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[MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Montag 8. Dezember 2025, 10:13
von Marlan Kabo
Im Namen des Lichtenthaler Regiments…
So schreibe ich, Marlan, heute die ersten Zeilen eines Buches, das nicht mir allein gehört. Zu oft verflüchtigen sich Erinnerungen wie Atem im kalten Morgen, zu oft verblassen Erlebnisse, ehe sie jemand festhält. Und so soll dieses Tagebuch ein Ort sein, an dem all das, was uns begegnet – groß wie klein – seinen Platz findet.

Hier soll niedergeschrieben werden, was wir erleben:
Die Schlachten, die uns fordern.
Die Nächte, die uns stärken.
Die Albernheiten, die uns zum Lachen bringen – und jene Stunden, die uns schweigend zurücklassen.
Ja, selbst der langweilige Wachwechsel im Regen ist ein Teil dessen, was uns ausmacht.

Ich lade jeden ein, der unter unserem Banner steht oder uns begleitet hat, mit Feder und Gedächtnis beizutragen. Wer etwas erlebt, gesehen, gehört hat – ob ruhmreich, traurig, komisch oder schlicht alltäglich – schreibe es hier nieder. So erschaffen wir gemeinsam ein lebendiges Gedächtnis unseres Regiments.

Mögen kommende Generationen darin blättern können und erkennen, wer wir waren – nicht nur in Taten, sondern in Momenten.

Die erste Seite ist geöffnet.
Wer setzt die nächste Zeile?

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Montag 8. Dezember 2025, 12:42
von Marius Marlon
Vom Taugenichts zum Soldaten, oder so

Einst aus Weidenhain geflohen vor den Spielschulden und den Handlangern die seinen Kopf wollten weil er den falschen im Glücksspiel betrogen hat, trieb es ihn nach Gerimor.
Dort fand er etwas, das ihm bisher fremd war.
Endlich etwas besitzend, das es sich zu schützen galt, beschloß er etwas in seinem Leben zu ändern und suchte sich eine ehrliche? Arbeit.
Als Späher und Kundschafter lies er sich im lichtentahler Regiment aufnehmen, suchte das Kloster auf um sich als Überläufer zu melden und wurde irgend wann Bürger von Adoran.
Es stellte sich jedoch schnell raus, das ein Soldatenleben etwas war das ihm so gar nicht schmeckte.
Alles was er wollte war ein Kundschafter zu sein. Das, war es worin er gut war und auch seine Leistungen erbrachte für die Truppe.
Für alle anderen Aufgaben die ein ehrenhafter Soldat so zu erfüllen hatte, bekleckerte er sich nicht sonderlich mit Ruhm.
Würde man ihm ein Zeugnis ausstellen für seine Tätigkeiten, so stünde da wohl: er war stets Bemüht.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Montag 8. Dezember 2025, 18:23
von Fainche Orlaith
Kapitel: Der Fettwebel.

Die Stille im Kastell war schwer wie eine Rüstung, aber für Fainche fühlte sie sich heute Nacht eher an wie ein weiter Mantel, in den man hineinschlüpft, um Unsinn zu treiben. Draußen fiel der Schnee gegen die Festungsmauern, drinnen herrschte die Sorte Ruhe, die förmlich danach schrie, gestört zu werden.

Fainche bewegte sich nicht wie eine Soldatin auf dem Weg zum oder vom Dienst, sondern wie ein Schatten mit einer Mission. Ihre Stiefelsohlen berührten den Boden kaum hörbar, als sie vor Marlans Bürotür zum Stehen kam. Ihr Herz pochte nicht vor Angst, sondern in dem angenehmen, kühlen Rhythmus diebischer Vorfreude.

Sie zog das kleine Lederetui aus ihrem Gürtel. Der Dietrich war kein Werkzeug für einen Einbruch, er war der Schlüssel zur Pointe. Ein Kratzen. Ein Widerstand. Klick. „Türchen öffne dich“, dachte sie amüsiert, als das Schloss mit einem leisen Seufzer nachgab.

Fainche glitt hinein. Der Raum roch nach abgestandener Tinte, Staub und einem penetranten Parfum- oder Räucherwerkgeruch, von dem sie fast hoffte, es wäre eine Altlast und nicht Marlans Geschmack – wobei „Altlast“ eine ziemlich treffende Beschreibung für ihn wäre. „Dann wollen wir mal sehen, wie standhaft du wirklich bist“, flüsterte sie und ein böses, aber vergnügtes Lächeln kräuselte ihre Lippen.

Sie zog das tönerne Gefäß mit dem Hirschfett. Ekliges Zeug, das sie beim Einbau des Tors in Berchgard ergattert hatte, aber für ihren Zweck Gold wert. Zuerst die Tischplatte. Sie kleisterte nicht wild drauf los – das war Maßarbeit. Sie trug den Film nur dort auf, wo die Handballen ruhen, wenn man sich wichtig macht. Ein hauchdünner Belag, der erst durch Körperwärme zur Rutschbahn wird. Dann kniete sie sich unter den massiven Eichenschreibtisch. „Und hier“, dachte sie hämisch, während sie das Fett großzügig auf den dunklen Dielenboden schmotzte, „bekommst du dein eigenes kleines Glatteis. Hals- und Beinbruch.“ Der Stuhl war als Nächstes dran. Mit fast liebevoller Sorgfalt fettete sie die Unterseiten und Kanten der Armlehnen ein. Und weil sie gerade so schön in Fahrt war: Ein winziger Klecks an den Rand des Tintenfasses. Nur ein bisschen. Gerade genug, damit ihm der Deckel aus den Fingern flutscht wie ein nasser Fisch. Der krönende Abschluss für den Abgang: Die Innenseite des Türknaufs. Wenn er tobend rausrennen wollte, würde er im wahrsten Sinne des Wortes nicht die Kurve kriegen. Fainche wischte sich die Hände nur flüchtig an einem Lappen ab, huschte hinaus und setzte den Dietrich erneut an. Präzise drehte sie den Zylinder zurück. Die Tür war verschlossen, unschuldig wie eine Jungfrau. Kein Kratzer, keine Spur.

Ein feines, zufriedenes Grinsen huschte über ihr Gesicht. Sie drehte sich um, bereit, wie ein frecher Geist im Dunkel des Flurs zu verschwinden—


Sie ging die Treppe hinab zum Ausgang, als ihr Stimmen aus dem Vorraum entgegenwehten. „Sie wird ihren Weg in vielerlei Hinsicht finden.“

Verdammt.


