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Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Sonntag 15. März 2026, 16:47
von Die Erzaehlerin
Ein hauchdünner, feiner Nebel kroch langsam, aber unnachgiebig vom Meer in Richtung der sagenumwobenen Insel La Cabeza. Zuerst waren es nur einzelne, sich stetig windende Schwaden, die sich über das dunkle Wasser schoben und langsam an den Strand krochen. Dünne, fast durchsichtige Schleier, die sich zwischen die Palmen legten und lautlos über den warmen Sand bewegten. Nicht bedrohlich, kein dichter Nebel, welcher die Sicht gänzlich nahm. Eher ein stilles Gleiten grauer Fäden, die sich zwischen den Hütten, den Wegen und den Bäumen verteilten.

Der Wind nahm sie auf und trug sie weiter ins Inselinnere.

Zwischen den einfachen Häusern sammelten sich die Nebelschwaden in den schmalen Gassen. Sie krochen durch offene Türen, legten sich an die Wände und glitten durch die Ritzen der Häuser, die aus altem, salzgegerbtem Holz gebaut waren. Die Planken waren über Jahre hinweg aufgequollen und wieder getrocknet, hatten sich verzogen und feine Spalten gebildet, durch die der Wind nun ungehindert drang.

Er pfiff durch diese Ritzen und ließ ein leises, langgezogenes Geräusch entstehen. Manchmal klang es wie ein Seufzen, manchmal eher wie ein Flüstern. Die Bewohner der Insel waren solche Geräusche gewohnt. Wer lange genug auf der Insel lebte, lernte schnell, die Stimmen des Windes und das Rauschen des Meeres zu überhören. Sie gehörten zu einem, als wären sie schlichtweg ein Teil des eigenen Ichs.

Doch an diesem Abend schien etwas in der Luft zu liegen. Die Tiere wirkten unruhiger, der Dschungel war weitaus stiller als sonst. Das Zwitschern der Vögel war verstummt, obwohl die tiefe Nacht noch nicht angebrochen war. Ein Hund hob plötzlich den Kopf, blickte hinaus in Richtung des Waldrandes und begann leise zu knurren, ein Rascheln des Waldes – vielleicht nur der Wind, folgte als Antwort. Der Hund zog den Schwanz ein und rannte eilig in Richtung seines Unterschlupfes.

Der Dschungel begann nur wenige Schritte hinter den letzten Häusern. Dort wuchsen die Bäume dicht an dicht, ihre Kronen ein dunkles Dach aus Blättern, das selbst am Tage kaum Licht hindurchließ. Heute lag er wie eine schwarze Wand, dunkel und drohend hinter der Siedlung.

Der Nebel glitt auch dorthin. Er zog zwischen die Stämme, legte sich um Wurzeln und schob sich langsam tiefer ins Dickicht hinein.

Pedro hatte Wachtdienst am Hafen und bemerkte das Verhalten des Hundes. Er drehte sich um, sah vom Hafen in Richtung des Waldes. Er näherte sich dem Wald um es sich genauer anzusehen. Die Augen zusammengepresst, die Hand am Knauf des Schwertes, blickt er in den Dschungel hinein. Zwischen den Blättern raschelte etwas, kaum hörbar, Pedro blieb stehen.

Für einen Moment glaubte er zwei Augen zu sehen. Still, unbeweglich und sie blickten direkt zu ihm. Er rieb sich die Augen, als würde er den Tagtraum wegwischen wollen und als er noch einmal hinsah, war dort nichts mehr. Nur Dunkelheit. Er schüttelte den Kopf und ging wieder zu seinem Posten zurück.

Der Wind frischte etwas auf und fuhr durch die Palmen über der Siedlung hinweg. Die großen Blätter schlugen gegeneinander, rauschten und raschelten, doch ihr Klang wirkte seltsam. Zwischen dem Geräusch des Windes lag etwas anderes, ein leises, zischendes Wispern. Manchmal so schwach, dass man glaubte es sich einzubilden. Dann wieder deutlicher, als würden Stimmen zwischen den Blättern miteinander sprechen. Der Wind war stärker geworden, ja, doch er war nicht der Vorbote eines Sturmes. Das Meer rauschte gleichmäßig gegen den Strand. Keine dunkle Front zog auf, kein Donner lag in der Luft und dennoch lag eine seltsame Spannung über der Insel.

Der Dschungel wirkte unruhig, fast nervös, als hätte etwas dort drinnen die Tiere aufgescheucht.

Oder als würden sie etwas spüren, das die Menschen noch nicht erkennen konnten.

Der Nebel bewegte sich weiter durch die Gassen und Bäume, schob sich tiefer ins Dickicht und legte sich in dünnen Schwaden zwischen die Stämme. Dort, wo er den Boden berührte, wirkte der Wald beinahe lebendig, als würden sich die Schatten darin bewegen.

Wieder brach irgendwo ein Ast, dann mehrere hintereinander. Ein Rascheln, das sich wie eine Welle durch das Unterholz zog.

Kurz darauf wurde es wieder still, unnatürlich still,nur das Wispern des Windes blieb zurück.

Es war, als würde die Insel selbst unruhig werden, als würde etwas unter ihrer Oberfläche erwachen. Der Wind strich durch die Palmen und ließ ihre Blätter erneut gegeneinander schlagen. Wieder klang es eher wie ein Flüstern, ein zischen, nicht wie das natürliche Rauschen des Windes welcher sich durch das Geäst drückt. Während der Nebel langsam weiter über die Insel kroch und sich auch am Morgen noch nicht zurückgezogen hat, breitete sich diese Unruhe immer weiter aus. Von den Tieren zu den Menschen. Bis schließlich selbst jene, die es sich nicht eingestehen wollten, spürten, dass etwas auf der Insel nicht mehr im Gleichgewicht war.

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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Montag 16. März 2026, 23:08
von Die Erzaehlerin
Als die Weihe des Schreins auf La Cabeza beendet war, zerstreuten sich die Versammelten langsam wieder in die Dunkelheit der Insel.

Der Nebel, welcher am Abend zuvor vom Meer über die Insel gezogen war und sich in den Gassen und Dschungel verirrt hatte, begann sich bereits zurückzuziehen. Dünne Schwaden lösten sich zwischen den Häusern auf und glitten lautlos zurück in Richtung der Küste, als hätte der Wind sie wieder fortgetragen.

Mit ihm schien auch die seltsame Spannung zu verschwinden, die sich über die Insel gelegt hatte. Vögel zwitscherten vorsichtig wieder und die Grillen begannen ihr nächtliches Lied zu singen.

So kehrte das Leben wieder zurück. Zumindest glaubten das viele.
Noch auf dem Heimweg mochte jeder Anwesende ein seltsames Gefühl in sich tragen. Ein kaum greifbares Unwohlsein, als würde etwas an einem haften bleiben, das nicht zu einem gehört. Es war nichts greifbares, kein Schmerz und keine Krankheit. Eher eine Schwere, die sich langsam auf Schultern und Gedanken legte.

Der Schlaf, welcher in dieser Nacht folgte, war selten ruhig, eher einer Ohnmacht gleich und gänzlich ohne Traum.

Man schlief zwar durch, fühlte sich am nächsten Morgen jedoch, als hätte man kaum geruht und eben jene Müdigkeit zog sich durch den gesamten Tag.

Eine ungewöhnliche Müdigkeit. Sie war nicht sofort erschöpfend, doch sie lag wie ein bleierner Schleier über Körper und Geist. Bewegungen wirkten schwerer als sonst, Gedanken brauchten länger um sich zu ordnen. Selbst jene, die sich sonst als kräftig und ausdauernd kannten bemerkten, dass ihnen die gewohnte Energie fehlte.

In den Tagen danach verstärkte sich dieses Gefühl langsam, nicht abrupt. Nicht so deutlich, dass es sofort als etwas Unnatürliches erkannt werden musste. Doch stetig genug, um eine gewisse, innere Unruhe zu säen.

