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Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Dienstag 24. Februar 2026, 15:45
von Rago Getwergelyn
Nilzadan atmete schwer in dieser Nacht. Glutadern warfen rötliches Licht über die Pfeiler der Halle und der Rauch der Essen sammelte sich unter dem Gewölbe wie ein dunkler Schleier. Das stetige Klingen von Hammer auf Amboss hallte durch den Berg wie ein ruhiger, unerschütterlicher Herzschlag. Alles war wie immer – und gerade deshalb fühlte es sich falsch an.

Rago stand am Rand der Übungshallen der Graik, unbeweglich, die Arme verschränkt. Ein Rekrut verlor den Halt an seinem Hammer, Stahl schlug schief durch die Luft. Für einen Moment blieb Ragos Blick in dem Hammer hängen. Er beobachtete, wie das Licht im Stahl reflektierte – in diesem Moment schien er etwas zu erkennen, das ihm bisher entgangen war.

Der Rat der Kaluren war vor einigen Wochen geschlossen worden.
Doch in ihm war nichts geschlossen.

K`awi war kein beiläufiges Wort gewesen, das man zwischen zwei Krügen Bier abtat. Die Inselstadt hatte wie ein dunkler Block inmitten der Versammlung gelegen, schwer und unbeweglich. Es ging nicht um den Mithril-Handel allein. Nicht um einzelne Vorfälle. Es ging um Treue. Um Haltung. Um die Frage, ob jene, die sich neutral nennen, wirklich fernstehen – oder ob sie nur gelernt haben, sich nie festzulegen und dennoch überall ihre Finger im Spiel zu haben.

Als der Name fiel, war es, als hätte jemand einen verborgenen Nerv berührt.

Ignatius.

Ein Langbeiner aus K`awi.

Mehrfach war er nahe der Frostklamm gesehen worden, vor den kalurischen Toren der Klamm zusammen mit Pantherfratzen. Bei Kampfübungen. Mit erhobener Waffe. Auf kalurischem Boden. Mehr als einmal.

Und als wäre das nicht genug, floss sein Gold nach Grenzwarth. als Hilfe für den Wideraufbau.


Am Abend des Rat war niemand laut geworden. Keine Faust war auf den Tisch gefallen. Keine Stimme hatte sich überschlagen. Die Worte waren gewogen worden, nüchtern, bedacht.

Rago hatte ebenfalls geschwiegen an dem Tag, doch während die Halle ruhig blieb, begann es in ihm zu gären.

Zuerst war es nur ein Schatten in seinen Gedanken, ein flüchtiges Unbehagen.
Dann kam die Erinnerung.
Getares Angriff.
Rauch in der Lunge.
Stahl im Fleisch.
Blut, das sich dunkel auf Stein sammelte.

Damals hatte Kawi mit den Kaluren gestanden. Schulter an Schulter. Ohne zu weichen. In jenem Moment hatte es keine Rolle gespielt, ob Bart oder glattes Kinn. Entscheidend war nur, wer blieb, wenn es ernst wurde.

Gerade diese Erinnerung machte es bitter.

Denn was bedeutete Standhaftigkeit, wenn sie nur für einen Augenblick galt.
Was bedeutete Vertrauen, wenn es sich später in Gleichgültigkeit verwandelte.

Mit jedem weiteren Gedanken verdichtete sich das Gefühl in ihm. Aus Unbehagen wurde Zweifel. Aus Zweifel Misstrauen. Und aus Misstrauen wuchs ein Zorn, der nicht laut brüllte, sondern schwer und heiß im Inneren brannte wie Glut unter Asche.

Neutralität.
Ein Wort, das weich klingt.
Ein Wort, hinter dem man sich verbergen kann.

Ignatius war nicht der Ursprung dieses Argwohns.
Doch er fügte sich in das Bild.

Was Rago nun sah, war kein einzelnes Ereignis mehr. Es war ein Muster, das sich langsam, aber deutlich in seinen Augen abzeichnete – Pantherfratzen vor den Toren, Grenzwarth im Wiederaufbau, die stetige Berufung auf Neutralität, wenn klare Worte verlangt waren.

Je länger er darüber nachdachte, desto weniger blieb Raum für Zweifel.

Sein Zorn galt nicht nur Ignatoius, er galt dem Kawi-Gefüge dahinter.

Er dachte an den Stein unter seinen Füßen – fest, tragend, verlässlich. Wenn der Fels Risse zeigte, dann aus gutem Grund. Und wer einen Riss ignorierte, nur weil er klein schien, riskierte den Einsturz.

Es war nicht der Sprung im Stein, sondern es war einen Sprung im Vertrauen.

Und Vertrauen, einmal gebrochen, lässt sich nicht so leicht neu schmied.


Am folgenden Tag verliesen mehrere Steintafeln die Hallen der Graik, junge Graik-Rekruten eilten durch den Berg und übergaben jeweils eine Tafel an die Bauhütte, an Kal Khazad Meister Bork, an Kal Dar Florence Lascari und an Meister Chrom Diplomandel Nilzadans, folgendes wurde auf den Tafeln niedergemeiselt, Ragos Zorn spiegelt sich in der Wahl seiner Worte wieder:

  • ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Cirmias Mahal.


    Wir alle waren bei der letzten Ratsversammlung anwesend, ihr kennt die Worte, die über K`awi gesprochen wurden. Ihr habt gehört, was berichtet wurde und ihr wisst, welche Zeichen wir gesetzt haben.

    Ich erinnere daran: Ignatius wurde wiederholt mit den Pantherfratzen nahe der Frostklamm und vor unseren Toren gesehen, auf unserem Boden – bei Übungen mit der Waffe, dazu stärkte sein Gold Grenzwarth, einen Ort, an dem kalurisches Blut vergossen wurde.

    Das sind keine Gerüchte.
    Das sind bezeugte Handlungen.

    Wer vor unseren Toren mit unseren Feinden den Kampf probt, sendet ein klares Zeichen.
    Wer Grenzwarth dabei hilft sich aufzurichten, sendet ein weiteres.

    Sie nennen es Neutralität, für mich ist es eine Stellung ohne Bekenntnis. Ich sehe keinen Zufall und erkenne eine klare Linie.

    Und diese Linie führt nicht ins Nichts.

    Darum fordere ich ein Zusammenkommen, schnellstmöglich.

    Am besten Bald.

    Denn wenn wir kein gemeinsames Wort finden, werde ich selbst nach K`awi gehen und für nichts Garantieren.

    Der Riss im Stein ist da.

    ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ


    Kal Dar und Zhad Cirmias’
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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Donnerstag 12. März 2026, 22:25
von Rago Getwergelyn
Nilzadan atmete schwer in dieser Nacht. Glutadern warfen rötliches Licht über die Pfeiler der Halle und der Rauch der Essen sammelte sich unter dem Gewölbe wie ein dunkler Schleier. Das stetige Klingen von Hammer auf Amboss hallte durch den Berg wie ein ruhiger, unerschütterlicher Herzschlag. Alles war wie immer – und gerade deshalb fühlte es sich falsch an.

Rago stand am Rand der Übungshallen der Graik, unbeweglich, die Arme verschränkt. Ein Rekrut verlor den Halt an seinem Hammer, Stahl schlug schief durch die Luft. Für einen Moment blieb Ragos Blick in dem Hammer hängen. Er beobachtete, wie das Licht im Stahl reflektierte – in diesem Moment schien er etwas zu erkennen, das ihm bisher entgangen war.

Der Rat der Kaluren war vor einigen Wochen geschlossen worden.
Doch in ihm war nichts geschlossen.

