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[MMT] Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Freitag 20. März 2026, 13:02
von Alecia Rundhammer
'Hört mich wer? Hallo?' Es ist eiskalt und stockdunkel, nicht einmal meine eigene Hand vermag ich sehen zu können. Meine Glieder fühlen sich an, als hätten sie ihr eigenes Gewicht verloren und gleichzeitig eine unsichtbare Last auf sich geladen.  Als würde ich durch einen Sumpf gleiten, der mich komplett umschließt. Moment! Komplett umschließt?! Ich spüre, wie die Panik in mir aufkeimt. 'Hallo?' Was ist eben passiert? Ich kann mich nicht bewegen! 'HILFE!' Selbst meine eigene Stimme ist verschwunden, verschluckt von der Dunkelheit. Moment, da war doch was? Waren da weitere Stimmen? Während ich angestrengt lausche und versuche die Stimmen auszumachen, fällt mir dieser stinkende und beißende Geruch wieder auf, die Gedanken zuvor wieder gänzlich verschwunden. Mit meinen eh schon empfindlichen Sinnen eine Abartigkeit. Meine Gedanken taumeln, Erinnerungen an Fames, an Lucia, an die Szenerie vor der Uhr drängen sich auf, vermischen sich mit einem bitteren, galigen Geschmack auf meiner Zunge. Ich versuche ihn herunterzuschlucken und meine Sinne wieder auf das Wesentliche zu lenken. Was war geschehen, wo bin ich? Wieder wandert mein Blick umher und abermals, ist es lediglich eine schwere, lähmende Dunkelheit, die mich umschließt, meine Glieder sind schwer...vielleicht aber auch schlicht von der Kälte gelähmt? Auf eine ganz verrückte Art fühlt es sich aber auch gut an, als hätte man mich ummantelt, irgendwie flauschig, irgendwie angenehm...vielleicht schlafe ich einfach etwas, nur kurz. 

Dunkelheit.

Re: Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Freitag 20. März 2026, 13:34
von Raven Vandokir
Raven, welcher das mit angesehen hatte wie Ravena sich der Quelle des Übels näherte, welche sie wie eine Spinne in einem Kokon aus unechtem Eis einhüllte verblieb die Nacht bei seiner Schwester. Als Moirai den Raum verließ schob er sich gegen die Wand der Kammer und lehnte seinen Rücken gegen die Wand. Hin und wieder glaubte er, Regungen auszumachen, welche vom Kokon ausgingen und schon ertappte er sich, wie er das Geschehene in seinem Kopf nochmal durchging. Das alles hat mit der Entfluchung Emilias angefangen und dann war da noch sein Ritual. Vielleicht war doch etwas schief gelaufen und das war das Ergebnis dessen. Doch alles lief glatt, Emilia konnte wieder lügen und das was Verflucht werden sollte wurde erfolgreich verflucht. Dann breitete sich das unechte Eis aus, je mehr man dagegen wirkte. Dann war dieses Pendel, welches stehen blieb und die Schatten, welche man im Zifferblatt sah, welche umher tanzten, als wollen diese einen etwas sagen. Näherte man sich der Uhr, so wurde einem Übel und das Eis breitete sich aus, wenn man die Kerzen hin und auch herschob. Als Ravena nach der Versammlung der Diener mit Raven und Moirai alleine war näherte sie sich der Uhr...eine Stimme des Todes war sie. Sie wurde eingehüllt. Dann überlegte er weiter und dachte auch an das Skelett welches durch Lennard zur Uhr geführt wurde, welches zerbrach. Die Orange die er selbst zur Uhr rollte wurde kurz eingehüllt aber wieder frei gegeben. Er selbst tastete sich nah an die Uhr hin doch als er erkannte, dass feine Fäden versuchten, nach ihn zu greifen sprang er zurück um Distanz aufzubauen. Moirai konnte er gerade noch so abhalten, Ravena Gesellschaft zu leisten....aber eine Lösung musste her, Ravena aus dem Ding zu holen, was sich als schwierig herausstellte..

