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Die Linie unter der Haut - Echo eines zerbrochenen Erbes

Verfasst: Sonntag 27. Juli 2025, 09:38
von Nemia Werheim
Die Nacht hatte sich wie ein dunkler, samtiger Mantel über die Gemächer gelegt und selbst das Knistern des Kamins wirkte gedämpft, wie ein Flüstern, das sich kaum noch traute, zu stören. Der schwere Wein in der Kristallkaraffe war längst abgestanden, das Glas daneben halbvoll und unberührt, als sei es nur zur Zierde dort geblieben.
Nemia lag nicht, sie saß, wie so oft, wenn sie nicht wusste, wohin mit sich. Die Welt war still, doch in ihrem Inneren regte sich etwas, das nie ganz schwieg – eine Wunde, tief, alt, aber noch immer schimmernd feucht im Kern.
Und so kam der Schlaf nicht sacht, nicht wie ein Gnadenakt, sondern wie ein Absturz, abrupt und unausweichlich.
Mit ihm kehrte das zurück, was nie ganz fort war.

Isidor.
Oder das, was von ihm geblieben war, nicht Fleisch, nicht Macht, nicht Stimme. Nur ein Gedanke, ein einziger, der sich festgesetzt hatte wie ein Splitter unter der Haut, zu klein zum Greifen, zu tief zum Vergessen.

Der letzte Tag. Das letzte Bild. Ein frostiger Abend vor Adoran, das Streitross bäumte sich, der Himmel war bleich, fast blutleer und sie, sie hatte gehalten. Gehalten, als alle losließen. Gehalten, als jedes Wort gegen sie sprach. Und doch, es war nie Mut gewesen, nicht in ihren Augen. Es war… etwas anderes. Etwas, das sie bis heute nicht zu benennen wusste. Dann sanken die Gedanken tiefer, wanderten an Orte, die sie nicht mehr mit Willen steuerte. Und dort, im dämmernden Dazwischen, begann der alte Tanz der Stimmen, Schatten und Gesichter von Neuem, wie ein Stück, das nie aufhörte, nur verstummte, bis es wieder zum Leben erweckt wurde.
Die Bilder begannen sich zu schichten. Erinnerung auf Erinnerung, nicht wie in klarer Folge, sondern wie Fragmente eines zerbrochenen Spiegels. Ein Raum mit schweren Vorhängen, weinrotem Licht und süßem Rauch in der Luft. Eine Frau, elegant, beinahe übernatürlich in ihrer Anmut, hob ein zartes Glas zum Gruß. Ihre Stimme war weich, doch fest. Ein Befehl in Samt gehüllt:

„Kein Wort. Niemals. Für niemanden.“
Sie lebte auch nicht schlicht. Nie. Nicht aus Eitelkeit, eher weil sie wusste, was Leere war. Der Glanz, mit dem sie sich umgab, war keine Maskerade oder Prunk. Es war Erinnerung in Stoffform. Jeder goldene Saum, jede aufwendige Stickerei, sie warf Schatten zurück auf das, was war. Sie war nicht mehr das zerbrochene Etwas, das sie einst war. Aber sie war auch nie wieder ganz geworden. Wenn das Licht des Nachmittags durch die hohen Fenster fiel und sich auf dem dunklen Holz spiegelte, erkannte sie sich manchmal. Nicht im Spiegel, die scheute sie mittlerweile, sondern in der Stille dazwischen. Dort, wo das Lied schwieg und das Echo ihrer Geschichte wieder zu ihr sprach. Leise. Fordernd. Immer da.

So begann es.
Nicht mit einem Schwur, nicht mit einem Eid, sondern mit Schweigen. Mit Verbergen. Mit dem ersten Schritt in einen Nebel, aus dem es keinen einfachen Rückweg mehr geben sollte.
Der Ort wechselte: Das Büro des Statthalters, dunkle Bücherregale, das Ticken einer kleinen Uhr.
Ein anderer Schatten, diesmal männlich und deutlich bedrohlicher. Eine Ruhige Stimme, die sich in ihre Nähe schob wie ein kalter Windzug:

„Vertraut uns. Seid offen. Und sprecht mit niemandem darüber.“
Gesichter kamen, Worte flackerten auf wie Flammen, kurz, heiß, gefährlich. Manche Stimmen schmeichelten, andere forderten, wieder andere drohten.
„Ihr seid von Nutzen... bald wird sich eure Rolle ändern.“
„Meldet euch, wenn etwas Relevantes geschieht.“
„Wir hatten Abkommen.“
„Wach auf, Nemia!“

Doch war sie gefangen in der Vergangenheit, in diesem zitternden Zustand zwischen Erinnerung und Fieber. Ihr Körper begann sich zu winden, erst leise, dann abrupt, als müsste sie sich selbst aus einer unsichtbaren Umklammerung befreien. Dann – ein Geräusch.
Ein metallisches Singen, plötzlich, vertraut. Ein Schwert in der Luft. Der Schlag traf nicht sie,
er traf direkt vor ihr auf, so nah, dass sie den Frost auf dem Boden fühlen konnte. Ein Kopf rollte.
Dumar.
Der Ausdruck in seinen Augen, eingefroren in dem Moment, in dem alles für ihn aufhörte. Das Kreischen in ihrem Schädel wurde ohrenbetäubend, ein langgezogenes Sirren, das jede Erinnerung zerschnitt, bis nichts blieb als
Schmerz.
Man sagt, mit Liedwirken können wir uns heilen, zurückkehren zur Klangstruktur bevor das Fleisch zerschnitt. Es mochte stimmen. Doch manche Narben blieben stumm, weil sie zu tief lagen. Zu sehr mit dem Grundgewebe verwoben. Die Narbenlieder, die in ihr klangen, hatten sie verändert. Ja. Aber nicht ausgelöscht.
Manche Abgründe, so spürte sie, kann man nicht schließen. Nur umrunden, auskleiden, manchmal besingen. Und selbst das nicht immer. Die Erinnerung war nicht ihr Feind. Aber auch kein Freund. Eher ein ständiger Mitreisender, der schwieg, aber immer wieder den Blick zu ihr richtete, wenn der Tag still wurde.


Und dann kam der Befehl:
„Nehmt sie fest.“
„Peitschenhiebe!“
„Hände nach vorne. Jetzt.“

Ein Rucken, sie schlug die Augen auf. Keuchend, suchend.
Der Atem war flach, die Haut feucht. Sie war allein, umgeben von Wärme und Samt. Und doch, sie war dort gewesen.
Wieder.
Manchmal fühlte es sich an, als würde etwas zwischen den Stofflagen ihrer Gewänder hängen bleiben. Gedanken, Erinnerungen, nicht greifbar, aber spürbar. Wie Staub, der sich tief in die Falten legte. Sie trug ihn mit sich, überallhin. Selbst der Duft von Rosen und faunischen Pflanzen, den sie sich abends in den Nacken legte, konnte ihn nicht ganz überdecken.
Erinnerung hatte kein Gewicht. Und doch zog sie an ihr, wie nasser Samt. Sie sagte sich oft, dass das Leben weitergegangen war. Dass sie gewachsen war. Und trotzdem kam es ihr vor, als hätte sie damals, in jenen Tagen, als das Reich zu zerfallen begann, einen Teil von sich selbst irgendwo liegen lassen. Einen Teil, den nur sie vermisste.


Nicht nur im Traum.
In ihr.
Denn dieser Teil von ihr hatte dort nie aufgehört zu existieren.
Zersplittert, vernarbt,
aber nie ganz vergessen.
Ein Bild. Ein Mann auf einem Streitross.
Und mit ihm – der eine Gedanke, der nie wich.
Nie verklang.
Nie verzieh, besonders nachdem was sie vor einigen Monaten beobachten musste…

Ergab sich nun endlich die Möglichkeit diese Narbe zu heilen, mit einer Gelegenheit die sich dort in den Weiten des Horizonts aufgetan hat, nicht mehr gänzlich ausser Reichweite.

