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Unverhofftes Geschenk ...

Verfasst: Samstag 2. September 2006, 20:38
von Lynn MacAlister
.... unverhoffte Hinterlassenschaft

Anstrengend waren die Wochen des Hortbaus gewesen, alle waren froh, als ein Ende abzusehen war ... doch dann geschah das Unglück ... Jamie wurde von herabstürzenden Felsen erschlagen. An die ersten Wochenläufe, die darauf folgten, konnte Lynn sich nicht mehr erinnern.

Sie ass ... sie schlief ... sie ging der täglich anfallenden Arbeit nach, die Felder mussten bearbeitet werden und auch die Tiere versorgt ... doch Leben konnte man diesen Zustand sicherlich nicht nennen.

Wie lange diese Zeit dauerte .. es waren einfach nur Wochen, die an Lynn vorbei zogen.

Bis ... ja bis sie völlig unerwartet die Erkenntnis traf

Sie war guter Hoffnung!

In den ersten Moment völlig schockiert ... hatte sie doch im Gegensatz zu Jamie eigendlich keine Kinder haben wollen ...
In den nächsten Moment ein langsam, aber stetig aufkeimendes Glücksgefühl ... sie war guter Hoffnung ... sie würde ein Kind bekommen ... Jamies Kind!

Als sie dann schließlich begann nachzurechnen ... musste sie feststellen, dass sie gewiss schon im vierten Mondlauf der Schwangerschaft war ... jene gefährliche Zeit, in der die Schwangerschaft nur allzuoft ein frühzeitiges Ende fand, die Zeit, in der Frauen oft über Überkeit und Appetitlosigkeit klagten ... all dies wären ja auch für sie vielleicht Zeichen gewesen, um schon früher zu erkennen, was geschehen war ... doch in ihrer Trauer war dafür wohl einfach keine Zeit und kein Platz gewesen oder es war nach ihrem schweren Verlust ein Zeichen der Güte von den Ahnen, dass sie von dererlei Schwangerschaftsbeschwerden verschont geblieben war.

Ein Mondlauf war das nun her und noch immer konnte sie es noch nicht so recht glauben, auch wenn der sich langsam rundende Bauch und die zu eng werdenden Hosen und Hemden eine andere Sprache sprachen.

Sie war schwanger, das mittlerweile schon im fünften Mondlauf ... und auch wenn es schwer werden würde und es sicherlich ihre ganze Kraft brauchen würde ... zum Beginn des neues Jahres würde sie Jamies Hinterlassenschaft, Jamies Erbe in den Armen halten!


Verfasst: Freitag 22. September 2006, 14:07
von Lynn MacAlister
*Die Tage vergingen und aus Tagen wurde ein Wochenlauf, dann der nächste und nächste. Der fünfte Mond ihrer Schwangerschaft neigte sich langsam dem Ende zu und eigendlich hätte alles so schön sein können.
Langsam rundere sich ihr Bauch jetzt, doch durch weite Kleidung hindurch konnte ein Aussenstehender sicherlich noch nichts erkennen.
Bisher gab es wohl auch nur zwei andere, die von ihrem Zustand wusste. Calan bei dem sie sich durch eine unbewusste Geste verraten hatte und Zoe ... das Mädchen war so freundlich gewesen, ihr einige neue Kleidungsstücke zu fertigen, da sie in ihre übliche Kleidung nicht wirklich mehr hinein passt und alles zwickte und schnürte. So hatte sie Zoe vor einiger Zeit gebeten, ihr doch neue Kleidung zu fertigen und natürlich hatte Zoe nicht lange gebraucht um den Grund für diese Gewichtszunahme zu erkennen.

Auch hatte Zoe ihr Hilfe angeboten, war es doch auch den anderen nicht entgangen, dass der Clan MacIora langsam aber sicher von der Insel verschwand. Moyra weilte ja nun schon seid Monden bei ihren Verwandten, Anghus schien mittlerweile auch bei ihr zu sein. Duncan und Alec hatte sie nun schon lange nicht mehr gesehen. Boltor und Laery ... tief seufzte sie, als sie an die beiden denken musste. Aimee hatte sie noch vor wenigen Tagen gesehen, doch war sie sehr in Eile und müsste packen ... und kaum zwei Tage später war ihr Haus geräumt und Bauarbeiter machten sich daran, es abzureissen.
Betrübt erkannte Lynn, dass der Clan MacIora wohl auseinander fiel und dies stimmte sie sehr traurig, grad jetzt in dieser Zeit, wo sie sich doch eigendlich nur auf das Baby freuen wollte.

Sie bemühte sich sehr, nicht mehr ständig an Jamie zu denken, an Anfang waren diese Gedanken einfach zu schmerzlich für sie gewesen und oft genug war sie nahe dran gewesen, ihm zu den Ahnen zu folgen. Doch die Erkenntnis, dass sie in nicht allzulanger Zukunft sein Kind zur Welt bringen würde, hatte sie davon abgehalten. Und auch wenn es ihr manchmal ein schlechtes Gewissen bereitete, es gelang ihr auch mehr und mehr den Schmwerz zu vergessen und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Sicher, vergessen würde sie ihn wohl nie, sie beide hatten eine wunderschöne Zeit miteinander verbringen können und an diese würde sie sich immer erinnern. Und natürlich würde er auch in dem gemeinsamen Baby weiter leben ... Lynn war sich jetzt schon sicher, dass es ein Junge werden würde, mit dem blonden Haar und den blauen Augen des Vaters.

