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Lebe die Lüge doch wahre den Schein

Verfasst: Freitag 29. September 2006, 11:00
von Lanaya Shevanor
Meine eisblauen Augen nahmen jede Bewegung wahr.
Die Sinne waren angespannt und so war es nicht verwunderlich das ich mitten in der Nacht aufstand. Bequem war der Platz auf dem Sessel ohnehin nicht. Leise und unter Schmerz stieg ich die Leiter wieder hinauf. Alleine... ich wollte nicht alleine sein. All die Wut war verfolgen und ich fühlte mich leer. Er sah friedlich aus wie er da so schlief. Eine Weile sah ich ihn einfach an. Die Decke hob und senkte sich unter dem Atem. Erschöpft und müde die Züge.. ob er wohl? Ich dachte nicht lange darüber nach. Kurzerhand legte ich mich dazu. Zog die Decke über uns und schmiegte mich in seinen Arm. Er schlief weiter. Der Arm der fast wie von selbst um mich gelegt wurde gab mir ein unbeschreibliches Gefühl der Sicherheit. Wärme, nähe endlich Schlaf. Einige Stunden schlief ich und einem Wink des Schicksals gleich wachte ich in aller Frühe auf. Er sollte mich hier nicht finden. Nicht wissen das ich seine Nähe gesucht hatte. Umständlich kroch ich unter der Decke hervor. Kaum die Beine über die Bettkannte geschwungen fehlte mir schon die Wärme. Still, so still es ging mit dieser Wunde kletterte ich die Leiter wieder herunter. Die Türe wurde aufgezogen und kalte Nachtluft schlug mir entgegen. Von dem Feuer war kaum mehr etwas zu sehen und entschlossen ging ich auf die Tore zu. Fast automatisch zeichneten meine Finger die magische Rune ehe die Tore aufschwangen und ich hinaustrat.

Kälte, Einsamkeit, es war stechend. Warum machte es mir heute etwas aus? Wieso jetzt? Ich wollte nicht schwach sein... doch dieses Gefühl.. wir hatten versagt trotz allem. Auch Iloiss Worte konnten mich nicht trösten. Noch nicht. Kaum dachte ich an die Ereignisse zurück lief es mir kalt den Rücken herunter. Hier war keine Zeit für Gefühlsduselei! Es galt den Schein zu wahren. So viele Rollen hatte ich angenommen. Konnte Lachen, weinen, heiter und traurig sein wann ich es sollte. Doch... wo war ich ? Wer war ich ? Hatte ich es einst gewusst ? Wusste ich es jetzt ?

Fragen..
so formbar..
so ziellos und niemand..
...der mir eine Richtung gab...


Rahal, zu Hause. War es das? War es nicht auch eine Rolle auf dem Weg der Lüge? Das Haus bot eine gewisse Sicherheit, war behaglich und ließ einen entspannen aber zu Hause ? Ich hatte kein zu Hause. Meine Familie war ermordet, ihr trauerte ich nicht nach. Freunde.. hatte ich Freunde? Freunde die mich aus ihrem Emotionen heraus anboten wie ein Stück Fleisch? Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Da war sie wieder. Diese Wut im Bauch. Unbedacht schlug ich auf den Tisch dabei eine hastige Bewegung machend. Schmerz durchzuckte meinen Oberschenkel und langsam entkleidetet ich mich. Die Haut so blass.. wie Milch.. Jade ...doch dann.. dieser Striemen.. was war nur, das es so schmerzte? Mit erschrecken stellte ich fest das die Wunde längst nicht so gut aussah wie ich sie in Erinnerung hatte. Ob vielleicht...? Nein! Entschieden schüttelte ich den Kopf. Niemand würde daran herumdoktorn. Es würde auch so heilen.

Langsam wich die Nacht dem Morgen. Still war es in der Stadt und nachdenklich sah ich zum Fenster. War es Zeit die Stadt zu verlassen? Doch wohin..? Bald würde man uns suchen lassen. Welche Gesichter waren in Erinnerung geblieben? So viele Fragen und Antworten die nur die Zeit kannte. Gestern war so viel geschehen. Jago, Lythiana, ich selbst. Warum war ich dort geblieben nachdem Lythiana dem Raum praktisch entflohen war. Es hatte keinen Grund gegeben zu bleiben. Sie war zu Sarog geeilt doch ich.. hatte niemanden der auf mich wartete. Vielleicht war es an der Zeit sich selbst etwas nähe zu gönnen. Stärke zu schöpfen, um wieder klar zu denken. Verwundert schüttelte ich den Kopf über meine Gedanken und musste letztendlich doch erkennen das ich nur eine Frau war. Die granitharte Fasade war zerbrochen. Die Augen seltsam lebendig huschten stetig umher. Gedanken wirbelten. Niemals würde ich es zugeben. Nicht so, nicht vor der Familie. Familie... schon wieder dieser Gedanke. Sie waren was ich hatte, worauf ich baute. Sie brauchten niemanden der sich so seinen Gedanken hingab. Stärke, Macht und Taten. War es das was zählte? War nicht viel mehr unter diesem Schein? Konzentriere dich Lanaya.. konzentriere dich! Sonst viel es mir doch auch nicht schwer die Gedanken berechnend und vorausschauend zu sortieren. Dieses wirrwarr in meinem Kopf machte mich wahnsinnig. Die Wunde mit einer Tinktur einreibend brachte ich einen neuen Verband an. Eines war sicher... ich musste fort. Fort aus der Stadt weg in die Anonymität. Dieses Gesicht, mein Gesicht sollte nicht als Amelia bekannt werden. Sie war eine Figur eine Farce notwendig und zerstörbar. Doch wohin? Schon wieder diese nagende Frage.

Ich begann zu packen. Die wichtigsten Sachen verstaute ich rasch, sie bereits aus der Stadt bringend. Noch würde ich warten doch für den Fall des Falles war gesorgt. Langsam klärten sich die Gedanken. Ärger.. über mich selbst. Es war gut so wie es war. Niemand der mich ablenkte. Niemand der sich einmischte. Pflichten, Taten, vergessen, erinnern alles lag so unendlich nah beieinander. Ich dachte zurück an das Schloss. Diese zwei Menschen die einander so nahe standen. Sie waren ein gefundenes fressen gewesen. Die Tränke hatten gewirkt.. die Illusionen ebenfalls. So rasch würden sie sicherlich nicht vergessen. Zu schade das wir ihn nicht mitgenommen hatten. Gerne hätte ich die Studien weiter getrieben.. weiter bis zum Ende. Ein Lächeln zierte bei diesem Gedanken mein Gesicht jedoch so kalt und abstoßend das wohl jedem eine Gänsehaut über den Rücken kriechen würde. Es würde andere Möglichkeiten geben. Bis dahin musste ich lernen. Viel zu wenig wusste ich. Doch galt es nicht erst zu sich selbst zu finden? Würde mehr Wissen mich noch mehr auseinander reißen? Verlor ich mich nicht jetzt schon? Wann hatte meine innere Stärke einen Knacks bekommen? Ich wusste es nicht, bereits im Schloss war ich unachtsam gewesen. Eine Unachtsamkeit die mir diese Wunde eingebracht hatte. Erneut kam ärger in mir auf und mit einem Kopfschütteln vertrieb ich ihn. Eines war gewiss. Es musste sich etwas ändern. So war ich ein wandelnder Explosionstrank, gefährlich für mich, gefährlich für den Orden.

Verfasst: Samstag 7. Oktober 2006, 21:23
von Lanaya Shevanor
Der Trank brodelt

Unruhe, immer diese Unruhe. Was war es nur? Hin und her.. hin und her.. das Haus bot nicht viele Möglichkeiten und viel zu rasch war es durchquert so man stetig von einem Ende zum Anderen lief. Noch immer hatte ich nicht zu dem gefunden was ich war. Dennoch, es gab Hoffnung. Eine Wende hatte sich Offenbart und ich würde sie nutzen. Bis sie allerdings Früchte trug.. musste man sie hegen und pflegen. Derweil tat ich etwas das ich ansonsten mied. Ich durchquerte etliche Gefilde. War in der Begleitung nicht wählerisch und nutzte als Schild wer sich anbot. Wäre es mir doch gleich gewesen so die Jagdgefährten ein Ende fanden. Dampf ab zu lassen war nötig und einige Stunden danach war ich die Ruhe selbst. Lag es an der aufgebrauchten Kraft, der Ablenkung ? Bezeugen konnte ich es nicht. Inzwischen war das Haus in Rahal verlassen und ausgeräumt. Die ungewohnte Arbeit tat gut und am Abend suchte ich die Konfrontation.

Wesentlich ruhiger als die Tage zuvor trat ich ihr entgegen. Wir sprachen recht offen miteinander doch warf es mehr Fragen auf als sie beantwortet wurden. Sie erhielt einen kleinen Einblick in das Chaos jenes mich derzeit umgab. Dennoch, sie hielt zu mir. Gab Stärke wo sie nötig war und einige Begebenheiten schienen klarer. Aber so war es nunmal, Schwestern, bis in den Tod. Der Ärger auf sie war verflogen, war es ihr wohl nicht einmal bewusst gewesen was die Worte angerührt hatten und so entspannte ich mich sichtlich. Stunden später jedoch wusste ich nicht mehr alles worüber wir gesprochen hatten. Gerade war ich dabei das Zimmer einzuräumen als es klopfte. Iloiss sah nach mir und mit einem Lächeln nahm ich es hin. Er störte mich nicht sonderlich, verstrahlte er doch stets eine gewisse Ruhe und Bedachtheit. Selbst Stunden später als ich bereits in meinem Bett lag wusste ich noch welche Worte er gesagt hatte. Konnte die Betonung und den Sinn dahinter erfassen und zufrieden kräuselten sich meine Lippen. Es würde werden.

Am nächsten Morgen war ich früh wach. Schon wieder diese stetige Unruhe im Innern. Ich musste hinaus. Gedacht, getan. Die langen Beine über die Bettkannte schwingend war ich rasch aufgestanden. Obgleich es mich förmlich hinaus drängte nahm ich mir die Zeit mich vorab herzurichten. Letzendlich war man ja eitel. Mit einer Baumwollrobe bekleidet trat ich dann vor die Türe. Der Wind erfasste mich und brachte Haar und Robe zum Wehen. Sämtliche Mühe das Haar ordentlich zu halten war in Sekunden dahin. Was solls, um diese Zeit würde ich sicherlich niemanden treffen für den es etwas zu wahren galt. Mit ausgreifendem Schritt war ich zwischen den Bäumen verschwunden und wenig später schon ein gutes Stück voran gekommen. Die Hände leicht von mir gestreckt fuhr ich über alles was in ihrer Höhe schien. Nahm die Umgebung in mich auf und stockte nur um ab und an ein Kraut zu schneiden und es mitzunehmen. Dann jedoch war ich auf einer Lichtung mit einem See. Unwirklich schien mir das Stück inmitten des dunklen Waldes. Der Tau lies die Gräser silbern schimmern. Nebel wallte um mich herum und ich nahm das Geräusch nicht einmal wahr als meine Tasche zu Boden viel. Die blasse Hand an einen Baum gelehnt konnte ich nur zusehen wie die Lichtung sich zu drehen begann. Immer schneller und schneller verschwammen die Farben und mit einem Mal begann ich zu laufen. Nur weg aus dieser Illusion zurück in das Leben.

