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Heimat ist dort, wo niemand mehr schweigen muss!

Verfasst: Dienstag 5. August 2025, 18:41
von Beak von Sankurio
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  • Ergrautes, langes Kopfhaar und ein ungepflegter, zotteliger Bartwuchs lagen wie eine Maske vor dem Gesicht eines Mannes, der einst mit seiner Haarpracht mühelos die Aufmerksamkeit der Frauen auf sich zog.
    Zerlumpte Kleidung hing lose an seinem geschundenen Leib und ein süßlich-fauliger Geruch, der Geruch des Todes, umhüllte die einst gepflegte und nun schmutzige und verletzte Haut.

    Dies war das sichtbare Ausmaß, dass Bild das man mit eigenen Augen erfassen konnte. Doch wer Bartholomeo Felhaven kannte, der wusste das dies nur der Schatten eines Mannes war der Schlimmeres durchlebt hatte, als es Worte je beschreiben könnten.
    Der einst lebensfrohe Barde, ein Schelm mit dem Herz auf der Zunge, wurde gebrochen.
    Seine Loyalität, sein unerschütterlicher Glaube, sie waren die letzten Anker, die ihn durch die Hölle trugen.

    Nur so kehrte er zurück nach Schwingenstein und dies eben nicht wie erhofft.
    Nicht mit einem Lied auf den Lippen oder einem frechen Grinsen, das ihn oft genug in Schwierigkeiten brachte, insbesondere wenn er wieder in irgendeinem Heuboden verschwunden war.
    Diesmal war alles anders.
    Keine Geschichten. Kein Lachen. Keine Reibereien mit der Miliz.
    Er kam zurück als ein Mann, der dem Tod zu lange ins Auge gesehen hatte.

    Körperliche Wunden heilen, so sagt man.
    Aber was er gesehen hatte, was er durchlebt hatte, brannte sich tiefer ein als jede Klinge eindringen konnte.
    Und so sprach der Troubadour nur noch wortkarge Silben in geistesgegenwärtig Haltung und doch abwesend, als spräche nicht er, sondern ein Echo seiner selbst.

    Die Frage nach dem „Wie?“ in den Gesprächen verblasste zunehmend schnell, denn was zählte war das „Wer?“
    Und jener „Wer“ war der auserkorene Feind des Glaubens. Der Feind der Ordnung.
    Der Feind des Lichts und der Feind des Banners des Paladins.

    Dort, wo Felhaven und sein Lehnsherr einst eine Heimat fanden, fern der bekannten Königreiche, lag ein vergessenes Land. Eine von Staub und Stille umgebene Halbinsel, angrenzend an ein zerfallenes Ödland.
    Ein Ort, der kaum mehr als ein Flüstern in alten Karten war.
    Und doch,… dort stand sie, die letzte Bastion gegen das Vergehen.
    Im Grunde ein kleiner Funke in der lauernden Dunkelheit.

    Nun einmal mehr zieht der Schleier der Grausamkeit herauf, erbarmungslos und unausweichlich.
    Er ist der Grund, warum der Gesang verstummte. Warum die Laute brach und warum ein Herz sich nun verschloss.

    "Oh' du schönes Löwenwacht!

    Deine Felder – goldne Pracht.
    Doch gib gut Acht bei stiller Nacht.
    Die Orkbrut schon im Schatten lacht!

    Oh' du schönes Löwenwacht?

    Gefahren ziehn durch Tal und Flur.
    Die Bauern zittern, nah der Spur –
    Dort liegt das Grauen auf der Lauer nur?

    Oh' du schönes Löwenwacht.

    Sie kommen schnell, mit Hauerzahn,
    Zerreißen Hof und Herd im Wahn –
    Und keiner weiß, wie’s einst begann.

    Oh' du schönes Löwenwacht …

    Ruhe wirst du nie mehr finden,
    Drum darfst du nie den Blick dir binden.
    Bleib wachsam – sonst wirst du verschwinden ..."

    Einst geschrieben von Bartholomeo selbst, als hätte er es vor Jahrzehnten geahnt.
    Die Heimat war Landeinwärts durch den hohen Mauern der Grenzlanden gesichert, so dachte man es zumindestens.

    Das Schicksal nahm seinen Lauf ...

Verfasst: Dienstag 5. August 2025, 20:09
von Bartholomeo Felhaven
Akt I. - Das unsanfte Erwachen am Strand


Mein Name ist Bartholomeo Felhaven, ich schreibe diese Zeilen, um jenes Erlebte zu verarbeiten. Auch wenn mir selbst bewusst ist, dass Worte nicht annährend die Erlebnisse der vergangenen Wochen, nein Monate der Qualen und des Leids beschreiben können.

Doch wie alle Dramen beginnt auch dieses mit einer Exposition. Einem einst lebensfrohen, vollkommen befreitem und von nichts aufzuhaltendem Barden.

Meiner Selbst, jener Person, die nun nur noch ein Schatten seiner Vergangenheit ist und sicherlich nie mehr zu dem wird wofür er Bekanntheit und Ruhm erntete.

Aber genau jenes Streben nach Anerkennung und der ungezügelte freiheitliche Drang nach Eroberungen aller Art waren der Anfang vom Ende.

Manch einer wird behaupten es hätte so kommen müssen, andere haben mir dieses Schicksal wahrscheinlich sogar herbeigewünscht und andere, ja andere, jene haben ihre Chance ergriffen.

Einzig Temora ist es zu verdanken, dass ich überhaupt noch in der Lage bin die Feder zu führen und Worte zu verfassen. Worte deren schriftliche Niederlegung auf Pergament mir nicht leichtfallen. Es handelt sich hierbei um die fünfunddreißigste Abschrift.

Doch ich schweife ab? Oder will ich viel eher der Wiedergabe des Erlebten in Schriftform entfliehen? Wer weiß dies schon.


Es war ein wundervoller Morgen, die Sonne ging gerade auf und die ersten Sonnenstrahlen berührten meinen damals noch recht unversehrten Oberkörper und ließen diesen mit der Wärme des Morgens erwachen. So eine laue Sommernacht am Strand, unbezahlbar und ein wahrliches Erlebnis.
Doch schlussendlich nahm hier die Talfahrt, der Weg zur Finsternis ihren Lauf.
Dramaturgie am Anfang ist fehl am Platz, so werden jene späteren Zeilen, sofern ich überhaupt in der Lage bin sie zu verfassen, von einem wahrlich infernalen Höhepunkt berichten. Einem Höhepunkt bei dessen Vorstellung mir Schweiß die Stirn herabrinnt, meine Hand anfängt zu zittern und mein Herz wie wild vor Angst pocht.

Doch wo war ich stehengeblieben? Sonne, Strand, Wärme, ah der wunderschöne Morgen.

Jenen Moment, den ich nur für mich beanspruchen wollte, wurde je gestört, als ich aus meinem Halbschlaf gerissen wurde. Mir wurde ein Leinensack über den Kopf gezogen und voller leidenschaftlicher Härte eines Ogers wurde ich gefesselt und mit einem unsanften Schlag in den Nacken ins Reich der Träume geschickt. Jedenfalls lauten so meine Erinnerungen, die Abhandlung der körperlichen Vergehen an meiner Person können möglicherweise in der Reihenfolge variieren.

Mit einem Kopf wie nach einer durchzechten Nacht in allen Spelunken Gerimors erwachte ich auf einem Ruderboot. Geistesgegenwärtig ließ ich meine Entführer nichts von meinem wachen Zustand wissen und versuchte sie zu belauschen.

Sie gaben nicht viel Preis, doch der Aussprache und dem Dialekt nach mussten sie aus meiner alten Heimat stammen - aus Greifenhain und eher zur raueren Gangart gehören. Sie schienen wohl den Auftrag zu haben mich in meine alte Heimat zu bringen.

Sorge? Verwunderung? Zweifel?

Nun wenn ich ehrlich bin, hatte ich mich schon die ganze Zeit gefragt, wann es zu solch Moment in meinem Leben kommen würde. Zweifelsohne war der ständige Wechsel von Betten adliger Töchter nicht die sicherste Investition in die Zukunft. Wie schon erwähnt, die Vergangenheit holt einen immer wieder ein.

Doch für einen Schlussstrich oder sogar einen Wechsel des Lebensstils, auch wenn dieser schon erfolgte, ward es nun zu spät. Was ich mir zum damaligen Zeitpunkt aber nicht ausmalen konnte, dass jene vergangenen Stunden noch der freundlichste Akt meiner Heldenreise waren.

Durchaus würde manch einer, sofern er das Ende schon kennen würde, dies als sanfte Bemühung auffassen mich auf den rechten Weg zu führen.
Knüppel, Strick und Leinensack waren da eher das Zuckerbrot, anstatt die Peitsche.
So wurde ich schließlich in eine Kajüte auf einem Schiff eingesperrt und es wurden die Segel gesetzt. Eine Schifffahrt deren Stunden, Tage, Wochen hier keiner Worte wert sind, weil auch niemand mit mir ein Wort gewechselt hat, bis zu jenem schicksalhaften Tag.

Verfasst: Mittwoch 6. August 2025, 09:14
von Raia Lathaia
Sternenlicht in der Dunkelheit – Teil 1

Still saß Raia da, während Bartholomeo im Bett der Klosterheilstube lag und schlief. Seine Wiederkehr war vollkommen anders gewesen als je erwartet. Hatte sie überhaupt mit einem Wiedersehen gerechnet?

Leise lauschte sie dem Knistern der Feuerschalen und dem ruhiger werdenden Atem des einstigen Barden. Einstig… Das, was hier vor ihr lag, war mehr eine Hülle denn jener Bartholomeo Felhaven, den sie einst kannte.

Dennoch sah sie durch den Schleier der Dunkelheit hindurch – durch Temoras Gnade und vermutlich der tiefverbundenen Freundschaft. Sie sah den Schmerz, die Trauer, die Scham, den Verlust und einen kleinen Funken Hoffnung.