K`awi war kein beiläufiges Wort gewesen, das man zwischen zwei Krügen Bier abtat. Die Inselstadt hatte wie ein dunkler Block inmitten der Versammlung gelegen, schwer und unbeweglich. Es ging nicht um den Mithril-Handel allein. Nicht um einzelne Vorfälle. Es ging um Treue. Um Haltung. Um die Frage, ob jene, die sich neutral nennen, wirklich fernstehen – oder ob sie nur gelernt haben, sich nie festzulegen und dennoch überall ihre Finger im Spiel zu haben.

Als der Name fiel, war es, als hätte jemand einen verborgenen Nerv berührt.

Ignatius.

Ein Langbeiner aus K`awi.

Mehrfach war er nahe der Frostklamm gesehen worden, vor den kalurischen Toren der Klamm zusammen mit Pantherfratzen. Bei Kampfübungen. Mit erhobener Waffe. Auf kalurischem Boden. Mehr als einmal.

Und als wäre das nicht genug, floss sein Gold nach Grenzwarth. als Hilfe für den Wideraufbau.


Am Abend des Rat war niemand laut geworden. Keine Faust war auf den Tisch gefallen. Keine Stimme hatte sich überschlagen. Die Worte waren gewogen worden, nüchtern, bedacht.

Rago hatte ebenfalls geschwiegen an dem Tag, doch während die Halle ruhig blieb, begann es in ihm zu gären.

Zuerst war es nur ein Schatten in seinen Gedanken, ein flüchtiges Unbehagen.
Dann kam die Erinnerung.
Getares Angriff.
Rauch in der Lunge.
Stahl im Fleisch.
Blut, das sich dunkel auf Stein sammelte.

Damals hatte Kawi mit den Kaluren gestanden. Schulter an Schulter. Ohne zu weichen. In jenem Moment hatte es keine Rolle gespielt, ob Bart oder glattes Kinn. Entscheidend war nur, wer blieb, wenn es ernst wurde.

Gerade diese Erinnerung machte es bitter.

Denn was bedeutete Standhaftigkeit, wenn sie nur für einen Augenblick galt.
Was bedeutete Vertrauen, wenn es sich später in Gleichgültigkeit verwandelte.

Mit jedem weiteren Gedanken verdichtete sich das Gefühl in ihm. Aus Unbehagen wurde Zweifel. Aus Zweifel Misstrauen. Und aus Misstrauen wuchs ein Zorn, der nicht laut brüllte, sondern schwer und heiß im Inneren brannte wie Glut unter Asche.

Neutralität.
Ein Wort, das weich klingt.
Ein Wort, hinter dem man sich verbergen kann.

Ignatius war nicht der Ursprung dieses Argwohns.
Doch er fügte sich in das Bild.

Was Rago nun sah, war kein einzelnes Ereignis mehr. Es war ein Muster, das sich langsam, aber deutlich in seinen Augen abzeichnete – Pantherfratzen vor den Toren, Grenzwarth im Wiederaufbau, die stetige Berufung auf Neutralität, wenn klare Worte verlangt waren.

Je länger er darüber nachdachte, desto weniger blieb Raum für Zweifel.

Sein Zorn galt nicht nur Ignatoius, er galt dem Kawi-Gefüge dahinter.

Er dachte an den Stein unter seinen Füßen – fest, tragend, verlässlich. Wenn der Fels Risse zeigte, dann aus gutem Grund. Und wer einen Riss ignorierte, nur weil er klein schien, riskierte den Einsturz.

Es war nicht der Sprung im Stein, sondern es war einen Sprung im Vertrauen.

Und Vertrauen, einmal gebrochen, lässt sich nicht so leicht neu schmied.


Am folgenden Tag verliesen mehrere Steintafeln die Hallen der Graik, junge Graik-Rekruten eilten durch den Berg und übergaben jeweils eine Tafel an die Bauhütte, an Kal Khazad Meister Bork, an Kal Dar Florence Lascari und an Meister Chrom Diplomandel Nilzadans, folgendes wurde auf den Tafeln niedergemeiselt, Ragos Zorn spiegelt sich in der Wahl seiner Worte wieder:

  • ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Cirmias Mahal.


    Wir alle waren bei der letzten Ratsversammlung anwesend, ihr kennt die Worte, die über K`awi gesprochen wurden. Ihr habt gehört, was berichtet wurde und ihr wisst, welche Zeichen wir gesetzt haben.

    Ich erinnere daran: Ignatius wurde wiederholt mit den Pantherfratzen nahe der Frostklamm und vor unseren Toren gesehen, auf unserem Boden – bei Übungen mit der Waffe, dazu stärkte sein Gold Grenzwarth, einen Ort, an dem kalurisches Blut vergossen wurde.

    Das sind keine Gerüchte.
    Das sind bezeugte Handlungen.

    Wer vor unseren Toren mit unseren Feinden den Kampf probt, sendet ein klares Zeichen.
    Wer Grenzwarth dabei hilft sich aufzurichten, sendet ein weiteres.

    Sie nennen es Neutralität, für mich ist es eine Stellung ohne Bekenntnis. Ich sehe keinen Zufall und erkenne eine klare Linie.

    Und diese Linie führt nicht ins Nichts.

    Darum fordere ich ein Zusammenkommen, schnellstmöglich.

    Am besten Bald.

    Denn wenn wir kein gemeinsames Wort finden, werde ich selbst nach K`awi gehen und für nichts Garantieren.

    Der Riss im Stein ist da.

    ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Kal Dar und Zhad Cirmias’
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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Freitag 13. März 2026, 10:47
von Nori Baerenstolz
Die kleinen Geschichten

Es war nicht nur Rago, der zornig war. Das Grollen der Kaluren war tief im Berg und auf der Frostklamm zu spüren. Die Worte gegenüber den Langbeinern aus Kawi waren hart und von Rachsucht getragen – doch eine Rache, die in den Augen der Kaluren nichts anderes als Gerechtigkeit ist. Die Zeit der Diplomatie war vorbei. Nun sollten Taten folgen.

Unter den Kaluren befand sich auch Nori. Vor rund einem halben Jahr war er aus den Stollen an die Oberfläche gekommen und Teil der Gemeinschaft und Graik geworden. Auch er spürte, dass sich etwas anbahnte. Doch zunächst war es nicht die große Geschichte, die er suchte. Sein Blick galt seinem eigenen Vorankommen.

Nach einer Sitzung, in der erneut harte Worte über Kawi und seine Bewohner gefallen waren, suchte er das Gespräch mit Kal Dar Florence Lascari. Er wollte wissen, wann seine Zeit als Rekrut enden würde – und wann er sich einen echten Graikler nennen durfte.

Die Antwort war nicht ganz befriedigend, doch sie war geschickt verpackt. Sie zeichnete ihm das Bild eines ruhmreichen Feldzugs, von dem er einst seinen Enkeln am Kaminfeuer erzählen würde. Seine Frage blieb damit unbeantwortet, doch sie wusste den Kurzbart zu motivieren. Ruhmstreben und die Hoffnung auf einen Zopf gehörten zu seinen Schwächen.

Für das, was kommen würde, war er bereit – und bis in die Bartspitzen hochmotiviert.

Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Freitag 13. März 2026, 20:13
von Florence Lascari
*Die letzten Tafeln waren endlich fertig und verteilt. Ohne die Hilfe anderer erfahrener Zwergenhände hätte sie die nie allein geschafft. Runen meißeln war was anderes als mit spitzer Feder auf Pergament zu kratzen. Nun prangten im kalurischen Reich die neuesten Anordnungen.