Das Feuer erlischt und die Ruhe kehrt zurück

Die Sinne schwanden mir zusehends und ich nahm kaum wahr was geschehen war. Ein weites Kleid ähnlich derer die ich sonst am Hof getragen hatte floss kranzförmig um mich herum. Die dürren, blassen Arme wurden nur an den Schultern bedeckt und verwirrt grub ich die Hände in den dunklen Stoff.

Wo War ich ? ...

... was war passiert ?

Blinzelnd sah ich mich um den Rücken gerade haltend, die Haare seltsam hochgesteckt und in einem viel dunkleren Ton als es natürlich war.

Lanaya.. Lanaya... Lanaya...

Ich nahm die Hände an den Kopf so sehr hallte mein Name darin nach. Erst laut dann immer leiser werdend. Wer rief mich, warum? Ich stand auf. Lief die Röcke anhebend einige Schritte durch das Dunkle ehe ich stehen blieb. Das Lied veränderte sich. Jemand griff in die Melodien ein. Nicht vorsichtig sondern forsch und bereit mit Gewalt zu formen was nicht vorhanden war. Mein Kopf ruckte herum und ich musterte den Fremden. Seine Kleidung war ähnlich der des Ordens gehalten. Die Hand die nach mir ausgestreckt wurde hielt eine Art Energie die düster und mächtig pulsierte. Was immer es war, es fesselte mich und brachte mich dazu mich ihm zuzuwenden. Erneut klang mein Name in meinem Innersten auf, doch diesmal wehrte ich mich. Viel hatte ich ihm nicht entgegen zu setzen doch begann er zu lächeln und schloss die Hand. Die Energie verschwand und ein wenig atmete ich auf.


War dies eine Prüfung?

Vorsichtig umkreisten wir uns. Wie zwei Panther die ihre Kräfte einschätzten. Aufmerksam, Still, elegant. Seine Haut war eine Nuance dunkler als meine ebenfalls das Haar. Die Augen jedoch waren von einem seltsamen Ton. Fast fliederfarben, seltsam unwirklich. Die Kreise wurden enger und bald standen wir voreinander.

Wer bist du.. bist du.. du? Die Worte hallten nach obgleich sie geflüstert waren. Seine Antwort war unverständlich und verworren. Er bot mir etwas an, etwas das ich nicht haben wollte. Mit einer Inbrunst die ich seit Tagen nicht mehr an den Tag gelegt hatte wies ich ihn ab...

Nein! Ich bin stark genug allein.

Stark warst du nur solang du geglaubt hast schwach zu sein. Komm tanz mit mir!

Tatsächlich richtete ich mich auf. Seine Anziehungskraft überbot die Jagos bei Weitem und dennoch sträubte ich mich. Er war unwirklich so wie ich. Das war nicht unsere Welt, nicht unser Ziel. Obgleich kein Ton über meine Lippen drang erhob ich die Stimme ihm nu so zu antworten wie er fragte. Mit Genugtuung sah ich zu das es ihm ebenso zu schaffen machte wie mir.


Sie hielten mich an Drähten fest.
Als Puppe, die man tanzen lässt.
Doch ich werd keine Marionette sein!
Wenn ich tanzen will,
dann tanz ich so wie’s mir gefällt.
Ich allein bestimm die Stunde.
Ich allein wähl die Musik.
Wenn ich tanzen will,
dann tanze ich
auf meine ganz besondere Art.
Am Rand des Abgrunds
oder nur in seinem Blick.


Schwarzer Rabe flieg....

...ich flieg!

Meine Hände wurden ergriffen und ich ließ es zu. Klänge drangen an mein Ohr so mächtig und rein das es eine Schande wäre sie nicht zu würdigen und so.. tanzten wir. Ich sah ihn nicht an obgleich meine Augen die Seinen suchten. Ich sah etwas anderes darin. Wir wirbelten durch die Finsternis und mit einem Mal war es vorbei. Als hätte man mir einen kalten Stoß gegeben zog die Kälte durch meine Eingeweide. Sein Lachen verhöhnte mich und mit einem Wutschrei fuhr ich auf.
Mein Herz raste als ich eine Hand darauf legte und ich brauchte einen Moment mich zurecht zu finden. Ein Traum.. nur ein Traum. Ich atmete durch. War ich nicht aufgestanden..? Nein. Das Nachtgewand klebte an mir doch die Kleider waren ungenutzt. Eine seltsame Stimmung lag in der Luft und ich stand auf. Mit wenigen Schritten war ich an dem Fenster die Hände auf den Stein legend sah ich zum Meer. Was hatte dieser Unfug zu bedeuten? Kopfschüttelnd grübelte ich nicht länger darüber nach. Es war gleich aber an eines hatte es mich erinnert. Es war Zeit. Zeit sich zu erheben und zu tanzen. Denn bekanntlich fliegt der Rabe über das Blut der Ahnen hinaus. Schmunzelnd setze ich mich und verfasste eine [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=13620]Nachricht[/url] an den Truchsess, den Schein zu wahren. Ein Bote auf den ich mich verlassen konnte würde sie sicher überbringen. Gleichsam stellte ich fest wie ruhig ich war. Dieser unsinnige Traum hatte mir etwas kalrgemacht.

Ich tat die Dinge nicht weil sie getan werden mussten.
Ich tat die Dinge weil ich sie so will.

Wie unrecht du doch hattest Kihdar. Eine Marionette handelt nicht nach ihrem Willen. Bei diesem Gedanken hoben sich meine Mundwinkel. Es war Zeit sich den Studien zu widmen.

Verfasst: Samstag 7. Oktober 2006, 23:31
von Jago di Trequona
[bezieht sich aufs 1. posting]


Der Blick der rauchgrauen Augen starrte in die Flammen, die den Stoff der Niederlage, die varuneser Grafenkleidung, verbrannten. Er fühlte sich mit einem Mal sehr müde und seltsam schutzlos, als er so an der Mauer der Ordensburg lehnte und spürte, wie die Kälte der uralten Steine langsam durch das schwarze Hemd drang, um sich auf seiner Haut auszubreiten und ihn trotz der Hitze der Flammen frösteln zu lassen. Dieses Mal also waren sie gescheitert, doch ihre Zeit würde erneut hereinbrechen. Dennoch - nach all der Anspannung der letzten Tage hatte er nun wieder zuviel Zeit zum nachdenken. Dankbar griff er daher nach der Weinflasche und stürzte die Flüssigkeit hinab, ohne wirklich den Geschmack zu bemerken. Alles was zählte, war die Wirkung.
Da war es wieder, dieses drückende Gefühl, das ihn Zeit seines Lebens verfolgte. Zeit seines zweiten Lebens, mußte sich der Zauberer unwillkürlich korrigieren. Wie einfach hatten es doch die anderen - Iloiss, der schlicht und einfach "nachdenken" ging, Sarog und Lythiana, die einander hatten, Lanaya, die in ihrer Eiseskälte keine zweite Person um sich brauchte. -
Und er? Er innerte sich an ein weiches, ebenmäßiges Gesicht, umrahmt von blondem Haar....
Er riß sich zusammen. Genug damit, es war vorbei!

Taumelnd erhob er sich, murmelte einen Gruß in die Runde und strebte seinen Gemächern zu. Er war müde, furchtbar müde.

Er merkte nicht mehr, wie Lanaya in sein Bett kam. Und er erinnerte sich auch später nicht mehr daran, daß er sich ihrem warmen Leib zugewandt hatte, den Arm um sie schlang und sie ganz in seine Wärme einhüllte.

Verfasst: Donnerstag 19. Oktober 2006, 00:10
von Lanaya Shevanor
Staub, rauhe Seiten die von langen, dürren Fingern umgeblättert wurden. Mager war sie geworden ohne ihre weibliche Seite verbergen zu können. Die Haare ordentlich gekämmt umschmeichelte die schwarze Robe die blasse Haut im Abendwind. Das Buch in den Händen haltend ging sie auf dem Dach auf und ab. Geschichte, Rituale, Wissen, so vieles war niedergeschrieben. So vieles schien brauchbar und noch mehr ergab keinen Sinn. Was hatte der Mann in der Taverne geschwatzt. Die Garde nahm an die “Schwarzberobten” aus dem Schlosse würden nach kleinen Kindern gieren. Sie hatte ein schmunzeln unterdrücken müssen. Sollten sie je ein Kind brauchen würde man es sich nehmen. So einfach war das. Aber gut, sollten sich die Gerüchte verbreiten, sie mochte es wenn der Schein die Wahrheit verwischte. Dennoch war sie neugierig geworden. Spitze die Ohren nur um festzustellen das sich dieses Gerücht wieder im Sand verlief. Die blauen Augen nun wieder auf das gelbliche Pergament gerichtet dessen Alter und Haltbarkeit hoffentlich nicht in ihren Händen brechen würde.

“Nutze was dir gegeben ist, mache dir zu nutzen was du nicht hast”

Es gab so einiges was ihr auf diese Worte einfallen würde und unbewusst hoben sich die Mundwinkel. Das kantige Gesicht, das auf den ersten Eindruck wesentlich älter wirkte als sie es war, hellte sich auf. Das Lächeln wurde breiter und hätte man sie so gesehen würde man nicht mal erahnen was in ihrem Köpfchen vor sich ging. Erneut blätterte die blasse Hand einige Seiten weiter. Hier schien etwas interessantes. Verschiedene Thesen, einige hervorgehoben, andere widerlegt und einige Stellen so lückenhaft das sie das Buch am liebsten in Flammen hätte aufgehen lassen. Sie wollte lernen, wollte wissen und dieses... Tief durchatmend kam sie wieder zur Ruhe. Der Geist des Menschen und die Wirkung der Illusionsmagie auf ihn. Nun endlich verstummten die Schritte auf dem Dach des Ordens sie stand ruhig da. Aufmerksam nahm sie die Zeilen in sich auf und unweigerlich musste sie an Rafael zurückdenken. Das Bewusstsein verändern. Ja, das hatte sie getan doch gleichsam.. stand hier man könne dabei viel erfahren. Sie hätte tiefer graben sollen, mehr aufrütteln. Viel zu vorsichtig und darauf bedacht ihn nicht zu schädigen damit er verwendbar sein würde waren ihr diese Erfahrungen verschlossen geblieben. Sie betrachtete die Zeilen wieder sich dabei in Bewegung setzend. Gefahren für den Betroffenen... wie uninteressant. Das Buch zuklappend brachte sie es zurück in die Bibliothek. Sich mochte den Geruch nach altem Pergament und fuhr fast zärtlich über einige Bücherrücken.