Raia erhob sich und setzte sich zu Bartholomeo auf die Bettkante. Zum wiederholten Male ließ sie die Wärme der Herrin sprechen, ohne ihn zu berühren. Immer wieder bemühte sie ihre klerikale Macht, um das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Nähe zu schenken, ohne dabei ein Wort zu sprechen oder ihm zu nahe zu kommen. Ein steter Schleier des Lichts der Herrin umhüllte Bartho in jener Nacht, bis im Morgengrauen Beak eintrat. Raia hatte ihm am Abend einen kleinen Zettel hinterlassen und nachdem er nach Hause zurückgekehrt war, hatte er sich wohl direkt auf den Weg gemacht. Beak löste Raia ab, nachdem sie ihm alles Bisherige mitgeteilt hatte. Raia kochte noch einen Tee auf und machte ein nahrhaftes Frühstück. Dann verließ sie erschöpft und in tiefster Nachdenklichkeit die Klosterheilstube.

Mit jedem Schritt spürte Raia die Schwere, die sich über sie gelegt hatte. Das tiefe Mitgefühl nahm den sonst oft federleichten Gang und das offenherzige Lächeln war verebbt. Vor Bartholomeo hatte sie keine dieser Gefühlsregungen gezeigt, doch jetzt brach es über ihr zusammen wie ein plötzlich aufgetauter Wasserfall… Schmerz.

(Across the Stars – Angriff der Klonkrieger – Star Wars)


Sternenlicht in der Dunkelheit – Teil 2

Die letzten Tage hatte Bartholomeo wieder ein wenig zu sich gefunden. Tagsüber war er zumeist an Raias Seite im Kloster und abends in der Sicherheit und Geborgenheit des Herrenhauses. Die Gespräche nahmen langsam zu – der Schmerz aber verließ Raia nicht, denn er war in Bartho allgegenwärtig. Wann immer sie spürte, dass er schwankte, kehrten die beiden gemeinsam ins Gebet ein. Das Licht und die Nähe zu Temora halfen ihm; das war augenscheinlich.

An einem Abend nahm Raia Bartholomeo mit zum Baum des Lichts. Es war ein friedvoller Moment, gewiss. Und gleichsam meinte Raia zu spüren, dass sich die verschlossene Tür einen Spalt weit geöffnet hatte. Ein zartes Licht, welches durch jene Öffnung fiel und den Blick frei machte auf die Trümmer seiner Seele. Raia lächelte, doch in ihr toste augenblicklich ein Sturm.

Schmerz, Wut… Ha… Ihre Hand legte sich an den Baum und presste sich so sehr dagegen, dass die Rinde Abdrücke hinterließ. Nur die Herrin selbst konnte Raia in diesem Moment zügeln und ihr zum rechten Maß zurückverhelfen. Hier ging es nicht um sie selbst, sondern zum Bartho…

Raias Blick fiel auf sein Antlitz, wie er dort kniete mit geschlossenen Augen – zum Glück nicht mitbekommend, was in ihr gerade vorging. Es war so verwirrend. Ja, er war gezeichnet, körperlich wie seelisch. Dennoch saß dort – dem Augenschein nach – noch immer der wortwitzige, vorlaute, loyale, lebensfrohe und freiheitsliebende Barde. Und Raia wurde bewusst, dass er es nie wieder sein würde…

(The Sound of Silence – Disturbed)


Der Flusslauf

Doch sich diesem Schicksal hingeben, oblag beiden nicht. Ihr nicht und Bartholomeo ebenso wenig. Womöglich konnte er zurzeit noch nicht daran glauben und eine Vorstellung von sich „im neuen Gewand“ fiel ihm gewiss noch schwer, dennoch… Raia war voller Hoffnung, dass er es, aus dem Morast der Dunkelheit ins Licht zurückzukehren, schaffen würde.

Und so zeichnete sie für Bartho ein imaginäres Bild eines Flusses, dessen Strömungen er sich hingeben möge, bis er am richtigen Ort angekommen sei. Sie zeigte ihm auf, was ihn in seinen Grundfesten ausgemacht hatte und er sah sich selbst, so hoffte sie, wieder klarer.

An diesem Abend kehrte Raia allein zum Baum des Lichts zurück und kniete sich in seinen Schimmer.

„Geliebte Temora, Du hast es gesehen und gespürt und mich erkennen lassen. Lass uns der Fluss sein, der Bartholomeo trägt und führt. Lass uns das kühle Nass gegen die Wunden sein und die wärmende Quelle, wenn die Leere ihn ergreift. Mögen unsere Worte ihn leiten, unsere Hände ihn führen, bis er wieder auf festem Untergrund wandelt. Seien wir stets das Licht in der Dunkelheit des Zweifelns, auf welches er blicken kann, um zu wissen, dass er nicht verloren ist.“

Einen Moment scheint sie damit zu enden, ehe sie leise hinzufügt:
„Temora, eines noch, um das ich Dich persönlich bitten möchte. So erbitte ich Dich für Bartholomeo um die Heilung seiner Seele. Mögen seine Erinnerungen stets mehr verblassen und Platz schaffen für ein neues Bild des Bartholomeo Felhaven, welches ihn glücklich sein lässt.“

Wieder erfolgt eine Pause, dann ein verzagtes Auflächeln. „Und bitte gib mir die Kraft des rechten Maß in Hinblick auf meine eigenen Gefühle.“

(River flows in you – Yiruma)

Verfasst: Donnerstag 7. August 2025, 20:30
von Beak von Sankurio
  • … Die jährlichen Vorbereitungen, die Heimat aufzusuchen, waren für den Paladin seine eigene heilige Tradition.
    Vergleichbar war das Ganze mit dem ersehnten Willen, die entfernte „Familie“ nach längerer Zeit in einem ewig einnehmenden Pflichtverhältnis zu besuchen.
    Dieses Mal jedoch war der Anlass ein anderer.

    Wo die güldenen Weizenähren durch den Wind dirigierend, mit einer sanften Brise zur Seite gekämmt wurden, rief stets die schweißnasse Arbeit in Demut und Opferbereitschaft. Doch die geschärfte Sense sollte ruhen und die gewählten Tugenden des diamantenen Kodex seiner Reise waren diesmal von anderer Bedeutung geprägt.
    So war die sommerliche Ernte kein Grund für diese Heimkehr und die Pflege seiner Freundschaften eine bittere Nebensächlichkeit geworden.
    Jeder, der ihm nahestand, wusste, dass dies keine Selbstverständlichkeit war und das sorgte bei den meisten seines Gefolges für Argwohn.

    Bartholomeo hingegen sprach seit einigen Tagen etwas mehr über seine bizarre Gefangennahme. Er konnte dem Ganzen nur knapp entfliehen und dies erkannte man merklich durch seine Verfassung.
    Die sich immer wiederkehrende Frage „Wer“ es war, konnte mittlerweile mit nur wenigen Anhaltspunkte beantwortet werden. Das sollte auch genüge gewesen sein, die Heimreise mit einem gänzlich anderen Ziel zu verfolgen.
    Sein Seelenheil fand der Barde zunehmend mehr bei Raia, welche ebenso durch den Paladin in das Vorhaben von Anfang an eingeweiht wurde.

    Es war der Eid eines Gefolgsmanns, welcher zu Loyalität und gegenseitigen Pflichtverhältnis führte. Seine Feinde waren die Feinde des Gefolges sowie in umgekehrter Folge jene, den Groll des Paladins erhalten würden, welche sich an seine Gefolgsleute vergehen würden.
    Es stand daher außer Frage sich dem anzunehmen, zumal das Unwesen dieser Kreaturen ein langanhaltendes und nie gelöstes Kapitel war. Doch wer war es nun, welcher solch Unheil dem Land und seinem Barden, einem langjährigen Freund, brachten?

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    Gehisst auf Blut getränkten Leinen, an verdorrten, knorrigen Stäben, war das Zeichen keines von Glanz und Glorie, sondern eine Symbolik die Angst und Schrecken verbreitete.
    Im Zentrum dieses zerfetzen Leinenbanners war ein Schädel ersichtlich, kein menschlicher, eher langgezogen und entstellt, als hätte man ihn aus dem Fleisch gerissen. Über diesem Schädel folgte ein Dreieck, keine einfache Geometrie, ein Abbild einer Kapuze welche drei dunkle Löcher verdeckte.

    Diese Löcher waren ausschlaggebend, denn man konnte neben der prägenden Symbolik eindeutig diese Kreaturen zuordnen. Es waren die Orks vom Klan der Blutseher der Grak‘Thul. Keine einfachen Wilden, welche ihre Hierarchie in Kampf ausfochten, sondern ihren Wahn durch rituelle Bekenntnisse und finsterer Mächte fanden.

    Man munkelt die verdeckten drei zusätzlichen Augen, sind Trophäen erwählter und zugewiesener Opfer. Eines jeder Person, welches durch die Stirndecke eingefasst und anschließend mit Kristallstaub und Asche nach Außen hin verdeckt wird.
    Der innere Blick der Ewigkeit, die seherische Gabe.

    Vielen war klar, wo das Banner der Seher von Grak‘Thul weht, herrscht kein Morgen mehr. Nur dichter Rauch und Stille sowie das Wispern alter Namen der Finsternis. Ein jeder der das Banner zu Gesicht bekam konnte sich sicher sein, dass die Seher Sie schon bemerkt haben.

    Anmaßend, denn die einzig wahre Göttergestalt die sich solch mächtigen Fähigkeiten bediente, war einzig die Herrin des Lichts.
    Doch dort wo finstere Mächte Ihr unwesen trieben, gab es keine Regeln. Der Ork Klan der sich an Ritualen klammerte, in Wahnsinn und Täuschung, galt als bestialisch und selbst unter den niederen Stämmen der eigenen Schöpfung ungewöhnlich.
    Von den Horden dieser wilden Geschöpfe erhob sich dieser Klan als Schreckenssymbol in örtlichen Gefilden.
    Mutmaßungen wurden ausgesprochen, da wenig bezeugt werden konnte.
    Ihre Opfer waren weit mehr als nur die schlichte Bedeutung des Todes, sie waren Teil des Rituals.

    Von Ihnen gab es somit keine Überlebenden, die als Zeitzeuge berichten konnten. Redseliger hingegen war das niedere Volk der Brut, welche bei den Grenzgängen sporadisch festgesetzt werden konnte.
    Demzufolge gab es Berichte, welche selbst nach Gerimor gereichten, ferner in den Schränken des Paladins, als damalige Mitgabe und zur Erinnerung an die eigene Heimat.

