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Der Pfad zwichen Tag und Nacht ist schmal [MMT]

Verfasst: Dienstag 15. Juli 2025, 16:57
von Klabautermann
Der Schatten am Kloster
Gestern spät am Abend, die Dämmerung tauchte die Landschaft um Schwingenstein bereits in ihr dunkles Kleid ritt eine in dunkel und eng anliegenden Stoffen gekleidete Gestalt westlich des Klosters in den Wald.
Aus dem Wald hinaus kam allerdings nur das Pferd das auf direktem Wege in richtung Osten lief.
Sollte wer die schwarze Stute aufhalten und näher in Augenschein nehmen, wird man weder Zaumzeug, Sattel oder Brandzeichen entdecken.
Nichts das irgend wie auf einen Besitzer oder Züchter schließen ließe.
Die dunkle Gestalt, vom Sattel aus direkt auf einem Baum verschwunden kletterte hinauf in die Baumkrone und machte es sich auf einem der Äste bequem.
Ein paar Zweige brach sie ab und steckte jene in den Gürtel und kleinere Schlaufen die die Kleidung scheinbar extra angenäht bekommen hatte.
So mit Grünzeug hoch oben im Baum getant verharrte die Gestalt ohne viele Regungen und beobachtete die Umgebung.
Stets einen Halbkreis von West nach Nord im Auge behaltend und gelegentlich die nahen Mauern des Klosters aufmerksam beobachtend blieb die Gestalt regungslos bis sie entweder etwas erblicken würde, oder die Morgendämmerung drohte die Nacht ab zu lösen.

Verfasst: Mittwoch 16. Juli 2025, 17:13
von Klabautermann
Garstige Fallen und ein seltsames Gefühl

Die Nacht brach herein über Gerimor und tauchte die von Sonnenlicht durchströmten Wälder nahe des Klosters in eine Umarmung der Dunkelheit.
Und wieder könnte ein aufmerksamer Holzfäller oder Pilzesammler beobachtet haben können wie eine dunkel gekleidete Gestalt in eng anliegender Kleidung auf der gleichen schwarzen Stute in das Waldstück westlich des Klosters ritt und nur die Stute den Wald verlies.
Erst zu sehr später Stunde als vermeindlich schon alles schlief bewegte sich die Gestalt wie eine Katze über die Bäume bis hin zur Mauer des Klosters.
Ein kleiner Hops und sie war vom Baum auf die Mauer gesprungen.
Sich dort gleich flach auf den Bauch legend, robbte sie stück für Stück über die Mauer und begann alle paar Meter an den Steinsäulen welche die Mauer unterbrachen hauchdünnen Eisendraht zu spannen.
An einem Ende wurde jeweils eine kleine Granate die mit Efeu getarnt war dran gehängt.
Ziel dieser Aktion sollte wohl sein, das ein nicht so aufmnerksamer Kletterer der auf diesen Draht tritt die kleine Granate zünden würde und diese mit einem Knall aber ohne weitere Wirkung los ging.
Gerade als die Gestalt über das kleine Dach des vermutlichen Wächterhäuschens robbte hielt sie inne und blickte mit geweiteten Augen runter und entdeckte die Wache.
Die Luft anhaltend und wie eingefroren verharrte die Gestalt einige Momente in der Hoffnung das die Wache nichts mit bekommen hat.
Dann erst robbte sie sehr langsam rückwärts bis zum Mauerrand um sich nach unten fallen zu lassen.
Wie eine Katze kam die Gestalt leise auf allen vieren am Boden an.
Nicht jedoch der mit gerissene Dachziegel.
Der rutschte runter und kam unten mit einem scheppern auf das wohl nicht zu überhören war.
Ob nun aus Panik entdeckt zu werden oder nicht rannte die Gestalt schnell durch den Wald und verschwand ebenso schnell in der Dunkelheit.

Verfasst: Mittwoch 27. August 2025, 09:52
von Klabautermann
Im Hafenviertel treiben sich nicht nur kleine Ratten rum

Es war spät Abends als die unscheinbare Gestalt sich aus dem Westen auf den Weg machte in den Osten.
An der Nordmauer Adorans ritt sie entlang, hielt kurz an um dann vom Pferd aus auf die Mauer zu klettern.
Noch nicht ganz oben angekommen schmiegte sie sich mit den Krallen fest haltend an die Mauer an und wartete.
Die schwarze Stute welche stets ohne Brandzeichen oder Sattel und Zaumzeug unterwegs war gallopierte ohne sich aufhalten lassen zu wollen durch das nahe gelegene Tor und durchquerte die Stadt und verlies diese aus dem anderen Tor auf die gleiche Weise.
Diese kurze Ablenkung nutzend, huschte die dunkle Gestalt rasch über die Mauer und verschwand wie ein Schatten in der Dunkelheit des Bauernviertels.
Sicher das die Wachen nichts mit bekommen haben, konnte sie jedoch nicht ausschließen das der ein oder andere Bürger der noch so spät unterwegs war, etwas davon kurz gesehen haben mag.
Das Ziel der Gestalt war klar das Hafenviertel. Und so schlich sie durch die dunklen Gassen oder gelegentlich über die Dächer.
Stets darauf bedacht den Wachen auf ihren festen Routen geschickt und leise aus zu weichen.
Im Hafenviertel angekommen hielt die Gestalt kurz inne und hielt sich die Seite fest.
Es dauerte einige Momente den Schmerz aus der nur schlecht verbundenen Wunde zu unterdrücken ehe sie dann weiter schlich bis zu einem Haus unweit von dem Brunnen entfernt.
Ein kleines vorgefertigtes Pergament wird unter den Türschlitz durch geschoben auf dem nur einige Worte stehen.
Achte auf die Schatten und bleibe Wachsam.
Kurz die Hand erneut auf die schlecht verbundene Wunde drückend, stellte sie fest da der Verband durchgeblutet war.
Mit Schmerzverzerrtem Blick machte sie sich dann auf den Weg zu ihrem Unterschlupf um der Wunde mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Re: Der Pfad zwichen Tag und Nacht ist schmal [MMT]

Verfasst: Dienstag 25. November 2025, 10:29
von Klabautermann
Des Nachts im Havenviertel von Adoran

Die letzte Nacht, sie war kalt und der leichte Nieselregen machte es nicht einfacher über die Schindeln der Dächer zu laufen.
Wie immer hielt er sich im Schatten auf und mied jedwege Lichtquelle. Die bekannten Routen der Wachen dabei vermeidend.
Sein Ziel war das Hafenviertel. Dort wo sich nicht nur die rechtschaffenen Bürger rum trieben.
Dort auf einem der Dächer legte er sich auf die Lauer und beobachtete das Treiben in den dunklen Gassen.
Die kleinen Schmuggler welche sich versuchten ein kleines Zubrot zu verdienen wurden zwar beobachtet, doch lies er sie ihre Geschäfte machen.
Irgend wann, es war schon spät in der Nacht geriet ein Mann mit seiner weiblichen Begleitung in seinen Blickwinkel.
Die Taverne verlassend bogen sie in eine der dunklen Gassen ab wo der Mann wohl eindeutig mehr von der Frau wollte als sie bereit war zu geben.
Die Frau werte sich und machte lautstark klar, das sie nichts von ihm wolle und dennoch wohl dem Alkohol geschuldet verstand er diese Botschaft nicht.
Das war der Moment wo der Schatten auf dem Dach zu einem kleinen Blasrohr griff und den kleinen betäubenden Pfeil auf den alkoholisierten Mann schoss.
Es dauerte nicht lange da sackte dieser wie ein nasser Mehlsack in sich zusammen und blieb regungslos am Boden liegen.
Die Gelegenheit nutzend rannte die Frau schnell davon und suchte das Weite.
Noch kurz inne haltend und die Lage sondierend machte sich der heimliche Schütze dann auch wieder von dannen.

