Die Flucht.... die Erkenntnis.... der Weg
Verfasst: Freitag 27. März 2026, 16:25
Vor gut einem Jahreslauf kam Ben nach Gerimor, führten ihn doch für ihn unsichtbare Pfade dorthin, wo er nun ist. Anfangs hatte er nicht hinterfragt, warum er ging, warum seine Schritte ihn immer weiter forttrugen, weg von dem, was er kannte, hin zu etwas, das er nicht benennen konnte. Es hatte sich richtig angefühlt, still und unausweichlich, als hätte etwas in ihm den Weg längst gekannt. Doch dieses Gefühl war nicht geblieben.
Vieles hatte ihn verwirrt im vergangenen Jahr. Farne, die sich an ihn schmiegten, als hätten sie ein eigenes Verlangen nach Nähe, Farben, die nicht nur gesehen, sondern gespürt werden konnten. Und überall, in allem, dieses Lied. Die Liedströme der Elemente, die sich durch jeden Ast zogen, durch jeden Stein, durch jeden Atemzug. Ein Zusammenspiel, lebendig und vielschichtig, getragen von Erde, Wasser, Luft und Feuer, sichtbar und hörbar für jene, denen die Mutter Eluive diese Gabe geschenkt hatte. Anfangs hatte es ihn erfüllt, getragen von einer leisen Gewissheit, dass er angekommen war. Doch mit der Zeit war diese Gewissheit brüchig geworden. Denn das Lied war nicht nur sanft, es war vielstimmig, widersprüchlich, manchmal überwältigend, und je mehr er versuchte, es zu begreifen, desto mehr entglitt es ihm.
Viele Feste wurden gefeiert, Rituale vollzogen, Worte gesprochen, deren Bedeutung sich ihm nicht immer erschloss. Er hatte gelernt, beobachtet, sich eingefügt, hatte begonnen, seinen Platz zu suchen. Aus dem stillen, in sich gekehrten jungen Mann war jemand geworden, der sprach, der sich zeigte, der sich mehr zutraute. Doch diese Veränderung fühlte sich nicht immer echt an. Manchmal kam es ihm vor, als würde er eine Rolle ausfüllen, während in ihm noch immer Unsicherheit herrschte. Ein leiser Zweifel, der nicht verschwinden wollte, ganz gleich, wie sehr er sich bemühte.
Das letzte Treffen mit den Brüdern hatte diesen Zweifel vertieft. Die Aufgabe, die man ihm gab, war klar formuliert gewesen, und doch hatte sie sich für ihn fremd angefühlt. Es ging nicht einfach um Gegenstände. Es ging um Werkzeuge, die nicht nur geformt, sondern gebunden werden sollten. Träger des Liedes. Gefäße, in denen sich die Strömungen der Elemente sammeln konnten. Sie sollten nicht das Lied verändern, sondern es aufnehmen, verdichten, lenken helfen, wenn die Kräfte zu groß wurden, um sie allein zu tragen. Sie sollten den Druiden nicht ersetzen, sondern ihn stärken, ihn erweitern, ihm Halt geben in Momenten, in denen das Lied zu mächtig wurde.
Er hatte die Worte gehört.
Doch er hatte sie nicht fühlen können.
Denn in ihm sträubte sich etwas dagegen. Für ihn war das Lied etwas gewesen, das frei floss, das sich nicht greifen ließ, das man nicht festhielt. Es war etwas, dem man sich öffnete, nicht etwas, das man formte. Und auch wenn die Brüder davon sprachen, dass diese Werkzeuge selbst Teil dieses Flusses seien, durchzogen vom gleichen Lied, das auch durch ihn ging, fühlte es sich für ihn anders an. Dichter. Schwerer. Fast so, als würde etwas festgehalten werden, das doch frei sein wollte.
Dieser Widerspruch ließ ihn nicht los.
Vielleicht verstand er mehr falsch, als er glaubte. Vielleicht sah er nur einen Teil und hielt ihn für das Ganze. Vielleicht war es nicht das Lied, das sich ihm entzog, sondern er selbst, der sich dagegen verschloss, tiefer zu gehen.