So ganz unerwartet war das alles nicht, der Zeitpunkt vielleicht überraschend, was sich über Jahre zusammenbraute. Während sie ihr Pfeifchen aus kunstvoll geschnitzem Meerschaum stopfte wandte der Blick sich in die Ferne.

Was Morgosh zu berichten wusste über den, wie man ihn nannte, Erzfeind der Sippe, war neu und erschreckend und wie dieser dann zu seinem Stab aus heiligem Erz kam. Um so ungeschickter von den beiden die zuvor als Besucher kamen, um ebenfalls solche zu bekommen, darauf zu verweisen. Alte Wunden aufgerissen, Erinnerungen aus der Kälte neu in Glut geschlagen und entfacht von Folter, Kriegen, Blut und Beleidigungen gegen den Berg, nie vergessen.

Tatsächlich machten die beiden Magier nicht den Eindruck, als interessierte sie ohnehin, was Bork ihnen versuchte klar zu machen, wie wichtig und heilig das Erz dem Volk des Bergvaters war und das alles andere als reines Drangsalieren ist, kannte man sich annähernd mit der Geschichte aus. Für sie war es ein Metall, das leicht war, nicht mehr nicht weniger. Und auch wenn sie solches Verhalten kannte von Verhandlungen von Handelskapitänen, nur den Gesprächsführer anzusehen als eine Taktik, so konnte das je nach Situation auch das Gegenteil bewirken bei der Gruppe der man gegenüber saß, nämlich ein Desinteresse. Seis drum, sie hatte nichts gegen die beiden, man hatte ihnen die Chance gegeben, sich etwas erarbeiten zu können, auf das man eines Tages mit Freude und Stolz zurück blicken konnte, wenn man wollte.

Angeblich hatte dieser Althan, der ihr mehr als einmal, als sie ihn begegnete gedroht hatte, obgleich sie keinen Anlass gegeben hatte, sein Gedächtnis verloren. Nunja das hatte sie auch nicht selten auf ihren vielen Reisen erlebt. Hier ein Rum zu viel, da ein unbekannter aber günstiger Fusel und zack wachte man am nächsten Morgen auf, hoffentlich nicht neben einem schmierigen Kerl in der Koje. ihr hatte es dann auch nicht geholfen den Hafenwachen zu beteuern, dass sie nicht wusste eine Tavernenschlägerei angezettelt zu haben und das vergessen hatte. Es interessierte sie auch nicht, denn man muss wohl oder übel zu seinen Taten stehen, wenn man erwischt wird. Also besser nicht erwischt werden!

Heute jedoch traf es die Bewohner der Insel, die diesen Kerl aufgenommen hatten. Dazu kamen noch die offensichtlichen Handlungen anderer zumindest aber eines von ihnen in hohem Amt, dass eine Entscheidung getroffen wurde. Schließt man sich etwas an gehört das wohl oder übel dazu, dass die Taten Einzelner auf andere zurückfallen. Wer kannte das nicht? War es gerecht gegenüber anderen? Ja, war es, solange man die Wahl hat, hinnehmen oder ändern. Denn bei Problemen sprechen entweder Waffen oder Worte der Diplomaten bis zu einer Lösung, wie immer die aussehen kann.

Rauch stieg aus dem Pfeifchen in kunstvollen Kringeln aus ihrem Lippen zum Nachthimmel über der Frostklamm empor. Eines stand fest wie sie dem großen Schmied geschworen hatte: Sie würde bei ihrem Volk stehen als Schild und Waffe, gleich was kommen würde, bis er sie zu sich nehmen würde. Eines Tages... Bis dahin gab es so viel zu tun, wie den kleinen Nori endlich zu befördern. Cirmias, was hasste sie Bürokratie bei den Akten und Anordnungen!*


Florence Lascari hat geschrieben:
  • CIRMIAS MAHAL Kinder des Bergvaters!

    Im Namen der Graik der Khaz'Aduir sei Kund und zu Wissen und somit Befehl an alle Mitglieder der Graik:

    Vom heutigen Tage an ist es Bürgern der Insel K'awi nicht mehr gestattet Fels und Boden des kalurischen Reiches zu betreten! Dies umfasst sowohl Klamm als auch den heiligen Berg, den Nilzadan.

    Solang nicht Unrecht gegen das Volk des Berges gesühnt und die Verantwortlichen gerichtet sind sollen alle Besucher sich ausweisen mit einem Bürgerbrief und die Namen entsprechend in Listen erfasst sein, entsprechende Personen von der Insel der Zutritt verweigert und bei Unklarheiten oder Unstimmigkeiten Rang höhere Mitglieder der Graik hinzugezogen werden.

    Beschlossen für den Schutz des Berges durch die Führung der Graik am 12. Lenzing des Jahres 269.

    Schutz dem Berg!

    Kal Dar
    Florence Lascari
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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Sonntag 15. März 2026, 23:27
von Leandra Kalveron
Leandra saß tief in ihrem Sessel, die Schultern leicht nach vorne gezogen, während das matte Licht einer einzelnen Kerze über den Tisch und die steinernen Wände glitt. Der Raum war still, beinahe friedlich und doch fröstelte sie. Eigentlich war es gar nicht mehr so kalt. Der Winter hatte bereits begonnen nachzulassen und die Mauern hielten noch immer die Wärme des Tages in sich. Jeder andere hätte wohl gesagt, es sei ein milder Abend. Doch Leandra fror. Sie rieb unbewusst ihre Hände aneinander, als wolle sie die Kälte daraus vertreiben, doch das Frösteln saß tiefer. Kein Wind, keine zugige Ritze im Stein, vielleicht war es die Last dieses Tages, die sich wie ein kalter Schatten in ihre Glieder gelegt hatte. Im Gegensatz dazu glühte ihr Kopf jedoch, zumindest die Gedanken. Da half auch das viel zu volle Weinglas bei der Besprechung in der Burg nicht.

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Die Kunde dieses Tages war so mannigfaltig gewesen wie selten zuvor und ihre Gedanken kreisten unaufhörlich um die Namen und Dinge, die man an sie herangetragen hatte:

Emilia.
Die Flamme.
Gregor.
Ignoranz.
Machtspiele.
Kaluren.
K'awi.
Althan.
La Cabeza.
Das Regiment.
Und dieser Fremde.


Jeder dieser Namen brachte seine eigene Unruhe mit sich, seine eigenen Fragen, seine eigene Verantwortung. Es fühlte sich an, als habe jemand beschlossen, die Sorgen einer ganzen Welt auf ihre Schultern zu legen und sie spürte, wie diese Last an ihr zerrte. Die Schwermut dieses Tages hing an ihr wie ein nasser Mantel, schwer und kalt.

Als Geweihte hoffte sie noch immer, dass sich das Thema um die Kaluren irgendwie klären ließe. Dass Worte gefunden würden, bevor Schwerter sprechen mussten. Doch Hoffnung allein reichte nicht. Leandra wusste, dass sie nicht nur Geweihte war. Sie war auch eine Lichtwächterin und ein gegebenes Wort wog schwerer als die Zweifel eines einzelnen Herzens. Ein Bündnis war mehr als Tinte auf Pergament oder Runen auf Stein, es war ein Versprechen und Versprechen mussten gehalten werden, besonders dann, wenn die Zeiten dunkler wurden.
Mit einem leisen Atemzug richtete sie sich etwas auf, zog ein Stück Pergament zu sich heran und tauchte die Feder in die Tinte. Für einen kurzen Moment verharrte sie noch, während der dunkle Tropfen an der Spitze der Feder wuchs, dann setzte sie an und begann zu schreiben.
Noch am Abend eilte der Kurier los, um ihn im Nilzadan abzugeben, dort, wo man den Rat der Kaluren erreichen kann.