Re: Der Pfad zwichen Tag und Nacht ist schmal [MMT]

Verfasst: Freitag 5. Dezember 2025, 12:48
von Klabautermann
Viebeiniger Besuch am Fenster

Die Nacht war lang und kalt und das Schneegestöber machte die Observierung nicht angenehmer.
Zwar wurde unter die weiße Kleidung eine extra warme Schicht Stoff getragen, dennoch zitterte man irgend wann beim Versuch still zwischen den Schneebedeckten Felsen zu liegen.
Eine Nacht in der man nicht mal seinen Köter vor die Tür jagen würde, bedeutete allerdings auch eine ruhige und ereignislose Nacht.
Und so machte man sich vor dem Sonnenaufgang wieder auf den Heimweg.
Die treue Rappstute trug die weiß gekleidete Gestalt geschwind zurück in das heimische Gefilde.
Wie immer blieb sie vor den Mauern der Stadt stehen und lies den Reiter auf die Mauer klettern so das er seinen restlichen Weg Heim antreten konnte.
Lief die ungesattelte Rappstute sonst immer gleich zu den Stallungen, schien sie Heute etwas anderes im Kopf zu haben.
Eilig trabte sie an den Stallungen vorbei direkt in das Hafenviertel rein.
Vor einem Haus blieb sie dann stehen und drückte die kalte und nass sabbernde Schnute gegen die Scheibe.
Als das nicht reicht, stampft sie mit der Hufe auf den Boden und wiehert.
Sollte der Hausbewohner noch geschlafen haben, würde er wohl jetzt wach werden.

Re: Der Pfad zwichen Tag und Nacht ist schmal [MMT]

Verfasst: Donnerstag 25. Dezember 2025, 10:26
von Klabautermann
Dunkel und kalt war die Nacht

In der tief dunklen und kalten Nacht wo man nicht einmal seine eigene Töle vor die Türe jagen würde gab es die wenigen welche raus mussten.
Sei es um ihre Pflicht zu erfüllen in dem sie Wache auf den mauern hielten, oder die kleinen Gauner welche nur versuchten zu überleben.
Einer jedoch war ebenso unterwegs, im verborgenen über den Dächern der Stadt Adorans.
Passte er etwa auf das kein Unrecht geschah, oder trieb ihn etwas anderes an?
Denn kurz hielt er inne als der Landstreicher versuchte in eines der leer stehenden Bruchbuden im Hafenviertel ein zu dringen.
Sich dies einen Moment lang anschauend wie der Landstreicher verzweifelt versuchte das Schloss zitternd vor Kälte zu überwinden.
Dann hüpfte er von dem nicht all zu hohen Dach des Hauses nebenan vermummt wie immer auf den Boden und jagdte dem Landstreicher einen gehörigen Schrecken ein.
Doch gerade als dieser weg laufen wollte kam ein ruhiges Warte.
Mit seinem Werkzeug knackte er rasch das einfache Schloss und stiess die Türe auf und deutete dem Landstreicher an rein zu gehen.
Der Landstreicher trat kurz in die Bruchbude ein, schaute sich um und als er wieder raus sah um sich bedanken zu wollen war die dunkel gekleidete Gestalt auch schon wieder verschwunden.
Diese Nacht könnte der ein oder andere aufmerksame Beobachter vielleicht die Gestalt über die Dächer laufen sehen.
Es schien als würde er sich nicht einmal sonderlich viel verdeckt halten zu wollen.
Wollte er damit ein Zeichen setzen? Und wenn ja, welches?

Verfasst: Sonntag 15. Februar 2026, 16:38
von Cecilia Zola
Marius erzählte an einem Abend im Hort des Wissens:
(Der folgende Vortext entspricht einem RP- Abend mit Marius. Die Wortwahl von Marius ist komplett unverändert. Wer Rechtschreibfehler findet, darf darüber ganz nach des POs Worten "Als ich zur Schule ging, hatte ich noch Bauklötze im Ranzen, ich darf das." schmunzeln.)
Kennt ihr die Geschicht’ vom jungen Mann, der vom Wege abkam?

Die Geschicht’ vom jungen Mann, der vom Wege abkam. Sie spielt vor gar nicht so langer Zeit. Es war vor nicht ganz 3 Dekaden, als ein kleiner Bub das Licht der Welt erblickte.
Doch war das Glück ihm nicht wirklich hold und so fand er sich in einem Körbchen, eingewickelt in Laken vor der Türe eines Tempels wieder. Das arme kleine Dingen, nun im Tempel als Findelkind, wurde dort aufgezogen von Templern, welche nur Zorn und Haß lehrten. Ihr könnt euch sicher denken, dass es nicht ein Kloster Temoras war, aye?
Ganze 18 Jahre lang wurden dem Bub die lehren eines miesen Gottes gelehrt, gar mit Rute und Schlägen. Doch war er verblendet dadurch? Mit nichten! Er sträubte sich gegen alles was man ihm einprügeln wollte, war rebellisch und irgendwann, als er es nicht mehr aushielt, da floh er aus dem Tempel. Doch was, nur was sollte er nun tun? Kannte er doch nur Haß und Zorn. Das falsche Spiel, was sein Leben war, machte er sich nun zu nutze und spielte falsch. Er ging los und versuchte sich im Glücksspiel. Mal gewann er, mal verlor er. Meist aber war er Mittellos.
Aber wie es so im Leben spielt, man kann nicht immer Glück haben. Und so geriet er an einen Mann, den er betrügen wollte. Doch was fand er da? Seinen Meister, der ihn selbst betrog. Und der fand es gar nicht lustig, dass man ihn betrügen wollte. Eine Messerstecherei entflammte und der arme Bub wurde schwer verletzt. Was glaubt ihr, nimmt es noch ein gutes Ende mit der Geschicht?
Schwer verletzt floh er erneut. Er brauchte einen Ort, wo man ihn nicht suchen würde. Und so beschloss er, in den Osten zu fliehen. Was er dort fand, war nicht nur eine fähige Heilerin, welche ihn wieder heilte. Nein, er fand viel mehr als das. Wärme, Zusammenhalt, einen ganz neuen Glauben.
Und so beschloss der Mann, sesshaft zu werden und ein neues Leben zu beginnen.
Und als wäre das nicht schon genug, fand er sogar Liebe.

Tja, was soll ich sagen? Ich kann mich nur bei allen bedanken, die mich so herzlich aufnahmen, obwohl ich ein Feind war.


Ein Befehl, ein Auftrag und die Folgen der Auslegung

Der Morgen war kühl und klar, wie es nur die Stunden vor dem vollen Erwachen des Tages sein können. Ein dünner Schleier aus Nebel hing zwischen den Bäumen, glitt über den Boden und sammelte sich an den dunklen Mauern des Grenzpostens, als wolle selbst die Landschaft verbergen, was hier geschehen würde. Die beiden Wachen standen mit Abstand. Der eine im Osten, der andere ging ein Stück hinter dem Wachhäuschen im Westen entlang. Die Speere locker in den Händen, ihre Schritte gedämpft vom feuchten Gras und der Trägheit der frühen Stunde. Sie hatten die Nachtschicht hinter sich gebracht, die Ablöse wartete in Reichweite und damit ein warmes Essen und dann das wohlverdiente Bett.

