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Feuer und Geist
Verfasst: Montag 9. März 2026, 14:02
von Taran Telian
Die Sonne blendete Taran durch einen Spalt zwischen den Baumkronen im dichten Wald. Nachdem er die Kräuter gesammelt hat, die Hildegard, seine Mutter, benötigte, gönnte er sich eine kleine Pause an seinem Baum, nahe an dem Häuschen, in dem sie Beide wohnten. Klein aber mit Allem, was man als zweiköpfige Familie benötigte.
Schweiß rann ihm über das Gesicht, den Hals, den Nacken.
Er wischte über seine Stirn und stand auf, schulterte seinen Beutel und lief zielstrebig zum Hauseingang. Seine Mutter wartete schon am Herd, um den Eintopf fertigzustellen mit dem Kochlöffel in der Hand. Taran reichte ihr den Beutel und wartete gespannt auf ihre Reaktion. Nervös rieb er sich an der Schläfe, die ein Feuermal zierte. Seine mausgrauen Augen beäugten den Beutel, der von ihr inspiziert wurde.
Einige Kräuter wurden auf ein Schneidebrett gelegt und der Rest in ein hohes Glas gefüllt. Zufrieden nickte sie.
„Das sind genau die Kräuter, die ich haben wollte!“ meinte sie, mit ihrer lieblichen und melodischen Stimme und Taran grinste breit. Immer wieder schaute er ihr über die Schulter und sog jede Information auf, die sie ihm zu vermitteln versuchte.
-Wie man die richtigen Kräuter erkennt
-Woraus man die besten Heilsalben macht
-Wie man die Wunden versorgt
-Die schmackhaftesten Suppen und Eintöpfe
Doch war Taran mit seinen 10 Jahren nicht sonderlich gut im sich-Sachen-merken und er vergaß oftmals die Dinge, die ihm vor ein paar Augenblicken noch erzählt worden sind.
Taran Telian, der kleine dünne Junge mit seinen mausgrauen Augen, tiefroten Haaren, 150 Fingerbreit groß. Die Fröhlichkeit war ihm ins Gesicht geschrieben und seine Mutter konnte ihn nicht lange im Haus behalten. Er streifte durch die Gegend, immer auf der Suche nach neuen Pflanzen und Tieren im Wald. Über Stock und Stein lief er oft stundenlang, ohne, dass ihn seine Mutter sah.
Sie hatte aufgehört, sich Sorgen um ihn zu machen, er brachte immer wieder Verletzungen mit nach Hause, da mal ein Kratzer, hier mal ein blauer Fleck, nichts Ernstes, bis er sich humpelnd nach Hause schleppte.
Seitdem er geradeaus laufen konnte, war er ein guter Kletterer. Doch als er auf zwei dicken Ästen seines Lieblingsbaumes eingedöst war, drehte er sich so ungeschickt, dass er den Baum herunterfiel und auf seinem linken Knie landete.
Er versuchte aufzustehen, doch es gelang ihm nur schlecht. Der Schock steckte tief und zu dem Zeitpunkt verspürte er keine Schmerzen. Er sah sich die Wunde auch noch nicht an.
Da er trotzdem geschrien hat wie am Spieß, eilte seine Mutter sogleich heran und hat ihn in das Haus getragen. Er war noch nie besonders schwer, daher war das kein Problem.
Sie legte ihn auf eine provisorische Trage, die aus einem Tisch bestand, auf dem einige Kleidungsstücke und Laken gelegt wurde und gab ihm ein leichtes Mittel zur Beruhigung und gegen die Schmerzen, was es war, wusste er leider nicht und hat er auch nie wieder gefragt.
Dann zog sie ihm die Hose aus, murmelte was von
“keine Diagnose, durch die Hose” und schaute sich das Bein an. Er blickte ebenfalls hinab und ihm blieb der Mund offen stehen. In dem Augenblick kamen die Schmerzen und ihm wurde regelrecht schwarz vor Augen. Er fasste sich aber bald wieder und er hat es dann doch nochmal angesehen.
Es war ein offener Bruch und der Knochen schaute heraus. Das Blut pulsierte aus der klaffenden Wunde.