Zwei Gestalten im Halbschatten. Cecilia und irgendein Kerl. Fainche zog sich sofort zur schweren Eingangstür des Kastells zurück. Sie öffnete den Riegel lautlos, zog den Flügel einen Spalt heran und schloss sie mit einem Schubser wieder. Fest genug, dass der Riegel schnappte – so, als hätte ein Windzug sie zugedrückt. Und vor allem fest genug, damit man hörte, dass gerade jemand von außen hereingekommen ist, und nicht die Treppe herabkam. Ihr Puls machte einen kleinen Hüpfer. Na schön. Dann eben die dreiste Tour. Sie wartete eine Sekunde, wischte das diabolische Grinsen aus dem Gesicht und ersetzte es durch eine Maske aus Langeweile und Müdigkeit. Dann tappte sie nun ohne jegliche Heimlichkeit in den Vorraum – ganz die entspannte Nachtschwärmerin, die zufällig vorbeikommt.

Remnon drehte sofort den Kopf, reagierte auf das Geräusch. Fainche trat ins Licht der Fackel, die Hände betont lässig in den Taschen vergraben.

„Nabend“, maulte sie trocken, aber mit einem Funken Belustigung in den Augen.

Cecilia fuhr herum, hob die Hand zum Gruß, sichtlich ertappt. Doch bevor das Gespräch wirklich beginnen konnte, erklangen schwere, polternde Schritte über ihnen. Marlan.

Fainche musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut loszulachen. Der Zeitpunkt war grausam perfekt. Remnon drehte sich gänzlich zu ihr um.

„Einen wohlen Abend“, grüßte der Neue höflich.

„Oh...“, machte Fainche nur und blinzelte den Fremden an, als wäre er eine milde Halluzination.

Cecilia neigte sich leise zu ihrem Nebenmann und erklärte rasch, wer vor ihnen stand. Fainche musterte den Neuen abschätzig. „Neuer Kamerad, mhm?“

„So ist es. Mein Name ist Remnon Kormin“, stellte er sich vor. Bei dem Namen klickte es sofort. Die verspielte Laune, die der geglückte Streich hinterlassen hatte, verdampfte augenblicklich und legte den puren Zynismus darunter frei. Ihr Grinsen wurde schief und scharf wie eine Klinge.

„Ja... ich erinnere mich noch“, ätzte sie, ohne den Blick abzuwenden. „Das Arschloch vor Berchgard.“

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Dienstag 9. Dezember 2025, 00:47
von Greya Ontanu
In der Nachtschicht nahm sie sich das Buch mit auf die Zinnen des Osttors und schrieb eine Seite voll, dazu eine kleine Zeichnung von dem was sie dort jede Nacht beobachtete.
Bild
Die Nachteule
Ich bin oft für die Nachtwache eingeteilt – und viele wundern sich darüber. Doch es ist meine eigene Entscheidung, meine Wahl, und jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich an ihr hänge. Die Nacht ist mein vertrauter Gefährte: still, klar, geduldig. In ihren Stunden scheint die Welt langsamer zu atmen, als würde Adoran selbst für einen Augenblick zur Ruhe kommen. Das Flackern der Laternen, die das Schneetreiben in goldenes Licht tauchen, verwandelt die Hauptstadt in ein funkelndes Wintermärchen. Und inmitten dieser Szenerie fühle ich mich auf eine Weise zuhause, wie ich es am Tage nur selten tue.

Neben mir knistert die Kohlepfanne, ein kleiner roter Punkt in der weiten Dunkelheit, während die Stimmen meiner Kameraden leise durcheinanderklingen. Die Gespräche der Nacht haben einen anderen Klang: weniger angespannt, weniger von der Hektik des Tages getrieben. Hier, wenn der Frost die Straßen gläsern macht und der Wind nur flüsternd an den Mauern zerrt, zeigen die Menschen ihr wahres Wesen. Kameraden werden zu Freunden, Fremde zu Verbündeten. Zwischen den Schichten, zwischen Müdigkeit und Pflichtbewusstsein entstehen Bande, die stärker sind als jedes geschriebene Eidwort.

Doch es ist nicht nur die Stille, die mich hier hält. Ich habe ein waches Herz – eines, das sich verantwortlich fühlt. Für die Händler, die tagsüber ihre Stände aufbauen. Für die Kinder, die lachend durch die engen Gassen rennen. Für die alten Frauen, die an Winterabenden Kräuter und Geschichten austauschen. Für all jene, die Adoran zu dem machen, was es ist: eine Stadt voller Leben, Wärme und Hoffnung. Während andere die Dunkelheit fürchten, habe ich früh gelernt, dass sie ein Schutzraum sein kann – wenn nur jemand bereitsteht, über sie zu wachen.

Und irgendwo dort unten, hinter Fenstern, die nun vom Schnee verschleiert werden, schläft "er". Der Gedanke an ihn ist kein Grund für meine Pflicht – aber ein leises, stetiges Licht in mir. Ich liebe unsere gemeinsamen Dienste, die Momente, in denen unsere Schritte sich im Einklang finden. Doch auf eine seltsame Weise schenkt es mir fast noch mehr Frieden zu wissen, dass er ruhen kann, weil ich wache. Weil ich seinen Schlaf, sein Wohl und seinen morgigen Mut mit meiner Wachsamkeit hüte.

Wenn die Stimmen verstummen und nur noch das Knacken der Kohle und das ferne Rascheln des Schnees zu hören ist, hebe ich gern den Blick nach Osten – zur Stadt, zur Stille, zu all jenen, die mein Herz nie loslässt. Für sie stehe ich hier. Für sie bleibe ich wach.

Ich fürchte die Dunkelheit nicht. Ich trete bewusst in sie hinein, begegne den Schatten mit meinem Mut und wache über die Menschen, die mir etwas bedeuten – und über all jene, die jemanden brauchen, den sie nie sehen werden.

Gezeichnet und geschrieben,
Gardist Greya Ontanu
09. Alatner im Jahre 268

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Dienstag 9. Dezember 2025, 14:00
von Marlan Kabo
Kapitel: Der Fettwebel - der Sturz

Marlan hatte endlich Ruhe. Zumindest glaubte er das.

Der Tag war lang gewesen, die Gespräche endlos, und irgendwann war jede Diplomatie nur noch müder Atem. Sein Büro begrüßte ihn mit vertrauter Ordnung – Papiere wie Soldaten in Reihen, Siegel sauber gestapelt. Ein Ort, an dem man dachte, Herr der Lage zu sein.

