Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Verfasst: Montag 15. Dezember 2025, 20:43
Das Haus der Ryzan, das Schakalhaus, lag im hinteren Teil Menek’urs, direkt nahe der Straße, die zum Hafen führte. Hinter den Stallungen und direkt neben der großräumigen Taverne. Ein hervorragender Platz, so war es damals einfach gewesen, sich dafür zu entscheiden. Es war kein allzu prunkvoller Bau, das war nie das Ansinnen der Familie gewesen, aber es war einladend, geräumig und was am wichtigsten war: Es trug die Spuren von den vielen Händen, die hier mitgewirkt hatte, um eine persönliche Nuance zu hinterlassen. Seit Zayns Abreise hatte sich einiges innerhalb dieser Mauern verändert, aber die Ordnung bestand weiter, wenn auch getragen von neuen Schultern, die wohl niemals gedacht hätten, diese Last tragen zu müssen.
Der große Gemeinschaftsraum war vom warmen Schein mehrerer Öllampen erleuchtet und alles war in einem goldenen bis grünen Ton gehalten. Die Farben der Familie und des Sonnenreiches. Noch war es verdächtig ruhig innerhalb der Mauern des Gebäudes, aber jeder wusste, dass sich das schnell und jederzeit ändern könnte. Asahi stand in der geräumigen Küche am Herd und rührte langsam in einem Topf, aus dem der Duft von Gewürzen aufstieg, sie wusste, dass bald einige hungrige Mäuler nach Hause kommen würden und so war es selbstverständlich, dass das Essen bereit war. Neben ihr sortierte Aliza getrocknete Kräuter und kümmerte sich um den frischen Mocca.
Bei den Ryzan hatte nahezu jedes Familienmitglied seine ganz eigene Vorliebe, wie der Mocca sein musste. So war Aliza über die letzten Mondläufe zu einer sehr zuverlässigen Hilfe und noch viel wichtiger, zu einer Freundin geworden. Sie wusste stets, wie sie helfen konnte und Asahi kannte kaum eine Natifah, die fürsorglicher war als die junge Khaliq. Sie kannte die Umstände ihres Weges nicht, sie wusste nur, dass der Ausschluss aus ihrer alten Familie einen Schatten auf Aliza hinterlassen hatte, der vermutlich sehr viel Licht brauchte, um endgültig vertrieben zu werden und wenn jemand wusste, wie so etwas am besten geschah, dann wohl die Familie der Schakale.
Am großen Tisch hatte Ishmael einige Pergamente ausgebreitet, obwohl man es ihm mehrfach gesagt hatte, dass er sich ein Schreibraum oder einen Arbeitsbereich zulegen sollte, beharrte er darauf, dies im Gemeinschaftssaal zu erledigen. Die Pergamente lagen in unordentlichen Stapeln vor ihm und sein Blick verriet wenig Freude daran. Asahi glaubte, dass die Wahl seines Arbeitsplatzes nur darauf abzielte, sich von der Arbeit abzulenken oder sie ein wenig unterhaltsamer zu gestalten - was sie natürlich missbilligte, aber er tat am Ende doch, was er wollte. So saß er oft dort, zog eine Linie nach der anderen, notierte Liefermengen, Ausgaben, Namen. Ab und zu hielt er inne, seufzte hörbar und rieb sich die Stirn, als hätte er ein furchtbares Schicksal zu ertragen. So war er, der Barde. Ein wahrer melodramatischer Schauspieler. Die Führung der Familie brachte eben mehr Schreibarbeit mit sich, als ihm lieb war und auch wenn er sie trug, tat er es mit sichtlicher Ungeduld.
Die Tür wurde schließlich aufgestoßen und die Kälte der Abendluft drang herein, zusammen mit dem Geruch von Blut, Leder und feuchter Erde. Nun war es so weit und die Ruhe des Hauses würde verschwinden - ein Umstand, der zumindest Ishmael sehr erfreute. Über die Schwelle trat schließlich Arash, das Gewand staubig und an mehreren Stellen aufgeschlitzt, die Waffen noch blutig hingen an seinem Gurt hinab, als hätte er sich mit einem riesigen Haufen empörter Harpyien auseinandersetzen müssen. Hinter ihm folgte der doch recht korpulente Faizullah, schwer atmend und eine Schulter verbunden, zusammen mit Zhour im Schlepptau, die alles andere als erfreut wirkte.
