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Familie...?

Verfasst: Sonntag 1. Oktober 2006, 18:31
von Lythiana Cronor
Zum x-ten Mal in den vergangenen Tagen sprang Lythiana urplötzlich auf und eilte ohne ein weiteres Wort, mit vor den Mund gepresster linker Hand, aus dem Raum. Ihre Gesichtsfarbe ähnelte in jenem Moment verdächtig der Farbe ihres Bettlakens... Kurze Zeit später zeugten eindeutige Geräusche neben der Herberge Rahals davon, dass sie sich auf recht unangenehme Art und Weise von der letzten Mahlzeit verabschiedete. Sie bemerkte dabei weder, dass Albea ihr gefolgt war, noch spürte sie Albeas Hand auf ihrem Rücken.

Als ihr Magen beim besten Willen nichts mehr hergeben wollte, richtete sich die junge Magierin langsam auf, ging zum Ufer herüber, tauchte die Hände ins Wasser und spritzte sich etwas Wasser ins Gesicht, ehe sie ihren Mund ausspülte. Erst, als sie sich wieder umdrehte, bemerkte sie Albea. Ohne ein Wort zu verlieren, machte Lythiana sich wieder, gefolgt von ihrer Freundin, auf den Weg zu ihrem Zimmer - sie wollte ihren Gesundheitszustand ungern in aller Öffentlichkeit besprechen...

Auf ihrem Zimmer angekommen ließ sie sich auf ihrem Bett nieder, zog die Decke bis zum Oberkörper hoch und harrte der Fragen, die da kommen mochten. Fragen, die Lythiana sich selbst noch nicht gestellt hatte - weil sie sich vor der Antwort fürchtete. Nun, im Gespräch mit Albea, hatte sie jedoch wie so oft keine Möglichkeit, zu "fliehen", musste die Fragen beantworten....musste sich eingestehen, das die Übelkeitsattacken der letzten Tage vermutlich nicht die Folge einer Krankheit waren, dass es nicht normal war dass ihre Monatsblutung so lange auf sich warten ließ, dass es recht wahrscheinlich war dass sie.... ein Kind erwartete. Ein Kind... gerade jetzt.... Lythiana sah ihre Welt innerlich in tausend Scherben zerspringen. Es durfte nicht sein.... nicht jetzt, es war viel zu früh! Sie war doch selbst noch ein halbes Kind, hatte ihren Alltag gerade eben so unter Kontrolle, stand mitten in ihrer Ausbildung... was würde der Meister sagen, was würde Jago davon halten? Nein... nein, es war ganz und gar unmöglich dass sie das Kind behielt, sie musste etwas... unternehmen. Als hätte Albea ihre Gedanken erraten, erwähnte sie just in diesem Moment genau diese Möglichkeit... stellte klar, dass es absolut kein Problem darstellen würde - wenn Lythiana es nur wollte... Die junge Magierin war sich in diesem Moment absolut sicher, dass sie es wollte, dass es gar keine andere Möglichkeit für sie gab. Doch wenig später klopfte es an der Tür...

Verfasst: Sonntag 1. Oktober 2006, 23:05
von Sarog Pilyan
Die Türe war wiedermal nur angelehnt, so wie immer, wenn sie wusste, dass er bald vorbeikommen würde, einige ruhige Stunden mit ihr verbringen wollte. Die Diskussionen gingen immer tiefer, es wurden beide Meinungen ausführlich erörtet und beide merkten, dass sie sich stark für einander interessierten - in vielerlei Hinsicht. Sie sah ihn mit müden, bemitleidenswerten Augen an und er wusste, dass er wieder für sie dasein musste. Seine Hand glitt ruhig durch ihr Haar und er beugte sich herunter, um ihren Duft einzuatmen. Sie hatte einen unangenehmeren Duft an sich, als er ihn sonst gewohnt war. Ließ sich dabei zuallererst nichts anmerken. Er fragte nach, wie es ihr ging. Heute musste er ihr wirklich alles aus der Nase ziehen, doch sie sprach mit ihm und schien die Worte recht sorgsam zu formulieren, als könne sie dabei etwas verlieren.

