Der Riss im Stein [MMT]
Verfasst: Dienstag 24. Februar 2026, 15:45
Nilzadan atmete schwer in dieser Nacht. Glutadern warfen rötliches Licht über die Pfeiler der Halle und der Rauch der Essen sammelte sich unter dem Gewölbe wie ein dunkler Schleier. Das stetige Klingen von Hammer auf Amboss hallte durch den Berg wie ein ruhiger, unerschütterlicher Herzschlag. Alles war wie immer – und gerade deshalb fühlte es sich falsch an.
Rago stand am Rand der Übungshallen der Graik, unbeweglich, die Arme verschränkt. Ein Rekrut verlor den Halt an seinem Hammer, Stahl schlug schief durch die Luft. Für einen Moment blieb Ragos Blick in dem Hammer hängen. Er beobachtete, wie das Licht im Stahl reflektierte – in diesem Moment schien er etwas zu erkennen, das ihm bisher entgangen war.
Der Rat der Kaluren war vor einigen Wochen geschlossen worden.
Doch in ihm war nichts geschlossen.
K`awi war kein beiläufiges Wort gewesen, das man zwischen zwei Krügen Bier abtat. Die Inselstadt hatte wie ein dunkler Block inmitten der Versammlung gelegen, schwer und unbeweglich. Es ging nicht um den Mithril-Handel allein. Nicht um einzelne Vorfälle. Es ging um Treue. Um Haltung. Um die Frage, ob jene, die sich neutral nennen, wirklich fernstehen – oder ob sie nur gelernt haben, sich nie festzulegen und dennoch überall ihre Finger im Spiel zu haben.
Als der Name fiel, war es, als hätte jemand einen verborgenen Nerv berührt.
Ignatius.
Ein Langbeiner aus K`awi.
Mehrfach war er nahe der Frostklamm gesehen worden, vor den kalurischen Toren der Klamm zusammen mit Pantherfratzen. Bei Kampfübungen. Mit erhobener Waffe. Auf kalurischem Boden. Mehr als einmal.
Und als wäre das nicht genug, floss sein Gold nach Grenzwarth. als Hilfe für den Wideraufbau.
Am Abend des Rat war niemand laut geworden. Keine Faust war auf den Tisch gefallen. Keine Stimme hatte sich überschlagen. Die Worte waren gewogen worden, nüchtern, bedacht.
Rago hatte ebenfalls geschwiegen an dem Tag, doch während die Halle ruhig blieb, begann es in ihm zu gären.
Zuerst war es nur ein Schatten in seinen Gedanken, ein flüchtiges Unbehagen.
Dann kam die Erinnerung.
Getares Angriff.
Rauch in der Lunge.
Stahl im Fleisch.
Blut, das sich dunkel auf Stein sammelte.
Damals hatte Kawi mit den Kaluren gestanden. Schulter an Schulter. Ohne zu weichen. In jenem Moment hatte es keine Rolle gespielt, ob Bart oder glattes Kinn. Entscheidend war nur, wer blieb, wenn es ernst wurde.
Gerade diese Erinnerung machte es bitter.
Denn was bedeutete Standhaftigkeit, wenn sie nur für einen Augenblick galt.
Was bedeutete Vertrauen, wenn es sich später in Gleichgültigkeit verwandelte.
Mit jedem weiteren Gedanken verdichtete sich das Gefühl in ihm. Aus Unbehagen wurde Zweifel. Aus Zweifel Misstrauen. Und aus Misstrauen wuchs ein Zorn, der nicht laut brüllte, sondern schwer und heiß im Inneren brannte wie Glut unter Asche.
Neutralität.
Ein Wort, das weich klingt.
Ein Wort, hinter dem man sich verbergen kann.
Ignatius war nicht der Ursprung dieses Argwohns.
Doch er fügte sich in das Bild.
Was Rago nun sah, war kein einzelnes Ereignis mehr. Es war ein Muster, das sich langsam, aber deutlich in seinen Augen abzeichnete – Pantherfratzen vor den Toren, Grenzwarth im Wiederaufbau, die stetige Berufung auf Neutralität, wenn klare Worte verlangt waren.
Je länger er darüber nachdachte, desto weniger blieb Raum für Zweifel.
Sein Zorn galt nicht nur Ignatoius, er galt dem Kawi-Gefüge dahinter.
Er dachte an den Stein unter seinen Füßen – fest, tragend, verlässlich. Wenn der Fels Risse zeigte, dann aus gutem Grund. Und wer einen Riss ignorierte, nur weil er klein schien, riskierte den Einsturz.
Es war nicht der Sprung im Stein, sondern es war einen Sprung im Vertrauen.
Und Vertrauen, einmal gebrochen, lässt sich nicht so leicht neu schmied.
Am folgenden Tag verliesen mehrere Steintafeln die Hallen der Graik, junge Graik-Rekruten eilten durch den Berg und übergaben jeweils eine Tafel an die Bauhütte, an Kal Khazad Meister Bork, an Kal Dar Florence Lascari und an Meister Chrom Diplomandel Nilzadans, folgendes wurde auf den Tafeln niedergemeiselt, Ragos Zorn spiegelt sich in der Wahl seiner Worte wieder:
Rago stand am Rand der Übungshallen der Graik, unbeweglich, die Arme verschränkt. Ein Rekrut verlor den Halt an seinem Hammer, Stahl schlug schief durch die Luft. Für einen Moment blieb Ragos Blick in dem Hammer hängen. Er beobachtete, wie das Licht im Stahl reflektierte – in diesem Moment schien er etwas zu erkennen, das ihm bisher entgangen war.