Re: Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Mittwoch 25. März 2026, 22:26
von Victoria Dracones
Ein Gefühl von Ärger krallte sich in meiner Brust fest, schwer und triefend, während ich im Schneidersitz vor der Uhr saß. Weit genug entfernt, um dem Schwall von Übelkeit und den Adern aus Eis zu entfliehen doch nahe genug dran, um alles genau im Blick zu behalten. Als ich das Schreiben in der Grabkammer vorfand war es bereits geschehen. Die Geschwister hatten sich bereits getroffen, das Eis, welches mehr Schein als Sein war, hatte sich deutlich ausgebreitet und Ravena… Ihre Schwester, gefangen in einem Kokon. Als ich in der Nimmerruh ankam und die müden Gesichter der anderen sah, war meine Entscheidung die heutige Nachtwache zu übernehmen, bereits getroffen. Es gab einige Versuche und Ideen die wir wagen würden, um Ravena heil aus diesem Ding zu befreien. Doch jetzt hieß es warten und beobachten. Nachdem ich die Nachricht an Darion an einen Raben befestigte und ihn hinaus in die Nacht entließ, nahm ich mir ein paar Bücher aus der Bibliothek und setze mich anschließend wenige Fuß von den Kerzen entfernt auf den Boden. In der Grabkammer war es für meinen Geschmack viel zu ruhig. Es schien fast so, als würden selbst die sonst wispernden Schatten sich zurückziehen und in Schweigen verfallen. Lediglich das leise Rascheln der Seiten beim umblättern war zu hören. Vielleicht würde ich etwas in einen der alten Büchern finden das uns helfen könnte…

Re: Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Dienstag 31. März 2026, 16:41
von Alecia Rundhammer
Dunkelheit.

Nicht um mich herum, nein, längst schon in mir. Sie sickert, langsam, geduldig, durch jede Regung, jeden Gedanken, bis nichts mehr bleibt, woran ich mich halten könnte. Etwas löst sich von mir. Nicht plötzlich, nicht gewaltsam, sondern sanft, beinahe fürsorglich. Schicht um Schicht, als würde ich vergessen werden, noch während ich existiere.

Da war etwas. Ein Name vielleicht? Ein Gesicht oder ein Gefühl, das einmal eine Bedeutung hatte? Jetzt ist es nur noch ein Schatten, der gänzlich zerfasert, sobald ich ihn berühre. Alles gleitet fort, zu schnell und zu leise, als dass ich es zu greifen bekommen könnte.

Und doch, nicht alles. Etwas bleibt. Ein fremdes Ziehen, tief unter dem, was einmal ich gewesen sein könnte. Kein Gedanke, kein Gefühl, eher ein Rest. Zäh. Unnachgiebig. Während alles andere sich auflöst, hält es stand. Nicht stark, nicht laut, aber kontinuierlich da.

"Wo bin ich?" Für einen flüchtigen Moment suchen meine Gedanken wieder nach einer Lösung, ehe jener im gleichen Atemzug wieder zuende gedacht scheint. Meine Sinne haben sich mit dem um mich herum abgefunden, so scheint es, sie schweben schlicht mit der Leere mit.

Vielleicht ist das einfacher.

Vielleicht ist das richtig.

Gedanken werden langsamer. Dünner. Sie reißen ab, bevor sie entstehen können. Selbst das Begreifen des Verlusts entgleitet mir. Dann ein Pochen, zuerst Fern, kaum mehr als eine Erinnerung an ein Geräusch welches in gleichbleibendem Takt, einer ewigen Symphonie gleich, das Leben zu begleiten scheint.

Dann wieder, näher und doch schwach, unregelmäßig. Es gehört zu mir, ich fühle es.

Ich versuche, mich daran festzuhalten, doch selbst dieses Wissen zerfällt zwischen meinen Fingern. Die Abstände werden länger. Die Stille dazwischen dichter.