Einige bemerkten, dass ihre Glieder schneller ermüdeten. Andere stellten fest, dass ihnen nach kurzer Arbeit das Atmen schwerer viel als gewöhnlich. Manch einer entdeckte vielleicht die ersten grauen Strähnen im Haar, Linien im Gesicht, die zuvor noch nicht dort gewesen waren, kleine Lachfältchen die sich bildeten und nach dem Lachen wohl auch blieben.

Es war, als würde die Zeit selbst anders über sie hinweg fegen. Schnell und unaufhaltsam.
Über die kommenden Tage hinweg konnte dieses Gefühl stärker werden. Müdigkeit wandelte sich in Erschöpfung, aus gelegentlicher Schwäche wurde ein ständiger Begleiter. Haare und Bart mochten schneller wachsen als gewohnt, Haut wirkte fahler, Bewegungen bedächtiger.

Es war kein plötzlicher Verfall. Vielmehr fühlte es sich an, als würden Wochen, Monate oder gar Jahre in kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten durch den Körper wandern.

Der Fluch arbeitete leise und geduldig und jeder der Betroffenen vermochte ihn auf seine ganz eigene Art und Weise zu spüren. Bei manchen zeigte er sich schneller und deutlicher. Andere spürten die Veränderung nur langsam, beinahe schleichend. Vielleicht blieb es bei Müdigkeit und einigen Zeichen des Alterns, vielleicht aber griff der Fluch tiefer in Körper und Geist.




[OOC: Für alle Spieler welche an dieser Quest teilgenommen haben und gerne besondere Auswirkungen ausspielen möchten, besteht die Möglichkeit, uns ein Ticket zukommen zu lassen. Wir passen dann die von euch gewünschten Merkmale an. - Darkibetreuung]

Sie werden mich sowas von "Opa" nennen ...

Verfasst: Dienstag 17. März 2026, 17:45
von Lioras Ylais
*PAMM PAMM*
Lioras zuckte zusammen. Haustür, kam ihm in den Sinn. Nicht schnell genug, um zu verhindern, dass er sich murrend auf die Seite drehte und sich die Decke bis zu den Ohren hochzog.
"Lioras!", ertönte Lingors Stimme da von draußen.
Er blinzelte. Es war noch stockdunkel im Raum.
Warum zum Henker klopft der mitten in der Nacht?
Stöhnend schälte der Barde sich also doch aus dem Bett und merkte erst drei Schritte später, dass ihm dabei nichts wehtat.
Wohin sind die Schmerzen der Prellungen verschwunden?
Kurz hielt er inne und sah an sich herab. Keine blauen Flecken mehr an der Hüfte.
Wie -?
"Jetzt komm schon! Ich hab keine Lust, die ganze Nacht hier zu stehen!", beschwerte Lingor sich vor der Haustür und ließ Lioras seufzen.
"Ja, Moment!" Mit routinierten, aber trägen Handgriffen zog er sich das nächstbeste Leinenhemd über und machte Lingor schließlich auf. Zwischen "Der Hauptmann hat irgend'ne Idee, die scheinbar nicht bis zum regulären Dienstbeginn warten kann" und "Wir sind spät dran. Ich war irgendwie arschlangsam. Hab nicht mal die kleine Hofrunde geschafft" wurden sich beide Männer einig, dass der Schlaf alles andere als erholsam war. Ganz zu schweigen von der Länge der Auszeit. Während Lioras sich notdürftig fertigmachte und die Uniform einpackte, murrte er schlaftrunkene Worte. "Ich fühle mich mindestens zehn Jahre älter."
Er sah nicht, wie Lingor den Mund verzog, aber hörte deutlich, als dieser meinte: "Will ja nichts sagen, aber du siehst auch so aus."
"Selber. Bist auf 'ner Kordhose eingepennt?", konterte Lioras, noch ehe er realisierte, was Lingor da gerade gesagt hatte. Er stockte und starrte seinem Gegenüber ins ermattete Gesicht. Dann, während Lingor irgendwas von "Hm, weiß nicht, fühl mich auch nicht sonderlich agil" redete, wandte er sich ab und stiefelte schnurstracks seinen Spiegel neben dem Zuber an, um doch mal einen Blick rein zu werfen.
Was zum -?
"Verfluchter Mist." Sogleich versuchte er, sich den Zopf auf eine Art zu binden, die die grauen Strähnen kaschieren würde, aber Pustekuchen. Sie saßen zu dicht an den Schläfen. Das konnte er nie im Leben vor Jynela verbergen. Nicht mal mit Barett auf dem Kopf. Spätestens an den Koteletten würde es auffallen.
"Ich dachte, du bist nicht eitel. Jetzt komm. Die wird ungemütlich, wenn sie warten muss."
Lingor hatte Recht und das wusste Lioras. Murrend wandte er sich also ab, schulterte seinen Rucksack und verließ mit dem Grundausbilder das Haus. Titan stand schon draußen und wartete brav auf seinen Reiter. Also sattelte Lioras seinen Rappen und begab sich dann im lockeren Trab mit Lingor auf den Weg nach Rahal. "Wehe, es ist nichts Wichtiges. Sonst bring ich sie um."
Lingor lachte, trotz der bleiernen Schwere, die die beiden Männer nicht so ganz abschütteln konnten, egal wie lang sie nun schon wach und in Bewegung waren. "Kannst du gerne versuchen."
Schnaubend konterte Lioras: "Ich verwässer ihren Kaffee. Das ist schlimmer." Er wusste, dass er keine Chance gegen sie hatte. Selbst, wenn sie genauso unausgeschlafen wie er sein sollte - wovon er ausging, da sie Arbeit nie liegen ließ. Verantwortung und so ... Davon abgesehen hatte er aber eh nicht vor, ihr wehzutun. Nur dieser Morgen war echt beschissen. So beschissen, dass ihm nicht mal diplomatischere Umschreibungen dafür einfielen. "Vielleicht reiche ich auch einfach doch schon meinen Urlaub ein." Ja, das klang verlockend ... Wenn da nicht das liebe Pflichtgefühl in ihm wäre ...


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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 09:44
von Horatio Bes
Mit einem ächzen begann der Morgen nach der Weihe der Kapelle auf der Isla.
Vicarius Bes drehte sich etwas schwerfälliger als sonst aus dem recht harten Bett und schwankte etwas.

Kaum die Augen aufbekommend und immer wieder zusammenkneifend schweifte der Blick durch den Raum. Ein Gefühl als habe ein Zentner schwerer Stein auf ihm im schlaf gelegen, als habe er am gestrigen Abend ein ganzes Fass Rum alleine getrunken, nur ohne den Kater, bemannte ihn.

Seltsam, ein seltsames Gefühl als hätte diese nicht ganz geplante Weihe der Kapelle del pantera ihn um mehr als ein Jahrzehnt hatte altern lassen.


Schwerfällig mit müden Knochen wankte er aus seinem Wohnhaus, ohne Frühstück, ohne auch nur einen Blick in einen der Spiegel.
Der Weg führte noch in Schlafkutte und Barfuß zum nahegelegenen See.
Die Kutte abgestreift und ein zwei Schritte in das angenehm temperierte Wasser, dann fiel der Mann einfach nach vorne um.
*platsch*
Ein, zwei, drei Momente lang schwamm der Körper regungslos mit Gesicht zum Grund gerichtet auf dem kleinen See.
Dann erhob er sich und stand bis zum Bauch im erfrischenden Nass.
Die Haare nach hinten werfend wandte der Blick sich zur aufgehenden Sonne,
so sollte es erquickend sein wie an sonstigen Morgenden auf der Insel. Vergebens.
Viel brachte es nicht, zwar den Schlaf abgewaschen, blieb das schwere Gefühl in ihm.