An den ehrenwerte Rat der Kaluren,
an die ihre Kommandanten und die ehrwürdigen Hallen des Götterberges,

die Gemeinschaft der Lichtwacht, richtet diese Worte in Respekt und Bündnistreue an euch.
Nach dem Bericht über Vorkommnisse der Insel K’awi und dass euer Volk die Herausgabe eines Mannes von der Insel K'awi fordert, gar dass im Falle einer Verweigerung die Gefahr eines Krieges im Raum steht, empfanden wir diese Kunde als äußerst dringlich. Diese Entwicklung betrachten wir mit großer Aufmerksamkeit, denn sie berührt auch Angelegenheiten der Stabilität der umliegenden Reiche.

Zwischen euren Hallen und unserer Gemeinschaft besteht ein in Stein und Wort gefasstes Übereinkommen. In diesem Abkommen erklärten wir gegenseitig den Willen, einander in Zeiten äußerer Bedrohungen, Katastrophen oder Angriffen durch Dritte beizustehen und Hilfe zu leisten.
Daher möchten wir euch wissen lassen, dass die Lichtwacht zu ihrem Wort steht.
Wir erkennen das Recht und die Souveränität des Volkes der Kaluren an, über Forderungen, Rechtsprechung und diplomatische Maßnahmen selbst zu entscheiden. Ebenso erkennen wir an, dass jedes Volk das Recht besitzt, Gerechtigkeit einzufordern, wenn ein Vergehen gegen seine Gesetze oder seine Ehre begangen wurde.

Sollte sich aus dieser Angelegenheit eine Eskalation ergeben und die Insel K'awi oder andere Mächte versuchen, durch Gewalt gegen Nilzadan oder seine Bewohner vorzugehen, so werden wir entsprechend den Bestimmungen unseres gemeinsamen Abkommens handeln und Euch unverzügliche Unterstützung zukommen lassen.

Die Lichtwacht wird nicht leichtfertig zum Schwert greifen. Doch wenn der Ernstfall eintritt und das Alatarische Reich als Unterstützung Seitens K’awi gerufen wird, sehen wir uns verpflichtet, unserem Bündnis gemäß vorbereitende und präventive Maßnahmen zum Schutz unserer Verbündeten zu ergreifen.

Unser Wunsch bleibt, dass diese Angelegenheit durch Weisheit, Verhandlung und Recht geklärt werden kann, bevor Blut vergossen wird. Wenn wir einen Beitrag zur Klärung leisten können, bieten wir uns gerne dafür an. Solange unsere Namen gemeinsam auf den Steintafeln dieses Abkommens stehen, soll kein Zweifel bestehen: Die Lichtwacht steht zu ihren Bündnissen.

Mögen eure Hallen stark sein, eure Schmieden heiß brennen und eure Entscheidungen von Weisheit getragen sein.


Mit Licht im Herzen – zur Wacht berufen.
Im Namen der Lichtwacht,
Leandra Kalveron
Stimme der Lichtwächter

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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 12:38
von Morgosh Hammergrund
Der Staub in den tiefen Stollen hing schwer in der Luft, doch Morgosh spuerte nur das Engegefuehl in seiner eigenen Brust. Er war hier unten, um die Ausbesserungsarbeiten an den Stuetzen zu ueberwachen – eine Aufgabe, die Routine sein sollte, doch heute wirkte jeder schiefe Nagel wie ein monumentales Versagen.

Ueber ein Jahrzehnt war vergangen. Zwoelf Jahre, in denen er diese Sache mit der Geduld eines Berges getragen hatte. Aber nun, mit nur noch zwei verbleibenden Wochen, fuehlte er sich wie ein Instabiler Stollen unter zu hohem Druck.

Ein Bergarbeiter trat an ihn heran, die Lampe hochhaltend. „Meister Morgosh, der Querbalken hier sitzt ein wenig locker, wir dachten, wir verstaerken ihn mit—"

„WIR dachten?!“, schnauzte Morgosh ihn an, ohne den Zwerg auch nur anzusehen. Er riss ihm die Lampe aus der Hand und hielt sie grob gegen das Holz. „Wenn du denken wolltest, waerst du Gelehrter geworden! Hier unten wird getan, was der Fels verlangt, und nicht, was dein weicher Schaedel sich zusammenreimt!“

Der Bergmann blinzelte erschrocken. „Ich meinte nur... wegen der Sicherheit...“

„Sicherheit ist eine Ausrede fuer Faulheit!“, brüllte Morgosh nun so laut, dass es von den Waenden widerhallte. Die anderen Kaluren hielten in ihrer Bewegung inne. Der Vorfall von der Ratssitzung brannte noch immer in seinem Gedaechtnis – wie er Keldion mit einem harten Seitenhieb zum Schweigen gebracht hatte, nur weil dieser ihn freundschaftlich beruehrt hatte. Er sah denselben Blick des Unverstaendnisses nun in den Augen dieses Arbeiters. „Verschwindet! Alle! Ich mache den Rest allein, bevor ihr mir noch den ganzen Stollen zum Einsturz bringt!“

Er wartete nicht, bis sie gingen, sondern drehte sich um und stapfte davon, die schweren Stiefel auf dem unebenen Boden hämmernd. Er hielt es hier unten nicht aus. Die Naehe der anderen, ihr Atem, ihr gutgemeintes Geplauder – es war wie Schmirgelpapier auf rohem Fleisch.

Minuten spaeter erreichte er seine Schmiede. Die Glut in der Esse war fast erloschen, genau wie seine Beherrschung. Er knallte die schwere Eisentuer hinter sich ins Schloss und riegelte sie vor der Aussenwelt ab. Endlich allein.

Morgosh packte einen massiven Rohling aus Stahl und warf ihn mit roher Gewalt in die Kohlen. Er riss am Blasebalg, bis die Flammen weiss gluehend in die Hoehe schossen. Er brauchte den Schmerz in den Armen, das Dröhnen des Hammers, das alles andere uebertaeubte.

„Vierzehn Tage“, presste er zwischen den Zähnen hervor, waehrend er den gluehenden Stahl auf den Amboss wuchtete.

Der erste Schlag war so heftig, dass Funken wie kleine Kometen durch die dunkle Schmiede flogen. Er schlug nicht, um zu formen. Er schlug, um zu vernichten. Er schlug gegen die zwoelf Jahre des Wartens, gegen die Blicke teils aus Besorgnis teils aus Unverständis und gegen die verdammte Ungeduld, die ihn von innen heraus auffrass. Mit jedem harten Aufprall des Hammers auf den unnachgiebigen Stahl entlud sich ein Funke seines Zorns, doch der Kern der Wut blieb tief in ihm verankert, so fest wie das Erz im Stein.

K'awis Reaktion

Verfasst: Montag 16. März 2026, 14:07
von Andarc Sardonn
Sollte Kawi dieser Forderung nicht nachkommen, werden wir selbst nach Kawi marschieren und uns holen, was uns zusteht; jeder, der sich uns dabei entgegenstellt, wird die Wucht kalurischen Grolls zu spüren bekommen ...