Und mit jedem Aussetzen verliere ich mehr. Nicht nur Gedanken. Nicht nur Bilder, auch Substanz und Bedeutung verlieren sich in der Dunkelheit.

Ich verliere mich, wieder und wieder, bis nur noch dieses eine bleibt.....dieses eine was sich zusammenzieht, verdichtet, als wolle es eine Mauer bilden, undurchdringlich. Daran klammere ich mich, an das Pochen, an das was sich windet und nicht gehen möchte, in der Hoffnung zu bleiben, zumindest für den Augenblick.

Dunkelheit.

Re: Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Dienstag 31. März 2026, 20:34
von Raven Vandokir
Heute wie jeden Tag verbrachte ich einige Zeit vor dem Kokon wo Ravena eingesponnen wurde. Doch fragte ich mich immer wieder, ob das nicht mein Platz gewesen wäre, wo ich doch so Neugierig um Wissen war...

Ich setzte mich wie jedes Mal vor dem Kokon und beobachtete den Kokon eine Weile. Die Kerzen welche ich eben noch geholt habe hatte ich bereits um das Eis verteilt, sodass sich das falsche Eis nicht weiter ausbreiten konnte.

Dann dachte ich noch an die Pläne meiner Geschwister, welche ihre Ideen kund taten und ich hoffte wirklich, dass einer der Dinge die wir uns ausdachten helfen konnte. Das würden die nächsten tage zeigen. Neben der Wärme die wir zur Bekämpfung einsetzten hatten wir einige Pläne die auch verdammt gut überlegt waren.

Meine Blicke glitten auf das Zifferblatt, welches an jenen Tag einige Schatten zeigte und schon dachte ich an die Farben, welche diese Schatten hatte. Einer war weiß und der andere war schwarz. Vielleicht wollte das Eis zwei Diener einspinnen. Ich war bereit, mich neben Ravena zu gesellen, wenn dieses der Schlüssel ist, sie zu retten. Ein Diener sollte der Schatten sein und der andere das Licht. Irgendwie ließ mich diese Idee nicht los. Ja, es machte mich so verdammt neugierig wie sie sich in dem Kokon fühlt. Der Fluch des Alters war gebrochen, das war schon mal sehr gut. Nun hatte ich zwei Baustellen, welche ich abgrasen musste und eine davon befand sich vor meiner Nase.

Da ich mich wieder attraktiv finde zückte ich meinen Spiegel hervor und richtete wie immer meine wunderschönen knielangen glatten Haare und betrachtete den Kokon wenig später.

Vielleicht will Krathor auch sehen, wie weit ein Diener gehen würde um einen Anderen zu retten. Sicher ist er immer bei uns wenn wir uns einfinden und beobachtet uns. Meine Hände glitten durch meine Haare und da wurde mir klar, dass es wichtig ist, sich untereinander zu helfen. Was bringt es Krathor denn, wenn wir immer weniger werden?

Ich schloss meine Augen und senkte den Kopf und ließ eine Weile der Ruhe vergehen ehe ich meine Augen wieder aufschlug und den Blick anhob um dem Kokon wieder entgegen zu blicken. Sollten alle Ideen nicht ausreichen würde ich meine Zusätzliche Idee probieren. Zwei Schatten, zwei Diener. Ja, ich würde meiner Schwester Gesellschaft leisten wenn dies der Schlüssel wäre.

Re: Gefangen in Raum und Zeit

Verfasst: Freitag 3. April 2026, 20:40
von Alecia Rundhammer
Mein Schlaf hätte Erleichterung bringen sollen, doch da war nichts, was man wirklich Schlaf nennen konnte. Nur ein langsames Treiben durch Leere, durch Reste von etwas, dass einmal Bedeutung gehabt haben muss. Bilder, welche zu Staub zerfielen, noch bevor ich sie greifen konnte. Stimmen ohne Worte. Erinnerungen ohne Form. Gesichter ohne Namen, ohne Bezug.