Sie schien keine Miene zu verziehen und unter großem Geschrei seinerseits, richtete sie seinen Knochen wieder in Position, nähte die Wunde, indem sie mit chirurgischer Präzision den Ort der verletzten Ader fand, akribisch vernähte und zum Schluss die offene Wunde ebenfalls mit schwarzem Faden sicherte. Zu guter Letzt schmierte seine Mutter ihm eine Salbe auf das gesamte Bein.
Dann band Sie eine Schiene um das verletzte Bein um den Bruch wieder in richtiger Stellung heilen zu lassen und gab ihm einige Stöcke, mit denen er dann gut laufen konnte. Die Schmerzen waren bei jedem Schritt und jeder Berührung unerträglich schmerzhaft. Doch er biss sich durch und durch sein Alter heilte der Knochen schnell.
Immer wieder gab sie ihm Saft, den er trinken musste. Er bestand wohl aus einer Mischung mit Äpfeln, Fledermausflügeln und lila Trauben, er schmeckte süßlich, nicht angenehm, aber anscheinend half er gegen die Schmerzen und ein paar Wochen später konnte er wieder ganz normal gehen.
Immer wieder konnte seine Mutter die verschiedenen Verletzungen mit sehr einfachen Mitteln richten und heilen. An Verletzungen mangelte es ihm nie und jede Verletzung wurde mit ihrer ruhigen Art versorgt.
Keine Diagnose durch die Hose!
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Dienstag 10. März 2026, 10:10
von Taran Telian
Ein heißer Sommermorgen. Die Sonne brutzelte auf das Dach des kleinen Häuschens und verwandelte das Innere in eine Schwitzhütte. Als ob das noch nicht reichte, wurde in Dieser auch noch gekocht.
Der Kessel blubberte vor sich hin und Taran stand davor. Wild und unruhig rührte er im kleinen Kessel rum in der Hoffnung, dadurch etwas bewirken zu können. Seine Mutter stand mit einem sanften Lächeln hinter ihm und hatte, fast betend, die Finger ineinander geschlungen vor ihrem Bauch. Normalerweise kannte er sich mit den Reaktionen in Verbindung mit dem Tränke mischen, gut aus. Doch die Tränke wurden von Mal zu Mal schwieriger. Er hatte auch schon genügend Tränke versaut und zum Überschäumen gebracht, sodass der ganze Boden mit einem klebrigen Film überzogen war, die man kaum wieder weg bekam. Er durfte dann auch Alles wieder säubern und verbrachte damit dann meist länger als für die Herstellung des Trankes selbst. Im Mörser befanden sich noch restliche Krümel von getrockneten Kräutern, die er vor langer Zeit sammelte und zum Trocknen in die Sonne legte.
Heute gelang ihm aber ein angenehm duftendes Räucherwerk, welches seine Mutter sogleich mit einem Hölzchen anzündete und einen frischen fruchtigen Rauch im ganzen Haus verteilte.
Seine Mutter war Eluivegläubig und zeigte Taran ebenfalls die mütterliche Liebe der Eluive. Allerdings zwang seine Mutter ihm keinen Glauben auf, sondern ermutigte ihm, den Glauben selbst zu finden. Für Taran gab es aber immer nur einen Glauben, den er mit seiner Mutter teilte. Den Glauben an die Schöpferin. Jener Glauben war allerdings nicht allzu weit verbreitet, denn der Glauben an Temora, die Lichtbringerin war in dem Ort, in dem sie über viele Jahresläufe lebten, allgegenwertig.
So traten an dem sommerlichen Tag, zwei Gardisten an die Eingangstüre vom Häuschen und hämmerten ungeduldig an die Tür. Seine Mutter zuckte erschrocken zusammen und zog den Hals tief zwischen die Schulterblätter, so als ob sie ahnen könnte, was folgen würde.
Taran sah zum ersten Mal in den Augen seiner Mutter Angst, ehrliche Angst und augenblicklich sprang diese Angst auf ihn über. Sie ging mit zitternden Knien auf die Tür zu und öffnete langsam die Türe.
„Eluives Segen mit euch, die Herren“ ein zaghaftes Kopfneigen von ihr, langsam und sie versuchte zu verbergen, wie es in ihrem Kopf raste.
Eine der Gardisten regte sich nicht, der Andere nickte knapp zu der Begrüßung. „Krone und Reich zu Ehr!" kam aus Mündern, der Gardisten. „Fräulein Telian, wir müssen euch mitnehmen.“ meinte einer dann direkt. In seiner Stimme lag kein Raum für Fehlinterpretation…
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Mittwoch 11. März 2026, 12:51
von Taran Telian
„Fräulein Telian, wir müssen euch mitnehmen“ dieser, doch einfache Satz, hing immer noch in Tarans Schädel.
