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Aufruhr in Varuna und Ängste in der Umgebung

Verfasst: Samstag 26. August 2006, 22:51
von Irmenlind Auenfeld
Ein seltsam anmutendes Bild:
Die beleibte und sonst so resolute Bäuerin auf dem Stuhl sitzend, den Blick starr zur Tür gerichtet, beide Hände um den Stiel einer Mistforke gelegt, als wollte sie ihn erwürgen.
All die Dinge, die Hexen nachgesagt werden, drehen sich in ihrem Geiste.
Sie brauchen dich nur ansehen und du kannst dich nicht mehr rühren!
Wenn sie die Hand nach dir ausstrecken, wirst du dein Dasein als Kröte fristen!
Sie hexen dir Warzen an!
Sie fressen Kinder!
Sie vernichten deine Ernte und töten dein Vieh!

Ein Schauer läuft ihr über den Rücken und am ganzen Körper bildet sich Gänsehaut.
„Wenn de hiea sitzn bleibst, denn kannste dia nich weahn.“
Und so erhebt sie sich mit einem Ächzen, sich auf die Forke stützend, weil die Beine eher dem guten Apfelmus gleichen, denn zwei aufrecht haltenden Stützen.
In Ihren Zügen spiegelt sich ihr Innerstes, als würde das Futter eines Handschuhs nach außen gekrempelt worden sein... Glaube und Angst.. eine Mischung, die im Ergebnis Zweifel zeigt.
„Wat gloobste wie lange de hiea rum stehn kannst?“
„Bis mia det Beine vasagen...“
„Is juut, det dauat ja denn nich meah lange!“
Dabei starrt sie die Forke an, als würde diese mit ihr sprechen.
„Ik hab meah in det Beene als de jlauben magst!“
Das zittern ihrer Hände, die sich nun eher um den Forkenstiel krallen, denn ihn halten, straft sie lügen.
„Ja det seh ik!“
Sie versucht sich zu straffen und gemäß ihrer üblichen, leicht naiven Gewohnheit zu denken, sich Mut zuzusprechen.

Sie brauchen dich nur ansehen und du kannst dich nicht mehr rühren!
„Ik habs in det Knochen, da kann ik mia öfta ma nich rüahn!“
Wenn sie die Hand nach dir ausstrecken, wirst du dein Dasein als Kröte fristen!
„Ik bin naturvabunden!“
Sie hexen dir Warzen an!
„Uff een oda zwee meah kommts nich an!“
Sie fressen Kinder!
„Meen Safikind kriejen se nich!“
Sie vernichten deine Ernte und töten dein Vieh!
„Nua wenn se uff meen Hof komm!“

Und so stapft sie schnaufend aus dem Haus, die Treppe hinunter, den Weg entlang zum Tor und positioniert sich an Jenem, die Mistforke tapfer in beiden Händen haltend.
Dort angekommen, in die Dunkelheit starrend, überwiegen letztendlich Angst und Zweifel den Glauben und sie wendet den massigen Körper herum und stapft zielgerichtet wieder ins Haus.
"Ik kann och drinn uff det Hexe wartn..."

Verfasst: Sonntag 27. August 2006, 14:11
von Der Erzähler
In den Gassen hört man die leisen Gesänge der Kinder, die sich an den Rockzipfeln der Mütter fest halten.


Zehn große Holzfäller
gingen durch Wald und Flur
schlugen ein paar Stämme klein,
wollten sie stapeln nur.

Die zehn großen Holzfäller
Gingen zum Markte heim
Da warteten die Ritter schon,
da waren‘s nur noch Neun.

Neun große Holzfäller
riefen sich zu: Haltet Wacht!
Da schlug der Hüne Hinrah zu
da waren‘s nur noch Acht.

Acht große Holzfäller
von Angst und Mut getrieben
hielten Stand und wichen nicht
Da waren‘s nur noch Sieben.

Sieben große Holzfäller
fürchten sich vor der Hex‘
als gottlos beschimpft und fort gejagt
waren‘s nur noch Sechs.

Sechs große Holzfäller
flohen in Wald und Sümpf
verfolgt von Hinrah und Rittersleut
da waren’s nur noch Fünf.

Fünf große Holzfäller
trafen auf Mordlust und Gier
der Hex’verfolgung ein End‘ zu machen
da waren’s nur noch Vier.