Ein Soldat des Lichtenthaler Regiments lag in dunklen und eng anliegenden Stoffen gekleidet, voll vermummt, reglos im Schatten der Baumlinie und beobachtete. In sicherer Entfernung wartete sein Pferd. Eine vollkommen pechschwarze Stute, welche ohne Zaumzeug oder Sattel am Rand einer Lichtung graste, als sei es ein Wildpferd.
Er hatte nicht vor, hier Ruhm zu erringen. Sein Auftrag war nüchtern, beinahe unscheinbar: Auskundschaften - Wege prüfen, Wachroutinen studieren, Lücken erkennen. Und sollte sich die unauffällige Möglichkeit bieten, auch gerne ein wenig Unruhe in die feindlichen Wachdienste bringen. So lautete der Befehl vom Feldwebel, welcher die ständigen Angriffe und Übergriffe des Westens leid war.
Marius war ein Späher, sicher auch eine Art Anführer, aber nicht als Soldat. Er hatte immer Probleme, sich vollständig in das Soldatenleben einzufügen, seinen Weg als Einzelgänger abzulegen. Daher liebte er solche Aufträge, wo er alleine etwas bewirken konnte und mit wertvollen Informationen heimkehren durfte. Das hier war seine Meisterdisziplin.

Jeder unnötige Alarm würde Wochen der Vorbereitung zunichtemachen. Und Alarm bedeutete Reiter. Reiter bedeuteten Suche. Suche bedeutetete Tod.
Er betrachtete die beiden Männer nicht als Feinde im persönlichen Sinne. Sie waren Soldaten wie er – Teil eines Systems, das größer war als ihr eigener Wille. Vielleicht hatten sie Familien. Vielleicht wartete irgendwo ein Kind auf die Rückkehr seines Vaters. Er zwang diesen Gedanken für den Moment nicht fort. Mitgefühl war kein Makel. Es war Erinnerung daran, warum er kämpfte.

Doch Mitgefühl durfte den Auftrag nicht gefährden. In dieser Nacht standen bloß zwei der üblichen drei Wachen am Grenzposten. Marius sah eine Möglichkeit. Er sollte doch Unruhe unter die feindlichen Gardisten bringen. Wie viel mehr Unruhe als ein tot aufgefundener Wachposten beim Dienstwechsel war möglich? Ein jeder andere Soldat hätte wohl entgegnet, dass dies nicht das war, was der Feldwebel mit seinem Zusatz zum Befehl meinte. Marius würde argumentieren, dass aber auch nichts Gegenteiliges gesagt wurde.
Als der Wind drehte, bewegte er sich. Seine Schritte waren lautlos, sein Atem gleichmäßig. Er nutzte die Lücke zwischen zwei Blickwechseln der Wachen, trat aus dem Nebel wie eine Verdichtung des Schattens selbst. Seine Hand legte sich über Mund und Kinn des ersten Mannes, fest, kontrolliert. Der Stoßdolch fand die schmale Öffnung unterhalb des Schulterblatts, drang in einem flachen Winkel vor, gezielt, um das Herz zu erreichen. Kein unnötiger Druck, kein Zögern. Zielgerichtet.
Der Körper erschlaffte fast sofort. Er fing ihn samt Speer auf, senkte ihn behutsam ins Gras, als wolle er ihn nur zur Ruhe legen. Legte den Speer leise daneben ab.

Ein kurzer Atemzug. Ein stilles Bedauern. Dann wandte er sich der zweiten Wache zu. Die zweite Wache fuhr herum – zu spät, um vorbereitet zu sein, zu früh, um kampflos zu sterben. Marius hatte den Schritt bereits gesetzt, die Klinge im perfekten Winkel, der Atem kontrolliert, der Stoß berechnet. Lautlos. Immer noch zielgerichtet.
Doch Lautlosigkeit war nun verloren. Der Soldat riss instinktiv den Arm hoch. Stahl kreischte auf Stahl, dann auf Fleisch. Die Schneide glitt nicht ins Herz, sondern schlug seitlich ein. Warmes Blut spritzte über Marius’ Hand. Ein Aufschrei durchschnitt die Stille, roh und panisch. Der Verwundete taumelte zurück, sackte zu Boden, röchelnd.
Und genau in diesem Moment hörte er das Knarren von Rädern.

Die Kutsche bog um die Biegung des Weges, zwei Pferde im gleichmäßigen Trab. Die Pferde hielten selbstständig an der gewohnten Stelle an. Der Kutscher saß wie erstarrt auf dem Kutschbock, die Zügel noch in der Hand. Er stand nicht auf, er bewegte sich nicht. Sein Blick fiel zuerst auf den verletzten Gardisten, der im Gras zusammengebrochen war, verharrte dort, als begreife er nicht, was er sah. Dann wanderte er weiter – zu dem Angreifer. Direkt zu Marius. Der Blick eines Mannes, der Pferde lenkte. Kein Soldat, kein Krieger. Weite Augen. Fassungsloser Ausdruck. Entsetzt über den Anblick. Marius Stoßdolch war noch erhoben, er befand sich nach wie vor mitten im Kampf.

Ein Atemzug. Mehr nicht. Ein einziger Herzschlag, in dem sich alles entschied.
Er konnte es tun. Ein Schritt. Ein sauberer Schnitt. Kein Zeuge. Kein Risiko.
Sein Körper kannte die Bewegung bereits. Die Muskeln spannten sich, der Impuls floss vom Schulterblatt bis in die Fingerspitzen. Er sah die Linie vor sich – Hals, Schlüsselbein, Arterie. Schnell. Effektiv. Zielgerichtet. So hatte man ihn ausgebildet. So hatte er überlebt.

Der Kutscher rührte sich nicht. Er griff nicht nach einer Waffe, obwohl er vermutlich irgendwo eine hatte. Er stand nur da. Starrte. Atmete. Und in diesem Blick lag nichts als nacktes Entsetzen.
Marius’ Kiefer spannte sich an. Sekunden dehnten sich zu etwas Schwerem, Zähem. Sein Herz schlug ruhig – zu ruhig für das Chaos um ihn herum. In ihm tobte kein Zorn. Kein Blutrausch. Nur Entscheidung. Der Körper zuckte bereits, um den Angriff durchführen zu wollen. Doch es formte sich ein Gedanke in ihm:
Ein Regimentler kämpft gegen Feinde. Nicht gegen Unschuldige.
Er kämpft nicht gegen Unschuldige. Diese Zeiten sollten vorbei sein.

Es sollte sein Fundament sein. Eingeschärft, wiederholt, geprüft. Stärke ohne Maß war Barbarei. Disziplin war das, was sie unterschied. Das war der Weg, den Marius einschlagen wollte. Der Körper zuckte, doch der Gedanke ließ ihn innehalten.