Verfasst: Dienstag 29. Juli 2025, 02:24
von Nemia Werheim
Die Grabkammer unter der Ordensburg war kalt, aber nicht leer. In ihr lag Erinnerung – schwärzer als der Stein, schwerer als die Luft. Nemia kam inzwischen alle Paar Nächte hier her. Es fiel bereits auf. Nicht um Staub zu entfernen. Nicht um zu trauern. Sondern um zu denken. Es war Rückzug, Prüfstein und Spiegel. Hier war kein Platz für Eile. Nur für Erinnerung und Gedanken und diese hatten sich zuletzt so verdichtet, dass sie kaum noch Raum zum Atmen ließen. Sie dachte an die Seelen, die ihren Weg gekreuzt hatten, manche gebrochen, manche geopfert, andere einfach verloren. Und sie dachte an die, die in dieser Gruft ruhten, still und längst vergessen.

Die Kerzen flackerten im unbeständigen Luftzug, warfen Schatten an die Wände, als wollten sie Geschichten erzählen, die längst keiner mehr kennt. Ihr Blick ruhte auf der Statue am Ende der Kammer. Eine hochgewachsene Person in schweren Gewändern. Der linke Arm hielt ein verschlossenes Buch an die Brust gedrückt, der rechte wies in die Leere, oder auf etwas, das längst vergangen war.

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Venaresh, so hatte man ihr gesagt, von den ersten Arkorithern. Was man über jene Person sagte, war fragmentarisch und doch war Nemia sicher, dass es nicht alles war. Nicht einmal annähernd. Sie trat näher. Das Licht offenbarte kaum mehr als das strenge Relief des Gesichts, eine Andeutung straffer Züge, kaum mehr als ein Schatten unter der Kapuze. Nemia blieb stehen. Wie oft nun schon? Sie wusste es nicht mehr.

Es war kein offener Plan. Noch nicht. Nur ein Gedanke. Aber Gedanken waren gefährlich, vor allem in ihrem Kopf.
Sie hatte Dinge getan, für die andere ihr den Rücken gekehrt hatten.
Entscheidungen getroffen, über die man nicht sprach.
Sie hatte fast ihr Leben verloren, mehr als einmal.
Ging Dinge ein, die für andere Undenkbar waren.
Immer noch ist sie hier und schon lange war dieser nervtötende Splitter unter der Haut vorhanden.

In Ihr arbeitete etwas. Etwas, das nie einen Namen bekommen hatte. Seit sie dem Herold Kra’thors die Hand gegeben hatte – wortwörtlich – war ihr Bewusstsein nicht mehr allein geblieben. Zwar war kein leises Wispern, keine Stimme, kein Fordern, aber aus dem Schatten hinter dem Spiegel ihrer Gedanken lag trotzdem etwas, das dumpfe Wissen, dass in ihr etwas lag, das sie nicht mehr abschütteln konnte. Würde es überdauern? Würde es sie in den Schlot ziehen, wenn alles endet? Kriegt er nun auch einen Namen, düsterer Begleiter?

Sie hatte vieles gesehen in den letzten Jahren, auch Dinge, über die niemand sprach. Auch andere haben es gesehen, inmitten des Tempels in Rahal und doch erhob niemand die Stimme des Zweifels. Vielleicht aus Angst, was es bedeuten würde.
Etwas hatte sich nicht gefügt. Nicht wie es sollte. War es alles eine Lüge?
Seitdem blieb in ihr dieses weitere nerviges Fragment, gesellte sich fast neben den Splitter und ihrem düsteren Begleiter, bildeten makabere Einheit. Denn im Grunde handelte alles von selber Sorge.

Und nun stand sie wieder vor Venaresh Akyreon, uralt, vergessen, verborgen. Doch nicht alles, wie sie erst kürzlich festellte, als der Elegido wieder zum Geschichtenerzähler wurde. Er war alt, ein Greis, manchmal ekelhaft, besonders die Erinnerung an sein Haus. Aber nützlich, sehr nützlich, wie sich wieder heraus stellte. Nemia fragte sich: Kann es hilfreich sein? Ein Schauer kroch ihr über den Rücken. Nicht aus Angst. Sondern weil eine Antwort auf diese Fragen eine Grenze überschreiten würde, von der es wieder kein Zurück gäbe. Doch sie sprach sie nicht laut aus. Niemand durfte hören, was dort in ihr wuchs. Noch nicht.

Denn Gedanken, die flüstern, haben Zeit.
Sie wusste, dass es nicht das erste Wagnis wäre, das sie beinahe das Leben kostet.
Aber vielleicht das erste, was wirklich durchdacht war und nachhaltigen Sinn ergeben würde.

Verfasst: Dienstag 29. Juli 2025, 22:54
von Nemia Werheim
Er war der Faden, der sich immer wieder durch ihr Denken zog, seit dieser Begegnung vor Berchgard. Unscheinbar vielleicht, jung noch – doch nun eingewoben in das größere Muster. Ihre Gedanken waren keine losen Stücke mehr, keine zufälligen Regungen. Sie verfolgte ein Ziel und ihr Plan nahm weitere Gestalt an, war längst mehr als bloß ein Vorhaben.

All diese Gedanken begannen vor einigen Wochen. Der Grund dafür das sie sich immer mehr in diesen Dickicht der Überlegungen hineingab.
Sie war losgezogen, wie so oft, ohne Ziel, doch nicht ohne Absicht. Ihre Ordenskleidung lag schwer auf ihren Schultern, die tiefschwarze Robe ein Schatten gegen die ersten Strahlen der Sonne. Ihre Füße trugen sie schweigend durch das alte Gehölz, in Richtung einer der verlassenen Grüfte an den Grenzen. Orte, an denen Erinnerungen lagen wie Staub.
Doch an diesem Tag war es anders. Der Wind roch nach Eisen. Nach Regel. Nach Lichtenthal.

Sie hatte kaum Zeit, sich zwischen den Hügeln zu verlieren, als das Gold bereits die Anwesenheit auf hohen Rössern kundtat. Das Regiment. Die bekannte Uniform, die goldenen Mäntel, diszipliniert wie ihre Überzeugung. Es waren erst nur Zwei. Doch dann viele, zu viele, besonders als direkte Verstärkung dazu kam und was da kam, ließ ihr Inneres in einen wachsamen Strom aus Kontrolle und Kalkül kippen: ein Arcomagus. Und nicht irgendeiner, sein Auge hatte Krieg gesehen und seine Aura lag schwer wie Öl auf Wasser.

Es war bereits zu spät, um noch zu fliehen. Weitere Personen. Und dann… ein Jüngling, des Arcomagus Schüler. „Ein Duell nach alter Schule“ mit seinem Schüler, verlangte der Arcomagus, versprach dafür den Ort lebend und in Freiheit verlassen zu dürfen. Er wurde als Studioso vorgestellt und der Arcomagus war tatsächlich der Meinung das ihre Studien auf gleichen Stand sind, doch war sie eine Adepta, trotzdem: Sie wollte nicht. Es war ein Risiko. Aber sie konnte auch nicht kneifen, nicht einfach fliehen, nicht mit einem Arcomagus, der jede Regung im Lied sah. Also trat sie auf die gewiesene Stelle. Was könnte ein Studioso ihr schon antun? Mit Flämmchen schmeissen? Sie würde ihn zerreißen.

Der Junge, nein, der junge Mann stellte sich aufrecht, so gut es ging mit dieser Krücke – wie erbärmlich. Dann eine Vorstellung, als würde man in Übungshallen stehen: Aaryon von Hohenfels.
Sein erster Fehler. Er hatte sich offenbart. Aus freien Stücken. Als wäre er unverwundbar. Ein Zucken in ihrer Miene. Nicht sichtbar unter der Maskierung.
Hohenfels.
Wie ein Echo hallte der Name durch ihr Inneres. Edel. Rein. Licht. Doch auch all das, was sie stets lernte auszunutzen. Ein leuchtender Fleck in einem Bild, das sie langsam schwärzen wollte. Noch kam sie nicht auf den Gedanken, der viel tiefgreifender werden würde. Sie spielte mit ihm. Mit seinem Stolz, seinem Glauben, dem säen einer Saat und auch in dem Kampf in der Liedebene. Versuchte, Risse zu treiben in das, was ihn zusammenhielt.

Doch er hielt.
Er passte sich an.
Und dann – übertraf er sie.

Sein Fluss im Lied war sicher. Seine Antworten präzise. Sie begriff, was sie übersehen hatte: Studioso bedeutete bei ihnen nicht das, was es bei den Arkorithern tat. Er war wie sie – ein Adeptus. Nur... bescheidener benannt.
Wie dreist!