Stunden später

Gänzlich in der Ordenskleidung eingehüllt stieg sie die Treppen hinauf. Lythiana wartete schon auf sie und mit einem Nicken gesellte sie sich dazu. Lythiana war ein Mensch von Zweien der mehr über sie wusste als es der Schein vermittelte. Wie sie wirklich war vermochte bislang jedoch niemand zu befinden. Sie wusste es ja manchmal nicht einmal selbst. Sie lebte die Lüge. Eine nach der Anderen. Nachdem sie geraume Zeit gewartet hatten und weder Sarog noch Reika erschienen beschlossen die jungen Ordensschwestern sich alleine auf den Weg zu machen. Nahe der Ruinen Tirells traf man dann dennoch auf den Bruder. Wie immer wenn er zugegen war änderte sie ihre Art. Gereizt traten sie einander gegenüber und gekonnt fügte sie sich in die Rolle ein. Sollte er sie für ein Kindchen halten. Naiv und nicht weiter zu beachten. So hatte sie ihre Ruhe. Am Rand des Sumpfes jedoch reichte es Lythiana und sie rief beide zur Ordnung. Schweigend stapften sie nun zu dritt durch das Sumpfgebiet. Mit jedem Schritt drangen unsittliche Geräusche an ihre Ohren und überall stiegen Blasen auf die mit einem kleinen 'plopp' zerplatzten. Was für eine wunderbare Idee. Brr.. sie verfluchte sich innerlich dafür nun mitgekommen zu sein. Andererseits war dies eine Möglichkeit etwas mitzuerleben was ihr sonst verschlossen blieb.

Sarog schien einiges über die Kreaturen des Sumpfes zu wissen und wenig später schon nahm er Lythiana hoch. Seine Haltung, die Augen und die Stimme verrieten ihn und sie stellte den Stab ein wenig fester auf den Grund sich sicher darauf stemmend. Gerade eine Haltung eingenommen die ein längeres ausharren mühelos zuließ waren die Beiden miteinander fertig. Sich suchten weiter. Tentakel hatte die junge Beschwörerin studieren wollen. Im ganzen Sumpf jedoch schien es nicht einmal etwas ähnliches zu geben. Nachdem sie gründlich versaut waren und die langen Kutten genug Nässe aufgesogen hatten um das Laufen auf längere Zeit zu erschweren gaben sie es auf. Auch Sarogs Studienobjekt schien kaum in greifbarer Nähe. Sie kannte einen Ort.. an dem Tentakel vorkamen. Weit jedoch war der Weg und selbst zu dritt mit ihren Fähigkeiten unbestreitbar. Man trennte sich. Diese Stunde war sicherlich anders verlaufen als jeder der Drei es gewollt hätte. Zu schade, gerne hätte sie einen tieferen Einblick in die Studien eines Beschwörers erhalten.

Zu Hause widmete sie sich wieder den Studien. Noch so vieles galt es zu erfahren. Die nächsten Tage sah man sie kaum das Zimmer verlassen. Kleinere Illusionen erprobte sie im Haus und schien recht zufrieden mit sich. Sie wusste was sie wollte und würde den Preis bezahlen. Die Kraft die diese Übungen forderten brachte sie dar. Lesen, schlafen, lesen, umsetzen.. so einfach war das. Bald jedoch fragte sie sich warum die Schwestern und Brüder sich nicht meldeten. Wussten sie doch darum das sie diesen Studien gerne beigewohnt wäre. Stirnrunzelnd vergrub sich sich tiefer in der Thematik. Sie würde sich die Vorträge anhören, dies hier war ohnehin wichtiger. Letztendlich sollte man auf das Bauen was man konnte.

Verfasst: Donnerstag 26. Oktober 2006, 23:07
von Lanaya Shevanor
Tage später

Staubige Wälzer verteilten sich in dem Zimmer der Magierin. Die Augen unnatürlich klar, die Haltung kerzengerade hatte sie die Nase schon wieder tief in ein Buch gesteckt. Den Ellenbogen auf den Tisch gestützt, bewegte sie nur sachte die Hand sich der Magie bedienend, als wäre es eine Leichtigkeit, Seite für Seite durchzublättern. Die Wahrheit jedoch war das sie nicht wagte die Seiten zu berühren. Hatte sie doch bereits erlebt wie empfindlich diese Bücher sein konnten. In einer anmutigen Bewegung warf sie die hellen Haare zurück die sie um so vieles älter wirken ließen. Dieses verdammeleite Buch würde sie vorerst nicht weiter bringen. Es war Zeit seine Studien an einem anderen Ort zu vollenden. Bereits seit Tagen schwebte ihr eine Idee im Kopf herum. Nun galt es diese umzusetzen. Von wegen Hofknicks üben. Sie musste unwillkürlich Grinsen als sie an den Acromagus dachte. Manchmal, war er wirklich komisch. Die Schenkel an die Flanken des Pferdes pressend war sie rasch an ihrem Ziel. Das Tier an einem Pfosten anbindend eilte sie mit raschem Schritt und wehender Robe durch Rahal. Zielstrebig ging es die Außentreppen des schwarzen Panthers hinauf.

Tock ... Tock..

Wie immer klopfte sie zweimal ehe die Tür sich öffnete. Voller Tatendrang huschte sie in das Zimmer die Türe hinter sich schließend und nahm gegenüber Lythiana platz. Ohne Umschweife kam sie zur Sache.

Ich brauche eine Leichte.

Nein, eigentlich keine Leichte.. ein Skelett würde reichen..

obgleich vielleicht der Aufbau, die Struktur.. doch eine Leiche..


Ein nachdrückliches Nicken verlieh den Worten eine gewisse Bedeutung doch die Schwester hatte nur anzufügen das sie selbst gern jemanden zur Leiche machen würde. Trübsal, hörte das denn nie auf. Sarog. Schon wieder. Sie sah zur Decke und entschloss sich dann ihre Aufgabe einige Momente hinten anzustellen. Aufmerksam lauschte sie den Ausführungen Lythianas und musste verwundert feststellen das sie diesmal sogar Sarog in gewisser Art und Weise verstand. Bald jedoch hatten die Frauen das leidige Thema beendet und wendeten sich anderen Dingen zu. Die junge Beschwörerin hatte ein imenses Wissen was Tinkturen und andere alchemistische Produkte anging. Nachdem sie ihr erklärt hatte was sie brauchte dauerte es nicht lange ehe sie das Gemisch sorgsam verstaute.

Begleitest du mich und siehst dir die Wirkung an ?

Das Lächeln auf ihrem Gesicht war eisig bei der Frage. In diesem Moment wurde wieder einmal deutlich welchen Ansichten sie folgte und nach welchem Bestreben sie handelte. Lediglich die Augen verrieten wie erfreut sie über die Antwort war. Zusammen gingen die jungen Frauen durch die Stadt. Sich hier eine Leiche zu besorgen wäre wohl etwas auffällig gewesen. Die Schritte beider wurden also aus Rahal hinaus gelenkt. Das Banditenlager ihr Ziel. Einen Banditen würde niemand vermissen. Es war ein perfekter Ort für das Vorhaben. Leise schlichen die jungen Magierinnen bis an das Lager heran. Sie wollte eine Frau haben. Bald war ein in Fetzen gehülltes Weib ausgesucht und sie machte sich daran diese aus dem Lager zu locken. Wie einfach doch ein ungebildeter Geist zu täuschen war. Dennoch lief es nicht ganz wie es sollte. Ein Mann folgte der Frau und weit genug vom Lager der Banditen entfernt fanden beide ihr Ende.

Kalt war der Blick der Beiden als sie über die Leiche des Mannes hinweg traten. Er war nicht interessant. Jemand der im Weg gewesen war und beseitigt wurde. Die Frau jedoch übte eine gewisse Faszination aus. Obgleich der ausgemergelte Körper vor Dreck stank, kniete sie sich neben sie und entkleidete die Frau. Die Arme und Beine wurden mit etwas Mühe in die richtige Position gebracht so das der Körper ein X bildete. Zufrieden musterte sie ein letztes Mal den nackten Leib. Als sie sich erhob zog sie bereits die Phiole hervor und trat mit einer Warnung zu Lythiana etwas zurück. Den Arm ausstreckend tröpfelte sie vorsichtigst den Inhalt über das Fleisch der Frau. Die Wirkung trat fast sofort ein. Gelblicher, beißender Rauch stieg zischend auf und ließ Lythiana und sie selbst rasch noch etwas zurück springen. Der Prozess dauerte nicht lange doch das Ergebnis war nicht das was sie erzielen wollten. Die Leiche war zu einer undefinierbaren Masse zergangen. Die gelbliche, zähe Flüssigkeit fraß sich weiter in den Boden. Seufzend stieg sie über die Reste hinweg sich gen Ly wendend.

Es scheint, die Wirkung ist dir ein wenig zu gut gelungen.

Nachdenklich sann sie nach. Vielleicht war dies auch gar nicht der richtige Weg. Vielleicht galt es einen anderen einzuschlagen. Sie sprach mit Lythiana darüber. Sagte ihr was sie dachte und gemeinsam machte man sich auf zum Friedhof. Sie war froh über die Gesellschaft der Schwester. Tatendrang und hunger nach Wissen trieben sie. Macht und Stärke. Dies galt es zu erringen. Ihm zu dienen, bis in den Tod. Ihre Haltung wurde selbstbewusster. Der Wald störte sie heute nicht im geringsten. Die Äste die nach ihren Kleidern griffen wichen zurück so eine der Magierinnen bestimmend die Hand hob. Sie gingen schweigend nebeneinander her. Endlich, der Wald lichtete sich und bald standen sie vor dem ersten Grabstein. Still war es hier. Lythiana setzte sich auf einen der Grabsteine und schien ihren Gedanken nachzugehen. Sie selbst jedoch ging noch einige Schritte die Mitte des Friedhofes zu erreichen. Einen letzten Blick zu Ly werfend schloss sie die Augen und konzentrierte sich die Melodien des Ortes wahrzunehmen. Viele Einflüsse prägten den Ort. Die Verstorbenen ließen Spuren zurück und selbst ein Nichtmagier würde die Aura wahrnehmen. Bei vielen rief ein Friedhof ein Schaudern hervor. Bei ihr jedoch breitete sich ein angenehmes Kribbeln in ihrem Inneren aus.

Dies hier war ein Ort der Macht. Eindeutig. Nicht groß, dennoch spürbar und zugegen. Sie sah sich wieder um. Die Schwester schien noch immer wie entrückt in ihren Gedanken und bemerkte nicht einmal wie sie die Hände an einen Grabstein in ihrer Nähe legte. Hatte sie zuvor noch gewitzelt das sie die Schaufel vergessen hatten, stellte sie nun überrascht fest das sie eine gewisse Ehrfurcht vor den Toten empfand. Nein, auch das Graben würde ihr nicht geben was sie wollte. Ihre Gedanken schweiften ab. Sie konzentrierte sich, nahm alles um sich herum überdeutlich wahr und beschloss letztendlich einen Versuch zu wagen. Langsam und bedacht Schritt sie zurück zur Mitte des Platzes. Es fing an zu Regnen doch ließ sie sich davon nicht stören. Den Kopf leicht zurücklegend fielen die Haare über ihren Rücken, den sie durchdrückte. Die Hände auf Hüfthöhe gehalten spreizten sich nun etwas vom Körper ab und glänzen durch die Tropfen.