Doch für Lynn war es einfach an der Zeit, in der Gegenwart zu leben und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Für sich und vor allem für das Baby, das in ihr heran wuchs.

Verfasst: Sonntag 5. November 2006, 11:58
von Lynn MacAlister
*Ruhig lag sie da ... um sie herum Felle und Kissen, welche sie wärmten. Die Augen geschlossen haltend, genoss sie einfach noch die ruhigen Moment zwischen Schlaf und Erwachen. Und ruhig war es hier wirklich .... zu ruhig?

Irritiert blinzelnd richtete sie sich auf und öffnete die Augen. Sah sich einen Moment lang in dem Raum um, der nur vom Schein des Feuers im Kamin erhellt wurde ... und erst allmählich dämmerte es ihr, wo sie sich überhaupt befand ... im Keller ihres Hauses ... und irgend jemand hatte erst vor kurzem Holz im Kamin nachgelegt, so dass es jetzt mollig warm dort war ... nein eigendlich nicht irgend jemand ... denn es konnte nur Ronan gewesen sein.

Sie liess sich wieder zurück in die Felle sinken, beide Hände auf ihren runden Bauch legend und blickte ins Feuer. Ein sachtes Stupsen konnte sie unter ihren Händen fühlen ... vorsichtig fast, als würde das Baby leise anfragen, ob sie wach sei und es sich wieder rühren durfte. Ein sanftes Lächeln breitete sich bei diesem Gedanken in ihrem Gesicht aus und langsam stricht sie weiter über ihren Bauch, der schon eine beachtliche Größe aufwiess. Kein Wunder ... war sie doch mittlerweile am Anfang des achten Schwangerschaftsmondes.

Ein gedämpfes Klappern von oben aus der Küche verriet ihr, dass Ronan wohl grad dabei war, Frühstück zu machen, doch noch war sie selber zufaul um aufzustehen. Ronan ... ihr Cousin ... es war schön, ihn seid einigen Wochen in der Nähe zu wissen. Er half ihr, wo er nur konnte und hatte sich mit erstaunlichem Eifer daran gemacht, seine Übungen aufzunehmen.*

"Ich muss doch auf dich und das Kind aufpassen können!"

*teilte er ihr immer wieder mit ... mit einem vergnügtem Grinsen auf dem Gesicht. Anfangs war ihr das nicht ganz geheuer gewesen, sie war es einfach nicht gewohnt, dass irgend jemand etwas für sie tat .... eher war ja sie immer die jenige gewesen, die für andere da war ... früher für ihren Vater und den Bruder ... letztlich die meiste Zeit für Jamie, wenn er mal wieder an sich und seiner Berufung zweifelte .... dieser Gedanken entlockte ihr ein kurzes, bedauerndes Seufzen, denn Jamie hatte oft an sich und seinen Fähigkeiten gezweifelt ... eigendlich fast ständig.

Als Antwort auf ihre trüben Gedanken meldete sich das Baby nun wieder verstärkt und trat und boxte heftig gegen die Bauchdecke. Lynn ging wie immer sofort darauf ein und rieb langsam und sachte darüber und nach wenigen Augenblicken schien sich das Baby auch wieder zu beruhigen, was die junge Frau nun vollens verwunderte. Sonst hatte sich das Kind doch nie dadurch beruhigen lassen. Im Gegenteil ... wenn es ihr nicht gut ging, strampfelte es nur noch mehr. Schon seid Wochen hatte sie keine Nacht mehr richtig Schlaf bekommen. Ständig hielt das Baby sie wach, sie konnte kaum mehr oben in ihrem Schlafzimmer in den Fellen oder auch nur im Bett liegen. Und hatte die letzten Wochen die Nächte meistens wach und sitzend im Sessel verbracht. Als Ronan vor einigen Wochen auf der Insel der Ahnen angekommen war, hatte sie ihn gerne aufgenommen ... Platz genug hatte sie im Haus wahrlich ... und so schlief Lynn oben im Schlafzimmer, während Ronan es sich im Keller des Hauses gemütlich gemacht hatte.

Vor zwei Tagen dann hatten sie beide unten im Keller zusammen gesessen. Lynn hatte kurz zuvor gebadet und so bestannd Ron drauf, dass sie sich unter die Felle setzte, damit ihr nicht kalt wurde und sie erkrankte. Sie plauderten und scherzten miteinander und Lynn stellte irgendwann erstaunt fest, dass das Baby, sobald Ron etwas sagte, still hielt .. gar fast lauschte. Übermütig grinsend blickte Ron zu ihr, als sie ihm das sagte.*

"Das Kind weiss eben jetzt schon, wer der Herr im Hause ist!"

*stellte er mit einem neckenden Zwinkern fest. Lynn gab daraufhin nur ein leise Grummeln und Schnauben von sich, musste dann aber doch lachen. Das mit dem Herr im Haus war sicherlich nicht ganz so, doch tat es Lynn allen Anschein nach gut, ihn in der Nähe zu wissen. Hatte sie sich doch selber schon große Sorgen gemacht, was sein würde, sollte ihr etwas geschehen ... es war ja niemand der, der sich Sorgen machen würde, wenn sie plötzlich verschwand.

Ron aber ließ es nun gar nicht mehr zu, dass sie sich solche trüben Gedanken machte. Er war da, wenn sie ihn brauchte, nahm ihr die schweren Arbeiten ab, ließ sie nicht mehr in der MIne arbeiten und selbst das Holzschlagen für den Winter hatte er übernommen. Die Arbeit auf dem Feld durfte sie grade noch verrichten, allerdings nur, soweit es das herauszupfen von Unkraut und das Ernten von Karotten, Zwiebeln und dem anderen Gemüse betraf, alle schwereren Arbeiten hatte er übernommen.

