Vom Husten, vom Meer und der Dunkelheit
Verfasst: Sonntag 3. August 2025, 16:07
Der Husten war gekommen wie eine alte Schuld, die er nie begleichen konnte. Zuerst nur in den Nächten, wenn er allein war. Dann auch tagsüber, bis die Brust bei jedem Atemzug brannte. Er wusste, was es bedeutete. Er hatte gesehen, wie derselbe Husten erst seine Mutter, dann seinen Vater geholt hatte. Kein Heiler konnte helfen, und kein Gebet hatte die Krankheit aufgehalten.
Mit seinen 24 Jahren stand er nun an der Küste von Gerimor, das Meer vor Augen, und fühlte die Schwere seines eigenen Endes. Er hätte in einer Spelunke verrotten können, still und vergessen, wie viele, die er in den verfaulten Hütten gekannt hatte. Doch so wollte er nicht gehen.
Er wollte nicht hustend und würgen im Bett sterben, sondern auf dem Meer. Sein Grab, das er selbst wählte.
Also heuerte er sich in Bajard auf ein kleines Schiff an, das hinausfuhr, um einem gewaltigen Ungetüm nachzuspüren, von dem man in den Spelunken flüsterte.
Die Männer lachten über seinen Husten und die Narben in seinem Gesicht, doch sie lachten nicht mehr, als sie sahen, wie entschlossen seine Augen waren.
Die See nahm ihn in Empfang wie einen alten Freund. Man kannte sich, das war nicht die erste Fahrt. Der Wind peitschte, der Himmel zog sich schwarz zusammen, und mit dem Sturm kam das Biest. Es erhob sich aus den Fluten, größer als jedes Schiff, mit Augen wie glühende Kohlen in der Nacht.
Der Kampf war wild und stürmisch wie die See. Leonel, die Brust voller Schmerz, griff nach der Harpune, spürte das Fieber in seinen Gliedern. Jeder Atemzug schnitt wie ein Messer, aber er wusste, dies war der Augenblick. Mit letzter Kraft stieß er die Waffe in das Fleisch der Bestie.
Das Seil spannte sich, das Schiff ächzte, die Männer schrien.
Dann packte ihn der Husten, im denkbar schlimmsten Augenblick. Er fiel auf die Knie, mit Blut auf den Lippen und in diesem Augenblick schlug das Meer über ihm zusammen. Die Kälte umarmte ihn, die Dunkelheit nahm ihn auf. Doch er spürte keine Angst. Nur Frieden.
Er dachte an seinen Vater, wie er mit rauen Händen Netze flickte, an das Lächeln seiner Mutter, bevor sie in Fieberträumen verschwand.
„Ich komm’ doch heim“, flüsterten seine Gedanken in die Fluten.
Als der Sturm sich legte, trieb keine Spur von Leonel mehr auf dem Wasser. Nur das gerissene Seil der Harpune schwamm auf den Wellen, das andere Ende noch am Schiff befestigt. Als hätte das Meer entschieden, ihn bei sich zu behalten, sank sein Körper ungesehen in die dunklen Fluten.
Leonel starb, wie er gelebt hatte - mit den Augen auf das Meer gerichtet, das ihn am Ende nach Hause holte.
Mit seinen 24 Jahren stand er nun an der Küste von Gerimor, das Meer vor Augen, und fühlte die Schwere seines eigenen Endes. Er hätte in einer Spelunke verrotten können, still und vergessen, wie viele, die er in den verfaulten Hütten gekannt hatte. Doch so wollte er nicht gehen.
Er wollte nicht hustend und würgen im Bett sterben, sondern auf dem Meer. Sein Grab, das er selbst wählte.
Also heuerte er sich in Bajard auf ein kleines Schiff an, das hinausfuhr, um einem gewaltigen Ungetüm nachzuspüren, von dem man in den Spelunken flüsterte.
Die Männer lachten über seinen Husten und die Narben in seinem Gesicht, doch sie lachten nicht mehr, als sie sahen, wie entschlossen seine Augen waren.
Die See nahm ihn in Empfang wie einen alten Freund. Man kannte sich, das war nicht die erste Fahrt. Der Wind peitschte, der Himmel zog sich schwarz zusammen, und mit dem Sturm kam das Biest. Es erhob sich aus den Fluten, größer als jedes Schiff, mit Augen wie glühende Kohlen in der Nacht.
Der Kampf war wild und stürmisch wie die See. Leonel, die Brust voller Schmerz, griff nach der Harpune, spürte das Fieber in seinen Gliedern. Jeder Atemzug schnitt wie ein Messer, aber er wusste, dies war der Augenblick. Mit letzter Kraft stieß er die Waffe in das Fleisch der Bestie.
Das Seil spannte sich, das Schiff ächzte, die Männer schrien.
Dann packte ihn der Husten, im denkbar schlimmsten Augenblick. Er fiel auf die Knie, mit Blut auf den Lippen und in diesem Augenblick schlug das Meer über ihm zusammen. Die Kälte umarmte ihn, die Dunkelheit nahm ihn auf. Doch er spürte keine Angst. Nur Frieden.
Er dachte an seinen Vater, wie er mit rauen Händen Netze flickte, an das Lächeln seiner Mutter, bevor sie in Fieberträumen verschwand.
„Ich komm’ doch heim“, flüsterten seine Gedanken in die Fluten.
Als der Sturm sich legte, trieb keine Spur von Leonel mehr auf dem Wasser. Nur das gerissene Seil der Harpune schwamm auf den Wellen, das andere Ende noch am Schiff befestigt. Als hätte das Meer entschieden, ihn bei sich zu behalten, sank sein Körper ungesehen in die dunklen Fluten.
Leonel starb, wie er gelebt hatte - mit den Augen auf das Meer gerichtet, das ihn am Ende nach Hause holte.