Gebrochener Fokus und verborgener Klang
Verfasst: Sonntag 22. März 2026, 19:23
Stille, nur durchbrochen durch das leise knistern des brennenden Kerzendochtes und dem kratzenden Geräusch des schlecht geschnittenen Federkiels auf Pergament.
Als die Schreibhand nach einer Weile zur Ruhe gelangt und die Feder ihren Platz auf dem Schreibpult findet, wendet sich ihr Blick dem offenem Fensterbogen zu. Schwärze empfing sie. Nur das fahle silberne Licht des vollen Mondes, sowie die grün-gelblichen Lichter der Glühwürmchen erweckten in ihr die Vorstellung von zwei wachenden Recken, die darum bemüht waren, der alles verschlingenden Finsternis Widerstand zu leisten.
Die umherschweifenden Blicke ihrer azurblauen Augen verrieten, dass sie auf der Suche nach etwas schien, doch es nicht fassen konnte und mit eben jenem erfolglosen Resultat, schlich sich das seit Wochenläufen anhaltende Gefühl der Paranoia wieder in ihre Gedanken und drückte sich in einem Schauer aus, der einmal mehr durch ihren Körper fuhr und Gänsehaut als äußeres Zeichen hinterließ.
Dieses Gefühl, dass sie seit jenem Tag in der Höhle ergriff und seither nicht mehr loszulassen schien, als würde sie unter ständiger Beobachtung stehen, jedwede ihrer Handlungen studiert und ihr Verhalten analysiert werden. Unzählige Augen, die verborgen hinter einem Schleier, auf einem fokussiert ruhten.
Würde es nur sie selbst betreffen, fände sie wohl eine Möglichkeit sich damit arrangieren zu können, zu dieser Überzeugung gelangte sie zumindest gedanklich. Doch es betraf eben nicht nur sie selbst, sondern ergriff ebenso ihre Geschwister und brachte sie alle somit in gewisser Art und Weise aus dem Gleichklang – der innewohnenden, ruhenden Balance eines Elfen – und das war die eigentliche Gefahr an dieser vorherrschenden Situation und schürte in ihr somit die Sorge … eine toxische Kombination.
War dies einer der Beweggründe, weshalb der Camvaethol seinen Auftrag im Geheimen vergab und sie alle in Unwissenheit ließ, oder war eben jener Auftrag wirklich so schicksalsschwer, dass die Bürde des Scheiterns nicht auf den Schultern aller ruhen sollte?
Als sie merkte sich in Spekulationen zu verlieren, schloss sie ihre Augen, schüttelte leicht den Kopf und atmete tief durch. Ein jeder von ihnen war wie der Arm eines Flusses, dem auf seiner Reise die unterschiedlichsten Begebenheiten und Erfahrungen zuteil wurde. Gleich wie unterschiedlich diese Pfade auch ausfielen, hatten all jene Flussläufe den selben Quell als Ursprung. Die Stärke ihres Volkes ruhte nicht auf den Schultern des Einzelnen, sondern auf denen Aller. Sich innerlich an diesem Wissen festhaltend und daraus neue Kraft zu schöpfen, gelang es ihr die Fesseln der Furcht abzustreifen und erneut einen klaren Gedanken zu fassen.
Als sie ihre Augen wieder zu öffnen begann, zeichnete sich Entschlossenheit in ihrem Blick ab und so begann sie damit, ihre Arbeit zu vollenden. In einer ruhigen Bewegung neigte sie ihren Kopf in Richtung des auf dem Schreibpult ruhenden Pergaments und entließ ihren warmen Atem auf eben selbiges, woraufhin sich die Schrift in einem kurzen, jedoch intensiven Leuchten hervortat. Zur selben Zeit tauchte ihr Bewusstsein in die verschleierte Ebene des Liedes ein und fasste einen der unscheinbar wirkenden Stränge ihrer Existenz. Der Vorstellungskraft entsprungen, berührte die diesen sanft mit ihren feingliedrigen Fingern und ließ ihn behutsam über die Innenfläche ihrer Hand gleiten, ohne dabei seine linear verlaufende Bahn im Fluss der Zeit zu verändern. Seine Bewegung verspürend, offenbarte sie diesem unausgesprochen ihr Anliegen, entbot ihren Wunsch, auf das jener wie ein Schiff auf hoher See seine Reise auf den Rücken der Wellen antreten konnte.