Der Verwundete neben ihm keuchte am Boden. Blut tropfte noch von Marius Klinge. Der Kutscher saß weiterhin unbeweglich da. Marius’ Blick traf den des Mannes. Und er sah – kein Hass, keine List. Nur Angst. Marius Hand bebte nicht. Aber sie zögerte.
Ein winziger Bruch in der Bewegung. Dann – langsam, quälend langsam – senkte sich die Klinge. Nicht ganz. Nur ein Stück. Genug, um nicht gefährlich zu wirken. Genug, um jederzeit wieder angriffsbereit zu sein.
Der Kutscher sog scharf Luft ein, als hätte er selbst den Hieb erwartet. Marius machte keinen Schritt auf ihn zu. Entscheidung gefallen. In weniger als zwei Herzschlägen. Nicht aus Schwäche. Aus Prinzip. Aus einem Versprechen heraus nie wieder Unschuldige, Wehrlose grundlos zu töten.

Der Mann saß noch immer wie erstarrt, die Finger weiß um die Zügel gekrallt. Sein panischer Blick war nicht mehr leer. Er war suchend. Rechnend. Und dann – ein kurzes Flackern in seinen Augen: Er kannte seine Fahrgäste.
Marius sah es in dem Moment, in dem es geschah. Dieses minimale Zucken der Pupillen zur halb geöffneten Tür. Dieses Einziehen des Atems, das mehr war als Angst, dass einen Funken Hoffnung mit sich trug. Er wusste, da war noch jemand.
Der Kutscher schluckte. Seine Lippen bebten. Ein Laut formte sich – noch lautlos, nur ein Hauch. Marius spannte sich an. Wenn er nach seinen Fahrgästen rief, war es vorbei. Ein einziger Ruf konnte aus einem stillen Überfall ein Gefecht machen, das er nicht gewinnen konnten.

Der Kutscher rang nach Luft. Marius sah es kommen. Dieses Zittern im Brustkorb. Dieses Verzweifelte, das stärker war als Angst. Und dann riss der Mann den Kopf zurück, als würde er den Morgen selbst anbrüllen wollen.

„Hauptmann!“

Das Wort schnitt schärfer als jede Klinge. Es war kein vollständiger Ruf. Kein langer Hilfeschrei. Nur dieses eine Wort. Aber es reichte. In dem Augenblick veränderte sich alles. Nicht draußen. Drinnen. In Marius.

Sein Körper reagierte, noch bevor sein Verstand es tat. Die Muskeln spannten sich, die Knie gaben minimal nach, Gewicht verlagerte sich, Blickwinkel änderten sich. Seine Augen rissen zur Kutsche.

Hauptmann.

Nicht „Hilfe“. Nicht „Soldaten“. Das beschissene Wort: Hauptmann.

Kein Titel, den man leichtfertig rief. Kein Titel, der für bloße Eskorte mitgeführt wurde.
Der Hauptmann, Scharfschütze des Reiches. Voll ausgebildet. Voll autorisiert und sicher nicht nur um zu kämpfen, sondern schlicht zu töten.

Sein Herz machte einen Sprung. Denn wenn sie dort drin saß – wenn sie nur einen Bruchteil so diszipliniert war, wie man sagte – dann hatte sie den Schrei längst eingeordnet. Die Positionen berechnet. Den Wind geprüft.
Vielleicht hatte sie ihn schon im Visier.
Vielleicht wartete sie nur auf eine klare Silhouette.
Vielleicht stand er genau jetzt – perfekt – im Morgenlicht.
Scheiße.

Der Gedanke war nicht elegant. Nicht heroisch. Nur wahr. Er hatte sich eben noch für tugendhaft gehalten. Nicht gegen Unschuldige. Nicht gegen Wehrlose. Und nun stand er zwischen einem toten und einem verletzten Gardisten, einem schreienden Kutscher – und einer ausgebildeten Scharfschützin, die keine Sekunde zögern würde.

Das hier war kein Überfall mehr. Das war ein Fehler. Ein gewaltiger. Oder eine Chance. Eine Großartige.
Hätte er die Zeit gehabt, hätte er ein Stoßgebet zu Temora geschickt: Ich glaube nicht viel an dich, doch wenn du an mich glaubst, stehe mir bei und führe mein Schwert.

Doch Marius dachte nicht nach, er handelte, riss den Kutscher grob zur Seite, zwang ihn aus der Linie zwischen sich und der Kutschentür. Nicht aus Grausamkeit – aus Instinkt. Seine Klinge war plötzlich nebensächlich. Die wahre Gefahr saß in der Kutsche.

Das Problem war nicht der zur Seite gestoßene Mann. Das Problem war die Stille im Inneren der Kutsche. Zu ruhig. Zu kontrolliert. Er wusste, wie solche Leute arbeiten, weil er selbst genauso war.
Sie schrien nicht zurück.
Sie fluchten nicht.
Sie schossen. Eine Scharfschützin wartete. Beobachtete. Wählte den Moment. Und Marius hatte ihn vielleicht gerade verschenkt. Ein einzelner Atemzug aus dem Dunkel – und alles wäre vorbei.

Marius spürte, wie ihm zum ersten Mal an diesem Morgen bewusst wurde, wie tief er gerade in der Scheiße saß. Und dass Tugend ihn gegen einen Pfeil nicht schützen würde.
So erlaubte er sich einen letzten Gedanken, bevor er seiner Ausbildung die vollkommene Kontrolle über seinen Körper gab und ein rücksichtsloser Kämpfer wurde:
“Scheiß auf Tugenden, scheiß auf Ehre. Davon bleibst du nicht am Leben Marius.”


Derweil im Inneren der Kutsche:
Zwischen dem rhythmischen Knarren der Achsen, dem dumpfen Rollen der Räder über dem Boden, lag ein Bruch im Klang. Ein Ton, der nicht in diesen Morgen gehörte. Zu fern, um ihn benennen zu können. Zu kurz, um sicher zu sein. Jynelas Blick hob sich, noch ehe ihr Verstand den Gedanken formte. Ihr Körper hatte längst entschieden.

Die Härchen auf ihren Unterarmen stellten sich auf, als würde eine unsichtbare Klinge dicht an ihrer Haut entlangfahren. Kein Geräusch – eine Warnung. Kein Ruf – ein Riss im Gleichgewicht. Sie kannte dieses Gefühl. Es war dasselbe, das sie Sekunden vor einem Schuss spürte. Sekunden bevor jemand starb.

Die Kutsche hielt viel zu abrupt und dann kam ein einziger Schrei von draußen: „Hauptmann!“
Jynela reagierte, noch bevor ihr Gehirn den Klang des Schreis ganz verarbeitet hatte. Kein Zögern, kein Abwägen. Die Muskeln spannten sich wie Drahtseile, die Hände glitten lautlos über ihren Gürtel, lösten mit einer Bewegung einen der Metallsterne, deren Spitzen wie immer mit etwas Gift getränkt waren..
Sie zuckten nicht einmal zum Bogen. Ein Bogen brauchte Platz zum Spannen. In der Kutsche saßen sie auf einem engen Polster, die Tür noch nicht einmal wirklich geöffnet. Sie würde für einen Schuss Abstand und freie Bewegung brauchen, wenn sie sichergehen wollte zu treffen. Es waren nur Herzschläge, mehr nicht, aber sie konnte hören, wie nah der Angreifer war. Ihr blieben nur Sekunden.
Der Blick fixierte die Tür, glitt durch die Fenster. Die junge Frau ihr gegenüber war erstarrt, sie gab ihr nur ein knappes Zeichen, ruhig zu bleiben. Sekunden dehnten sich. Ein Atemzug – länger, als er war. Jynela sah den Mann draußen, den Kutscher, die Bewegung seiner Schultern, die flüchtige Linie der Klinge in seinem Griff. Alles in einem einzigen Blick.