Er zog den Stuhl heran, ließ sich sinken.
Goldene Platten glitzerten im Schein der Öllampe, dunkelblauer Stahl darunter. Ein Krieger in Rüstung, aber ein erschöpfter.

Er lehnte sich zurück…
und glitt.

Zuerst nur ein winziges Stück. Kaum bemerkbar.
Dann rutschte das Metall der Unterarmschiene über die Armlehne, als wäre sie aus Glas. Seine Hand griff nach dem Tisch, doch die Stelle war schmierig, glatt wie frisch gebuttert.

Was beim—?

Er stemmte die Füße auf den Boden, wollte sich auffangen. Doch auch dort war ein dünner, fast unsichtbarer Film. Seine Stiefel rutschten weg, schabend, suchend.

Ein tiefes Knurren in seinem Hals.
„Ich will mich fangen…“ murmelte er, mehr Befehl als Bitte.

Er versuchte aufzustehen. Ein wackliger Moment der Hoffnung – dann schlug die Realität zurück.

BOING.
Der Stuhl rutschte unter ihm weg.
CLANG.
Marlan landete mit der ganzen Rüstung auf dem Parkett.
Ein Scheppern, laut genug, um Tote zu wecken.

Hirschfett.
Schmierig. Glatt. Geplant.

„Bei Alatars Pantherarsch, was zum Qualgeist?!“, fuhr es aus ihm heraus – laut, beleidigt, voller gepresster Wut. Seine Stimme hallte durch den ganzen Flügel.

Er wollte sich aufrichten, doch die Handfläche glitt erneut weg.
Ein zweiter Sturz, diesmal weniger würdevoll.
Er schnaufte wie ein alter Kriegsgaul.

Stehen? Keine Chance.
Robben war die einzige Option.

Langsam, heroisch-unheroisch gleichzeitig, zerrte er sich vorwärts. Jeder Zug ein metallisches Schaben. Die Platte schmatzte hörbar über den glatten Boden.
Er hinterließ eine glänzende Spur wie eine Schnecke in Gold und Blau.

Wenn ich herausfinde, wer dafür verantwortlich ist…
Ein gefährlicher Gedanke, aber der Türknauf war jetzt nah.

Er griff danach – und rutschte erneut, lief aber weiter wie ein Soldat im Dreck des Schlachtfelds.
Zähne zusammen. Weiter. Immer weiter.

Schließlich erreichte er die Tür.
Und im selben Moment hörte er Stimmen unten. Lachen? Reden? Schritte.

Er setzte an, sich hochzuziehen.
Der Knauf war glitschig.
Natürlich war er das.

Er rutschte zurück, prallte leicht auf die Seite.
Ein langgezogener Fluch folgte, diesmal nur noch ein dumpfes, verzweifeltes Grollen.

Dann robbte Marlan weiter. Nicht elegant. Nicht stolz.
Aber mit der stoischen Würde eines Mannes, der weiß, dass Würde kein Argument gegen Rutschfett ist.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Mittwoch 10. Dezember 2025, 11:23
von Marius Marlon
Ein leises Grummeln in der Nacht des 9. Alatnar

Der Abend des wöchentlichen Apells war mal wieder gekommen.
Für seine Verhältnisse pünktlich begann er sich dafür fertig zu machen mit dem festen Entschluss sich Heute mal von einer besseren Seite zu zeigen.
Am Kastell angekommen reihte er sich ordentlich ein, der Salut und seine Haltung waren fast schon die eines alt gedienten Soldaten. Wenn man ihm auch ansehen konnte das ihm diese Art von Schauspiel gar nicht gefiel.
Dann ging es mit der Truppe zum Übungsplatz da der Feldwebel wohl der Meinung war die Truppe mal ein wenig aus laugen zu wollen.
Seine innere Vorfreude auf den Hindernisskurs hielt er gekonnt im Verborgenen, meldete sich aber als Erster um diesen bewältigen zu dürfen.
Es fiel ihm nicht wirklich schwer und so überwandt er diesen mit Leichtigkeit und in einem zügigen Tempo.
Als der Feldwebel und er dann zu Liv schauten als sie an der Reihe war, nickte er nur sachte auf des Feldwebels Worte und begab sich zu der neuen Rekrutin.
Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und ging Etappe für Etappe, gemeinsam mit ihr durch.
Stets darauf bedacht ihr kleinere Hilfestellungen zu geben, doch nie so viel das es einfach würde.
Viel mehr gab er ihr Tipps wie sie die Hindernisse besser überwinden konnte.
Immer wieder stachelte er sie mit zurufen an um ihren eh schon festen Willen noch weiter zu stärken.
Beim anschließenden Training lies er sich dann von der Korporal die Grundlagen des Schwertkampfes zeigen und übte jene mit Liv zusammen bis, ja bis der Unterricht recht zügig ein Ende fand.
Nach einem Bad und etwas zu essen lag er dann wach und an die Decke starrend im Bett.
Über vieles dachte er nach, bis seine Gedanken an den morgigen Tag der kleinen Geschenke ankamen.
Er richtete sich da nun auf und saß auf der Bettkante und grummelte leise vor sich hin.
Tag der kleinen Geschenke, so ein Quatsch. Braucht kein Mensch.
Ich schenke meiner Liebsten was, wann ich will.

Gesagt getan, stand er auf, machte sich fertig für die kühle Nachtluft und verlies das Haus mit einem kleinen zusammengerafften Päckchen.
Am besagten Haus seiner Liebsten angekommen, sah er sich verstohlen um ob auch ja niemand guckte und steckt sein Päckchen rasch in den Postkasten und eilte rasch wieder Heim.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Sonntag 21. Dezember 2025, 11:23
von Fainche Orlaith
Anatomie einer völlig unnötigen Katastrophe

Da stand er also. Marius Marlon, der große Beschützer der Ordnung, und drosch auf eine wehrlose Strohpuppe ein, als hätte sie ihm sein letztes Bier gestohlen. Ein herrlicher Anblick im fahlen Winterlicht. Ich fragte mich kurz, ob das Stroh sich irgendwann wehren würde, nur um die Sache interessanter zu machen.

„N’abend“, warf ich ihm hin. „Noch nicht genug Bewegung heute gehabt?“

Marius hielt inne. Er drehte sich um, und sein Blick war so ernst, dass man hätte meinen können, er versuche gerade, ein schwieriges Rätsel der grundlegenden Mathematik zu lösen – oder eine Fliege mit den Augenbrauen zu zerquetschen.

„Bei weitem nicht genug“, brummte er.