Die gemeißelten Zeilen dieses Ragos hallten in Andarcs Kopf nach. Er hatte sie an Sethrad und Tom weitergeleitet, bevor er darüber nachdenken konnte, was er davon hielt. Bevor er sich darüber aufregen konnte, dass mal wieder irgendein kurzsichtiger Hitzkopf meinte, sich groß aufspielen zu müssen, nur weil es ihm nicht passte, wie viele Menschen auf K'awi in Frieden nebeneinander lebten und zufrieden damit waren, niemandem irgendwelche Köpfe ein- oder vom Hals abschlagen zu müssen. Parolen über den rechten Glauben oder die Verblendung anderer schwingen zu müssen. Sie konnten es alle nicht lassen. Weder Menek'Ur - das schon in Bajard für Aufruhr gesorgt hatte - noch die Kirche Temoras - oder allen voran Berenguer von Salberg - noch das Alatarische Reich, leider vertreten durch einen Diplomaten, der für Diplomatie im ursprünglichen Sinne des Wortes wenig über hatte, noch die Kaluren, mit denen man im Grunde genommen in fast vier Jahren nie etwas zu tun hatte, aber jetzt auf einmal Kriegsdrohungen ausgesprochen wurden, kurz nachdem ein k'awianisches Paar es gewagt hatte, um eine Anfertigung aus Mithrill zu bitten. Zufall? Ganz sicher nicht. Das konnte Andarc sich nicht vorstellen. Und er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass auch Menek'Urs Gesprächsanfrage nichts weiter als eine Kanonenkugel mit brennender Zündschnur war. Es war immer dieselbe Laier - und er hatte es schon zu oft erlebt, um es nicht kommen zu sehen. Wenn es kein Vorwurf wäre, würde die goldene Stadt sich nicht mühen, auch nur einen Finger für die neutralen Siedlungen zu krümmen. Hilfe im Kampf gegen Verlagor, bei den Aufbauarbeiten nach dem Stadtbrand und die Vorzüge eines bunten Marktes mit hoher Käuferdichte hatten sie aber stets wohlwollend angenommen.

... bis Ignatius und Althan nicht ausgeliefert sind – sowie im Falle einer Weigerung darüber hinaus – ist es keinem Kawianer gestattet, kalurischen Boden zu betreten, wer dieses Verbot missachtet, stellt sich selbst gegen den Willen der Kaluren und wird nicht mit Worten empfangen werden.

„Atmen, Andarc", erinnerte er sich selbst, als er merkte, wie angespannt er war. Gezielt lockerte er jeden Muskel, der sich lockern ließ. Doch die brodelnde Hitze in seinem Magen wollte nicht weichen. Wenn es eine Sache gab, die sogar ihn so richtig zur Weißglut trieb, dann war das unbelehrbare Überheblichkeit. Und es war ihm egal, wie sehr sie mit ihrer Annahme, am längeren Hebel zu sitzen, im Recht sein mochten. Sowas gehörte sich nicht. Man konnte auch respektvoll mit Schwächeren umgehen. Aber was machte er sich überhaupt einen Kopf darum? Der ganze verdammte Krieg war in der Art und Weise wie er ausgeübt wurde vollkommen sinnlos. Vor wenigen Jahren hatte Gustav Grann als einer von verflucht wenigen Menschen am eigenen Leib erfahren, dass es möglich war, den lieben Heiler von nebenan aus der Reserve zu locken. Dafür zu sorgen, dass Gewalt auf einmal doch eine Option wurde. Keine gute, aber eine valide. Und der langjährige, private Kontakt zu Leuten wie Fiete und Nika hatte garantiert seinen Teil dazu beigetragen, dass Andarc längst nicht mehr bereit war, nach einem Schlag auf die eine auch noch die andere Wange hinzuhalten. Wenn der Kontext nicht so ernst wäre, könnte man es schon fast als lustig bezeichnen, dass nun ausgerechnet er derjenige im Rat war, der davon abgehalten werden musste, Kriege leichtfertig in Kauf zu nehmen, weil er es für überfällig hielt, tatenlos dabei zuzusehen, wie Unrecht geschah - und zu schweigen.

Eine Warnung an die K'awianer war schnell veröffentlicht worden. Unwissenheit schützte schließlich nicht vor Strafe. Und die Strafe war in dem Fall ein verdammt hoher Preis, den er nicht bereit war, zu zahlen. Er hatte es schon seinen Kameraden beim Appell gesagt:
„Ich will ehrlich mit euch sein ... Ich habe eine gewaltige Hasskappe auf diese Art, mit Leuten umzugehen. Ich verurteile diese Überheblichkeit der 'Großreiche' aufs Äußerste, aber was wir bei allem berechtigten Unmut und aller Fassungslosigkeit über so viel Unmenschlichkeit niemals vergessen dürfen, ist, dass sie faktisch gesehen alle die stärkere Exekutive haben. Handelskriege gewinnen wir. Beliebtheitswettbewerbe sowieso. Wir haben Freunde, überall verstreut. Aber wir dürfen und werden nicht so blöd sein, mutwillig einen Krieg mit auch nur einer dieser Parteien einzugehen.“
Es war wie ein Mantra für sich selbst. Eine Mahnung, die Fassung zu wahren, damit er nicht leichtfertig Dutzende Leben aufs Spiel setzte. Die Kaluren waren nicht dafür bekannt, leere Drohungen auszusprechen. Er wollte ihnen so viel an den Kopf werfen. Ob sie nicht lieber ihre Scheißenergie und Kampfkraft dafür aufwenden wollten, dem echten Feind eins auszuwischen oder ihre Grenzen besser zu sichern, aber das würde ihm und auch K'awi nicht helfen. Es wäre nur kurzfristige Genugtuung im Wissen, dass er ihnen geistig überlegen war. Zur Vernunft würde es sie wohl aber kaum bringen. Zu viel Bier in zu wenig Hirn. Da machte man nichts dran. Also musste eine deeskalierende Lösung her ...


OFFIZIELLER BRIEF AN RAGO:

K'awi xan'yasha Kal Dar,

wir haben Eure Steintafel bezüglich der Causa Althan und Ignatius Milan erhalten und unsere Mitbürger über eure Entscheidung für einen allgemeinen Reichsbann seitens dem Kalurischen Reich informiert. Selbstredend werden wir uns daran halten, um euch nicht mehr Arbeit als nötig zu machen. Eine kleine Bitte hätten wir jedoch - und zwar würde uns im Sinne der Regeleinhaltung interessieren, was eure Definition von „kalurischem Boden“ ist. Schließlich liegt es uns fern, auch nur unwissentlich Grenzüberschreitungen zu begehen. Teilt uns also gerne mit, von wo bis wo eure Grenzen genau verlaufen, gerne auch als Karte, wenn ihr eine solche habt. Davon abgesehen möchten wir uns noch kurz zu den beiden Angeklagten äußern, um unsere Sicht der Dinge und unseren Standpunkt zu klären.

Zur Causa Ignatius: Wir nehmen eure Worte ernst und wissen auch, dass unter anderem - aber nicht nur - Ignatius gern und viel die hiesigen Höhlen rund um Varuna und den Nilzadan erkundet. Wir streiten also mitnichten ab, dass das, wofür ihr ihn anklagt, so oder so ähnlich stattgefunden haben kann. Allerdings wüssten wir gerne, wo genau Ignatius kalurischen Boden betreten haben soll, damit wir uns vor einer fundierten Entscheidung als Inselrat ein klares Bild von der Sachlage machen können.
Wir sagen im Übrigen jedem neuen Bürger bei seiner Einbürgerung, dass es nicht im Sinne der Neutralität ist, Feinde des Ostens auf östlichen Boden oder Feinde des Westens auf westlichen Boden zu begleiten. Schon gar nicht voll bewaffnet und gerüstet. Erst kürzlich gab es dafür auch nochmal eine Erinnerung an alle Bürger K'awis. Natürlich hält im Falle des Falles aber kein Wort jemanden davon ab, etwas dennoch zu tun, und so sind wir darauf angewiesen, solcherlei Regelbrüche zeitnah rückgemeldet zu bekommen, um überhaupt eine Chance zur Intervention zu haben.