Wieder im Haus angekommen folgte der Gang zum Spiegel und verharrte dort.
Momente um Momente vergingen.
Wer war dieser Mann dort im Spiegel?
War es Horatio oder war es jemand anderes?
Falten zogen sich in dem Spiegelbild, umringten die eigentlich hell blauen Augen und ein leichter weißgrauer Schleier schien auf den Augen zu liegen.
Das Haar, war es noch etwas weißer geworden?
Ein alter Mann stand ihm gegenüber – war er es?


Wie gewohnt wurde das Haar geflochten und in Form gebracht, eine Rasur – doch diesmal etwas länger der Bart um einige Falten zu verbergen, so war es doch seine Eitelkeit auf ein Adrettes auftreten. Stehts schier und gepflegt.
Sein Antlitz war ihm besonders wichtig – nun nagte der Zahn der Zeit besonders schnell an genau diesem.

In einen Tonbecher ein paar zerdrückte Kaffeebohnen,
der Luxus eines kostbaren Gutes der Isla – so kamen hier doch viele Zwielichte Händler hier am Hafen an, wurde dies mit heißem Wasser aufgegossen.
Schwerfällig mit knacken in den Gelenken führten ihn seine Füße mehr stapfend als leichten Fußes die Treppe hinauf. Direktem Weg zu einem der Rumfässer um dort einen kleinen Schluck in das Kaffeegebräu zu geben.


Wenig später,
die Schriftstücke mit zittriger Hand geschrieben, kaum noch ein Buchstabe war so geschwungen und makellos möglich wie einige Tage zuvor noch.
Schriften an Fräulein Arragar, an die Magistra Serav und gar für sich selbst.
Auch das überlegen der richtigen Worte fiel schwer, da erschien es nur Sinnhaft bestückt, sich selbst einen Erinnerungszettel zu verfassen.
Mit Worten und Gedanken das jene nicht der Vergessenheit verfallen, fast wie ein Tagebucheintrag.



- Der Tag vor der Weihe der Kapelle im Namen des Panthers, seltsames Verhalten der Fauna – Nebel, dies war, so meine Vermutung, womöglich der Herr – Alatar in Panthergetsallt.
Dieser sich bereits für die Vorbereitungen der anstehenden Zeremonie herumtrieb und prüfend im Dickicht verblieb.

- Das Glaubensopfer; gibt es Hintergründe zu Fräulein Avelyne Drath? Jene die die junge Frau vor dem Vicarius verbarg? Äußerst gut getäuscht und verborgen? Die Briefe, das Vorgespräch - Täuschung?

Oder war es nur die Möglichkeit beim Schopfe gepackt von etwas größerem und den leblosen Körper während der Weihe als Medium genommen? Etwas, was das klerikale Gefüge unberührt lassen konnte und dennoch diesen Moment stören und beeinflussen?

- Im klerikalen Gefüge hatte selbst die Tetrarchin Aliyahna nichts vernehmen können bei dem Ereignis.
War es etwas Magisches – im Lied zugreifend? Auf Intentionen des Ordens der Arkorither müsse man nun warten.
Die Dienerschaft des Raben, zumindest Fräulein Arragar, hätte wohl direkt etwas gesagt. Wäre es auf Krathor zurück zu führen.

- Die Geschichte der Isla, gibt es irgendwo uralte Aufzeichnungen von Vorkommnissen ähnlicher Art, welche in Vergessenheit geraten sind?
"


Der Zettel wurde in die Roben Tasche gesteckt, als Merkzettel und Gedankenstütze.
Deutlich langsamer in der Bewegung, nicht mehr so elegant und flüssig, bewegte sich der Vicarius durch die nächsten Tage. Das rasante Alter – waren all die Anwesenden Verflucht - durch seine Tat?
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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 17:09
von Emilia Arragar
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Ein feines, durchdringendes Klingeln lag auf ihren Ohren, als hätte jemand eine Saite zu fest gespannt. Als sie die Augen öffnete, fiel ihr Blick auf das Fell des Bärenteppichs unter ihr. Die Glut im Kamin pulsierte schwach, fast im Takt mit dem dumpfen Pochen in ihrer Schulter, als sie den Kopf anhob. Gedanken ließen sich nicht greifen, glitten ihr davon, als würden sie durch dichten Nebel waten. Sie versuchte, sich aufzurichten. Für einen Wimpernschlag kippte die Welt, nur um sich gleich darauf wieder zu fangen. Ihre Hand glitt unwillkürlich zu ihrem Magen, dann zu den Rippen. Ein Atemzug, zu flach, zu vorsichtig. Etwas dort wollte nicht ganz nachgeben.

Die Bewegung ihres Arms zog schwer und zäh durch die Schulter, als hätte sich das Fleisch selbst dagegen verschworen. Der Schmerz kam nicht in Wellen, er blieb. Stumpf. Geduldig. Lauernd. Nach dem Ritual in der Grabkammer hatte sich Übelkeit in ihr festgesetzt, dieses widerwärtige Aufbäumen, das scheinbar jedoch jeden befiel, der sich der Uhr und dem Eis näherte. Die Verletzungen ihres kurzen Kampfes in Wetterau und anschließenden Aufenthalts im Regimentskerker, die Platzwunde am Kopf, der Schnitt an der Schulter, der Schlag in die Magengrube, nichts davon machte es leichter, auch wenn sie sich einredete, es heile bereits.

Und doch hatte sich seit La Cabeza etwas verändert. Kein scharfer Schmerz mehr, kein Aufbäumen. Stattdessen eine bleierne Schwere, die sich leise in ihr festsetzte und nicht mehr wich. Dazu kam die Müdigkeit, nicht die eines fehlenden Schlafs, sondern die, die tiefer griff, als hätte das Ritual selbst etwas aus ihr herausgelöst. Ihr Blick wanderte zum Fenster. Für einen Moment lauschte sie, angespannt, ob Hufschläge die Stille durchbrechen würden, ein Echo der letzten Tage, Reiter aus dem Osten, die sie fast vor der eigenen Tür geholt hatten. Nichts. Nur Wind.
Langsam ließ sie sich wieder zurücksinken. Ein vorsichtiger Atemzug, ehe sie sich dem Nebel hingab, einem Zustand irgendwo zwischen Bewusstsein und Stille, als würde sie treiben, ohne zu wissen, ob sie wieder festen Boden erreichen würde. Sie hatte gelernt, Schmerz zu tragen wie ein zu enges Kleidungsstück. Unbequem, einengend, aber nichts, das man sich leisten konnte abzulegen.

Als sie sich schließlich erhob und das Haus verließ, wirkte alles an ihr kontrolliert, zu kontrolliert, wenn man genau hinsah. Auf dem Weg nach Rahal war ihr Schritt gleichmäßig, doch unauffällig verlagerte sie ihr Gewicht auf die gesunde Seite. Ihre Stimme blieb ruhig, wann immer sie sprach, nur dass zwischen zwei Sätzen manchmal ein Atemzug zu viel lag. Sie reagierte einen Hauch zu spät auf einen Gruß. Kaum merklich. Nur für sie selbst.

Ein kurzes Blinzeln. Unwichtig. Sie blickte in ihre Spiegelung in einem der Fenster, an welchem sie vorbeilief, und streichte dabei durch ein paar graue Haarsträhnen. Sie bot einen jämmerlichen Anblick, so offenkundig, dass selbst der törrichtste Narr es hätte erkennen müssen. Sie sollte keinen Hehl mehr daraus machen. Doch mit jedem Schritt, der sie näher an den Tempel brachte, begann sich etwas in ihr zu verschieben. Erst kaum merklich, ein leises Ziehen hinter der Stirn, als würde sich der Druck langsam einen Weg bahnen. Das Klingeln in ihren Ohren wollte nicht weichen, im Gegenteil, es schien sich mit jedem Geräusch zu vermischen, mit jedem Wort, das an sie herangetragen wurde. Es war nicht mehr nur Schmerz. Es war dieses beständige Drängen, dieses Reiben an ihren Gedanken, als würde etwas von innen gegen ihren Geist klopfen, beharrlich, unerbittlich. Sie presste die Lippen aufeinander, spürte, wie sich ihre Kiefer anspannten. Jetzt wusste sie nur zu gut, woher diese Redensart kam. Etwas konnte einem auf den Geist gehen. Manche Dinge gingen einem nicht nur auf den Geist. Sie fraßen sich hinein.