Er kam näher. Schritt für Schritt. Es war dieser langsame, dramatische Gang, den Männer immer dann gerne wählen, wenn sie glauben, besonders bedrohlich zu wirken. Ich fragte mich, ob er gleich anfangen würde zu monologisieren. Stattdessen kam eine Frage, die alles in mir augenblicklich gefrieren ließ.

„Sag mal, du hast nicht zufällig Besuch gehabt von meiner Stute?“

Pferd. Das Wort allein reichte aus, um den Puls in meinem Hals wie eine kleine Trommel schlagen zu lassen. Meine Finger zuckten. In meinem Kopf sah ich für einen Moment nur Hufe und hörte das unberechenbare Schnauben dieser Monster.

„Öh... vor ein paar Tagen war so ein verrücktes Vieh vor meiner Tür“, antwortete ich und versuchte, so gleichgültig zu klingen wie ein Stein. „Hat fast das Holz kaputt getreten. Ob’s eine Stute war – keine Ahnung.“
„Und was hast du da gemacht?“, bohrte er nach. Seine Hand umklammerte den Schwertknauf. Oh, wie dramatisch.
„Das Vieh hat angegriffen! Ich hab’s verscheucht.“
„Mit der Armbrust, nehme ich an?“
„Aye“, sagte ich. „Die war griffbereit.“

In diesem Moment passierte es. Marius vergaß seine guten Manieren – falls er jemals welche hatte – und ließ sein Holzschwert fallen. Bevor ich „Mistkerl“ sagen konnte, packte er mich am Kragen und hob mich einfach vom Boden hoch. Grober Fehler. Ich mag es nicht, angefasst zu werden. Und ich mag es erst recht nicht, wenn man mich wie ein ungezogenes Kind hochhebt.
Mein Körper schaltete um. Überleben. Kämpfen. Ich schlug ihm grob gegen die Armbeugen – danke für die Einladung, die Gelenke lagen geradezu perfekt. Er ließ mich los, versuchte aber nachzutreten. Ich wich zurück, aber nicht weit genug. Sein Stiefel traf mich irgendwo im Bauchraum. Nichts, was ein guter Fluch nicht beheben könnte, aber er setzte nach. Er packte mich wieder und drückte mich gegen die Tür. Sein Gesicht war voller Zorn. Mein Gesicht war vermutlich einfach nur voller Hass.
Ich riss das Bein hoch. Wenn ein Mann dich gegen eine Tür drückt, bietet er dir ein sehr spezifisches Ziel an, und ich wäre eine wirklich schlechte Kämpferin, wenn ich diese Gelegenheit ungenutzt ließe. Volltreffer. Zwischen seine Beine. Marius sackte ein, als hätte man ihm die Knochen aus dem Leib gezogen. Ich setzte nach. Ein Schlag mit dem Handrücken der geballten Hand gegen seinen Schädel, nur um sicherzugehen, dass er die Sterne auch wirklich deutlich sieht. Er taumelte zurück, keuchend, die Hände an den „Juwelen“.

„Was soll der Mist?!“, herrschte ich ihn an, während ich auf ihn zusprang.

Wir wurden zu einem Knäuel aus Gliedmaßen und schlechter Laune. Ich versuchte, ihm ins Gesicht zu boxen, er zog mich an sich heran, mein Ellbogen traf seine Magengrube. Dann knallten unsere Stirnen zusammen. Klong. Für einen Moment war die Welt ein sehr bunter, sehr verschwommener Ort voller Sterne. Er kippte unsanft auf den Hosenboden. Ich stolperte hinterher, plumpste halb auf ihn. Er schlug blind nach mir, traf meine Schulter. Ich knurrte. Ich schlug ihm auf die Unterlippe. Sie platzte auf. Das Blut sah im Schnee fast schon hübsch aus.

Und genau in diesem glorreichen Moment der Kameradschaft riss Cecilia die Tür auf.

„SCHLUSS!“, brüllte sie mit einer ungewohnt lauten Stimme, die das Potential hatte, vermutlich noch in Berchgard die Fenster zum Klirren zu bringen.

Ich wollte gerade noch mal ausholen, als mir plötzlich etwas in die Nase stieg. Scharf. Beißend. Pfeffer. Diese kleine menekanische Hexe von einem Lehrling hatte uns tatsächlich mit Gewürzen beworfen. Ich nieste. Ich hustete. Ich fluchte. Der Kampfgeist war weg, ersetzt durch das dringende Bedürfnis, mir die Augäpfel aus dem Kopf zu kratzen.

„Rekrut Orlaith! Schluss!“, krächzte Cecilia, jetzt wieder in ihrer typischen Lautstärke.

Marlan tauchte im Schatten auf. Natürlich. Der Feldwebel höchstpersönlich durfte nicht fehlen. Ich versuchte zu türmen – Flucht ist immer eine gute Option, aber Marlan holte mich mit einem Fußfeger von den Beinen. Danke dafür. Da lag ich also. Bäuchlings auf abgetretenen Steinboden, schniefend, blutend und von allen Seiten mit „guten Ratschlägen“ und Befehlen bombardiert.

„Beide ins Lazarett“, befahl Cecilia.

Ich sah zu Marius, der wie ein Häufchen Elend da saß. Er sah furchtbar aus. Ich vermutlich auch. Aber während er sich wie ein braver Soldat abführen ließ, wollte ich eigentlich nur zurück in meine zugige Zuflucht, mich in alte Erinnerungen wickeln und so tun, als wäre dieser ganze verdammte Tag nie passiert.

Stattdessen durfte ich mich von Cecilia als „Schande für die Kameradschaft“ bezeichnen lassen.

Was für ein herrlicher Wintertag.
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Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Sonntag 21. Dezember 2025, 16:13
von Fainche Orlaith
Anatomie einer völlig unnötigen Katastrophe 2

Die Luft im Büro des Feldwebels roch nach Papier, Schweiß und der süßlichen Note von Lebkuchen – eine Kombination, die mir augenblicklich Übelkeit bereitete. Mein Schädel brummte. Der Cut über meiner Braue pulsierte im Rhythmus meines Herzschlags, und jedes Mal, wenn ich versuchte, die Stirn zu runzeln, schoss ein stechender Schmerz durch mein Gesicht. Ich vergrub die Hände tief in den Manteltaschen. Krone und Reich zur Ehr. Was für ein Schwachsinn. Wenn ich nicht im Dienst war, war ich Fainche, nicht Rekrut Orlaith. Aber Cecilia und Kabo sahen das natürlich anders.

„Rekrut Orlaith, Eure Begrüßung!“, zischte Cecilia hinter mir.