Dann die Erkenntnis. Blitzschnell.

Der Mann zögerte. Er mochte diszipliniert sein, trainiert. Stark genug, um im Bruchteil einer Sekunde zu töten – und doch zögerte er. Ein Moment der Tugend, ein Moment der Menschlichkeit, den er gerade verschwendete. Und sie wusste: Sie hatte die Oberhand. Nicht durch Stärke. Nicht durch Wut. Sondern durch Präzision. Kontrolle. Planung. Ausbildung. Und durch ein paar wenige geschenkte Sekunden. Sie ahnte nicht, dass seine Ausbildung im Nahkampf ihr in kaum etwas nachsteht und der einzig wahre Vorteil die Sekunden von seinem Zögern brachten.

Die Finger schlossen sich in einer fließenden Bewegung um den Stoßdolch. Kein Zucken. Kein Zittern. Nur perfekte Ruhe. Ihre Augen verengten sich. In diesem Augenblick war alles entschieden.
Sie würde handeln – nicht abwartend, nicht nachdenklich, sondern sofort. Denn der Augenblick des Zögerns war bereits dabei, sich zu verabschieden.
Wenn er sich bewegt, würde es zu spät sein. Sie musste ihm zuvorkommen. Präzise. Unfehlbar. Ohne Zweifel.

Sekunden – und die Entscheidung fiel. Jynela war bereit.

Ihre Bewegungen waren nicht hektisch, nicht dramatisch – sie waren klar, als sei dieser Ablauf unzählige Male durchdacht worden. Mit einem gezielten Tritt flog die Tür auf.

Man konnte die Spannung in ihrer Schulter sicher erkennen, das Aufblitzen von Metall. Er konnte sofort verstehen, dass sie schnell war. Also tat er das Einzige, was ihm blieb: Er stürmte vor, zog zusätzlich den Parierdolch, zwang den Abstand zu schrumpfen, bevor sie in jenen Raum der Kontrolle gelangen konnte, der ihre größte Stärke war. Nur im Nahkampf hätte er eine reelle Möglichkeit, einer Scharfschützin lebend davonzukommen. Und er schaffte es, sie in den Nahkampf zu zwingen. Der Wind ihres Vorteils brach im selben Atemzug. Kein Bogen. Kein berechneter Abstand. Kein tödlicher Atemzug zwischen Ziel und Treffer. Nur Stahl. Nur Schritte. Nur Entscheidung. Dieser verdammte Kerl hatte ihre Stärke erkannt und ihr die Luft genommen, bevor sie diese entfalten konnte.

Jetzt war es sein Terrain.

Dennoch traf der Wurfstern ihn noch im Lauf. Er drang an der Innenseite seines Oberarms ein, dort, wo das Leder beim Anheben des Arms eine schmale Lücke ließ. Das Metall schnitt tief ins Fleisch und sofort breitete sich das Gift in den Adern aus, ein heißes, brennendes Gefühl. Er biss die Zähne zusammen und ließ die Bewegung nicht abbrechen, sondern nahm den Schmerz an wie einen Preis.
Sein Schritt stockte nicht, kein Zögern mehr, kein Straucheln. Nur das scharfe Einziehen der Luft. Unbeirrt setzte er den Lauf fort, als hätte ihn der Treffer nur daran erinnert, dass er noch lebte. Blut sickerte unter dem Leder. Er ignorierte es.
In seinem Blick lag kein Auflodern von Wut, sondern etwas Klares. Sie konnte sehen, dass er es wusste. Sie hatte getroffen, gut sogar. Und dennoch war er noch da, stand aufrecht, noch im Vorwärtsdrang. Ein Mann, der wusste, was er wollte, sein Ziel vor Augen sah.
Nicht Trotz, nicht Raserei. Sondern diese verdammte Entschlossenheit, die sie in ihrem eigenen Blick wusste. Und in jenem Moment begriff Jynela, wen sie da wirklich vor sich hatte. Das war nicht irgendeiner aus dem Regiment. Der hier kämpfte nicht aus Zorn oder Eitelkeit. Nicht einmal aus Angst. Er kämpfte, weil er entschieden hatte, nicht zu weichen. Im Namen seiner verfluchten Göttin, bei seinem geschworenen Eid.
So wie sie es im Namen Alatars tat.
Da war keine Wildheit in ihm, die sie gegen ihn ausnutzen konnte. Keine wirkliche Unachtsamkeit. Nur dieser unbeirrbare Wille, einen Schritt nach dem anderen zu setzen, selbst blutend, selbst brennend. Als hätte er nichts zu verlieren.
Und genau das machte ihn gefährlicher als viele andere, denen sie je gegenüber gestanden hatte.
Gegen Wut konnte man warten.
Gegen Angst konnte man Druck aufbauen.
Aber gegen so jemanden, der so ruhig und entschlossen war wie sie selbst, da kämpfte man nicht nur mit Waffen, sondern mit Spiegelbildern.

Ihre Klingen trafen mit einem scharfen, metallischen Klang aufeinander. Als er anstürmte, spürte sie nur die Wucht, die auf sie traf – und lächelte innerlich. Sein Angriff war mächtig, geradlinig, ein Versuch, sie zu fesseln, zu kontrollieren. Genau das, was sie wollte.
Sie wich nicht aus, sie konfrontierte. Ihr Stoßdolch blitzte, ein kurzer, präziser Schnitt, kaum mehr als ein Flüstern von Stahl. Ihr Körper bewegte sich wie von selbst, geführt von Instinkt, Technik, purer Entschlossenheit. Jeder Schlag, jede Bewegung war klar, direkt, ohne Angst, ohne Zweifel. Tod? Schmerz? Sie spürte ihn als eine mögliche Note im Kampf, eine Herausforderung, die sie geradezu einlud.

Er zwang sie zurück, drängte, presste, suchte den Rhythmus, in dem sie langsamer werden müsste. Sie antwortete mit Tempo, mit Bewegungen, die nicht nur auswichen, sondern ihn spiegelten, ihn provozierten. Ein Schlag, ein Gegenstoß, ein Dreh – und wieder war sie frei, wieder war sie die, die den Moment kontrollierte.

Und immer wieder: keine Angst. Keine Hemmung. Nur der reine, kalte Wille zum Kampf und zum Sieg, als ob jede Möglichkeit, dass er sie töten könnte, ihr die Freiheit gab, noch intensiver zu kämpfen.
Und er antwortete. Mit derselben kompromisslosen Härte, die sie selbst auszeichnete. Keinen Millimeter wich er. Keinen Millimeter ließ er ihr. Wieder war er es, der den Moment kontrollierte.
Sein gesamter Fokus lag auf Jynela, auf dem Kampf mit dem Hauptmann. Der Kutscher, die Gardisten, waren vielleicht nicht vergessen, aber gerade schlicht keine Gefahr. Kein Gedanke an danach, keine Zurückhaltung aufgrund von Tugenden oder Ehre. Es war einfach ein brutales Aufeinandertreffen zweier Kämpfer, die gelernt hatten, dass nur derjenige überlebte, der bereit war, die Regeln zu ignorieren. Zwei Menschen, die wussten, wie man tötet.

