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Der verschollene Gardist

Verfasst: Donnerstag 18. Dezember 2025, 22:39
von Lennart Fynn
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Das Blut des Gardisten war von der Kälte gefroren, an einen Baum gefesselt am Waldrand zwischen Bajard und Varuna. Seine Kameraden in Schwingenstein werden berichten, dass er plötzlich verschwunden war - Schleifspuren führten im Schnee in Richtung Westen.

Sollte er geborgen werden, wird unter seiner Rüstung eine Notiz zu finden sein:

"Die Nächte werden dunkler - tödlicher. Der Rabe nährt sich an den schwachen Seelen in euren Reihen. Der Panther sät die Saat seiner ewigen Herrschaft.

Der Tod ist in euren Häusern. Er ist der Schatten, der euch verfolgt. Er ist der Gardist, der nicht von seiner zurückkehrt und seine Waffenbrüder und seine Familie im Stich lässt. Er ist das Kaminfeuer in euren Häusern, das euch weich und müde macht. Er ist eure Gnade und Demut.

Der Tod dieses Gardisten war von Angst und Entsetzen begleitet. Keine Ehre. Kein Stolz. Blickt in seine Augen.

Eine Gardistin hätte ihn retten können. Du weißt es, nicht wahr? Bedenke immer, was du tust, denn es hat Konsequenzen."


Re: Der verschollene Gardist

Verfasst: Freitag 19. Dezember 2025, 00:34
von Greya Ontanu
Ein ganz normaler Tordienst...oder?

Nachdem die zur Hilfe geeilten Adligen, Bürger und Kameraden sich wieder aufgelöst hatten, blieb sie allein zurück. Sie hatte die Anweisung erhalten, sich vor dem Schlafengehen noch in der Kirche von Adoran aufzuhalten. Den Geist beruhigen … das war leicht gesagt. Ihre Schritte wirkten schwer, als sie durch den Schnee in Richtung der Kirche stapfte.

Sie trat ein, schüttelte den lockeren Schnee kurz von Rüstung und Umhang und ging, von leisem Scheppern begleitet, auf den Altar zu. Vor der Flamme, die sich erst vor wenigen Tagen in der Kirche offenbart hatte, kniete sie nieder. Mit geschlossenen Augen verharrte sie auf beiden Kniekacheln, den Kopf gesenkt, den Atem kontrolliert ruhig und bedacht.

Vor ihrem inneren Auge spielte sich erneut ab, was sie an diesem Abend erlebt hatte …

~ ~ ~

Es war eine Torwache wie jede andere – so schien es zumindest zuerst. Remnon hatte ihr Gesellschaft geleistet, und sie nutzten die Zeit, um Gespräche nachzuholen, die aufgrund von Pflichten und Diensten bisher nicht möglich gewesen waren. In der späten Torschicht bot sich dafür meist eine gute Gelegenheit, da es selten größere Vorkommnisse gab. So plauschten beide gemütlich sitzend im Torhaus.

Irgendwann jedoch drangen eigentümliche Geräusche ins Torhaus, die Greyas Aufmerksamkeit erregten. Remnon schien sie nicht wahrzunehmen, doch etwas in Greya machte die ungewohnten Klänge unruhig. Sie stand auf, griff nach ihrer Hellebarde und ging zum Außentor, um hinauszublicken. Ein dichter Nebel lag über dem Platz vor dem Tor, eine eisige Kälte wohnte ihm inne, und nun hörte sie die ungewöhnlichen Geräusche deutlicher.

Ihr Bauchgefühl hatte sie in ihrem Leben selten getäuscht. So wies sie den unbewaffneten Rekruten an, sich zu den Schützen auf dem Tor zu begeben und sich nahe der Tormechanismen bereitzuhalten. Vor ihren Augen erblickte sie im Nebel einen erfrorenen Kameraden. Panik stand ihm in den Augen, und sie war sich nicht sicher, ob er noch lebte oder bereits verstorben war. Eine dunkle Silhouette schien sich im Nebel zu bewegen, begleitet von Lauten, die klangen wie das Rufen von Geistern – etwas, das Greya in diesem Moment jedoch kaum noch wahrnahm, zu sehr war ihr Blick auf das Bild eines Kameraden in Not fixiert.

Eine dunkle Gestalt, nicht humanoid, zeichnete sich im dämmrigen Licht des Nebels ab – scharfe Spitzen ragten aus ihrem Rücken. Remnon rief noch von oben: "Ein Monstrum lauert im Nebel!" Doch Greyas Blick und Aufmerksamkeit blieben starr auf den Kameraden gerichtet.

Gerade als sie vortreten wollte, um den Nebel zu erkunden, kam Innes aus der Kutsche im Süden und stolperte durch den Nebel zum Tor. Der Anblick riss Greya aus ihrem Bann. Schnell wies sie Innes an, sich nach drinnen zu verziehen, und fügte leise hinzu: "Gib Alarm."

Ihr Blick wurde erneut von dem Kameraden gefesselt, der erfroren aussah, nun jedoch den Mund öffnete, als wolle er auf sich aufmerksam machen – als wolle er sagen: "Ich lebe noch, hilf mir."