Die Zweifel wurden lauter, drängender, ließen sich nicht mehr verdrängen. Sie begleiteten ihn überall, selbst in Momenten, die einst von Klarheit erfüllt gewesen waren. Und je mehr er darüber nachdachte, desto weiter entfernte er sich von dem, was sich einst richtig angefühlt hatte.
Also zog er sich in den Wald zurück. Nicht nur, um Abstand zu gewinnen, sondern um sich selbst zu entkommen. Fern von den Blicken der anderen ließ er los, nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Gestalt. Er griff nach dem Klangbild, das er einst auf der verschneiten Lichtung gefunden hatte, nach jener Verbindung, die sich so mühelos mit seinem eigenen Wesen verflochten hatte, und wurde das Eichhörnchen.
Sein strubbeliges, dunkelbraunes Fell legte sich dicht um seinen kleinen Körper, wärmend und schützend. Seine Glieder wurden leicht und federnd, seine Sinne schärften sich, und für einen Moment fiel alles von ihm ab. Die Zweifel, die Fragen, die Unsicherheit. In dieser Gestalt gab es keinen Platz dafür. Dort war nur Bewegung, nur Gegenwart, nur das unmittelbare Sein.
Er bewegte sich schnell, aber nicht hastig. Jeder Sprung war vorbereitet, jeder Halt bewusst gewählt. Er rannte spiralförmig an Stämmen hinauf, fand mit seinen Krallen sicheren Griff in der Rinde, hielt inne, lauschte, zuckte kaum sichtbar mit der Nase, bevor er sich für den nächsten Satz entschied. Seine Bewegungen wirkten leicht, beinahe spielerisch, doch sie waren durchzogen von Aufmerksamkeit. Nichts geschah zufällig.
Wenn er eine Nuss fand, hielt er sie zwischen den kleinen Vorderpfoten, drehte sie prüfend, knabberte sie mit schnellen, präzisen Bewegungen auf, während sein Blick wachsam blieb. Selbst im Fressen lag keine Nachlässigkeit, sondern ein Gleichgewicht aus Ruhe und Bereitschaft. Manchmal vergrub er Vorräte, nicht aus unmittelbarem Bedürfnis, sondern aus einem tief verankerten Wissen heraus, dass Zeiten kommen würden, in denen das Jetzt nicht mehr ausreichte.
Oft hielt er inne, setzte sich aufrecht auf einen Ast, der buschige Schwanz umschlang locker seinen Körper oder lag wie ein Gegengewicht hinter ihm. Dann war er still. Wach. Gegenwärtig. Seine Augen wanderten nicht ziellos, sie prüften, nahmen wahr, ohne sich festzuhalten. In diesen Momenten war er ganz Teil des Waldes, kein Fremder, kein Suchender, sondern eingebettet in das große Geflecht des Liedes.
Und genau darin lag die Ruhe, die er suchte, denn hier gab es keinen Zweifel, weil keine Distanz zwischen ihm und dem bestand, was war. Kein Hinterfragen, kein Abwägen, nur das unmittelbare Sein, getragen vom Augenblick. Doch selbst diese Ruhe begann zu bröckeln. Die Momente des Innehaltens wurden länger, das Lauschen schwerer, und in die Klarheit seiner Wahrnehmung schob sich etwas Fremdes, etwas, das nicht zu dieser Gestalt gehörte. Gedanken.
Wenn er auf einem Ast saß und der Wind ihn sanft wiegte, wenn sein Körper still war und nichts ihn zum nächsten Sprung drängte, kehrte es zurück, erst leise, dann unausweichlich. Die Frage, ob er sich versteckte, ob diese Gestalt ihm half, das Lied zu verstehen, oder ob sie ihm nur erlaubte, ihm auszuweichen. Seine Krallen gruben sich fester in die Rinde, sein kleiner Körper spannte sich an, als könnte er die Gedanken abschütteln wie Regen aus seinem Fell, doch es gelang ihm nicht mehr so mühelos wie früher.