Der Rat der Kaluren war vor einigen Wochen geschlossen worden.
Doch in ihm war nichts geschlossen.
K`awi war kein beiläufiges Wort gewesen, das man zwischen zwei Krügen Bier abtat. Die Inselstadt hatte wie ein dunkler Block inmitten der Versammlung gelegen, schwer und unbeweglich. Es ging nicht um den Mithril-Handel allein. Nicht um einzelne Vorfälle. Es ging um Treue. Um Haltung. Um die Frage, ob jene, die sich neutral nennen, wirklich fernstehen – oder ob sie nur gelernt haben, sich nie festzulegen und dennoch überall ihre Finger im Spiel zu haben.
Als der Name fiel, war es, als hätte jemand einen verborgenen Nerv berührt.
Ignatius.
Ein Langbeiner aus K`awi.
Mehrfach war er nahe der Frostklamm gesehen worden, vor den kalurischen Toren der Klamm zusammen mit Pantherfratzen. Bei Kampfübungen. Mit erhobener Waffe. Auf kalurischem Boden. Mehr als einmal.
Und als wäre das nicht genug, floss sein Gold nach Grenzwarth. als Hilfe für den Wideraufbau.
Am Abend des Rat war niemand laut geworden. Keine Faust war auf den Tisch gefallen. Keine Stimme hatte sich überschlagen. Die Worte waren gewogen worden, nüchtern, bedacht.
Rago hatte ebenfalls geschwiegen an dem Tag, doch während die Halle ruhig blieb, begann es in ihm zu gären.
Zuerst war es nur ein Schatten in seinen Gedanken, ein flüchtiges Unbehagen.
Dann kam die Erinnerung.
Getares Angriff.
Rauch in der Lunge.
Stahl im Fleisch.
Blut, das sich dunkel auf Stein sammelte.
Damals hatte Kawi mit den Kaluren gestanden. Schulter an Schulter. Ohne zu weichen. In jenem Moment hatte es keine Rolle gespielt, ob Bart oder glattes Kinn. Entscheidend war nur, wer blieb, wenn es ernst wurde.
Gerade diese Erinnerung machte es bitter.
Denn was bedeutete Standhaftigkeit, wenn sie nur für einen Augenblick galt.
Was bedeutete Vertrauen, wenn es sich später in Gleichgültigkeit verwandelte.
Mit jedem weiteren Gedanken verdichtete sich das Gefühl in ihm. Aus Unbehagen wurde Zweifel. Aus Zweifel Misstrauen. Und aus Misstrauen wuchs ein Zorn, der nicht laut brüllte, sondern schwer und heiß im Inneren brannte wie Glut unter Asche.
Neutralität.
Ein Wort, das weich klingt.
Ein Wort, hinter dem man sich verbergen kann.
Ignatius war nicht der Ursprung dieses Argwohns.
Doch er fügte sich in das Bild.
Was Rago nun sah, war kein einzelnes Ereignis mehr. Es war ein Muster, das sich langsam, aber deutlich in seinen Augen abzeichnete – Pantherfratzen vor den Toren, Grenzwarth im Wiederaufbau, die stetige Berufung auf Neutralität, wenn klare Worte verlangt waren.
Je länger er darüber nachdachte, desto weniger blieb Raum für Zweifel.
Sein Zorn galt nicht nur Ignatoius, er galt dem Kawi-Gefüge dahinter.
Er dachte an den Stein unter seinen Füßen – fest, tragend, verlässlich. Wenn der Fels Risse zeigte, dann aus gutem Grund. Und wer einen Riss ignorierte, nur weil er klein schien, riskierte den Einsturz.
Es war nicht der Sprung im Stein, sondern es war einen Sprung im Vertrauen.
Und Vertrauen, einmal gebrochen, lässt sich nicht so leicht neu schmied.
Am folgenden Tag verliesen mehrere Steintafeln die Hallen der Graik, junge Graik-Rekruten eilten durch den Berg und übergaben jeweils eine Tafel an die Bauhütte, an Kal Khazad Meister Bork, an Kal Dar Florence Lascari und an Meister Chrom Diplomandel Nilzadans, folgendes wurde auf den Tafeln niedergemeiselt, Ragos Zorn spiegelt sich in der Wahl seiner Worte wieder:
- ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ
Cirmias Mahal.
Wir alle waren bei der letzten Ratsversammlung anwesend, ihr kennt die Worte, die über K`awi gesprochen wurden. Ihr habt gehört, was berichtet wurde und ihr wisst, welche Zeichen wir gesetzt haben.
Ich erinnere daran: Ignatius wurde wiederholt mit den Pantherfratzen nahe der Frostklamm und vor unseren Toren gesehen, auf unserem Boden – bei Übungen mit der Waffe, dazu stärkte sein Gold Grenzwarth, einen Ort, an dem kalurisches Blut vergossen wurde.
Das sind keine Gerüchte.
Das sind bezeugte Handlungen.
Wer vor unseren Toren mit unseren Feinden den Kampf probt, sendet ein klares Zeichen.
Wer Grenzwarth dabei hilft sich aufzurichten, sendet ein weiteres.
Sie nennen es Neutralität, für mich ist es eine Stellung ohne Bekenntnis. Ich sehe keinen Zufall und erkenne eine klare Linie.
Und diese Linie führt nicht ins Nichts.
Darum fordere ich ein Zusammenkommen, schnellstmöglich.
Am besten Bald.
Denn wenn wir kein gemeinsames Wort finden, werde ich selbst nach K`awi gehen und für nichts Garantieren.
Der Riss im Stein ist da.
ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ
Kal Dar und Zhad Cirmias’