Vor zwei Tagen nun hatten sie lange zusammen gesessen und miteinander geredet. Irgendwann hatte sich Lynn tiefer in die Felle verkrochen, hatte sich hingelegt und zusammen gerollt und einfach nur noch Rons Stimme gelauscht, der ihr von seinen Reisen erzählte. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass sie immer schläfriger wurde und ihr mehr und mehr die Augen zufielen. Ron bemerkte das nur mit einem zufriedenen Grinsen, hatte er sich doch schon Sorgen um Lynn gemacht, deren Bauchumfang zwar stetig zunahm, ansonsten aber wurde sie von Tag zu Tag blasser und sah kränklicher aus. Als er sich schließlich sicher war, dass sie schlief, beugte er sich über sie und sprach nun leise mit ihrem Bauch .. streckte sich schließlich neben ihr aus und legte aus einem Impuls heraus eine Hand auf ihren Bauch.

Es war wohl das beruhigende Wissen nicht alleine zu sein, dass das Baby veranlasste, die kommende Nächte friedlich zu sein und so konnte Lynn mal wieder durchschlafen und sich erholen, was sie auch dringend nötig hatte.

Die zweite Nacht nun hatte sie mit im Keller geschlafen und die Ruhe schien ihr wirklich gut zu tun. Als sie an diesem Morgen erwachte, war der übermüdete Ausdruck aus ihren Augen fast gänzlich verschwunden und sie wirkte ausgeruht und erholt.

Als sie nun Schritte hörte, setze sie sich wieder auf und sah Ron entgegen, der mit einem Teller voller Brote und einem großen Krug Milch die Trppe herunter getrapst kam.*

"Frühstück!"

*verkündete er gutgelaunt und liess sich neben ihr in den Fellen nieder.*

Verfasst: Donnerstag 23. November 2006, 15:29
von Lynn MacAlister
*Beständig schwankte das Fährschiff im Takt mit den Wellen hin und her. Der eisige Wind von Norden kommend, hatte die meisten Passagiere veranlasst, ins Innere des Schiffes zu verschwinden. Die junge Frau stand am Bug des Schiffes, liess sich den Wind um die Nase wehen und hing nachdenklich, mit deutlich traurigem Gesichtsausdruck ihren Gedanken nach.

Langsam und stetig rieb sie mit der linken Hand ihren runden Bauch und so jemand näher zu ihr tritt, wird er ihr leises Gemurmel sicherlich hören können ... offensichtlich sprach sie mit ihrem ungeborenen Kind.*

"Ich werde dir von deinem Vater erzählen, mein kleiner Schatz!"

*Versprach sie mit Nachdruck in der Stimme, doch gleichzeitig war ihr anzusehen, dass sie sich um irgend etwas sorgte. Langsam schloss sie die Augen und atmete tief durch. Einige Momente verharrte sie so still, um gleich darauf mit einem deutlich frustriertem Aufseufzen wieder auszuatmen.

Es war einfach unfair, ungerecht ... das konnte doch nicht der Wille der Ahnen sein! Nicht genug, dass ihr Kind ohne Vater aufwachsen musste! Nein ... hinzu kam noch etwas viel viel schlimmeres und Lynn wusste einfach nicht mehr, was sie noch dagegen unternehmen sollte.

Mit jedem Tag der verging, verblasste sein Bildnis in ihrem Gedächnis mehr und mehr ... kurz nach seinem Tod war es ihr nicht einmal möglich gewesen, die Augen zu schließen, ohne ihn vor sich zu sehen ... heute ... über 4 Monde nach diesem schrecklichen Tag ... gelang es ihr kaum noch, sein Bild vor sich zu sehen. Gewiss, sie erinnerte sich an die vielen schönen und auch schwierigen Momente mit ihm, daran das sie miteinander lachte, redeten und auch traurig waren ... doch es erschreckte sie, dass sein Gesicht mehr und mehr in ihrer Erinnerung verschwamm ...

Wie sollte sie dem Kind von seinem Vater erzählen, wenn sie sich nicht einmal mehr genau erinnerte wie er aussah? Sie hatte das nicht wahrhaben wollen, tat es damit ab, dass sie übermüdet war, die alleinige Sorge um das Baby und die nahende Geburt, das sich der Clan allen Anschein nach in alle Winde verstreut hat und sie wohl zukünftig alleine da stehen würde, auch wenn sie wusste, dass sie es schaffen würde und sich nicht unterkriegen lassen würde. Seid Ronan da war, war ein Teil ihrer Sorgen zwar geringer geworden, kümmerte ihr Cousin sich doch rührend um sie, doch gab es immer wieder Momente, an denen sie alles gegeben hätte, damit Jamie bei ihr wäre ... und sei es nur, um ihr über den Bauch zu streicheln und zu spüren, wie das Kind sich bewegte.

....................

Schon früh am Morgen war sie aufgebrochen, hatte das erste Fährschiff aufs Festland genommen .... sich selber redete sie ein, sie würde nur eines der Handelshäuser aufsuchen, da sie neue Gerätschaft brauchte. Doch insgeheim wusste sie selber, sie machte sich etwas vor. Kaum hatte das Schiff in Berchgard angelegt, da verlies sie es auch schon eilig Richtung Nord-Westen. Mit der Kutsche fuhr sie zum Wegekreuz und von dort aus machte sie sich zu Fuss in Richtung Nebenwald auf, den besorgten Blick des Kutschers ignorieren ... schließlich wusste sie, was sie da tat .... aber wusste sie das wirklich?