Erst die Reiter aus dem Osten in Wetterau, die Grabkammer, das Ritual, die Uhr, La Cabeza. Nichts davon war vergangen. Es hing an ihr, kroch unter ihre Haut, saß tiefer, als es sollte. Dann sah sie Horatio und Aliyahna im Tempel sitzen. In einer kurzen Unterhaltung als Horatio gerade etwas Antworten wollte, traf sie ausgerechnet ein Wort, das sie selber lauter Aussprach als geplant, wie ein Schlag: „dieser Tage keine RUHE....“ Ein scharfer Atemzug, zu tief. Ein Fehler. Sie bat für den kurzen Ausbruch um Verzeihung. Warum eigentlich? Für einen Moment blieb sie stehen, fing sich wieder, ließ sich auf die Bank neben Horatio sinken. Sie war noch lange nicht am Ende, noch nicht einmal nah daran. Doch die Selbstbeherrschung, die sie sonst wie eine zweite Haut trug, begann dünn zu werden.

Als sie später schließlich die Schwelle des Alatar-Tempels wieder nach draußen überschritt, war sie sich nicht sicher, ob es die knisternde Wut des Tempels gewesen war oder ihre eigene. Der Schmerz war noch da, die Müdigkeit auch. Doch sie standen nicht mehr im Vordergrund. Etwas Kühleres hatte ihren Platz eingenommen, etwas, das nicht mehr nachgab. Ihr Blick hob sich, glitt über die Umgebung, ohne wirklich etwas zu suchen.

„Genug…“ Kaum mehr als ein Hauch, der für niemanden bestimmt war. Sie wusste nicht, ob es eine Warnung war, oder ein Versprechen. Doch wenn Gerimor weiterhin an ihr zerrte, sie prüfte und forderte, dann würde sie irgendwann aufhören, Maß zu halten und wenn dieser Moment kam, würde nichts von dem, was man kannte, unversehrt bleiben.

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 18:55
von Raven Vandokir
Nachdem die Weihe der Kapelle abgeschlossen war, welche wohl eine unheilvolle Wendung gehabt hatte, da nachdem diese vollendet war wohl jeder mit einer unerklärlichen Übelkeit zu kämpfen gehabt hatte wie Raven wohl auch fasste er sich an seinen Bauch und konnte sich gerade noch so zurückhalten um nicht rückwärts zu essen. Er kämpfte mit seinen ganzen Sinnen gegen seinen Körper an. Er wollte danach einfach nur nach Hause, zum Leuchtturm doch er entschied sich gegen seine Bedürfnisse, nach Hause zu reisen und verbrachte die Nacht an einem stillen ruhigen Ort und schlief auf den nackten Boden um einfach seine Ruhe zu haben.

Am Tag danach hatte er es mit seiner Müdigkeit zutun und einer stetigen kürzeren Geduldsphase, die ihn selber überraschte. Selbst das Treffen mit Caelis, Angelica und Thaius wegen der Kawi Zeitung forderte einiges an Selbstbeherrschung, nicht das zu sagen was gerade wirklich durch seinen Kopf ging. Doch damit war es nicht genug. Er legte sich in jener Nacht in seinem Luchtturm ins Bett, ohne aber in den Spiegel zu schauen wie er es sonst tat, denn er war immer nur noch müder und wollte einfach seine Ruhe haben.

Als er dann am folgenden Tag erwachte tat er sich schwer, sich von seinem Bett zu erheben da er schon müde aufgewacht war und sich auf sein Bett setzte. Er erhob sich und zog sich an, was ihm deutlich schwerer fiel als es die Tage zuvor der Fall war. Dann aber passierte das Unvermeidliche ... der Griff zum Handspiegel... er bewegte diesen wie gewohnt doch was er dann anfing zu sehen ließ ihn über die halbe Insel Kawi schreien. Seine Haare sind ergraut und auch seine Haut wies leichte Alterserscheinungen auf. "Bei Krathor....so kann ich doch nicht unter die Leute...." waren seine Gedanken welche er dachte aber nicht aussprach und er betrachtete. Am liebsten würde er sich gerade einen Strick holen, da er sich lieber in seiner Herrlichkeit weiter betrachten wollte aber das half nichts....es hieß nun Dinge herauszufinden und da fielen ihn nur zwei Dinge ein, zum einen Mal waren da seine Geschwister und dann war da noch Horatio...er griff zur Schublade welche sich neben ihm befand und trug sich etwas mehr Schminke auf, sodass er seine Falten gut mit Paste bestrich, sodass zumindest seine Haut jünger aussah....dann glitten seine Augen wieder zum Spiegel und betrachtete sich dann eingehend..."Weiß fänd ich durchaus schöner....aber damit kann ich auch leben....aber das ist kein Dauerzustand, denn ich will wieder so hübsch sein wie ich es vorgestern noch war..." und somit....machte er sich auf den Weg mehr zu erfahren....

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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 19:27
von Oswyn Grunland
Der Morgen nach der Weihe der Kapelle traf Oswyn verkatert. Nach der Zeremonie war er direkt nach Hause gegangen. Der Weg war kurz. Seine Schneiderei lag direkt neben der Kapelle, und so saß er in wenigen Minuten auf der Treppe zu seiner Stube, ein üppig gefülltes Glas Whiskey in der Hand, und starrte auf das Gebäude. Die Gedanken kreisten um das Erlebte; das unwohle Gefühl wollte er zuerst im Alkohol ertränken.

Bei einem Glas blieb es nicht. Kurz nach dem ersten Glas griff er die nächstbeste Flasche, diesmal Rum, und setzte sich wieder auf die Treppe. Während er die Flasche ansetzte, teilte ihm die Delegation des Tempels, die auf dem Weg zum Hafen war, mit, dass er alles Merkwürdige auf der Insel melden solle, auch wenn es noch so unwichtig erschien. Ob er das mit einem sachten Nicken oder einem knappen „Aye“ quittierte, wusste er am nächsten Tag schon nicht mehr – zu sehr war sein Geist benebelt, zu schwer die Konzentration.

Der Morgen versprach unangenehm zu werden. Doch es war mehr als nur der Kater – es war die Schwere des Alterns, die auch in den kommenden Tagen nicht nachlassen würde. Der junge Mann wirkte plötzlich mehrere Jahre älter. Feine Linien zogen sich über Stirn, Mundpartie und Augen – untypisch für jemanden in seinen Dreißigern. Aber so wie er sich innerlich fühlte, schien es nur richtig, dass die Zeichen der Zeit seinen Körper überfielen. Ihm war zum Stirnrunzeln.

Die optischen Spuren bemerkte er bereits am ersten Morgen, als der Kopf nicht mehr dröhnte und er vor dem Spiegel seinen Bart pflegte, der ebenso wie sein Haupthaar üppiger gewachsen war und dringend gestutzt werden musste. Zuerst hielt er es für eine Einbildung, einen Streich seines Kopfes. Am zweiten Tag wurde ihm klar: die feinen Linien, die Müdigkeit, die Schwere – all das war real.

Was die nächsten Tage bringen würden, wusste er nicht. Aber ein unwohles Gefühl blieb, das über den Kater und die Beschwerden hinausging. Hexenscheiße, dachte er. Nur eines war klar: die Opfergabe – die junge Frau, die Hexe oder vielleicht nur ein Medium – hätte man an Händen und Füßen in Eisenketten legen und ins Meer werfen sollen.

