Der Schattentanz
Verfasst: Samstag 21. Oktober 2006, 19:50
Die schlanke Klinge tanzte, beseelt von der selbstvergessenen Trance des Kampfes. Ihr Sein stand in Flammen, verbrannte jeden Gedanken zu Asche. Nur der reine Instinkt, die pure Essenz aller Wahrnehmungen blieb zurück und verschmolz Körper und Waffe zu einer untrennbaren Einheit. Die Luft war geschwängert vom metallischen Geruch des Blutes, legte sich wie ein Schleier auf ihre Sinne. Ihr Blut, ihre Wunden, oder die ihres Gegners? Es war nicht wichtig. Jeder Tropfen steigerte ihren Rausch, jedes Rinnsal bahnte den Weg zum endgültigen Verlust des schrumpfenden Ich inmitten von Schmerz und Hass.
Ein Stocken der Bewegung, ein Bolzen der sich gehässig und tief in ihre Schulter bohrt. Ein heiseres Röcheln, ihre Knie knicken ein und sie fällt mit der stillen Eleganz einer Raubkatze. Ein Aufprall, vorbei.
Mit einem schlaftrunkenen Keuchen fuhr sie hoch, die dünne Decke dabei endgültig zu Boden befördernd. Der Übergang von Traum und Realität war zu abrupt, ihr Blick irrte weiterhin umher, den imaginären Gegner suchend. Nur mühsam ließen sich die gierigen Atemzüge beruhigen, und ihre Hände krallten sich in das raue Tuch ihres Hemdes. Sie kannte diese Träume, die aus dem Nachhall ihrer täglichen Übungen ein blutiges Bild erschufen. Ihre Muskelstränge brannten wie Feuer, und sie konnte in den kribbelnden Fingerspitzen noch immer den Griff ihres Rapiers spüren. Unmöglich noch einmal Ruhe zu finden, nicht in dieser Nacht. Und so schlüpfte sie in ihre Kleider, den Waffengurt mit dem Rapier um ihre Hüfte schlingend. Die Phantomklingen wurden Stück für Stück mit zärtlicher Geste in ihren Halterungen befestigt. Eine an ihrem Gürtel, eine wohl verborgen unter dem Schaft ihrer Stiefel, eine an ihrer Seite. Zuletzt warf sie den abgetragenen Stoff ihres Umhanges um die schmalen Schultern und verließ den winzigen Raum, die einzige Privatsphäre einer Lethra ohne Rang.
Die trügerischen Stunden der Dämmerung würden ihr dienlich sein auf den Streifzügen durch die Welt des Menschenvolkes. Eine Welt, in der die Illusion eines Liedes höher geschätzt wurde als die Wahrheit des Einen. Sein Samen spross in allen Wesen, doch nur die Schwachen und Verblendeten leugneten seinen Einfluss. Wie weit diese Wesen in ihrer blinden Loyalität gegenüber einer Lüge gingen, hatte sie tatsächlich verblüfft. Der Rotschopf in diesem Hafendorf Bajard hatte seine lächerliche Waffe gegen eine Lethra erhoben und war unter ihrer eigenen Klinge zu Boden gegangen. Man hätte diesen tollkühnen Mut beinahe bewundern können – wäre die Verachtung nicht größer gewesen. Doch viele wichen einer Konfrontation lediglich aus, warfen Seitenblicke auf die reinen Kinder und wisperten hinter vorgehaltener Hand. Wie schön wäre es, diesen Kreaturen nicht nur das Wort des Vaters, sondern seinen puren Hass zu bringen. Schmerz und Verderben über sie zu bringen, sie endlich mit Taten zu lehren was am Ende der Zeiten ohnehin den Sieg des Panthers bedeuten würde.
Wann diese süße Stunde gekommen war, würden die Erhabenen entscheiden. Und bis dahin würde sie sich in stiller Geduld üben, und ihren Körper disziplinieren. Das gierige Bedürfnis nach Wissen ließ sich kaum bezähmen, sie hungerte nach Lehren. Die Kunst eine Klinge zu führen, das sichere Wissen um den Umgang mit der Armbrust, der Bau einer hinterlistigen Falle, die Anwendung der zahllosen Gifte. Sie tastete sich mit dem zähen Willen eines Wesens voran, dass keinerlei Wahl kannte. Es gab keinen anderen Weg als den des Panthers.
Der verborgene Aufstieg neben der gewaltigen Kathedrale Alatars lag hinter ihr, und sie betrat den dunklen, von Schatten erfüllten Raum. Vor seinem Abbild sank die Lethra auf ein Knie, beugte ihren Willen unter einen gewaltigeren.
