Kannst du weben wie das Farbenspiel des Winds?
Verfasst: Montag 20. April 2026, 18:10
Es war ein milder Herbsttag, die Sonne schickte ihre letzten warmen Strahlen über die Gräser und Blätter der Bäume. Anorimidh hielt inne. Dies war ihre liebste Stunde. Auch wenn ihr Name "Sonnenlicht über Tau" eher auf die Morgenstunden hinwies und auch diese mit ihrem Glitzern und beginnendem Leuchten zweifelsohne schön waren, war dies hier ihre Zeit.
Die Elfe ließ den Blick schweifen und sog die Farbnuancen auf, mit denen die Bäume ihre Blätter färbten, um sie dann, wenn sie am prächtigsten zu leuchten schienen, wie ein Geschenk zum Boden der Erdmutter zu schicken. Sie lauschte dem Plätschern des Wassers vom nahen Fluss, der zum Horizont hin breiter wurde und hinter dem Wald in weite Flächen mit zart rauschendem Gras eintrat. Neben ihr wuchs, diesen Übergang ankündigend, erstes Schilf hoch: teils noch kräftig, fast störrisch grün, doch auch hier wurden die schlanken lanzettenartigen Blätter fahler, bis sie die Helligkeit von dünnem Stroh hatten oder gar noch heller, fast weißlich-gelb wurden.
Alles wisperte, rauschte leise und murmelte, während die meisten Tiere stiller wurden.
Ob auch sie in Ehrfurcht dem beginnenden Spektakel am Himmel zuschauten?
Die Wolken waren in unregelmäßigen, länglichen Reihen über den Himmel verteilt, als hätte ein Kind einige Hände voll Sand nach vorne über den Boden geworfen. Zum Horizont wurden sie dichter und doch keine einheitliche Fläche.
Auf dieser Leinwand malte die Sonne.
Das strahlende Blau des Himmels über ihr begann, erst nur zart ahnbar, seine Kraft zu verlieren und wurde leicht dunkler. Das tagsüber helle Weiß der Wolken verschwand völlig und machte einem zarten Grau und den Feuerfarben der Sonne,sowie sich dem dagegen stemmenden Himmelsblau Platz, und damit der Symphonie an Farben, die Anorimidh so liebte: an den Rändern der Wolken dunkelblau, mit Grau sich mischend, dann mildes violett, wo der Himmel dominierte. Zartes rosé bis mächtig leuchtendes Orange, wo die Sonne noch die Oberhand behielt und ihr für heute letztes, fahler werdendes Gelb in den sich verabschiedenden Tag schickte.
Fast hätte die Edhil sich schon alleine diesem Anblick wie verzaubert hingeben können, doch es gab doch so viel mehr! Die Kronen der Bäume, die mit ihrem Grün und Rot noch mal anders auf das Licht reagierten... und das Wasser, das mit seiner Fähigkeit, das Licht glitzernd widerzuspiegeln, ebenso völlig eigene, fast unnachahmliche Schätze für das Auge bot.
Diese begannen die selbst sonnengoldenen Augen der Edhil zu beobachten, als ihr feines Ohr ein fernes, schwaches Trompeten vernahm, welches sich rasch, fließend näherte und damit lauter wurde.
Ihr Blick wanderte zurück zum Himmel. Diese Zeit des Jahres war gekommen?
Ja.
Da kamen sie! Erst dunkle Punkte, denen man doch eine natürliche Unregelmäßigkeit ansah und die sich nähernd die schlanken Wellenbewegungen ihrer langen Flügel erkennen ließen. Ihre kurzen, fanfarenartigen Rufe wurden klarer, und Anorimidh spürte den Geist der Gemeinschaft, der in diesen Rufen lag: den Brüdern die eigene Position kundgab und jüngeren Mitreisenden den Weg wies. Ein stetig sich wiederholendes und doch einzigartig variierendes "Ich bin hier!"
Der Flug der Kraniche, die in einer schwimmenden V-Formation über den Himmel zogen, schien langsamer zu werden, bis sich jeder einzelne Flügelschlag als ein lebendiges Wunder unauslöschlich in sie zu senken schien - doch das war nur ihr persönlicher Eindruck. Sie hätte diesen Moment später immer wieder malen können, es wäre stets das gleiche Bild geblieben: Der beginnende Gruß einer Jahreszeit, die vom Abschied erzählte.
Ein "Auf Wiedersehen!" von Eluives Natur, mit einem vergänglichen Zauber, den die Edhil später, Monde später, für ihre Brüder und Schwestern und auch für sich selbst, festzuhalten versuchte:
Sie malte nicht. Sie wob. Mit einer für Menschen kaum nachvollziehbaren Ruhe, Beharrlichkeit und Detailverliebtheit reihten sich Spulen um Spulen an Fäden nebeneinander, in farblichen Nuancen, dass kaum jemand sonst es den Aufand für wert befunden hätte, dafür eine eigene Spule oder auch nur ein Stück Faden zu färben. Und mit unerschütterlicher Geduld legte sie diese Fäden. Kaum eine Reihe, die einen von links bis rechts durchgehenden Schussfaden enthielt. Sie wählte unterschiedliche Fadenglätten, wodurch beispielsweise der Himmel eine andere, glattere Struktur bekam als die fluffigeren Wolken und die teils seidigen, teils fedrigen Leiber der eleganten Zugvögel. Sie trug nicht Farben auf Stoff auf, sondern sie wob Stoff durch Farben: und schuf eine Nachbildung dieses bestimmten Abends in einem Frühherbst, mit Kranichen, die über den Himmel zogen:
Kein Edhil, der sie dabei beobachtete, hätte sich noch über ihren Beinamen gewundert, den das heranwachsende Hên Anorimidh für eine Elfe schon früh erhielt:
Die Elfe ließ den Blick schweifen und sog die Farbnuancen auf, mit denen die Bäume ihre Blätter färbten, um sie dann, wenn sie am prächtigsten zu leuchten schienen, wie ein Geschenk zum Boden der Erdmutter zu schicken. Sie lauschte dem Plätschern des Wassers vom nahen Fluss, der zum Horizont hin breiter wurde und hinter dem Wald in weite Flächen mit zart rauschendem Gras eintrat. Neben ihr wuchs, diesen Übergang ankündigend, erstes Schilf hoch: teils noch kräftig, fast störrisch grün, doch auch hier wurden die schlanken lanzettenartigen Blätter fahler, bis sie die Helligkeit von dünnem Stroh hatten oder gar noch heller, fast weißlich-gelb wurden.