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 20:28
von Asyrian Corveth
Der Rückweg von der Insel war still gewesen, zu still...
Selbst das Meer, das sonst gegen die Planken schlug und den Rhythmus der Welt vorgab, hatte an Bedeutung verloren. Asyrian saß aufrecht, wie es sich für einen Mann gehörte, der sich der Ordnung verschrieben hatte – und doch lag etwas auf ihm. Nicht greifbar oder benennbar, aber da…
Es war kein Schmerz. Keine Wunde. Kein Gift, das durch die Adern brannte. Eher Gewicht…
Als hätte sich etwas Unsichtbares auf seine Schultern gelegt, während die Weihe gesprochen wurde. Als hätte der Nebel nicht nur die Insel berührt – sondern auch ihn. Noch in derselben Nacht bemerkte er es. Der Schlaf kam zu schnell, wie ein Fallen.
Nicht das ruhige Gleiten in die Erholung, sondern ein abruptes Versinken in Dunkelheit. Kein Traum, kein Gedanke – nur Leere.
Und doch… keine Ruhe.
Als er erwachte, blieb er einen Moment liegen. Sein Blick zur Decke gerichtet. Sein Atem schwerer als gewöhnlich. Nicht deutlich oder alarmierend, aber anders…
Er setzte sich langsam auf. Doch selbst diese einfache Bewegung verlangte ihm mehr ab, als sie sollte. Ein kurzer Atemzug. Er zog die Luft tiefer ein – und spürte, wie seine Brust sich dagegen sträubte.
Seine Stimme war ruhig und kontrolliert wie immer.
Ein Mann durfte nicht an jedem kleinen Unwohlsein zweifeln. Und doch begleitete ihn dieses Gefühl den ganzen Tag.
Während er trainierte, bemerkte er es erneut. Seine Bewegungen waren präzise wie immer. Doch sie fühlten sich… schwerer an.
Als würde jede Muskelanspannung einen Hauch mehr Kraft verlangen.
Nicht genug, um ihn zu stoppen aber genug, um es zu bemerken.
Ein Atemzug nach der nächsten Übung. Ein zweiter. Ein dritter. Zu viele…
Seine Augen verengten sich leicht.
„Der Körper ist ein Werkzeug.“ Leise gesprochen. Mehr für sich selbst als für andere. „Und ein Werkzeug… wird gewartet.“
Doch die Zeit verging und das Gefühl blieb nicht gleich, sondern wuchs. Nicht sprunghaft sondern stetig.
Es folgte die Müdigkeit. Nicht die Art von Erschöpfung, die nach harter Arbeit kam – sondern eine, die schon beim Aufstehen da war. Ein bleierner Schleier, der sich über Gedanken legte und sie verlangsamte. Er bemerkte es in Gesprächen.
In Momenten, in denen Worte einen Herzschlag länger brauchten, um Form anzunehmen.
Dann setzte der Atem ein. Noch immer kein Schmerz. Doch nun eindeutig. Seine Brust hob sich schwerer. Tiefe Atemzüge fühlten sich unvollständig an. Als würde etwas verhindern, dass die Luft ihn ganz erreichte.
Als er am nächsten Morgen sein Spiegelbild sah erstarrte er.
Sein Blick ruhte auf sich selbst. Eine einzelne Strähne. Zuerst hielt er sie für einen Effekt des Lichts. Doch sie blieb. Nicht grau sondern weiß. Seine Finger hoben sich langsam. Berührten das Haar und fuhren darüber. Die Haut seiner Hand wirkte… anders. Feine Linien, die zuvor nicht da gewesen waren. Kaum sichtbar. Aber für ihn unübersehbar. Ein langer und schwerer Atemzug folgte.

„…Zeit…“ Das Wort lag leise in der Luft. Doch es war kein Ausdruck von Verwunderung.
Sondern von Erkenntnis. Denn das hier war kein Zufall oder natürlicher Verlauf.
Etwas arbeitete in ihm. Langsam und geduldig.

Er dachte zurück an die Insel und an den Nebel. An dieses Gefühl, das sich nicht benennen ließ.
An die Schwere, die sich auf ihn gelegt hatte…
War dies eine Prüfung der dunklen Eminenz?
Als bald wollte er Rat in der Kapelle zu Rahal suchen…

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Mittwoch 18. März 2026, 21:31
von Die Erzaehlerin
Die Geräusche der Insel schienen endlich wieder zum Leben zurückgekehrt zu sein, wenn auch nicht in selbigem Umfang wie zuvor. Über den Strand schaukelten Wellen sanft gegen das Ufer, ihr rhythmisches Plätschern wurde begleitet vom fernen Ruf der Möwen, die sich am Hafenbecken versammelten. Palmenblätter schlugen leise gegeneinander und vereinte sich mit dem Zirpen der Grillen, der Klang der Insel ähnelte einem wispernden Wind. Ab und zu knarrte eine hölzerne Veranda, irgendwo hinter den Hütten bewegte sich etwas schwerfällig im Schatten, sicherlich ein Gorilla welcher auf der Suche nach fressbarem durch das Dickicht streifte. Langsam aber zusehend verschwand die Sonne und versank dort wo das Meer endet. Der Dienstwechsel der Gardisten fand statt und läutete somit auch die Nacht ein.

Lediglich in der Hafentaverne war noch Leben, in den restlichen Häusern schien langsam schon die Nachtruhe eingekehrt zu sein und manche Bewohner versanken in ihren Schlaf.

Weit entfernt nimmt man ein Rascheln und dann viele schnelle Schritte wahr. Um das Haus des Templers herum wird eine Stille einkehren. Eine bekannte Stille, die vor wenigen Tagen schon Einzug nahm. Ein leises Wispern erfüllt die Stille, getragen vom aufkommenden Wind, wird es durch die Ritzen der wettergegerbten Planken gedrückt und findet seinen Weg in das Innere des Hauses. Es findet den Weg zu ihm, schleicht sich hinein in seine Träume und verankert sich dort für diese Nacht.

Horatios Traum - Das Wispern in den Träumen

Er stand am Strand, der ihm bekannt und doch fremd vorkam. Der Sand fühlte sich feucht und schwer an, als würde er jedes seiner Glieder leicht nach unten ziehen. Dünne Nebelschwaden krochen zwischen den Palmen und Häusern hervor, legten sich um seine Füße, glitten wie lebendige Schatten über seine Haut. „Horatio…“, hauchte lockend eine Stimme aus dem Nebel, samtweich und dunkel.

Sein Blick schweifte umher, die Quelle suchend, doch im Nebel selbst war nichts zu erkennen. Dennoch spürte er die Kälte auf seinem Nacken, den Druck unsichtbarer Hände auf seinen Schultern und ein Ziehen durch seine Glieder, als würde die Zeit selbst die Kraft aus seinem Leib ziehen. Ein leises Grauen kroch in ihn hinein und noch ehe er einen Laut von sich geben konnte, spürte er den Druck an seinem Nacken noch fester, als würde ihn eine Hand packen und nach unten drücken. Fest und unnachgiebig. Eine zischende Stimme, drohend und dunkel und dennoch mit einer Weichheit gesegnet, als würde sie dich in die Tiefen des Nichts reißen wollen, erklang in seinem Ohr.

„Warum bist du hier? Du hättest den Schrein zerstören sollen. Jetzt wirst du tragen, was du gesät hast.“

Der Boden unter ihm wurde weich, fast flüssig. Im Nebel formten sich Gesichter die alle ihren Blick auf ihn richteten. Er wollte fliehen, doch der Sand verschluckte jeden Schritt, als würde er sich auflösen und im Meer verschwinden wollen. Doch das Meer zog ihn gierig, unaufhaltsam hinein.
Dann erwachte Horatio, schweißgebadet, das Herz hämmernd, die Glieder noch schwerer wie am Abend zuvor. Die Sonne schien durch sein Fenster, die Müdigkeit, das Ziehen, die Zeichen der Zeit an seinem Körper, sie waren real. Er wusste, dass Mahu ihn berührt hatte. Ihre Hand in seinem Nacken spürte er noch immer. Der Druck begleitete ihn den ganzen Tag.