Als Innes in die Stadt rannte, bewegte sich das Monstrum im Nebel erneut, und ein tiefes Grollen ertönte, das den Nebel aufriss. Sichtbar wurde eine riesige Kreatur, eine Mischung aus Chimäre, Höllenhund und Tod. Das Unwesen schlich auf den erfrorenen Kameraden zu, lauernd, als wolle es ihn fressen – oder mitnehmen.

Greya rief noch "Nein!" und wollte losrennen, als hinter ihr der Hochedle von Hohenfels gemeinsam mit Innes aus der Stadt trat. Hinter dem Wesen erkannte sie zudem eine ihr bekannte Gestalt: den Barden Baldur. Remnons Stimme hallte laut: "Halt! Greya!" Kurz darauf erklang die vertraute Stimme des Hochedlen, scharf und befehlend: "Bericht!"

Beides riss Greya aus dem Drang, dem Kameraden blindlings zur Seite zu eilen – so, wie es ihr gelehrt worden war: Melden macht frei. Sie berichtete rasch, und der Hochedle beschwor mit seiner Magie ein Pferd für Greya. Gemeinsam setzten alle vier dem Wesen ein Stück weit nach.

Als sie die Kreatur schließlich einholten, war es verschwunden. An ihrer Stelle stand nur noch ein Mann, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, schwarz gekleidet, mit einem unverkennbaren Stab in der Hand – ein Rabendiener, zweifelsfrei. Seine Stimme war ruhig, beinahe entspannt:

"Du suchst den Gardisten, nicht wahr? Dann musst du mir folgen. Alleine. Oder er wird den Kältetod sterben. Du hast die Wahl."

Wäre sie allein gewesen, sie wäre ihm wohl sofort gefolgt, selbst entgegen allem, was sie je gelernt hatte. Doch die vertrauten Menschen an ihrer Seite ließen sie klarer denken. Dennoch erhob sich ihre Stimme in der Dunkelheit, mutig und entschlossen: "Ich lasse keinen Kameraden alleine in der Dunkelheit."

Sie zog ihre Flamberge vom Rücken. Ein Feuerschweif, durch die Magie des Artefakts entfesselt, peitschte im Halbkreis durch den Zug neben ihr auf und erhellte für einen Herzschlag die Nacht. Sie war bereit, mitzugehen, zu kämpfen – und im Zweifel für ihren Kameraden zu sterben. Doch dazu kam es nicht mehr. Vielleicht aufgrund der Überzahl, vier gegen einen: Die Gestalt des Fremden verschwamm, als er mit dem Stab zuckte und verschwand im nächsten Augenblick.

An der Stelle, an der er eben noch gestanden hatte, schlug kaum einen Augenblick später ein Blitz in den Boden ein – vom Hochedlen beschworen, offenbar in der Absicht, ihn zu unterbrechen.

Nach einem kurzen Bericht an den Hochedlen und dem Rückzug in die Toranlage der Hauptstadt wurden Baldur und Innes ausgesandt, um die Kunde zu verbreiten und den anderen Städten und Dörfern Bescheid zu geben, sollte es zu weiteren Vorfällen kommen. Remnon erhielt den Auftrag, die Dienstlisten im Kastell des Regiments zu prüfen. Der Hochedle befasste sich mit Greya, um sie zu untersuchen.

Eine Menge Menschen sammelte sich schließlich, alarmiert durch die Meldereiter, bereit zu helfen – doch der Spuk war längst vorbei, und der Fremde nicht mehr auffindbar.

~ ~ ~

Allein in der nächtlichen Kirche kniete Greya weiterhin vor der stillen Flamme und löste die Flamberge von ihrem Rücken. Das schwere Metall ruhte vor ihr, und sie stützte sich darauf, als könne die Klinge sie halten, wo ihre Gedanken zu schwanken begannen. Ihr Atem ging flach, die Bilder des Nebels ließen sie nicht los: der Kamerad, die Panik in seinen Augen, der Mund der sich geöffnet hatte als flehe er um Hilfe. War er wirklich dort gewesen – aus Fleisch und Blut – oder nur ein Trugbild, gesandt um sie zu prüfen, sie zu brechen? Der Gedanke, einen Lebenden im Stich gelassen zu haben, schnürte ihr die Kehle zu. Mit brennender Brust richtete sie ihr Gebet an Temora, bat nicht um Trost, sondern um die Kraft, mit der Schuld zu leben, sollte der Morgen ihr Gewissheit bringen.


Temora, Licht im Zweifel,
halte meine Hand, wenn mein Herz wankt.
Lehre mich Mitgefühl, ohne blind zu werden,
Ehre, ohne zu verhärten,
Tapferkeit, die nicht aus Zorn geboren ist.

Wenn ich heute gezögert habe, so prüfe mein Handeln gerecht,
nicht nach meinem Mut, sondern nach meiner Demut.
Und sollte Opfer gefordert sein, so gib mir die Kraft,
es bewusst zu tragen – nicht aus Stolz, sondern aus Liebe zum Leben.