Obgleich sie die Macht des Ortes fühlte war es viel schwieriger sich in den Strängen des Liedes zurechtzufinden. Sie lauschte, lauschte und lauschte bis sie letztendlich fand was sie suchte. Hier war sie, ihre ureigene Melodie umgeben von etlichen Anderen. Traurig, munter, lockend und abstoßend. Alles war vertreten an diesem Ort. Im Grunde wusste sie was sie wollte. Das Innere nach Außen kehren, einen anderen Schein leben und... Sie bekam keine Luft mehr. Angst schnürte ihr blitzartig die Kehle zu und sie verlor die Verbindung. Noch immer sah sie die Stränge vor sich, unerreichbar fern und doch vorhanden. Sie hatte zu viel gewagt. Nun würde sie dafür bezahlen. Doch etwas hielt sie zurück. Ihr Körper war inzwischen auf die Erde gefallen. Die Robe durchnässt von Anstrengung und Regen klebte unsittlich an ihr. Die Wärme die sie zuvor umfangen hatte ließ langsam nach. Immer klarer drang die Stimme Lythianas an ihre Ohren und mit einem Mal wurde ihr von einem Herzschlag zum Anderen bewusst was sie hier eigentlich getan hatte. Die Hand abfangend die ihr gerade ins Gesicht schlagen wollte brachte sie krächzend hervor das sie wach sei.

Wie dumm es gewesen war diesen Versuch ohne Anleitung und ausreichendes Wissen zu wagen. Die Macht des Ortes hatte sie gelockt und wie ein Frischling war sie hereingefallen. Wütend über sich selbst ließ sie sich aufhelfen und beantwortete die Fragen der Schwester nur ausweichend. Sie hatte einen Fehler gemacht doch ihre Vorstellung wie es sein könnte war gewachsen. Sie würde sich vorerst zurückziehen. Nachdenken, lernen. Bald würde sie dieses Wissen vertiefen und eines Tages vielleicht sogar umsetzen. Noch lag dieser Tag in weiter Ferne. Aber vorerst hatte sie sich zu sputen. Nicht weiter auf die Robe achtend ließ sie Lythiana zurück die scheinbar den Wunsch hegte dort zu verweilen. Wenig später war sie wieder nahe des Banditenlagers. Die Leiche des Mannes sah durch den Regen nicht unbedingt besser aus. Dennoch machte sie sich daran diese nach Hause zu schaffen. Sie würde sich damit befassen müssen und vielleicht würde sie verstehen.

Verfasst: Freitag 27. Oktober 2006, 19:54
von Lythiana Cronor
Ein zweimaliges Klopfen zerstörte die Stille und unterbrach Lythianas Konzentration. Unwillig runzelte sie die Stirn. Gerade erst hatte sie sich ihren Büchern zugewandt und schon... Doch als sie von ihrem Buch aufblickte, bemerkte sie, dass es dunkel geworden war im Raum - es war Abend geworden, ohne dass sie es bemerkt hatte. Jene Feststellung, welche sie normalerweise amüsiert hätte, entlockte ihr heute nur ein leichtes Heben der rechten Augenbraue. Ohne weiter über die Identität des unangemeldeten Besuchers nachzudenken, öffnete sie die Tür - nur wenige Personen kamen überhaupt in Frage. Lanaya betrat den Raum, ließ sich wie gewohnt auf einem der Stühle nieder. Ein Gespräch entspann sich zwischen den beiden Frauen, welches sich schon bald privaten Angelegenheiten zuwandte. Ein wenig erstaunte es Lythiana, dass sie bei der Schilderung der Angelegenheit recht wenig fühlte... doch war es nicht in der letzten Zeit sogar so, dass sie generell wenig fühlte? Wie auch immer - nun war es an der Zeit, sich des Problems der Schwester anzunehmen. Ein Mittel, das im Stande war das Fleisch vom Knochen zu trennen ohne den Knochen zu zerstören... war so etwas überhaupt möglich? In Gedanken ging die junge Arkoritherin die Wirkungen der verschiedenen ihr bekannten Reagenzien durch, berücksichtigte Wechsel- und Nebenwirkungen und machte sich schließlich an die Arbeit. Es stellte sich als nicht besonders schwierig heraus, den Trank zu brauen - doch blieb es abzuwarten, ob er die erhoffte Wirkung haben würde. Die Neugier trieb sie mit Lanaya zusammen aus dem Haus, bis zum Banditenlager nahe der Stadt. Das Ergebnis ihres Experimentes war.... enttäuschend. Der Trank tat seine Arbeit viel zu gut, zerstörte nicht nur Fleisch, sondern die Knochen gleich mit. Sie würde die Rezeptur bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit überarbeiten müssen, auch wenn die Schwester, ihren Worten nach zu urteilen, die ursprüngliche Idee bereits verworfen hatte. Zum Friedhof wollte sie... nun gut, dann also zum Friedhof. Sie wollte jenen Ort sowieso schon seit längerer Zeit aufsuchen, wieso dann nicht mit Lanaya zusammen?

Sobald die beiden Magierinnen den Friehof erreichten, spürte Lythiana die Aura dieses Ortes, nahm die ungewöhnlichen Melodien wahr. Eine Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen, jedoch nicht hervorgerufen von Furcht... Sie setzte sich vorsichtig auf die Kante eines halb verfallenen Grabsteines und lauschte. Lauschte auf die Melodien des Ortes, verfolgte einige von ihnen eine Weile lang, spürte dann leiseren, unauffälligeren Tönen nach.... Bald schon hatte sie die Gegenwart Lanayas vollkommen vergessen. In diesem Moment hätte ein Dämon vor ihr erscheinen können und sie hätte ihn nicht gesehen. Doch ein plötzlicher Missklang im Lied schreckte sie auf, alarmierte sie. Der Grund dafür war schnell gefunden - Lanaya, welche am Boden lag, augenscheinlich kaum noch bei Bewusstsein. Eine unnatürliche Wärme ging von ihr aus, trotz des Regens und der herbstlichen Kühle gut spürbar. Lythiana ging neben ihr in die Knie, fasste sie an den Schultern, schüttelte sie..erst sacht, dann allmählich fester. Gerade wollte sie sie ohrfeigen, als die leise Stimme der Schwester an ihr Ohr drang. "Ich bin wach...." Sie hielt ihr die rechte Hand hin, half ihr auf. Auf Fragen antwortete die Schwester ausweichend und die junge Magierin beschloss, diesbezüglich nicht weiter nachzubohren. Die Hauptsache war, dass Lanaya nicht noch einmal einen solchen Fehler beging...

Kurze Zeit später war Lythiana allein auf dem Friedhof. Die Schwester war aus irgendeinem Grund gegangen, sie aber blieb noch um weiter dem Lied zu lauschen... und nachzudenken. Die Atmosphäre dieses Ortes drängte ihr förmlich eine ganz besondere Frage auf: Die Frage nach dem Ende ihres Lebens... und ganz besonders nach dem, was danach folgt. Lange dachte sie darüber nach - bis sie durch leise Schritte aufgeschreckt wurde.

Verfasst: Sonntag 29. Oktober 2006, 18:28
von Lanaya Shevanor
Mit einiger Mühe hatte sie es geschafft den Leichnahm den weiten Weg zu transportieren ohne auf eine Menschenseele zu treffen. Vermissen würde man ihn ohnehin nicht. Da sie nicht wollte das Iloiss diesem Anblick gewahr wurde brachte sie den Mann kurzerhand in ihre Kammer. Sie brauchte einen Augenblick mit diesem Anblick fertig zu werden. Es war etwas anderes im eigenen Heim eine Leiche zu haben als sie draußen zu sehen. Fast pikiert zog sie den Mann aus und begann ihn buchstäblich auszuweiden. Die brauchbaren Organe brachte sie nach Oben in das alchemistische Labor, alles andere warf sie in das Meer und sah zu wie die Wellen verbargen was sie ihnen bot. Unschlüssig musterte sie den Fremden. Obgleich sie nicht zu Hofe aufgewachsen war kam ein gewisser Ekel in ihr hoch. Warum sich die Finger schmutzig machen wenn man nicht wusste ob es denn helfen würde. Fast eine Stunde später siegte die Wissbegierde über ihre Gedankengänge.

Sorgsam verteilte sie eine Tinktur auf der nackten, grauen Haut die der Starre des Körpers entgegenwirkte. Mit den Alchemiehandschuhen die knapp unter der Ellenbeuge endeten war sie gänzlich in die Arbeit vertieft. Fleisch, Muskeln, Knochen. Eigentlich war es nicht schwierig doch wie das Innere nach Außen kehren? Wie sich verwandeln? So viele Möglichkeiten vielen ihr ein. Alle sehr komplex und kompliziert in ihrer Umsetzung. Sie sah die richtige Lösung nicht. Konnte sie nicht erkennen obgleich sie doch eigentlich so einfach war. Stunden zogen sich dahin. Immer mehr und mehr arbeitete sie sich vor. Trug Tinkturen auf und musterte die Veränderungen des Mannes, ihn studierend. Am Abend zog ein ekelhaft süßlicher Geruch durch das Zimmer. Die junge Frau rümpfte die Nase und konnte sich dennoch nicht überwinden den Körper fortzuschaffen. Noch nicht. Sie notierte sich jedes Detail. Hielt fest was sie herausfand, strich bereits geschriebenes und ergänzte die Schriften die Anatomie betreffend. Obgleich sie eine Menge erfuhr das ihr die Bücher nicht hätten offenbaren können war sie am Ende nicht weiter als zuvor. Noch erkannte sie den Wert dessen nicht was sie heute aufgenommen hatte. Spät in der Nacht schaffte sie den Körper nach Draußen. Eine von Iloiss Flüssigkeiten ließen was von ihm übrig war zergehen. Aufatmend wandte sie sich um und begann sich zu reinigen.

