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DravoKash – Zwischen Kinderlachen und Feuersturm

Verfasst: Freitag 17. April 2026, 11:17
von DravoKash
Die Feuerhöhlen lebten. Für Fremde waren sie ein Ort des Todes – ein Atem aus Hitze, der die Lungen verbrannte, ein Boden, der unter den Füßen nachgab, Wände, die vor Glut pulsierten wie offene Wunden. Doch für die Rashar war dies kein fremder Ort. Es war Ursprung, es war Heimat, und DravoKash kannte diese Hitze, seit er das erste Mal Luft geholt hatte.

Er bewegte sich sicher durch die Höhlen, seine Schritte schwer, aber vertraut. Seine Haut, dunkel und hart wie Obsidian, hielt der Hitze stand, wo andere längst verbrannt wären. Sein Körper reagierte auf jede Veränderung im Gestein, auf das Flackern der Glut, auf das leise Knacken unter seinen Füßen. Er wusste, wann er treten konnte und wann nicht.

Und doch war diesmal etwas anders.

Diesmal ging er tiefer, als er es je zuvor getan hatte.

Sein rechtes Horn war nur noch ein abgebrochener Stumpf, eine alte Wunde aus seiner Kindheit. Damals hatte er geglaubt, er könne es mit einem Feuersturm aufnehmen – einem dieser wilden Feuerelementare, die in den Tiefen des Vulkans geboren wurden und dort wie lebendige Katastrophen tobten. Alle hatten ihn gewarnt, doch er hatte nur gelacht und war trotzdem gegangen.

Der Feuersturm hatte ihn nicht getötet.

Aber er hatte ihm das Horn gebrochen.

Und etwas in ihm hatte sich nie geändert.

DravoKash war der, der zu laut lachte, der Unsinn machte, der Dinge tat, bevor er darüber nachdachte. Einer, der stolperte und grinste, als wäre es Absicht gewesen. Und doch war er ein guter Bogenschütze, wenn er sich konzentrierte, wenn er wollte.

Nur wollte er das nicht immer.

Diesmal hatte er wieder nicht nachgedacht.

Er war einfach gegangen.

Das Lo hatte geschlafen, klein und warm, kaum mehr als ein erstes Flackern von Leben. DravoKash hatte einen Moment neben ihm gestanden, ungewohnt still, dann hatte er sich abgewandt. Sein Bogen lag wie immer in seiner Hand, vertraut, fast wie ein Teil von ihm selbst.

Ein Gedanke hatte sich in ihm festgesetzt, roh und ungeformt, aber stark genug, um ihn in Bewegung zu setzen.

Er wollte etwas Großes bringen.

Etwas, das blieb.

Etwas, das stärker war als er selbst.

Den Kern eines Feuersturms.

Nicht nur Glut. Nicht nur Hitze. Sondern ein Stück eines lebenden Elementars – verdichtete, ungezähmte Kraft.

Also war er aufgebrochen, ohne ein Wort.

Je tiefer er ging, desto lebendiger wurde der Vulkan. Die Hitze wurde dichter, schwerer, drückender. Der Boden begann sich zu verändern, wurde rissig, unruhig, weniger verlässlich. Doch er kannte das. Er kannte all das.

Und trotzdem ging er weiter, als er sollte.

Der Lavastrom stoppte ihn schließlich. Ein glühender Fluss, breit und träge, aber unaufhaltsam, schnitt ihm den Weg ab. Die Hitze, die von ihm ausging, war anders als alles zuvor – dichter, konzentrierter, als würde darin etwas schlagen. Für einen Moment schien es, als würde sich etwas in der Glut bewegen.

Als wäre dort wirklich ein Feuersturm.

Oder zumindest ein Teil von ihm.

DravoKash blieb stehen und sah hinein.

Langsam hob er den Bogen.

Seine Finger spannten sich, als würde er einen Pfeil auflegen, als würde er zielen. Eine Bewegung, die so tief in ihm verankert war, dass sie selbst jetzt noch kam, ganz ohne Nachdenken.

Ein leises Schnauben entkam ihm.

Fast ein Lachen.

Dann wurde alles schwer.

Seine Beine gaben nach, ohne Vorwarnung. Er ging in die Knie, fing sich nicht mehr ab, seine Hand rutschte über das heiße Gestein, während der Bogen ihm halb entglitt. Die Hitze war nicht mehr nur um ihn herum – sie war in ihm. Sein Atem wurde flach, unregelmäßig, seine Sicht begann zu flackern.

Er hatte die Grenze falsch eingeschätzt.

Nicht die des Vulkans.

Seine eigene.

Er kippte nach vorne und blieb liegen, den Bogen noch immer nah bei sich, als würde er ihn nicht loslassen wollen.

Die Feuerechsen kamen schnell. Sie gehörten hierher, so wie er. Kleine, zähe Wesen, die sich durch die Hitze bewegten, als wäre sie nichts. Ihre Bewegungen waren ruhig, sicher, selbstverständlich.

Ein erster Biss.

Dann ein zweiter.

Kleine Stücke, ohne Zögern.

DravoKash spürte es kaum noch. Sein Körper war noch da, doch er selbst entfernte sich bereits davon. Der Schmerz war weit weg, fast bedeutungslos geworden.

In dieser letzten Stille war er nicht mehr in den Höhlen.

Er sah das Lo.

Klein. Warm. Lebendig.

Ein Anfang.

Der einzige Gedanke, der noch blieb, hielt sich daran fest, als wäre alles andere bereits verschwunden.

Vielleicht würde es eines Tages genauso lachen wie er.
Zu laut.
Zu oft.

Ein schwacher, letzter Rest von etwas wie Zufriedenheit zog durch ihn.

Dann wurde auch dieser Gedanke still.

Sein Atem endete leise.

Und tief in den Feuerhöhlen, dort wo selbst die Rashar nicht oft gingen, atmete der Vulkan weiter.