    Grak selbst war aus den Erzählungen der Name eines mythischen Schamanen, der sein Auge opferte, um die Zukunft zu sehen.

    Thul war der Ort, an dem die erste Blutseher-Vision aufstieg.
    Ein von Asche überdeckter Krater im tiefen Ödland, in dem der Himmel nie klar war.

    Grak‘Thul
    Die Seher aus Graks Blick und Thuls Asche.
    Ein orkischer Kult der blutigen Visionen.


    Die Papiere stapelten sich im ehemaligen Zimmer der Vogtei von Schwingenstein. Melyna gab sich bereit, den Schriftverkehr zu sortieren und diesen in der Abwesenheit des Freiherrn zu beantworten. Neben den ganzen Schriften die eingegangen waren, war eben auch diese angestaubte Mappe sichtbar gewesen, welche Aufschloss bot für das Kommende Unterfangen.

    Frei nach dem Motto: Kenne deinen Feind.
    Dies waren die ersten Vorbereitungen für einen Kampf gegen den Wahn in ungewisser Dunkelheit.
    An einem Ort wo die Kriegstrommeln bereits im Takt schlugen, dort wo die Grak‘Thul bereits bestenfalls ihren eigenen Untergang prophezeiten...

Verfasst: Freitag 8. August 2025, 15:58
von Melyna Fuxthal
  • Das Zimmer der ehemaligen Vogtei Schwingensteins ward nur mehr durch eine einzelne Kerze beleuchtet. Ihr Lichtschein flackerte in einer beruhigenden Gleichmäßigkeit über die Wände, zog ihr warmes Licht über die verschiedenen Pergamente und Mappen. Die Gesichtszüge der Frau erschienen im Schein dieser Lichtquelle scharf geschnitten, geprägt von einer Mischung aus Konzentration und Nachdenklichkeit. Immer wieder griff sie behutsam nach noch ungeöffneten Schriftstücken, um sie in einer ihrer Ordnung entsprechenden Reihenfolge auf der rechten Seite des Schreibtisches zu sortieren. Die linke Seite wurde bereits von Briefumschlägen mit gebrochenen Siegeln und aufeinander gelegten Pergamenten dominiert. Jede einzelne Bewegung schien meditativ, als würde die Frau in diesem Augenblick den Arbeitsvorgang an sich nutzen, um selbst Ruhe zu finden. Ab und zu hob sie die Feder aus der vergoldeten Halterung um einen Vermerk am Rande eines Schriftstückes zu machen, ehe auch dieses Schreiben dann seinen Weg auf den Stapel zu den anderen fand.

    Das Wachs der Kerze tropfte bereits am Kerzenständer herab, als die Fingerkuppen über die angestaubte Mappe strichen. Grak'Thul – ein Titel, der klang als würde er den neugierigen Leser auf eine Schauergeschichte vorbereiten wollen. Und vermutlich war es gar nicht so weit entfernt davon. Sie erinnert sich an seinen Blick in den eingefallenen Gesichtszügen. Er war leer, beinahe so, als würde nur mehr eine Hülle ohne Seele dort auf der hölzernen Bank am Teich des Herrenhauses sitzen. Er hatte diese Geschichte erlebt … er hatte sie überlebt. Aber zu welchem Preis? Sie konnte die mitfühlenden Blicke der anderen sehen. Das Tuscheln, die überforderten Gesten. Sie alle kannten ihn aus der Zeit davor. Die Zeit vor diesem gelebten Alptraum. Ihr selbst waren nur Geschichten bekannt: Geschichten über Bartholomeo Felhaven. Der, der durch den nie abgeschlossenen Weinkeller im Herrenhaus wieder angelockt werden sollte. Der, den die Information über eine neue Frau in Schwingenstein schon wieder herführen hätte sollen. Der, dessen Lebensfreude jede noch so dunkle Wolke hätte vertreiben können. Aber er kam nie. Und nun saß er dort – gebrochen und nicht mal mehr ein Schemen seiner selbst. Sie kannte ihn nicht, weder damals, noch heute und doch berührte sein Schicksal und die Reaktionen seiner ihm nahestehenden Personen etwas tief in ihrem Inneren. Noch nie zuvor hatte sie Beaks Gesichtszüge dermaßen hart gesehen. Allein dieser Gesichtsausdruck und der Schmerz, den er in diesem Moment fühlen musste … ein leiser Klang in ihrem Inneren. Familie, Zusammenhalt, Rückhalt, Vertrauen - so viel mehr als nur ein Eid.

    „Ich werde Dich begleiten.“ Ein paar wenige aneinander gereihte Silben, doch mit so viel Gewicht. Ein Entschluss der weitaus mehr aussagte, als es dieser Satz in jenem Moment konnte. Doch sie wusste, dass er selbst das Unausgesprochene ohne weitere Worte verstehen würde. Ein großer Schritt, in ihrer bisher so kleinen Welt.

    Nachdem die Truhe mit ein paar wenigen Habseligkeiten, der Rüstung, ihrem Bogen und dem prall gefüllten Pfeilköcher von einem Burschen aus dem Hafen abgeholt und auf das Schiff gebracht wurde, stand sie noch eine ganze Weile unter den Bäumen in ihrem Garten. Es war der letzte Abend hier in Schwingenstein und obwohl mit Sicherheit keiner der Mitreisenden wusste, was genau die Zukunft bringen würde, spürte sie eine ungewohnte Ruhe. Es war seit langer Zeit einmal wieder eine Entscheidung, die sie getroffen hatte, nicht aus einer Pflicht heraus, sondern aus vollstem Herzen und klaren Verstandes. Sie wollte denen helfen, für die sie sich bereits vor so langer Zeit entschieden hatte. Für die sie sich immer wieder entscheiden würde. Ihre Gedanken waren so klar, wie es der Nachthimmel an diesem Abend war. Der Himmel ist durchzogen von Sternen, die heute heller scheinen als sonst. Vielleicht haben sie ihre Entscheidung gehört und nur auf diesen Moment gewartet? Sie atmet tief ein, als wolle sie nicht nur das Kommende, sondern auch sich selbst willkommen heißen. Zum ersten Mal ist da kein Fluchtimpuls, kein Suchen nach Antworten, kein Streben nach einem besseren Irgendwann. Dieses Hier, dieses Jetzt – es reicht. Sie hat sich entschieden.

    Ein Lächeln lässt ihre Mundwinkel nach oben wandern. Es ist nicht dieses höfliche Lächeln, das man anderen zeigt, sondern eines, das auch bleibt, wenn niemand mehr zusieht. Es ist leise, es ist echt. Vielleicht beginnt Heimat tatsächlich nicht an einem Ort, sondern in einem einzigen, kompromisslosen Gedanken: Ich bin genau dort, wo ich sein soll.

    Und so führte sie ihr Weg noch vor dem Morgengrauen in Richtung des Hafens Adoran. Der Zweimaster stand bereit, die Segel flatterten verheißungsvoll im seichten Wind. Eine Reise die zwar ins Ungewisse führte und doch für sie persönlich mit so viel Gewissheit verbunden war …
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Verfasst: Freitag 8. August 2025, 20:17
von Raia Lathaia
In der Weite des Meeres – Teil 1

Jeder Schritt dieses abendlichen Spaziergangs war zunächst steinig. Raia hatte ihre Hand um Bartholomeos Unterarm gelegt und führte ihn so unauffällig wie möglich.
Es war nur eine kleine Umrundung Schwingensteins und doch spürte sie, dass jeder Muskel in seinem Körper angespannt war. Doch es war Zeit… Zeit aus dem Refugium von Sicherheit hinauszutreten, um zu erkennen, dass die Welt außerhalb der klösterlichen Mauern und den schützenden Wänden des Herrenhauses nicht dauerhaft bedrohlich ist.

Als sie die Küste erreichten und am brandenden Ufer innehielten, wirkte Bartho eher wie ein aufgeschrecktes scheues Tier. Sein Nacken war zum Bersten gespannt und sein Blick huschte umher.
Raia bat Temora um Ihre schützenden Schwingen und langsam breitete sich ein wärmendes Gefühl der Sicherheit um sie beiden aus. Einige Momente später spürte Raia zumindest unter ihrer Hand, dass er sich entspannte und ein seichtes Lächeln sich auf seinen Zügen zeigte. Am Meer hatte alles begonnen. Wahrlich, Raia hatte es nur vermutet, doch seine Reaktionen und Worte bestätigten ihren Verdacht. Um so wichtiger war es, dass er sich dem stellte und neue Erinnerungen mit diesen Orten verknüpfte.

Und so umstreifte die kühle Brise ihrer beiden Gesichter und zehrte sanft und doch unnachgiebig an ihren Haaren. Der salzige Geschmack legte sich allmählich auf ihre Haut und Lippen und die Kühle des Abends, aufgefrischt von den gischenden Wellen, beruhigte das ganze Sein. Mit dem stetigen Blick in die Ferne verloren wohl beide den Moment des Festhaltens, des Erinnerns. Was blieb war ein freier Blick auf die Unendlichkeit.

Es mochte eine Weile gedauert haben, doch Bartholomeo sprach, fand seine ursprüngliche Wortmalerei zurück und scherzte sogar hier und dort ein wenig. Noch unsicher bisweilen, noch bruchstückhaft – und doch kam er ganz langsam durch den Schleier der Dunkelheit zurück ins hier, zu ihr.

Es würde ein anderes, ein neues Bild Bartholomeo Felhavens sein und doch nicht weniger liebenswert. Womöglich war durch diese schreckliche Tragödie ein Gleichgewicht geschaffen worden, dass ihm zuvor gefehlt hatte.
Und obgleich Raia sich wünschte, es hätte nie so weit kommen müssen, fand sie Hoffnung in diesem Gedanken.

