzt merkte er, wie sehr es in diesem Raum zog, die Dielen knarrten, in den Wänden klafften Löcher, an einigen stellen war sogar das Dach undicht und der Schnee war hereingeweht. Hier konnte sie nicht bleiben. Kurzerhand griff er sie unter Kopf und Knien und wuchtete sie hoch. Und so trug er sie Richtung Rahal zur nächstgelegene Kutsche, die die beiden sicher nach Varuna bringen sollte. Kurz vor der Kutsche angekommen, schlug sie unbehaglich die Augen auf und meinte dringlich, er solle sie herunter lassen. Gerade als sie wieder Boden unter den Füßen hatte, sank sie zusammen und erbrach sich. Unwillkürlich wandte Demoar den Blick ab und half ihr, als sie wieder auf die Beine gekommen war, in die Kutsche, die sie nach Varuna brachte.


Die Wärme des Gasthauses Varuna

Im Gasthaus angekommen zitterte Viola immer noch wie Espenlaub. Nachdem Demoar nachgeschaut hatte, ob das Bad frei war und bei der Wirtin einen warmen Kamillentee bestellt hatte, brachte er Viola ins Badezimmer, wo sie sich entkleidete und ins Wasser stieg. Nach kurzer Zeit kam auch der Kamillentee und langsam schien sich Viola wieder zu erholen. Ein erleichtertes Nicken entfuhr ihm eher unwillkürlich, während er neben ihr auf einem Steinsims saß und sie sich über den Vorfall unterhielten.
Demoar nickte erleichtert, als sie ihm versicherte, nicht noch einmal nach den Banditen zu suchen, die in ihr Haus eingebrochen waren, doch meinte sie, während sie sich hinter den Vorhängen im Badezimmer wieder ankleidete, sie müsste diesen Vorfall auf jeden Fall Darna melden. Obwohl Demoar eigentlich erwartet hatte, dass Viola sich noch etwas in seinem Zimmer ausruhen würde, um wieder vollends zu Kräften zu kommen, machte sie sich kurz darauf schon wieder auf zur Burg, um Darna Bericht zu erstatten.
Als die beiden vor dem Gasthaus standen, wandte sie sich noch einmal um, und meinte: „Demoar weißt du eigentlich, dass du mir heute das Leben gerettet hast?“, und noch während Demoar sich eine Antwort dahinstotterte, hatte sie ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt und hatte sich umgewandt. In ihm kämpfte der Drang ihr nachzulaufen und sie bei sich zu behalten gegen den Schmerz der noch immer seine Wege zeichnete. Und letztlich gewann die Angst und er kehrte in sein Zimmer zum Gasthaus zurück.


Auf ein Gläschen Milch

Noch lange hing er dieser Tage seinem Erlebnis bei Viola nach. Gerade jetzt saß er wieder in der Taverne zu Varuna, seinen Blick gedankenverhangen auf die inzwischen kalt gewordene Milch vor sich gerichtet. Seine Gedanken befanden sich wieder einmal auf Abwegen, weit der Wirklichkeit entrissen, und er sah sich nicht im Stande, ihrem wirren Treiben Einhalt zu gebieten.
Das leise Klacken des Schlosses der massiven Holztür nahm er kaum wahr – erst als sich eine Gestalt vor ihm über den Tisch beugte und ihm so seinen gewohnten Blick auf die Milch nahm, tauchte er schlagartig in die Wirklichkeit ein.
Diese Wirklichkeit traf ihn mit einer Wucht, dass ein Ruck durch seine Glieder ging und er instinktiv zurück wich. Vor ihm stand Viola über den Tisch gebeugt, mit einem erfreuten Lächeln auf den Lippen. Schnell hatte er sich wieder gefasst und beugte sich gerade auf, ein gezwungen wirkendes Lächeln auf den Lippen. Ohne Umstände setzte sich Viola ihm gegenüber und während sie eine Weile redeten, erholte er sich wieder und gewann seine altgewohnte Fassung zurück. Immer wieder warf ihm Viola einen verstohlenen, beinahe skeptischen Blick zu, ehe sie ihn schließlich offen heraus fragte, was denn los mit ihm sei.
Im nächsten Moment fand er sich vor der Taverne wieder, ohne dass er wusste, wie er dort hingekommen war. Erst jetzt knallte die massive, hölzerne Tür geräuschvoll gegen das Mauerwerk. Als Viola ihm hinausfolgte, konnte er sie nur mit spärlichen Worten vertrösten… zu mehr war er schlicht weg nicht im Stande. Und so rannte er feige durch Varuna.

Verfasst: Montag 5. März 2007, 17:49
von Demoar Llastobhar
Was hatte dieses Haus nur an sich, dass Demoar immer wieder – sehr wohl im Bewusstsein bereits geschehener Ereignisse und deren zum Teil verhängnisvollen Folgen – den Weg hineinfand und immer wieder dort drinnen etwas geschah, das er nie erwartet hätte, was ihm aber schon beim Überschreiten der Schwelle schon so völlig offensichtlich, so unendlich unabwendbar schien, dass die Welt aus den Fugen geriete, wenn es nicht passierte. Und so passierte, einem unweigerlichen Gesetzt zwischen Wirklichkeit und Imagination durch die strenge Hand der Kausalität regiert, auch diesmal etwas…
Als er ging war nur noch ein letzter Rest der kalten Milch im Glas verblieben, der Rest hatte sich seinen Weg durch die Tischdecke gebahnt und würde einem Mahnmal gleich dort verbleiben und an sich und diesen Tag erinnern als jenen Tag, an dem die Vergangenheit verbannt, ein neues, leeres Blatt zu Rate gezogen, ein weiteres Kapitel im Lauf der Geschichte aufgeschlagen würden, … zumindest würde dieses Fleck seine ehrvolle Schuldigkeit solange erfüllen, bis die reinliche Rosalind es im Zuge einer Waschattacke restlos beseitigen würde…

