Ein Brief für Sir von Alsted
Verfasst: Sonntag 23. November 2025, 11:32
wird von Aaryon auf der Kommode im Zugangsbereich zum Keller des Hauses Tiefenberg hinterlegt. Neben der sehr schmucklos, aber sauber geschriebenen Adressierung, für wen der versiegelte Brief gedacht ist, ist eben jenes Siegel aber sehr sorgfältig ins grüne Wachs gedrückt.
Gegeben am 23. Rabenmond 268
von eigener Hand
Anwesen von Hohenfels, Adelsviertel Adoran

Hochedler zu Lichtenthal

von eigener Hand
Anwesen von Hohenfels, Adelsviertel Adoran
- Die Streitbare mit Euch, Euer Erlaucht, Sir von Alsted!
Ich möchte vor Euer Auge etwas persönlichere Kunde bringen, was den neulichen Vorfall mit den zwei Letharen betrifft, denen mein Leibwächter Valentin und ich in die Hände, beziehungsweise vor die Klinge gerieten. Unwissend, was Ihr von seiner Hochwohlgeboren von Tilianas und Fräulein Ontanu bereits erfahren habt, möchte ich den Einsatz von Herrn Toroyan hervorheben: Er riskierte wortwörtlich sein Leben in dem Bemühen, mir Zeit zur Flucht mittels eines magischen Teleportes zum Konvent verschaffen zu wollen.
Nun ist davon auszugehen, dass dies eine Aufgabe ist, der sich jeder Leibwächter wissend um die Gefahr bereitwillig aussetzt. Allerdings fällt es in den Bereich einer Zumutung, dies ungerüstet und mit nicht parater Waffe zu tun.
Hier läge der einzige Fehler, den man Herrn Toroyan anlasten müsste: Während der Kutschfahrt von Adoran nach Varuna und bei ähnlichen Gelegenheiten pflegt er stets Wehr und Waffen anzulegen - dieses eine schicksalhafte Mal tat er es nicht, aus dem nur allzu menschlichen Fehler, dass wir uns während der Reise zu angeregt unterhielten. Ein Fehler, den ich auch vollumfänglich auf meine Schultern nähme.
Sei es, wie es sei:
Ich befahl Valentin nicht, sich zum Zwecke meiner Flucht den Letharen entgegen zu werfen - er gab mir jene Worte als Signal, die in privater Absprache zwischen uns den Befehl bedeuten, sein Wohl missachtend die sofortige Flucht anzutreten.
Dass es nicht gelang, war nicht sein Verschulden, sondern dem Zahlenverhältnis der Situation und dem Wesen unserer Gegner geschuldet: Einer der beiden Blauhäute bekleidet den Rang eines Ahads, was uns zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt und ersichtlich war. Ich wage zu behaupten, dass Valentin nicht einmal eine echte Chance gehabt hätte, wäre er gerüstet und bewaffnet gewesen - der Alathorax oder wie das genannt werden mag, hätte nur etwas mehr Mühe aufwenden müssen, das Ergebnis wäre wohl leider das gleiche gewesen.
Ungeachtet des Umstandes, dass er im ersten Kontakt bereits deutlich schmerzhaft zur Seite geschleudert wurde, zögerte Valentin nicht, taktisch umsichtig die wenige zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen, im Rücken der beiden Letharen seine Waffe in nutzbare Position zu bringen und sich ein zweites Mal todesverachtend in die Konfrontation zu begeben.
Herr Toroyan dient meiner Familie, seit ich wohl sieben oder acht Jahre zähle. In den Jahren meiner Jugend hatte er die undankbare Aufgabe, mir Ärger vom Hals zu halten, wenn ich über Drachenfels strolchte.
Dennoch geht das, was er hier tat, weit über mein Verständnis von Pflichtbewusstsein und selbst manchem Grad persönlicher Verbundenheit hinaus. Ich werde ihm diesen Beweis von Mut und Loyalität niemals vergessen.
Falls Ihr dies annähernd ähnlich einschätzt, möchte ich Euch, Sir, nahelegen, ob Ihr in Erwägung ziehen wollt, Herrn Toroyan als Knappen zu nehmen. Er hat den Ernst eines gereiften Alters, manches Mal einen Pragmatismus, der Eurem Wesen entgegen kommen dürfte und legt ein Benehmen an den Tag, an dem selbst meine Frau Mutter selten etwas zu kritisieren hatte.
So Ihr diese Thematik näher und persönlicher zu besprechen wünscht, stehe ich Euch selbstredend zu einem Zeitpunkt Eurer Wahl zur Verfügung.
Hochedler zu Lichtenthal