Aus der Küche konnte Asahi allerdings nur Wortfetzen vernehmen, die gewechselt wurden, eifrige Worte zwischen Zhour und den beiden Männern über die Sicherheit bei solchen Ausflügen. Sie brauchte es auch gar nicht verstehen, um genau zu wissen, wie die Heilerin den Beiden einen Vortrag darüber hielt, wie sie an einem Stück wieder nach Hause kommen sollten.
Eigentlich war es ein Wunder, dass Faizullah überhaupt mit Arash mithalten konnte. Der ehemalige Salzschürfer war ursprünglich ein begnadeter Gold- und Waffenschmied gewesen, ein herausragender Händler, der es nicht nur wusste, mit den Metallen und Salz umzugehen, sondern auch mit Worten. Doch ein Unfall mit Feuer hatte seine Arme und Hände fürchterlich vernarbt, so das feine Dinge mit seinen Fingen einfach nicht mehr möglich waren - ein Umstand, der ihn wohl doch recht belastete, auch wenn Asahi ihm versichert hatte, das die All-Mara für jeden einen Weg hatte und auch aus diesem 'Schlechten' würde Gutes entstehen. So war das eben immer.
Faizullah überspielte diese Sorge um seine Berufung meist geschickt und ließ sich nur allzu gern von den Natifahs mit Gebäck und Mocca bedienen und hatte so entsprechend eben eine gewisse Fülle... eine Fülle, die zwei Plätze am Familientisch einnahm, mindestens! Aber kaum einer war herzlicher als er, kaum einer loyaler zur eigenen Familie. Asahi würde ihm sogar zutrauen, dass er nur Arash begleitete, aus Sorge ihn allein losziehen zu lassen, auch wenn die Anwesenheit von ehemaligen Salzschürfers wohl nichts am Gefahrengrad ändern würde.
Angelockt vom Lärm im Erdgeschoss, hauptsächlich ausgehend von der Diskussion zwischen Arash, Faizullah und Zhour, kamen auch Liyanah und Kelani schließlich aus dem geräumigen Keller des Hauses, dort wo die meisten Handwerksbereiche und die Schlafzimmer lagen. Tuchweberin besah sich die Kleidung der Drei und den Zustand der Waffengurte und schürzt ein wenig die Lippen, während Kelani die ganze Situation eher mit einer gewissen Belustigung begegnete.
»Kelani hilf Zhour mit den Beiden. Die beiden sehen aus, als wären sie von Skarabäen durch den Sand gezogen worden.«
Ishmael hatte sich von Gemeinschaftstisch aufgedrückt, um sich die Situation genauer anzusehen und hatte zumindest Asahis Vermutung nur bestätigt, dass er genau wegen so etwas hier saß und nicht dort, wo er Ruhe hatte. Entsprechend hatte sie sich mit einem eindringlichen Blick im Durchgang zur Küche platziert, Aliza mit besorgtem Blick hinter ihr, um Ishmael bohrend in den Hinterkopf zu starren. Was er noch ignorierte. Kelani kniff die Augen zusammen, wie immer, wenn ihr Oberhaupt ihr etwas vorschreiben oder befehligen wollte, um den kläglichen Versuch zu starten, Autorität über sie auszuüben. Ishmael starrte zurück. Abwartend. Schließlich war es aber Liyanah, die gute Seele, die zusammen mit Zhour und den beiden Männern im Keller verschwand, damit sie sich um die Verletzungen kümmern konnten.
»Essen ist gleich fertig!«
Rief Asahi den Vieren nur hinterher, bis sie wieder Ishmael blickte, der sich noch immer das Starrduell mit Kelani lieferte. Ein kleines Seufzen ging von ihr aus und sie schritt schließlich ein, mit gewohnt sanfter Stimme, vielleicht ein wenig lieblicher noch als sonst. Sie wusste, wie sie ihren Mann dazu bewegen konnte, das zu tun, was sie wollte.