Er sah der jungen Magierin an, dass es sie viel Kraft kostete, die Worte auszusprechen. Sie war von ihm schwanger. Zuerst kam es dem Schlag in sein Gesicht gleich - dann jedoch überlegte er gleich wieder, versuchte in die Zukunft zu blicken... Es gelang ihm nicht - auf so eine Situation konnte man sich im Leben nicht einstellen. Er hatte schwer zu schlucken, doch ging er dann gleich auf ihren Zustand ein. Sprach und klärte es mit ihr, hielt sie in seinen Armen und streichelte sie beruhigend. Dann fragte sie ihn nach seiner Meinung, ob sie denn das Kind behalten solle. Sarog überlegte...

Verfasst: Montag 2. Oktober 2006, 20:05
von Lythiana Cronor
Kurze Zeit später schloss sich die Tür hinter Sarog - Lythiana war wieder allein. Einige Augenblicke lang stand sie völlig reglos im Zimmer, lauschte den allmählich leiser werdenden Schritten des Magiers. Erst, als nichts mehr zu vernehmen war, gab sie dem immer stärker werdenden Drang in ihr nach, warf sich aufs Bett, vergrub das Gesicht im Kopfkissen und weinte - ließ Sorge, Angst und Verzweiflung freien Lauf. Sie hörte weder, dass sich die Tür öffnete, noch spürte sie, dass sich jemand auf der Bettkante niederließ. Erst als sich sanft eine Hand auf ihre Schulter legte, registrierte Lythiana die Gegenwart eines anderen Menschen - das Schluchzen verebbte augenblicklich, der Körper spannte sich deutlich an. Sie hob den Kopf - und erblickte Albea. Ihre Augen waren rot und verquollen, das Gesicht nass von den eigenen Tränen... sie musste wohl in jenem Moment einen denkbar mitleiderregenden Anblick bieten. Recht schnell wurde ihr das auch bewusst, sie setzte sich im Bett auf, versuchte mit den Händen etwas Ordnung in die zerzausten Haare zu bringen und trocknete die Tränenspuren. "Das solltest du eigentlich nicht sehen... "murmelt die junge Frau leise und recht verlegen in Albeas Richtung. Ein längeres Gespräch entspann sich...

Natürlich dachte Albea, das Sarogs Reaktion auf die Enthüllung Lythianas der Grund für ihre Tränen war. So ganz falsch lag sie damit auch nicht - doch war es nicht etwa so, dass Lythiana weinte, weil Sarog das Kind ablehnte - sondern sie weinte, weil Sarog dafür war, das Kind zu behalten - und sie so in einen noch größeren Gewissenskonflikt stürzte. Die Entscheidung wurde schwerer, statt leichter... Natürlich würde sie das Kind nicht nur deshalb behalten, weil er es wollte - aber sein Versprechen, dass er auf jeden Fall zu ihrer Entscheidung stehen würde, die Herausstellung der Tatsache dass jenes Kind in ihrem Leib ein Teil von ihnen beiden war... all das ließ sie in ihrer eigentlich schon getroffenen Entscheidung wanken. Wieso nur hatte sie ihn, gegen besseres Wissen, überhaupt gefragt....?

Einige Stunden später hätte ein zufälliger Beobachter eine vollkommen schwarz gekleidete, bis zur Unkenntlichkeit vermummte Gestalt beobachten können, welche durch die menschenleeren Gassen Rahals huschte. Ihre Schritte führten sie zum Tempel... Erst, als es draußen dämmerte, Dunkelheit Zwielicht wich, wurden die schweren Türen des Alatar geweihten Tempels wieder aufgestoßen. Lythiana trat heraus, zog sich gleichzeitig die Kapuze ihres Mantels wieder tief ins Gesicht. Obwohl sie kaum mehr als eine Stunde Schlaf gewunden hatte, lächelte sie - sie war ihrer Entscheidung ein Stück näher gerückt.