Jeder Schritt der Heilung war ein Geschenk…

In der Nacht war Raia mit einem Brief zu Bartholomeos Zimmer hinab gegangen und hatte ihn unter der Tür durchgeschoben. Gewiss hatte sie ihm gesagt, dass sie einige Zeit fortmusste, aber den Grund hatte sie ihm nicht genannt. Daher wollte sie ihm zumindest einige Worte für diese Zeit hinterlassen:

„Lieber Bartholomeo,
Deine Schritte sind voller Mut und Tapferkeit. Gönne Dir Ruhe und schreite voran, wenn Dir danach ist. Gehe jeden Weg, den Du Dir zutraust und verharre, wenn es des Innehaltens bedarf.
Wider die Leere finde die Gemeinschaft. Wider die Dunkelheit finde das Licht im Gebet. Wider die Träume genieße einen Tee (Ich habe Dir einen Vorrat in die Küche gestellt).
Und wenn die Worte aus Dir herausdrängen und gerade niemand da ist, schreibe sie auf oder sage sie Temora. Sie wird Dich immer hören.
Ich werde alsbald zurück sein und wenn Du magst, gehen wir weitere Schritte gemeinsam.
Möge der Herrin Licht stets an Deiner Seite wachen und mögest Du dem Funken, den Du bereits in Dir erweckt hast, vertrauen! Ein jeder Schritt ist ein Geschenk.

Deine Raia“


(Arrival on Earth – Epic Orchestra Mathias Fritsche)



In der Weite des Meeres – Teil 2


Im Morgengrau, während der Tau die Spitzen der Grashalme bedeckte, führten sie ihre Schritte vom Herrenhaus zum Hafen. Die Stadt lag ruhig und friedlich da. Hier und da wurden erste Kerzen in den Häusern entzündet.
Am Hafen war jedoch reges Treiben – zumindest an einem der Schiffe.

Raia balancierte über die Planken und ging an Deck. Ihr kleiner Reiseseesack lag leichterhand auf ihrer Schulter und sie lächelte den ersten noch schwachen Strahlen der Sonne entgegen, die durch den Meeresnebel silbrig statt gülden erschienen.
Auf dem Weg zur der ihr zugewiesenen Kajüte streifte sie die Reling mit ihren Fingern und hinterließ mit leisen Worten des Gebets einen Segen, der mit einem zarten Aufglimmen bläulichen Lichts einherging. „Herrin, mögest Du die Winde günstig und die Wellen ruhig bleiben lassen. Möge der Weg uns stärken für das, was vor uns liegt.“

Nachdem sie ihre wenigen Habseligkeiten in der Kajüte abgelegt hatte, einen festen Zopf wider die Winde geflochten hatte, trat sie neben Beak aufs Deck und schenkt ihm und Melyna ein Kopfneigen.
Der Blick gen die zweite Heimat und doch mit gänzlich anderen Gefühlen als zuvor. Still verweilte sie mit dem Blick in die Weite.

„Möge Deine Prüfung uns ans Ziel führen, um Frieden und Licht zu schaffen, wo nur Dunkelheit und Verderben liegen. Möge Deine Weisheit uns lenken, Deine Schwingen uns schützen und Dein Schwert uns den gerechten Zorn zeigen, auf dass nach uns nur noch Licht sein wird.“

(On the Horizon – Brain Tyler)

Verfasst: Sonntag 10. August 2025, 22:23
von Beak von Sankurio
  • … die Segel aus festen Leinen standen straff im Wind, gefüllt wie die Lungen eines Barden vor dem ersten Ton. Der Zweimaster glitt beinahe lautlos über die spiegelnde Oberfläche des Meeres, als würde das Schiff nicht fahren, sondern schweben.
    Die Sonne stand hoch am klaren Himmelszelt, ihr Licht brach sich in tausend funkelnden Facetten auf den sanften Wellen.

    Der frühe Tagesanbruch hatte die Müdigkeit wie feinen Staub in den Augen hinterlassen. Die meisten zogen sich zunächst in die Kajüten zurück, es waren schmale Einzelkammern, gerade breit genug für ein einfaches Bett und ein kleines Schreibpult. Für Seeleute ein ungewohnter Luxus, für Reisende jedoch nur eine stille Einladung den Schlaf der Nacht nachzuholen.

    Beak ließ seinen Blick beim Betreten seiner Kabine über die dunklen Holzplanken gleiten, deren Maserung vom salzigen Meer gezeichnet war. Er atmete tief ein, der Geruch von Teer, Tauwerk und fernen Küsten mischte sich zu einer Note, die in seiner Brust ein leises Ziehen auslöste. Es war der Geruch der Heimkehr und doch lag in seinem Kern eine Unruhe, wie der Vorbote eines Unwetters.

    Noch ehe das Schiff den sicheren Hafen verlassen hatte, war er in aller Stille durch die schmalen Gänge gegangen. In der Kabine von Raia und ebenso in jener von Melyna hatte er einen kleinen versiegelten Brief zurückgelassen. Das Wachs trug sein unverkennbares Zeichen. Keiner von beiden ahnte wohl, dass diese unscheinbaren Schreiben mehr enthielten als nur Worte. Sie waren gefüllt von Gedanken, die er im Gespräch nicht auszusprechen vermochte.

    Raia hatte ihre Kabine nur kurz vorher betreten, den kleinen Beutel mit persönlichen Dingen an die Wand gehangen und war sofort wieder an Deck gegangen. Am mittleren Mast lehnte sie, den Blick auf den Horizont gerichtet. Die Brise spielte mit ihren dunklen, roten Haaren, welche sie sich nicht mühte zu bändigen. Sie hielt eine Hand locker am Tau, als würde sie so das Schiff und den Kurs selbst fühlen wollen. Ab und zu schloss sie die Augen, atmete tief den Geruch der See ein und summte leise eine Melodie, die nur für sie bestimmt war.

    Melyna hingegen hatte sich im späteren Verlauf an die Reling gestellt. Ihre Finger führten immer wieder über den Rand eines gefalteten Pergaments in ihrer Tasche, als müsse sie sich vergewissern, dass es noch dort war. Von Zeit zu Zeit wandte sie den Blick zu Raia, dann zu Beak, welcher mittlerweile das Gespräch mit dem Steuermann suchte. Die Blicke waren fast schon so, als würde Melyna prüfen ob in dieser friedlichen Umgebung, aus salziger Luft und wehenden Segeltuch, ihre Gefährten noch an Deck verweilten.

    Dort ging auch das Leben der Mannschaft in gelassener Routine weiter. Zwei Matrosen spannten ein Tau nach, ein Dritter strich das Holz der Planken mit einer schützenden Ölschicht ein. Irgendwo lachte einer über einen Scherz des Bootsmannes, während der Smutje einen Eimer mit Muscheln ausschüttete, die sich über Nacht am Rumpf angesetzt hatten.
    Möwen kreischten und umkreisten das Schiff ehe sie sich immer wieder gierig ins Wasser stürzten, in der Hoffnung auf Beute dieser Muscheln. Die Reise schien fast zu sanft und zu schön, als dass man glauben mochte, was ihr Ziel war.

    Jeder von ihnen wusste, dass in der Heimat des Paladins nicht nur güldene Felder warteten, sondern auch der drohende Schatten der Grak‘Thul. Dort würden keine Segel knattern und keine Möwen schreien, nur das Wispern finsterer Namen und der Klang von Kriegstrommeln in der Ferne. Doch für diesen Augenblick gehörte ihnen nur die unendliche Weite. Das leise Klatschen der Wellen gegen den Bug, das Knarren der Planken unter den Füßen und das gleichmäßige Atmen der See ließen den Gedanken an den kommenden Kampf verblassen.
    Es war wie eine dunkle Wolke am Horizont, die zwar unaufhaltsam heranzog, aber den Himmel noch nicht gänzlich verdunkelte …

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Verfasst: Montag 11. August 2025, 14:36
von Raia Lathaia
Zwischen Ruhe und Sturm

Die Wellen schlugen sanft gegen den Bug des Schiffes, während die Küste langsam aus dem Dunst auftauchte. Raia stand am vorderen Deck, die Hände fest um das hölzerne Geländer geschlossen. Ihre roten, welligen Haare tanzten im Wind, als wollten sie die salzige Seeluft umarmen, die sich mit dem Duft von wilden Kräutern und Pinien vermischte – ein Duft, der Erinnerungen weckte. Erinnerungen an die insgeheim zweite Heimat, die nun in Sicht kam.

In ihrer Hand hielt sie Beaks Brief. Jeder Satz war durchdrungen von Sehnsucht, Sorge und einer Zärtlichkeit, die Raia tief berührte. Sie hatte den Brief schon mehrfach gelesen, doch jedes Mal traf er sie wie ein Pfeil – sanft und schmerzhaft zugleich.

Ihre Augen glitten über das Wasser, das in der Morgensonne glitzerte. Diese eine Heimat – das Land, das sie einst verlassen hatte – lag endlich wieder vor ihr. Doch es war nicht nur der Ort, der sie rief. Es war auch Bartholomeo. Der Gedanke an ihn ließ ihre Brust eng werden. Was hatte er durchgemacht? Die Orks hatten ihm nicht nur körperliche Wunden zugefügt, sondern auch seine Seele gezeichnet. Raia spürte die Verantwortung, die auf ihr lastete – nicht nur als Priesterin, sondern als jemand, der ihn retten wollte. Vielleicht sogar musste.

Und doch war da auch dieses andere Gefühl: die stille Freude, die sich wie ein Lichtstrahl durch die dunklen Gedanken schob. Die zweite Heimat – liebevoll, heimisch, voller Erinnerungen – war ein Ort, der ihr Kraft gab. Ein Ort, an dem sie nicht nur Priesterin war, sondern auch Frau, Freundin, Tochter des Windes.

Aber der Sturm in ihr ließ sich nicht vertreiben. Ihre äußere Ruhe war trügerisch. In ihrem Inneren tobte ein Kampf zwischen Mut und Angst, zwischen Hoffnung und Pflicht.
Als das Schiff näher an die Küste glitt, legte sie den Brief an ihr Herz. Ihre Augen verengten sich, als sie die ersten Umrisse der Küste erkannte – und dahinter, wie ein dunkler Schatten, die Bedrohung, die sich zusammenbraute. Die Orks waren nicht besiegt. Noch nicht.