Sie hatte einfach nur das Bedürfnis, jene Orte aufzusuchen, an denen sie mit ihrem Gefährten damals so glücklich gewesen war ... und so wanderte sie langsam durch den Nebelwald dorthin wo früher die Heimat der Hinrah war. Den Baum- und Waldgeistern zollte sie wie damals schon den nötigen Respekt und so liesen diese Wesen die junge Frau ziehen. Auf der Lichtung angekommen liess sich Lynn im Gras nieder und versuchte einfach nur, die Erinnerung an die wenigen Momente hier mit Jamie zusammen in sich wach zu rufen ... seufzend gab sie es nach einer Weile auf ... sie sah zwar Jamie und sich im Kreise der Hinrah, doch auch hier blieb die klare Erinnerung an sein Gesicht aus. Irgendwann erhob sie sich wieder und verlies diesen Ort, wanderte weiter nach Westen ... in den Wald, wo damals Shajas Hütte stand ... in jener sie die erste Nacht nach ihrem Versprechen miteinander verbrachten ... auch das alte Waldelfendorf suchte sie auf, auch hier hatten sie schöne Stunden miteinander verbracht ... doch nichts half ... sie sah zwar Jamie und sich ... doch blieb sein Gesicht für sie nur mehr als verschwommene Erinnerung.

Sie wusste einfach nicht mehr, was sie noch tun sollte. Stunden hatte sie schon unter der heiligen Eiche verbracht, stundenlang am Höhleneingang zu Slains Hort gesessen, immer und immer wieder hatte sie sich die Erinnerungen an Jamie und die Zeit mit ihm ins Gedächnis gerufen, doch je mehr sie sich bemühte, sein Abbild vor ihrem inneren Augen zu sehen, umso verschwommener wurde es.

Der Abend dämmerte langsam, die herbstliche Sonne neigte sich immer mehr dem Horizont zu und langsam wurde es ihr bewusst, dass sie sich auf den Heimweg machen musste, das letzte Fährschiff würde gewiss bald ablegen. Und so machte sie sich wieder auf den Weg zur Kutsche, welche sie nach Berchgard zurück brachte. Nach einem kurzen Abstecher ins Handelshaus, wo sie einige Gerätschften von Thancred erstanden hatte, betrat sie schließlich wieder das Fährschiff, welches bald darauf ablegte Richtung Fuachtero.

....................

Und so stand sie nun hier, mit der einen Hand hielt sie sich an der Reling fest, die andere Hand lag wie so oft schützend an ihrem Bauch, den Blick nach Norden gerichtet ... der Heimat entgegen.


Verfasst: Montag 1. Januar 2007, 23:34
von Lynn MacAlister
*Der anbrechende Winter hatte eigendlich eine ruhige Zeit für Lynn sein sollen. Ihr Babybauch wurde zusehens runder, von Tag zu Tag sollte man meinen. Vor wenigen Wochenläufen schon war der erste Schnee gefallen und hatte den Winter eingeläutet, nach einem viel zu kurzen Sommer. Doch bedeutete der erste Schnee auch, dass die Arbeit auf dem Feld getan und das Feuerholz für den Winter gehackt und fein säuberlich gestapelt war. Lediglich das Arbeiten in der Mine wäre jetzt noch möglich, sorgten die Anguren doch immer dafür, dass die Kohlebecken, die dort standen immer gefüllt waren und glühten und so der Bogen nicht ganz so stark gefrieren konnte.

Ruhige Wochen hätte es sein sollen bis zur Geburt des Kindes, doch es kam anders ... stetig, unaufhaltsam fiel der Schnee ... seid einigen Tagen schon gänzlich ohne Pause und so heftig, wie es sonst nur hin und wieder im tiefsten Winter der Fall war. Bald schon türmten sich ungewöhnlich hohe Scheemassen überall auf und vor allem in den Bergen hinter Andraste schien der Schnee sich besonders zu sammeln. Tief hingen die Schneewehen an den Berghängen und hätte man freie Sicht auf die Berge gehabt, wäre sicherlich sofort aufgefallen, dass der Schnee zuviel wurde und einfach schon zu tief an den Felsen hing. Es war nur noch eine Frage der Zeit und die weissen Massen würden sich in Form einer Lawine auf den Weg machen ... auf den Weg nach unten ins Tal, Richtung Andraste und dem Hafen.

Irgendwann dann wurde beschlossen, dass Andraste und das Umland geräumt werden sollte, die Gefahr einer Lawine nahm von Stunde zu Stunde zu, lange würde es wohl nicht mehr dauern. Also machten die Wachen sich auf den Weg und benachrichtigten alle, die sie antreffen konnten.

Eine Wache traf Lynn auf dem Weg zur Koppel an, schnell berichtete der Mann ihr, was los sein. Nach kurzem Nicken machte der Mann sich auch schon auf den Weg, mussten doch noch einige anguren gewarnt werden.

Dann plötzlich ging alles rasend schnell .... der schwere, teilweise nasse Schnee kam ins Rutschen ... immer mehr Bewegung kam in die Schneemassen und schon machte sich die beginnende Lawine auf den Weg ins Tal, riss alles mit, was ihr in den Weg kam.*


[der weitere Verlauf der Lawine und seine Folgen sind hier nachzulesen]

http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=15716


Verfasst: Dienstag 2. Januar 2007, 00:23
von Lynn MacAlister
"Wir haben ein gesundes Mädel, Rebecca MacAlister!!"