Marius parierte, indem er die Klingen überkreuzte, lenkte die Bewegung ihres Dolches um. Er nutzte die entstandene Lücke, um in einer fließenden Bewegung mit dem schwarzen Stoßdolch nach Jynelas Kehle stechen zu wollen, mit der reinen Absicht, sie zu töten.
Gleichzeitig riss er das Knie hoch, brutal und ohne Rücksicht, zielte auf ihren Bauch, darauf aus, ihr die Luft zu nehmen, sie zu brechen, bevor sie überhaupt weiter reagieren konnte.
Es war kein sauber gesetzter Angriff, es war ein ziemlich guter Versuch, sie zu überwältigen.
Aber Jynela wich nicht zurück, sie brach zur Seite weg. Im letzten Augenblick drehte sie die Schulter ein, ließ die Klinge an ihrem Lederhalsschutz entlangschrammen, statt dass er sie schnitt. Sein Knie allerdings traf noch hart genug, um ihr den Atem zu rauben. Auch wenn er das in jenem Moment nicht wusste, keine Ahnung hatte, was sich unter dem Halsschutz verbarg, war das der wirkliche Treffer, mit dem er sie zu Boden bringen könnte.
Dieses Mal war sie es, die den Schmerz mitnahm.
Und sie antwortete nicht schön.
Ihre Stirn schnellte nach vorne, direkt gegen seinen Nasenrücken. Gleichzeitig hakte sie ihren Fuß hinter sein Standbein, riss an seinem Ärmel, nutzte die Nähe, die er erzwungen hatte. Kein Ehrenkodex, kein Abstand. Nur Zähne, Knochen und Stahl.

Und dann kam eine Bewegung, ein Stoß, den er tiefer setzte als erwartet, zielte auf die Lücke unterhalb ihrer Rippen. Sie parierte, doch nicht schnell genug. Die Spitze seiner Klinge riss durch Leder und Stoff, bohrte sich in das weiche Fleisch darunter. Ein scharfer, brennender Schmerz schoss durch ihre Seite, ließ sie kurz aufkeuchen. Blut quoll aus der klaffenden Wunde, überzog ihre Seite mit einer Spur, besudelte seine Waffe. Innerhalb kurzer Zeit trug der Dolch aus dem schwarzen Stahl nun das Blut von drei verschiedenen Legionären.

Er hatte Widerstand gespürt, den Aufprall auf Muskeln und Sehnen und ihr angestrengtes Einatmen bemerkt, das den Schmerz verriet. Jynela verzog das Gesicht, ein Zischen zwischen den Zähnen und ihre Hand zitterte für einen winzigen Moment – genug, dass selbst ein geübter Gegner merken würde: Sie war verwundet.
Der Stoß war kein tödlicher Treffer – aber deutlich genug, dass jeder Atemzug schmerzte, jede Bewegung forderte und jede Entscheidung nun schwerer fiel.

Marius zeigte keinen Triumph, er drängte gleich nach. Sie spürte sofort, dass er kein Mann war, der vollkommen blind und planlos zuschlug. Seine Klinge arbeitete gegen ihre, nicht hastig, sondern mit einem klaren Ziel. Nicht unbeherrscht, sondern lauernd. Er versuchte, ihren Dolch zur Seite zu drücken, suchte den Druckpunkt an ihrem Handgelenk, wollte ihr den Winkel nehmen, sie festsetzen, sie in einen engen, rohen Nahkampf zwingen, in dem seine Kraft schwerer wog als ihre Geschwindigkeit. Er wusste, wenn er eine Chance hätte, hier beinahe unbeschadet rauszukommen, dann ist es jetzt. Sieg oder Niederlage. Und er war dem Sieg mit diesem Treffer um ein gutes Stück näher gekommen.

Für einen Moment standen sie so dicht beieinander, dass zwischen ihren Körpern kaum Luft blieb. Seine Schulter drückte gegen ihre, ihre Unterarme verkeilten sich, Stahl schabte an Stahl. Sie roch das Metall seiner Waffe, das gegerbte Leder seiner Rüstung und das Blut, das aus ihrer eigenen Wunde unterhalb der Rippen sickerte. Er war stark – stärker, als sie erwartet hatte – und diszipliniert genug, nicht in unbedachte Wut zu verfallen.

Er wollte die Kontrolle über sie.

Also gab sie dem Widerstand nach.
Nicht zu viel. Gerade genug, damit er sich darauf verließ. Sie hielt dagegen, ließ ihn den Druck spüren, ließ ihn glauben, er gewinne Raum. Und dann, in dem winzigen Augenblick, in dem sein Körper sich weiter nach vorne verlagerte, weil er die vermeintliche Öffnung nutzen wollte, nahm sie den Widerstand zurück – nur einen Hauch, kaum sichtbar, aber ausreichend, um sein Gleichgewicht minimal zu verschieben.
Sie senkte ihren Schwerpunkt, ließ ihre Hüfte ausweichen, glitt unter seinem Arm hinweg, noch während er glaubte, sie festzusetzen. Ihre Bewegung war nicht hastig, sondern klar geführt und ihre Klinge folgte dieser Klarheit. Sie schnitt quer über seinen Unterarm, genau dort, wo Muskel in Sehne überging, wo die Kraft seiner Hand ihren Ursprung nahm.
Sie spürte den Widerstand des Leders, dann das Nachgeben von Fleisch. Es folgte dieses charakteristische, federnde Reißen, das kein Krieger jemals vergisst. Seine Spannung brach abrupt. Die Finger erschlafften um den Griff des tiefschwarzen Dolches. Es war nicht nur irgendein Dolch. Es war die Waffe, mit der er das Kämpfen lernte. Eine Waffe aus Rashar- Hand. Aus seiner Heimat. Aus dem schwarzen Stahl, welches auch Obsidian genannt wird. Jene Waffe, welche für viele Tode sorgte und gleichzeitig immer sein Leben sicherte.
Der Dolch kippte, fing kurz einen kalten Lichtschein des Morgens ein, als wolle er sich noch einmal zeigen, noch einmal drohen - und fiel.
Der dumpfe Aufschlag im Gras klang lauter, als jeder Kampfschrei
Und plötzlich war seine Hand leer..

Er taumelte zurück, presste die verletzte Hand gegen den Bauch, während dunkles Blut zwischen seinen Fingern hervor sickerte. Seine Atmung ging schwerer, doch sein Blick blieb wach, klar, nicht panisch. Sie sah darin weder Hass noch Flehen, sondern das nüchterne Erfassen der Lage. Und das schnelle Abwägen der Optionen.

Er hatte sie verwundet, das wusste sie. Der Schmerz an ihrer Seite war real und warm. Und er hatte standgehalten, hatte sie gezwungen, präzise zu sein. Doch sie erkannte in demselben Moment, dass er verstand, was geschehen war: Mit einer zerstörten Waffenhand konnte er diesen Kampf nicht mehr gewinnen.

Während sie ihn im Auge behielt, nahmen sie gleichzeitig die Bewegung in der Kutsche wahr. Die Handwerkerin saß dort, bleich, die Finger weiß um den Türrahmen gekrallt. Der Kutscher hielt die Zügel, unfähig zu fliehen, gefangen zwischen Pflicht und Furcht. Es waren keine Kämpfer. Keine Strategen. Nur Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Unschuldige.

Sie sah, dass auch er sie wahrnahm. Er bemerkte ihr Zögern.