Zur Causa Althan: Ihr seid nicht die Ersten, die diesen Umstand bemängeln - und leider auch ganz sicher nicht die Letzten. Nachdem ein Klärungsversuch der Matriarchin Angelica Mondstein seit dem 20.02.269 ohne ersichtliche Reaktion eurerseits verblieb, hier nun in Kürze, was die Matriarchin euch mit Sicherheit auf viel elegantere Weise erklärt hätte:
Althan aufzunehmen, war allem voran ein göttlicher Entscheid. Viele - vor allem auch Ratsmitglieder - waren von Anfang an dagegen, weil Althan als ehemaliger Ordensleiter eben genau das mit auf die Insel bringt: Unruhe, alte Fehden und Verwirrung. Aber als Alatar selbst Althans bewusstlosen Körper vor die Füße der Matriarchin warf und damit beschloss, dass er bei uns bleiben würde, anstatt vom Panther zerfleischt zu werden, blieb uns wenig anderes übrig, als dem Folge zu leisten. Nicht, weil wir ihm huldigen, sondern weil wir schlicht nicht so leichtsinnig sind, uns mit einem Gott anzulegen. Von der Gefahr eines freien Erzmagiers, der tun und lassen kann, was er will, mal ganz abgesehen. Da scheint es unter den Magiern Gerimor weit wohl auch eine Absprache zu zu geben, dass genau das nicht gewünscht ist. Also trat Althan der Akademie der arkanen Künste bei. Bis heute ist er kein Bürger K'awis, sondern lediglich geduldeter Dauergast, und das wird sich auch so schnell nicht ändern, weil eben berechtigte Zweifel an der Sinnhaftigkeit dessen bestehen.
Es steht euch frei, zu versuchen, fern K'awi seiner habhaft zu werden, wenn ihr einen Mann ohne Gedächtnis, einen Schatten seiner selbst, immer noch als Feind betrachten wollt. Ehrlich. Aber macht uns nicht dafür verantwortlich, was er vor seiner Zeit bei uns getan oder was Alatar beschlossen hat. Es gibt genug andere - wahre - Feinde, die euren Groll weit mehr verdient haben.

Für den Inselrat
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*Eine Abschrift von Angelicas Schreiben wird dem des Rats beigefügt.*
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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 16:09
von Morgosh Hammergrund
Wie ein richtiger Kal Dar handeln würde hatte Rago die Nachricht für einen jeden Kaluren gut sichtbar am Eingang zum Nilzadan gebracht damit ein jeder diese lesen und darauf reagieren könne. Noch immer voller Wut, gerade jedoch wieder auf dem Weg seiner Arbeit im Stollen nachzugehen, kam also auch Morgosh an dieser vorbei. Die Adern im Gesicht und das Ballen der Fäuste liesen nichts Gutes vermuten während er wieder zur Werkstatt zurückstapfte um eine Nachricht für die Seinen zu meiseln. Diese stellte er ebenso gut lesbar für alle Kaluren direkt unter die Nachricht aus Kawi
An die Söhne des Berges, an meine Brüder,

Der Inselrat hat uns eine Tafel geschickt. Sie schwafeln von Göttern, „Eleganz“ und Gedächtnisverlust, als wären wir Kinder. Ich habe ihre Ausflüchte satt. Sie versuchen nur, Zeit zu schinden und das Unvermeidliche hinauszuzögern.

Hört meine Worte:
K’awi spuckt auf die eigene Neutralität. Ihr Fuchtler Ignazibus zieht in Sichtweite unserer Tore mit dem Feind vorbei und trainiert dort Seite an Seite mit ihnen – die Graik hat ihn mehrfach dabei erwischt! Damit nicht genug: Derselbe Kerl spendet sein Gold für den Aufbau des Westens. Der Rat behauptet, sie würden zur Neutralität mahnen, doch sie lassen zu, dass ihr Volk mit Verrätern trainiert und den Feind finanziert. Wer den Westen mit Gold und Klinge stärkt, hat jedes Recht auf Neutralität verwirkt.

Und dieser Althan? Er ist der Erzfeind der Hammergrund. Er hat meine Cousine entführt, eingesperrt und gefoltert. Er hat das heilige Mithrill gestohlen. Glauben diese Ratsmitglieder im Ernst, eine Blutschuld erlischt, nur weil man behauptet, man habe sie vergessen? Ob sein Zustand echt ist oder eine hinterhältige Finte – es spielt keine Rolle. Die Tat steht im Stein. Es gibt für ihn nur ein Urteil: Kopf ab.

Die neue Ordnung an den Grenzen:

- Wer das Funkeln unserer Graikwachen sieht, ist bereits in Bolzenreichweite. Wer leben will, bleibt fern.

- Die Kutsche vor unseren Toren ist für sie gestorben.

- Wer reisen will, soll im Sumpf versinken. Unser Boden ist für sie tabu.

Sollen sie weiter ihre Briefe schreiben. Ich habe meine Geduld im Berg gelassen. Ich zähle bereits die Tage, bis die vier Wochen abgelaufen sind. Dann endet das Gerede und wir holen uns, was uns zusteht. Wir behalten die Finger am Abzug und die Axt scharf.

Wer meine Sippe und unser heiliges Metall schändet, zahlt mit Blut.

DER BERG VERGISST NICHT!


gez.

Morgosh 'Orkzefetzer' Hammergrund

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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 16:11
von Rago Getwergelyn
Eine grob behauene Steintafel wird nach Wulfgard gesandt. Die Runen sind tief und kantig geschlagen.
  • ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ


    Mâhal Thorlav,

    sag an, alter Stein.
    Lebst dâr noch, oder ersäufst dar deinen fetten Hintern wieder im Met dort hinten in Wulfgard?

    Hier unten grollt eine Sache, zu der âkh dein Wort hören will.

    Es geht um Kawi.

    Komm nach Frostklamm.
    Wir sprechen darüber bei einem ordentlichen Bhîr und unter Faustschlägen, wie es sich für Krieger gehört.


    ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Kal Dar und Zhad Cirmias’
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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 17:12
von Florence Lascari
*Ausnahmsweise nahm sie dann doch Feder und Pergament zur Hand, damit es schneller gehen sollte. Sie kratzte sich beim Lesen am Hinterkopf mit gefurchter Stirn, bis sie dann Zeile um Zeile schrieb:*

Cirmias Mahal Bärte und Zöpfe,

nach einigem Lesen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, das Andarc zu viel Zeit mit den Fuchtlern verbringt. Bei meinem nicht vorhandenen Bart, da ist ne Menge kauderwelsch mit bei, seis drum.

Da sind manche schon so lange hier unterwegs und haben sich nor mal die Mühe gemacht, sich mit Grenzen und Gesetzen der Länder zu befassen, die sie bereisen. Ein Blick in die Gesetze, dazu ein Besuch oder Gespräch hätten hier sicher leicht Abhilfe geschaffen. Unwissenheit und Strafe das ist sicher bekannt, oder in dem Fall, um mögliche Probleme zu vermeiden. Sie waren ja nun auch nicht selten auf der Klamm. Meinetwegen eine Karte zukommen lassen und ein Gesetzesauszug zur Klärung.
Kalurischer Boden ist also, was das Großreich per Gesetz und Brauch kennt und lebt.