Am nächsten Morgen war sie noch vor Sonnenaufgang auf den Beinen. Auch heute würde sie nicht ruhen. Noch war nicht ergründet wie die Zusammenhänge funktionierten. Alsdann sah man sie auf dem Friedhof sitzen. Die Augen geschlossen lauschte sie konzentriert auf die Klänge und Empfindungen um sie herum. Hier würde es leichter sein derlei herbei zu rufen. Dessen war sie sich sicher. Zumindest ein Punkt den sie geklärt hatte. Viel schwieriger jedoch das 'wie' und 'wann'. Ihre Gedanken gingen zurück an die letzte Unterrichtsstunde. Der Meister selbst hatte ihnen die Ehre gegeben. Jago´s Nase. Wie war es von Statten gegangen. War dies nicht das selbe Prinzip? Im Grunde, doch eigentlich. Sie sprang auf. In ihrem hübschen Köpfchen arbeitete es fieberhaft und die wenigen Meter vom Friedhof zu den Katakomben lief sie tatsächlich. Sich diesen dann jedoch mit höchster Vorsicht nähernd begann sie die Verfluchten zu beobachten. Studierte Bewegungen, Verhaltensmuster und nahm über Stunden nichts anderes wahr. Das sie nicht früher daran gedacht hatte. Kopfschüttelnd musste sie schmunzeln. Viel zu kompliziert waren die Gedankengänge gewesen. Wie gut das ihr eine gewisse Nase in Erinnerung geblieben war. So hatte sie doch noch eine Möglichkeit gefunden. Man musste nichts umkehren oder hervor stülpen. Geistige Illusion und weltliches Trugbild waren die Schlüsselworte die ihr auf die Sprünge halfen.

Erst gen Mittag war sie wieder zu Hause. In der Stube nahe des Kamins breitete sie einige Bücher auf dem Tisch aus. Worunter würde eine solche Verwandlung fallen? Wieder Lesen. Stunden hatte sie nun damit verbracht und sich den Kopf zermartert wie die Dinge sein könnten wenn sie nicht so waren wie sie eigentlich sind. Ihre Gedankengänge wären wohl dem Ein oder Anderen mehr als verwirrend vorgekommen aber so war sie nunmal.
Immer wieder wechselte sie zwischen den Büchern. Laß Themen nach und verband sie miteinander. Die 5 Wirklichkeiten in Betracht ziehend, schloss sie letztendlich dass eine derartige Verwandlung unter das weltliche Trugbild, die wahre Illusion fallen müsste. Sicherlich wäre es zumindest im Fall des Skelettes auch als geistliche Illusion möglich doch schien ihr dies zu simpel. Man wollte schließlich keine geringfügige Änderung des Erscheinungsbildes bewirken sondern den Schein gänzlich ändern. Zudem würden ihr die Aufgaben nicht grundlos zusammengestellt worden sein so das eine Verbindung naheliegend war. Von der Nase zum Apfel, ab und an war es wahrlich einfach. Doch nicht immer sollte der leichteste Weg der Einfachste sein. Ganz in Gedanken schlief sie ein die Thematik wohl erst Morgen weiter ausführend.

Verfasst: Freitag 3. November 2006, 12:34
von Lanaya Shevanor
Mitten in der tiefsten Nacht war sie aufgeschreckt. Sie hatte geträumt. Nicht gerade angenehm doch durchaus aufregend. In der Bibliothek zu Rahal gab es tatsächlich eine Dokumentation über den Orden der Arkorither und die Vorfälle zu Tirell. War es verwunderlich das sie nun von Flammen und Blut träumte. Derzeit war kein Ort vor ihr sicher an dem man Wissen sammeln konnte. So oft war sie zwischen den Städten einher gezogen, musste ihr Verhalten anpassen und das Aussehen verändern das sie kaum noch zum Schlafen kam. Es fesselte sie, war ungemein spannend und dennoch hatte sie wieder das Gefühl fest zuhängen, mehr tun zu müssen. Obgleich der Morgen noch nicht einmal graute beschloss sie weiter zu machen. Den Kerzendocht mit den Händen umschließend lauschte sie den Klängen des Liedes ehe sie eingriff und es formte. Hell loderte die Kerzenflamme auf und kurz machte sie sich einen spass daraus diese zu verformen. Diese Illusion viel ihr leicht. Schwieriger und mächtiger war was sie zu lernen hatte. Die Hände bereits auf dem Buch hielt sie inne sich an das Ritual erinnernd.

Das Illusionsritual des Ordens. Salbung hatte damals die Illusion so sehr verstärkt das sie über Tage hielt. Würde eine solche Salbung oder ein Elixier gar das hervorrufen einer wesentlich einfacheren Illusion erleichtern? Sie wusste es nicht doch hing sie wieder an ihrem 'was wäre wenn' zuviele Gedanken, Möglichkeiten ergaben sich daraus das sie dies zunächst einmal hinten anstellte. Erneut wandte sie sich gen Bajard. Unauffällig saß sie in der Taverne und trank ihr Wasser. Einen Augenblick war sie doch tatsächlich nervös geworden. Viola, die Kranke aus dem Schloss saß mit 2 weiteren Frauen am Tisch. Allerdings waren sie so sehr mit den Getränken und Freuden des Lebens beschäftigt das sie wohl kaum wahrnahmen wer sich da näherte. Schmunzelnd gesellte sie sich zu dem alten Krieger. Schon am Tag zuvor hatte sie mit ihm gesprochen. Vielleicht würde er noch nützlich sein. Noch vermochte sie dies nicht zu beurteilen. Heute jedoch sah er heruntergekommen aus. In ein Lumpenhemd gewandet fluchte er das die Spatzen vom Dach aufstoben. Doch irgendwie war es auch schon wieder amüsant. Eine Weile sprachen sie als eine vertraute Aura sie erreichte. Sarog hatte sich auf einer Bank etwas seitlich niedergelassen und sah ihnen zu. Kurz darauf verabschiedete sie sich von dem Herren und wandte sich dem Bruder zu.

Wie einen Fremden sprach sie ihn an. Gewagt fand sie es in der Ordensgewandung offen in Bajard zu sitzen doch sagte sie kein Wort. Sie hatten gemeinsam zu Lythiana gehen wollen doch schien es er hatte sie schon aufgesucht. Eine ganze Weile sprach sie ebenfalls mit ihm. Zunächst als habe sie wirklich nur einen flüchtigen Bekannten vor sich als sie alleine waren wesentlich offener. Doch saß ihr die Zeit im Nacken. So er bereits bei Lythiana war. Sie wollte die Schwester noch aufsuchen. Als die Dämmerung herein brach machte sie sich auf. Einiges hatte sie vor diese Nacht. Mit der Kutsche war Rahal schnell erreicht. Den Weg zum schwarzen Panther kannte sie inzwischen im Schlaf. Kurz sah sie bei Asado vorbei dann jedoch ging es auf direktem Weg zu Lythiana. Auf das Klopfen öffnete diese und sie tauschten sich sicherlich einige Stunden aus. Jago und Lythiana hatten Lameriast aufgesucht. Ein Bindeglied zwischen Burg und Orden, ein Geschenk?! Fassungslos starrte sie Ly an. Hatte sie die Worte wirklich richtig vernommen? Nun denn, es könnte durchaus interessant werden. Warum nicht. Schmunzelnd stellte sie später fest das sie trotz des Umstandes doch zunächst ähnliche Gedanken darüber hegten. Man würde sehen ob sich eine solche Verbindung als nützlich erweisen würde. Bald würde es Zeit für sie aufzubrechen und die letzten Studien die Skelette betreffend abzuschließen. Viel hatte sie bislang herausgefunden. Mehr sogar als sie sich erhofft hatte. Auch wenn dieses 'mehr' wohl weniger mit der Aufgabe als mit dem Orden zu tun hatte. Doch zurück zu den Studien. Lythiana hatte eine ähnliche Beobachtung gemacht, Es schien wahrhaftig so das die Skelette nach Sonnenuntergang wesentlich beständiger waren. Ihnen schien mehr Macht inne zu wohnen so das goldene Auge sich schloss. Dieser Unterschied war nicht unerheblich. Sie war froh das was sie später beobachten konnte diesen Umstand belegte. In den Katakomben wäre es ihr wohl nicht einmal aufgefallen. Auch innerhalb des Mausoleums schien dies keinen Unterschied zu machen. Einzig an der Oberfläche schien es als würden diese Wesen auf Licht und Dunkelheit reagieren. So schien es nicht die Zeit die den Unterschied machte sondern das Licht ? Oder gar beides zusammen? Zufrieden ergänzte sie ihre Aufzeichnungen nachdem sie sich einige war wie es am ehesten sein könnte. Endlich hatte sie alles zusammen was es über diese Knochenwesen zu erfahren gab.

Mit ausgreifenden Schritten ging sie nach Hause und ließ Iloiss einige Zeilen auf dem Tisch liegen die von ihrer Abwesenheit kundeten. Die letzten Tage hatte sie ihn nur kurz gesehen. Schien auch er sehr beschäftigt. Proviant wurde verpackt, die Wasserschläuche aufgefüllt ehe sie sich umkleidete und die Haare veränderte. Lange war es her seit sie als Amalie unterwegs war. Auf der Fahrt nach Menek´ur ruhte sie sich aus und schlief sogar einige Zeit. Nicht einzig allein das Salz hatte sie zur Insel gezogen. Gleichsam galt es einer Bitte nachzukommen. Verwundert zog sie die Brauen hoch als ein Fremder sich näherte und nicht wie sonst in der freundlichen Art der Menekaner grüßte. Sie war durch diese Begebenheit etwas aus dem Trott gebracht doch fing sie sich rasch als ein zweiter Mann sich näherte. Er hingegen hatte ein freundliches Lächeln im Gesicht die Zähne blitzen ihr entgegen. Er fragte ob sie Amalie sei und nachdem sie bejaht hatte gingen sie in die Stadt. Auf dem Basar herrschte wie immer reges Treiben und obgleich sie sich umsah konnte sie diesmal keines der Tiere entdecken.

In aller Ruhe streifte sie die Sandalen ab und setzte sich auf eines der Sitzkissen. In anderer Umgebung und Gesellschaft wäre es unsittlich gewesen seinen Knöchel zu entblößen doch hier ließ es sich gar nicht wirklich vermeiden. Bei den ersten Besuchen der Insel hatte sie sich noch daran gestört. Inzwischen wusste sie jedoch was es anzuziehen galt um dem Sonnenbrand zumindest etwas entgegen zu wirken und welche Floskeln zu erfüllen waren. Saheeb aus dem Hause Masari vertrat Zaina heute. Sie kannte ihn noch nicht das machte die Forschung nicht leichter. Im Gegenteil es war enttäuschend. Er konnte ihr nicht viel zu den Echsen der Wüste erzählen. Es seien stolze Tiere. Nur Verdiente des Emirs würden ein solches erhalten. Darauf wollte sie doch gar nicht hinaus. Aber auf die Frage was sie fressen würden und unter welchen Bedingungen sie lebten erfuhr sie nichts was von Nutzen gewesen wäre. So also tätigten sie nur den Handel. Sie gab sich weiterhin durchaus freundlich, lächelte viel und war dennoch froh die Insel verlassen zu können. Auf dem Schiff glich die Miene wieder einer Statue. Lythiana und Sarog würden andere Wege finden müssen mehr über diese Wesen zu erfahren. Doch das Wenige was der Menekaner ihr erzählt hatte würde sie weitergeben.