Ich spürte ihren Blick im Nacken, fordernd und unnachgiebig. Ich starrte Kabo an, der genüsslich an seinem Lebkuchen kaute. Am liebsten hätte ich ihm das Ding aus der Hand geschlagen. Dann spürte ich den Klaps auf den Hinterkopf. Mein Kopf ruckte vor, es tat zwar nicht weh, aber es nervte. Wut kochte in mir hoch – diese herablassende Art, mich wie ein ungezogenes Kind zu behandeln, fraß mich auf.

„Krone und Reich zur Ehr, Herr Feldwebel“, presste ich durch die Zähne. Die Worte schmeckten wie Asche.

Dann kam die Sprache auf gestern. Marius, dieser Idiot, übernahm tatsächlich die Verantwortung. „Sie hat mein Pferd verletzt“, sagte er. In diesem Moment zog sich mein Magen zusammen. Nicht wegen Marius. Wegen dem Vieh. Die Erinnerung an die stampfenden Hufe und das unberechenbare Schnauben vor meiner Tür flackerte kurz auf. Panik, kalt und klebrig, stieg in mir hoch, aber ich schluckte sie runter. Lieber hielten sie mich für ein bösartiges Miststück, das unschuldige Gäule traktierte, als für ein verängstigtes Mädchen.

„Es hatte da nichts zu suchen. Ich habe mich erschrocken“, fauchte ich, mehr um meine eigene Unsicherheit zu übertönen als um mich zu rechtfertigen.

Kabos Urteil war wie ein Schlag in die Magengrube: Ställe ausmisten. Gemeinsam.

Ich warf Marius einen Seitenblick zu. Sein Gesicht war deutlich demolierter als meines, seine Lippe dick und blau, die Wange verschorft und ebenso bunt. Ein Teil von mir wollte ihm direkt wieder eine verpassen, aber ein anderer Teil – der Teil, der immer nach einem Ausweg suchte – fing bereits an zu arbeiten und ein Schlupfloch zu suchen.

Als wir endlich rausgingen und Cecilia mit ihren wackeligen Knien zurückblieb, spürte ich Marius’ Blick. Er bot mir die Hand an. Ein Friedensangebot? Oder eine Falle?

„Ich hau dir für gestern nicht weiter aufs Maul“, sagte ich und schlug ein. Seine Hand war rauh, der Griff fest.

Vielleicht war er ein Idiot, aber er war ein Idiot, der wusste, wie man Regeln biegt. Wenn ich schon in diesen verdammten Stall musste, dann wenigstens mit jemandem, der genauso wenig Lust auf ehrliche Arbeit hatte wie ich.

Stallburschen bestechen. Ja, das klang nach einem Plan.

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Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Montag 22. Dezember 2025, 12:40
von Fainche Orlaith
Anatomie einer völlig unnötigen Katastrophe 3

Der nächste Morgen graute in einem trüben, feuchtkalten Grau, das perfekt zur Stimmung im Stalltrakt passte. Der Geruch von nassem Stroh, Pferdemist und der kalten Ausdünstung der Tiere hing schwer in der Luft. Fainche und Marius sahen aus wie wandelnde Kriegerdenkmäler. Ihre Gesichter waren eine Landkarte aus frischen Blutergüssen und Schwellungen, die im fahlen Licht der Stalllaternen in prächtigen Blau- und Gelbtönen leuchteten. Passend zu den Regimentsfarben. Marius’ Lippe war noch immer dick, und der Cut über Fainches Braue spannte bei jeder Bewegung.

Sie waren seit einer Stunde wach und hatten bereits den ersten Teil ihrer Strafe hinter sich: Die Latrinen der Mannschaftsunterkünfte. Jetzt waren die Ställe dran. Kabo hatte offenbar sichergestellt, dass kein Stallbursche weit und breit zu sehen war, den man hätte bestechen können.

„Beweg deinen Hintern, Nervsack", knurrte Fainche und rammte den Stiel ihrer Schaufel unsanft in Marius’ Seite, als sie an ihm vorbeiging. Sie hielt demonstrativ Abstand zu den Boxentüren, aus denen das warme Schnauben der Pferde drang. Ihre Schultern waren bis zum Zerreißen angespannt.

Marius, der gerade eine Schubkarre voller dampfendem Mist balancierte, grunzte auf und ließ die Karre absichtlich ins Wanken geraten, sodass eine Ladung Dreck nur Zentimeter an Fainches Stiefel vorbeischwappte.

„Vorsicht, Hühnchen. Nicht, dass du vor Schreck in Ohnmacht fällst, nur weil ein Gaul atmet“, gab er zuckersüß zurück, wobei das Schmunzeln auf seiner geschwollenen Lippe wie eine schmerzhafte Grimasse wirkte.

„Halt die Fresse, Marlon“, zischte sie. Als sie sich bückte, um einen Ballen Stroh anzuheben, nutzte Marius die Gelegenheit. Mit einer beiläufigen Bewegung seines Fußes hakte er ihren Knöchel ein.

Fainche stolperte, verlor das Gleichgewicht und landete auf Händen und Knien im dreckigen Gang, nur knapp mit dem Gesicht vor einem frischen Pferdeapfel. Marius lachte ein kehliges, gemeines Lachen. „Hoppla. Der Boden ist uneben.“

Fainche rappelte sich blitzschnell auf. Die Angst vor den Pferden um sie herum wandelte sich in pure Wut. Sie packte eine Handvoll Stroh – vermischt mit undefinierbarem Dreck – und warf es ihm direkt ins Gesicht.

„Du elender—!“

Er spuckte Stroh aus und machte einen Schritt auf sie zu, die Hände zu Fäusten geballt. Sie ließ die Schaufel fallen und packte ihn am Kragen seines Wappenrocks, bereit, ihm das Knie in den Magen zu rammen. Er packte ihre Unterarme, um sie wegzudrücken. Sie waren ein Knäuel aus angespanntem Muskeln, Schmerz und gegenseitiger Abneigung, nur einen Wimpernschlag von der nächsten Schlägerei entfernt.

Klonk. Klonk. Klonk.