In seinem Blick lag ein kurzer Schatten, nicht Schwäche, sondern Abwägung. Er hätte noch einmal angreifen können. Ein verzweifelter Stoß, ein letzter Versuch, sie zu überraschen, vielleicht sie mit sich zu reißen. Sie wusste, dass sie ihn töten würde, wenn er es versuchte. Daran bestand kein Zweifel. Aber das Risiko, dass er bei ihr genauso tödlich traf, war definitiv gegeben. Ihre Wunde blutete noch immer unaufhörlich und drohte ihre Kampfkraft einschränkend zu schwächen.

Für einen Atemzug standen sie so. Zwischen ihnen kein Lärm mehr, kein Kampf. Nur dieses Wissen.
Er sah es. Sie sah es ebenso.

Sie konnte sehen, dass er begriff, was ein solcher Angriff bedeuten würde. Sein Auftrag hatte nicht diese Frau umfasst. Nicht diesen Kutscher. Ein solcher Schlag wäre kein Dienst an seinem Reich gewesen, sondern das Ausagieren verletzten Stolzes. Es hätte nichts mit Tapferkeit zu tun gehabt, sondern mit Trotz; nichts mit Gerechtigkeit, sondern mit bloßer Zerstörung; nichts mit Ehre, sondern mit dem Wunsch, nicht als Besiegter zu gehen.

In diesen Abwägungen, getragen vom Schmerz in seinem Arm, drängte sich ein Gedanke auf. Ein neuer Gedanke im Kampfmodus. Etwas, was er bis dato noch nie gehabt hatte.
Er dachte an seine Liebsten in Adoran. Für einen Moment sah er Greyas liebevolles Lächeln. Dann Cecilias besorgter Blick. Am Ende Marlans strenge Anerkennung. Hörte das Lachen des Hühnerstalls. Er hatte einen Grund zu kämpfen. Nicht diesen Kampf mit Jynela. Nein, einen Grund zu kämpfen, um hier lebend rauszukommen.

Er traf seine Entscheidung sichtbar, beinahe greifbar. Langsam wich er zurück. Nicht hastig, nicht taumelnd, sondern bewusst. Sein verletzter Arm hing schwer an seiner Seite, und sie konnte sehen, wie das Gift bereits begann, seine Bewegungen träger zu machen, auch wenn er sich mit aller Disziplin dagegen stemmte. Dennoch blieb sein Rücken gerade, sein Blick aufrecht.

Sie hielt den Dolch ruhig erhoben und war bereit, jede Täuschung im Keim zu ersticken. Doch sie sah keine List in seinem Rückzug, kein Zucken, das einen letzten Angriff verraten hätte. Nur die nüchterne Annahme, dass dieser Kampf entschieden war. Sein Auftrag war gescheitert. Und er akzeptierte es.

Als er sich schließlich abwandte und in den Wald zurückging, Schritt für Schritt, aufrecht, solange seine Beine ihn trugen, verspürte sie keinen Triumph. Sie hätte ihn verfolgen können. Trotz ihrer Wunde wusste sie, dass sie schneller war. Doch hinter ihr rang eine Wache um ihr Leben und in der Kutsche saßen Schutzbefohlene, deren Sicherheit schwerer wog als die Jagd nach einem geschlagenen Feind.

Er war nicht mehr einer von denen, die wahllos Blut vergießen.
Und sie war nicht hier, um Trophäen zu sammeln.

Kaum dass Marius durch den Waldrand war und der letzte Morgennebel die Sicht auf ihn verhinderte, presste er den Arm an den Körper, die andere Hand stützte diesen. Er spürte die Anzeichen des Gifts in seinem Körper, es war nicht seine erste Vergiftung. Er bereute es, ohne Tränke losgegangen zu sein. Hatte er sich doch bewusst dagegen entschieden, um seine eigenen Geräusche beim Spähen so gering wie möglich zu halten.
Dennoch war sein Gang weiterhin aufrecht, seine Sinne blieben fokussiert. Jederzeit könnte die Wachablöse am Grenzposten eintreffen. Dann könnte man ihm nachjagen.

Er beeilte sich, in Reichweite seines Pferdes zu kommen, die Schritte nach wie vor leise auf dem Waldboden. Ein kleines, unscheinbares Geräusch und seine Stute kam aus dem Unterholz angetrabt. Er zog sich mit schmerzverzerrter Miene auf den Pferderücken. Die Stute wartete kaum, dass er sicher saß, und ritt eilig Richtung Heimat. Marius musste nicht lenken, nicht anleiten. Die Ausbildung seiner Stute war ihm hervorragend gelungen. Ihre Hufe trugen ihn zielsicher zurück ins lichte Reich. Vorbei an Varuna und Schwingenstein durch das Waldstück am Rittersee. Der direkte Weg sollte es sein. Seine Verletzungen ließen nichts anderes zu. Marius krallte sich mit einer Hand an der Mähne fest, während das Gift ihn immer mehr schwächte. Der Arm lag eingeklemmt unter seinem Oberkörper, welchen er gegen den Pferderücken lehnte. Die Wunde am Arm pochte, dass es im Ohr einen bassigen Rhythmus lieferte. Der Blutverlust ließ seine dunkle Rüstung an der Seite glänzen.

Der schnelle Galopp seiner Stute war gerade seine Lebensversicherung, doch gleichzeitig war er dadurch alles andere als ein Schatten. Weit voraus konnte man die herannahenden schnellen Hufe auf den Wegen hören. Die Banditen am Rittersee rieben sich bereits die Hände und grinsten sich verwegen an. Ein eiliger Reiter musste etwas Wertvolles dabei haben. Das schnelle Tempo konnte keine gute Absicherung bedeuten. Und Gefahren würden sich zu schnell nähern, als diesen rechtzeitig ausweichen zu können. Ja, das klang nach leichter Beute und einem Festschmaus im Fort heute Abend.

Marius bemerkte, welchen Weg seine Stute wählte. Ihm kam auch der Gedanke, dass die Banditen auflauern mussten. Zu oft haben sie mit dem Regiment diese bereits vertreiben müssen. Doch sein Körper brauchte einen zweiten Anlauf, um zu reagieren. Das Gift hatte ihn bereits fest im Griff. Die Arme und Beine wollten nur widerwillig gehorchen. So bekam er seine Stute noch verlangsamt, doch die Banditen waren schneller. Ein eilig stramm gezogenes Seil queer über den Weg ließen das Pferd schneller zum Stillstand kommen, als Marius kommen sah. Einarmig und vom Gift geschwächt, bekam er sich nicht auf dem Pferderücken gehalten, sodass er über den Hals vorne runter rutschte.

Der Sturz hatte ihm für einen Atemzug die Sinne geraubt, doch dann kehrte die Welt mit brutaler Klarheit zurück. Das Gift arbeitete inzwischen ungehindert in seinem Blut, ein zähes Brennen, das sich in Muskeln und Gelenken festsetzte und jede Bewegung schwerer machte, als sie sein sollte. Seine Finger wollten sich nicht richtig schließen, seine Beine fühlten sich an, als trüge er schwere Ketten.
Dennoch zwang er sich dazu, sich aufzurichten, den Parierdolch in der anderen Hand, er war alles, was ihm nun noch blieb, um sein Leben zu verteidigen. Das vertraute Gewicht war ein Anker. Solange er es spürte, war er noch nicht verloren.