Verfasst: Mittwoch 8. November 2006, 20:10
von Lanaya Shevanor
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Zurück auf dem Festland

Endlich wich die Nacht dem Morgen und die ersten Ausläufer Bajards kamen in ihr Sichtfeld. Wach geblieben stand sie an Deck des Schiffes wie eine Statue ihrer selbst. Sie hätte ohnehin nicht schlafen können und auch reden wollte sie nun nicht. Dem Kapitän einige Münzen reichend verließ sie noch vor Lythiana das Schiff und machte sich nach kurzem Abschied davon. Eilig trugen ihre Füße sie bis zur Kutsche und erst dort gab sie sich eine Blöße und lehnte sich müde an deren Wand. Die letzten Tage hatten an ihren Kräften gezehrt. Dennoch war sie zufrieden. Zu Hause lag auf gutem Pergament eine Auswertung der Studien die Verwandlung in ein Skelett betreffend so das sie sich nun aufmachte der zweiten Thematik nachzugehen.

Gargoyles.
Sie selbst war schon einmal vor derlei Wesen gestanden. Im Grunde waren sie wesentlich interessanter als ein wandelnder Knochenhaufen und dennoch boten sie weniger Möglichkeiten. Ein Skellet hatte zumindest die Anatomie betreffend noch etwas 'menschliches' an sich aber diese Getiere? Noch sollte sie diese Aufgabe aus ihren Gedanken bannen und sich damit befassen so sie dort war. Erst einmal suchte sie einige Stunden Schlaf. Erst zu später Stunde war sie wieder auf den Beinen und begann sich verschiedenste Sachen zurecht zu legen. Zum einen etwas Pergament, verschiedene Phiolen und einige scharfe Dolche. Das Meiste verstaute sie in den Gürtelschlaufen oder in einem der vielen Beutel die am Gurt platz gefunden hatten. Einen der Dolche steckte sie in den Stiefel und dann konnte es losgehen. Sie wusste genau wo sie hin wollte. Nicht umsonst war sie die letzten Tage in der Taverne gewesen. Für dieses Unterfangen benötigte sie jemanden den man vor schicken konnte. Wie einen Bauern auf dem Schachbrett. Waren es doch die Figuren auf die man am Ehesten verzichten konnte.

Den „Bauern“ hatte sie sich sorgsam gewählt. Ein alter Seebär, schon etwas in die Jahre gekommen der sein Glück als Abenteurer versuchte. Er besaß Schwert, Rüste, Muskeln und eine schneidende Zunge. Eigentlich perfekt. Nun würde man sehen ob ihre Künste die Überredung betreffend ausreichen würden für den Bären den sie ihm aufzubinden gedachte. Hoffentlich schlug er sich mit dem Schwert ebenfalls so gut wie mit seiner Zunge. Bajard kam ein zweites Mal an diesem Tage in ihr Blickfeld. Die rote Robe umflatterte sie im Wind und bedächtig langsam Schrittes ging sie des Weges. Mal sehen ob er anzutreffen war.

Verfasst: Samstag 11. November 2006, 00:29
von Ortus
Brummelnd und mies aufgelegt leiteten ihn seine Schritte in die Bajarder
Taverne. An welchem Ort sonst könnte er sich seiner schlechten Laune
entledigen und womöglich auch einen Kameraden treffen um ein kleines
Gespräch über Waffen und Rüstungen zu führen.
Mit unverständlichem gebrabbel welches in seinem Bart verloren ging
betrat er das kleine hölzerne und auch etwas zwielichtig wirkende
Häuschchen und warf dem Wirten Farian einen freundlichen Gruss entgegen.

Bier!

Lautete sein Wortlaut dabei. Keine Minute dauerte es bis sich eine gesprächs
willige Person zu ihm setzte. Wie war nochmal ihr Name verdammt?
dachte er sich während des ganzen Gespräches bis ihm einfiel dass er sich selbst
noch gar nicht vorgestellt hatte. Jedenfalls war er froh wenigstens Gesellschaft
von jemandem zu haben, dem er nicht gleich Kreise um die Augen zaubern wollte.
Es fiel ihm gleich anfangs auf dass ihr bestimmt etwas am Herzen liegt jedoch war der
Tag bereits zu fortgeschritten und die konsumierte Alkoholmenge während des Tages zu hoch
als dass er auf diese Gedanken weiter eingegangen wäre und somit begann
der obligatorische Smalltalk. Beim 'Wie geht es euch' blieb es auch
nicht mehr all zu lange. Er hatte sie etwas zynischer in Erinnerung oder liess bloss der
Wein wie immer die Frauen ein wenig 'netter' wirken.
Wie sie aufgelegt war schilderte sie ihr Problem grob und ein Gefühl in ihm
sagte dass sie genau das bewirken wollte. Er hatte zwar bereits eine
gewisse menge intus jedoch würde ihr verhalten sogar ein gemolkener
Ochse bemerken. Seine gutgläubigkeit und auch ein wenig Naivität
brachten ihn jedoch ohne groß Fragen zu stellen dazu sich ihrer
anzunehmen. Was sollte so eine kleine unschuldig aussehende Person
schon schlimmes im Schilde führen? Vor allem gegen jemandem seiner
Statur gegen den die meisten Männer im Armdrücken den kürzeren ziehen.
Schnell war der entschluss gefasst und sogleich begab er sich in richtung
der Bank um seine Ausrüstung zu holen. Fuchtelnde Wesen seien das
Ziel ihrer 'Studien'. Ihrerseits war es gar nicht nötig gewesen diskretion
zu wahren da er selbst in der kurzen Zeit seines Aufenthaltes auf Gerimor
schon viele Personen traf, die ein Geheimnis um nichtigkeiten machten
um die er sich wirklich nicht scherte. Sie brauchte lediglich jemanden der
ihr diese Wesen fern hält solange sie sich mit ihnen auseinander setzt und
das sollte wohl nicht all zu schwer sein. Die Sachen gepackt brachen das
eher ungleiche Paar auf und kurz vor dem Eingang war es bereit die Magie
resistente Rüstung anzulegen. Der Waffengurt um seine Brust bot ein
seltsames Schauspiel dar aus materialien aller Arten und kurzerhand
entschied er sich aufgrund der erhöhten anzahl an Skelette am und im
Zielbereich für eine Silberne Keule und einem Turmschild.
Schnell waren die Überreste bereits besiegter Soldaten die ihre ewige ruhe
nicht fanden besiegt und der Weg ins innere der Höhlen war frei für beide.

Verfasst: Sonntag 12. November 2006, 12:02
von Lanaya Shevanor
Den überaus zufriedenen Blick hatte sie nicht verbergen können.
Genau das hatte sie erreichen wollen. Sie konnte so unschuldig sein wenn sie wollte, es war geradezu erschreckend. Obgleich das kantige Gesicht sonst eher abweisend und verschlossen war setzte sie an diesem Abend doch tatsächlich auf ihre weiblichen Stärken. Ein freundliches Lächeln hier, ein neckender Blick da nur um letztendlich die entscheidenden Figuren auf das Spielfeld zu bringen. Sie hatte sich nicht getäuscht. In der Tat hatte sie einen kräftigen Mannen dazu gebracht den Pfad für sie zu bereiten. Die rote Robe war nicht ungewohnt für sie. Oftmals hatte sie darauf zurückgegriffen wenn es galt andere für ihre Zwecke einzusetzen die sonst nicht einen Finger für jemanden wie sie krumm gemacht hätten.

In den tieferen Gefilden wurde es zusehends unangenehmer. Verschiedenste Klänge drangen an ihre Ohren. Hier Unten war die Welt keineswegs schlafend. Überall fand sich Magie und ihre Spuren. Sich stets hinter dem Krieger haltend half sie ihm nicht wenige Male. Noch brauchte sie ihn. Es galt aufzupassen das er überlebte bis sie am Ziel war. Offen gab sie ihre Kräfte dieses Mal nicht preis. Er bemerkte nicht einmal wie sich ein schützender Film über seine Rüste legte. Zog keine Schlüsse als sich die Kreaturen wesentlich langsamer und schlaffer bewegten. Sah nicht einmal wenn sie genüsslich zusah wie die verschiedenen Wesen auf Schmerzen reagierten. Doch alles sichtliche was selbst für diesen Fremden offensichtlich gewesen wäre ließ sie bei Seite. Sie spielte ihre Rolle wie sie glaubte das er es erwartete. Ruhig, bedacht und aufmerksam beobachtete sie. Eine solche Begleitung war selten und überrascht musste sie feststellen wie angenehm es doch sein konnte. Sie hatte im Hintergrund ihre Ruhe. Konnte sich gänzlich auf das Lied konzentrieren, es formen und biegen ohne stets darauf bedacht sein zu müssen irgendetwas auszuweichen und die Verbindung dabei nicht zu verlieren. Wahrlich, entspannend.

Sie kamen gut voran. Keines der Wesen das sich ihnen entgegenstellte vermochte es das ungleiche Paar aufzuhalten. Immer tiefer drangen sie ins Erdreich vor. Die Hitze hier Unten war beunruhigend. Obgleich das Gestein zuvor noch eine gewisse Kühle verstrahlt hatte wurde es nun mit jedem Schritt wärmer. Ein unseliges Grollen durchzog den Tunnel und Beide blieben wie angewurzelt stehen. Die Körper einiger Hunde durchzogen die Gänge hinter ihnen. Diese leidigen Biester mit ihren roten Augen und dem geifernden Gebiss. Nun war sie froh darum Ortus bei sich zu haben. An seiner Rüste bissen sich diese Kreaturen buchstäblich die Zähne aus. Doch dieses Grollen, gab ihr zu denken. Konnte dies das Ziel sein? Nein, so groß waren diese Wesen nicht als das sie solche Laute...
Ihr Gedankengang wurde jäh unterbrochen als der Boden unter ihren Füßen erschauderte. Ein dumpfer Ton erklang als würde etwas sehr großes sich fortbewegen und nun spürte sie die Erschütterung des Bodens deutlich durch das Leder ihrer Stiefel. Auch die Aura dessen was auf sie zukam war deutlich zu vernehmen und kurz wechselte sie einen Blick mit dem Krieger. Er würde nicht weichen. Lächelnd stellte sie für sich selbst fest das sie diesmal wahrlich eine gute Wahl getroffen hatte und sie beschloss bei Zeiten darauf zurück zu kommen. Der Kampf der sich wenige Liedschläge später entbrannte war alles andere als langweilig. Schläge prasselten auf den Dämonen nieder. Schmerz durchzuckte seine Glieder und nachdem sie beide völlig verschwitzt doch stolz über den toten Leib gebeugt standen konnte sie nicht umhin einen gewissen Respekt für den Mann zu empfinden.