Mit Stolzgeschwollener Brust verkündeter Ronan dies den anderen, anwesenden Anguren.

"Rebecca MacIora" murmelte Lynn nur leise vor sich her, machte sich aber nicht die Mühe, dies jetzt zu korrigieren. Was sie doch einfach viel zu glücklich, dass sich ihre schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet haben und das die kleine Rebecca sich offensichtlich nur aus Schock und der Kälte wegen nicht mehr gerührt hatte.

....................

Nie in ihrem Leben würde sie den Moment vergessen, als die Kleine blinzelnd die Augen öffnete. Eine ganze Lawine, heftige als jene, die dieses Chaos verursacht hatte, war ihr in diesem Moment vom Herzen gefallen.

Sie hatte zuvor nicht einmal bemerkt, wie sie angespannt auf ein Wort der Hebamme gewartet hatte. Regelrecht schockiert war sie gewesen, als die alte Frau ihr das kleine Bündel Angure in den Arm legte. Kaum zu atmen hatte sie gewagt. Als das Neugeborene dann die Augen öffnete und sie ansah, hatte sie gänzlich die Luft angehalten. Als die kleine Becky dann nach Luft schnappte und protestierend laut losschrie, kam es Lynn vor, als hätte sie niemals etwas schöneres gehört. Tränen rannen ihr in Ströhmen die Wangen hinunter und im Stillen dankte sie die Ahnen für ihren Beistand und das sie ihr, Lynn, nicht auch noch das kleine Mädchen genommen hatten. Als Ronan dann zur ihr stürzte, brachte sie zunächst kein Wort heraus, auch der große, kräftige Mann schien um Fassung zu ringen. Sachte strich er erst ihr über die Wange, ehe er dann dem Neugeborenen einen Finger hinhielt und wie nicht anders zu erwarten, griff die Kleine auch sofort nach ihm und hielt ihn fest.*

....................


"Rebecca MacIora"

*murmelte sie erneut vor sich her und drückte das kleine Wesen sachte an ihre Brust, lehnte sich dabei erschöpft aber überglücklich zurück in die Felle. Die Hebamme nahm nun wieder neben ihr Platz, zog die Felle über Mutter und Baby noch etwas höher und blickte die Beiden mit einem mehr als zufriedenen Gesichtsausdruck an.

"Das habt ihr gut gemacht, alle Beide. Sie ist zwar ein wenig klein, aber dafür kräftig, sie scheint auch deinen Sturz gut überstanden zu haben. Ich werden sie mir später nochmal genauer anschauen, aber jetzt schlaft ihr Beiden erst einmal ein wenig und ruht euch aus!"

Energisch war der Tonfall der alten Frau, doch strich sie gleichzeitig liebevoll über Rebecca's Köpfchen. Lynn konnte nur leicht nicken, sie wollte sich in diesem Moment auch gar nicht gegen die Anweisung der Hebamme stellen, war sie doch einfach nur viel zu glücklich und viel zu erschöpft. Rebecca lag friedlich an ihrer Brust und war offensichtlich schon eingeschlafen ... warm und geborgen im Arm ihrer Mutter.*

"Danke ... für alles!"

flüsterte Lynn der alten Frau aus tiefstem Herzen zu, deutlich konnte man die Dankbarkeit in ihrer Stime hören, dann schloss die junge Frau erschöpft die Augen und es dauerte nur wenige Moment, da war sie auch schon tief und fest, das Neugeborene sachte an ihre Brust gedrückt, eingeschlafen.*

Verfasst: Donnerstag 4. Januar 2007, 16:53
von Lynn MacAlister
*Sachte schob sie das kleine Bündel, das in einem Tragetuch an ihrer Brust lag, zurecht, stricht sanft mit den Fingerspitzen über die rosigen Wangen des Baby's, das sich leise schmatzend und sichtlich zufrieden noch mehr an seine Mutter schmiegte. Dann zog sie vorsichtig das Tuch noch etwas höher, damit das Baby vor dem eisigen Wind geschützt war und machte sich auf den Weg nach draussen.

Wenige Tage erst war Rebecca alt und ganz im Gegensatz zur Schwangerschaft, war es jetzt die reinste Freude mit ihr. Wenn sie nicht grad hungrig war oder die Windeln gewechselt werden mussten und dies auch lautstark mitteilte, war die Kleine ein friedliches Baby, das fast den ganzen Tag schlief und die Momente, in denen es wach war, die Welt aus großen, schon fast neugierig dreinblickenden Augen betrachtete. Dem Neugeborenen gefiel es, wenn es an der Brust der Mutter liegen und schlafen durfte, doch blieb die Kleine ebenso ruhig, wenn sie in den Korb gelegt wurde, der dem Baby im provosorischen Lager der Anguren als Schlafplatz diente. Auch schien es ihr zu gefallen, wenn sie bei Ron sein durfte, wenn er sie durch die Gegend trug oder sie einfach nur auf seiner breiten Brust schlafen durfte ... all die Dinge, die Ron scheinbar mit großer Freude machte und die recht ungewöhnlich Angesichts des großes Mannes anmuteten, doch keineswegs falsch zu sein schienen.