Und sie? Sie floh. Mit verbalem Fluch, mit einem Riss im Boden, ließ sie Staub aufsteigen, zertrümmerte Sichtlinien, verwischte Pfade und dann rannte sie. Und doch: Sie kannte nun seinen Namen, wusste von seiner Existenz. Seine Stimme. Seine Art zu wirken. Sogar Schwächen.
Und so wurde der Kampf, trotz seines Triumpfes, ihr erster Schritt.
Sie hatte verloren, ja. Zumindest oberflächlich. Doch war es nicht genau das, was ihn nachlässig machen würde? Selbstsicher?
Verlieren ist keine Niederlage, wenn man weiß, was man daraus spinnen kann.


Seitdem hatte sie ihn gesucht. Nicht hastig, sondern gezielt. Ein Schatten im Gebüsch, eine Krähe in der Krone, eine Katze im Feld. Ein…. Dann sah sie ihn, mitten in Kronwalden. Die Kapelle lag ruhig da, von Ranken halb umwoben, ihre Mauern warm im roten Licht des späten Abends. Der Wind rauschte leise, ein Sommertag, beinahe friedlich. Kein normaler Mensch hätte in ihr die Frau erkannt, die einst mit ihm kämpfte. Sie lag verborgen, regungslos, zwischen den Blättern des Waldrandes.

Und er saß dort.
Allein.
Ein Bein fehlte. Die Hose über dem Knie ordentlich vernäht. Eine Krücke an der Seite. Ein Buch in den Händen. Kein Ausdruck von Wut. Kein Groll. Nur… Ruhe. Sie schlenderte in seine Richtung, tat was sie am besten konnte: Verschleiern. Doch ließ sie ihn dann alsbald auch in Ruhe als zu viel Aufmerksamkeit um das Gespann gelegt wurde.

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Sie musste noch warten, es wurde ihr befohlen.
Es war ohnehin noch nicht die Zeit.
Zu vieles war noch ungesagt, zu vieles ungeklärt.
Was sie brauchte, durfte nicht mit Hast genommen werden. Es musste bereitliegen, geöffnet, gelenkt.
Sie beobachtete, sammelte, bereitete vor.
Denn manche Wege führten nicht durch Gewalt, sondern durch Geduld.
Er war nur ein Teil, ein kleines Stück eines Mosaiks, wenn alles an seinem Platz war, würde er genau dort stehen, wo sie ihn brauchte und er, hoffentlich unvorbereitet.

Verfasst: Freitag 1. August 2025, 11:06
von Nemia Werheim
Mit jedem Tag wuchs der Ärger in ihr. Nicht hitzig, nicht aufflammend wie einst – sondern kalt, zäh, kalkulierend. Dass sie dem Maestro nicht in die Quere kommen durfte, verstand sie… aber sie verzieh es ihm nicht. Sein Spiel mit dem Konvent war wie ein Steinwurf in stilles Wasser – zu früh, zu laut. Der Fuchs hatte begonnen zu streunern und der Hühnerhaufen war nun aufgeschreckt. Sie wusste, wie nervös das ehemalige Phoenixkonzil werden konnte, wenn man an ihren Gittern rüttelte. Und wenn sie sich erst im Stall verschanzten, würde es schwerer, sie zu greifen. Schwerer, ihn zu greifen.

Doch Nemia war nicht mehr ganz allein. Die Bindungen, so locker sie waren, wogen genug, um sie zurückzuhalten. Früher die einsame Raubkatze, musste sie sich nun einfügen in das Geflecht der Machtstrukturen. Und vielleicht war es gut so. Vielleicht war dies eine Lektion der Geduld. Sie lernte. Überhastete Schritte, das wusste sie nur zu gut, waren in der Vergangenheit oft der Grund ihres Scheiterns gewesen.


Wenn schon keine großen Pläne vorangetrieben werden konnten, dann wenigstens die kleinen. Splitter ins Fleisch treiben. Schatten säen. Gezielt in andere Richtungen, für Ablenkungen sorgen.
Die Regimentswache, die sie und ihre Begleiter beinahe überrascht hätte, zahlte teuer für diesen Fehler am strahlenden Mittagstag eines Spazierganges vor den Toren des Hort des Wissens. Der Kopf des Mannes rollte über den Boden, ein dumpfer Schlag gegen den festen Boden, ein feuchtes Echo des Bluts.
Er blieb vor ihren Füßen liegen.
Ein Augenblick lang betrachtete sie ihn, wie einst den Kopf Dumars.
Damals war ihr Atem gefroren, die Glieder starr, das Herz wie eine Glocke im Sturm. Heute war da nichts. Nur Stille. Gewohnheit.
Das Päckchen wurde ordentlich präpariert und den edlen Spendern hinterlegt. Die Gruppe zog sich zurück, ohne Hast. Niemand hetzte sie, das war ihr neues Privileg. Sie spürte, wie auch sie Teil des Machtgefüges wurde. Wo so einst in den Schatten lauerte und nicht wagte offen umher zu wandern, erhob sich langsam die Überlegenheit. Nicht Hochmut, sondern tatsächliche Macht, trotz Rückschlägen. Ein Blick zurück als die Gruppe den Rückweg angetreten hat und beinah am Rittersee vorbei war, sie drehte sich noch einmal ein.

Adoran. Soviele Erinnerungen.

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Glockenschläge waren zu vernehmen, die sanftmütige Amelie hatte wohl Alarm geschlagen, als sie leibhaftige Zuschauerin des Köpfen durch die Magistra wurde. Kurz darauf kehrte auch schon eine Stille ein, doch sie wusste es besser. Still war nicht sicher.

Still war, wenn sich Dinge verbargen, wenn sich der Dreck in den Ritzen sammelte, wenn die Masken aufgesetzt wurden und die Klingen unter Tischen warteten. Sie kannte Stille. Sie hatte darin gelebt, geatmet, sich verloren und gefunden.
Es ist noch Zeit zu horchen, zu flüstern, zu stören.
Der kleine Hahn, der stolz gekräht hatte, war wirklich im Stall geblieben. Gesehen wurde er seit der Begegnung in Kronwalden nicht mehr. Doch auch der Hühnerstall ist nur ein Verschlag aus Brettern und trügt mit Sicherheit.

Verfasst: Freitag 1. August 2025, 12:51
von Innes Ontanu
Nichts aber auch rein gar nichts, was ich als vollkommen normal, oder gewöhnlich erachtete, war es auch.
Meine lange Abwesenheit, hatte meine Sinne nicht schärfer gemacht und ich brauchte einige Zeit, um mich wieder daran zu gewöhnen, meine Augen überall zu haben.

In Bajard war ich auf sie gestoßen, schöner denn je, schritt sie mir in ihrer Anmut entgegen und es hatte nur wenige Wimpernschläge gebraucht, ihr hitziges Blut in Wallung zu bringen.
Ich konnte es nicht verhehlen, dass es mir eine triumphierende Freude bereitete, ihren Schwachpunkt, die fehlende linke Hand, zu erwähnen. Dieses Mal hatte ich allerdings eine gewisse Absicht dabei. Ich wollte sehen, ob sie nur alt geworden war, oder ob noch die gleiche irrsinnige Hitze in ihr schlummerte, wie einst.
Und das Ergebnis meiner kleinen Feldstudie, hätte übel für mich ausgehen können, denn sie präsentiere die pure Wucht und die Kraft ihrer Gefährlichkeit, ließ aber in Anbetracht des Ortes, an dem wir uns befanden, von mir ab. Ihre Worte der Warnung, waren schneidend und ich würde den Fehler nicht begehen, sie zu unterschätzen.

Erst heute morgen, als ich, wie jeden Morgen, an meinen Briefkasten ging, fand ich einen Gegenstand darin vor, der mir schlagartig die Augen öffnete.
Es war keine große Sache, ganz im Gegenteil, kaum einen zweiten Blick wert. Dennoch fügten sich in diesem Moment einzelne Teile vor meinem inneren Auge zusammen und ich wußte, Aaryon von Hohenfels befand sich in akuter Lebensgefahr.
Ein leises Keuchen rollte über meine Lippen und meine Augen suchten die Umgebung forschend ab. Ich fand nichts, als das gewöhnliche Leben an einem Morgen in Adoran.