Verfasst: Montag 9. Oktober 2006, 00:28
von Lythiana Cronor
Wie eine Schlafwandlerin wanderte Lythiana das kurze Stück Weg vom Waldgebiet nahe der Ordensfestung bis zu ihrem Zimmer im Gasthaus Rahals. Sie sah nichts... hörte nichts.... spürte nichts. Das Gesicht war totenblass, der Blick starr, die Hände zitterten leicht. Auf ihrem Zimmer angekommen, schloss sie die Tür hinter sich, drehte den Schlüssel zwei Mal herum und ließ ihn dann einfach stecken. Die junge Magierin ließ sich auf ihr Bett fallen, zog sich die Decke bis zum Kinn hoch und starrte lange Zeit einfach nur an die Zimmerdecke. Ihr war so kalt... ihre Adern schienen plötzlich nicht mehr mit Blut, sondern mit Eis gefüllt zu sein. Auch, als sie sich eine zweite Decke holte, wich die Kälte nicht - wie denn auch, sie kam schließlich von innen, nicht von außen. Nach einer Weile stand Lythiana auf ging zur Truhe herüber, in der sie ihre Habseligkeiten aufbewahrte, und holte einen abgewetzten, mit Reagenzien verschiedenster Art gefüllten Lederbeutel hervor. Einige Augenblicke später hatte sie eine Art Tee aufgesetzt, marschierte ungeduldig im Zimmer auf und ab, bis das ersehnte Pfeifen der Teekanne ihr verkündete, dass das Gebräu fertig war. Ein Becher wurde bis an den Rand mit der noch kochenden Flüssigkeit gefüllt, wenige Minuten später an die Lippen gesetzt und geleert, ohne sich an der noch viel zu hohen Temperatur zu stören. Es war geschehen... der Schritt war getan. Was scherte es sie jetzt noch, wie die Zukunft aussah? Er war gegangen....
Lythiana legte sich wieder aufs Bett, schloss die Augen. Bald schon fühlte sie, wie ihre Gedanken träger wurden, unbekannte Wege einschlugen... dann schlief sie ein. Sie erwachte erst wieder mitten in der Nacht, geweckt von einem schmerzhaften, langsam immer stärker werdenden Ziehen im Unterleib...

Verfasst: Dienstag 10. Oktober 2006, 14:41
von Lanaya Shevanor
Gänzlich anders gewandet als sonst hob ich die Hand, klopfte zweimal an und wollte die Türe aufziehen wie eh und je. Etwas verblüfft stellte ich fest das diese fest verschlossen war. Nervös den Gang entlang sehend gab ich auf die dünne Stimme, die gar nicht klang wie Lythiana selbst, Antwort. Noch immer öffnete sie nicht und ich wusste das etwas nicht in Ordnung ist. Prüfend rüttelte ich nun an der Türe. Wie gut würde diese standhalten? Eine Braue hebend musste ich erkennen das die Tür kein großes Hindernis sein würde. Entschlossen wurde daran gerüttelt und nochmals vergewisserte ich mich das sie wirklich nicht öffnen wollte. Seufzend strengte ich mich an bis das Schloss mit einem lauten Knacken nachgab und die Tür sich fast aus den Angeln hob. Ohne viel aufsehen darum zu machen trat ich in den Raum und schloss die Türe diese einen Augenblick festhaltend damit sie nicht gleich weiterkippte. Sehr langsam ging ich auf das Bett zu. Das Zimmer roch seltsam und ich kräuselte die Nase. Das ganze Laken war mit Blut getränkt, ebenfalls Lythianas Rock und ihre Beine. Es war recht offensichtlich was sie getan hatte und der Blick den sie mir zuwarf machte diesen Umstand nicht besser.