Leite mich Vater,
dein Hass sei mein Blut,
dein Wille mein Streben allein.
Wahrheitsfinder, Traumtöter,
wird mein Name sein,
meiner Klinge Schneide rot vom Blut.
Enden wird alles Lachen,
erstickt an Lügen,
verklingen wird das letzte Lied,
ertränkt in Schmerz und Qual.
Ein Stocken der Bewegung, ein Bolzen der sich gehässig und tief in ihre Schulter bohrt. Ein heiseres Röcheln, ihre Knie knicken ein und sie fällt mit der stillen Eleganz einer Raubkatze. Ein Aufprall, vorbei.
Mit einem schlaftrunkenen Keuchen fuhr sie hoch, die dünne Decke dabei endgültig zu Boden befördernd. Der Übergang von Traum und Realität war zu abrupt, ihr Blick irrte weiterhin umher, den imaginären Gegner suchend. Nur mühsam ließen sich die gierigen Atemzüge beruhigen, und ihre Hände krallten sich in das raue Tuch ihres Hemdes. Sie kannte diese Träume, die aus dem Nachhall ihrer täglichen Übungen ein blutiges Bild erschufen. Ihre Muskelstränge brannten wie Feuer, und sie konnte in den kribbelnden Fingerspitzen noch immer den Griff ihres Rapiers spüren. Unmöglich noch einmal Ruhe zu finden, nicht in dieser Nacht. Und so schlüpfte sie in ihre Kleider, den Waffengurt mit dem Rapier um ihre Hüfte schlingend. Die Phantomklingen wurden Stück für Stück mit zärtlicher Geste in ihren Halterungen befestigt. Eine an ihrem Gürtel, eine wohl verborgen unter dem Schaft ihrer Stiefel, eine an ihrer Seite. Zuletzt warf sie den abgetragenen Stoff ihres Umhanges um die schmalen Schultern und verließ den winzigen Raum, die einzige Privatsphäre einer Lethra ohne Rang.
Die trügerischen Stunden der Dämmerung würden ihr dienlich sein auf den Streifzügen durch die Welt des Menschenvolkes. Eine Welt, in der die Illusion eines Liedes höher geschätzt wurde als die Wahrheit des Einen. Sein Samen spross in allen Wesen, doch nur die Schwachen und Verblendeten leugneten seinen Einfluss. Wie weit diese Wesen in ihrer blinden Loyalität gegenüber einer Lüge gingen, hatte sie tatsächlich verblüfft. Der Rotschopf in diesem Hafendorf Bajard hatte seine lächerliche Waffe gegen eine Lethra erhoben und war unter ihrer eigenen Klinge zu Boden gegangen. Man hätte diesen tollkühnen Mut beinahe bewundern können – wäre die Verachtung nicht größer gewesen. Doch viele wichen einer Konfrontation lediglich aus, warfen Seitenblicke auf die reinen Kinder und wisperten hinter vorgehaltener Hand. Wie schön wäre es, diesen Kreaturen nicht nur das Wort des Vaters, sondern seinen puren Hass zu bringen. Schmerz und Verderben über sie zu bringen, sie endlich mit Taten zu lehren was am Ende der Zeiten ohnehin den Sieg des Panthers bedeuten würde.
Wann diese süße Stunde gekommen war, würden die Erhabenen entscheiden. Und bis dahin würde sie sich in stiller Geduld üben, und ihren Körper disziplinieren. Das gierige Bedürfnis nach Wissen ließ sich kaum bezähmen, sie hungerte nach Lehren. Die Kunst eine Klinge zu führen, das sichere Wissen um den Umgang mit der Armbrust, der Bau einer hinterlistigen Falle, die Anwendung der zahllosen Gifte. Sie tastete sich mit dem zähen Willen eines Wesens voran, dass keinerlei Wahl kannte. Es gab keinen anderen Weg als den des Panthers.
Der verborgene Aufstieg neben der gewaltigen Kathedrale Alatars lag hinter ihr, und sie betrat den dunklen, von Schatten erfüllten Raum. Vor seinem Abbild sank die Lethra auf ein Knie, beugte ihren Willen unter einen gewaltigeren.
Leite mich Vater,
dein Hass sei mein Blut,
dein Wille mein Streben allein.
Wahrheitsfinder, Traumtöter,
wird mein Name sein,
meiner Klinge Schneide rot vom Blut.
Enden wird alles Lachen,
erstickt an Lügen,
verklingen wird das letzte Lied,
ertränkt in Schmerz und Qual.