Das Geräusch schwerer, polierter Stiefel auf dem Steinboden des Eingangsbereichs hallte durch den Stallgang.
Die Zeit schien für eine Sekunde stillzustehen. Marius und Fainche froren in ihrer aggressiven Umklammerung ein, die Augen weit aufgerissen. Sie ahnten sofort wer da auf sie zukam. In einer Bewegung, die so synchron war, als hätten sie sie wochenlang einstudiert, ließen sie voneinander ab. Marius strich sich den Wappenrock glatt, Fainche griff nach der gefallenen Schaufel.
Als Feldwebel Marlan Kabo um die Ecke bog, bot sich ihm ein Bild vollkommener militärischer Harmonie. Marius stand kerzengerade neben der Schubkarre, eine Hand am Holm, die andere zum perfekten Salut erhoben. Fainche stand zwei Schritt entfernt, die Schaufel auf der Schulter abgelegt, den Blick starr geradeaus gerichtet, ebenfalls salutierend. Nur ihr schwerer Atem und die Tatsache, dass Marius ein Stück Stroh im Haar hatte und Fainches Knie dreckig waren, zeugten von den vorangegangenen Sekunden.

„Herr Feldwebel!“, meldete Marius mit einer Stimme, die so glatt war wie frisch gebohnertes Parkett. „Stallgasse zur Hälfte gereinigt. Wir kommen zügig voran.“

Fainche nickte pflichtbewusst, ohne den Blick zu rühren. „Die Zusammenarbeit verläuft reibungslos und effizient, Herr Feldwebel.“

Kabo blieb stehen. Er musterte die beiden langsam, von den dreckigen Stiefeln bis zu den verbeulten Gesichtern. Sein Blick blieb an dem Strohhalm in Marius’ Haar hängen. Er zog eine Augenbraue hoch. Die Stille im Stall war ohrenbetäubend, nur unterbrochen von einem Pferd, das genüsslich Heu kaute. Der Feldwebel sagte nichts. Er schnaubte nur leise, ein Geräusch, das tiefe Skepsis und Müdigkeit ausdrückte. Dann nickte er knapp in Richtung der noch mistigen Boxen.

„Weitermachen“, brummte er und drehte sich auf dem Absatz um.

Kaum war das Geräusch seiner Schritte verklungen, sanken beide gleichzeitig in sich zusammen. Marius zog das Stroh aus seinem Haar und warf es Fainche vor die Füße.

„Das“, flüsterte er giftig, „kriegst du zurück.“

Fainche drohte ihm nur mit der Faust, und begann mit übertriebenem Eifer, Mist zu schaufeln.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Dienstag 23. Dezember 2025, 12:43
von Fainche Orlaith
Anatomie einer völlig unnötigen Katastrophe 4

Die Luft in den Quartieren der Gardisten war erfüllt vom scharfen, beißenden Geruch der Seifenlauge, die in den Fugen des Dielenbodens schäumte. Es war eine stumpfsinnige Arbeit, die Knie brannten vom harten Holz, und der Rücken schmerzte. Fainche schrubbte mit verbissener Regelmäßigkeit, während Marius ein paar Schritt weiter mit einem nassen Lappen lustlos über die schweren Eichenbänke fuhr.

„Du bewegst dich wie eine Greisin, Orlaith“, stichelte Marius, ohne sie anzusehen. Ein schiefes Grinsen zuckte um seine geschwollene Lippe. „Vielleicht sollte ich dir eine Gehhilfe besorgen, damit du beim Wischen nicht umkippst.“

Fainche antwortete nicht sofort. Sie tunkte die Bürste tief in den Eimer mit der hochkonzentrierten Lauge. „Spar dir den Atem, Marlon. Du wirst ihn brauchen.“

Mit einer fließenden, fast beiläufigen Bewegung kippte sie den Eimer. Ein Schwall glitschiger, weißer Seifenlauge ergoss sich über die Dielen, genau dorthin, wo Marius gerade einen Schritt machen wollte. Es passierte in Sekundenbruchteilen. Marius’ Stiefel fanden auf dem seifigen Film keinerlei Halt. Mit einem unterdrückten Fluch und wild rudernden Armen versuchte er, das Gleichgewicht zu halten, doch die Schwerkraft war unerbittlich. Mit einem nassen Klatschen schlug er der Länge nach auf dem Boden auf. Fainche hielt inne, die Bürste noch in der Hand, und betrachtete den durchnässten Soldaten mit einem Ausdruck gespielten Bedauerns. „Hoppla“, sagte sie und ihre Stimme troff vor falschem Mitgefühl. „Pass bloß auf, Marius. Der Boden hier ist wohl… ziemlich uneben, nicht wahr?“

Marius stieß ein wütendes Knurren aus. Er rappelte sich mühsam hoch, die nasse Kleidung klebte schwer an seinem Körper. Bevor Fainche zurückweichen konnte, schoss er nach vorne. Er ignorierte die Rutschgefahr, packte sie an der Taille und riss sie mit sich. Sie landeten beide im Schaum. Marius rollte sich blitzschnell herum und nahm sie in einen festen Schwitzkasten, den Arm um ihren Hals gepresst.

„Das kriegst du zurück, du kleine Landplage!“, zischte er ihr ins Ohr.

Fainche wandte sich, krallte ihre Finger in seinen nassen Ärmel und versuchte, ihm den Ellenbogen in die Rippen zu rammen. Ihr Atem ging stoßweise. Das Adrenalin kochte hoch, und für einen Moment war da nur der Drang, den Streit endgültig mit den Fäusten zu klären. Doch mitten in der Bewegung erstarrten beide. Das Wissen um das Prügelverbot saß ihnen wie ein unsichtbares Halsband im Nacken. Eine weitere Schlägerei konnten sie sich nicht leisten. Plötzlich hallten Stimmen und das Poltern schwerer Stiefel aus dem Flur wider. Kameraden näherten sich dem Quartier, das Gelächter von einigen Männern schwoll an.

Die Verwandlung war instinktiv.

Marius lockerte den Griff um ihren Hals nicht, aber er verschob seinen Arm. Aus dem Schwitzkasten wurde eine grobe, fast schon herzliche Umklammerung. Er drückte sie an sich und klopfte ihr mit der freien Hand so fest auf die Schulter, dass es fast wie ein Schlag wirkte. Fainche wiederum zwang sich, das Knirschen ihrer Zähne in ein verzerrtes Lachen zu verwandeln, und legte ihren Arm um seine klatschnasse Taille. Als die Gardisten miteinander diskutierend in den Flur traten, bot sich ihnen ein Bild tiefer Verbundenheit.