Vier große Holzfäller
warfen sich in die Keilerei
den einen traf ein Holzschwert wohl
da waren’s nur noch Drei.

Drei große Holzfäller
konnten‘s nicht verstehen
die Angst den Rittern einerlei
so war’n nur noch Zwei zu sehen.

Zwei große Holzfäller
Einer hieß wohl Reinherr
er sank vor Schwäch‘ zum Boden bald
da war es nur noch Einer.

Ein großer Holzfäller
sah sein Heil im Geh’n
lief geschwind in die Stadt zurück
dann sind‘s bald wieder Zehn.



An vielen Stellen in den Gassen Varunas sieht man kleine Gruppen von Männern, die Holz stapeln, umringt von Frauen und Kindern, die sich ängstlich umsehen.
Dennoch bleiben sie standhaft bei ihren Männern, in dem Glauben, die Ritter würden es nicht wagen, sich an ihnen oder ihren Kindern zu vergreifen.
Angst und Unverständnis ob des Tuns der Ritter bei den Angriffen auf die Holzfäller spiegeln sich in den Gesichtern der Leute. Als Gottlose wurden sie beschimpft, während die Hexe Elbenau sicher in den Gemächern des Schlosses verweilte.. und das ganz in der Nähe des Grafen!
Unschuldig bis die Schuld bewiesen? Unverständnis. Kam nicht ein Jeder schon auf Verdacht gekettet in den Kerker, bis zum Beweis seiner Unschuld? Galt dies etwa für Hexen nicht?
Standen der Graf und die Ritter unter dem Bann der Hexe?
Die Befürchtungen mehren sich und schüren das Feuer der Ängste.
Was würde wohl mit ihnen geschehen, wenn die Ängste sich bewahrheiten würden?

Gardisten halten sich in der Nähe auf, unschlüssig wirkend, ob sie das Tun der Bürger schützen sollen, oder aber sie auseinander treiben.. so verharren sie, sich selbst höchst unwohl fühlend in ihrer Haut.. sind doch auch ihnen die Geschichten, die man sich über Hexen erzählt, aus ihrer Kindheit wohl bekannt und der Gedanke an ihre eigenen Kinder läßt sie innerlich erschauern...

Verfasst: Sonntag 27. August 2006, 18:38
von Rafael de Arganta
Es hörte und hörte nicht auf.
Sie wollten eigentlich nur nach dem Rechten auf dem Marktplatz schauen und das Chaos nahm seinen Lauf.
Reisige und Holz aufeinandergestapelt ließen erahnen was hier vorbereitet wurde und als auch schon einige der Aufgestachelten Bürger bewaffnet mit Beilen die sie als Werkzeug deklarierten, und Laternen ihnen entgegentraten hoffte Rafael ob ihrer grimmigen Mienen das trotz allem eine friedliche Lösung möglich wäre.
Ohne Rüstung schnallte er nun auch noch sein Schwert ab, reichte es Richard nach hinten und trat vor.
Nur wenige Gardisten waren anwesend, dazu zwei seiner Allianzler, einige von der Familie Cathals.
Rafael versuchte es im Guten. Es waren verängstigte Leute, doch Selbstjustiz konnte und durfte er nicht zulassen.
Nichts. Egal welche Argumente er brachte sie wurden nur noch mehr aufgewiegelt, verlangten gar die Herausgabe der Ritterin.

Als die Argumente nicht mehr halfen, versuchte der Ritter es mit Logik, brachte ihnen vor das sie gegen die Gesetze verstießen, er sie allesamt verhaften lassen könnte.
Er versuchte es mit Versprechungen, bat um 2 Tage um dann eine öffentliche Verhandlung im beisein der Heiligkeit ab zu halten, doch nichts fruchtete.
Die Menge wurde immer lauter und schließlich befahl Rafael Gardisten zu holen das man die Menschen zerstreuen oder festnehmen sollten.
Doch die Menschen rührten sich nicht vom Fleck, so das er befahl die Schilde zu erheben.
„KEINE WAFFEN.“ Brüllte er noch dann hielten sie gegen den Mob, was fast ein aussichtsloses Unterfangen war. Aber er wollte kein Blutvergießen.
Er spürte die Wut in sich das jene für die er, Cathal und auch die Ritterin immer wieder ihr Leben riskierten, so seinen Worten Mistrauten.
Er hätte genauso gut gegen eine Wand sprechen können, obwohl diese wohl angenehmer gewesen wäre.
Die Situation eskalierte, als ihm irgendwer einen Stein gegen die Schläfe donnerte, er taumelte und erst als er wieder richtig sah vermochte er zu sehen das es nun zu Hangreiflichkeiten kam.
Doch nun wichen die Menschen. Zogen sich zurück vor die Stadt wie er erfuhr um dort erneut Reisige zu sammeln und auf zu stapeln.

