Träume und andere Alltäglichkeiten
Verfasst: Montag 4. September 2006, 21:43
Der Sonnenaufgang kam und ging an diesem Tag in trübem Dämmerlicht, ihm folgte die alltägliche Geschäftigkeit Varunas. Der Besitzer der kleinen Herberge im Osten der Stadt war wie stets seit dem ersten Morgengrauen auf den Beinen um die Bedürfnisse seiner Gäste zu befriedigen. Durch die Nähe zum Schloss stiegen nicht selten Adelige in seinen Räumen ab, und so war er an herrschaftliches Gebaren und ausgefallene Wünsche gewöhnt. Umso mehr war er über die kleine Baroness erstaunt, die meist schon die Treppe herabstieg wenn er gerade sein Tagewerk begann. Ihr freundlicher Gruß, die kurzen Wortwechsel waren zu einer täglichen Morgenroutine geworden – doch an diesem Morgen schien sie ihr Zimmer nicht verlassen zu haben. Als die Sonne höher stieg und noch immer kein Lebenszeichen sichtbar wurde, rief er eines der Zimmermädchen zu sich. Ob die Lady, die im blauen Zimmer logierte, gestern nicht zurückgekehrt sei? Er erntete einen verständnislosen Blick, dann ein amüsiertes Glucksen. Die junge Lady von Wolfenfels wäre gestern mit Sir Llastobhar zu später Stunde heimgekehrt, wie auch schon in der Nacht zuvor. Mit einem väterlichen Lächeln zur Zimmerdecke empor schüttelt er den Kopf. Nein, diese Jugend heute.
Eine Etage höher ging Ariana unruhig in ihrem kleinen Zimmer hin und her. Die mit rotem Feuer angehauchten Locken, noch wirr vom Schlaf umrahmten ruhelose Züge. Zwei leere Weingläser standen noch auf dem Tisch, dazwischen lag ein angefangener Brief, den sie von Zeit zu Zeit mit missmutigem Blick streifte. Vor zwei Tagen hatte sie begonnen die üblichen Zeilen an ihre Eltern zu schreiben, plaudernd von den Geschehnissen in der Stadt zu berichten. Doch nun ruhte die Feder über dem kleinen Tintenfass, obwohl dort noch leerer Raum für viele Worte gewesen wäre. Obwohl es so vieles zu berichten gab.
Was half einem Titel und Etikette gegen die Macht eines einzelnen Kusses, einer verträumten Nacht unter dem verschwiegenen Sternenhimmel? Ihre Ruhe, ihre Selbstsicherheit schmolz dahin unter seinen Lippen und ihr Herz öffnete verstohlen seine innersten Kammern. Ihr Verstand hatte wohl seine Einwände, aber was waren diese verglichen mit dem tiefen Glück, dem Versprechen nach Wärme und Nähe. Und ein Satz, wenige Worte ausgesprochen von dieser sanften Stimme, die eine verborgene Saite in ihr zum Klingen brachte ließ auch den Verstand schweigen.
Ich möchte meiner Familie von dir erzählen Ariana.
Es war ein Traum, und zugleich doch Wirklichkeit. Doch was würde diesen Traum erwarten, wenn sie ihn in die Realität hinaustrugen? Etwas in ihr wollte die stille Zweisamkeit bewahren, sie behüten. Zugleich wollte sie ihr Glück teilen, versuchen es in Worte zu fassen. Ihre eigene Familie sollte es wissen, sich mit ihr über dieses Glück freuen. Dieser Gedanke setzte sich fest und wurde zur Gewissheit. Der Zauber würde nur bewahrt bleiben, wenn sie selbst den ersten Schritt tat und den Traum Stück für Stück behutsam in Wirklichkeit verwandelte. Mit einem letzten, lächelnden Blick auf die Weingläser öffnete sie ihre Zimmertüre einen Spalt, um schließlich über den Flur zur Türe ihrer Schwester zu huschen. Es würde sich zeigen ob der erste Schritt auf diesem Weg der richtige war.
Eine Etage höher ging Ariana unruhig in ihrem kleinen Zimmer hin und her. Die mit rotem Feuer angehauchten Locken, noch wirr vom Schlaf umrahmten ruhelose Züge. Zwei leere Weingläser standen noch auf dem Tisch, dazwischen lag ein angefangener Brief, den sie von Zeit zu Zeit mit missmutigem Blick streifte. Vor zwei Tagen hatte sie begonnen die üblichen Zeilen an ihre Eltern zu schreiben, plaudernd von den Geschehnissen in der Stadt zu berichten. Doch nun ruhte die Feder über dem kleinen Tintenfass, obwohl dort noch leerer Raum für viele Worte gewesen wäre. Obwohl es so vieles zu berichten gab.
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Was half einem Titel und Etikette gegen die Macht eines einzelnen Kusses, einer verträumten Nacht unter dem verschwiegenen Sternenhimmel? Ihre Ruhe, ihre Selbstsicherheit schmolz dahin unter seinen Lippen und ihr Herz öffnete verstohlen seine innersten Kammern. Ihr Verstand hatte wohl seine Einwände, aber was waren diese verglichen mit dem tiefen Glück, dem Versprechen nach Wärme und Nähe. Und ein Satz, wenige Worte ausgesprochen von dieser sanften Stimme, die eine verborgene Saite in ihr zum Klingen brachte ließ auch den Verstand schweigen.
Ich möchte meiner Familie von dir erzählen Ariana.
Es war ein Traum, und zugleich doch Wirklichkeit. Doch was würde diesen Traum erwarten, wenn sie ihn in die Realität hinaustrugen? Etwas in ihr wollte die stille Zweisamkeit bewahren, sie behüten. Zugleich wollte sie ihr Glück teilen, versuchen es in Worte zu fassen. Ihre eigene Familie sollte es wissen, sich mit ihr über dieses Glück freuen. Dieser Gedanke setzte sich fest und wurde zur Gewissheit. Der Zauber würde nur bewahrt bleiben, wenn sie selbst den ersten Schritt tat und den Traum Stück für Stück behutsam in Wirklichkeit verwandelte. Mit einem letzten, lächelnden Blick auf die Weingläser öffnete sie ihre Zimmertüre einen Spalt, um schließlich über den Flur zur Türe ihrer Schwester zu huschen. Es würde sich zeigen ob der erste Schritt auf diesem Weg der richtige war.