Sie sah scheußlich aus. Die Augen verquollen und rot. Ihre Haut hingegen blass, das Haar völlig unordentlich. Eine Weile sprachen wir ehe sie sich aufraffte. Immerhin, sie stand auf, blieb nicht einfach liegen. Obgleich sie sich an mir stützen musste und ich inzwischen so angespannt war das ich in Sekundenschnelle hätte zugreifen können, ging sie kaum auf den Flur getreten alleine. Mir ein Kopfschütteln verkneifend schlurfte ich hinter ihr her. Viel mehr als ein Schlurfen war es heute wirklich nicht. Jede Schildkröte hätte uns Konkurrenz gemacht. Kaum an dem kleinen See angekommen setzte sie sich hin. Es dauerte eine ganze Weile bis sie gewaschen war. Also sie dann jedoch meinte ich solle einen Moment warten zuckte ich nur die Schultern. Sie war letztendlich nicht dumm sie würde wissen was sie sich zutrauen konnte. Momente später kam sie in einem frischen Kleid, die Haare etwas gerichtet und wir machten uns auf den Weg. Der Handel wurde ohne größere Probleme getätigt auch wenn Ly eher einem Zombie als dem blühenden Leben glich.

Am Abend

Erneut waren wir in Rahal. Kaum in ihrem Zimmer viel sie völlig ermattet auf das frisch bezogene Bett. Es war anstrengend gewesen doch nun war es Zeit zu sprechen. Was ich hörte hatte mir nicht unbedingt gefallen. Hatte sie sich wirklich selbst entschieden? Zart und mitfühlend strich ich ihr übers Haar. Die tröstende Geste trieb ihr fast die Tränen in die Augen doch wäre weinen nicht befreiend gewesen. Sarog, wo war er wenn er gebraucht wurde? Die Lippen zusammenpressend versicherte ich ihr das er kommen würde. Es schien ihr wichtig doch sie glaubte nicht daran. Kopfschüttelnd konnte ich es nur wiederholen. >>Er wird kommen ob in einem Stück oder nicht aber ich werde ihn zu dir bringen.<< Ihr lächeln war fast schon dankbar und sichtlich erleichtert kauerte sie sich etwas zusammen. Ihr ein letztes Mal einige Strähnen aus dem Gesicht streifend ging ich los. Als ich später sein Zimmer erreichte schien niemand auf das Klopfen zu reagieren. Eine kleine Bewegung mit der Hand machend schwang die Türe auf. Das Zimmer war leer die Türe jedoch gar nicht verschlossen gewesen. Kurzerhand setzte ich mich auf Lythianas Bett und begann zu warten. Erst nach Stunden gab ich es auf. Ich würde Morgen nach ihm sehen müssen.

Verfasst: Dienstag 10. Oktober 2006, 16:50
von Sarog Pilyan
Wie er doch stolz auf sich war, sich dies alles komplett kaputtgemacht zu haben. Er wollte lediglich einen Beweis dafür, dass er ihr Vertrauen erlangen hatte. Es war doch vor wenigen Wochen und Monaten nur eine kleine Liebschaft - sie trafen sich, genoßen einfach die Zeit und hatten ihren Spaß. Es wurde mehr und mehr, bis zu jenem Augenlick, als er ihre eigene Magie an seiner Wange verspürte. Wie ein Messer zog sich der Energieball über die Haut des Magiers. Diese Narbe würde mit Sicherheit bleiben. Der Aufprall an der Brust - eher verträglich, eine Wunde die heilen würde. Ärgerlich, den Zorn wecked, war dann der Gedankenschlag, als sie ihm irgendwelche Qualen auferlegen wollte, ihm Kopfschmerzen brachte. Seine Hand packte ihren Hals, drückte sie gegen die Wand. Es war nicht Sarogs Willen, es war die angestaute Wut. Hass in dem er aufgezogen wurde. War dieser Hass doch so hilfreich, brachte er ihn diesmal in große Bedrängnis. Sarog wollte Lythiana nur noch küssen, der Körper gab auch nach, jedoch nur für kurze Zeit, da war dann wieder dieser Gedanke in seinem Kopf, der ihm befahl von ihr loszusagen. Wieder alleine seinen Weg zu gehen, den er schon so weit gegangen war. Dieser, der ihm Feinde brachte und einige wenige Verbündete, denen er selbst nichtmal aufopferungsvoll folgte - das Vertrauen fehlte.