Als der Zauber somit vollendet war, rollte sie das Pergament zusammen und verstaute es in ihrer Tasche, ehe sie sich vom Stuhl aufrichtete und nach ihrem aus tiefblauen Samt gefertigten Umhang griff. Der Beleg beider Seitenränder war mit feinen in Silber gehaltenen Applikationen versehen, welche die einzelnen Zyklen des Mondes im Sternenhimmel wiedergaben. Als der Stoff sich über ihre Schulter fließend hinab erstreckte und somit ihre eigentliche Statur verhüllte, fassten beide feingliedrigen Hände die Kutte des Umhanges und führten sie über ihren Kopf, um somit auch ihr Gesicht vollends zu verbergen.
Einer Herausforderung musste sie sich noch stellen. So trat sie ihren Weg durch die verzierten Marmorhallen an, vorbei an der Vielzahl der Wächter ihres Volkes, bis sie die äußeren, oberen Palaststufen erreichte. Dort verharrte Sie. Wäre nicht der konstant unter der Kutte hervortretende, warme Atem gewesen, welcher wie feiner Nebel in der Umgebung aufging, man hätte meinen können, eine neue Statue zu erblicken.
Das fahle, silberne Licht des Mondes von Wolken verdeckt, die grün-gelblichen Lichter der Glühwürmchen längst verblasst. Es schien so, als hätte die sie umgebende Schwärze der Nacht den Widerstand brechen können und beides verschlungen. Was sollte sie nun davon abhalten sich auch auf sie selbst zu stürzen.
Das Licht. Die einsetzende morgendliche Dämmerung, welche die Finsternis in ihre Schranken wies und ihren schemenhaften Griff Einhalt gebot. Doch sie war sich gewiss, dass dies nicht ausreichen würde, um die unzähligen Blicke von ihr abzuwenden, war doch die Finsternis selbst nur ein Mittel zum Zweck für eben jene lauernde Präsenz sich zu verbergen. Jedoch war dies das Reich der Elfen und keiner kannte die Besonderheiten dieses Ortes besser als die Elfen selbst. So war das statuenhafte Verharren nur dem geduldigen Abwarten auf das Eintreten der günstigen Umstände geschuldet.
In der Luft selbst konnte man den Regen bereits riechen, wenngleich der Himmel selbst kaum wolkenverhangen schien, was nur bedeutete, dass sobald sich die ersten Strahlen der Sonne ihren Weg von den bläulichen Gipfeln der Bergkette hinab ins Tal bahnten und der Regen einzusetzen begann, die unzähligen Tropfen das Licht der Strahlen brechen würde. Dem jedoch nicht genug, vermischte sich die aufsteigende warme Luft des Bodens mit der kühlen, welche von den Bergen ins Tal hinab strömte.
Wie beim Mischen eines Trankes waren alle Zutaten vorhanden, es bedurfte keiner Improvisation, um ein gewünschtes Resultat zu verwirklichen und somit war ein Weben in die Ebene des Liedes selbst kaum von einem größeren Eingriff geprägt. Im Gegensatz zu den Menschen, verstehen die Elfen die Elemente nicht nur als reine Werkzeuge deren sie sich im Lied bedienen, sondern als Kräfte, denen eigene charakterliche Eigenschaften innewohnen. Somit scheint es auch nicht verwunderlich, wenn ihre Kunst des Eingriffes kaum von einer natürlichen Perfektion, einem natürlich auftretenden Phänomen abweicht und der Aussage zu einem Element zu werden, ohne das Element zu sein, eine tiefgründigere Bedeutung innewohnt.