Denn tief in ihm wusste er, dass diese Form ihm zwar Freiheit schenkte, aber keine Antworten. Und so blieb er sitzen, reglos, während der Wind durch die Äste strich und das Lied um ihn herum weiterklang.
Und inmitten dieser Bewegung, dieses Lebens, dieser Klarheit stand eine einzige,
unbewegliche Frage, ob er noch auf dem richtigen Weg war.........
Vieles hatte ihn verwirrt im vergangenen Jahr. Farne, die sich an ihn schmiegten, als hätten sie ein eigenes Verlangen nach Nähe, Farben, die nicht nur gesehen, sondern gespürt werden konnten. Und überall, in allem, dieses Lied. Die Liedströme der Elemente, die sich durch jeden Ast zogen, durch jeden Stein, durch jeden Atemzug. Ein Zusammenspiel, lebendig und vielschichtig, getragen von Erde, Wasser, Luft und Feuer, sichtbar und hörbar für jene, denen die Mutter Eluive diese Gabe geschenkt hatte. Anfangs hatte es ihn erfüllt, getragen von einer leisen Gewissheit, dass er angekommen war. Doch mit der Zeit war diese Gewissheit brüchig geworden. Denn das Lied war nicht nur sanft, es war vielstimmig, widersprüchlich, manchmal überwältigend, und je mehr er versuchte, es zu begreifen, desto mehr entglitt es ihm.
Viele Feste wurden gefeiert, Rituale vollzogen, Worte gesprochen, deren Bedeutung sich ihm nicht immer erschloss. Er hatte gelernt, beobachtet, sich eingefügt, hatte begonnen, seinen Platz zu suchen. Aus dem stillen, in sich gekehrten jungen Mann war jemand geworden, der sprach, der sich zeigte, der sich mehr zutraute. Doch diese Veränderung fühlte sich nicht immer echt an. Manchmal kam es ihm vor, als würde er eine Rolle ausfüllen, während in ihm noch immer Unsicherheit herrschte. Ein leiser Zweifel, der nicht verschwinden wollte, ganz gleich, wie sehr er sich bemühte.
Das letzte Treffen mit den Brüdern hatte diesen Zweifel vertieft. Die Aufgabe, die man ihm gab, war klar formuliert gewesen, und doch hatte sie sich für ihn fremd angefühlt. Es ging nicht einfach um Gegenstände. Es ging um Werkzeuge, die nicht nur geformt, sondern gebunden werden sollten. Träger des Liedes. Gefäße, in denen sich die Strömungen der Elemente sammeln konnten. Sie sollten nicht das Lied verändern, sondern es aufnehmen, verdichten, lenken helfen, wenn die Kräfte zu groß wurden, um sie allein zu tragen. Sie sollten den Druiden nicht ersetzen, sondern ihn stärken, ihn erweitern, ihm Halt geben in Momenten, in denen das Lied zu mächtig wurde.
Er hatte die Worte gehört.
Doch er hatte sie nicht fühlen können.
Denn in ihm sträubte sich etwas dagegen. Für ihn war das Lied etwas gewesen, das frei floss, das sich nicht greifen ließ, das man nicht festhielt. Es war etwas, dem man sich öffnete, nicht etwas, das man formte. Und auch wenn die Brüder davon sprachen, dass diese Werkzeuge selbst Teil dieses Flusses seien, durchzogen vom gleichen Lied, das auch durch ihn ging, fühlte es sich für ihn anders an. Dichter. Schwerer. Fast so, als würde etwas festgehalten werden, das doch frei sein wollte.
Dieser Widerspruch ließ ihn nicht los.
Vielleicht verstand er mehr falsch, als er glaubte. Vielleicht sah er nur einen Teil und hielt ihn für das Ganze. Vielleicht war es nicht das Lied, das sich ihm entzog, sondern er selbst, der sich dagegen verschloss, tiefer zu gehen.
Die Zweifel wurden lauter, drängender, ließen sich nicht mehr verdrängen. Sie begleiteten ihn überall, selbst in Momenten, die einst von Klarheit erfüllt gewesen waren. Und je mehr er darüber nachdachte, desto weiter entfernte er sich von dem, was sich einst richtig angefühlt hatte.