Raia atmete tief ein. Die salzige Luft füllte ihre Lungen, mischte sich mit dem Duft der Pinien, dem Echo von Beaks Worten und dem letzten Abend mit Bartholomeo. Sie war bereit. Bereit, zu kämpfen. Bereit, zu lieben. Bereit, sich selbst zu finden – zwischen den Wellen, dem Wind und dem Feuer, das in ihr brannte.

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Verfasst: Montag 11. August 2025, 17:00
von Bartholomeo Felhaven
Akt II. – Befreiung aus der Gefangenschaft in die Gefangenschaft

Zuerst hörte ich das Donnern und bei Temora es war nicht das Donnern eines Gewitters auf hoher See. Mir wäre ein brachiales Orchester aus meterhohen Wellen gespielt von einer Sturmharfe und tobende Klänge eines jaulenden Hornes aus dem Gewitterhimmel lieber gewesen, als jene musikalischen Laute, die ich vernahm. Die mich jetzt immer noch in der Nacht heimsuchen und mir den Schlaf rauben.

Wumm, Wumm, Wumm. Bumm.

Erst hörten wir es leise aus der Ferne, gleich einem Gewitter aus Blitz und Donner, was sich rechtzeitig ankündigt und einem mitteilt, bring dich in Sicherheit. Die Ironie an dieser Stelle, wir hatten nicht die Möglichkeit uns in Sicherheit zu bringen. Aber mit jeder Minute die verging war das Donnern lauter und die Besatzung des Schiffes schien nervös zu werden.

Es waren erdrückende Schläge, ja fast schon Einschläge auf die eigene Seele und unweigerlich ging wahrscheinlich ein jeder in die Knie und hielt sich die Ohren zu in der Hoffnung so Ruhe zu finden vor dem was dort kommen mag.
Hatte ich zuvor aus meinem Gefängnis noch vernommen das Land gesichtet wurde und die Zeit auf See bald vorbei sei. So wurde doch die Hoffnung mein Entführer, diesen scheinbar sicheren Strand und da mag ich an dieser Stelle vorweggreifen, in ganzen Stücken oder als lebende Person deren weitere Bestimmung nicht eine dienliche Nahrungsfunktion oder ein Opfer anderer Belustigung zu sein, zu erreichen - zunichte gemacht.

Wumm, Wumm, Wumm, Bumm. – da waren sie wieder diese Kanonenschläge für das eigene Ohr. Deren Ursprung war nicht der Himmel und ein mögliches Donnergrollen, sondern Kriegstrommel. Kriegstrommel der Orks! Trommeln wie ich später erfuhr und ebenso fast am eigenen Leibe erfahren musste, deren Blase nicht aus Schweinhaut war, sondern gefertigt aus den Überresten von Menschen. An dieser Stelle brauch ich wohl auch nicht erwähnen, aus welchem Material die Schlägel waren. Der aufmerksame Leser wird es sich denken können.

Waren deren Töne nicht schon schlimm genug – gesellten sich alsbald animalische Schreie dieser widerwertigen Kreaturen dazu. Schreie die Mark und Gebein gefrieren ließen und gleichzeitig die Vorfreude der Bestien auf ein Blutbad verkündeten. Die Besatzung des Schiffes schrie ebenfalls, doch weder vor Freude noch vor Kampfesmut, nein vor purer Angst und Panik.

Wumm. Wumm. Wumm. Bumm!!! Krach, Kawumm!!!

Dann, ja dann traf der Rammbock des primitiv gehaltenen Orkskiffs unser Schiff und ich hörte nicht nur Holz bersten, Knochen, ganze Leiber menschlichen Ursprungs wurden auseinandergerissen begleitet durch ihre Schmerzensschreie, welche verstummten als das Blut, welches aus ihren Leibern sprudelte ihre Stimmen vereinnahmten und nur noch ein sterbendes Gurgeln als letzter Abgesang blieb zurück.

Wenn des Panthers Fratze Musik liebt, dann liebt sie wahrscheinlich genau solch eine Ballade des Todes.

Ich hatte Glück oder soll ich eher sagen Pech? Ich klammerte mich in eine Ecke und meine halbe Gefängniszelle an Bord wurde zerstört. Mich warf es unsanft auf den Boden. Deren Folge waren ein paar Schürfwunden, aber nicht weiter schlimmeres, ansonsten hätten diese Wesen mich wahrscheinlich noch vor Ort hingerichtet.

Was mir nebenbei gemerkt mitunter viel Leid erspart hätte, aber so sollte es nicht sein. Nein so sollte es wahrlich nicht sein.

Ich sah wie ein junger glatzköpfiger Matrose mit Sommersprossen zu meiner Zelle lief. Also dem was noch von meiner Zelle übrig war und dann sah ich fast zum Leidwesen aller Beteiligten was vom Matrosen noch übrig war. Er hielt sich seinen rechten Arm, der ihm fehlte, unscharf abgetrennt von einer kantigen Klinge. Nicht in der Lage den Fluss des Blutes aufzuhalten sackte er vor mir zusammen. Seine blauen Augen blickten mich hilfesuchend an, ehe eine mächtige Keule seinen Kopf vor meinem eigenen Gesicht zertrümmerte, gleich einem Bovisten auf den ein Kind voller Freude im Wald tritt.

Allein der Anblick ließ meine letzte spärliche Mahlzeit ihren Weg hinein wieder hinaus suchen und ich wurde unsanft in die Ecke geschleudert.
Ich weiß nicht mehr ob ich noch bei Bewusstsein war oder dieses so gut wie verloren hatte. Hände die nicht menschlichen Ursprungs sind packten mich und zogen mich hinter sich her. Durch alles was von dem Schiff noch übrig war und der Besatzung, also den Resten die noch von Ihnen übrig waren.

Das Schlimme am Tod ist nicht das viele Blut oder der Anblick von heraushängenden Eingeweiden oder gar unsauber abgetrennten Körperteilen.

Nein das was einem den Lebenswillen nimmt ist der Gestank des Todes - eine Mischung des feinsten Parfüms aus Blut, Eingeweiden und Exkrementen. Es sind die Schreie - obwohl sie verstummt sind - die noch immer in den eigenen Ohren widerhallen und es sind die letzten leeren Blicke der entstellten Leiber die einen Nacht für Nacht immer wieder in seinen Träumen aufsuchen.

Schlussendlich wurde ich also aus meiner menschlichen Gefangenschaft befreit. Ich hoffe das meine Schrift verfolgendes Auditorium versteht, dass ich über diese Art der Befreiung nicht gerade erfreut war. Im Endeffekt endete sie auch nur in der nächsten orkischen Gefangenschaft und dazu meine geliebten Freunde, fehlt es mir aktuell noch an Kraft und Mut, dass damit verbundene Erlebte in Worte zu fassen.

Mir ist bewusst und dafür bin ich Euch und Temora unendlich dankbar das ihr mir Kraft gebt für das Bevorstehende. Möget ihr mir helfen die Feder zu halten und zu führen - für die kommenden Zeilen.

Verfasst: Montag 11. August 2025, 20:26
von Melyna Fuxthal
  • Es war der Wind in ihrem Haar, der salzige Geschmack auf ihren Lippen und diese unendlichen Weiten. Wohin man auch sah spiegelte sich entweder der Mond auf dem Meer, oder aber die Sonnenstrahlen brachen sich in den immer wieder sanft brechenden Wellen. Wo das Meer während der Reise die meiste Zeit ruhig war, so war es in ihrem Inneren alles andere als das. Sie dachte an das, was sie erwarten würde. An Bartholomeo, einen beinahe Unbekannten, dessen Schicksal sie so tief berührt hatte. Sie dachte an ihre eigenen Worte vor ein paar Tagen dort im Gästezimmer und den Austausch mit Beak dazu im Garten. Sie dachte an ihr Versprechen, an ihren Eid und das Gefühl von Zusammenhalt und Familie, das mit jeder Minute zu wachsen schien. Eines von vielen Gefühlen, die sie dachte schon längst vergessen und verlernt zu haben.

    Sie trat diese Reise an, um ein Ziel zu erreichen – und entdeckte, dass der Weg sie leise zu sich selbst zurückbrachte. Zu einer Version ihrer selbst, die sie so in der Gesamtheit noch nicht erlebt hatte: Entschlossener und mit einem Ziel vor Augen, das sich nicht auf einer Landkarte darstellen ließ.

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    Während sie sich mit einer Hand an der Reling festhielt, tasteten die Finger der anderen Hand erneut nach dem Pergament in ihrer Rocktasche. Geschrieben Worte können oft so viel mehr aussagen, als jeder Zwischenton bei Gesprächen es je könnte. Sie berühren, wo körperliche Gesten scheitern. Nach einem kurzen Blick zu Beak und Raia, die dort auf der anderen Seite des Decks in einem Gespräch miteinander vertieft waren, ließ sie ihr grünes Augenpaar ein weiteres Mal über die schier unendlichen Weiten des Meeres wandern. Alles schien hier so klein und belanglos und wieder einmal wurde ihr bewusst, dass sie alle Teil von etwas Größerem waren. Ab und zu zupfte die Einsamkeit noch an ihrem Herzen, die Erinnerungen an damals … und trotzdem war es seit sie den Entschluss gefasst und das Schiff betreten hatte nur noch ein Hintergrundrauschen, das in den meisten Momenten von anderen, weitaus deutlicheren Gefühlen überdeckt wurde.

    Die Heimat: Sie kannte sie nur vage aus seinen Erzählungen und doch genug um zu wissen, dass sich der Ort bei dieser Reise nicht mit den Schauergeschichten aus der Akte, die sie in der Vogtei gelesen hatte, in Einklang bringen lassen würde. Wie Licht und Schatten, wie Schwarz und Weiß. Bei dieser Reise würde es keinen Mittelweg geben. Aber vielleicht war auch genau das nötig: Ein klarer Blick, ein deutlicher Auftrag. Keine Zeit für Gedanken, kein Gehör für die leisen Töne, die zuletzt so oft ihren Geist fluteten und zu übermannen drohten. Einfach nur ein Schritt, nach dem anderen. Das mittlerweile so vertraute Gefühle der Pfeile an ihren Fingerkuppen, die Bogensehne zwischen ihren Fingern, - nicht mehr und nicht weniger. Sie würde ihr Versprechen halten und auch in den nahenden, dunklen Zeiten an seiner Seite stehen um als Gefolgsfrau des Hauses von Sankurio Gerechtigkeit walten lassen. Für die, die zu schwach waren. Für die, die zur falschen Zeit alleine standen. Für die, die Hilfe gebrauchen hätten können. Und da war er wieder … der Zwischenton, die nahende Flut in ihrem Geist, die Vergangenheit. Ihre Finger spannten sich etwas an, als das Pergament mit etwas mehr Nachdruck zurück in die Tasche geschoben wurde.