Als Viola eingetreten war – sein Blick war gedankenverhangen aus dem Fenster gerichtet – da übermannte ihn jäh wieder all die Unsicherheit, mit der er sich schon all die letzten Male konfrontiert sah. Eine heimtückische Stimme, zuerst nur ein Flüstern bald schon durchdringend, einem dogmatischen, alles unterdrückenden Gedankenkäfig gleich, befahl ihm, aufzuspringen, zu laufen, zu rennen, als hinge sein Leben davon ab,… denn das tat es wohl.
Und wider aller Wirklichkeit, Vernunft, Rechtschaffenheit bliet er, gebot er der Stimme Schweigen und letztlich überwand er sich, Viola zu erklären, warum er gelaufen war, warum Flucht der bessere Widerstand war – zumindest auf den ersten Blick. Und schließlich, während des befreienden Sprechens, eröffnete sich vor ihm alles Weitere. Er musste mit seiner Vergangenheit abschließen, dazu sollte alles gehören, von seinem Namen Zarach bis hin zu dem eitlen Fähnchen, das sein obskures Tänzchen im Winde vollführte, aufmerksamkeitsheischend und eigenwillig wie eh und je.

Und nun?
Er stand…
vor der Taverne…
drinnen Viola…
sitzend…
und mit einem vorfreudigen Lächeln machte er sich auf, Laures zu suchen…

Verfasst: Mittwoch 7. März 2007, 22:24
von Demoar Llastobhar
Des Öfteren wanderte er dieser Tage durch die unteren Viertel Varunas in der Hoffnung, Laures wieder bei Magister Ving zu erwischen und ihn endlich auf seine Bitte hin ansprechen zu können, doch diese Möglichkeit blieb ihm verwährt. Stattdessen erhob sich ein ganz anderer Strang Geschehnisse nicht aus dem Vergessen sondern aus dem Hintergrund seines Bewusstseins.

Er hatte – wie so oft – in einer Taverne gesessen, Bajard;
er hatte- wie so oft- etwas zu trinken bestellt, warme Milch;
und er hatte wie – wie so oft – nicht getrunken.

Hier in Bajard, den Blick gedankenverloren aus dem Fenster gerichtet, wo er unermüdlich den nur noch schwächlich treibenden Schneeflocken nachjagte, saß er zusammengekauert in einer Ecke. Nachdem leise die Tür klackte, und eine hohe Gestalt eingetreten war, wandte er seinen Blick beinahe schleichend zur Seite. Eine vermummte Person war an den Wirt getreten und hatte dort eine Flasche bestellt. Kurz danach setzte sie sich unverwandt neben Demoar und ließ ihren Umhang auf die Stuhllehne fallen.
Er traktierte sie ob ihrer beinahe anmaßenden Haltung mit einem skeptischen Blick, ehe er sich resigniert seufzend wieder dem faszinierend langweiligen Schneetreiben vor dem beschlagenen Fenster widmete.
Neben ihm entblößte sie das ihm wohlbekannte Emblem des Hauses Llastobhar in Form einer filigranen Stickerei auf ihrem Rock. Nur aus den Augenwinkeln heraus hatte er das Siegel ausgemacht und doch hatte er es sofort erkannt, so geläufig war es ihm inzwischen. Schließlich übermannte ihn, einer dogmatischen, inneren Stimme, die seinen Willen lenkte, gleich, die Neugier und er wandte seinen Blick widerwillig zu ihr herüber.

Schulterlanges aschblondes Haar.
Filigrane Gesichtszüge.
Ein Lächeln wurde ihm zuteil.
Ein Lächeln? Sie hatte mitbekommen, wie ungeniert, unverschämt, offenkundig er sie musterte und eilig ergriff er entschuldigend das Wort und stellte sich, aller Sitte und Manier gemäß vor.

Das Schicksal schlägt die größten Löcher in die Wirklichkeit..

Ein Schlag, das Leben in Trümmern.
Vergangenheiten versunken in abnormen Gedankengebilden, die ihrer Obskurität in unwirtlichen, mannigfaltigen Formen Ausdruck verleihen.
Träume, die vom Schicksal zu Fantasiegebilden unerkenntlichen Ausmaßes pervertiert werden.
Gedanken, all ihrer Sinnigkeit beraubt, irreführend, wahnsinnig, verlogen.
Wünsche, die wie kleine Lichter beständig aufleuchtender Hoffnung, trotzig dem tosenden Sturm der Wirklichkeit entgegenstehen.

Wirklichkeit... der irrealste Traum von allen


Alleen Llastobhar und sofort wusste er, wer sie war: die Tochter von Ailis Llastobhar

Das folgende Gespräch suchte in Demoars Vergangenheit seines Gleichen, und das nicht nur weil er sich versprochen hatte, mit ebenjener bereits abgeschlossen zu haben... Alleen stellte ihm Fragen, die, wie er dachte zu hoffen, auf ein ganz bestimmtes Ergebnis hinzielten, doch es auszusprechen, wagte er nicht; gerade so, als sei der Wunsch, von dessen Erfüllung er sich erhoffte, dass eine bereits allzulange währende Leere endlich wieder mit Licht und Farben erfüllt sein möge, einem filigranen Glastraum gleich zerbrechen möge; gerade so, als würde es in die Dunkelheiten der Vergessenheit entschwinden, wenn man auch nur davon flüstere...

Und so begann sich während ihres Gespräches eine neue Zukunft in einer unwirklichen Realität zu spinnen, ein weit reichendes Netz mannigfaltiger Möglichkeiten, ein glimmender Funke Hoffnung?