Beklommen erkannte ich, das es kaum einen Ort gab, an dem er sicher sein würde. Und genau das, würde ich ihm versuchen klar zu machen.

Und ich wußte jetzt schon, das er mich mit diesem Blick anschauen würde, als wäre ich von allen guten Geistern verlassen. Eines war sicher, wenn der Hochedle mir nicht glaubte, Sir von Alsted würde es tun.

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Verfasst: Montag 4. August 2025, 02:19
von Nemia Werheim
Nemia beschloss, einen ungewöhnlichen Schritt zu tun. Es war einer jener flirrenden, goldenen Tage, an denen das Licht der Sonne so hoch stand, das schwere Roben zur Last wurden. Kein Hauch von Schatten blieb unberührt. Und Nemia, die Schattenhafte, die sonst wie eine Dämmerung unter Menschen wandelte, trat an diesem Tag selbst als feuriges Licht in die Welt.

Sie trug weder ihre gewohnten Schichten dunkler Gewandung, die so oft wie ein Trauerschleier hinter ihr herwehte. Kein düsteres Funkeln glomm unter ihrer Kapuze mit den Dämonenhörnern, keine runenbestickte Robe hob sich gegen das Tageslicht. Stattdessen war sie in jenem gewagten, roten Gewand erschienen, das sich wie flüssige Glut um ihren Körper schmiegte, ein Kleid aus edlem Stoff, das mit Goldfäden durchzogen war und doch wirkte, als stamme es aus einer Welt des Feuers und der Verlockung. Die geschnürte Taille betonte ihre Bewegungen mit jeder Drehung, der weite Beinschlitz warf Licht auf ihre sonst so verborgene Haut, während filigrane Ketten ihren Hals schmückten die doch noch letzte Hinweise auf ihre Herkunft schließen lassen würden. Es war nicht nur Eitelkeit oder der Wille die Leere zu Füllen, die sie zu dieser Hülle aus Eleganz und Verlockung greifen ließ: Hier war Taktik. Täuschung war oft stärker als jedes Schwert und wer sie so sah, in Gold und Glut gehüllt, mochte meinen, dort schlummert keine Bittstellerin dunkler Mächte.

Als sie das Gittertor zum inneren Platz Bajards hinter sich schloss, gar nicht ruckartig, sondern eher flüssig, zuckte einer der Männer am Feuer leicht zusammen. Eine Regung nur, ein Keuchen vielleicht, das in der Glut der Hitze fast unterging. Doch Nemia bemerkte es. Natürlich bemerkte sie es. Solche Reaktionen begleiteten sie oft. Lag es an dem Schleier aus Tod, den man ihr nachsagte? An der Aura, die jene spürten, die zu viel über sie wussten, oder zu wenig? Doch heute war keine Todesbotin durch das Tor geschritten. Heute war sie eine Erscheinung aus alter Zeit, fast ein Sinnbild jener Schönheit, die lockt und warnt zugleich.

Sie durchschritt die Gasse mit einem gleichgültigen Blick, nahm das Getuschel, die verstohlenen Blicke wie Rauch unter ihren Schritten. Erst als sie Emilia entdeckte, Rabenfedern an den Schultern, Narben und Stolz auf der Wange, von zwei Männern in ein Gespräch verwickelt – blieb ihr Blick einen Moment haften, tauschte Blicke aus. Doch sie ging weiter, ganz so, als wäre sie nur ein Schatten der Vergangenheit, eine flüchtige Erinnerung an ein nie geschriebenes Gedicht.
Nach einigen Besorgungen – unter anderem ein Schmuckset was die Beine schmeichelt, aus Zweigen (Für wen wohl?) – kehrte sie zurück. Mitten im aufgewirbelten Staub der Gasse, stand sie, direkt neben Emilia, die das Geschenk empfangen sollte. Fröhlich, fast unverschämt, mit diesem Ausdruck im Gesicht, der sich zwischen kindlicher Begeisterung und törichter Neugier spannte.

Innes.

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Nemia blieb stehen, der Blick wurde schmal. Innes trat ein paar Schritte näher, redete bereits.
Plappermäulchen, ging es ihr durch den Sinn, wie so oft. Und wie so oft brachte sich Innes gleich selbst zu Fall.

Sie redete davon, keine Angst mehr zu haben. Ach, welch törichter Satz. Kaum ausgesprochen, zeigte ihr Körper die Wahrheit. Drei Sätze lang plapperte sie, da fiel ihr Blick auf Nemias Hand, stets ummantelt von Stoff oder Knochen, verborgen. Erdreiste sich diese Thema gar in den Mund zu nehmen, die Reaktion fiel stark aus. Und da veränderte sich etwas. Innes Miene entgleiste einen Hauch, doch für Nemia war es wie das Aufreißen eines Schleiers. Ihre Schultern zogen sich enger, ihre Bewegungen wurden abgehackter, der Blick wich aus wie der eines Rehs, das im Wind riecht, wo der Jäger noch nicht zu sehen ist, ihn aber schon wittert. Die Angst – sie war da, verborgen unter einer dünnen Schicht aus Worten, die nie Schutz bedeuteten.

Natürlich wollte Innes Neuigkeiten. Immer, wenn man meinte, sie sei gesättigt, gierte sie nach neuen Körnern von Wahrheit, Lüge oder beidem. Nemia sah das Funkeln in ihren Augen und entschied sich, es zu füttern. Denn Worte waren für sie Waffen, aber nicht für den Moment, sondern für den Sturm, der folgen würde. Ein falsch gesetztes Gerücht konnte einen ganzen Zirkel zersprengen, ein gezielt gestreutes Märchen einen Ritus in Gang setzen. Sie war längst nicht mehr nur Beobachterin dieser Welt. Sie war Verursacherin.

Mit ruhiger Stimme, die sie gar nicht zu erheben brauchte, ließ sie die Nachricht fallen wie einen kleinen Dolch: Eine Parade in Düstersee werde bald stattfinden. Der Geist der Anara von Hohenfels sei erschienen. Ja, der Geist. Und dieser habe hohen Amtsträgern Geheimnisse ins Ohr gehaucht, flüsternd wie eine Mitternachtsbrise in einem Mausoleum. Der Anlass? Ehren, natürlich. Und ein Bekenntnis. Denn im Geist hat Anara die Seiten gewechselt.
Oh, sie hoffte darauf. Hoffte, dass Innes wie immer ihre Zunge nicht zügeln konnte. Dass sie diese seltsame Geschichte weiterspinnen würde, als sei es eine Offenbarung. Dass sie das Gerücht mit der selben Leidenschaft streuen würde, mit der andere ihre Muße umwarben.


Und Nemia? Sie sah es förmlich vor sich: Der kleine Hahn, wie sein Schnabel schäumte, wenn die Nachricht zu ihm getragen würde. Wie er gackernd untergehen mochte in Zorn und Zweifel.
Er konnte gar nicht anders, dafür war er zu stolz. Das hat er bei ihrer ersten Begegnung schon deutlich gemacht, als er meinte das sie auf seinem Land stehen würde. Wie ein Hahn, der glaubt, der Hof gehöre ihm allein, der aber längst spüren sollte, dass im Schatten des Stalls etwas wartet, das nicht gluckert, sondern zerrt. Er würde das Plappern hören. Er würde die Namen schmecken wie bitteres Salz. Anara. Geist. Seitenwechsel.

Aufgeschreckt war er ohnehin schon, als sie hörte was der Maestro vorhatte, nun wollte auch sie ihn laufen sehen. In Kreisen. Aufgeschreckt. Atemlos. Inmitten von Flammen.
Bis er selbst nicht mehr wusste, vor wem oder was er floh.

Sie ging weiter, mit dem Wind im Rücken und dem Feuer ihrer Gewandung und des Haares in der Gasse wie ein ferner Gruß.

Und irgendwo hinter ihr, ganz sicher, begann das erste Plappern.

Verfasst: Mittwoch 6. August 2025, 17:35
von Nemia Werheim
Die Schattenseite, in diesem Part der Geschichte wohl eher Lichtschein.