Vertrauen? Sie hatte ihm das Kind genommen. Etwas Gutes, was er einmal geschaffen hatte. Es wirkte, als hätte sie ihm wieder einige Lebensgeister ausgehaucht, einen Teil von ihm mitermordet und begraben unter einer Schicht, die sich nicht mehr regenerieren könne.
Sie hatte ihn in eine Lage gebracht, von der er dachte, er wäre von ihr befreit. Er fühlte sich... verletzlich!? Konnte sie wirklich soweit gehen und mit ihm ihre Spielchen treiben. Jeden anderen hätte er sofort getötet, der ihm einen Feuerball entgegengeworfen hätte. Bei Lythiana hatte er aber am Anfang nichtmal VOR etwas gegen sie auch nur ansatzweise zu TUN. Was dachte er sich eigentlich dabei? Er konnte sich selbst diese vielen Fragen nicht beantworten. Er fühlte sich einfach nur konfus. Am Abend des Tages war es noc schlimmer und er war einfach nur matt. Es widerte ihn an, dass sie sich so viel von ihrer sogenannten, besten Freundin und Jago sagen ließ. Wieso konnte sie nicht einfach nur auf ihn hören und das so hinnehmen, dass er das Beste für sie war. Er lehrte sie einer Lektion. Natürlich hatte er damit viel riskiert - alles was ihm momentan wichtig war.

Die Nacht verbrachte er kaum mit Schlaf, vielmehr mit den Kopfschmerzen durch ihren Zauber verursacht, dann der Tatsache, dass er sie vielleicht verlieren könnte. Das blasse Gesicht des Magiers war schmerzverzogen. Der Tag würde ihm noch lange im Gedächtnis bleiben. Genauso wie die Narbe an seiner linken Wange.

Verfasst: Dienstag 10. Oktober 2006, 18:37
von Lythiana Cronor
"Man merkt erst, wie wertvoll einem etwas ist, wenn man droht, es zu verlieren. Ich weiß selbst, dass es eine grausame Lektion war, dich in diesem Augenblick allein zu lassen...aber so kann ich sicher sein, dass du mich liebst..." Kaum waren jene Worte Sarogs verhallt, sprang Lythiana auf - polternd fiel ihr Stuhl zu Boden. Einen Wimpernschlag später hatte sie schon den erstbesten Gegenstand in der Hand - eine Teetasse - und schleuderte sie mit aller Kraft nach Sarog... knapp daneben. Eine Teekanne folgte... und dann etwas, das bei einem Treffer einen weitaus größeren Schaden anrichten würde - ein Energieball, einem Feuerball äußerlich und von der Wirkung her nicht unähnlich. Daneben... auf ein neues. Flammenbälle flogen in rascher Folge auf Sarog zu, einige trafen, andere nicht. Triumphierend leuchteten die Augen der jungen Arkoritherin auf, als ein Energieball Sarog eine tiefe Wunde an der Wange zufügte. Doch hörte sie danach keineswegs auf - ihre Wut war noch lange nicht verraucht. Mehr als deutlich konnte man in ihren Augen erkennen, dass sich Vernunft und Selbstkontrolle schon lange zurückgezogen hatten... momentan regierte ausschließlich brennender Zorn.
Erst, als Sarog plötzlich vor ihr stand, die rechte Hand um ihre Hals schloss, sie hoch hob, mit aller Kraft zudrückte und ihr die Luft zum Atmen nahm, wich die Wut ein Stück weit und machte einem Gefühl Platz, das man ohne weiteres als aufkeimende Angst bezeichnen konnte. Er würde doch nicht....? Nein, er würde nicht. Rasch ließ er sie wieder los, beugte sich zu ihr hinunter - und küsste sie. Vollkommen perplex ließ Lythiana den Lippenkontakt einen Augenblick lang andauern, ehe sie Sarog von sich stieß - was bildete er sich überhaupt ein?! Dass ein Kuss alles ungeschehen machen würde, dass sie mit sich umspringen ließ wie eine Puppe? Nein... Nein, er hatte sich getäuscht. So einfach würde sie es ihm nicht machen. Einen heftigen und wohl auch recht lautstarken Wortwechsel später war sie wieder allein... allein, um sich und ihre Welt in Ordnung zu bringen, wie Sarog sagte. Er würde auf sie warten.... pah. Nicht sie war es, die etwas in Ordnung bringen musste - sondern er. War er sich überhaupt bewusst, was er angerichtet hatte.....?