Für alle Teilnehmer:

Die Tage ziehen sich zäh dahin, beinahe schleppend, als würde die Zeit selbst unter der Last des Fluches ermüden. Mit jedem weiteren Morgen zeichnen sich die Spuren der Weihe deutlicher auf den Gesichtern der Besucher ab. Feine Linien, müde Blicke, ein Zittern in den Händen, das sich nicht mehr verbergen lässt.

Körper und Geist beginnen gleichermaßen nachzugeben. Die Glieder fühlen sich schwer an, als trüge man eine unsichtbare Bürde, während die Gedanken langsamer werden, verschwimmen, sich nur noch mit Mühe greifen lassen. Eine bleierne Erschöpfung liegt über allem, durchzogen von einem nagenden Unbehagen, das sich tief ins Innerste frisst.

Inzwischen hat jeder Teilnehmer die Auswirkungen des Fluches zu spüren bekommen. Ein leises Ziehen unter der Haut, ein stetiges Pochen, das daran erinnert, dass etwas nicht stimmt. Manche fühlen sich ausgelaugt und kraftlos, andere werden von innerer Unruhe geplagt, als würde etwas in ihnen arbeiten, das sich nicht abschütteln lässt. Hoffnung schwindet, während sich die Gewissheit ausbreitet, dass dies erst der Anfang ist.

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 09:47
von Drin'belrak
Zuerst war es nur die Müdigkeit, eine tiefe Erschöpfung, welche auch durch das Gebet zu Vater nicht wich. Er reagierte mit dem einzigen das Letharen für Schwäche übrig hatten: Wut, Zorn, Hass. Hass auf seine eigene Schwäche, Hass auf Horatio, welcher die missglückte Weihe geleitet hatte, Hass auf die Erhabene Aliyahna, schließlich hatte sie es zu gelassen! Hass auf alles und jeden! Er konzentrierte sich auf seinen Hass, kanalisierte ihn, wandelte ihn in Stärke. Immerhin konnte er sich nun in seiner schweren Rüstung einigermaßen bewegen.

Der Menschentempel brachte eine neue Herausforderung: Kälte. Seine Hände und Füße fühlten sich an wie Eisklumpen. Er war müde, seine Rüstung lastete schwer auf seinem Leib und es fiel ihm zunehmend schwerer sich zu konzentrieren. Und nun erwarteten diese Menschen an diesem kalten Ort auch noch, dass er sich an diese elenden Worte der Handelssprache erinnerte. Die Lethoryxae war nicht erfreut, als er es nicht tat. Erneut kanalisierte er Hass, Zorn. Kämpfte darum nicht im Stehen einzuschlafen oder im Gebet vor Vaters Altar.

Dieser elende Grann-Mensch war schnell, schneller als er, seine Schläge trafen seine Rüstung, er wurde zu Boden gerissen. Er teilte seinen Zorn, seine Wut mit dem Menschen. Keine gute Idee. Der Boden war kalt und hart. Eigentlich alles im Menschentempel war kalt. Die Lava in den Höhlen des Axorn sorgte für Wärme. Wie schafften es die Menschen nur nicht zu erfrieren?

Zurück im Axorn versuchte er es erneut mit dem Gebet zu Vater, nur um dabei einzuschlafen. Beim Aufwachen fühlte er sich noch schwächer, festgenagelt am Boden vom Gewicht seiner eigenen Rüstung. Er musste dringend mit dem Meister sprechen, falls er es schafft sich zu bewegen…

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 11:27
von Horatio Bes
*knack*
Ertönte es als Horatio mühsam seine Füße aus dem Bett bewegte.
Jedoch war das Knacken nicht eines seiner Gelenke, sondern der zermatsche Körper einer Spinne, auf welche er seine Füße stellte. Einen Moment lang ruhte der Blick starr auf den zermatschten Spinnenleib, dann schlürfte er langsam, mit schwere in den Knochen zur Badewanne und stieg hinein.

Einmal hineingerutscht und vollends untergetaucht, schwappte die Wanne etwas über und ergoss das Wasser über den hölzernen Boden.
Es schwemmte das Buch, welches er seit einigen Tagen lesen wollte, etwas zur Badewanne heran.
Ein Buch über Geschichten von Rum, Piraten, Madame Minfay und die Isla.
Unbemerkt blieb dies nicht und mit einem ächzen wurde das Buch gegriffen und aufgeschlagen.

Die ersten Seiten, die ersten Kapitel erzählten von Abenteuern, fernen Inseln und immer wieder dem Hafen auf Cabeza.

Einige Seiten später, die Augen schon wieder schwer und erschöpft,
war irgendetwas von Inselhexe und Lebhafte Isla die Rede.
Dann wieder etwas von einem Pakt und Opfer.
Schon ein paar Seiten später schoss es ihm in den Kopf
– rasch zurückgeblättert und die Zeilen erneut lesend.
„Mahu“?
Irgendwie kam ihm der Name bekannt vor, hatte er diesen einmal bei einem Gespräch aufgeschnappt? An einem Abend in der Taverne der Insel?
Gar am Hafen von Rahal als die Händler wieder Seemannsgarn erzählten?

Dann war noch dieser Traum in der Nacht, als wäre er in der Nacht nicht alleine gewesen,
als hätte jemand oder etwas Einfluss genommen.
Ein Traum, oder doch nicht?
War es etwas dazwischen – Einfluss auf den Traum?
Dies waren Fragen, welche sich der Vicarius immer wieder stelle und darüber nachdenken musste.
Immer wieder führte sein Griff in den Nacken, als halte und drücke dort jemand und er wollte diesen lösen.


Der Blick in den Spiegel verriet es, gefühlt von Tag zu Tag, gar von Stunde zu Stunde schien die Zeit an ihm zu nagen.
Aussitzen würde wohl den bitteren Tod bedeuten.
Und es war nicht das, was seinen neu gegangen Pfad festigen würde.

Es muss der Pfad bis zum Ende gegangen werden.
Sein gesetztes Ziel – den Glauben an den einzig Wahren zu verbreiten, auch auf unwegsamen Pfaden, in entfernte Gebiete, so wie auf diese Isla.
Sie wehrt sich, dann wird sie bekämpft!
Glaube!
Eine Antwort muss gefunden werden - was widersetzt sich hier auf der Isla Alatar?
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Am Mittag, nach einem Gebet und Meditation, wurden erst einige Schreiben, dann Aushänge mit zittriger Hand geschrieben.

Nach einem wenig Besserung bringendem Mittagsschlaf führte sein Weg in den Hort des Wissens.
Vielleicht war dort etwas über die Insel und gar etwas zu finden das „Mahu“ genannt wird.

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 11:40
von Jael'Zeerith
Nach der Weihe auf La Cabeza blieb alles still.

Der Nebel hatte sich zurückgezogen, als hätte er nie wirklich Besitz von der Insel ergriffen. Mit ihm verschwand auch jene kaum greifbare Spannung, die für einen Moment zwischen den Dingen gelegen hatte. Stimmen kehrten zurück, Schritte fanden ihren gewohnten Rhythmus. Auch in ihr regte sich nichts. Die folgende Nacht verlief ruhig. Der Schlaf war tief, ein gleichmäßiges Versinken in Dunkelheit, das nichts zurückließ. Als hätte der Körper genau das bekommen, was er brauchte.

Erst der Morgen widersprach dem.

Mit dem ersten Atemzug lag etwas auf ihr, das sich nicht erklären ließ. Kein Schmerz, auch keine Krankheit und doch fehlte etwas. Die Erholung blieb aus, als hätte der Schlaf sie nur durch eine Leere getragen, ohne ihr etwas zurückzugeben. Ihre Glieder fühlten sich schwer an, nicht erschöpft im üblichen Sinne, sondern unter einem gleichmäßigen, bleiernen Druck, der sich weder abschütteln noch klar benennen ließ. Bewegungen folgten langsamer, als müssten sie sich erst formen, bevor sie geschahen. Gedanken ordneten sich, aber nicht mehr unmittelbar. Zwischen Impuls und Handlung lag ein schmaler Raum, der zuvor nicht existiert hatte.