Also zog er sich in den Wald zurück. Nicht nur, um Abstand zu gewinnen, sondern um sich selbst zu entkommen. Fern von den Blicken der anderen ließ er los, nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Gestalt. Er griff nach dem Klangbild, das er einst auf der verschneiten Lichtung gefunden hatte, nach jener Verbindung, die sich so mühelos mit seinem eigenen Wesen verflochten hatte, und wurde das Eichhörnchen.
Sein strubbeliges, dunkelbraunes Fell legte sich dicht um seinen kleinen Körper, wärmend und schützend. Seine Glieder wurden leicht und federnd, seine Sinne schärften sich, und für einen Moment fiel alles von ihm ab. Die Zweifel, die Fragen, die Unsicherheit. In dieser Gestalt gab es keinen Platz dafür. Dort war nur Bewegung, nur Gegenwart, nur das unmittelbare Sein.
Er bewegte sich schnell, aber nicht hastig. Jeder Sprung war vorbereitet, jeder Halt bewusst gewählt. Er rannte spiralförmig an Stämmen hinauf, fand mit seinen Krallen sicheren Griff in der Rinde, hielt inne, lauschte, zuckte kaum sichtbar mit der Nase, bevor er sich für den nächsten Satz entschied. Seine Bewegungen wirkten leicht, beinahe spielerisch, doch sie waren durchzogen von Aufmerksamkeit. Nichts geschah zufällig.
Wenn er eine Nuss fand, hielt er sie zwischen den kleinen Vorderpfoten, drehte sie prüfend, knabberte sie mit schnellen, präzisen Bewegungen auf, während sein Blick wachsam blieb. Selbst im Fressen lag keine Nachlässigkeit, sondern ein Gleichgewicht aus Ruhe und Bereitschaft. Manchmal vergrub er Vorräte, nicht aus unmittelbarem Bedürfnis, sondern aus einem tief verankerten Wissen heraus, dass Zeiten kommen würden, in denen das Jetzt nicht mehr ausreichte.
Oft hielt er inne, setzte sich aufrecht auf einen Ast, der buschige Schwanz umschlang locker seinen Körper oder lag wie ein Gegengewicht hinter ihm. Dann war er still. Wach. Gegenwärtig. Seine Augen wanderten nicht ziellos, sie prüften, nahmen wahr, ohne sich festzuhalten. In diesen Momenten war er ganz Teil des Waldes, kein Fremder, kein Suchender, sondern eingebettet in das große Geflecht des Liedes.
Und genau darin lag die Ruhe, die er suchte, denn hier gab es keinen Zweifel, weil keine Distanz zwischen ihm und dem bestand, was war. Kein Hinterfragen, kein Abwägen, nur das unmittelbare Sein, getragen vom Augenblick. Doch selbst diese Ruhe begann zu bröckeln. Die Momente des Innehaltens wurden länger, das Lauschen schwerer, und in die Klarheit seiner Wahrnehmung schob sich etwas Fremdes, etwas, das nicht zu dieser Gestalt gehörte. Gedanken.
Wenn er auf einem Ast saß und der Wind ihn sanft wiegte, wenn sein Körper still war und nichts ihn zum nächsten Sprung drängte, kehrte es zurück, erst leise, dann unausweichlich. Die Frage, ob er sich versteckte, ob diese Gestalt ihm half, das Lied zu verstehen, oder ob sie ihm nur erlaubte, ihm auszuweichen. Seine Krallen gruben sich fester in die Rinde, sein kleiner Körper spannte sich an, als könnte er die Gedanken abschütteln wie Regen aus seinem Fell, doch es gelang ihm nicht mehr so mühelos wie früher.
Denn tief in ihm wusste er, dass diese Form ihm zwar Freiheit schenkte, aber keine Antworten. Und so blieb er sitzen, reglos, während der Wind durch die Äste strich und das Lied um ihn herum weiterklang.
Und inmitten dieser Bewegung, dieses Lebens, dieser Klarheit stand eine einzige,
unbewegliche Frage, ob er noch auf dem richtigen Weg war.........