Alles in allem hätte es eigendlich eine schöne und friedliche Zeit sein können, wenn da nicht die immer noch völlig verwüstete Heimat vieler Anguren wäre. Als Lynn zwei Tage nach der schweren und überraschenden Geburt das erste Mal die Mine verlassen hatte, war sie so schockiert gewesen, das ihr für einige Moment regelrecht die Luft wegblieb. Tränen schossen ihr in diesem Moment in die Augen und nur mühsam gelang es ihr, Fassung zu bewahren. Ronan musste wohl bemerkt haben, wie erschrocken sie war, denn er trat dicht hinter sie, legt die Arme um sie herum und hielt sie einige Momente nur still fest.*

"Wenn ich schon ein neues Leben beginne, dann scheine ich das ja wohl mit einem riesen Radau zu machen!"

*Stellte Lynn nach einigen Momenten des Schweigens und sich sammelns recht trocken fest, den Kopf zu Ronan gewandt, der sie mit einem breiten Grinsen ansah.*

"Die kleine Lynni wollte eben schon immer am liebsten mit dem Kopf durch die Wand, hat sich nur oft nicht getraut ... dann wird es eben umso heftiger, wenn es dann doch einmal geschieht!"

*Ronan sprach im neckenden Ton zu ihr, doch war beiden bewusst, dass dieses nicht nur als Scherz gemeint war, sondern durchaus der Wahrheit entsprach. Lynn hatte immer zurück gesteckt, wenn es um ihre Familie ging, hatte immer versucht, es allen recht zu machen, dafür zu sorgen, dass die Familie gut dastand und es nach Aussen hin immer so aussah, als würde es keine Probleme geben. Natürlich war dies oftmals sehr schwer gewesen, vor allem, als Lynn noch jünger war, doch war es ihr wohl meistens gelungen. Nur ab und zu hatte eben auch sie ihrem Ärger Luft machen müssen. Die Geschehnisse der letzten Wochen und Monde, der Angriff auf Slain und seine Folgen, Jamies Tod, die unerwartete Schwangerschaft, der plötzliche Wintereinbruch und dann noch die Lawine, ihr Sturz der damit endete, dass ihr Kind fast 3 Wochenläufe zu früh geboren wurden .. all dies hatte seine Spuren hinter sich gelassen.

Doch im Anbetracht auf das kleine Bündel Angure, das friedlich an ihrer Brust schlief, waren all diese Problem unwichtig geworden und wenn dies nicht der perfekte Moment war, um etwas neues zu beginnen, dann würde dieser Moment wohl niemals kommen.*

"Ein neues Leben!" *murmelte sie nun leiser vor sich her.* "Irgendwie stimmt es wohl, dass ich wieder einmal ganz von vorne anfangen ... Ich, Lynn MacI... !" *sie verstummte, sprach den Namen nicht zu Ende, sondern schüttelte energisch mit dem Kopf, was bei Ronan ein verwundert wirkendes Stirnrunzeln auslösste.* "Ich ... Lynn vom Clan der MacAlister zusammen mit meiner Tochter Rebecca ... wir stehen am Anfang eines neuen Lebens ... unseres gemeinsamen Lebens!"

*stellte Lynn mit energischer Stimme fest und blickte Ronan an. Diese wirkte noch immer recht überrascht über ihre Worte, hatte sich Lynn doch seiner Meinung nach ohnehin viel zu sehr an der Vergangenheit geklammert. Natürlich würde ihre Vergangenheit immer eine Rolle in ihrem Leben spielen, das wusste auch Ronan nur zu gut, doch war es für sie an der Zeit, nach vorne zu blicken und sich auf die Zukunft zu freuen.

Und die Zukunft bestand für Lynn und Ronan und für viele der anderen Anguren in den nächsten Tagen und Wochen aus harter und anstrengender Arbeit, denn zunächst musste die Verwüstung, die die Lawine hinterlassen hatte, beseitig werden und dann machten sich viele fleissige HÄnde daran, ein neues Andraste zu erbauen. Auch das Umland wurde vollkommen neu gestaltet und man konnte täglich sehen, dass irgendwo etwas neues fertig gestellt wurden.

Mit jedem Tag, der verging, freute sich Lynn mehr auf den Moment, an dem sie ihr neues Heim beziehen konnte, dann würde es für Becky auch ruhiger werden, auch wenn das kleine Mädchen die ganzen Strapazen des Wiederaufbaus sehr gut verkraftete und den Helfern oftmals trotz großer Erschöpfung und der Rauheit des Volkes, ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Es kam Lynn oftmals vor, als würde dieses kleine Wesen, dass unter so dramatischen Umständen das Licht der Welt erblickt hatte, vielen Anguren Mut und Kraft spenden, diese schwierige Zeit zu überstehen.*

Verfasst: Freitag 5. Januar 2007, 14:28
von Ronan MacAlister
Man konnte richtig spüren wie die Anspannung und die Sorge der letzten Tage verschwunden war als er Becky den Zeigefinger hinhielt und sie diesen mit ihren kleinen Händchen griff. So klein und unscheinbar war die Kleine und doch lag soviele Hoffnung in ihr. Hoffnung die sie nach der Lawine fast alle verloren hatten. Die Moral der Männer war fast am Ende. Oft mussten Ronan oder auch Calan die Bewohner Andrastes regelrecht zusammenschimpfen den das gejammer und wehklagen war unerträglich geworden. Lynn und er hatten doch auch alles verloren, aber klagen? Nein klagen würden die Beiden wohl nie. Alles hatte eine Bestimmung.