Sie war schon seit einer Weile unterwegs, wie lange genau, war schwer zu sagen. Zeit floss anders, wenn man vier Pfoten hatte. Und Schnurrhaare. Und plötzlich das Bedürfnis verspürte, sich im Kreis zu drehen, ehe man sich setzte. Die Gassen der Stadt lagen ihr zu Füßen wie ein ausgebreiteter Teppich aus alten Geschichten, warmem Staub und zu vielen Gerüchen, um sie ordentlich zu sortieren. Sie schlich seit Stunden durch die Gassen, oder vielleicht waren es auch nur dreißig Minuten, wer konnte das schon so genau sagen, wenn man alle fünf Meter stehen bleiben musste, weil irgendetwas raschelte, glänzte oder duftete wie Erinnerung in einer alten Truhe. Die Sonne stand tief, die Dächer warfen lange Schatten und ihre schwarzen Pfoten berührten das Pflaster so lautlos, dass selbst mit diesen Sinnen kaum Echo zu hören war. Elegant, majestätisch, ein Schatten mit Schnurrhaaren. Und gleichzeitig dachte sie: „Wenn ich jetzt irgendwo ein warmes Kissen finde, brech ich meinen Plan einfach ab. Für heute.“

Da war diese Frau, wie traurig sie war. „Sie ist Schuld, woran? Streicheln fühlt sich gut an!“ Rufe, sie muss fort, vielleicht besser so. Deswegen war sie doch sowieso nicht hier. Sie war kein Spion mehr, dafür gibt es nun andere.
Ein Plan, ja. Sie verfolgte einen. Ganz sicher. Aber sie war eine Katze, zumindest derzeit, also ging es auch darum, sich auf dem Weg dorthin ausgiebig mit Gerüchen, Spuren, einem besonders fett aussehenden Spatz und einer interessanten Pfütze zu beschäftigen. Wichtig ist, sich nicht hetzen zu lassen, hatte sie sich gedacht. Katzen hetzen nie. Außer es ist eine Fliege. Oder ein Geräusch, das nur Katzen hören und etwas verspricht.
Und da war der Hafen. Salzig, schmutzig, lebendig. Sie schnupperte, schlich, sprang auf eine Kiste, fiel fast wieder runter, tat dann aber so, als hätte sie sich nur dehnen wollen. Ein Mann schien aufmerksam zu werden, beschaute das Katzentier. Lockte mit Angebot, kurz ein Überlegen, störrisch sitzen bleiben – „Ich bin eine Königin! Oh! Er geht ins Hafenvierel, Fisch!“ Gedanken an Rache, Strategie und Pläne zerflossen zu warmem Dunst. Das machte den Fisch nicht weniger lecker. Sie stolzierte davon, das Maul noch leicht fettig und dachte sich: „Ein bisschen Fett hält das Fell glänzend. Auch bei Geheimnissen. Was denke ich da?“
Ihre Schritte führten sie in eine ruhigere Seitenstraße, ein Sprung auf einen Stuhl, Blick in das Fenster der Taverne. „Den Ritter kenne ich! Was war das?“ Schwups direkt wieder herunter und weiter stromern. Da war die Blonde, hockte sich tatsächlich nieder und streckte eine Hand aus. Langsames annähern, stolz, elegant, mit dem Schwung eines Schweifs, der sagte: „Du darfst. Kurz.“ Die Fingerspitzen berührten ihr Fell, es kribbelte. Nicht unangenehm. Und auch nicht zu lang. Zwei Mal, vielleicht drei, dann löste sie sich, drehte sich weg mit einem aufmerksamen Katzengesicht, als hätte man Geräusche vernommen. Weiter geht es!

„Jetzt nicht zu auffällig werden“, dachte sie. „Katzen, die zu freundlich sind, werden beobachtet. Und das passt nicht zur Tarnung. Und überhaupt, Streicheln fühlt sich gut an, aber zu viel Nähe weicht die Strategie auf.“ Dann stolperte sie fast über ihre eigenen Pfoten, weil sie in Gedanken versunken war. „Verdammt, das war ein Mäuerchen, keine Treppenstufe.“
Mit einem Satz war sie wieder oben, schüttelte imaginären Staub aus ihrem glänzenden, schwarzen Fell. Der Hafen war nah, der Geruch von Fisch lag wie Verheißung in der Luft. Irgendwo plärrte ein Kind, irgendwo klirrte eine Flasche. Der Tag lebte – aber sie durchmaß ihn wie ein Schatten, dessen Form niemand genau erkennen sollte. Der Plan. Ja, er war noch da. Im Kopf. Hinter den Ohren. Unter dem Fell. "Da eine Ratte! Die gehört mir!" Nur um sie kurze Zeit später abzulegen, wieder und wieder. Miau.

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Verfasst: Freitag 8. August 2025, 21:01
von Aaryon von Hohenfels
Langsam wurde es gruselig.

Erst hatte er nach dem Unterricht zu Verwandlungen am Konvent eine tote Riesenratte entdeckt, mitten vor der Brücke zum Konvent. Bah! Mit der Krücke und einem angewiderten Gesicht schob er sie weg, bis ins nahe Wasser, wo der Kadaver seinetwegen Richtung Meer treiben mochte.
Da hatte er sich nichts dabei gedacht - warum auch?

Die Nacht wurde anstrengend: immer wieder knurrte Bello (ja, er wusste, dass das nicht der einfallsreichte Name war...) und bellte für kurze Zeit auf, tobte durch den Garten an den Zaun, ehe er wieder zu seiner Hütte zurück trabte. Erst vor Kurzem hatte eine fürsorgliche Person getestet, ob die Villa auch einbruchsicher war - war dies jetzt ein ernsterer Test, als es mitten am Tag zu probieren, oder kamen tatsächlich Einbrecher mit sonstwelchen Absichten?
Aber nein: es gab keine Unruhe der Wachen und wären es wirklich Eindringlinge gewesen, wäre das Bellen anders, dies hier war zu unregelmäßig, zu kurz. Der Fuchsterrier war bestens abgerichtet und wusste, was er zu tun hatte, genauso wie sein Herr wusste, was im Zweifelsfall die Signale des Hundes waren.

Am nächsten Morgen entdeckte er angekaute Fischreste direkt an seinem Zaun. Irgs! Mit erneut angewidertem Gesicht und übergestreiften Handschuhe beseitigte er das Zeug, das schon zu miefen begann. Apropos... aus dem Garten gegenüber roch es auch. Was zum Dämon...?! Verteilte hier jemand Unrat, um das Ansehen des Villenviertels zu schmälern? Oder verdreckte die Stadt?
Nein, nicht die Stadt...
Nur das Villenviertel. Und wie eine Art Schneise immer wieder hier und da Hinterlassenschaften, die sich bis zum Hafenviertel erstreckten. Meistens Fisch. Mal eine tote Ratte auf den Stufen eines Hauses.

Genauer ging er dem nicht nach. Der Freiherr von Dynal müsste gleich zu Besuch kommen. Und Aaryon war auch nicht sonderlich erpicht darauf, aufs Geratewohl im Hafenviertel, womöglich gar bis ins Armenviertel herumzustromern.

Valentin verreiste für wenige Tage, und mit teils abenteuerllustigen, teils gelangweilten Gedanken trat Aaryon tags darauf aus der Tür. Abenteuerlustig, weil ihm nun sein Leibwächter nicht am Hacken klebte! Gelangweilt, weil...
seufz...
er das nicht großartig ausnutzen würde.
Nur der übliche Gang zur Kirche erstmal, zum Gebet. Ah, da saß eine Katze. Und dort auch - roch wohl noch nach Fisch? Und da. Und dort. Und...
gute Güte!

Eine Invasion der Streuner, oder was sollte das werden?! Das war doch nicht mehr normal! Warum lockte jemand massenhaft Katzen ins Adelsviertel - und ausgerechnet ins Adelsviertel?
Er sah sich genauer um.
Nein, der Palast war nicht betroffen.
"Nur" bis zu seinem Haus. Mhmmmm. Katzen. Unauffällige Tiere, ja. Es war nicht so, dass er mit Arenvir keine Gespräche über mögliche "Erkundungsgänge" in eine gewisse andere Stadt gehalten hatte. Wollte da jemand in der Menge der Tiere nicht weiter auffallen?
Möglich. Sicher? Nein.