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Re: Der verschollene Gardist

Verfasst: Freitag 19. Dezember 2025, 01:08
von Marlan Kabo
Der Posten am Rand von Schwingenstein blieb nicht lange unbemerkt.

Im Schnee fanden sich verwischte Schritte, dann deutliche Schleifspuren, die aus der Siedlung hinausführten. Die Suche begann sofort. Fackeln wurden entzündet, Stimmen gedämpft, Waffen griffbereit gehalten. Die Spur führte nach Westen, fort von Schwingenstein.

Man fand den Gardisten zwischen Bajard und Varuna.

An einen Baum gefesselt, vom Frost gezeichnet, sein Blut längst erstarrt. Die Kälte hatte bewahrt, was die Gewalt begonnen hatte. Die Kameraden lösten die Fesseln und bargen ihn schweigend. Niemand sprach die Worte aus, doch jeder verstand: Dies war mehr als ein Mord.

Noch in derselben Nacht wurden alle wachhabenden Gardisten alarmiert. Der Fundort, die Umstände und die Notiz unter der Rüstung wurden gemeldet. Ihr Inhalt verbreitete sich wie Eis in den Gliedern — eine Drohung, offen ausgesprochen.

Ein Bericht wurde unverzüglich an den Feldwebel nach Berchgard gesandt. Keine Ausschmückung, keine Deutung. Die Worte des Feindes sprachen für sich.

Als Marlan die Bestätigung erhielt, wen man geborgen hatte, zögerte er nicht. In Begleitung eines Beistands der Kirche machte er sich auf den Weg nach Adoran, um die Familie persönlich zu informieren. Keine Nachricht dieser Art durfte allein überbracht werden – und keine Familie sollte ohne Schutz mit den Worten des Todes zurückbleiben.

Als unmittelbare Antwort erging der Befehl:
Patrouillen gehen diese Nacht nur noch zu zweit. Wege werden verkürzt, Posten enger geführt, Augen und Ohren offen gehalten.

Der Tod hatte sich gezeigt –
doch das Regiment antwortete geschlossen.

Re: Der verschollene Gardist

Verfasst: Sonntag 21. Dezember 2025, 18:35
von Klabautermann
Schlechte Nachrichten sprechen sich schnell rum

Hier und da in den Gassen war es hinter vorgehaltener Hand Thema.
Ein armes Schwein in erfüllung seiner Pflicht eiskalt gemäuchelt und zur Schau gestellt.
Dafür wurden die Jungs sicher nicht gut genug bezahlt.
So zog die Gestalt in der letzten Nacht erneut durch die Schatten Adorans, doch dieses mal nicht um nach Gaunern Ausschau zu halten.
Am Haus der Familie angekommen wartete er den Moment ab wo gerade keine Wache vorbei lief und niemand schaute.
Rasch begab er sich zum Eingang des Hauses und stellte eine Kerze in einem Glas auf, entzündete sie und legte einen Blumenstrauß daneben.
Schnell warf er noch ein paar Kronen in den Postkasten und verschwand genau so rasch wie er kam.
Dann erst ging er in die Stallungen zu seinem treuen Pferd, welches liebevoll umsorgt wurde. Sanft strich er dem Tier die Stirn und flüsterte leise.
Heute kannst du nicht mit kommen meine Schöne.
Und so zog er hinaus in die Nacht in richtung Schwingenstein um dort die Grenze zu Bajard zu beobachten.
Ob der Schneelandschaft trug er dieses mal weiß, graue eng anliegende Kleidung um besser mit der Umgebung zu verschmelzen.
Der aufmerksame Beobachter könnte jedoch immer wieder im fahlen Mondlicht einen Schatten erblicken der kurz sichtbar wird nur um gleich wieder zu verschwinden.

Re: Der verschollene Gardist

Verfasst: Sonntag 21. Dezember 2025, 21:48
von Florence Lascari
*Eisiger Wind fegte an diesem Abend über die Klamm. Botenläufer hatten die Verbündeten in Kenntnis gesetzt, als sich ein kleiner Zug von kalurischen Fackelträgern aufmachte um hoch zu den Zinnen des PhalBrag zu steigen. Oben griff und zog der Wind an der Gewandung und legte feine Eiskristalle auf die Umhänge.

Mit ernster und entschlossener Miene standen sie beisammen, die Worte von der höchsten Zinne der Kal Dar über das Land getragen und mit dem Wiederhall der Kaluren als Echo waren einige der Worte klar zu verstehen*


Der Berg vergisst nôr!


*Das Leuchtfeuer erwachte und weit über das Land war das Zeichen zu sehen, dass Nebel und Dunkelheit durchbrach. Dazu erwachte nach der kurzen Versammlung auch die große Glocke. Drei mal mit längerer Pause dazwisch drang tief ihr Klang durch die Stille des Winters. Eine Nachricht an Lichtenthal und vielleicht auch die Angehörigen in der Tristesse der Jahreszeit, nicht allein zu sein*


Der Berg vergisst nôr!


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