Seite 1 von 1

Ein jeder an seinen Platz

Verfasst: Montag 2. Oktober 2006, 11:07
von Leanne
Unruhig wälzte sie sich in ihrem Bett herum, ihre Gedanken liessen sie wieder einmal nicht zur Ruhe kommen.
Der Platz neben ihr, leer, wie so oft die letzten Wochen.
So konnte es nicht weiter gehen. Leith, ständig unterewegs, enttäuscht von ihr, von ihrer Weigerung den Hof aufzugeben, alles zurückzulassen was sie sich mühsam erarbeitet hatte.
Die Burg sollte ihr neues Heim sein, zusammen mit seiner Familie. Er verstand es nicht, es war nicht ihre Welt. Sie war Bäuerin, sie gehörte nicht in seine Welt.
Nie war es ihr deutlicher als heute, jeder Knochen noch schmerzend von der harten Arbeit auf dem Hof, dennoch zurfrieden mit dem was sie geschafft hatte.
Nein... sie musste es hinnehmen, Leith und sie .. das waren zwei Welten die aufeinander prallten.
Er würde niemals seine Familie verlassen und sie niemals den Hof und alle die ihr liebgeworden waren.
Ein jeder in seine Welt, das war die einzige Lösung.
Entschlossen schwang sie die Beine aus dem Bett und setzte sich an den Schreibtisch.
Den fertigen Brief sorgfältig versiegelnd, seufzte sie leise traurig auf.
Ob er verstehn würde?

Verfasst: Dienstag 7. November 2006, 13:36
von Leith Llastobhar
*stöhnend taumelte der noch betäubte Körper stolpernd durch den Gang des Gasthauses zu Varuna, während die Hand am linken Arm durch die schneeweißen und inzwischen über schulterlangen Haare strich.*

Wo bin ich? ...

*Ein keckes Lachen, wie aus Kinderhalse höhnte den jungen Burschen, der sich kaum auf den Beinen halten konnte*

Diese kleine, verfluchte mausgraue Ratte ... Ich bring sie um!

*Sie hatte ihm ein Schlafmittel in die Honigmilch getan und war kess davon gesprungen. Mit glimmenden Augen hielt sie der Zimmerdame ein paar Groschen hin und jauchzte fröhlich, als sie dieser den Auftrag gab den jungen Herren zu baden und in ein freies Zimmer zu bringen. Wohl nicht ohne zu erwähnen, dass selbige Zimmerdame auf jeden Wunsch des jungen Herren sofort eingehen möge.*

Leanne...

*Zu spät erst realisierte er, dass der ausgesprochene Name keine Gestalt fand. Es hatte geregnet zu jenem Tag an dem der Brief auf der Türschwelle ihres Hofes lag. Gewusst hatte er es schon zuvor. Aber schmerzlich trafen ihn die Worte trotzdem. Sofort war ihm klar geworden, dass er etwas sehr wertvolles einfach so weggeworfen hatte.*

Malon... warum nur?

*Alles andere war uninteressant. Selbst die Prüfung zum Candidatus war eine Mischung aus Qual und verwirrten Gedanken gewesen. Wo war diese eine Frau, die er vor einem Jahr verlassen musste? Was tat sie? Ging es ihr gut?

Der linke Arm begann wie schon oft zuvor wieder einmal zu schmerzen und zu brennen.

Alles was geschehen war machte das Leben auf Gerimor fast schon unerträglich.

Ohne dass die Zimmerdame etwas bemerken konnte, hatte Leith es geschafft, auf die Straße vor dem Gasthaus zu gelangen und schlurfend bewegte sich die dunkle Gestalt des mageren Burschen durch die Gassen Varunas.
In seinem schweren Kopf spukten Geistergestalten, Familie, Freunde, Lehrer, bekannte und völlig fremde Gesichter.
Die Fußspitze hakte sich in einen Stein.
Schwer sackte der verwirrte Bursche vorn über in eine Matschpfütze und stieß sich den Kopf an einer Wurzel, die schlangenartig aus dem Kopfsteinpflaster herausragte.

Keuchend erhob er sich wieder und stütze sich dabei mit der rechten Hand ab.
Dann drifteten seine Gedanken ab ins schwarze Meer.
Der Körper bewegte sich jedoch.

Aus den Toren hinaus.*