So war es auch Bestimmung das Rebecca MacAlister den Sturz überlebt hat und nun, in wohl schlechtesten Bedingungen, gesund zur Welt kam. Nur eines machte Ronan Sorgen: Er war selbst oft genug in der Mine gewesen und wusste das die staubige Luft, vor allem für ein Baby, nicht gut sind.

So nahm er Becky immer wieder zu sich wärend Lynn schlief. Sie hatten einen geheimen Pakt, auch wenn Becky wohl generell nichts hätte verraten können. Immer wieder trichtete Ronan ihr ein das sie der Mama nichts sagen dürfte wärend er sie fest in Felle und Tücher wickelte. Dann band er sie sich um den Bauch und zog noch den Mantel als Schutz drüber, nur einen Knopf hatte er offen damit die Kleine leicht rausschauen konnte. Doch sie kuschelte sich meistens eher an Ronans Brust, ja er hatte richtig das Gefühl sie würde sich bei ihm sehr wohl fühlen. Man hatte das ja auch wärend der Schwangerschaft gemerkt als die Kleine zappelig war und schlagartig ruhig war als Ronan die Hand auf Lynns Bauch gelegt hat. Ja, zwischen den Beiden herrschte etwas besonderes.

So dicht eingepackt durfte Becky nun immer wieder mit Ronan spazieren gehen. Einmal ging die Reise nach Ith wo sie Calan besuchten. Dort durfte sie auch auf dem Tisch sitzen und sich bewundern lassen, was ihr scheinbar auch gefiel. Sie war generell ein ruhiges und pflegeleichtes Baby. Ronan war nach Ith gegangen um sich bei Calan für die Hilfe zu bedanken. Er hatte ja Lynn nach dem Sturz gefunden. Calan war generell sehr hilfsbereit. Täglich kam er in die Mine um frisches Wasser zu bringen und essen. Er sprach den Leuten Mut zu und half mit die Alten und Schwachen zu pflegen. Bald könnten sie wohl mit dem Aufbau beginnen.

Lynn schlief noch und Ronan legte ihr Becky zurück ins Bett. Er zwinkerte der Kleinen zu und legte ihr einen Zeigefinger auf die Lippen zum Zeichen das sie verschwiegen sein sollte. Ihm war nicht klar ob Lynn zwischendurch wach war und die Leute ihr gesagt hatten das Ronan mit dem Kind unterwegs ist. Doch als sie später wach wurde sagte sie nichts zu ihm. Entweder hatte sie wirklich die ganze Zeit geschlafen oder sie hatte nichts gegen den gemeinsamen Ausflug der Beiden. Klar war jedenfalls das Ronan sehr viel ausgeglichener schien seit Becky da war und man konnte eine Seite an ihm sehen die man sonst nicht für möglich gehalten hätte, eine warme und fürsorgliche Seite......

Aufbruch in eine neue Heimat

Verfasst: Dienstag 27. Februar 2007, 20:57
von Lynn MacAlister
Wochen .. Monde waren ins Land gezogen. Mit jedem Tag der verging, mit jedem Sonnenuntergang wart Andraste ein wenig mehr aufgebaut, wurden mehr und mehr Häuser fertig gestellt, Familien schufen sich neue Heime und nach und nach wurde die Insel der Ahnen wieder bewohnbar und anheimelnd.

Irgendwann war dann auch das neue Heim von Lynn und Rebecca fertig und auch Rons Hütte wurde in Angriff genommen. Ungewohnt war es noch, doch nach und nach kehrte wieder Ruhe ein auf Fuachtero. Lynn genoss diese Zeit der Ruhe sehr, bleibt ihr doch endlich Zeit, sich mehr um Rebecca zu kümmern.

Lange Spaziergänge über die Insel unternahm sie mit dem Baby, Stunden verbrachten sie unter der heiligen Eiche. In dieser Zeit erzählte Lynn dem Baby von seinem Vater, wie sie sich kennen- und liebengelernt hatten, welch glückliche Zeit sie miteinander verbracht hatte und auch wenn Lynn wusste, dass Becky lediglich dem Klang ihrer Stimme lauschte, den Sinn ihrer Worte aber nicht verstand, so schuf es doch eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Oft gesellte sich Ron zu den beiden, erzählte von seinen Reisen oder lauschte einfach nur Lynns Erzählungen.

Wenn man die drei zusammen sah, hatte man gewiss den Eindruck einer kleinen, zufriedenen Familie, doch wer vor allem Lynn genauer betrachtete, dem würde gewiss auffallen, dass die junge Frau sich keineswegs mehr heimisch fühlte auf Fuachtero ... zu viel Erinnerungen geisterten durch ihren Kopf, machten ihr das Herz schwer ... gewiss, es waren auch schöne Erinnerungen dabei und diese würde sie sich für den Rest ihres Lebens im Herzen bewahren, doch ebenso war vieles geschehen, das ihr Leben auf der Insel der Ahnen sehr belastete und mit jedem Tag der verging, konnte man ihr das Unwohlsein mehr und mehr ansehen.