Was Ignatius betrifft:

Mrâ sie geben zu, dass ihnen das Problem bewusst ist, ebenso wenig dass manche das nicht beachtet haben oder beachten. Doch das ist nicht das Vorwiegende hierbei. Mehr noch die Kampfesübungen und damit Verbrüderungen mit dem Feind vor den Toren der Klamm. Nicht etwa um gegen Trolle und Orks zu üben, sondern den Kampf Mann gegen Mann und das miteinander. Der gewählte Ort war alles andere als glücklich gewählt, vielmehr, da auch einige Letharen ausbrachen und auf die Wachen des Tors zustürmten, eine klare Botschaft, die damit vermittelt wurde. Akh denke auch nicht, dass es dazu viele Worte noch braucht. Dennoch kommt dazu die Unterstützung des Wiederaufbaus im Westen von Grenzwarth im Zuge einer wie auch immer gearteten Tombola oder Geselligkeit.

Dessen ungeachtet geht es, wie geschrieben um die Anklage und das Rechtfertigen vor einem kalurischen Gericht für das Verhalten und Geschehene. Es ist nicht unsere Aufgabe, einem Urteil durch ein Gericht des Berges vorzugreifen, nachdem Beweise gesichtet und Zeugen gehört wurden, wie auch der Angeklagte selbst. Vielleicht ist das auf der Insel in der Rechtsprechung anders, wer weiß, hier dagegen gelten Jahrhunderte alte Gesetze und Gerechtigkeit aus diesen.

Was Althan betrifft:

Es ist auch hier mrâgul zu lesen, dass bestätigt wurde, dass eben dieser Alatar folgte und am Ende das erfahren hat, was man wohl von diesem erwarten kann. Verrat wird mit Verrat belohnt. Was aber nichts an den Taten ändert, die der Mann getan hat. Jedes Kind weiß schon von Schauergeschichten genug um zu wissen, dass diese Schwarzmagier wie auch in der Vergangenheit Leid und Tod über das Land gebracht haben. So blauäugig kann man nicht sein, um das nicht sehen zu wollen. Hat also Alatar der Matriarchin direkt gesagt, sie sollen diesen aufnehmen und schützen, ansonsten drohe ihnen Gefahr? Das kann ich mir schwer vorstellen, dass sich der Panther dazu herablässt. Und selbst wenn sie ihn mit sich nehmen sollten, nachdem er gebrochen wurde, sehe ich hier nicht, warum er genau dort bleiben muss, wenn sie selber damit ein Problem haben. Im übrigen glaube ich nicht, dass ob der Kerl als Oberhaupt dieses Orden nicht ohnehin tun und lassen konnte, was er wollte. Da gabs auch nor göttliches Eingreifen. Von Absprachen aller Fuchtler ist mir nichts bekannt. Sich dem Panther und seinem Tun zu unterwerfen, weil man den Zorn des Gottes fürchtet, auf der anderen Seite den Zorn des Berges über die Untaten nicht in Betracht zieht, lässt zumindest tief blicken. Oder wo ist hier die Feinwaage des Goldes am Ende des Stollens?

Das ist mir auch mehr oder minder nicht wichtig, wie sie Zeichen deuten und damit verfahren. Es geht hier auch nicht um einen Feind allein, sondern um die Gerechtigkeit den Opfern gegenüber. Die Toten werden davon nicht wieder kehren, die Narben der Folter nicht verblassen, das Besudeln und Brandschatzen auf den Ländern nicht vergehen lassen. Vergessen und einfach nicht darüber mehr sprechen der falsche Weg. Dazu kommt noch das durch Zwang erworbene heilige Metall mit dem dieser offenkundig bis heute prahlt. Für diese Vergehen ist er zur Rechenschaft zu ziehen und sich einem Gericht des Berges zu stellen, so wie es geschrieben steht. Nieman macht die Insel für seine Taten verantwortlich, dies wird mit keinem Wort erwähnt. Es wurde die Herausgabe gefordert, nicht mehr nicht weniger, das können und sollten sie tun. Und ob das, was der Mann getan hat schlimmer war als andere Täter des Westens steht nicht zur Debatte, schmälert nicht das Vergehen noch erhebt es über andere.

Da im Westen der freie Wille so hochgehalten wird, sind die Verbrechen eben aus diesen geschehen. Aus eigenem Antrieb und Wollen heraus, niemand führte seinen Fuchtlerstab außer ihm selbst. Und wenn er kein Bürger ist, ist er auch auszuliefern, da er nicht den Schutz dieses Standes innehat, die zu diplomatischer Klärung als Mindestmaß notwendig wäre.

Man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, man habe alle Erinnerungen verloren, dass man in diesem Moment frei jeder Schuld sei. Das hat mich auch nie gerettet nach durchzechter Nacht gegenüber der Hafenwache. Netter Versuch ist es zumindest, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das zumindest erkenne ich als solches an.

Florence


*Anschließend heftete sie das zu Ragos Tafel im Berg*

Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 22:53
von Thorlav Hinrah
Als ihn die Tafel erreicht, fährt er mit den breiten Fingerkuppen über die Rillen im Stein und hebt Brauen, wie auch Mundwinkel ein Stück weit an. Der nächste Blick gilt dem Kalurischen Boten, ehe er die Stimmer zu einer Frage erhebt.

Kawi... Den Meißel hat der Kerl mit ausgestrecktem Mittelfinger gehalten. Aye?

Erklingt die Stimme zu einer eher rhetorischen Frage die nicht wirklich auf eine Antwort abzielt.

Palaver Rago, Eh? Er soll Bescheid geben wann`er Zeit hat, dann komm ich. Aye?

Mit einem völlig überfüllten Metkrug wird der Bote dann wieder zurückgeschickt.

Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Montag 16. März 2026, 23:07
von Rago Getwergelyn
Noch am selben Abend wird wohl ein Bote Thorlav erreichen und ihm mitteilen das Rago morgen Abend zeit hat.
Thorlav Hinrah hat geschrieben: Montag 16. März 2026, 22:53 Als ihn die Tafel erreicht, fährt er mit den breiten Fingerkuppen über die Rillen im Stein und hebt Brauen, wie auch Mundwinkel ein Stück weit an. Der nächste Blick gilt dem Kalurischen Boten, ehe er die Stimmer zu einer Frage erhebt.

Kawi... Den Meißel hat der Kerl mit ausgestrecktem Mittelfinger gehalten. Aye?

Erklingt die Stimme zu einer eher rhetorischen Frage die nicht wirklich auf eine Antwort abzielt.

Palaver Rago, Eh? Er soll Bescheid geben wann`er Zeit hat, dann komm ich. Aye?

Mit einem völlig überfüllten Metkrug wird der Bote dann wieder zurückgeschickt.

Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Donnerstag 19. März 2026, 21:42
von Morgosh Hammergrund
Das Echo aus dem Berg: Die unnachgiebige Logik des Metalls - ein Bericht aus den Stollen des Nilzadan

In der großen Schmiedehalle von Nilzadan herrschte die absolute Herrschaft des Erzes. Wo die Langbeiner der Oberflächenvölker für ihre Maschinen auf elastisches Holz und windige Seile setzten, vertrauten die Kaluren auf die unerschütterliche Beständigkeit des Metalls. Für sie war Holz ein Werkstoff der Notwendigkeit, der nur dort geduldet wurde, wo die Mechanik eine Flexibilität verlangte, die selbst Zwergenstahl nicht bieten konnte – und selbst dann war es hinter dicken Panzerplatten verborgen, als wollte man seine bloße Anwesenheit vor den Ahnen verstecken.

Meister Morgosh stand auf seinem Beobachtungsposten, die Pfeife fest im Kiefer, und ließ den Blick über sein Werk schweifen. Er war hier nicht nur der Schmied; er war der Bauleiter, der Architekt des kommenden Donners. Sein Blick wanderte über die Batterien der „Drachenstachel“. Diese Ballisten waren massive Konstruktionen aus Gusseisen und schwarzem Stahl, deren Zahnräder so präzise ineinandergriffen, dass sie jede Erschütterung des Berges klaglos schluckten.