    Zwischen den Zeilen liegt manchmal mehr Wahrheit, als in jedem ausgesprochenen Satz.

    Sie würde nicht bereuen, weder ihre Worte, noch ihre Taten. Sie war bereit alles zu geben, was sie bereits ausgesprochen hatte. Und noch während die Gedanken wieder geordnete Formen anzunehmen begannen, zeichnete sich allmählich eine Küste ab. Der Geruch in der Luft veränderte sich, - fast als würde er bereits von dem sprechen wollen, was sie dort erwarten würde.

Verfasst: Dienstag 12. August 2025, 10:27
von Elisabeth van Falkenglanz
Bereits vor einigen Tagen war sie aufgebrochen. Mit einem schnellen kleinen Schiff nach Alyres. Doch was wollte sie dort?

Beak von Sankurio hatte Temora auf seiner Seite. Er war ein Paladin, der sich jeder Dunkelheit stellen konnte. Noch dazu hatte er gute Freunde bei sich, also warum war sie in einem anderen Schiff losgefahren? Sie hatte Breg und Kabo das Regiment überlassen, alles soweit geplant, vor Wochen hatte sie schon Briefe nach Greifenhain geschickt.

Doch warum? Sie hatte Briefe an Ferdinand und Gerard Greifenkron geschickt, ehemalige Kameraden und Freunde ihres Vaters. An den Knecht Heinrich. ...
Doch warum? Sie stellte eine Truppe auf. Temora mochte Beak von Sankurio schützen und begleiten, doch gegen Orks? War Greifenhainer Stahl sicher nicht verkehrt...
Langsam näherte sich das Schiff dem Hafen.. Sie war gespannt, wie viele Männer sich wohl einfinden würden. Wie viel Männer war der Name ihres Vaters noch wert? Und ihr eigener.. ?

- Ein paar Stunden Später, am Pier von Silberbach, ein eher unbedeutender Umschlagplatz von Handelsgütern. Elisabeth van Falkenglanz steht vor einem kleinen Tisch, gekleidet in ihrer Rüste und den Farben des Hauses von Sankurio. Hinter ihr wird ein Schoner beladen, Männer mit Pferden, Proviant.

"Zwanzig Mann - Greifenhainer. Beritten." sagte sie zu sich selbst, aber wusste nicht, wie sie es zu deuten hatte. Waren zwanzig Mann viel? Sicher, zwanzig Mann, die bereit waren für einen Baron, den sie nicht kannten, in einem fremden Land gegen Orks zu kämpfen? Verdammt viel. Zwanzig Mann, die den Namen Falkenglanz noch so gut kannten, dass er ihnen was bedeutete? Enorm viel. Zwanzig Mann, die ihr Leben auf Gedeih und Verderb in ihre Hände gaben - obwohl sie nur ihren Namen kannten? Unglaublich viel.

Zwanzig Mann, gegen eine möglicherweise Armee von blutdurstigen Orks, in einem Terrain das sie nicht kannten .... Vielleicht viel zu wenig ?

Die Reiter waren ein recht durchmischter Haufen. Neben den Brüdern Greifenkron, waren es ein paar altgediente Veteranen, die nicht 'Altes Eisen' sein wollten, junge Reiter, die sich für die Greifenreiter beweisen wollten und viel dazwischen. Zwei waren sogar mal Greifenreiter, hatten ihre Ehre verloren, nun sahen sie ihre Chance sie zurückzugewinnen. Scheinbar war der Ruf zu den Waffen ein Abenteuer, eine Chance und eine große Erwartung für sie.

Doch da war noch ein Freiwilliger - kein Greifenhainer. Nein, gar nicht. Ein Kerl namens Drago. Kurzform von .. irgendwas. Ein Kerl mit einem Schnurrbart, der selbst den von Gustav Grann übertraf - nur weniger gepflegt, nein im Gegenteil, strähnig und ungewaschen. Dazu ein fast kahlgeschorener Schädel, nur vorn, über der Stirn ein dreieckförmiger Haarschopf, der ihm in einer langen dunklen Strähne die Stirn runter hing. Stiefel aus Leder, vorne mit Schnabel und oben mit Fellbesatz. Alte abgetragene Hosen, deren buntes Muster kaum mehr erkennbar war, sowie ein abgetragener Kasack, mit Pelzbesatz und aufgesetzten Knochenperlen - genauso zerschlissen wie der Rest dieses Kerls. Dazu ein Säbel und ein Bogen.

Drago war ihr sofort zuwider. Sie verstand den Mann kaum, so fürchterlich war sein Akzent, nuschelig dazu, denn ihm fehlten vorne einige Zähne - Schlägerei mit ein paar Wachen. Er roch nach altem Sattelfett, Schweiß und Knoblauch.

Sie nahmen ihn dennoch mit, da er behauptete, er kenne Kalm. Oder besser gesagt, das Gebiet südlich des Orkenlands. Die Steppe des Ödlandes. Außerdem kostete er nichts.

Dennoch, alles an diesem Kerl stieß sie ab. Ein Barbar, vermutlich sogar ein elender Heide. Diese Kette die er trug, eine kleine Figur einer fetten nackten Frau, nur ansatzweiße ausgearbeitet, musste irgendeine heidnische Bedeutung haben. Ein Kerl, noch weiter weg vom Licht, als diese heidnischen Kerle aus K'wai.

Elisabeth versuchte ihn zu meiden, doch stets suchte er ihre Nähe. Aufdringlich. Er erzählte irgendwelche Geschichten, Geschichten von seinen Männern. Reiter, so gut wie keine anderen. Schneller als ihre aus Greifenhain. Mit Säbeln, schärfer schneidend als der Ostwind und Pfeile, die einem Raben das Auge ausschießen könnten.
Sie glaubte nichts davon - Ein Säufer, der sich die Überfahrt erschwindeln wollte und vermutlich Proviant abgreifen wollte. Aber Temora war auch Mitgefühl. Und dieser Mann schien so schnell weg zu müssen, dass er sich alle Mühe gab, unentbehrlich zu wirken. Was er nicht war - natürlich nicht.

Die Tage der Fahrt nach Kalm, waren nun eine Prüfung ... für ihre Nachsicht und ihre Nerven.

Drago... Womit hatten sie den nur verdient..?
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Verfasst: Mittwoch 13. August 2025, 21:50
von Elisabeth van Falkenglanz
Intermezzo - Orangenblüten und Würfel.


Siebenwacht - Schon ein paar Tage zuvor.


Eduard Hurtig war dritter Sohn des Ewald Hurtig, einem mehr oder minder bekannten Boten-Unternehmen in Familienhand. Wer von Gerimor aus einen Boten schicken wollte, der nahm Hurtig - Botenlieferungen in Anspruch, oder irgendeinen anderen Botendienst, der Markt ist ja umkämpft. In Bajard bietet ja jeder dahergelaufene Schiffsjunge Botendienste an, für ein paar Kekse und eine Hand voll Münzen.

Eduard Hurtig war jedoch mit einem Auftrag unterwegs. Er sollte nach Kalm reisen, zu einem Baron Beak von Sankurio. Kalm, Arsch der Welt.. Nein, orkenverseuchtes Furunkel am Arsch der Welt. Aber die Dame zahlte gut. Wobei, Dame... Naja, das Mädchen war eine Schlachtenjungfer. Unterarme wie ein verdammter Thyre, vermutlich hätte sie ihn mit ihren Schenkeln zermalmen können. Vielleicht wäre sie mal süß gewesen, wenn sie nicht mehr Narben hätte, als ein Veteran der Stadtwache von Varuna. Und diese Augenklappe. Knappe... Eduard hoffte, dass sie nicht alle so aussahen.
Egal, sie zahlte gut.

Eduard hatte das Schreiben in Empfang genommen und war von Gerimor nach Schwarzwasser aufgebrochen. Von Siebenwacht aus, liefen Schiffe eigentlich nach überall hin aus. Außerdem konnte man in Siebenwacht mal so ordentlich auf den Putz hauen, ohne dass es Ewald Hurtig mitbekam.

Eduard hatte schon eine Nacht mit gleich mehreren Damen durchgemacht, sodass von seinem Lohn schon ein nicht gerade kleiner Teil weggeschmolzen war. Oder abgeflossen? In die Höschen von.. Eduard grinste bei der Erinnerung an die letzte Nacht.

Doch nun sollte er vielleicht versuchen, einen Teil seiner Ausgaben wieder rein zu bekommen, damit es seinem Vater nicht so auffallen würde. Und da sah er seine Gelegenheit: Orangenhändler.

Zwei Kerle, gekleidet in feine Stoffe, duftend nach fremdländischem Duftwasser. Ihre Westen mit schicken Mustern von Orangenblüten geziert und Hände und Hälse geschmückt mit Geschmeide aus Gold. Verdammt, diese Kerle waren auffälliger als ein Pfau. Sie hatten sonderbare geflochtene Armbinden, in Schwarz und Blau. Sehr hübsch waren sie auch, exotisch und überaus gepflegt. Sie hatten wohl exotische Singvögel und Orangen in Siebenwacht verkauft. Damit scheint man wohl gewinn zu machen, dachte sich Eduard, als er die Kerle so betrachtete.

Eigentlich waren sie ihm zuwider. Elende Fremdländer, irgendwo aus dem Süden. Sonnengebräunt, stattlich.. noch dazu offenbar erfolgreich.
Da fasste er einen Entschluss: Diese zwei Kerle sollten für seine Kost und Logie aufkommen.

