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[Berchgard] Ehrenfeier Marktplatz

Verfasst: Samstag 22. November 2025, 22:16
von Helisande von Alsted
Reisende berichten:

"In Berchgard gab es heute eine riesige Ehrenfeier für die Streiter der Schlachten. Es wurden Orden verliehen."

"Ich hab gesehen, dass die in einer Kiste am Feuer liegen. Die Kiste bleibt wohl da stehen erstmal. Müssen wohl noch viele Streiter geehrt werden"

"Der Feldwebel wohnt genau gegenüber. Der hat die Kiste im Blick!"

Re: [Berchgard] Ehrenfeier Marktplatz

Verfasst: Samstag 22. November 2025, 23:51
von Jynela Dhara
Im Osten, dort, wo die ersten Lichter des Morgens nur zögerlich zwischen frostweißen Gassen hängen, steht eine unscheinbare Gestalt zwischen ein paar anderen vor einem Aushang. Der Wind zupft am Pergament, doch die Figur hält es mit einer behandschuhten Hand fest und studiert jede Zeile, jeden Rand, als suche sie etwas Verborgenes zwischen den Worten. Ein leises Rascheln, ein Schritt zurück – und sie gleitet wieder in die Schatten, ohne eine Spur zu hinterlassen, als wäre sie nie dort gewesen.



Ein anderer Ort.
Warm flackerndes Kerzenlicht, der Geruch von altem Holz. Eine Gestalt tippt nachdenklich auf ein einzelnes Blatt Papier, das auf dem Tisch liegt. Ein kurzer Moment des Zögerns – dann wird das Pergament sorgsam zusammengerollt, darauf bedacht, das Siegel nicht zu beschädigen. Sie erhebt sich, verlässt das Haus und späht den Weg entlang, bis die Wache am Ende der Straße außer Sicht ist. Erst dann zieht sie eine gesicherte Klappe auf und verschwindet eine schmale Treppe hinab in einen Keller, in dem das Licht im selben Augenblick verschluckt wird.



Draußen klirrt die Kälte, während eine Gestalt in schlichter, wetterfester Kleidung aus einer Kutsche steigt. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, der Schal bis über die Nasenspitze. Der Fußweg nach Berchgard führte geradeaus – doch sie biegt ab, folgt einem kaum erkennbaren Pfad zwischen Fels und Frost und löst sich im nächsten Moment in der Dunkelheit auf wie Atem in der Nachtluft.

Kalte Finger krallen sich an einen vereisten Felsvorsprung. Atem dampft, während die Gestalt sich Schritt um Schritt emporzieht. Ein knirschender Tritt, ein unterdrückter Fluch. Dann erreicht sie den Grat. Ein Fernrohr gleitet in ihre Hand; der Blick schweift hinunter auf ein kleines Dorf, dessen Marktplatz in Festbeleuchtung glimmt. Farben, viel zu viel Gold, entfernte Geräusche, tanzende Lichter. Ein Fest mitten im Winter.
Das Fernrohr verschwindet wieder. Der wollene Rock erschwert den Abstieg, ein paar Steine lösen sich und klirren in die Tiefe.



Später.
Die junge Frau tritt durch Berchgards Tor, nickt beiläufig, zeigt einen flüchtigen Blick ihres Gesichts – gerade genug, um nicht aufzufallen. Und genau deshalb scheint niemand sie zu beachten. Doch sobald sie zwischen den Häusern verschwindet, gleitet sie in einen Schatten, den nur Ortskundige kennen. Sie ist nicht zum ersten Mal hier. Und sicher nicht zum letzten Mal.

Sie wartet. Geduldig. Lautlos.
Erst als Berchgard zur Ruhe kommt, die letzten Feiernden heimgeschwankt sind und die Wache ihren Weg nach Westen fortsetzt, setzt sie sich in Bewegung. Sie überquert den Marktplatz, öffnet rasch eine Truhe, entnimmt etwas Kleines, Unscheinbares – und verschwindet wieder in den Schatten der Mauer.



Beinahe Mitternacht.
Die Gestalt löst sich aus dem Dunkel, tritt in den Kegel einer Straßenlaterne vor dem Haus des Feldwebels. Mit der Spitze ihres Stiefels bewegt sie den Dreck, findet einen passenden Stein und wirft ihn mit einer Präzision, wie man sie nur selten sieht. Er prallt mit einem scharfen Klang gegen das Fenster.

Sie muss nicht hinsehen, um zu wissen, wer dort erscheint.
Als der Blick auf ihr Gesicht fällt, hebt sie beide Arme – vollendet in Perfektion die Geste einer Schützin, die einen Pfeil anlegt und schießt. Dann, langsam und beinahe provokant, hebt sie einen der Orden empor, lässt ihn für wenige Herzschläge im Licht der Laterne aufblitzen, bevor sie sich abwendet. Ohne Eile. Ohne einen weiteren Blick.




Die Wachen mustern die schlanke Silhouette, die die Stadt verlässt – vielleicht etwas zu aufmerksam, vielleicht bemerken sie, dass ihr Schritt einen Hauch zu sicher ist. Doch sie greifen nicht ein.
Und wenig später hat die Dunkelheit des Waldes sie endgültig verschluckt.