Als ich die Augen öffne, fühlt es sich falsch an. Nicht der Raum. Nicht die Stille. Ich.

Ein Atemzug hebt meine Brust, zu leicht, zu ruhig. Ich halte inne, zwinge mich zu einem weiteren, als würde ich prüfen wollen, ob ich mich irre. Doch da ist kein Widerstand, kein Ziehen, kein Drängen, das mich zwingt, mehr zu nehmen, mehr zu wollen. Keine Spur von jenem Hunger, der mich einst durch jede Regung begleitet hat. Kein Pochen, das mich antreibt, kein leises, unnachgiebiges Flüstern in der Tiefe meines Seins. Nichts.

Meine Finger krallen sich in den Stoff der Bettdecke, während ich den Blick auf meine Hände senke. Sie zittern nicht. Sie verlangen nichts und genau das ist es, was mir die Kehle zuschnürt. Da ist ein leerer Raum in mir, wo zuvor etwas war, das zu mir gehörte. Etwas, das gewachsen ist. Etwas, das ich stets versucht habe unter Kontrolle zu halten, etwas das ich nur selten hinaus lies. Etwas das immer da war, verlässlich, unnachgiebig. Ein Teil von mir, ob ich wollte oder nicht.

Ich erinnere mich nicht an den Moment, in dem es mir genommen wurde. Nur an dieses Ziehen. Dieses langsame, beinahe bedächtige Auseinandernehmen. Schicht um Schicht. Gedanken, Erinnerungen… immer mehr, immer tiefer. Etwas hat sich gewehrt. Es hat sich gekrümmt, gebissen, sich festgeklammert, während es fortgerissen wurde. Und ich habe es gespürt. Nicht als bloßen Verlust, nicht als Leere, sondern als Bruch. Als würde etwas aus mir herausgerissen werden, das mich getragen hat, selbst dann, wenn alles andere längst zerfallen wäre.

Einfach fort.

Ich schließe die Augen, doch selbst die Dunkelheit ist nicht mehr die Selbige. Sie ist flacher, stiller, weniger greifbar. Sie gehört mir nicht mehr so, wie sie es einst tat. Und doch… doch etwas ist geblieben. Kein Hunger. Keine Gier. Kein klarer Griff. Eher ein Rest. Ein Kern, der sich nicht hat lösen lassen. Als hätte etwas in mir Wurzeln geschlagen, die tiefer reichen als alles, was man mir nehmen konnte. Ich spüre es nicht wie zuvor. Es ist eine Bindung, zu tief, zu verankert um sie mir einfach zu entreißen.

Ich atme langsam aus. Das hätte mich zerreißen müssen. Alles an mir sagt mir, dass ich weniger bin als zuvor. Dass mir etwas genommen wurde, das mich über das hinausgehoben hat, was ich einmal gewesen bin. Und doch bleibt die Panik aus. Kein Aufbäumen, kein verzweifeltes Greifen nach dem, was verloren ging. Nur eine nüchterne, kalte Erkenntnis. Es wurde mir genommen und hat gleichsam dafür gesorgt, dass ich noch hier bin...so wie ich es sein sollte.

Mein Blick löst sich von meinen Händen und ich richte mich langsam im Bett auf. Er fällt auf den Teller mit der geschälten Orange. Für einen Moment zögere ich, dann greife ich danach und beiße vorsichtig hinein. Ich spüre die Frische der Frucht auf meiner Zunge, den Saft, der sich ausbreitet, den Duft, der in meine Nase steigt. Etwas so Einfaches. So klar.

Und für einen kurzen Augenblick heben sich meine Mundwinkel.

Ich schlucke und mein Blick fällt zur Tür.

Ich muss hier weg. Muss meine Erinnerungen wiederfinden, muss sie ordnen… muss mich ordnen.

Wer bin ich.

Wer war ich.

Und wer… werde ich sein.