Einige Stunden später war Lythianas Wut schon lange verraucht. Schlaflos lag sie im Bett, starrte an die Zimmerdecke, bemühte sich verzweifelt, weiter wütend zu sein - und konnte es doch nicht. Sie sehnte sich nach seiner Nähe....

Verfasst: Mittwoch 11. Oktober 2006, 18:10
von Sarog Pilyan
Abwarten und geduldig sein. Das war nicht gerade eine der Stärken von Sarog. Nichts würde er lieber zu umgehen versuchen. Der Magier hatte sich aber selbst eine Falle gestellt und bemerkte so langsam, was er wirklich falsch gemacht hatte - er hatte sich selbst eine Strafe auferlegt, als er sagte, dass er auf sie warten würde. Inzwischen hätte er doch lieber selbst etwas unternommen, hätte agiert, wäre zu ihr gegangen und einfach nur das Beste gehofft. Jetzt saß er aber einfach nur da, versuchte seinen Blick auf dem Buch vor ihm zu halten, doch unweigerlich huschten seine Augen immer wieder verstört zur Zimmertüre herüber, wo er glaubte, dass sich die Türklinke bewegte - tat sie aber nicht. Er bildete sich eine ganze Weile einfach nur etwas ein.

"Verdammtes Weibsvolk... ich habe dir gesagt.. lass die Finger von den Weibern, denn nur ein Narr vertraut...", Sarog musste schmunzeln, als er über die Worte seines ermordeten Meisters nachdenken musste. Er hatte ihm damals drei Tage heftigste Kopfschmerzen gebracht. Seine Macht war damals so gewaltig, gegenüber der Sarogs. Dieser litt Tag und Nacht durch, vergaß zu essen, als ihm dermaßen der Kopf drückte, dass er keinen klaren Gedanken mehr fasste. "Das wird dir genauso gehen, wenn du meinst, eine Frau zu lieben und sie dich dann verletzt. Du wirst nicht mehr in der Lage sein ... deine Macht zu mehren - zu lernen!" Die Stimme des Meisters wurde lauter in seinem Kopf, als müsse er einen geistigen Kampf gegen ihn führen, der ihm schlecht werden ließ. In seinen Gedanken spielte sich schon so viel ab, da brauchte nicht auch noch ein toter Magier herumspucken - aber wer fragte schon Sarog? "Versager...." "Nicht ehrgeizig genug.." "HÖR MIR ZU!" "Vergiss deine Moral, du Idiot".."Ich brauche niemandem mit Gewissen als Schüler.."...die Worte klangen immer wieder in seinem Kopf wieder, und desto mehr er sich auf eine Antwort konzentrierte, umso stärker wurde der Schmerz. Wieder sah er nur noch die Lösung, die ihm so oft Frieden brachte. Er griff mit der rechten Hand zu seinem krummen Messer, die Schneide fuhr oberflächlich über seine Haut, bis sie dann langsam in das Fleisch stieß. Gefühlvoll und langsam zog er die blutige Klinge hindurch und zog eine Spur hinter sich her, die so dunkelrotes Blut hinterließ, wie es ihm adrig in den Augen stand.