Nach kurzer Rast ging es weiter. Immer tiefer und tiefer unter die Erde. Längst schon hatten sie keinen mutigen Abenteurer mehr getroffen. Hier in diese Bereiche wagten sich wohl die wenigsten. Noch gute 2 Stunden kämpften sie sich durch unbekannte Gefilde. Die verschiedensten Kreaturen hausten hier und reagierten nicht gerade freundlich auf die Besucher. Dann endlich, als sie sich schon zu fragen begann wann sie endlich am Ziel angelangt waren, sah sie ihn. Sofort verwarf sie die Gedanken die sie am Vortag gesponnen hatte. Dieses Wesen glich einem Menschen doch viel mehr als man zunächst annehmen wollte. Füße, Arme waren über und über mit Muskeln besetzt. Am Rücken zwei kräftige Schwingen deren Ende mit einer Klaue nichts Gutes verhieß. Ruhig sah sie zu wie Krieger und Gargoyle im Kampf verschlungen miteinander rangen. Studierte die Bewegungen und vergaß ganz dem Fremden zu helfen. Die Haut des Wesens hatte eine seltsame Färbung und schien an den Augenbrauen fast etwas schuppig. Die Hände und Füße waren durch kräftige Klauen ersetzt und das Grollen das sich der Kehle des Gargoyles entrann holte sie endlich aus ihren Gedanken. Etliche Wunden zierten den Körper 'ihres' Studienobjektes' bereits. Höchste Zeit einzuschreiten. Ohne mit der Wimper zu zucken oder gar den Krieger vorzuwarnen löste sie einige Phiolen von ihrem Gurt. Sorgsam aufbewahrt genau für diese Situation zerbrachen sie fast vor den Füßen der Kämpfenden.

Grünlicher Rauch wallte auf und schien die Beiden in einem Strudel einzuhüllen ehe das Grün einem grellen Gelb wich und letztendlich verschwand als wäre nie etwas gewesen. Beide, Mensch und Gargoyle, standen sich in kampfbereiter Haltung gegenüber. Doch einzig die Schritte der Magierin hallten nun durch das Gefilde. Als hätte sie die Zeit angehalten hatte das Elixier seine Wirkung nicht verfehlt. Gänzlich erstarrt und steif herrschte nun fast eine gespenstische Stille. Endlich konnte sie sich in aller Ruhe mit dem Wesen befassen.


[img]http://nachbarslumpi.na.funpic.de/UO/Gargoyle.JPG[/img]

Verfasst: Freitag 17. November 2006, 11:52
von Lanaya Shevanor
... und sie tat es...

Tastend fuhren ihre bleichen Finger wie lange, dürre Spinnen über den Körper des Gargoyles. Er war recht warm und die Haut fühlte sich ledrig an. Selbst die Flügel waren kompakt und auf gewisse Art und Weise kräftig. Nicht einen Liedschlag zweifelte sie daran das dieses Wesen einiges mit seinem Klauen zerfetzen konnte. Viel ließ sich jedoch in diesem Zustand nicht herausfinden. Einige Male umrundete sie das ungleiche Paar. Überlegung um Überlegung wurde gesponnen.

Wo waren die Unterschiede?
Was die wichtigsten Merkmale?

Viele Fragen schossen ihr durch den Kopf. Worauf würden Andere achten? Abermals rief sie sich die letzten Diskussionsstunden ins Gedächtnis. Jago, worauf würde er achten? Unweigerlich bildete sich nun doch ein recht anzügliches Grinsen auf ihren Zügen als sie den Gargoyle erneut musterte. Sie konnte keine geschlechtlichen Merkmale erkennen die dieses Wesen als männlich oder weiblich ausgezeichnet hätten. Rein optisch gesehen erschien es ihr eher männlich. Doch war dies wohl auch kaum ausschlaggebend. Worauf würde Lythiana achten? Kurz schweifte ihr Blick über den Krieger ehe sie ihn auf die Umgebung richtete. Jeden Stein, jede Flechte und die Gerüche ließ sie auf sich wirken. Obgleich es wohl kaum angebracht war sich in dieser Umgebung Notizen zu machen kratzte alsbald ihre Feder über ein Stück Pergament. Sie hatte die Ruhe weg. Alles was ihr bislang als wichtig erschienen war wurde festgehalten.
Woran würde Sarog denken? Augen wurden verengt als sie angestrengt an die Expedition im Sumpf dachte. Sarog wusste viel. Er war nicht zu unterschätzen. Lebensweise und Verhaltensmuster. Das war es womit sie ihn in Verbindung brachte. Iloiss würde vermutlich die Zusammenhänge untereinander erforschen. Schmunzelnd wartete sie bis die Schrift getrocknet war. Einst hatten die Arkorither ihre Waffen am Abend vor den Schlachten mit ihrem Blut getränkt und die Wunden über Nacht geheilt. Hier jedoch war es nur ein kleiner Einstich. Rasch ward verschwunden was zuvor noch als Tinte dienlich gewesen war. Es war Zeit dem Schauspiel weiter beizuwohnen. Fast schon bedacht wirkten ihre Bewegungen als sie abermals eine Phiole von ihrem Gurt löste. Sie trat einige Schritte zurück und warf sie mit Schwung auf die Rüstung des Kriegers. Ihn hüllte der Rauch zuerst ein. Dann jedoch erreichte er gleichsam den Gargoyle. Ein Brüllen durchzog den Gang und kurz darauf waren die Kämpfenden wieder ineinander verkeilt als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben.

Sie sah zu.

Bewegungen folgten so rasch aufeinander das man Mühe hatte ihnen zu folgen. Klauen trafen auf Stahl und mit einem Mal nahm sie eine Veränderung im Lied wahr. Etwas griff in die Melodien ein. Zog an ihren Strängen und formte sie. Seltsam vertraut schien es ihr und die Neugier trieb sie dazu das Wesen nicht in seinem Tun zu unterbrechen. Die Wirkung jedoch war verheerend. Der Krieger taumelte zurück. Mit einem lauten Klirren vielen Schild und Waffe zu Boden und er presste die Hände an seine Schläfen. Wo nur hatte sie dies schon einmal gesehen. Sie hatte keine Zeit sich zu überlegen wo sie derlei schon beobachtet hatte. Der Gang wurde in etliche Rottöne getaucht als ein Flammenball auf sie zuflog. Geschickt wich sie aus und setzte sich zur Wehr. Nun endlich bekam sie selbst mit dem Wesen zu tun. Spürte seine Kraft am eigenen Leib und musste auf sein Verhalten entsprechend reagieren. Es ging alles recht schnell. Erschöpft war der Gargoyle trotz des langen Kampfes nicht. Dennoch er rechnete nicht damit das sie ebenfalls eine war die den Klängen des Liedes lauschte. Ihre Magie traf ihn vollkommen unvorbereitet und nach wenigen Angriffen ging er zu Boden. Fasziniert sah sie zu wie sich in den letzten Atemzügen die Flügel zusammen falteten und das Maul zu einem stummen Schrei aufgerissen wurde.

Breitbeinig stand sie da die Hände noch immer gehoben als würde sie damit rechnen das er noch lebt. Dann jedoch klang ein irres Lachen an ihr Ohr und sie wirbelte herum. Der Krieger stand ihr gegenüber. Seine Augen wirkten seltsam stumpf und mit einem Mal viel es ihr wie Schuppen von den Augen. Bei Lythiana hatte sie einst ähnliches beobachten können. So sie sich noch nicht sicher gewesen war, war sie es doch im nächsten Moment als er von Schweinen und Chitinwesen sprach. Halluzinationen plagten ihn, interessant. Sicher das dieser Zauber bald vergehen würde führte sie ihn kurzerhand zu einer Nische. Hier konnte er verweilen während sie sich wichtigeren Dingen zuwandte. Neben dem toten Gargoyle ging sie auf die Knie. Sorgsam studierte sie das Gesicht ehe sie tastend über einige schuppig wirkende Hautstellen fuhr. Jedes Detail nahm sie in sich auf. Es war wichtig zu wissen wie etwas funktionierte wenn man es für sich nutzen wollte. Von der Optik einmal abgesehen. Diese musste ohnehin so perfekt sein das man etliche Augen damit täuschen konnte. Erst als der Krieger wieder bei sich war wurde sie unterbrochen. Wie lange war sie da gesessen und hatte sich mit dem Wesen befasst. Sie wusste es nicht. Doch ihr Körper verlangte nach Schlaf. Darauf trainiert solchen Bedürfnissen nicht nachzugeben rappelte sie sich anmutig auf.

Eisblaue Augen deren blick so kalt sein konnte als würde sie gerade jemanden töten, funkelten den Krieger nun mit einer gewissen Faszination an. Die Unschuld die sie in Bajard an den Tag gelegt hatte, war wohl längt verloren. Es war ihr gleich. Er hatte sich täuschen lassen und war dienlich gewesen. Sehr dienlich sogar. Obwohl sie nicht damit gerechnet hatte das er diese Expedition überleben würde war sie nun nicht in der Laune ihn zu töten. Wozu? An vieles würde er sich ohnehin nicht erinnern und vielleicht, würde sie ihn eines Tages wieder für ihre Zwecke nutzen können.

So also ging es auf nach Hause.
Es galt die richtigen Schlüsse zu ziehen um die Aufgabe bald möglichst abschließen zu können.

Verfasst: Montag 20. November 2006, 18:40
von Lythiana Cronor
Interessiert beugte Lythiana sich nach vorne und betrachtete die Phiole, welche die Schwester soeben auf den Tisch gelegt hatte. Sie schien gefüllt mit... Haaren? Dicke, ineinander verworrene Haare, an denen auch noch die ein oder anderen Partikel anderer.. Substanzen hingen. Leicht schüttelte es die junge Maga, als die Schwester ihr ihren Verdacht bestätigte: Es handelte sich um Barthaare eines Zwerges. Ein wenig Wasser hätte jenem Exemplar sicherlich gutgetan... Mit einem halb amüsierten, halb anerkennenden Lächeln lauschte die Arkoritherin Lanayas Bericht. Eine beachtliche Leistung, ganz sicher. Sie konnte nur hoffen, dass Lanaya genug Wissen daraus gezogen hatte.... schließlich würde es um ihren Verstand gehen.

Nachdem Sarog sich zurückgezogen hatte brachen die beiden Frauen von der Festung des Ordens gen Lythianas neuem Heim auf. Das Haus war leer, doch gab es gewisse Hinweise darauf dass die junge Arkoritherin es nicht alleine bewohnte - eine dunkelrote Robe beispielsweise, achtlos aufs Bett geworfen, welche ihr selbst ein gutes Stück zu klein gewesen wäre. Lanaya bemerkte diese Hinweise vermutlich auch, stellte jedoch keine einzige neugierige Frage - ein Wesenszug, den Lythiana sehr an ihr schätzte. "Schwester.... ich muss dich um einen Gefallen bitten. Und zwar möchte ich, dass du das, was du vor einigen Tagen mit Jago geübt hast... einmal mit mir durchführst." sprach Lythiana, nachdem beide sich am Tisch niedergelassen hatten. Ein wenig überrascht war die Schwester wohl, auch wies sie deutlich darauf hin, dass sie jene Lektion noch nicht vollendet hatte - und doch erklärte sie sich letztlich dazu bereit. Sie setzte sich gerade hin und sah Lythiana tief in die Augen...