Als sich der erste Nebel in Bodennähe zu bilden begann und der seichte Nieselregen einsetzte, veränderte sich auch ein Detail an der sonst weiterhin verharrenden Gestalt auf den oberen Stufen der Palasttreppe. Das mit der Kutte bedeckte Haupt hob sich einen Deut, die Schwärze, welche das Gesicht vollends verbarg wurde im Bruchteil eines Augenblickes von einem silbernen Augenpaar durchbrochen. Eine Emotion? Nicht erkenntlich, so wirkte jener unheimlich anmutende Blick, als würde er selbst nur eine Maske versinnbildlichen. Doch zum selben Zeitpunkt, in welchem jener Blick erkenntlich wurde, schien sich der Nebel weiter zu verdichten und sich wie eine wabernde Masse in alle Richtungen auszubreiten, während der Regen an Intensität zu gewinnen schien.
Es bedurfte nur noch Augenblicke, als die ersten Strahlen der Sonne das Tal erreichten und die Regentropfen, die ihre Bahn schnitten, in ein Meer aus funkelnden, fallenden Diamanten verwandelte.
In diesem durchaus faszinierend anmutenden Schauspiel verbarg sich jedoch ein weitaus gewichtiger Effekt. Als sie sich aus ihrem Verharren löste und die ersten Stufen hinab zu steigen begann, da, stand sie im selben Augenblick doch weiterhin auf den oberen Stufen. Als sie sich nach rechts herum zu wenden schien und in Bewegung versetzte, da stand sie im selben Augenblick doch weiterhin auf den oberen Stufen.
So setzte sich es sich unentwegt weiter fort, gleich welche Richtung das Ziel war, als würde eine Person durch ein Kabinett aus unzähligen Spiegeln wandeln und mit jedem passieren eines solchen eine identische Kopie ihres selbst erzeugen.

Wie ein kleines Vögelchen, welches im Fokus seines Häschers liegt, versteckt es sich in einem Schwarm seines gleichen. Das war ihr Ziel, um ihre letzte Handlung zu verschleiern.
Als sich nach einiger Zeit der Regen einstellte und der Nebel wie natürlich zu weichen begann, da stand auf den oberen Palaststufen immer noch jene verhüllte Gestalt mit silbernen Blick. Als dieser im Bruchteil eines Augenblickes verschwand, so wie er einst hervortrat, da wandte sie sich herum. Kein Schemen brach nun mehr aus ihr heraus, als sie wieder in den hohen, verzierten Marmorhallen entschwand.
Als die Zeit an jenem Tage weiter verstrich, da mag dem einen oder anderen geschulten Geist unter ihren Geschwistern ein kleine Nuance unter den sonst üblichen Klängen im Tal der Elfen auffallen können.
Ein Klang, getragen vom Wind verborgen hinter dem Rascheln der Blätter und dem plätschernden Geräuschen der fließenden Bachläufe. Ein Ruf, whisperhaft und doch kontinuierlich durchzieht er das Tal.
Und so wie es die Menschen verstehen, glich es einem Namen – Yll'avara.
So sie diesem Klang folgt, wird sie sich an jenem Baum auf dem Platz der Magierakademie wiederfinden, an dem sie sich einst verabschiedete. Doch etwas scheint anders zu ein. In einem Spalt des Baumstammes ruht verborgen eine Schriftrolle, der Quell jenes Rufes.
Als die Schreibhand nach einer Weile zur Ruhe gelangt und die Feder ihren Platz auf dem Schreibpult findet, wendet sich ihr Blick dem offenem Fensterbogen zu. Schwärze empfing sie. Nur das fahle silberne Licht des vollen Mondes, sowie die grün-gelblichen Lichter der Glühwürmchen erweckten in ihr die Vorstellung von zwei wachenden Recken, die darum bemüht waren, der alles verschlingenden Finsternis Widerstand zu leisten.