Es ist nun schon 2 Tage her, als die Beiden seine Mutter mitgenommen haben. Sie durfte nichts mitnehmen, sich nicht verabschieden, sie wurde einfach mitgenommen. Ohne Gegenwehr.
Sie blickte Taran mit einer Angst an, die er noch nie in ihrem Gesicht sah. Es war ein endgültiger, verlorener Blick. Ein Blick der Taran zeigte, dass es etwas Ernstes war.
Und Taran, er wurde zurückgelassen. Er versuchte noch, ihnen hinterherzulaufen, doch er wurde von Einem der Gardisten unsanft wieder in das Haus getreten. Als 13 Sommer alter Junge konnte er auch nicht sonderlich viel, gegen die Beiden ausgebildeten, massiv und stabil anmutenden Männer, ausrichten.
„Bleib hier und warte, junge“, rief noch einer der Männer ihm entgegen, bevor er die Türe zuschlug. Plötzlich war alles leer und still, viel zu still. Taran blickte noch aus dem Fenster und sah, wie alle 3 in eine Kutsche stiegen und wegfuhren.
Natürlich ging er einige Zeit danach auf die Suche und lief ziellos durch den Wald, er suchte jeden Treffpunkt ab, die seine Mutter und er ausgemacht haben.
Für alle Fälle.
Er ging sogar in die nächste Stadt und suchte dort nach den 2 Gardisten.
Ohne Erfolg.
2 Tage und Nächte war er nun schon allein in dem Häuschen und er vermutete, dass so schnell Niemand kam, um ihn zu seiner Mutter zu bringen. Der Rauch war lange schon verflogen und der Kessel stand noch unberührt an dem Ort, wo Taran und seine Mutter ihn liegen lassen haben.
Er war zu schwach, um aufzuräumen. Mental zu schwach, verletzt.
Dann, Taran war längst schon wieder in Gedanken, da klopfte es an die Tür. Kein Hämmern, ein sanftes und leises Klopfen. Taran sprang auf und rannte an die Tür um aufzumachen. „Mama?“
Das erste Wort seit 2 Tagen kam ihm krächzend über die trockenen Lippen. In den Taran hat er viel zu wenig gegessen und getrunken, weinte viel und lag lange im Bett. Doch war es nicht seine Mutter, die an der Türe stand, sondern eine ältere Dame in einer einfachen, braunen Robe gekleidet. Sie schien so ungefähr 50 Jahre alt zu sein, graumelierte recht lange Haare, die nur ein wenig im Gesicht unter der Kapuze, erkennbar waren. Ihre Statur war ebenfalls unter der weiten schlicht geschnittenen Robe versteckt.
„Der Lichtbringerin Segen mit dir, junger Taran. Mein Name ist Heidi und ich wurde geschickt, um dich mitzunehmen.“
Die Worte bewirkten, dass Tarans Augen sich augenblicklich mit Tränen füllten und er an der Dame vorbeirannte.
„Wenn du deine Mutter wieder sehen möchtest, solltest du stehen bleiben“ rief sie ihm noch hinterher und Taran verlangsamte seinen Schritt bis zum Stillstand.
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Donnerstag 12. März 2026, 13:48
von Taran Telian
Einige Augenblicke lang blieb Taran einfach stehen, blickte voran und in den Wald. Er wollte doch seine Mutter wieder sehen und diese Frau konnte ihn zu ihr bringen?
Er drehte sich um und stiefelte langsam zu Heidi zurück „ich werde zu ihr kommen, wenn ich mit geh?“ in seinem jugendlichen Leichtsinn hoffte er, dass er sie zurückholen konnte. „Du wirst sie sehen können“ meinte sie nichtssagend und nickte bestätigend. Taran glaubte ihr und nickte ebenfalls.
Er durfte nur die nötigsten Sachen zusammenpacken: Kleidung, Essen und Trinken für eine Tagesreise, ein unbeschriebenes Buch mit Kohlestift. Schon allein, dass er nicht viel mitnehmen du, hätte ihn stutzig machen sollen, doch wollte er nur seine Mutter sehen und nahm es hin. Beide, Taran und Heidi gingen zur Kutsche.