„Na, seht euch das an!“, rief einer der Männer und schlug sich auf den Schenkel. „Gestern noch die Schädel eingeschlagen und heute liegen sie sich in den Armen!“
„Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, Kamerad!“, rief Marius zurück. Seine Stimme klang fast überzeugend fröhlich, auch wenn seine Augen noch immer vor unterdrücktem Zorn funkelten. „Orlaith ist nur ausgerutscht, und ich musste sie wohl oder übel auffangen, damit sie sich nicht das hübsche Näschen bricht!“
Fainche boxte ihm freundschaftlich – aber mit viel zu viel Kraft – gegen die Brust. „Er ist eben ein wahrer Kavalier, unser Marlon! Auch wenn er selbst so standfest ist wie ein neugeborenes Kalb!“
Bild
Die Kameraden lachten, warfen ein paar derbe Sprüche hinterher und zogen weiter Richtung Küche. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, rissen sich die beiden voneinander los, als hätten sie den jeweils anderen mit glühendem Eisen berührt. Sie sprangen auf und hielten sicherheitshalber zwei Schritt Abstand.

„Fass mich nie wieder so an“, zischte Fainche und wischte sich den Schaum vom Ärmel.
„Mit Vergnügen“, gab Marius zurück und rang sein nasses Hemd aus. Er sah sie kurz an, und trotz des Ärgers blitzte ein winziger Funke Respekt in seinen Augen auf. „Aber die Nummer mit der 'unebenen Stelle'… die war gar nicht so schlecht, Orlaith.“
Fainche schnaubte und griff wieder nach ihrer Bürste. „Ich weiß. Jetzt putz weiter, Nervsack. Wir sind noch lange nicht fertig.“

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Dienstag 23. Dezember 2025, 15:34
von Marius Marlon
Da standen sie nun die Beiden, in von Seifenlauge durchnässten Klamotten.
In fast schon innig wirkender Umarmung um den Schein der Kamerade gegenüber zu wahren.
Und als die Kameraden dann endlich genug gelacht hatten und wieder zurück an ihrer Arbeit gegangen waren löste man sich so rasch wieder, wie man sich umarmt hatte um das Schauspiel aufrecht zu halten.
Mit beiden Händen strich sich Marius über die seifigen Klamotten um eine ordentliche Ladung des Schaums damit auf zu nehmen und flitschte in einer schnellen schüttelbewegung diesen in Richtung Fainche.
Na toll, jetzt können wir unsere Klamotten auch noch reinigen.
Und mit diesen Worten begann er dann auch schon ungeniert seinen Oberkörper frei zu machen um die durchnässten Klamotten aus zu wringen.
Das Fainche noch neben ihm stand schien ihn dabei nicht zu stören und so legte er die ausgewrungene Kleidung über seinen Arm und ging in den Waschraum.
Seine Hose hielt er jedoch an, ob aus Scham, oder um die gute Fainche nicht zu schockieren bleibt offen.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Sonntag 28. Dezember 2025, 13:35
von Marius Marlon
Wenn die Vergangenheit die Gegenwart einholt

Seid einer Woche nun war schlafen zu einem Luxusgut geworden.
Kaum lag er im Bett drehte er sich ewigkeiten von Links nach Rechts bis er dann endlich mal eingeschlafen war.
Und kaum war er es, wachte er nach kurzer Zeit auch schon von Alpträumen geplagt, nass geschwitzt wieder auf.
Zwar nutzte er mittlerweile Hilfsmittel zum einschlafen die Cecilia ihm gab, doch so wirklich erholsam war der Schlaf damit auch nicht.
Und so kämpfte er Tagsüber nicht nur gegen die alten Erinnerungen und Ängste die sich immer wieder in seinen Kopf schlichen, sondern auch mit Motorischen Problemen wie unkontrolliertes zittern der Hände.
Er versuchte zwar irgend wie all dies zu unterdrücken und sich nichts anmerken zu lassen, doch gelegentlich viel ihm das sehr schwer und so war es kein Wunder das die liebevolle Glucke Cecilia die ihr Augenmerk stets mehr auf andere als auf ihr eigenes leibliche Wohl hat, diese ersten Zeichen erkannte.
Der gestrige Abend jedoch war zum Glück anders. Er hatte eine wundervolle Ablenkung auf die er sich konzentrieren konnte.
Sonne, Strand und warmes Wasser gepaart mit seiner Liebsten sorgten dafür das er mehrere Stunden keine Ängste und hässlichen Bilder im Kopf hatte.
Doch laum war die Nacht angebrochen und er wieder mit seinen Gedanken alleine, wurde er von eben jenen Dingen heim gesucht.
Ein Spaziergang in der klaren und kalten Nacht schien eine gute Idee zu sein.
Und so zog er aus bis Kronwalden um dort auf den Wachturm zu klettern und von dort oben aus die Sterne zu betrachten.
Erst als die Sonne wieder auf ging und er fast schon im stehen vor Erschöpfung einschlief, machte er sich wieder auf den Heimweg.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Mittwoch 31. Dezember 2025, 23:57
von Marlan Kabo
Die Stunde der Ehre

Das Jahr neigte sich seinem Ende entgegen. Die Stadt lag unter einem bleiernen Winterhimmel, und eisige Kälte legte sich wie ein stilles Versprechen auf die Straßen Adorans. Kurz bevor das Läuten der Glocken den Jahreswechsel verkünden sollte, durchbrach vermehrtes Pferdegetrappel die nächtliche Ruhe.

Dem erfahrenen Ohr offenbarte der gleichmäßige, disziplinierte Rhythmus der Hufe sofort die Wahrheit:
Eine berittene Einheit des Regiments war im Anmarsch.

In glänzenden Rüstungen, aus denen kalte Atemwolken stiegen, ritten die Soldaten durch die Straßen Adorans. Fackellicht spiegelte sich auf poliertem Stahl, und trotz der Dunkelheit war ihre Haltung makellos. Angeführt wurde der Trupp von einem Goldrock – ein ungewohnter Anblick zu dieser Stunde, zu dieser Zeit. Doch gerade das machte die Bedeutung ihres Erscheinens unmissverständlich.

Ihr Ziel war eindeutig:
das Adelsviertel.

Kurz vor dem ersten Schlag der Kirchenglocken trafen sie dort ein. Zeitgleich hatten sich die Fußsoldaten des Viertels vor dem Palast formiert. Kein Befehl war zu hören, kein Ruf nötig – Disziplin und Pflichtbewusstsein genügten.

Mit dem Erreichen der Stunde Null richteten sich alle Soldaten einheitlich zum Palast aus. Wie aus einem Willen erhoben sie ihre Arme zum Salut. Die Glockenschläge setzten ein, getragen über Dächer und Plätze hinweg. Wer keine Stangenwaffe trug, schlug die Faust fest auf das Herz.