Die umherschweifenden Blicke ihrer azurblauen Augen verrieten, dass sie auf der Suche nach etwas schien, doch es nicht fassen konnte und mit eben jenem erfolglosen Resultat, schlich sich das seit Wochenläufen anhaltende Gefühl der Paranoia wieder in ihre Gedanken und drückte sich in einem Schauer aus, der einmal mehr durch ihren Körper fuhr und Gänsehaut als äußeres Zeichen hinterließ.
Dieses Gefühl, dass sie seit jenem Tag in der Höhle ergriff und seither nicht mehr loszulassen schien, als würde sie unter ständiger Beobachtung stehen, jedwede ihrer Handlungen studiert und ihr Verhalten analysiert werden. Unzählige Augen, die verborgen hinter einem Schleier, auf einem fokussiert ruhten.
Würde es nur sie selbst betreffen, fände sie wohl eine Möglichkeit sich damit arrangieren zu können, zu dieser Überzeugung gelangte sie zumindest gedanklich. Doch es betraf eben nicht nur sie selbst, sondern ergriff ebenso ihre Geschwister und brachte sie alle somit in gewisser Art und Weise aus dem Gleichklang – der innewohnenden, ruhenden Balance eines Elfen – und das war die eigentliche Gefahr an dieser vorherrschenden Situation und schürte in ihr somit die Sorge … eine toxische Kombination.
War dies einer der Beweggründe, weshalb der Camvaethol seinen Auftrag im Geheimen vergab und sie alle in Unwissenheit ließ, oder war eben jener Auftrag wirklich so schicksalsschwer, dass die Bürde des Scheiterns nicht auf den Schultern aller ruhen sollte?
Als sie merkte sich in Spekulationen zu verlieren, schloss sie ihre Augen, schüttelte leicht den Kopf und atmete tief durch. Ein jeder von ihnen war wie der Arm eines Flusses, dem auf seiner Reise die unterschiedlichsten Begebenheiten und Erfahrungen zuteil wurde. Gleich wie unterschiedlich diese Pfade auch ausfielen, hatten all jene Flussläufe den selben Quell als Ursprung. Die Stärke ihres Volkes ruhte nicht auf den Schultern des Einzelnen, sondern auf denen Aller. Sich innerlich an diesem Wissen festhaltend und daraus neue Kraft zu schöpfen, gelang es ihr die Fesseln der Furcht abzustreifen und erneut einen klaren Gedanken zu fassen.
Als sie ihre Augen wieder zu öffnen begann, zeichnete sich Entschlossenheit in ihrem Blick ab und so begann sie damit, ihre Arbeit zu vollenden. In einer ruhigen Bewegung neigte sie ihren Kopf in Richtung des auf dem Schreibpult ruhenden Pergaments und entließ ihren warmen Atem auf eben selbiges, woraufhin sich die Schrift in einem kurzen, jedoch intensiven Leuchten hervortat. Zur selben Zeit tauchte ihr Bewusstsein in die verschleierte Ebene des Liedes ein und fasste einen der unscheinbar wirkenden Stränge ihrer Existenz. Der Vorstellungskraft entsprungen, berührte die diesen sanft mit ihren feingliedrigen Fingern und ließ ihn behutsam über die Innenfläche ihrer Hand gleiten, ohne dabei seine linear verlaufende Bahn im Fluss der Zeit zu verändern. Seine Bewegung verspürend, offenbarte sie diesem unausgesprochen ihr Anliegen, entbot ihren Wunsch, auf das jener wie ein Schiff auf hoher See seine Reise auf den Rücken der Wellen antreten konnte.
Als der Zauber somit vollendet war, rollte sie das Pergament zusammen und verstaute es in ihrer Tasche, ehe sie sich vom Stuhl aufrichtete und nach ihrem aus tiefblauen Samt gefertigten Umhang griff. Der Beleg beider Seitenränder war mit feinen in Silber gehaltenen Applikationen versehen, welche die einzelnen Zyklen des Mondes im Sternenhimmel wiedergaben. Als der Stoff sich über ihre Schulter fließend hinab erstreckte und somit ihre eigentliche Statur verhüllte, fassten beide feingliedrigen Hände die Kutte des Umhanges und führten sie über ihren Kopf, um somit auch ihr Gesicht vollends zu verbergen.