Die Fahrt ging einige Stunden. In dieser Zeit wurde nicht viel Geredet. Gespannt wartete er, seine Mutter wieder zu sehen. Taran lies die Vorhänge in der Kutsche geschlossen, um die Sonnenstrahlen fernzuhalten. Schlafen konnte er dennoch nicht, es war einfach viel zu heiß. Und dann war da noch Heidi, in ihrer Robe saß sie immer noch still da, so als ob es sie gar nicht störte, dass sich so tropische Temperaturen in der Kutsche entwickelten. Dann wurde die Kutsche langsamer.
Schnell rappelte sich Taran auf und lief aus der Tür. Er riss die Augen auf als er das, für ihn, riesen Gebäude erblickte. Er schien eine Art Kirche zu sein, über dem imposanten Eingangstor waren Fenster aus Buntglas eingelassen, die regelrecht Geschichten erzählen könnten, wenn man sie genauer betrachten würde. Taran blickte zu Heidi, die gemächlich aus der Kutsche ausstieg und sich neben Taran gesellte.
„Willkommen im Werlentaler Kloster“ meinte sie wieder mit einer Ruhe in der Stimme, die Taran an seine Mutter erinnerte. „Ist meine Mutter hier?“ fragte er mit aufkeimender Hoffnung. Da schüttelte Heidi nur mit dem Kopf. „Sie ist nicht hier, aber du wirst sie sicherlich bald sehen.“ Als ob damit alles gesagt wäre, ging sie langsam auf das Eingangstor zu, welches sich sogleich öffnete. Heidi drehte sich noch um und blickte abwartend auf Taran. Dieser schaute nochmal auf die Buntglasfenster und lief auf Heidi zu, die erst durch das Tor ging, als Taran vorangegangen war. Das Tor wurde geschlossen und verriegelt.
Heidi sagte kein Wort mehr und deutete Taran an, sich auf eine Bank neben einer Eichentüre zu setzen. Als er sich setzte neigte sie zum Abschied das Haupt und lief langsam und gemächlich in die Dunkelheit.
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Freitag 13. März 2026, 10:28
von Taran Telian
Taran saß auf die Bank und schaute sich um. Die Eichentüre war schlicht und massiv gehalten, keine Verzierungen, nur Eisenbeschläge und ein stabil aussehendes Schloss mit einer Türklinke.
Nach gefühlt einer Stunde warten, stand Taran wieder auf und klopfte an die Tür. Nichts war zu hören und er setzte sich wieder hin. Weitere Minuten vergingen, bevor er wieder aufstand und durch den Gang lief. In Diesem war nicht viel. Das große Eingangstor und einige kleinere Türen. Ansonsten nur ein langgezogener Gang aus glattem Stein. Selbst der Boden schien in dem selben Material zu sein, so als ob ein Loch in einen riesen Stein gemeißelt, Türen und das Tor eingesetzt wurden und dann das Gebäude drum herum gebaut wurde.
An der Bank wieder angekommen, klopfte er Abermals an die Tür, diesmal fester. Wieder war nichts zu hören und er drückte die Türklinke herunter.
Die Tür ging auf und Taran blickte in einen Raum voller Bücherregale. In mitten dieser Regale stand ein Schreibtisch mit Sessel. In diesem Sessel saß ein Mann, in ebenso brauner Robe, wie Heidi es trug. Er Hatte ein Buch aufgeschlagen und schien darin versunken zu sein. Er linste nicht auf, als Taran die Tür aufmachte und davor stehen blieb. Erst als er, gefühlt eine Ewigkeit später, das Buch zuklappte, schielte er direkt auf Taran und nickte ihm zu.
„So schnell war noch niemand, Junge. Dir müssen wir noch viel beibringen. Geduld zum Beispiel!“
Seine Stimme war ruhig aber hatte eine gewisse Kraft und durchdrang die Stille in dem Raum mit Leichtigkeit, sodass Taran jedes Wort direkt vernahm.
„Über die Bestrafung kümmern wir uns später. Komm rein!“
Taran runzelte die Stirn doch trat er ohne Verzögerung über die Schwelle und kam nun vor ihm zum Stehen.