»Wir brauchen den Tisch gleich zum Essen, mein Ranim.«
Mit einem Schmatzen wandte Ishmael sich, wenn auch recht trotzig, von Kelani ab, die nun einfach auch im Keller verschwand und Aliza huschte fürsorglich dem Oberhaupt hinterher, um ihm beim Aufräumen des Tisches zu helfen. Sie war noch kein offiziell fester Teil der Familie, aber jeder hatte sie gern hier und so die Zeit und Zeichen es zulassen würden, da war sich jeder sicher, würde die junge Khaliq bestimmt genau so sehr ein Schakal sein, wie alle anderen Mitglieder auch, denn ein Motto war wichtig, und das war, niemals aufzugeben.
Der große Gemeinschaftsraum war vom warmen Schein mehrerer Öllampen erleuchtet und alles war in einem goldenen bis grünen Ton gehalten. Die Farben der Familie und des Sonnenreiches. Noch war es verdächtig ruhig innerhalb der Mauern des Gebäudes, aber jeder wusste, dass sich das schnell und jederzeit ändern könnte. Asahi stand in der geräumigen Küche am Herd und rührte langsam in einem Topf, aus dem der Duft von Gewürzen aufstieg, sie wusste, dass bald einige hungrige Mäuler nach Hause kommen würden und so war es selbstverständlich, dass das Essen bereit war. Neben ihr sortierte Aliza getrocknete Kräuter und kümmerte sich um den frischen Mocca.
Bei den Ryzan hatte nahezu jedes Familienmitglied seine ganz eigene Vorliebe, wie der Mocca sein musste. So war Aliza über die letzten Mondläufe zu einer sehr zuverlässigen Hilfe und noch viel wichtiger, zu einer Freundin geworden. Sie wusste stets, wie sie helfen konnte und Asahi kannte kaum eine Natifah, die fürsorglicher war als die junge Khaliq. Sie kannte die Umstände ihres Weges nicht, sie wusste nur, dass der Ausschluss aus ihrer alten Familie einen Schatten auf Aliza hinterlassen hatte, der vermutlich sehr viel Licht brauchte, um endgültig vertrieben zu werden und wenn jemand wusste, wie so etwas am besten geschah, dann wohl die Familie der Schakale.
Am großen Tisch hatte Ishmael einige Pergamente ausgebreitet, obwohl man es ihm mehrfach gesagt hatte, dass er sich ein Schreibraum oder einen Arbeitsbereich zulegen sollte, beharrte er darauf, dies im Gemeinschaftssaal zu erledigen. Die Pergamente lagen in unordentlichen Stapeln vor ihm und sein Blick verriet wenig Freude daran. Asahi glaubte, dass die Wahl seines Arbeitsplatzes nur darauf abzielte, sich von der Arbeit abzulenken oder sie ein wenig unterhaltsamer zu gestalten - was sie natürlich missbilligte, aber er tat am Ende doch, was er wollte. So saß er oft dort, zog eine Linie nach der anderen, notierte Liefermengen, Ausgaben, Namen. Ab und zu hielt er inne, seufzte hörbar und rieb sich die Stirn, als hätte er ein furchtbares Schicksal zu ertragen. So war er, der Barde. Ein wahrer melodramatischer Schauspieler. Die Führung der Familie brachte eben mehr Schreibarbeit mit sich, als ihm lieb war und auch wenn er sie trug, tat er es mit sichtlicher Ungeduld.
Die Tür wurde schließlich aufgestoßen und die Kälte der Abendluft drang herein, zusammen mit dem Geruch von Blut, Leder und feuchter Erde. Nun war es so weit und die Ruhe des Hauses würde verschwinden - ein Umstand, der zumindest Ishmael sehr erfreute. Über die Schwelle trat schließlich Arash, das Gewand staubig und an mehreren Stellen aufgeschlitzt, die Waffen noch blutig hingen an seinem Gurt hinab, als hätte er sich mit einem riesigen Haufen empörter Harpyien auseinandersetzen müssen. Hinter ihm folgte der doch recht korpulente Faizullah, schwer atmend und eine Schulter verbunden, zusammen mit Zhour im Schlepptau, die alles andere als erfreut wirkte.
Aus der Küche konnte Asahi allerdings nur Wortfetzen vernehmen, die gewechselt wurden, eifrige Worte zwischen Zhour und den beiden Männern über die Sicherheit bei solchen Ausflügen. Sie brauchte es auch gar nicht verstehen, um genau zu wissen, wie die Heilerin den Beiden einen Vortrag darüber hielt, wie sie an einem Stück wieder nach Hause kommen sollten.