Er sah sie nun deutlich hinter den Bäumen hervortreten. Nicht einer, nicht zwei, sondern viele. Zu viele. Männer, die rochen, dass ihr Opfer geschwächt war. Männer, die glaubten, der Soldat wäre leichte Beute.
Marius richtete sich ganz auf.
Er wusste in diesem Moment, dass er nicht mehr davonreiten konnte. Das Gift hatte ihm die Hoffnung genommen. Sein Körper war nicht mehr schnell genug, nicht stark genug, um gegen die Überzahl und Schwäche zugleich zu bestehen. Aber das bedeutete nicht, dass er fallen musste wie ein Tier im Netz! Hoffnung gab es, so lange ein Atemzug möglich war. Er gab seiner Stute ein kleines Zeichen, woraufhin diese in das nahegelegene Waldstück floh, und bereitete sich auf den bevorstehenden Angriff vor.

Als der erste Bandit angriff, trat Marius ihm nicht ausweichend, sondern immer noch entschlossen entgegen. Er fing die fremde Klinge mit einer kontrollierten Bewegung ab, leitete sie zur Seite und nutzte den kurzen Moment der Öffnung, um den Parierdolch präzise unterhalb der Rippen anzusetzen.
Was blieb: Nüchterne Entschlossenheit eines Mannes, der wusste, wo er treffen musste, um wirksam zu sein.
Der zweite traf ihn an der Schulter, schnitt Leder und Fleisch. Schmerz flammte auf, grell und heiß, doch Marius ließ ihn durch sich hindurchziehen, anstatt sich von ihm beherrschen zu lassen. Er drehte sich in den Schlag hinein, verkürzte die Distanz, nahm dem Gegner den Raum für einen weiteren Hieb und brachte ihn mit einem gezieltem Stoß zu Fall. Blut lief inzwischen spürbar an seiner Seite herab, seine Atmung wurde flacher. Und die Banditen begannen ihn einzukreisen.
Er spürte es, das Ende war keine Möglichkeit mehr, sondern Gewissheit. Und seltsamerweise brachte diese Gewissheit eine eigenartige Ruhe mit sich. Die Angst, die sonst vor dem Tod stand, blieb aus.
Vielleicht, weil er so oft in seiner Nähe gestanden hatte. Vielleicht, weil es keinen Raum mehr für Furcht gab, wenn jeder Gedanke in Handlung übergehen musste.
Zwischen zwei Angriffen, in einem flüchtigen Atemzug, schob sich ein Bild in sein Bewusstsein, dann noch eines. Vertraute Gesichter. Wärme. Kein lauter Gedanke, kein dramatischer Abschied, nur das stille Bedauern, nicht zurückkehren zu können.
“Temora”, formte er kaum hörbar, hoffnungsvoll, während er einen weiteren Schlag abwehrte. Kein flehendes Gebet. Mehr ein Gruß, eine Bitte um Standhaftigkeit für das, was nun kam.

Der nächste Treffer war tiefer. Eine Klinge glitt unter seine Rippen. , nicht tödlich, aber schwer genug, um seine Beine zum Erzittern zu bringen.
Er spürte nun, wie seine Kraft unwiderruflich nachließ, wie die Welt an den Rändern dunkler wurde.
Doch selbst jetzt wich er keinen Schritt zurück.
Als ein weiterer Bandit glaubte, der Kampf sei entschieden, stemmte sich Marius ein letztes Mal auf, zog den Gegner mit sich nach unten und setzte seinen Dolch ein letztes Mal ein, präzise und endgültig. Erst danach erlaubte er seinem Körper nachzugeben.

Er sank in das Gras, nicht geworfen, nicht gebrochen, sondern erschöpft. Seine Finger blieben noch um den Griff geschlossen, als wollten sie beweisen, dass er bis zuletzt nicht losgelassen hatte.
Der Himmel über ihm wurde weit und gleichgültig. Das Brennen in seinem Blut ließ nach. Auch der Schmerz verlor an Schärfe.
Sein letzter Gedanke war kein Aufschrei, kein Fluch.
Es blieb nur die ruhige Gewissheit, dass er gestanden hatte.
Bis zum Ende.

Und die Hoffnung, dass Temora auch einen Krieger willkommen hieß, welcher noch nicht lange in ihrem Namen stritt.



Die übrig gebliebenen Banditen durchwühlten die kargen Taschen von Marius Rüstung. Krümelige Reste eines schlichten Brotes, ein kleiner Wasserschlauch, eine nie benutzte Bandage - nichts beachtenswertes in den Augen der Banditen. Was die einfachen Tagelöhner nicht begriffen, dass der eilige Reiter sehr wohl etwas sehr Wertvolles dabei hatte. Etwas, was sie sich nahmen ohne sich selbst bereichern zu können: sein Leben.

Enttäuscht darüber, dass sie gar nichts Verwertbares fanden, machten sie sich nicht einmal die Mühe die Leiche zu verstecken. Und so dauerte es nicht lange, bis eine berittene Grenzwache auf die Situation am Rittersee traf. Die Banditen waren so dumm und griffen die deutlich erkennbaren Soldaten an. Aus der Gier heraus doch noch Beute machen zu können. Diese gülden glänzenden Rüstungen gaben immer gut Gold unter den Schwarzhändlern. Es sollte ihr Todesurteil sein.

Erst danach erkannten die Soldaten des Regiments, dass sie gerade einen Kameraden gerächt hatten. Der Jüngste in ihren Reihen musste absatteln und nach dem leblosen Körper am Wegrand schauen. Langsam zog er die Maske vom Gesicht und musste schwer schlucken: Das markante Gesicht, die hohen Wangenknochen, der gepflegte 5- Tages- Bart - unzweifelbar Kamerad Marlon. Die verschmitzten Züge waren in dem vom Kampf gezeichneten Gesicht noch leicht erkennbar.

Sie bargen seinen Körper, brachten ihn auf einem der Pferderücken zum Kastellslazarett. Die einen stellten sich vor die Tür für eine letzte Wache, die anderen eilten los und suchten Feldwebel Kabo für die traurige Meldung.


Zurück bleibt eine heroische Geschichte.
Keine, die im Staub des Schlachtfeldes vergeht, sondern eine, die ihren Weg ins Herzogtum Lichtenthal findet - getragen vom Hauptmann und in ihren Händen die Klinge, die sein Leben begleitete und ihn bis zuletzt verteidigte.

Vielleicht wird man dort irgendwann hören, wie Marius Marlon seinen letzten Kampf antrat.
Vielleicht wird der Hauptmann Worte dafür finden, was geschah.
Worte in denen ein Hauch Respekt mitschwingt, dass ein Soldat, mit offenbar alatarischen Wurzeln aus den Regimentsreihen sie ernsthaft verletzt hatte.
Vielleicht würde sie sogar zugeben, dass der Kampf nicht nur eine Herausforderung war, sondern einer der seltenen Momente, in denen zwei Krieger einander wirklich begegneten.
Das Aufeinandertreffen zweier Willen, die keiner von beiden leicht brach und in dem der Tod nicht wusste, auf wessen Seite er stehen sollte.




[Vielen Dank an alle, die an diesem Text mitwirkten.
Ein ganz großes Danke geht dabei an PO Jynela, welche ohne zu zögern den Gegenpart in der Geschichte übernahm und zusätzlich einen beachtlichen Anteil - vor allem die Kampfszenen - tippte, wodurch dieser Text sehr authentisch gestaltet werden konnte.]
Marius Charstory ist u.a. hier nachlesbar:
[MMT]Unter Kameraden
Ein Haus voller Hühner in Adoran [MMT]