„Tür zu!“ die zwei Worte waren schärfer, doch ebenfalls in ruhigem Ton vorgetragen. Einen Augenblick lang blinzelte Taran ihn an, so als ob er nicht verstand. Dann schaute er zur Tür und lief zurück, um die Tür zu schließen. Taran kam auch gleich wieder zurück. Der Mann, der sich Taran noch nicht vorgestellt hatte, schien einen Moment auf eine Reaktion von Taran zu warten. Nach einer Weile schüttelte der Mann den Kopf und meinte:
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit Euch, mein Name lautet…?“ Taran blinzelte abermals. Ein weiteres Kopfschütteln folgte.
„Taran Telian…?“ in Tarans Aussage steckte Unsicherheit und Frage. Ein weiteres Kopfschütteln.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit Euch, mein Name lautet…?“ erklärte der Mann es noch einmal gleich.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit Euch, mein Name lautet Taran Telian“ erst Jetzt nickte der Mann.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit dir Taran, ich bin Bruder Karl.“ Ein leises Seufzen und er schrieb etwas in ein großes Buch.
Taran Telian.
Er klappte das Buch zusammen und machte eine Handbewegung, die Taran andeutete, mitzukommen.
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Samstag 14. März 2026, 18:23
von Taran Telian
Tatsächlich gingen die Beiden nur auch einer Tür, die Taran vorher nicht aufgefallen war. Schon standen sie in der Sommerhitze. Ein großer freier Hof, der wohl die Mitte des Gebäudes zeichnete. Es wuchs allerlei Gemüse, Obst und Kraut. Ein Schotterweg umrandete die Äcker. Der Weg wurde aus grobem, scharfkantigem Sand gebaut und diesen Weg gingen die Beidem im Uhrzeigersinn. Einigen braun berobten Männern und Frauen begegneten sie, die auch in diese Richtung liefen. Schon hielt Karl an einer Tür an und klopfte an Diese, sogleich wurde ihm geöffnet und deutete ihm mit einer Handbewegung an, mit zu kommen. Schon stand Taran einem grimmig aussehenden Mann entgegen. Dieser hatte allerdings eine weiße, verzierte Robe an, die fast schon zu leuchten schien. Karl rammte Taran seinen Ellenbogen in die Seite und er neigte sein Haupt.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit Euch, mein Name lautet Taran Telian“
Der weißberobte Mann linste zu Karl und gluckste kaum hörbar.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit dir Taran, ich bin für dich euer Eminenz Vinke“
Ein weiteres Rammen des Ellenbogens, fest und schnell, schmerzhaft. Taran neigte sein Haupt abermals und meinte.
„Der Lichtbringerin Schutz und Segen mit Euch, euer Eminenz Vinke“
Vinke atmete einmal tief durch und musterte ihn von oben bis unten, runzelte die Stirn und schüttelte dann langsam den Kopf.
„Wenn du hier leben willst, musst du unsere Lehren und Tugenden verinnerlichen, mit jeder Zelle deines Körpers.“
Taran öffnete schon seinen Mund und sprach.
„Aber ich…. “ schon schleuderte wieder ein Ellenbogen in seine Seite, heftig dass Taran zusammensackte.
„Wiedersprich mir nie und spreche nicht, wenn ich dich nicht vorher erlaubt habe zu reden.“ Die Stimme war rau und unfreundlich, als ob er es nicht gewohnt war, Widerworte zu erhalten.
„Ich will doch nur meine Mutter…. “ Ein weiter Ellenbogen in seiner Seite, er ging in die Knie und schloss die Augen.
„Einhundert Runden Gehen für ihn, vielleicht kommt er dann zur Vernunft. Bruder Karl, lass ihn vorher einkleiden.“
Karl neigte sein Haupt auf die Anweisung hin.
„Sehr wohl euer Eminenz Vinke.“ er packte Taran am Haarschopf und zog ihn unsanft hinauf. Er schleifte ihn aus der Tür hinaus und in eine Nahe gelegene Tür, die ein Lager enthält, mit scheinbar tausende Roben in ein und der selben Farbe. Die Größen variierten wenig. Groß, klein, breit und sehr breit. Taran erhielt ein kleines Bündelchen und wurde in ein Zimmer geführt. In diesem Zimmer waren viele mehrstöckige Betten aufgestellt. Jedes Bett schien eine Truhe zu enthalten, in die er seine Sachen verstauen sollte. Abgeschlossen wurde nichts.