Alles wisperte, rauschte leise und murmelte, während die meisten Tiere stiller wurden.
Ob auch sie in Ehrfurcht dem beginnenden Spektakel am Himmel zuschauten?
Die Wolken waren in unregelmäßigen, länglichen Reihen über den Himmel verteilt, als hätte ein Kind einige Hände voll Sand nach vorne über den Boden geworfen. Zum Horizont wurden sie dichter und doch keine einheitliche Fläche.
Auf dieser Leinwand malte die Sonne.
Das strahlende Blau des Himmels über ihr begann, erst nur zart ahnbar, seine Kraft zu verlieren und wurde leicht dunkler. Das tagsüber helle Weiß der Wolken verschwand völlig und machte einem zarten Grau und den Feuerfarben der Sonne,sowie sich dem dagegen stemmenden Himmelsblau Platz, und damit der Symphonie an Farben, die Anorimidh so liebte: an den Rändern der Wolken dunkelblau, mit Grau sich mischend, dann mildes violett, wo der Himmel dominierte. Zartes rosé bis mächtig leuchtendes Orange, wo die Sonne noch die Oberhand behielt und ihr für heute letztes, fahler werdendes Gelb in den sich verabschiedenden Tag schickte.
Fast hätte die Edhil sich schon alleine diesem Anblick wie verzaubert hingeben können, doch es gab doch so viel mehr! Die Kronen der Bäume, die mit ihrem Grün und Rot noch mal anders auf das Licht reagierten... und das Wasser, das mit seiner Fähigkeit, das Licht glitzernd widerzuspiegeln, ebenso völlig eigene, fast unnachahmliche Schätze für das Auge bot.
Diese begannen die selbst sonnengoldenen Augen der Edhil zu beobachten, als ihr feines Ohr ein fernes, schwaches Trompeten vernahm, welches sich rasch, fließend näherte und damit lauter wurde.
Ihr Blick wanderte zurück zum Himmel. Diese Zeit des Jahres war gekommen?
Ja.
Da kamen sie! Erst dunkle Punkte, denen man doch eine natürliche Unregelmäßigkeit ansah und die sich nähernd die schlanken Wellenbewegungen ihrer langen Flügel erkennen ließen. Ihre kurzen, fanfarenartigen Rufe wurden klarer, und Anorimidh spürte den Geist der Gemeinschaft, der in diesen Rufen lag: den Brüdern die eigene Position kundgab und jüngeren Mitreisenden den Weg wies. Ein stetig sich wiederholendes und doch einzigartig variierendes "Ich bin hier!"
Der Flug der Kraniche, die in einer schwimmenden V-Formation über den Himmel zogen, schien langsamer zu werden, bis sich jeder einzelne Flügelschlag als ein lebendiges Wunder unauslöschlich in sie zu senken schien - doch das war nur ihr persönlicher Eindruck. Sie hätte diesen Moment später immer wieder malen können, es wäre stets das gleiche Bild geblieben: Der beginnende Gruß einer Jahreszeit, die vom Abschied erzählte.
Ein "Auf Wiedersehen!" von Eluives Natur, mit einem vergänglichen Zauber, den die Edhil später, Monde später, für ihre Brüder und Schwestern und auch für sich selbst, festzuhalten versuchte:
Sie malte nicht. Sie wob. Mit einer für Menschen kaum nachvollziehbaren Ruhe, Beharrlichkeit und Detailverliebtheit reihten sich Spulen um Spulen an Fäden nebeneinander, in farblichen Nuancen, dass kaum jemand sonst es den Aufand für wert befunden hätte, dafür eine eigene Spule oder auch nur ein Stück Faden zu färben. Und mit unerschütterlicher Geduld legte sie diese Fäden. Kaum eine Reihe, die einen von links bis rechts durchgehenden Schussfaden enthielt. Sie wählte unterschiedliche Fadenglätten, wodurch beispielsweise der Himmel eine andere, glattere Struktur bekam als die fluffigeren Wolken und die teils seidigen, teils fedrigen Leiber der eleganten Zugvögel. Sie trug nicht Farben auf Stoff auf, sondern sie wob Stoff durch Farben: und schuf eine Nachbildung dieses bestimmten Abends in einem Frühherbst, mit Kranichen, die über den Himmel zogen:

Kein Edhil, der sie dabei beobachtete, hätte sich noch über ihren Beinamen gewundert, den das heranwachsende Hên Anorimidh für eine Elfe schon früh erhielt:
"Spiel der Farben"