Nur kurz spülte er die Wunde an der Schläfe ab.
Sie durften jetzt einfach nicht nachgeben.
„Holt eure Pferde, rüstet euch und holt Fackeln, wir treiben sie mit den Pferden auseinander und werden das Holz verbrennen.“
Er brauchte nicht lange warten bis er die Reiter zusammen hatte, und sie hinaus stürmten.
Dieses Mal liefen die Aufständigen sofort auseinander, und sie konnten die gesammelten Hölzer in Ruhe anzünden.
Dann erst ritten sie zurück.
Es war noch nicht vorbei und sicher war das etwas geschehen musste, und das schnell.

Verfasst: Sonntag 27. August 2006, 23:53
von Der Erzähler
Er saß vor dem Kamin, starrte in Gedanken versunken in die Flammen des Kamins.
Seine Frau, wie seine beiden Söhne schliefen bereits, als ihn Hufgetrappel aus den Gedanken riß. Pferde auf der Straße um diese Zeit? Die Stadttore sollten längst geschlossen sein.
Flugs erhob er sich um zur Tür zu laufen, sie einen Spalt zu öffnen und hinaus zu spähen.
Gerade sah er das Aufblitzen , welches einem die Gewißheit gibt, dass sich das Laternenlicht in einer Rüstung spiegelte. Gardisten? Er kniff die Augen zusammen. Nein! Er traute seinen Augen kaum. Sie waren im Begriff, die Hexe aus der Stadt zu schaffen!
Leise schloß er die Tür und eilte zur Schlafkammer seiner Söhne, um sie zu wecken.
Schlaftrunken erhoben sie sich und nahmen den Goldbeutel aus des Vaters Hand entgegen, der ihnen auftrug, der Gruppe zu folgen, in sicherem Abstand.
Die Münzen waren für die Gardisten am Tor gedacht, falls sie die beiden Männer nicht mehr hinaus lassen wollten.
Seine Söhne folgten der nächtlichen Wallfahrt bis zum Kloster Temoras.
Anschließend kehrten sie um und erstatteten ihrem Vater Bericht.
Er wies sie an, sofort zum Kloster zurück zu kehren, um dort Beobachtungsposten zu beziehen, während er dafür sorgen wollte, dass die Bürger von dem nächtlichen Geschehen erfuhren, sowie sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten.
Den Tag über hielten sich die beiden Brüder versteckt im Wald.
Am Abend jedoch, suchten sie sich etwas Holz, um ein Feuer zu entzünden, sich zu wärmen und zu speisen, die Blicke stetig auf die Klosterpforten gewandt.

Verfasst: Montag 28. August 2006, 17:36
von Der Erzähler
Es ist die Angst, welche die Bürger zu Dingen veranlaßt, zu denen sie sich sonst nicht hinreißen lassen würden. Eine Angst, die in den Warnungen und Drohungen verankert ist, seit ihren Kindheitstagen. Verblaßt im Laufe der Zeit, des älter werden und nun unerbittlich an die Oberfläche gespült. Haben doch die meisten nun selbst Familie, die es zu schützen gilt und so fassen sich die sonst treuen Bürger ein Herz und packen voller Sorge, Angst, aber auch verzweifelten Mut, einige Körbe voll, greifen Laternen, Facken und Felle.
Die Holzstöße bleiben verwaist zurück in Varuna, während sich die Bürger, samt Frauen und Kindern auf den Weg zum Kloster machen.
Temora steht für die Bürger für die Hoffnung, für das Licht, die Gerechtigkeit und auch für den Schwertarm.
Vom Wege ab klingen die hellen Kinderstimmen der Mädchen, gefolgt von dem Gemisch an hellen und dunklen Stimmen der Jungen.

Mädchen:
Wenn der Schwertarm aber nun verhext ist, lieber Heynrich, lieber Heynrich,
wenn der Schwertarm aber nun verhext ist, lieber Heynrich, was dann?