„Wir stehlen nichts.“ kam es von der Seite, Karl nahm Tarans Skepsis wohl sofort wahr.
Er musste seine Schuhe im Zimmer lassen und musste seine Bestrafung verbüßen…
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Montag 16. März 2026, 14:26
von Taran Telian
Die Strafe wurde auch sogleich verbüßt, indem er die Hundert Runden laufen musste. Barfuß auf dem scharfkantigen sandigen Boden. Eine Runde bedeutete, dass er ungefähr 40 Schritte laufen musste. Nach jeder Runde musste er einen Kieselstein von einem angebundenen Korb, in einen daneben stehenden Korb legen. Dies wurde von einem Mann beobachtet, der mit einem Buch neben diesen Körben saß. Nur diese zwei Körbe und der Stuhl waren unter einem kleinen Dach, damit die Sonne nicht so zerstörerisch war und wahrscheinlich bei Regen den Beobachter nicht durchnässte. Taran lief die ersten Runden noch ohne Schwierigkeiten, doch nach einer Weile fühlte sich jede Berührung des Bodens wie ein Gang über Schmirgelpapier an. Seine Fußsohlen zerkratzt und blutig. Jeder Schritt eine Qual.
Als er einmal stehen blieb, um sich etwas Zeit für eine Pause zu gönnen, der Schweiß rann ihm nur so aus jeder Pore seines Körpers heraus, wurde er vom Aufseher sogleich wieder zum Gehen aufgefordert. Nicht einmal trinken durfte er etwas trinken. Nach gefühlt einer Ewigkeit hatte er alle Kieselsteine in den anderen Korb verfrachtet und durfte an einen Nahegelegenen Bach und sich waschen. Den Schweiß bekam er schnell von seinem Körper, doch die Blut verkrusteten Fußsohlen reinigte er nur unter Schmerzen. Zum Glück durfte er seine Sandalen wieder anziehen, was das Gehen etwas erträglicher gemacht hatte.
Den Rest des Tages konnte er in dem Zimmer verbringen, um sich Gedanken zu machen, was er denn alles falsch gemacht hatte. Die anderen Betten blieben alle leer. Er war wohl der Einzige im ganzen Zimmer. Er war der Neue, die anderen Männer und Frauen lebten wohl in anderen Zimmern. Im Allgemeinen sah er recht wenige Menschen in diesem riesen Gebäude. Vor Allem sah er eine Person nicht und das machte ihn sehr traurig. So traurig, dass er sich in den Schlaf weinte.
Seine Mutter.
Nicht nur durch die Trauer, auch wegen dem Schmerz und auch der Demütigung.
Er hoffte so sehr, dass er sie bald wieder sah.
Er schloss die Augen und sank in einen traumlosen Schlaf.
Taran wurde nämlich früh wieder geweckt.
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Dienstag 17. März 2026, 10:44
von Taran Telian
Nach der Nacht, in der Taran kaum zur Ruhe fand, stand er auf. Er wurde geweckt von einem ohrenbetäubenden Glockenschlagen, welches durch das komplette Gebäude dröhnte. Er wusste weder, wo er genau war, noch wo er hin sollte, bis er etwas zur Besinnung kam. Er stand auf und merkte sofort seine Fußsohlen, die immer noch brannten. Er musste sich Verbandsmaterial besorgen. Also machte er sich auf die Suche, nach einer Heilstätte.
Jene fand er auch Bald, so groß war das Gebäude dann doch nicht. Als er eintrat, konnte er niemanden erblicken und sah sich um. In dem Raum waren allerlei Truhen, Kisten und Regale mit Beschriftungen wie:
- Salben
- Tränke
- Düfte
- Seifen
- Bandagen
- Öle
Hier würde er finden, was er suchte, doch war niemand da, den er fragen könnte, ob er sich bedienen darf. Ein weiterer Blick durch den Raum. Niemand da. Langsam ging er auf die Kiste mit der Aufschrift „Bandagen“ zu und öffnete Diese. Ein weiterer Blick zum Eingang, niemand zu sehen. Er nahm sich einige Bandagen heraus und band sie sich ziemlich ungeübt um die Füße. Als er fast fertig war, öffnete sich die Tür und eine Frau kam hinein. Es war die ihm bekannte Heidi und sie blickte verdutzt auf Taran.