Einer Herausforderung musste sie sich noch stellen. So trat sie ihren Weg durch die verzierten Marmorhallen an, vorbei an der Vielzahl der Wächter ihres Volkes, bis sie die äußeren, oberen Palaststufen erreichte. Dort verharrte Sie. Wäre nicht der konstant unter der Kutte hervortretende, warme Atem gewesen, welcher wie feiner Nebel in der Umgebung aufging, man hätte meinen können, eine neue Statue zu erblicken.
Das fahle, silberne Licht des Mondes von Wolken verdeckt, die grün-gelblichen Lichter der Glühwürmchen längst verblasst. Es schien so, als hätte die sie umgebende Schwärze der Nacht den Widerstand brechen können und beides verschlungen. Was sollte sie nun davon abhalten sich auch auf sie selbst zu stürzen.
Das Licht. Die einsetzende morgendliche Dämmerung, welche die Finsternis in ihre Schranken wies und ihren schemenhaften Griff Einhalt gebot. Doch sie war sich gewiss, dass dies nicht ausreichen würde, um die unzähligen Blicke von ihr abzuwenden, war doch die Finsternis selbst nur ein Mittel zum Zweck für eben jene lauernde Präsenz sich zu verbergen. Jedoch war dies das Reich der Elfen und keiner kannte die Besonderheiten dieses Ortes besser als die Elfen selbst. So war das statuenhafte Verharren nur dem geduldigen Abwarten auf das Eintreten der günstigen Umstände geschuldet.
In der Luft selbst konnte man den Regen bereits riechen, wenngleich der Himmel selbst kaum wolkenverhangen schien, was nur bedeutete, dass sobald sich die ersten Strahlen der Sonne ihren Weg von den bläulichen Gipfeln der Bergkette hinab ins Tal bahnten und der Regen einzusetzen begann, die unzähligen Tropfen das Licht der Strahlen brechen würde. Dem jedoch nicht genug, vermischte sich die aufsteigende warme Luft des Bodens mit der kühlen, welche von den Bergen ins Tal hinab strömte.
Wie beim Mischen eines Trankes waren alle Zutaten vorhanden, es bedurfte keiner Improvisation, um ein gewünschtes Resultat zu verwirklichen und somit war ein Weben in die Ebene des Liedes selbst kaum von einem größeren Eingriff geprägt. Im Gegensatz zu den Menschen, verstehen die Elfen die Elemente nicht nur als reine Werkzeuge deren sie sich im Lied bedienen, sondern als Kräfte, denen eigene charakterliche Eigenschaften innewohnen. Somit scheint es auch nicht verwunderlich, wenn ihre Kunst des Eingriffes kaum von einer natürlichen Perfektion, einem natürlich auftretenden Phänomen abweicht und der Aussage zu einem Element zu werden, ohne das Element zu sein, eine tiefgründigere Bedeutung innewohnt.
Als sich der erste Nebel in Bodennähe zu bilden begann und der seichte Nieselregen einsetzte, veränderte sich auch ein Detail an der sonst weiterhin verharrenden Gestalt auf den oberen Stufen der Palasttreppe. Das mit der Kutte bedeckte Haupt hob sich einen Deut, die Schwärze, welche das Gesicht vollends verbarg wurde im Bruchteil eines Augenblickes von einem silbernen Augenpaar durchbrochen. Eine Emotion? Nicht erkenntlich, so wirkte jener unheimlich anmutende Blick, als würde er selbst nur eine Maske versinnbildlichen. Doch zum selben Zeitpunkt, in welchem jener Blick erkenntlich wurde, schien sich der Nebel weiter zu verdichten und sich wie eine wabernde Masse in alle Richtungen auszubreiten, während der Regen an Intensität zu gewinnen schien.