Jungen:
Dann soll er brennen, dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, dumme Lyse,
dann soll er brennen dumme, dumme Lyse, dumme Lyse dann soll er brenn‘!

Mädchen:
Womit soll ich ihn aber brennen, lieber Heynrich, lieber Heynrich,
womit soll ich ihn aber brennen , lieber Heynrich, womit?

Jungen:
Nimm Holz dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, dumme Lyse,
nimm Holz dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, nimm Holz!

Mädchen:
Woher soll ich es aber nehmen, lieber Heynrich, lieber Heynrich,
woher soll ich es aber nehmen, lieber Heynrich, woher?

Jungen:
Es liegt bereit dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, dumme Lyse,
es liegt bereit dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, es liegt bereit!

Mädchen:
Womit soll ich es aber anzünden, lieber Heynrich, lieber Heynrich,
womit soll ich es aber anzünden, lieber Heynrich, womit?

Jungen:
Mit Feuerstein dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, dumme Lyse,
mit Feuerstein, dumme, dumme, Lyse, dumme Lyse, mit Feuerstein!

Mädchen:
Wenn ich aber nun zu schwach bin, lieber Heynrich, lieber Hyenrich,
wenn ich aber nun zu schwach bin, lieber Heynrich, was dann?

Jungen:
Hol nen Ritter dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, dumme Lyse,
hol nen Ritter, dumme, dumme Lyse, dumme Lyse, nen Ritter hol!

Mädchen:
Wenn der Ritter aber nun verhext ist, lieber Heynrich, lieber Heynrich,
wenn der Ritter aber nun verhext ist, lieber Heynrich, was dann?

Jungen:
Dann soll er ...




(ooc: Frei nach dem alten Kinderlied: wenn der Topf aber nun ein Loch hat...)

Verfasst: Montag 28. August 2006, 17:49
von Yarin von Wolfenfels
Wie schön war doch die Ordnung in Wolfenfels. Ein Blick aus dem Zimmer der Taverne entlockte den Lippen Yarins einen leichten Seufzer. In Wolfenfels käme den Bürgern nie auch nur der Gedanke, eine Ritterin, eine Kriegerin der Herrin Temora, als Hexe zu bezeichnen.

Seufzend schloss er die Augen und dachte zurück an die Heimat. Der weiter und grüne Wald, der Berg der darin entspringt und der kleine Fluss, der immer wieder einmal Fische auf die Speisekarte des kleinen Lehens brachte. Darna von Elbenau. In seinen Augen war sie sicher eine gute Dienerin der Herrin Temora, so wie es jeder Ritter war, der die Weihe aus der Hand eines Priesters erhielt.

Priester wie Kyron einer war. Der alte Mann sass nun sicher ruhig in seiner Kammer in der Feste Wolfenstein, die kaum größer war als ein größeres Handels- und Lagerhaus in Varuna. Gestern hatte er sicher wieder seine Predigt für die Herrin gehalten, erst im Kreise der Familie, dann gegen Mittag offen auf dem Marktplatz. Vier Wochen nun hatte er schon keine Predigt mehr hören können. Das letzte mal zur Hochzeit des Grafen.

Varuna schien alles zu haben, was eine Hauptstadt brauchte, aber das Herz einer jeden Stadt, die treu zum Glauben an die Herrin stand fehlte. Priester die predigend durch die Stadt zogen, die freundlich den Armen halfen und die Lehren der sieben Tugenden verbreiteten. Gewiss wäre unter der Obhut der Priester nie solch ein Aufruhr entstanden.

Mit einem Lächeln auf den Lippen erinnerte er sich an einen Vorfall, er war zu der Zeit grade vier oder fünf Jahre alt, als die Gardisten des Wohnsitzes in ihre Hörner bliesen. Der Winter hatte noch immer keinen Auszug aus Wolfenfels gehalten, auch wenn man hier lange Winter gewöhnt war, lies der Frühling in diesem Jahr auf sich warten. Die Signale der Gardisten aber lies bei jedem Wetter die Menschen auf den Marktplatz strömen. Als Yarin und wie immer an seiner Hand auch Ariana dort ankamen kniete einer der Bürger vor ihrem Vater, neben dem sich Kyron gestellt hatte. Schweigen herrschte auf dem Platz und als die Traube größer wurde und das Murmeln begann hob Sindar die Hand um der Menge Ruhe zu befehlen. Augenblicklich wurde es still und der Baron erhob das Wort.