„Was machst du denn hier?“
Ihre Stimme war überrascht, aber nicht verärgert, doch mit einem Unterton, der ihm verriet, dass er einen Fehler begangen hat. Sie schaute langsam über seinen Körper, als er nichts sagte und hielt an seinen Füßen an. Sie sahen überaus unprofessionell verbunden aus.
Taran starrte nur weiter auf Heidi, fühlte sich ertappt und erwartete wieder eine Bestrafung. Er hat gestohlen. Da wird die Bestrafung wohl schlimmer ausfallen als gestern.
Doch zu seiner Verwunderung ging Heidi auf die Knie, hob eins von Tarans Beinen an und meinte zu ihm hinauf: „Oben lassen“ Als Taran still den Fuß in der Luft hielt, verband Heidi ihm den Fuß neu. Sie träufelte ihm sogar noch einige Tropfen von einer öligen Flüssigkeit auf ein Tuch, welche sie unter seine Fußsohle legte, bevor sie die Bandage neu umwickelte.
„Du darfst dich nicht einfach dort bedienen, das darf nur ich. Es ist meine Ordnung und du darfst die nicht zerstören“ meinte sie mit einem ernsten Ton.
Als sie geendet hat und Taran wieder hinaustrat, wurde er von Karl schon erwartet. „Du willst deine Mutter sehen? Dann komm mit, die Vollstreckung beginnt…Jetzt!“
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 11:20
von Taran Telian
Jetzt, war wirklich sofort. Er wurde raus aus dem Gebäude und einen kleinen Fußmarsch zu einem Hof, geschützt vor ungewollten Blicken umringt von einigen dichten Bäumen. In der Mitte wurde ein Haufen mit Ästen, Stroh und Holzscheiten aufgebahrt. Ein senkrecht in den Boden eingetriebener Baumstamm fiel Taran sofort auf und was er dann sah, schockierte ihn gleich.
Seine Mutter, angebunden an diesem Baumstamm. Das Gesicht mit blauen Flecken und Schnittwunden übersät. Die Augen müde und trüb und sie blickte ins Leere, so als ob sie schon blind wäre. In ein einfaches Gewand gekleidet, welches wohl mal weiß gewesen war. Dieses Kleid war braun, schmutzig und auch mit ziemlich frischen Blutverkrustungen. Es schien so, als ob die Wundflüssigkeiten unter dem Kleid nach außen traten. Es war ein Anblick, den Taran noch nie gesehen hat und nie sehen wollte.
„Mama?“ schrie er noch von weiter auf seine Mutter zulaufen. Doch wurde er von einigen Wachen aufgehalten. Der Blick seiner Mutter wurde zu einer grotesk verzerrten Fratze. Sie schien erschrocken zu sein, doch war sie wohl wirklich erblindet. Sie blickte immer noch ins Leere, doch suchte augenscheinlich nach der Stimme.
„Mama, was haben die mit dir gemacht?“
Ein Öffnen des Mundes seiner Mutter, als ob sie etwas sagen wollte, doch wurde sie schnell zum Schweigen gebracht, indem man ihr mit dem Speer in die Seite stach. Es rannen ihr Tränen über die Wangen und Taran fing an bitterlich zu schreien und zu weinen.
Eine Wache, es schien ein Anführer zu sein, schüttelte nur mit dem Kopf und machte eine wegwerfende Handbewegung. Taran wurde sogleich wieder, unter Geschrei seinerseits weggetragen.
Er sah noch, wie der Scheiterhaufen angezündet wurde und wehrte sich mit aller Kraft, die in ihm stecke, gegen die Wachen. Er schaffte es, sich loszureißen. Doch als er ein paar Meter weiter weg rannte, verspürte er Plötzlich einen Schmerz im Genick.
Nur ein Schlag, dann sah er Sterne.
Das nächste, was er spürte, war der weiche Waldboden. Er roch noch das Moos in der Nase, bevor die Lichter gänzlich aus gingen.
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Freitag 20. März 2026, 13:27
von Taran Telian
Aus der Sicht von Mama
Die Schmerzen waren unerträglich, 3 Tage wurde ich nun fast durchgängig gefoltert. Sie wollten Informationen aus mir herausholen. Irgendwie haben sie herausgefunden, wer ich bin. WAS ich bin. Doch ich blieb standhaft und gab nichts preis. Sie versuchten tatsächlich alles Menschenmögliche. Schnitte und mein Fleisch, entfernen von Fingernägeln, Schläge und Tritte. Unaussprechliches ebenso.