Eigentlich war es ein Wunder, dass Faizullah überhaupt mit Arash mithalten konnte. Der ehemalige Salzschürfer war ursprünglich ein begnadeter Gold- und Waffenschmied gewesen, ein herausragender Händler, der es nicht nur wusste, mit den Metallen und Salz umzugehen, sondern auch mit Worten. Doch ein Unfall mit Feuer hatte seine Arme und Hände fürchterlich vernarbt, so das feine Dinge mit seinen Fingen einfach nicht mehr möglich waren - ein Umstand, der ihn wohl doch recht belastete, auch wenn Asahi ihm versichert hatte, das die All-Mara für jeden einen Weg hatte und auch aus diesem 'Schlechten' würde Gutes entstehen. So war das eben immer.
Faizullah überspielte diese Sorge um seine Berufung meist geschickt und ließ sich nur allzu gern von den Natifahs mit Gebäck und Mocca bedienen und hatte so entsprechend eben eine gewisse Fülle... eine Fülle, die zwei Plätze am Familientisch einnahm, mindestens! Aber kaum einer war herzlicher als er, kaum einer loyaler zur eigenen Familie. Asahi würde ihm sogar zutrauen, dass er nur Arash begleitete, aus Sorge ihn allein losziehen zu lassen, auch wenn die Anwesenheit von ehemaligen Salzschürfers wohl nichts am Gefahrengrad ändern würde.
Angelockt vom Lärm im Erdgeschoss, hauptsächlich ausgehend von der Diskussion zwischen Arash, Faizullah und Zhour, kamen auch Liyanah und Kelani schließlich aus dem geräumigen Keller des Hauses, dort wo die meisten Handwerksbereiche und die Schlafzimmer lagen. Tuchweberin besah sich die Kleidung der Drei und den Zustand der Waffengurte und schürzt ein wenig die Lippen, während Kelani die ganze Situation eher mit einer gewissen Belustigung begegnete.
»Kelani hilf Zhour mit den Beiden. Die beiden sehen aus, als wären sie von Skarabäen durch den Sand gezogen worden.«
Ishmael hatte sich von Gemeinschaftstisch aufgedrückt, um sich die Situation genauer anzusehen und hatte zumindest Asahis Vermutung nur bestätigt, dass er genau wegen so etwas hier saß und nicht dort, wo er Ruhe hatte. Entsprechend hatte sie sich mit einem eindringlichen Blick im Durchgang zur Küche platziert, Aliza mit besorgtem Blick hinter ihr, um Ishmael bohrend in den Hinterkopf zu starren. Was er noch ignorierte. Kelani kniff die Augen zusammen, wie immer, wenn ihr Oberhaupt ihr etwas vorschreiben oder befehligen wollte, um den kläglichen Versuch zu starten, Autorität über sie auszuüben. Ishmael starrte zurück. Abwartend. Schließlich war es aber Liyanah, die gute Seele, die zusammen mit Zhour und den beiden Männern im Keller verschwand, damit sie sich um die Verletzungen kümmern konnten.
»Essen ist gleich fertig!«
Rief Asahi den Vieren nur hinterher, bis sie wieder Ishmael blickte, der sich noch immer das Starrduell mit Kelani lieferte. Ein kleines Seufzen ging von ihr aus und sie schritt schließlich ein, mit gewohnt sanfter Stimme, vielleicht ein wenig lieblicher noch als sonst. Sie wusste, wie sie ihren Mann dazu bewegen konnte, das zu tun, was sie wollte.
»Wir brauchen den Tisch gleich zum Essen, mein Ranim.«
Mit einem Schmatzen wandte Ishmael sich, wenn auch recht trotzig, von Kelani ab, die nun einfach auch im Keller verschwand und Aliza huschte fürsorglich dem Oberhaupt hinterher, um ihm beim Aufräumen des Tisches zu helfen. Sie war noch kein offiziell fester Teil der Familie, aber jeder hatte sie gern hier und so die Zeit und Zeichen es zulassen würden, da war sich jeder sicher, würde die junge Khaliq bestimmt genau so sehr ein Schakal sein, wie alle anderen Mitglieder auch, denn ein Motto war wichtig, und das war, niemals aufzugeben.