Würfeln - das war Eduards Steckenpferd. Nicht nur, weil er recht gut war, nein. Eduard hatte gezinkte Würfel - gleich drei.

Natürlich ließen sich die Kerle darauf ein - dumme Ausländer! Manura, Heimat der Orangen - und der dämlichen Idioten.

So endeten sie in einem Keller, schummriges Licht, Würfel auf dem Tisch. Und Eduard würfelte. Er gewann. Sie fingen mit kleinen Beträgen an.
Doch nach zwei Stunden, hatte er die Ausgaben für die letzte Nacht wieder drin. Wieso aufhören? Er könnte nochmal so eine Nacht haben, nein drei Nächte! Da erhöhte er die Einsätze. Die Orangen-Trottel zogen mit.

Doch dann, verlor er. Jeder konnte mal verlieren, klar.. Doch er verlor erneut. Und wieder.

Er würfelte drei Sechser, der Manuraner vier Sechser. Dann hatte Eduard eine große Straße - der Manuraner die höhere. Fünf Fünfer! Natürlich, der andere hatte fünf Sechser. Aus der Traum, das Gold war weg.

Da sprang Eduard auf und schrie, "So ein Scheiß! Ihr seid Würfelzinker! Ihr elenden verdammte, Scheißkerle..!"

"Aha? Du nennst uns Betrüger?" meinte der Mann, ihm gegenüber und schaute drein, als könne er kein Wässerchen trüben.

"JA! Scheiß-Elende-Drecks-Betrüger!" schnaubte Eduard, den Mann mit wutglühenden Augen anstarrend, " Ihr elenden ausländischen Zitronen-Fi...."

Da spürte er die Präsenz des zweiten Mannes hinter sich. Plötzlich griff ihn eine starke Hand am Gesicht, so fest, dass er spüren konnte, wie der goldene Ring in Form eines Tentakels, sich in die Haut seines Gesichts presste. Er hatte den zweiten Kerl vergessen! So ein Mist!

"Matteo." der Mann ihm gegenüber nickte einmal, damit war Eduards Geschichte besiegelt. Ein Rasiermesser glitt über seinen Hals. Zuerst spürte er nichts, dann eine Wärme, die zum Brennen wurde. Er bekam keine Luft mehr... und dann Dunkelheit.

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... Ein paar Stunden später fand die Siebenwachter Stadtwache die Leiche von Eduard Hurtig in einer Kiste voller Fischabfälle. In seinem Mund eine Orange, die Zunge gespalten und tiefer im Rachen - drei gezinkte Würfel... Eduards Würfel. Todesursache: Kehlenschnitt. Organisierte Kriminalität, eindeutig.



Die Nachricht an Beak von Sankurio? ... Würde wohl nie ankommen. Er würde nie erfahren, dass seine treue Knappin ihm zur Hilfe eilte.

Verfasst: Donnerstag 14. August 2025, 19:57
von Beak von Sankurio
  • … während die Seemänner noch schweres Gerät bedienten und die vielen Kisten mit einem Kran in der Hafenstadt vom Deck holten, waren Beak und seine Getreuen bereits zu Pferde in Richtung Heimatstätte.
    Ein willkommener Zwischenstopp, nach der langen Seereise. Dort wo rote Ziegel inmitten von güldenen Weizenähren sich offenbarten, war er, der eigene Hof und die Geburtsstätte des Paladins. Streng genommen mehr eine Illusion, wenn man die tiefere Vergangenheit dieses Mannes kennen würde, dennoch nicht ganz unwahr diese Behauptung.
    Die Pfade führten an Pappeln vorbei, welche sich wie eine Allee aufreihten. Die Sonne legte sich wie ein Energiespeicher auf die Felder, wovon ein eher warmer, malziger Geruch verströmt wurde. Einem Jeden wurde klar, die Ernte war reif.

    Die eigene Tradition wurde nicht gebrochen. Wie je wurde die Korrespondenz in die ferne Heimat gepflegt und die Heimreise angekündigt. Somit war für vielen Klar, dass der Hausherr eintreffen würde und doch wussten nur wenige Personen den wahren Grund dieser Heimkehr. Während die Kinder, welche oftmals auf den Feldern ihren Eltern halfen, frohlockten und gespannt auf den Paladin warteten, tuschelten schon die Älteren über die Gerüchte die sich dort nach und nach entwickelten.

    Nialia, die Hausdame und Freundin, wurde stets in Bilde gesetzt. Sie war das Bindeglied in die Ferne und das ausführende Organ. Neben den Verwaltungsaufgaben am Hofe musste Sie dieses Mal weitere Einzelheiten fernab dieser Örtlichkeit besprechen und koordinieren. Dieses ehrbare Vorhaben war kaum im Verborgenem der Geheimniskrämerei zu halten, spätestens mit Nialias Initiative die Garnison Löwenruh zu informieren, brachen die Gerüchte wie ein Lauffeuer aus.
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    Die Garnison Löwenruh selbst thronte auf einem sanft ansteigenden Hügel, dessen Hänge in den goldenen Stunden des Tages wie flüssiges Erz schimmerten. Ihre Mauern, von rotem Sandstein und dunklen Basaltadern durchzogen, wirkten nicht wie ein reiner Wehrbau, sondern wie ein stiller Schwur in Stein gefasst. An ihren Zinnen flatterten die roten Banner des Löwen, vom Wind gezerrt und doch ungebrochen, als wollten sie jedem Ankömmling ins Herz schreiben, wofür diese Mauern standen.
    Die Männer und Frauen selbst, die dort dienten, waren keine einfachen Waffenträger. Viele von ihnen stammten aus Familien, die seit Generationen in dem Grenzlande lebten. In ihren Blicken lag eine ruhige Wachsamkeit, ein Bewusstsein, dass ihr tägliches Werk weit mehr war als bloßer Dienst.
    Wer in Löwenruh diente, trug die Pflicht nicht allein in den Gliedern, sondern im Herzen. Und so stand die Garnison nicht nur als Bollwerk gegen die Scharen aus den Ödlanden, sondern auch als Hort für jene Werte, die jenseits jeder Mauer verteidigt werden mussten. Treue, Ehre und das stille Opfer, das niemand sang, aber jeder kannte.
    Wichtige Verbündete also für solch ein Unterfangen hinter den Reichsgrenzen. Der Major, ein Mann gezeichnet von Ehre und starken Arm, war zugegen und wartete schon am Landsitz mit Nialia auf die Ankunft der Drei, welche sich allmählich näherten.

    Die Begrüßung war herzlich und wieder einmal penibelste von der Hausdame vorbereitet. Die offene Umarmung galt erst den Damen, ehe sie langanhaltender Beak gewidmet wurde. Aufgrund der stechenden Mittagssonne wurden auch gleich kühlende, frisch gefüllte Bergquellkaraffen gereicht, eine willkommene Abkühlung.

    Die Stunden nach der Ankunft vergingen in jener angenehmen Trägheit, die nur ein vertrauter Ort zu schenken vermag. Die Pferde wurden von den Stallknechten versorgt, während der Duft von frisch gebackenem Brot und geschmortem Fleisch durch die Flure zog. In der großen Halle des Haupthauses knisterte bereits das Feuer im Herd, obgleich der Sommer den Abend noch warm hielt. Vermutlich mehr aus alter Gewohnheit denn aus Notwendigkeit.

    Der Hausherr schritt durch die vertrauten Räume, strich gedankenverloren über das geschnitzte Geländer der Treppe, über jene Kerben, die längst zu stummen Geschichten seiner Kindheit geworden waren. Nialia hatte wie immer alles in bester Ordnung gehalten. Kein Stuhl stand schief, kein Tuch war verstaubt. Sogar die Blumen in den Fenstern waren frisch, als hätte man geahnt, dass sie den Gästen den Abschied aus der Ferne erleichtern würden.

    Raia nutzte die Stunden, um in den Gärten entlang der Weizenfelder zu wandeln. Die Sonne spielte in ihren Haaren, während sie hin und wieder innehielt, um die Blüten mit den Fingerspitzen zu berühren. Sie sprach wenig, wirkte jedoch wachsam, als wolle sie jedes Detail des Ortes in sich aufnehmen.
    Hingegen sich Melyna meist in der Nähe des Paladins aufhielt, sie half beim Abnehmen des Reisegepäcks und bei kleineren Handgriffen. Man konnte in ihren Augen einen stillen Stolz erkennen, ein Teil dieser Heimkehr zu sein, auch wenn sie sich bewusst im Hintergrund hielt.

    Später nahm man an einer größeren Tafel im Außenbereich Platz. Der Paladin flankiert von seinen Getreuen saß der Hausdame gleich gegenüber. Es war eine üppige und gut gefüllte Tafel von allerlei Speisen und Getränken. Die aufkeimenden Gerüchte waren minder von Bedeutung dieser abendlichen, leb vollen Gespräche. Sie waren mehr von der Ernte und den verflossenen Festen am Hofe geprägt, sowie von alltäglichen Heldentaten die minder in die Ferse eines Barden ihre Bemühung fanden.

    Als die Sonne langsam hinter den Feldern versank, färbte sich der Himmel in tiefes Gold, dass in ein samtiges Blau überging. Vor dem Haus zirpten die Grillen und aus der Ferne war das leise Schlagen der Turmglocke von Löwenruh zu vernehmen. Ein ruhiger Puls, der die Nacht einläutete. Man blieb noch lange beisammen, bis die Müdigkeit schließlich schwer auf die Lider sank …

Verfasst: Donnerstag 14. August 2025, 23:18
von Raia Lathaia
Goldene Ähren und Löwen


Zurück.
Raias Finger glitten sanft über jeden Stein, jede Blume, jede Ähre. Sie sog den Duft ein, wann immer der seichte Wind eine neue Note zu ihr wehte.

Nach der herzlichen Begrüßung und der schieren Wiedersehensfreude hatte Raia sich zurück gezogen. Ihr Zimmer kannte sie, den Weg zur Küche und zum Garten ebenso. Das leise Zirpen der Zikaden floß wie ein seichter Strom um sie herum, als sie die altbekannten Wege über das Gut entlang schritt. Alles hier schien so vollkommen.