Dieses Bild wiederholte sich an allen Wachtposten und Kastellen der Stadt:
Ein stilles, machtvolles Zeichen von Ehre und Treue.

So lautlos, wie sie gekommen waren, zogen die Reiter sich wieder zurück. Kein Jubel, kein Wort – nur Pflicht, erfüllt mit Würde.

An den Wachen jedoch blieb die Wirkung nicht aus. Die Wachhabenden gaben eine zusätzliche Portion Regimentsbräu aus, zur Freude aller Soldaten im Dienst. Ein seltenes Geschenk in kalter Nacht, ein Zeichen der Anerkennung.

Und so begann ein neues Jahr.
Ein Jahr voller Ehre, Treue und Ergebenheit –
dem König, dem Herzog und den Bürgern verpflichtet, die es zu schützen galt.

Nachdem alles geregelt und jeder versorgt war, verließ der goldgemantelte Soldat die Stadt und verschwand in der Nacht.
Seine Pflicht für diese Stunde war erfüllt.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Montag 5. Januar 2026, 21:36
von Fainche Orlaith
Anatomie einer völlig unnötigen Katastrophe 5

Wir sind eine Woche im Dreck, und Marlon und ich sind ein eingespieltes Team: Er schaufelt, ich beleidige seine Vorfahren. Zwischendurch halten wir uns vor Augen, dass dies eine ehrenvolle Aufgabe für angehende Gardisten ist. Marlon bleibt zwar ein arroganter Pfosten, ist aber zumindest produktiv.

Heute Abend bewies sich jedoch einmal mehr, dass Pferde die hinterhältigsten Kreaturen überhaupt sind. Eines dieser braunen Monster riss sich vom Pfosten los und dieser wandelnde Fleischberg stand plötzlich direkt hinter mir.

Ich war nicht "vor Angst erstarrt", wie Marlon es zweifellos behaupten wird. Ich legte lediglich eine… taktische Pause ein, um die Flugbahn der Hufe zu berechnen. Dass ich dabei vergaß zu atmen und kreidebleich wurde, waren rein meteorologisch bedingte Begleiterscheinungen.

Marlon mimte natürlich sofort den Retter in der Not. Bevor ich dem Vieh zeigen konnte, wer hier das Sagen hat (oder ich schreiend im Heu kollabiert wäre), packte er mich am Kragen und beförderte mich wie einen Sack Mehl aus dem Stall. Draußen zeigte er dann tatsächlich so etwas wie menschliches Mitgefühl. Er redete in diesem tiefen, beruhigenden Ton auf mich ein, den man sonst nur für betrunkene Rekruten, scheue Tiere, oder einer Kombination daraus verwendet. Es war nervtötend, nicht ganz unzutreffend, aber effektiv. Mein Herzschlag sank schließlich wieder unter die Marke „kurz vor der Explosion“.

Als ich wieder klar sehen konnte, waren wir uns zum ersten Mal in unserer glorreichen gemeinsamen Karriere einig: Diese Scheiße muss aufhören.

Zum Glück kennt Marlon ein paar Gestalten aus den weniger schönen Ecken der Stadt – Straßenjungs, die für ein paar Münzen wahrscheinlich sogar einen Drachen striegeln würden. Wenn der Stallbursche verschwindet, damit wir ihn nicht bestechen müssen, übernehmen diese kleinen Ratten unsere Arbeit. Wir zahlen ihnen einen verlockenden Lohn, sie schaufeln die Scheiße, und wir können draußen sitzen und so tun, als würden wir uns heldenhaft für das Regiment aufopfern.

Ein brillanter Plan. Es kostet mich zwar meinen Sold für die nächsten zwei Wochen, aber das ist ein geringer Preis dafür, diesen sabbernden Ungeheuern nicht mehr näher kommen zu müssen als unbedingt nötig.

Marlon ist fast nützlich, wenn er nicht gerade versucht, klug zu wirken. Fast.

Re: [MMT]Unter Kameraden

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2026, 21:53
von Marius Marlon
Die Nacht hatte Adoran in ein tiefes, blaues Schweigen gehüllt. Zwischen den hohen Häusern lagen Schatten wie ruhende Tiere, und nur vereinzelt brannten noch Lichter hinter schweren Fensterläden. Marius ging seinen gewohnten Weg durch die Straßen, Schritt für Schritt, die Hand am Speer, den Blick wachsam. Das Pflaster war kühl unter seinen Stiefeln, und jeder Laut trug weit in der stillen Luft.

Doch so aufmerksam er auch wirkte, seine Gedanken waren fern. Sie wanderten dorthin, wo Greya jetzt sein mochte. Vielleicht saß sie am kleinen Tisch in ihrer Kammer, das Haar offen über die Schultern fallend, ein Buch in den Händen, das sie mehr hielt, als sie wirklich las. Vielleicht blickte sie gerade aus dem Fenster und dachte – so hoffte er – an ihn.

Ein leises Seufzen entwich ihm, kaum hörbar. Greya fehlte ihm mit einer Intensität, die ihn selbst überraschte. Ihre Stimme, warm und ruhig, fehlte ihm mehr als jedes Feuer in dieser kalten Nacht. Er erinnerte sich an ihr Lächeln, das ihm immer das Gefühl gab, angekommen zu sein, selbst nach den härtesten Tagen. An die Art, wie sie seinen Namen sagte, als wäre er etwas Kostbares.

Am Brunnen auf dem Marktplatz blieb Marius kurz stehen. Das Wasser spiegelte den Mond, und für einen Moment stellte er sich vor, Greya stünde neben ihm, ihre Finger leicht um seinen Arm gelegt. Er hätte ihr von der Stille erzählt, von den schlafenden Gassen und davon, wie sehr ihm diese Nächte leichter fielen, wenn sie bei ihm war – auch wenn nur in Gedanken.

Ein fernes Geräusch riss ihn zurück in die Wirklichkeit. Er richtete sich auf, die Pflicht forderte ihre Aufmerksamkeit. Adoran vertraute auf ihn, auf seine Wachsamkeit. Und doch wusste Marius, dass es Greya war, die ihn trug, die ihm Kraft gab, selbst jetzt, da sie nicht bei ihm war.

Als er seinen Rundgang fortsetzte, ließ er die Sehnsucht zu, statt sie zu verdrängen. Sie war wie ein stilles Versprechen: Diese Nacht würde enden. Und mit dem Morgen würde er zu ihr zurückkehren. Bis dahin ging Marius weiter durch das schlafende Adoran, ein Wächter der Stadt – und ein Mann, dessen Herz fest bei seiner Liebsten lag.