Und dennoch funktionierte sie.

Sie hielt sich an ihre Abläufe, als wäre nichts verändert. Sichtete Vorräte, prüfte getrocknete Kräuter auf ihre Qualität, sortierte, wog ab und verwarf, was nicht ihren Ansprüchen genügte. Glasgefäße wurden geöffnet, Gerüche aufgenommen, Mixturen begutachtet. Mit der gleichen ruhigen Sorgfalt, die sie sich über lange Zeit angeeignet hatte.

Als sie sich am Abend aus dem Schatten des efeuüberwucherten Mauerwerks der Quuypoloth löste, um die Menschenfrau in Empfang zu nehmen, war von der Müdigkeit nichts offen zu erkennen. Das Gespräch folgte vertrauten Mustern. Die Frau sprach von Gemeinschaft, von Zusammenkunft, davon, sichtbar zu machen, was die einzelnen Gruppen auszeichnete. Zyn’tuin rückte diese Vorstellungen mit klarer, schneidender Bestimmtheit zurecht, ohne ihnen Raum zur Entfaltung zu lassen. Sie selbst blieb im Hintergrund, still und präsent, ohne sich aufzudrängen. Sie beobachtete, ordnete ein und sprach nur dort, wo es notwendig war.

Sie hielten es durch. Beide. Ohne sichtbare Schwäche, ohne Bruch in Haltung oder Stimme. Als die Menschenfrau dann endlich ging und die Worte verklangen, blieb nichts zurück, das über das Gespräch hinausging.

Im Inneren der Festung wurde es deutlicher, im Keller ließen die Kräfte spürbar nach. Zyn’tuin sprach von damals, von einer Erschöpfung, die ihn nicht zum ersten Mal berührte. Seine Worte kamen langsamer, als müssten sie sich durch dieselbe Schwere bewegen, die auch in ihr lag. Sie hörte zu, stellte Fragen und ordnete ein. Noch klar, noch kontrolliert, doch nicht mehr ohne Anstrengung. Währenddessen sank ihr Kopf gegen seine Brust, beinahe unmerklich, als hätte der Körper sich diesen Halt einfach genommen.

Als sie vorschlug, zurückzugehen, war es keine eigentliche Entscheidung, sondern das schlichte Erkennen einer Grenze. Der Weg zur Höhle war kurz, doch verlor er jede Selbstverständlichkeit, als müsste jeder Schritt erst bewusst gesetzt werden. Am Eingang der Wohnhöhle hielt sie einen Moment inne, länger als nötig, dann löste sich langsam ein Fuß aus dem Stiefel, der zweite folgte mit einem leisen Streifen von Leder auf Stein. Barfuß blieb sie kurz stehen, die Zehen spannten sich gegen den Boden, als suchten sie Halt in etwas Unverrückbarem.

Im Inneren bewegte sich Zyn’tuin noch, führte Vertrautes aus. Sie folgte ihm, Schritt für Schritt, doch ihr Gang verlor an Gleichmaß. Die Verzögerung lag nicht offen zutage, sondern in den Zwischenräumen, in dem kurzen Zögern zwischen zwei Bewegungen, in Fingern, die für einen Moment Halt suchten, bevor sie sich wieder sammelten.

Hinter ihm angekommen, legte sie ihre Hand auf seine Schulter. Ein stiller Kontakt, der für einen Augenblick trug. Dann ließ die Spannung nach. Ihr Körper lehnte sich an seinen, ihr Kopf sank gegen seinen Rücken, schwer und ohne Gegenbewegung. Für einen Moment hielten ihre Finger noch, dann löste sich auch das.

Sie nickte weg, leise und ohne Widerstand. Kurz darauf gaben auch seine Beine nach, und gemeinsam sanken sie zu Boden. Nicht als Sturz, sondern als ruhiges, unvermeidliches Nachgeben. Als hätte etwas entschieden, dass es jetzt endlich genug war und die Körper dieser Entscheidung einfach folgten.

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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 22:51
von Auriane Treuwind
Die Messe war fast wie ein Schatten in ihren Gedanken verblieben; ein Schatten des Unheils und der Ungewissheit, der sich wie ein viel zu schwerer Mantel über einen legte und sich nicht mehr abstreifen ließ. Jedes Mal wenn die Erinnerung an die Messe ihr zu entgleiten drohte aber musste sie nur auf die verbundenen Hände schauen um sich doch wieder etwas zu erinnern. Die Dornen des Kristallkelches hatten ihre Spuren hinterlassen, tiefer mit jedem Blutstropfen des Opfers, welcher in jenen hineingeflossen war und sich mit dem ihrem vermischt hatte. Mit dem Blut und den Schatten in der Kapelle war nur ein zu bekanntes Gefühl eingekehrt, welches sie bereits einmal erlebt hatte in ähnlicher Form. Damals, dort im Alten Tempel als die Templer ihr Ritual am Metzger abgehalten hatten und dieses Gefühl des "Falschseins" einfach immer stärker geworden war, so war es auch zum Ende der Weihe hin und auch als alle gegangen waren wollte es nicht weichen.
Zurück waren die Templer und sie, die Messdienerin geblieben, die die gemeinsam mit dem Vicarius das Opfer vorerst nach Rahal überführen sollte anstatt jene auf dem Friedhof zu bestatten. Mit jedem Schritt den sie gemeinsam zum Hafen gingen wich zwar nicht dieses beklemmende Gefühl, doch zur gleichen Zeit wuchs auch eine merkwürdige Irrealität in ihr heran, eine die ihr zeitgleich das Gefühl vermittelte, dass irgendetwas richtig war. Und doch fühlte sich der Weg nach Rahal und hinunter in die Krypta deutlich länger an als sonst, der allgegenwärtige Geruch der der Halle im Hintergrund innewohnte roch intensiver, obwohl er gleich war, fühlte sich wie Lug und Trug an und jeder Moment länger mit dem Leichnam und den blutigen Händen mit der sie die Kleider des Opfers tränkte fühlte sich unheilvoller und gefährlicher an...

Der nächste Tag fühlte sich zäh an als würde sie in einem Bett aus Morast und Lehm liegen, kaum fähig sich daraus zu befreien. Alles tat weh, die Glieder schwerfälliger zu bewegen und die Verwunderung über die grauen Strähnen im Haar taten ihr übriges. Hatte ihr die Sorge etwa solchen Kummer bereitet, dass ihr Haar grau zu werden begann? Danach entglitt ihr der Gedanke aber auch wieder, fortgeschoben von der allgegenwärtigen Müdigkeit. Zäh floss der Tag dahin, fiel wir Brocken einen Berg hinunter anstatt dass er in einem konstanten Fluss vorüberging und ehe sie sich versah stand sie im Tempel bei Grann um ihm karge Kost zu bringen. Der Tumult und laute Ruf unten im Tempel drang nur halbherzig an ihr Ohr, sie erkannte nicht einmal die Stimme die gerufen hatte, nur, dass sie die heilige Stille im Tempel zerstörte, sodass sie zurückrief und zur Ruhe aufrief.
Wieder ein Brocken und sie stand hinter den beiden Templern, alle waren sie ins Gespräch mit Grann vertieft während ihre Augenlider immer schwerer wurden und all die Geräusche wie ein Regenschwall über sie hinwegflossen und an Belang verloren. "Haltung!" rief irgendwo eine Stimme und riss sie nur etwas aus dem Nebel heraus in dem sie schwebte. Es half nichts, kaum dass die Erhabene nachgegeben und sich auf der Bank niedergelassen hatte schienen ihre Glieder wie von allein ebenfalls angezogen zu werden sodass sie einfach auf die Bank fiel. Irgendwann waren sie im Glaubenshaus... doch wie war sie dorthin gekommen? Gespräche, Knistern des Kaminfeuers, Wärme wie sie nicht im Tempel vorhanden war und eine Hand, die sie rüttelte um sie zum Morgengebet zu rufen. Morgengebet? Wo war sie überhaupt? Sie hatte ganz vergessen wie sie ins Glaubenshaus gekommen war und folgte Horatio auch mehr wie eine Puppe denn aus eigenem Antrieb. Die Müdigkeit war so allgegenwärtig, dass sie nur noch gehorchte und nicht nachdachte.