Vollkommen anders und doch so vertraut. Vollkommen in seinem Sein.
Eine Ambivalenz von Fremde und Vertrautheit, gebunden an einem einzigen Ort.

Raia brauchte den Moment der Einsamkeit, des stillen Gebets, des zu sich Findens. Soviele Gefühle, Gedanken, Erinnerungen und auch zuviel der Blicke in die Zukunft... Und gleichsam zu wenig.

Ein letzter einsamer Gang durch die Stallungen. Hier half sie mit, die Pferde am Abend zu versorgen. Die Robe war längst abgelegt und hatte einer luftigen Hose und einem dünnen Hemdchen Platz gemacht. Zweckdienlich und dem Klima angepasst.

Als es um sie herum immer stiller wurde, weil alle zum Abendessen ins Haupthaus gingen, die Pferde genüsslich an ihrem Heu knabberten, sah Raia zum Heuboden hinauf. Ihre Hand ging augenblicklich an ihr Herz.. einige tiefe Atemzüge... Stille und ein Versprechen.

"Ob es jemals wieder so sein wird, ob wir es jemals wieder so wollen, ob sich die Zeit wandelt und jener Wandel uns glücklich machen wird... Ich weiß es nicht mit Gewissheit. Doch verspreche ich Dir, dass wir jeden Schritt zusammen gehen werden. Unter den schützenden Schwingen und Ihrem Licht!"

Ihre Hand glitt noch einen Moment über das Holz der Gatter der Stallungen, ehe sie den Hof überquerte und gen Terrasse das Haus umrundete. Das Lachen, die Gespräche und die köstlichen Gerüche umfingen sie, ehe sie gänzlich um die Ecke bog.

Raia nahm ihren Platz neben Beak ein und neigte der Runde an der langen Tafel die Stirn. Ein seliges und doch tiefgründiges Lächeln lag wohl den gesamten Abend auf ihren Zügen.

Zuhause in der Fremde...

Und mit einem letzten Blick an das wunderschöne und bekannte Fresko an der Decke über ihrem Himmelbett, schloss sie die Augen. Eine Hand zu einer kleinen Faust an ihre Brust gedrückt, versank sie in ein Gebet, dass weit in die Nacht reichte.. ein inniges Gespräch mit Temora, über das, was war, was ist und was seien wird.

(The Wheat - Hans Zimmer, Gladiator)

Verfasst: Freitag 15. August 2025, 18:51
von Bartholomeo Felhaven

Akt III. – Der Aufstieg der Qual

Tapferkeit, aus Tapferkeit entspringt Mut.

Mut hilft uns sich unseren Ängsten zu stellen.

Mut hilft uns in der Finsternis nach dem Lichtschein zu greifen.

Mut hilft uns auch über uns hinauszuwachsen und manchmal, wenn auch nur gefühlt, ein Wunder zu vollbringen.

Ich kann es nicht beurteilen was mich zum Überleben zwang – ward es mein Überlebenswille, einfach Glück und purer Zufall?

Einzig weiß ich das Temora stets bei mir war und die Hoffnung meine geliebten Freunde wiederzusehen mich jeden Tag aufs Neue zum Überleben antrieb. Tief in meinem Inneren, in der letzten befestigen Bastion des Lichtes meiner eigenen Seele – da verharrte dieser Gedanke, diese Hoffnung und wehrte sich gegen den Schwall der unbändigen Finsternis.

Worüber fange ich an zu schreiben, wenn bei jedem Wort die Feder zittern mag und das Pergament von Tränen getränkt sei. Wenn bei der Erinnerung Schreie durch den Kopf hallen, Bilder des Blutes und Grauen vor einem auftauchen und die Gesichter der Toten vor einem Erscheinen.

Meine Gedanken sind Wirr, verzerrt, verloren. Lange Zeit in meinem Kopf herrschte ein wildes Chaos. Schatten, Leid, Qual, Verderben, Schmerz und der Tod. Nichts an als dies und die ewige Wiederholung – Schatten, Leid, Qual, Verderben, Schmerz und Tod.

Versuchen wir es – es irgendwie zu ordnen. Auch wenn ich mir sicher bin das dies noch nicht möglich sei.

Die Überlebenden oder nennen wir sie besser die Gefangenen oder einfach die menschlichen Opfer wurden an Land verschleppt. Es ging hinauf in die Berge zur Heimatstätte der Orks.

Ich weiß nicht mehr wie lange wir durch unbändige Wildnis und über felsige Klüfte marschieren mussten. Das Zeitgefühl, es verliert sich in Anbetracht der Situation. Jene armen Seelen, welche diesen Marsch nicht durchstanden wurden entsorgt und dienten schlussendlich als Wegration für diese widerlichen Bestien. Ob des wenigen Proviants was die Orks mit sich führten, hätten wir auch selbst darauf kommen können.

Ich kannte ihre Namen nicht, ich hegte auch keinen Groll mehr, obwohl Sie mich ja ebenso entführen wollten. Doch als einstige Widersacher saßen Sie nun erneut mit mir im selben Boot und erlebten mein eigenes Schicksal in diesem Trauerspiel auf ihre Weise. Ich hatte sogar Mitleid mit diesen Menschen.

Denn egal wie tief die Finsternis ihr Herz verdorben hatte, dass was Sie, was wir erlebten, es war durchaus furchteinflößender.

Jeder Schritt das schroffe Gebirge hinauf fühlte sich an als würde unsereins selbst sich Stück für Stück von seinem eigenen Sein entfernen. Die eigene Seele ein Stück tiefer an den Abgrund der Finsternis schreiten zu lassen.

Unsere Peiniger selbst hatten Freude daran sich an unserem Leid zu ergötzen. Als ob die unsrige Angst Nahrung für ihre Seele sei. Sofern Orks überhaupt etwas wie eine Seele haben, ehrlich gesagt zweifle ich stark daran. Aber mir ist auch kein Naturforscher der abscheulichen Völker der Welt bekannt, der solch eine Studienfahrt erfolgreich mit ausreichend Wissen überlebte.

Leder, Häute und vor allem viele Knochen bekleideten ihre riesigen muskulösen Leiber. Ihre Sprache war ein Grauen für unsere Ohren und ihr Blick, gepaart mit den vielen Tätowierungen und den mächtigen Hauern ließ unser eigenes Blut in den Adern gefrieren.

Dann, nach gefühlt einer Ewigkeit, erreichten wir ihre Heimstätte. Also die, die noch von uns übrig waren und nicht unterwegs im Kochtopf gelandet sind. Blutrote Banner mit einem Schädel mit Drei Löchern umgeben von einem Dreieck, sowie drei Krallen - standen triumphierend auf mehreren Hügeln. Gehisst auf einem Berg von Knochen der Opfer der Orks.

Es war Nacht als wir ankamen und im Fackelschein wirkte diese Banner deutlich lebendiger als es für ein Stück Leinen üblich ist. Die Reflexion des Lichtes offenbarte uns, das jene Banner in Blut getränkt wurden und zweifelsohne war uns klar - sollten Sie noch mehr Banner aufstellen wollen oder aus welchen Gründen auch immer erneuern wollen - woher Sie dieses Blut bekamen. Unweigerlich schnürte es einem die Kehle zu, es fiel schwer zu atmen. Die Welt um einen herum wurde beengt und klein. Angst und Furcht vereinnahmten unser Wesen.

Unsanft sperrten Sie uns in Gruben nahe der Erdoberfläche, dessen Fallgitter aus stabilen Knochen bestanden. Inmitten dieser Ansammlung von Gefängnisgruben stand ein Pfahl an dem sich die Überreste eines oder gar mehreren Menschen, es ward schwer zu erkennen, befanden. Zweifelsohne ein Mahnmal keinen Widerstand zu leisten und gleichzeitig eine Machtdemonstration der Orks selbst um uns einzuschüchtern. Mit Erfolg so will ich meinen.

Einst dachte ich, dass die Angst vor dem eigenen Tode das größte Übel auf dieser Welt sei. So wurde mir doch in diesen Stunden, Tagen oder gar Wochen bewusst – dass es durchaus schlimmere Ängste gibt als ich mir je in meinen schlimmsten Alpträumen ausmahlen hätte können. Der Tod selbst wirkte da viel eher und für manche war er es sogar, wie eine sehnlichst herbeigerufene Erlösung.

Erlösung von Schmerz und Qual und schlimmeren Dingen die ich an dieser Stelle kaum beschreiben mag. Schatten, Leid, Qual, Verderben, Schmerz und der Tod. Fleisch, ja wir waren für sie wie Fleisch in vielerlei Dingen und dies ließen Sie uns jeden Tag spüren.

Rationales Denken, einen Weg der Flucht zu suchen - die Lage um einen herum vernünftig einzuschätzen, das war schier unmöglich. Viel eher konzentrierte sich unsereins zu überleben und nicht der nächste Hauptgang im Festbankett der absurden Kreaturen zu sein. Deren Reste übrigens als notwendiges Mahl dienten um die Überlebenden für die kommende Sklavenarbeit zu stärken. Näher mag ich dies textlich nicht weiter ausführen. Der hoffentlich angewiderte Leser wird sich seinen Teil dabei denken können.

Ich bitte hier auch nicht um Verzeihung oder Vergebung, sofern dies möglich sei. Es ward ein unfreiwilliger Weg um zu überleben und wenn etwas von Wert sei in dieser Situation, dass es trotz Verzweiflung und Erniedrigung doch einen Funken Hoffnung gibt der einen aus diesem finsteren Tal hinausführt.

Bei Temora – dein Licht ließ mich trotz dieser Finsternis die meinen eigenen Leib und meine Seele umnebelten doch noch hoffen.

Meine Hand kann kaum noch die Feder halten, viel mehr Erinnerungen – eine schmerzhafter als die andere wirren durch meinen Kopf. Es fehlt mir einfach die Kraft dies alles niederzuschreiben. Vielleicht kann ich eines Tages über sie berichten oder sie gar in leserlicher Form niederschreiben. Doch noch scheint diese Tür fest verschlossen zum Schutze meiner Selbst und ich bitte den Leser an dieser Stelle zu verzeihen, dass auch ein gebrochener Barde seine Grenzen hat.