Doch sie konnten mir nichts entlocken. Wir haben gelernt, selbst so Etwas durchzustehen. Selbst was ich bin, habe ich nicht zugegeben, auch, wenn einiges wahr war. Jetzt schleiften sie mich an den Pfahl, den Scheiterhaufen.
Um zu beweisen, was ich war. Eine Hexe!
Wenn ich verbrenne, bin ich keine Hexe und sterbe als normale Frau.
Wenn ich nicht verbrenne, dann würde ich geköpft werden und würde davor noch befragt werden. Als Hexe sollte ich die Meinen verpfeifen und würde auch noch gebrandmarkt werden. Ebenso Taran. Als Kind einer Hexe würde er seines Lebens nicht mehr froh.
Da fiel mir die Entscheidung nicht sonderlich schwer…
Auf dem Scheiterhaufen stand ich nun, konnte nur nach das Holz spüren und wie die Hitze meinen Körper hochkroch. Das Element, welches mir am nächsten war, züngelte sanft um mich herum. Es war eine wärmende Berührung. Es wollte mich nicht verletzen, wir waren sehr lange miteinander verbunden. Man hat sich kennen- und lieben gelernt. Doch, nun war es so weit Abschied zu nehmen. Ich musste nicht mal im Lied etwas tun und möglicherweise noch irgendwelche Liedwirker auf mich aufmerksam machen.
Ich lies es einfach zu, dass das Feuer mich in sich aufnimmt…
Es schmerzte unbeschreiblich, doch ich musste es tun.
Um ihn zu schützen… um uns zu schützen.
Lebe Wohl und in Frieden mein Schatz, Taran…
Re: Feuer und Geist
Verfasst: Mittwoch 25. März 2026, 09:44
von Taran Telian
Taran wachte urplötzlich auf und schlug die Augenlider auf. Ein Blick in den Raum und er wusste, wo er war. In dem Zimmer, in dem Bett. Wie ist er denn da hingekommen. Er hob die Schultern zu einem zucken an und spürte augenblicklich in seinem Nacken einen stechenden Schmerz. Er wird wohl einen Schlag abbekommen haben, von Irgendwem.
Er rieb sich den Nacken und stand auf. Es war alles dunkel und er wusste nicht, ob es noch mitten in der Nacht war oder schon fast wieder hell. Oder es Abend.
Er beschloss wieder zu Heidi zu gehen. Der Nacken machte ihn etwas Sorgen und so hatte er eine Ausrede, um sie aufzusuchen. Vielleicht wusste sie auch, was mit seiner Mutter passiert ist. Sie schien noch die Normalste zu sein, die Taran bis jetzt kennengelernt hat.
Ein bisschen war sie, wie seine Mutter, dachte er sich und zog sich die Stiefel an. An der Türe angekommen, konnte er niemanden Entdecken. Die Nacht war düster und er nahm sich eine der Fackeln, die an der Wand hingen. Ein paar Schritte weiter und er stand schon vor der Türe, die nicht verschlossen war. Er sah sich um und öffnete die Tür.
Drin saß Heidi und sah ihn verwirrt an „Was machst du denn um die Zeit noch hier?“
Er antwortete wahrheitsgemäß „Ich weiß nicht mal wieviel Uhr wir haben.“
„Wir sind in der Mitternachtsstunde, du solltest längst im Bett sein!“
„Ich war im Bett und wollte wissen, warum mein Nacken so schmerzt und wo meine Mama ist“ Er rieb sich zur Verdeutlichung am Hals in den Nacken.
Sie sah ihn für eine Weile lang an und fragte ihn „Willst du das wirklich wissen?“[/color]
„Jetzt noch viel mehr!“
„Sie ist tot“
Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die Augen füllten sich mit Tränen und er rannte aus der Türe.
„Warte noch!“ rief sie ihm nach, doch er bekam davon schon nichts mehr mit. Er rannte nur noch. Aus dem großen Tor hinaus in den Wald.
Er rannte, bis ihn seine Beine nicht mehr trugen und er an einem alten, großen Baum stehen blieb. Er setzte sich auf das Moos und lehnte sich an den Baumstamm.
Erschöpft und voller Trauer schloss er die Augen und weinte bitterlich.