Irgendwann in der Krypta klärten die Gedanken etwas auf als sie gemeinsam mit Horatio den Körper des Opfers vorbereiteten um ihn später einzubalsamieren. Eine Tätigkeit, die weder Grauen noch Ekel hervorriefen sondern sie mit einer stillen Selbstverständlichkeit bedachten. Beim Anrühren neuer Paste ließ sie ihren Blick fast lauernd beim deutlich gealterten Horatio liegen. Das Unwohlsein durch die Geschehnisse war geblieben in Anwesenheit des Körpers, doch es war etwas ganz anderes was ihre Gedanken für einen Moment festhalten konnten. Das hier waren schon lange keine einfachen Aufgaben einer Messdienerin mehr. So wie die letzten Wochen und Monde es nicht mehr gewesen waren. Dann waren sie aber fort als wäre ein Windstoß durch ihre Gedanken gefegt und einzig der Gedanke wach zu bleiben und dem Opfer noch etwas Würde zu schenken blieb. Die ganze Prozedur hatte ihr noch das letzte Bisschen an Kraft geraubt sodass sie sich einfach im Glaubenshaus vor dem Kamin zusammengerollt und in einen tiefen Schlaf gefallen bevor sie gänzlich sich richtig hingelegt hatte. Irgendwann am frühen Abend hatten sie Geräusche von Horatio geweckt der ins Glaubenshaus gekommen war. Er schien noch älter geworden zu sein als am Morgen. Ob sie es auch war? Die Knochen und ihre Haut fühlten sich jedenfalls so an. Ob es seine Schuld gewesen war? Gleich wessen, wenn sie eines in ihrer Zeit als Messdienerin gelernt hatte war es, dass der Dienst im Tempel zuweilen größere Opfer forderte und sie wollte sich nicht beklagen. Sie hatte die Gunst Alatars bereits genießen dürfen, so würde auch jede Konsequenz die sie mit den Templern tragen musste, klaglos getragen. Am Ende half der "Spaziergang" zur Kutsche und nach Hause keineswegs, irgendwo in den Gedanken hatte Branor herumgeschwirrt und irgendein Handel bis jene auch irgendwo im Nebel untergegangen waren und sie angezogen wie sie war, einfach in die Felle gefallen war um wieder zu schlafen.


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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Freitag 20. März 2026, 15:34
von Lingor Melia
Der Blick in den Spiegel am Morgen nach der Weihe der Kapelle auf La Cabeza war verstörend. Einen Herzschlag lang glaubte Lingor noch zu träumen, als er die grauen Schlieren in seinem Bart und an den Schläfen bemerkte. Die Krähenfüße an seinen Augenwinkeln hatten sich über Nacht vertieft, und kaum runzelte er die Stirn, zeichneten sich dort Furchen ab, die am Abend zuvor noch nicht existiert hatten.

Allen war unwohl gewesen nach der Weihe und der Opferung der jungen Frau. Sie hatte ihren Weg selbst gewählt, und sie wirkte zufrieden, ja beinahe dankbar, als Vicarius Bes die Zeremonie vollzog. Ihr Leben dem Herrn zu schenken war nichts Ungewöhnliches.

Ungewöhnlich war jedoch der jähe Ruck, der durch ihren leblosen Körper gefahren war und Lingor hätte gewettet, dass jeder Anwesende die unheimlichen Worte noch Tage später im Kopf hören würde. Doch was genau war dort geschehen?

Die Erhabene hatte ihm nur leise zugeflüstert: „Das war nichts Klerikales.“
Aber was war es dann?

Sicherlich suchten alle, die damit zu tun gehabt hatten, fieberhaft nach Antworten. Vielleicht lagen ihnen schon bald Ergebnisse vor. Doch was, wenn nicht? Heute sah er aus wie ein Mann Mitte dreißig. Aber wie würde er morgen aussehen?

Vier Tage waren seit der Weihe vergangen, und sein körperlicher Verfall schritt in einem Tempo voran, das ihn erschreckte. Tiefe Falten zeichneten das Gesicht eines eigentlich Dreißigjährigen, sein Haar war ergraut, und selbst kleine Arbeiten erschöpften ihn. Sein Hof erhielt nur noch das Nötigste an Aufmerksamkeit, der Gardedienst zehrte an ihm. Und dazu noch seine Nieren…

Was würde in weiteren vier Tagen sein? In zwei Wochen? Würde dieser Verfall irgendwann enden? Ließ sich diese abnormale Veränderung rückgängig machen? Oder musste er sich darauf einstellen, bald der nächste Gardist zu sein, dem man die letzte Ehre erwies?


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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Verfasst: Freitag 20. März 2026, 16:34
von Maralea Liathe
An diesem Abend der Weihe auf LaCabeza hat sich etwas verändert.
Da war dieser Atem gewesen, den sie spürte, aber nicht sah. Direkt hinter ihr.
Warm. Nah. Unmöglich zu überhören.
Maralea hatte sich sofort umgedreht, die Hand instinktiv am Griff ihres Dolches. Doch da war nichts oder sie sah einfach nichts. Kein Schatten, keine Bewegung. Nur leere Luft.
Nachdem der Abend vorüber war und sie am nächsten Morgen erwachte, begann es.
Zuerst war es kaum mehr als ein Ziehen, tief unter der Haut, als würde sich etwas Fremdes in ihrem Inneren regen. Ein kaum merkliches Pochen, das sie ignorierte, so wie sie vieles ignorierte. Eine Statthalterin zeigte keine Schwäche.
Doch die Tage danach ließen sich nicht mehr ignorieren.
Ihre Schritte wurden schwerer, als würde der Boden selbst sie festhalten wollen. Gedanken glitten ihr davon, zerfielen, bevor sie sie greifen konnte. Gespräche verlangten plötzlich Anstrengung. Namen entglitten ihr. Entscheidungen, die sie sonst in einem Augenblick traf, zogen sich in die Länge.
Und immer wieder dieses Gefühl, als wäre sie nicht allein in ihrem eigenen Körper.
In den stillen Momenten spürte Maralea es am deutlichsten. Dieses Pochen. Dieses leise Arbeiten unter ihrer Haut, als würde etwas wachsen… oder sich ausbreiten.
Manchmal glaubte sie, wieder diesen Atem zu spüren. Nicht mehr hinter sich.
Sondern näher. Viel näher.
Die Falten in ihrem Gesicht wurden tiefer und breiteten sich aus. Erste graue Strähnen zogen sich durch ihr Haar.
Sie begann, nachts wach zu bleiben. Lauschte. Wartete. Doch das Einzige, was sie hörte, war ihr eigener, schwerer Atem und ein zweiter, kaum wahrnehmbarer, der sich manchmal darunter mischte.
Was immer in LaCabeza begonnen hatte, war kein flüchtiger Fluch.
Es war etwas, das sich festgesetzt hatte. Und es hat sie berührt.
Maralea richtete sich mühsam auf, ihr Blick fest und entschlossen, trotz der Erschöpfung, die an ihr nagte. Sie musste handeln. Musste ihrer Pflicht nachgehen.
Doch tief in ihrem Inneren regte sich ein Zweifel, ob sie überhaupt noch in der Lage war, etwas zu tun.


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