"Wirst du jetzt schon paranoid?"
Möglich. Sicher? Nein.

Aber wie könnte er dem Umstand begegnen, dass sich womöglich ein feindlicher Magier - oder gar mehrere - diese Tarnung zunutze machen wollten? Wahllos Straßenkatzen mit Blitzen und Feuerbällen rösten?
Genau.
Und war der Ruf erst ruiniert...
Nein, das war keine Option. Wie deckte man feindliche Magiere in Tiergestalt auf und wie verfuhr man mit ihnen? Selbst im Unterricht hatte er darauf keine wirklich zufriedenstellenden Antworten bekommen außer die Mahnung, vorsichtig zu sein und keine Alleingänge zu machen.
Vorsichtig. Hm. Wie spürte er "falsche Katzen" auf und wie ging er diesem Phänomen nach, ohne selbst zu auffällig zu werden?

Eine erste Idee kam ihm, und ein erstes Grinsen zeichnete sich ab. Das Grinsen verblasste: keine Alleingänge! Und außerdem: wenn er eine identifiziert hätte, was dann? Hm...

Aus dem Fenster sah er zu einer der streunenden Samtpfoten, die im Garten einer leerstehenden Villa einem Schmetterling nachjagte und nickte vor sich hin. Ja. Er hatte einen Plan.

Verfasst: Samstag 9. August 2025, 13:06
von Aaryon von Hohenfels
Hm. Die Idee, einige der Katzen damit zu vertreiben, sie mit einer für Katzen stinkenden Flüssigkeit zu bespritzen, ging leider schief...
erstmal...
Aber es war ja nicht die einzige Idee!

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Verfasst: Samstag 9. August 2025, 22:18
von Nemia Werheim
Die schmächtige schwarze Katze mit den goldgelben Augen, leise und unbemerkt schlich sie durch die Straßen am Hafen von Adoran, immer mit etwas zwischen den Zähnen: übel riechende Fischreste, glänzende Innereien, kleine Mäuse und fette Ratten, die scheinbar erjagt wurden.
Sie platzierte sie sorgfältig, wie ein Spurenleger auf einer unsichtbaren Mission und bald schon folgten ihr die ersten herrenlosen Katzen.

Vom Hafen aus kroch die Welle pelziger Schatten in die sonst so geordneten Viertel. Immer mehr Tiere fanden den Weg, angelockt von der verlockend schmackvollen Fährte. Schließlich führte die Spur einige Tage später in das Adelsviertel, vorbei an gepflegten Brunnen und glatten Mauerwerken bis zu einem freien Garten, wo ein kleiner Haufen stinkenden Fischs lag. Dort sammelten sich Dutzende Katzen, fauchend, hungrig, lauernd. Genau neben dieser Villa Hohenfels.

Doch heute kam eine Gegenreaktion:
Aus den oberen Fenstern der Villa Hohenfels quoll ein merkwürdiger, unangenehm bitterer Geruch, scheinbar versuchte da jemand die Besucher so los zu werden?
Ein unruhiges Fauchen ging durch die Menge, ausgelöst durch diese schlanke schwarze Katze. Manche Katzen stürzten sich plötzlich aufeinander, kreischten und bissen, flohen in unterschiedliche Richtungen und verschwanden dann gänzlich. Plötzlich war zumindest alles wieder ruhig, Essensreste und Besucher verschwunden.

Zurück blieb der Eine, für den scheinbar selbst eine Meute Streuner mittlerweile Bedrohung darstellte. Der Einwohner, der seine hohe Nachbarschaft mit unangenehmen Gestank plagte.

Der, der seinen Verstand weiter verlieren sollte.

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Verfasst: Montag 11. August 2025, 17:07
von Nemia Werheim
Die Halle war still, bis auf das ferne Tropfen von Wasser irgendwo im Gewölbe. Vor der Statue von Venaresh, deren schwarzer Stein das Kerzenlicht verschluckte, standen Nemia und Magistra Julia. Der steinerne Blick schien jede Silbe zu wägen, die zwischen den beiden Frauen fiel. Worte die weiter verbanden glitten von den Lippen. Julia hatte ihr ein Versprechen gegeben und im Gegenzug öffnete Nemia Türen zu Geheimnissen, die selbst dieser Magistra fremd waren.

Sie sah, wie Julia das Wissen förmlich in sich hineintrank, wie ihre Augen sich verdunkelten, als ob jede Wahrheit ein Tropfen Macht wäre. Die Maske der Magierin war noch da, doch für Nemia zu brüchig, zu durchsichtig. Hinter ihr loderte ein Begehren, das für sie kaum verborgen blieb. Macht – immer Macht. Genau das machte sie zu einer nützlichen Verbündeten. Den wahren Grund für ihre Offenheit jedoch, den würde Nemia nicht teilen. Der blieb in den Schatten, wo er hingehörte. Es sollte langsam Zeit werden, dass die Siegelwächterin des Palastes ihr Versprechen einlöst, es hing doch beinah alles daran, ob sie ihr Ziel dort finden würde, ohne das irgend jemand Verdacht schöpft.



Die Tage danach verflossen und mit ihnen schlichen sich neue Eigenarten in ihren Körper und besonders Handlungen. Die Nachwirkungen der Verwandlungen nagten an ihr, wie Reste eines Fluchs, der sich nicht lösen wollte. Eine Woche verbrachte sie in Adoran, nur mit wenigen Pausen durch die Gassen streifend unter schwarzem Fell. Doch immer wieder ertappte sie sich seitdem bei Gesten, die nicht ihre waren: Die Hand, die an die Maskierung griff, als wolle sie an einer eigenen Pfote lecken. Der Kopf, der ruckartig drehte, weil irgendwo ein kaum hörbares Geräusch zuckte.
Und dann, das Malheur in Bajard. Auf dem Markt, zum Glück ein wenig Abseits vom Trubel, als sie im Kreis von Bekannten stand, löste sich etwas in ihr, ungebremst.
„Die gehört mir!“ hatte sie gerufen, mit einem Besitzanspruch, roh und unverblümt, als sei die Person vor ihr Beute, die sofort erlegt werden musste.
Wie peinlich. Ja, sie war interessant, ja, da war ein Funke, durch Erinnerung an einen Abend. Aber so… direkt? Selbst für Nemia zu viel. Peinlich. Die Rausred-Versuche machten es nicht besser, es auf die Triebe zu schieben. Triebe, genau ins nächste Fettnäpfchen. Es weiter zu erklären würde es noch schlimmer machen, wer mochte es schon als schlichte Beute bezeichnet zu werden? Daher – schnell weg hier! Ist sie gerade wirklich rot angelaufen? Das passierte eigentlich selten, zum Glück wurde es verschleiert durch ihre Maskierung.

Doch Trost kam aus anderen Gedanken von vor ein paar Tagen in der finsteren Festung hoch oben über Rahal, an dem man ihr eine Trophäe überreicht hatte. Endlich das Zeichen des Maestros: freie Hand. Etwas nun in ihren Händen, die Schwertscheide von Aaryon. Altes Leder mit Hirschprägung, ein neues Symbol in ihrem Plan.
Denn er stand plötzlich vor ihr, kurz vor dieser peinlichen Situation: Nach einer Jagd, nach einem Trankeinkauf auf dem Weg zur Bank, als hätte das Schicksal selbst den Vorhang gelüftet. Aaryon.

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Wie köstlich es war, sich die Schwertscheide umzubinden, vor seinen Augen zu präsentieren, den Stoff knapp unter seiner Wut schwingen zu lassen. Herzliche Willkommensgrüße, freundlich und zuvorkommend, trotz der finsteren Gewandung in Schwarz mit Knochenmaske und Hörnern. Nun konnte sie ihre Gute Seite zeigen, sich daran Laben das es ihn noch mehr stechen würde, Stoss für Stoss. Sie konnte ihn fast riechen, diesen Zorn. Er schäumte, er tobte, seine Worte waren Messer. Drohungen, Beleidigungen – herrlich! Innes war an seiner Seite, verhandlungsbereit. Aber nein. Keine Rückgabe.
„Gerade Gekauft,“ hatte Nemia gesagt, glatt wie Öl, wissend, dass es eine Lüge war. Soll doch einer das Gegenteil beweisen. Jetzt war es ihr Schmuckstück, ihre Trophäe und damit ein neues Spielzeug in diesem Tanz. Leise lachend hatte sie ihn stehen gelassen. Die Katze war Adoran nun erst mal fort geblieben, mit dieser Trophäe ließ sich viel besser spielen.
Noch mehr als nur spielen.
Warum denk ich schon wieder ans Spielen! Verdammte Katzenverwandlung!