Es bedurfte nur noch Augenblicke, als die ersten Strahlen der Sonne das Tal erreichten und die Regentropfen, die ihre Bahn schnitten, in ein Meer aus funkelnden, fallenden Diamanten verwandelte.
In diesem durchaus faszinierend anmutenden Schauspiel verbarg sich jedoch ein weitaus gewichtiger Effekt. Als sie sich aus ihrem Verharren löste und die ersten Stufen hinab zu steigen begann, da, stand sie im selben Augenblick doch weiterhin auf den oberen Stufen. Als sie sich nach rechts herum zu wenden schien und in Bewegung versetzte, da stand sie im selben Augenblick doch weiterhin auf den oberen Stufen.
So setzte sich es sich unentwegt weiter fort, gleich welche Richtung das Ziel war, als würde eine Person durch ein Kabinett aus unzähligen Spiegeln wandeln und mit jedem passieren eines solchen eine identische Kopie ihres selbst erzeugen.

Wie ein kleines Vögelchen, welches im Fokus seines Häschers liegt, versteckt es sich in einem Schwarm seines gleichen. Das war ihr Ziel, um ihre letzte Handlung zu verschleiern.
Als sich nach einiger Zeit der Regen einstellte und der Nebel wie natürlich zu weichen begann, da stand auf den oberen Palaststufen immer noch jene verhüllte Gestalt mit silbernen Blick. Als dieser im Bruchteil eines Augenblickes verschwand, so wie er einst hervortrat, da wandte sie sich herum. Kein Schemen brach nun mehr aus ihr heraus, als sie wieder in den hohen, verzierten Marmorhallen entschwand.
Als die Zeit an jenem Tage weiter verstrich, da mag dem einen oder anderen geschulten Geist unter ihren Geschwistern ein kleine Nuance unter den sonst üblichen Klängen im Tal der Elfen auffallen können.
Ein Klang, getragen vom Wind verborgen hinter dem Rascheln der Blätter und dem plätschernden Geräuschen der fließenden Bachläufe. Ein Ruf, whisperhaft und doch kontinuierlich durchzieht er das Tal.
Und so wie es die Menschen verstehen, glich es einem Namen – Yll'avara.
So sie diesem Klang folgt, wird sie sich an jenem Baum auf dem Platz der Magierakademie wiederfinden, an dem sie sich einst verabschiedete. Doch etwas scheint anders zu ein. In einem Spalt des Baumstammes ruht verborgen eine Schriftrolle, der Quell jenes Rufes.

Mae govannen, Muinel meleth nín.
Ich hoffe du konntest dich von den Strapazen deines Auftrages einigermaßen erholen und hast neue Kraft sammeln koennen. Ich moechte dir hiermit bekunden, dass der erste Schritt vollzogen wurde.
Doch jenes Unterfangen verblieb nicht spurlos an unseren Muindyr a Muinthel.
Genaueres vermagst du dem Bericht, welchen du im Palast vorfinden magst, entnehmen koennen.
Arkalimon stellt berechtigte Fragen und ich bin davon ueberzeugt, dass er nicht der einzige sein wird. Wenn du dich im Stande siehst, dich jenen Fragen entgegen zu stellen, so folge seinem Klang im heiligen Tal und du wirst ihn finden.
Es scheint mir durchaus geboten, mehr von dir zu erfahren, denn solltest du Recht darin behalten, dass dieses Unterfangen eine schicksalsschwere Folge fuer unser Volk darstellt, sollten wir alle Moeglichkeiten ergruenden, um uns angemessen vorbereiten zu koennen.
In vier Tageslaeufen ist geplant das Unterfangen weiter fortzufuehren.
Na Galad celebrin Ithil rath gín lînna - Möge das silberne Licht des Mondes deinen Pfad erleuchten.
*Statt einer Unterschrift findet sich ein silbernes Siegel, welches den Charakter einer Namensplakette traegt, am unteren Ende des Pergamentes vor*