Wenig später, nach diesem sehr lehrreichen, aber auch alarmierendem Erlebnis, war es an der Zeit, der Schwester den Gefallen zu vergelten. Lanaya bat sie darum, sich ihren Vortrag über die Verwandlung in Gargoyles und Skelette anzuhören - und bereitwillig erfüllte Lythiana ihr diesen Wunsch. Mit einem Glas Wein in der rechten Hand lehnte sie sich zurück und lauschte. Das Referat stellte sich als durchaus interessant heraus, war so gehalten, dass auch sie als Nicht-Illusionistin problemlos folgen konnte. Es bestärkte sie, zusammen mit der vorausgegangenen Erfahrung, darin, sich in Zukunft stärker als bisher mit den Lehren der Illusionsmagie auseinander zu setzen... auch wenn ihre Begabung auf einem anderen Gebiet lag. Was konnte es schaden, Wissen anzuhäufen...?

Verfasst: Dienstag 16. Januar 2007, 01:32
von Lanaya Shevanor
Vor einigen Tagen war es endlich soweit. Das unscheinbare Schiff legte an und eine nicht weniger unscheinbare Dame hastete von Deck. Ohne sich mit Banalitäten aufzuhalten machte sie sich auf den Weg nach Hause. Viel hatte sich hier nicht verändert. Ihre Bücher waren an den gewohnten Plätzen, das Haus ordentlich und warm. Faul wurde der Umhang über einen Sessel geworfen und sie setzte sich vor den Kamin. Die Beine bequem eingeschlagen sah man ein Buch auf ihren Schenkeln liegen welches wohl recht fesselnd war da sie sich kaum regte.

Stunden später stand die junge Frau geschmeidig auf und begann unruhig umher zugehen. Nun plötzlich hätte sich einem möglichen Beobachter ein gänzlich anderes Bild gezeigt. Unruhig warf sie die hellen Haare, die kaum in Kontrast zu ihrer blassen Haut standen, zurück. Wahrlich, die Zeit der Studien und ihre Kindheit ließen immer mehr ihre Spuren zurück. War dies gar der Preis den sie für ihre Kraft zu zahlen hatte? Nachdenklich zog sich eine tiefe Furche über die Stirn und lautlos murmelte sie unverständliche Worte vor sich hin. Dann jedoch hielt sie es nicht mehr aus. Genug gewartet. Sie wollte ihre „Familie“ sehen, jetzt, sofort. Schwer hing der Mantel von den zierlichen ja fast knochigen Schultern bis auf den Boden. Mühsam stapfte sie durch den winterlichen Schnee und brauchte wesentlich länger als gewohnt zu ihrem Ziel. Viele Orte waren ihr nicht eingefallen wo sie um diese Zeit einen der Brüder oder gar Ly antreffen konnte. Einen Ort jedoch hatte sie aus den Aufzeichnungen Iloiss ganz deutlich erkannt. Sie selbst war vor langer Zeit dort gewesen. Damals hatten sie nicht gewagt den eingeschlagenen Pfad zu Ende zu gehen doch wie würde es diesmal aussehen? Was hatten sie die Arkorither angeeignet in ihrer Abwesenheit?

Obgleich sie neugierig war hätte ein Fremder aus ihrem Gesicht nichts lesen können. Starr wie eine Maske lag es im Schatten der weiten Kapuze. Einzig die nun ausgreifenderen Schritte mochten sie verraten. Endlich an ihrem Ziel angekommen sah sie sich um. Der Weg vor ihr war frei und so ging sie vorsichtig doch rasch in Richtung des Dämonenfürsten. Weibliche Intuition schlägt selten fehl sagt man. Auch hier hatte sich diese Feststellung als wahr bewiesen. Wenige Meter vor ihr standen 2 Gestalten die ihr inzwischen sehr vertraut waren. Ihre Freude nicht verbergend ging sie ohne zu zögern auf die Beiden zu. Rasch wurde sich ausgetauscht soweit es an diesem Ort möglich war und wenig später war sie im Bilde. Gewagt was die Beiden vorhatten. Tödlich doch faszinierend.... längst schon konnten sie sterbende Menschen oder gar Wesen nicht schrecken. Der Tod war für sie ebenso verständlich wie das Leben. Man konnte von ihm lernen. Früh hatte sie diesen Vorteil für sich erkannt und nicht wenige Male hatte sie ihn ausgenutzt. Viele Arten gab es zu lernen und nicht wenige hatte sie für sich gewählt. Bevor die 3 Magier jedoch die Studie weiter treiben konnten wurden sie gestört. Einige Mannen der Burg sowie eine Templerin waren auf ihre Gruppe getroffen.

Auch hier wurde sich ausgetauscht. Eine Einladung zu einem Treffen am Tag der Sonne hinterlassend zogen sich die Neuankömmlinge zurück. Wieder unter sich begannen die Magier mit ihren Vorbereitungen. Viel konnte sie ihren Mitbrüdern nicht helfen. Waren doch hier die Möglichkeiten einer Beschwörung wesentlich wirkungsvoller als eine Beeinträchtigung des Geistes. Zu mächtig schien das Wesen vor ihr. Zu viel das sie noch nicht in der Lage war zu verstehen. Aufmerksam sah sie zu wie die Beiden ihre Vorbereitungen trafen und half wo sie konnte. Mochte sein das sie selbst glaubte hier nichts ausrichten zu können. Der Zusammenhalt wurde deswegen noch längst nicht gemindert.

Wesentlich später sah man die drei Magier zusammenstehen und der Gestik zufolge unterhielten sie sich rege. Der Wind spielte mit den Mänteln und Roben ehe die drei sich trennten und ihrer Wege gingen. Sie selbst begleitete Iloiss nach Hause wo beide sich bald zur Ruhe begaben. Am nächsten Morgen war sie früh auf den Beinen. Ihre alten Unterlagen bedurften dringend einiger Aufmerksamkeit. Stunden brachte sie damit zu Pergamente zu sortieren und auszubessern. Bereits zur Mittagszeit flogen im ganzen Zimmer Abschriften umher. Einige handelten von den verschiedenen Magiezweigen, Reagenzien die halfen die Sinne zu vernebeln, Gifte die sie eigens für Jago´s 'Kaffekränzchen' zusammengebraut hatten und und und...
Auch die Aufzeichnungen die Verwandlung betreffend wurden ergänzt. Vieles hatte sich zugetragen und nicht wenig hatte einige Thesen widerlegt. Sie dachte an den Abend zurück an dem sie mit Lythiana tief in die Mentalmagie eingegriffen hatte. Mit dieser Erinnerung kam eine wesentlich unangenehmere zurück und rasch vertrieb sie den Gedanken. Fast hätte er Zu viel gesehen doch sein Versprechen hatte er nicht gebrochen was sie ihm selbst jetzt noch hoch anrechnete. Vermutlich wusste er es nicht doch hatte er sich an diesem Abend einen Funken vertrauen gesichert. Die Abendsonne erhellte das Fenster und seufzend überblickte sie die verschiedenen Wälzer. Inzwischen war sie fast fertig. Stunden später sah man sie mit einem Buch den Raum verlassen. Dieses vorsichtig haltend war für Jedermann offensichtlich das es sich hierbei um etwas besonderes handeln musste.

Verfasst: Dienstag 16. Januar 2007, 17:12
von Sarog Pilyan
Iloiss und Sarog waren in den wenigen Tagen, die sie intensiv miteinander verbrachten zu einem hervorragenden Team geworden. Sie waren eingespielt und konnten sich schon mit Gestiken und der Mimik deuten, wenn sie etwas voneinander brauchten. Sie hatten sich gerade von der Einheit der Eisenwartler verabschiedet, als sie begannen ihre Umgebung zu untersuchen. Beide spürten die Anwesenheit einer mächtigen Kreatur, als Sarogs Blick auf die junge Schwester viel, konnte er nicht deuten, ob sie denn genauso empfand. Der Bruder, wie auch Sarog selbst wollten diese Kreatur genaustens untersuchen und so wurde das Tor geöffnet, wohinter sich der riesige Dämon befand. Ein wahres Monstrum, keinem Feind hätte er jemals gewünscht aufgespießt auf dem schwarzen Schwert zu enden...Obwohl, vielleicht Rafael, oder seine kleine Freundin. Sarog grinste bei dem Gedanken, musste sich ab nun konzentrieren, denn der Kampf sollte beginnen. Mit lautem Gebrüll, riefen die beiden Arkorither ihre Truppe zum Angriff, während sich Lanaya im Hintergrund aufhielt, und scheinbar genaustens alles dokumentierte.

Der Kampf war bitter und hart, das Wesen war scheinbar solcher Angriffe gewohnt und riss das Schwert herum, dass Sarog allein schon froh war, dem nachkommendem Windhauch fortzukommen. Seine persönlichen Diener, die beiden Höllenhunde Shir und Rash kämpften verbissen und rissen hier und dort Fleischstücke aus dem Leib, die tropfend zu Boden fielen. Beide Männer, des Status Magus, schleuderten ihre Energieblitze konzentriert gegen den Balron, der vor Wut raste, in hastigen, taumelnden Bewegungen ganze Stalagmiten umriss. Wenig später lag er tot vor ihnen und beide konnten sich über den Leichnam beugen. Die Aufzeichnungen begannen. Anatomie, Verhaltensweise und die resultierende Erfahrung aus dem Kampf wurden sorgfältig in den Büchern niedergeschrieben, ehe sich die Gruppe wieder aufmachte, um den Ort zu verlassen.

In den nächsten Tagen kamen sie der Einladung nach, um Burg Eisenwart anzusehen. Sarog hatte sie sich irgendwie doch etwas größer und prächtiger vorgestellt, aber vielleicht konnte es diese Burg gar nicht geben, die er sich im Kopf zusammenschusterte. Sie wurden distanziert aber freundlich empfangen, so wie es auch Sarog gutheißen konnte. Auch die Verhandlungen waren auf freundschaftlicher Basis. Als Sarogs Blick dann abermals über Lanayas Gesicht strich erkannte er deutlich, dass ihr etwas nicht gefiel, als sie dann dem Verhandlungspartner erklärte, dass ihr nicht passe, dass man nicht alle Anwesenden vorstelle, wurde dies eilig nachgeholt. Schwer zu deuten, aber Sarog hoffte für sich und die Burgbewohner, dass sie dadurch zufriedengestellt war. Denn wenn er eines wusste, dann war es die Tatsache, dass die junge Schwester nur schwer etwas vergessen konnte.

Dieser Tage hatte er die junge Illusionistin genaustens beobachtet und er musste wirklich sagen, dass sie an Reife gewonnen hatte. Das Gesicht wurde oft etwas strenger und nachdenklicher, aber hier kannte er sie wohl nicht anders. Immerzu trockene Mimik und die kalten blauen Augen, die bloß nichts freigaben über die Natur der jungen Dame. Sie würde eine hervorragende Schauspielerin geben, sollte die nächsten Pläne in Erfüllung gehen. Gefühle vortäuschen konnte sie.