Ronan entging diese Entwicklung natürlich nicht, doch wusste auch er nicht, was er tun konnte und so konnte er nur hilflos mit ansehen, wie die junge Frau jeden Tag ein wenig blasser wurden, sich mehr und mehr in sich zurück zog.
Sicher, sie kümmerte sich weiterhin liebevoll um Becky, dem Baby fehlte es an nichts, Lynn aber war nicht glücklich und lange grübelte der junge Krieger, wie man dies ändern konnte. Eines Tages, als die drei wiedereinmal unter der heiligen Eiche saßen, fasste sich Ron schließlich ein Herz und fragte sie ganz direkt, was mit ihr los sei. Zunächst schien es, als würde Lynn ihm nur ausweichend antworten, doch dieses Mal wollte er nicht locker lassen und schließlich gab Lynn zu, dass sie sich auf Fuachtero nur noch unwohl fühlte, gar nicht mehr heimisch. Zu viele Erinnerungen machten ihr das Leben schwer, zuviel Schmerz und Verlust, der sie nicht zur Ruhe kommen liess, auch nagte das Verhalten der anderen sehr an ihr ... die Anguren Fuachtero's lebten nicht mehr als ein Volk dort, als die Nachkommen Angur's. Die ständigen Spannungen im Volke, der Ärger den es immer wieder auf dem Festland gab, letztlich sogar ein Mord an einem Festländer, das war etwas, was Lynn im eigenen Volk nicht kannte und noch weniger verstand. Ron konnte ihr letztlich wohl nur zustimmend, vieles was auf Fuachtero passierte, lag auch ihm schwer auf der Seele.

Letztlich kamen beide ... Lynn und Ronan ... zu dem Schluss, dass Fuachtero nicht mehr die Insel, die Heimat war, in der sie leben wollten. Die Insel der Ahnen war nicht mehr das, was Lynn sich als den Ort vorstellte, an dem sie ihre Tochter großziehen wollte. Und auch Ron kannte die Insel aus seiner Kindheit so nicht.

"Was hält uns dann noch hier?" Lynn war es, die diese Worte als erstes aussprach. Im ersten Moment sichtlich überrascht, doch dann mit einem bekräftigendem Nicken und dem Anflug eines Grinsens auf dem Gesicht kam ein "Nichts!" von Ronan. Nachdenklich richtete Lynn den Blick auf das Baby auf ihrem Schoss. Leise glucksen strampelte Becky mit Armen und Beinen, rund und rosig war das Baby, mit strahlend, dunkelblauen Augen, gut genährt und sichtlich zufrieden einfach nur bei den beiden Anguren zu sein, die das kleine Wesen am meisten liebten auf dieser Welt.

"Nichts..." wiederholte Lynn nach einer ganzen Weile, bei diesem einen Wort setzte sie sich auf, straffte den Rücken durch und liess den Blick langsam über die Lichtung wandern. "Die Ahnen werden uns überall hin begleiten. Dahin wo unser Platz in dieser Welt sein wird. Wir müssen uns nur einfach auf die Suche machen!"

Bestimmt nun klang ihre Stimme, neue Hoffnung schien sich in ihr breit zu machen und zum ersten Mal seid vielen Wochen und Monden schien sie entspannt und zuversichtlich zu sein. Aufgeregt begannen die beiden Pläne zu machen, hin und wieder wunden sie unterbrochen von dem vergnügtem Glucksen des Babys.

Wenige Tage nur sollte es dauern, einen Kapitän anzuheuern, der sie weiter nach Norden brachte, wenige Habseeligkeiten wurden zusammen gepackt, viel würden sie nicht brauchen. Der Rest ihres Hab und Gutes, welches die Lawine überstanden hatte, wurde an jene verteilt, die dies alles noch brauchen konnten. Und schließlich war es soweit ...an einem strahlend schönen Morgen kurz nach Sonnenaufgang stapften Lynn, Becky im Tragetuch an der Brust, einen Rucksack auf dem Rücken und Ronan, ebenfalls mit einem Rucksack ausgerüstet über die breite Planke aufs Schiff und mit der einsetzen Flut segelten sie langsam ihrer Zukunft entgegen.


Verfasst: Dienstag 27. Februar 2007, 22:06
von Ronan MacAlister
Nicht viel musste Ronan einpacken. Die Rüstungen, so beschloss er wollte er hier lassen. Dies war unnötiges Gepäck und er würde es auf der neuen Insel wiederbekommen. Nur eine einzelne Axt packte er ein, man konnte ja nie wissen.

Lynn hatte Recht, was hielt sie noch hier? Er war vor wenigen Monden gekommen um seinen Clan zu finden welcher hier ansäßig war als er noch ein kleiner Junge war. Einzig Lynn war noch übrig geblieben, seine Cousine. Fast sofort hatten sich die beiden richtig feste angefreundet. Ronan würde alles für Lynn tun und er war sich sicher das dies bei ihr auch so sein würde ihm gegenüber.

Jetzt wo Lynn gehen wollte stand es also eigentlich nie zur Frage ob er mitgehen würde. Natürlich würde er mit den beiden Angurer mitziehen die seine verbleibende Familie darstellte und das einzigste was ihn auf der Insel der Ahnen gehalten hatte.

Viel hatte sich verändert seit er als Kind hier war. Doch selbst daran wollte er keine Gedanken verschwenden. Eifrig packte er noch etwas zu essen ein und stellte den fertigen Rucksack dann auf den Tisch.

Eine Lieferung hatte er noch zu machen, eine letzte an Thancred. Er schnürrte die Waren auf sein Pferd und setzte mit dem Schiff über nach Berchgard. Thancred selbst war nicht da also packte er alles in seine Posttruhe und legte eine Nachricht dazu. Er war sich sicher das Thancred verstehen würde warum er seinen Auftrag nicht fertig machen würde.

Tief atmete er durch und setzte alsbald wieder zurück nach Fuachtero. Er war nun bereit die weite Reise anzutreten...