Er konnte wieder schlafen und kniff die Augen zusammen, ein Lächeln bildete sich wieder auf seinen Lippen. Trotzdem war es ein falsches Gefühl der Glückseligkeit. Die innere Stimme in ihm, die einzig und allein dem Menschen Sarog gehörte, oder das, was davon übrriggeblieben war, rief nach Lythiana.

Verfasst: Donnerstag 12. Oktober 2006, 17:45
von Lythiana Cronor
Ein erschöpftes, aber gleichzeitig erleichtertes Lächeln huschte über Lythianas Gesicht als sie in einigen Schritten Entfernung Sarog erblickte. Er stand vor der Taverne Rahals, schien in ein Gespräch mit einer Frau vertieft zu sein, welche Lythiana den Rücken zudrehte. Die junge Magierin beschleunigte ihre Schritte sogleich, das Lächeln auf ihren Lippen verbreiterte sich - bis sie plötzlich wie vom Donner gerührt stehen blieb. Sie sah, wie Sarog einen Arm um seine Gesprächspartnerin legte, sie an sich zog und mit einer Leidenschaft küsste, die sonst immer ihr vorbehalten gewesen war. Danach drehte er sich zur ihr um.. lächelte kalt und rief ihr mit vor Hohn tiefender Stimme zu "Siehst du, Lythiana... ich brauche dich nicht mehr. Ich habe eine neue Frau an meiner Seite, die mir bereitwillig viele Kinder schenken wird... eine Frau, die stark ist. Geh, und belästige mich und den Orden nicht mehr mit deiner Anwesenheit!" Nach diesen Worten entfernte er sich, zog die Unbekannte mit sich und flüsterte ihr leise etwas ins Ohr. Sie lachte....Lythiana versuchte, den beiden zu folgen, doch versagte ihre Beine ihr den Dienst. Wie angewurzelt stand sie da und blickte ihnen hinterher - bis sie durch einen ziehenden, starken Schmerz im Unterleib abgelenkt wurde. Sie blickte an sich herab - und sah, wie sich der Stoff ihres Rockes zwischen den Beinen blutig rot färbte. Die junge Magierin öffnete den Mund, wollte schreien - doch kein Wort kam über ihre Lippen.

Dann erwachte sie, setzte sich ruckartig im Bett auf. Ihr Atem ging keuchend, das dünne Nachtgewand klebte an ihrer Haut und das Laken unter ihr war feucht vom Schweiß. Es war noch dunkel im Raum, seit sie sich schlafen gelegt hatte schienen nur wenige Stunden vergangen zu sein. Lythiana stand auf, stellte sich ans Fenster und atmete tief die kalte Nachtluft ein. Der Traum war noch allzu präsent in ihrem Kopf...und weigerte sich auch vehement, daraus zu verschwinden, egal wie lange Lythiana am Fenster stand, fror und versuchte an andere Dinge zu denken. Es half alles nichts... Nach einer Weile zog sie sich an, verließ die Herberge und unternahm einen ausgedehnten Spaziergang, welcher sie, nicht ganz zufällig, zur Festung des Ordens führte. Vielleicht würde sie ja noch jemanden antreffen...

Erst im Morgengrauen kehrte sie zurück. Ein wenig entspannter, gleichzeitig aber auch sehr müde - und fest dazu entschlossen, die Situation gleich am nächsten Abend zu klären. Sie hatte sich lange genug gequält...