Verfasst: Montag 11. August 2025, 18:03
von Innes Ontanu
Die Idee war eigentlich gut gewesen, zu zeigen, dass der Hochedle sich nicht einschüchtern ließ und wir ganz gewöhnlich und ohne größere Aufregung, den Markt in Bajard besuchen würden.
Schon beim Verlassen des Schiffes im Hafen von Bajard, stand Nymeria plötzlich vor uns. Ich brauchte einen Moment, um sie zu erkennen. Aber sie machte es uns leicht und half uns hilfsbereit aus, zu erkennen, wer da vor uns stand, denn sie band sich die geraubte Schwertscheide des Hochedlen um und prahlte und protzte mit ihrem neuen Fundstück.
Was dann kam, versuchte ich seither krampfhaft zu verdrängen, denn vergessen würde ich es nicht können.

Ihr hätte ich am liebsten die Zunge heraus geschnitten mit einem stumpfen Dolch und ihm liebend gern etwas Wolliges in den Mund gestopft. Aber gut, beides wäre nicht so gut angekommen und so versuchte ich den Hochedlen dazu zu bewegen, die Örtlichkeit zu wechseln.

Wir fuhren auf der Stelle mit dem Schiff zurück nach Adoran. Auf dem Schiff bot ich offensichtlich Fläche genug für seine Wut und für einen kurzen Moment hatte ich den Eindruck, er würde mich in seinem Zorn über die Reling stoßen wollen. Er tat es letztlich dann aber nicht und ich tat gut daran, den Mund zu halten, bis der Orkan über mich hinweg gefegt war. Warum ich ausgerechnet in diesem Moment an Helisande dachte, würde ich bei Gelegenheit einmal näher erforschen.

In Adoran sprachen wir kein Wort, sondern gingen zielstrebig in die Kathedrale. Letztlich glaubte er mir und ich verzieh ihm.

Wir fanden unseren Seelenfrieden in der Kathedrale zu Adoran wieder. Zumindest vorläufig.

Verfasst: Donnerstag 14. August 2025, 08:27
von Aaryon von Hohenfels
Wie Hund und Katze
Diese... impertinente... Person, bah, dieses Weibsbild, so ein Miststück...!
Aaryon von Hohenfels, normalerweise der Meinung, dass jedes Wesen weiblichen Geschlechts als Nachempfindung der Göttermutter eine gewisse Form von Anbetung verdiente - Lästerzungen verkürzten dies auf die Ansicht, dass er jeder gutaussehenden Frau Avancen machte, die nicht bei Drei auf einem Baum war - machte bei speziell diesem Exemplar eine Ausnahme.

Was hätte er von einer Arkoritherin auch erwarten sollen? Dass sie die Niederlage im Duell vor Berchgard anerkennend akzeptierte und es damit gut sein ließ, womöglich sogar darüber stand? Bei nächster Gelegenheit halt eine ihr durchaus zustehende Revanche einforderte?
Pfh... Westler... Leider bestätigte sich Stück um Stück, wovor man ihn bereits auf Drachenfels gewarnt hatte, und der gute Vorsatz, sich möglichst unvoreingenommen ein eigenes Bild zu machen, womöglich eine neue Seite dieser Menschen kennen zu lernen, schmolz wie Schnee auf Menek'Ur.
Während er vom Konvent so missmutig nach Hause marschierte, wie man es an zwei Krücken auf einem Bein konnte, grollte er einer Katze zu, die sich an einer Hausecke rieb und maunzte, fletschte gar kurz die Zähne. "Hm, grau-getigert, harmlos. Oder? War die schon gestern da? Gehört die her?" Kurz zuckten feine Blitze über seine Fingerkuppen, als er in Erwägung zog, dieses potentielle Risiko sehr endgültig zu vertreiben - ließ es aber. So weit kam es noch, dass er wie so ein schrulliger Magier mit Blitzen durch die Stadt laufend auf harmlose Katzen schoss... Arenvir würde das nicht gefallen. Keinem seiner Lehrer.
Er atmete durch.

Und auch jetzt auf Kawi hatte er nicht jene, die seine Wut stattdessen verdient hätte, gebührend konfrontieren können... Dieses lausige Konzept, was sich "Neutralität" schimpfte, schützte Schurken mehr als ihn!
Nein, er durfte keine Ankerrune auf dem Gelände der Akademie der arkanen Künste platzieren, nur "vor der Stadt"... ja toll, dann konnte er es auch lassen! Dann machte es keinen Unterschied, ob er den kurzen Fußmarsch vom Schiff zu den Stadtmauern nun einer Gefahr ausgesetzt war, von Feinden abgefangen zu werden oder nicht. Genauso gefährlich, wie vor Bajard aus der Kutsche zu steigen.
Wobei, vielleicht sollte er es drauf anlegen, dann konnte dieses Arkorither-Mistweib ihn nicht so verhöhnen wie am bajarder Hafen! "Ich hab die Schwertscheide gerade auf dem Markt gekauft!" - wie konnte man so wenig Skrupel haben, sich zu so einer bodenlosen Lüge überhaupt herab zu lassen?!
Hieß es nicht, Lügen hätten KURZE Beine?! Das konnte man von ihr nun wirklich nicht behaupten! Mit welcher Frechheit sie sich in seine Nähe gesetzt hatte in diesem aufreizenden Aufzug... immerhin mal keine Totengräber-Robe. Würde sie auch nicht brauchen. Himmel, warum verdeckte man so etwas mit plumpem schwarzen Stoff und einer Kapuze? Dieses Weib sah in ihrem zur Seite gerafften Rock, dem makellosen Dekolleté und dem fein geschnittenen Gesicht doppelt, ach was, fünffach so gefährlich aus wie mit ihrer dusseligen Hörnermaske.
Wäre ihm nicht ein eiskalter Schauer über den Rücken gejagt, als er ihre Stimme hörte: die gleiche Stimme, die mit Verhöhnung seiner Tante versucht hatte, ihn zu reizen - er hätte mehr Schwierigkeiten gehabt, der fruchtlosen, erschreckend überflüssigen Diskussion im Auditorium überhaupt zuzuhören.

So hatte er versucht, ihr mit eisiger Ignoranz zu begegnen, während sie in lasziver Bewegung die langen, schlanken, wohlgeformten Beine übereinander schlug, elegant verpackt in Netzstrümpfen, die irgendwo weit unter diesem geschlitzten Rock verschwanden. Waren da Strumpfbänder gewesen? Er meinte, breite schwarze Bänder geseh...
Konzentration!
Wo war er? Noch zwei Villen weiter. Immerhin war der Fischgeruch aus den Gärten der leerstehenden Anwesen verschwunden, mitsamt den Katzen. Die Wachen oder angeheuerte Tagelöhner hatten dann wohl doch für Ordnung gesorgt.
Wenn er sich vorstellte, wie diese spielerisch knappen und schlichten, roten Samtschuhe mit den schlanken Füßen hier fast lautlos über den Kies schritten, wurde ihm ganz anders.
"Pass gut auf, Bello!", murrte er, als er endlich zuhause ankam. "Lass keine Katze hier rein!"
Auch keine mit Netzstrümpfen an Beinen, so lang, sanft geschwungen und...

grrr!
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Verfasst: Freitag 15. August 2025, 11:27
von Nemia Werheim
Die Aussenstelle des Ordens der Arkorither lag in einer Seitengasse von Rahal, nun endlich vorzeigbar, fast gänzlich eingerichtet, endlich. Im schwachen Schein des Kaminfeuers saß Nemia, ihr Gegenüber der erste Besucher welcher mit bedächtiger Stimme sprach. Zwischen den beiden lag kein Lächeln, nur die nüchterne Kälte Zweier, die verschiedene Begehren hatten und diese miteinander verwoben. Sie erörterten Möglichkeiten, so fein gesponnen wie ein Spinnennetz. Worte, schwer wie Eisen und leise wie Staub, wechselten den Platz. Nemia würde einen Teil ihres Versprechens einhalten, die andere Person etwas erhalten was schwerer wiegt als jeder Gegenstand. So wurde, wie schon zuvor, eine Vereinbarung getroffen, gezeichnet nicht von Tinte, sondern von der unausgesprochenen Tiefe des Begehrens.