Doch die wahre Meisterschaft von Morgosh lag nicht nur in der reinen Wucht, sondern in der durchdachten Logik des Transportes. Jede einzelne dieser Kriegsmaschinen war so konstruiert, dass sie in standardisierte, tragbare Segmente zerlegt werden konnte. Morgosh hatte die Verbindungsstücke so konzipiert, dass sie vor Ort mit wenigen Handgriffen und genormten Bolzen schnell wieder zu einer tödlichen Einheit zusammengesetzt werden konnten. Nilzadan würde den Krieg nicht nur schmieden, Nilzadan würde ihn logistisch perfekt an die Küste liefern.

„Prüft die Vorspannung der Stahlfedern!“, grollte Morgoshs Stimme durch die Halle. „Ich will kein Quietschen hören. Und markiert jedes Segment der dritten Batterie deutlich mit Runen! Ich will nicht, dass sie an der Küste die Achsen mit den Lafetten verwechseln!“

Obwohl das Ultimatum noch lief, gab es keinen Stillstand. In der Halle wurde ohne Unterlass gearbeitet; Tag und Nacht verschmolzen im Takt der Hämmer. Es herrschte keine Ruhe, sondern eine stürmische Betriebsamkeit – jedes Teil wurde noch einmal poliert, jede Schraube nachgezogen. Die Zwerge waren immer noch dabei, die letzten Maschinen zu vollenden, als gäbe es kein Morgen.

Sein ganzer Stolz ruhte in den Munitionslagern. Dort stapelten sich die neuen Splitterbomben – hohle Eisenkugeln, gefüllt mit tausenden winziger, scharfkantiger Hexenstahlkügelchen. Meister Morgosh hatte diese Geschosse so kalibriert, dass sie beim ersten harten Aufprall exakt zerbarsten. Der Hexenstahl war darauf ausgelegt, die arkanen Schilde der Fuchtlerakademie von Kawi wie dünnes Glas zersplittern zu lassen. Es war keine Magie, die hier am Werk war, sondern die schiere, physikalische Überlegenheit des Materials gegen das arkane Gewebe der Magier.

Er stieg die Treppen hinab zum Hallenboden und blieb vor dem „Ruhenden Zorn“ stehen. Der massive Bärenkopf-Rammbock aus reinem Hexenstahl wirkte im fahlen Licht der Esse fast lebendig. Morgosh verzichtete auf Runenzierrat oder magischen Tand; für ihn lag die Macht in der Legierung selbst. Aber er hatte noch einen Trumpf im Ärmel: Die Stirnplatte des Bären war nicht nur aus Hexenstahl. Morgosh hatte in einem langwierigen Prozess mikrofeine Diamantsplitter tief in die Metallmatrix hämmern lassen. Diese Diamantverstärkung machte den Hexenstahl des Bärenkopfes so unnachgiebig, dass er selbst die verzauberten Mauern der Magierakademie wie mürben Stein zermalmen würde.

„Meister Morgosh!“, rief ein Vorarbeiter herüber. „Die Trankmischer haben die Brandgefäße in die gesicherten Nischen gebracht. Sollen wir sie bereits an den Katapulten montieren?“

„Nein“, antwortete Morgosh kurz angebunden. „Nichts wird scharf gemacht, bevor die Frist nicht verstrichen ist. Wir richten die Waffen noch nirgends hin aus. Wir bereiten uns vor – gründlich, kühl und ohne Hast. Aber wenn der Befehl kommt, will ich, dass jede Schraube, die ich festgezogen habe, ihren Dienst tut.“

Er ging hinüber zu einer Reihe von Ballistenbolzen. Die Spitzen waren mit Hexenstahl-Widerhaken versehen, die darauf warteten, sich tief in das Mauerwerk der Stadt Kawi und ihrer Akademie zu fressen.

Morgosh klopfte die Asche seiner Pfeife an einem eisernen Stützpfeiler ab. In der Halle war es niemals still, das stetige Tropfen von Kühlwasser und das ferne Grollen der Lavaöfen bildeten die Hintergrundmusik dieser gewaltigen Rüstung. Nilzadan war in diesem Moment kein Ort der Provokation, sondern ein Ort der absoluten, rastlosen Bereitschaft.

Er blickte in die Dunkelheit der tiefen Stollen, dorthin, wo das Herz des Massivs schlug. Meister Morgosh wusste:

Der Berg schläft nicht, er ballt seine eiserne Faust.

Der Berg ruht nicht... der Berg schärft seine Zähne.


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Re: Der Riss im Stein [MMT]

Verfasst: Dienstag 5. Mai 2026, 00:48
von Rago Getwergelyn
Am Abend des vierten Eluviars griff er erneut zu Hammer und Meißel. Es gab kein Zurück mehr zu Tinte und Feder. Die Antwort musste die Härte des Nilzadan widerspiegeln – unnachgiebig und für die Ewigkeit bestimmt. Das rhythmische Schlagen des Metalls hallte bis tief in die Nacht durch die Gänge der vierten Kohorte, während Rago Buchstabe für Buchstabe den unumstößlichen Willen des Rates in den Stein trieb.

Als die Tafel vollendet war, wurde sie nicht etwa an die Wand des Rates gehängt, sondern einem kräftigen kalurischen Boten übergeben. Mit der schweren Last auf den Schultern machte er sich auf den Weg, um das steinerne Wort des Berges direkt nach Kawi zu tragen, damit es dort unübersehbar Zeugnis über den kalurischen Beschluss ablegt.

  • ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Cirmias Mahal

    An den Rat der Insel Kawi,

    Wir machen es kurz, damit kein Zwerg und kein Mensch seine Zeit mit unnötigem Gerede verschwendet. Hier ist der Beschluss des hohen Rates vom 04. Eluviar 269, wie er im heiligen Reich in den Stein gehauen wurde:

    Ab heute betritt kein Kawianer mehr kalurischen Boden. Es gibt kein Mithril und keine Waren mehr für Eure Insel. Wer dieses Verbot missachtet und auf unserem Boden erwischt wird, stellt sich offen gegen den Willen des Berges. Solche Grenzgänger werden nicht mit Worten empfangen, sondern mit Axt und Schild freundlich, aber bestimmt wieder hinausbefördert. Wer Widerstand leistet, wird die volle Wucht kalurischen Stahls zu spüren bekommen.

    Damit Ihr nicht „unwissend“ seid, schicken wir Euch eine Karte unserer Grenzen mit. Wer dort steht, steht auf unserem Land.


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    Zu Euren Ausflüchten: Ignatius war bewaffnet auf unserem Boden und mit unseren Feinden unterwegs. Das ist kein „Erkunden“, das ist eine Beleidigung des Berges. Sorgt dafür, dass er dort bleibt, wo der Sand weich ist, nicht wo der Fels hart wird. Ob Götter Althan geworfen haben oder nicht – er lebt bei Euch. Das macht ihn zu Eurer Verantwortung. Wenn Ihr ihn schützt, schützt Ihr einen Feind des Volkes. Unser Angebot für ein Gericht bei uns im Berg steht, falls er das Rückgrat besitzt, sich zu stellen.

    Schaut Euch die Karte gut an. Wir wollen keinen Streit um des Streites willen, aber wir weichen keinen Fingerbreit von unserem Recht. Das Urteil bleibt so lange im Stein, bis Eure Taten uns zeigen, dass Ihr wirklich neutral seid.

    Der Berg hat gesprochen.

    ᚱᚨᚷᛟ ᚷᛖᛏᚹᛖᚱᚷᛖᛚᛁᚾ

    Kal Dar und Zhad Cirmias’
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