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Morgens, halb zehn in Rahal...

Verfasst: Samstag 14. Oktober 2006, 23:43
von Rayrrak Rasakar
Oft hatte der junge Krieger seine Taten für sich sprechen lassen, indem er seinem Herrn, Alatar,
in bester Weise gedient hatte, in jedem Belang. Endlich sollte es sich bezahlt machen:

Der Nebel, den die vergangene Nacht hinterlassen hatte, war gerade durch die Sonnenstrahlen
vertrieben worden, als sich Naina und Sonia nach Rahal aufmachten. Ihr Meister,
wie sie ihn seit einiger Zeit nannten, hatte nach ihnen verlangt, sie sollten teilhaben
an dem Ereignis, das dessen Leben so grundlegend verändern sollte; seine Weihe stand kurz bevor.
Kaum waren ihre Pferde an den Pfosten vor seinem Haus festgebunden,
da trat er auch schon hinaus. Eine Robe war alles, was seinen Leib zierte, gekleidet so, wie man es ihm auftrug.
Mit einem Handwink wies er sie sogleich an, ihm gen Tempel Alatars zu folgen,
den sie auch wenig später erreichten. Hier mussten sie sich, genau wie ihr Meister, der Schuhe entledigen,
ehe sie durch die Pforten in das Innere des Tempels vordrangen. Er erwartete sie bereits,
ebenfalls barfuß und lediglich mit einer Robe bekleidet, der erhabene Letast höchstselbst.
Wie ihnen geheißen, nahmen die Zwillingsschwestern je einen Platz auf den Bänken
im Tempel ein, woraufhin sich Rayrrak, welcher sich in wenigen Augenblick Ritter nennen durfte,
hinkniete und die Prozedur, wie sie seit eh und je ausgeführt wurde, über sich ergehen ließ.
Sein teilweise fanatisch anmutender Blick haftete auf dem Boden, den Kopf in demütiger Weise
nach vorn geneigt, während er den Worten des unweit vor ihm positionierten Erhabenen lauschte.
Dessen Worte spiegelten den Verlauf der Ausbildung vom einfachen Krieger bis zum Ritter
des Allmächtigen wieder und bei jeder Phrase kam dem Knappen ein Gedanke
an Geschehenes in den Sinn, hatte er doch erst kürzlich die Erfahrung gemacht,
dass er dazu fähig ist, Menschen seinem Willen zu unterwerfen.
Beweis dafür waren die Zwillinge an seiner Seite, deren Oberschenkel die frisch eingebrannten
und ineinander verschlungenen R's trugen, Symbol für den Besitzesanspruch,
den ihr Meister über sie getroffen hatte.

Zurück im Geschehen wiederholte er die alles besiegelnden Worte des Erhabenen
und nachdem er den Schlag empfing, der ihn an genannten Schwur erinnern sollte,
begab er sich wieder in den Stand zurück. Es war vollendet, die Weihe vollzogen,
ein weiterer Ritter in den Kreis der Geweihten aufgenommen. Das Kinn erhoben
und die Insignien des Ritters Alatars in Händen, begaben sich Ritter und
sein Eigentum, die Zwillinge, sodann wieder aus dem Tempel.
Wie ihm aufgetragen, würde alsbald seiner Aufgabe nachkommen und
mit der Pranke des Herrn, der Blutklinge sowie seiner Zunge in den Kampf gegen jene ziehen,
die sich seinem Gebieter entgegen stellen.