In den darauffolgenden Tagen saß Nemia in ihrem Heim, umgeben von der gedämpften Stille, die sie schätzte. Der Rhythmus des Tages wurde jäh unterbrochen, als die Glocke an der Tür erklang. Wie es seit Jahren ihre Gewohnheit war, schob sie den schweren Vorhang nur so weit beiseite, dass ein schmaler Blick hinausglitt. Vor der Tür stand Magistra Julia. Der Tag war gekommen – endlich. Doch die Frau schien schärfer in ihrem Blick, als würde sie mehr vermuten. Alte Fragen drängten wieder an die Oberfläche, Misstrauen floss scheinbar in die Magistra, denn sie wollte den Grund erfahren, warum Nemia um die Möglichkeit bat, den Palast zu betreten.

Doch Nemia kannte das Spiel. Die Schlange glitt durch die Maschen jeder Frage. Sicherheit, so sprach ihre Fassade, wäre ihre Pflicht und Fluchtwege müssten bekannt sein für ihre Aufgabe des Ordens, es wurde gar vom Maestro persönlich niedergeschrieben. Wo könnte man sie besser planen als dort, wo bereits ein alter Fluchtweg lag? Julia, Siegelwächterin des Palastes, schien nicht komplett überzeugt, die Palastsicherheit wäre ihr Metier. Doch Nemia formte die Worte, drehte sie, legte Gewicht in Andeutungen, bis auch dieses Hindernis zur Seite glitt.

Die beiden Frauen durchschritten die Pforten, gingen von Raum zu Raum. Wo eine Tür verschlossen war, ließ Nemias Blick verweilen und Julia öffnete sie. Doch kein Zeichen, kein Flüstern der Spur, die sie suchte. Der Atem des Palastes blieb ihr verschlossen. Als sie die Treppen zum oberen Stockwerk erreichen wollte, schnitt ihr Julias Stimme den Weg ab. Zutritt verwehrt. Privatgemächer. Nemia knirschte innerlich, doch sie ließ es sich nicht anmerken. Sie schlug gar noch etwas vor, um bei ihrem Thema der Sicherheit zu bleiben und den Keim eines Zweifels zu zerdrücken. Ideen hatte sie immer viele, ob alle doch gut waren, sei dahin gestellt.

Die Nacht legte sich wie ein schwarzes Tuch über die Stadt, als sie zurückkehrte. Drinnen regierte die Stille und mit jedem Schritt dehnte sich diese Stille aus, als würde sie alles ersticken. Das, was sie suchte, war nicht hier. Sie wagte sich zwar nicht wirklich vor, aber es war bereits ersichtlich, als sie an den Treppen einmal hochhüpfte und die offene Gestaltung dort vernahm. Ihre Erwartung zersprang in Frust. Sie hatte es hier vermutet, doch es war fort und mit jedem Schlag ihres Herzens wuchs der Zorn. Sollte alles nun vergeblich sein?

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Der Ärger hielt sich, nagte an ihrem Geist wie Salz an einer Wunde. Selbst als sie Neues für den Hohenfels vorbereitete, um ihn in Beschäftigung zu halten, blieb dieser Schatten in ihr. Es war kein eigen geschriebenes Schriftstück, sondern Buchstaben wurden aus seinem eigenen Aushang mit seiner Schrift ausgeschnitten und nacheinander aufgeklebt, wie ein Erpresserbrief, der keine Spuren hinterlassen möchte. Es amüsierte sie doch irgendwie als sie ihr Werk betrachtete, wie ein Spiel und genau das sollte er auch über sie denken. Perfekt. So legte sie, wie so oft, die Maske der Verschleierung an und sie trug sich, als wäre sie aus feinstem Silber gefertigt. Ihre Erfolge waren ihr Anker und daran hielt sie sich, bis der Moment kam, in dem die Fassade erneut bröckelte:

In Bajard, auf dem Markt, verweilte sie an einem Stand und ließ ihren Blick über einen Handspiegel zum Eingang schweifen, abwartend. Dort trat Innes in ihr Sichtfeld und der erste Ausdruck in ihrem Gesicht war ein Erschrecken. Nemia hatte immer noch diesen Effekt auf sie, natürlich. Doch entschied sie sich für einen anderen Weg. Die Unschuldige, die Harmlosigkeit selbst. Die Unterhaltung floss leicht, fast belanglos. Doch unter der Oberfläche war das Spiel im vollen Gange. Ein Umschlag, darin ein Schlüssel, für den kleinen Hahn Aaryon, um ihren Namen ständig in seinen Gedanken zu verankern.

Doch Innes konnte es nicht lassen. Zwischen flüchtigen Worten fiel wieder dieser eine Hinweis, wie ein Tropfen in ein stilles Becken, die Bemerkung über Nemias Hand. Einst hatte sie gewarnt und sie warnte nur ein einziges Mal. Der Zorn der letzten Nacht stieg empor, wie ein Sturm aus Feuer. In der Hitze dieses Augenblicks formten sich Flammen an ihrer Hand, verdichteten sich, wurden zu einem gleißenden Funkenstoß, der Innes entgegenschoss. Die Frau rannte, die Funken jagten ihr nach, der Rock angesengt.

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Nemia sah, was sie entfesselt hatte. Sie wusste, wie heikel dieses Spiel war und dass sie sich an dieser Stelle verbrennen könnte oder vielleicht genau das gerade wollte. Vielleicht hatte Innes sie absichtlich provoziert, vielleicht hatte sie einen Nerv gefunden, der sie reizte. Doch was Innes nicht wusste, war, dass dies keine Schwachstelle war, sondern etwas gänzlich anderes, bei dem sie vielleicht selber im Feuer enden könnte.

Der Hahn hatte nun sein Rätsel. Und Nemia würde warten. Nicht nur auf ihn, sondern auch auf Kunde des ersten Besuchers. Und dann war da noch die eigene Suche...

Verfasst: Samstag 16. August 2025, 10:49
von Innes Ontanu
"Nein, nein, das ist eines von Nymerias Spielchen, von niemandem sonst!", das hatte ich vollmundig behauptet, als Mikh, Valentin und ich am Tisch saßen und den Inhalt des Briefumschlages begutachteten und versuchten das Rätsel zu lösen. Wir rätselten hin und her und planten für den nächsten Tag einen Ausflug in den Unheilsberg, heute wollte ich die Zeit nutzen, die Dame von Alsted, um ihre geschätzte Meinung zu dem Brief zu bitten und mit ein bisschen Glück würde ich auf Sir von Alsted, oder dem Hochwohlgeboren von Tilianas stoßen und sie um Rat fragen.

Offensichtlich tat mir das Geruckel der Kutschfahrt nach Berchgard gut und schlagartig, wußte ich genau, welcher Bereich auf der Karte gemeint war. Eine Unterhaltung mit der Erlaucht und Marlan Kabo brachte dann den entscheidenden Hinweis. Kabo vermutete treffsicher, welcher Fleck hier verklausuliert gemeint sein könnte und wir machten uns zu zweit auf den Weg dorthin. Und siehe da, wir fanden den 'Schatz'.

Immerhin wurden wir nicht Opfer einer Sprengfalle, bei Nymeria wußte man schließlich nie genau. Aber wie ich schon vermutet hatte, als ich sie im strömenden Regen, sich mit einem Handspiegel bewundernd vorfand, befand sie sich offensichtlich in einer romantisch angehauchten Phase.

Schnell war die verschlossene Schachtel dem Hochedlen übergeben, nun wurde sie einer genauen Prüfung unterzogen und erst dann würden wir wissen, was ihr Inhalt war.

Langsam aber sicher hatte ich die Nase gestrichen voll, immer einen Schritt hinter den Taten und Aktivitäten dieses Weibes zu sein. Ich würde mir was einfallen lassen, wie wir vor die Welle kamen und dann, liebste Nymeria, würdest du deiner Meisterin endlich den Tribut zollen, den ich verdient hatte.

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