"Jeder in Wolfenfels kennt unsere Gesetze. Seid jeher sind die einfach und jedem bekannt, der bei uns wohnt. An höchste Stelle in Wolfenfels stehen weder Beron noch Baronsfamilie sondern unser aller Herrin Temora und Eluive, dann der König und dann die Familie Wolfenfels. Dieser Herr, eine von Euch, wagte Temora dafür verantwortlich zu machen für den harten Winter. Und nur weil der Winter so hart war und er um die Gnade der Herrin bat, kann er noch vor Kyron, als Diener Temoras knien und sie um Vergebung bitten."

"Und in ihrer Gnade hat sie ihm verziehen, auch wenn sein Verstoß nun die erste Eintragung für ihn ist in den Strafbüchern Wolfenfels. Denkt daran das weitere Verstöße Euch eine Verurteiler als Ketzer und Diener des Panthers einbringen können. Und nun erhebt Euch wieder und beweißt. das Ihr die Gnade der Herrin verdient. Geht zu Eurer Familie und kündet von ihrem Sgen. Möge die Gütige unser Land beschützen, Möge sie Wolfenfels und die Lehen des Königs beschützen."

"Durch die Kälte müssen nicht nur meine Familie sondern auch mein Volk leiden. Versammelt Euch zur siebten Stund vor den Toren der Feste und ich werde Korn und Mehl verteilen lassen. Und denkt daran, der Göttin ihren Teil zu opfern, auf das der Winter schnell beendet sein möge und das Frühjahr eine reicht Ernte beschere. Treue der Göttin und dem König, Ehrlichkeit der Familie wie dem einfachen Volke, Härte den Gesetzlosen und Verbrechern!" Mit festen Stimmen wurde das Motto Wolfenfels wiederholt, wie immer wenn der Baron eine Rede beendete und sich gen Feste wand.

Yarin konnte sich noch erinnern, das sein Vater am Abend die Lager öffnete um seine Bürger zu nähren und der Sünder des Abends sollte sich nie wieder etwas zu Schulden kommen lassen. Wenn doch nur die Menschen in Varuna so viel Glauben und Treue besäßen.

Verfasst: Montag 28. August 2006, 19:58
von Ariana von Wolfenfels
Gottlos sollen wir sein, dabei ist sie die Hexe. Brennt sie!

Leises Wispern durchzog die Strassen, misstrauische Blicke trafen die Gardisten ebenso wie einen jeden Gerüsteten der sich in der Stadt zu zeigen wagte. Entgegen ihrer Geflogenheiten trug auch Ariana, ihren Geschwistern gleich, den Bogen gespannt auf dem Rücken mit sich wenn sie von ihren weiten Ausflügen in die Wälder der Grafschaft zurückkehrte. Es war nicht mehr sicher hier, nicht für den einfachen Adeligen und weniger noch für die Ritter und Lady von Elbenau. Das Volk war in Aufruhr geraten, Blut wurde auf den Strassen vergossen. Und nicht nur im einfachen Volk, überall wurde über die Ereignisse getuschelt. War es recht gewesen, dass die Ritter mit Gewalt gegen die aufgebrachten Bürger vorgingen? Woher kam das Misstrauen gegenüber einer Ritterin, einer Frau die sich stets für die Ärmsten unter den Bürgern eingesetzt hatte?

Die Geschwister von Wolfenfels, unbekannt in Varuna und mit den Gegebenheiten nicht vertraut wussten darauf keine Antwort zu geben. Das Maß an Misstrauen war ihnen unverständlich, war in ihrem Zuhause ein Ritter der Temora doch aufs höchste geachtet und sein Wort in allen Belangen gern gehört worden. Die Abwesenheit der Priester, der fehlende Glaube, das Chaos in diesen Tagen ließ die Sehnsucht nach den weiten Wäldern und der Familie wachsen. Dinge die in Wolfenfels einfach und klar schienen, erhielten hier eine neue und erschreckende Dimension. Während Yarin die Ereignisse meist nach strikten Grundsätzen beurteilte, versuchte Ariana ihnen auf den Grund zu gehen. Wann immer sie ein verschlossener, misstrauischer Blick auf den Straßen traf, wurden ihre Augen dunkel und nachdenklich. Auch sie war wie ihre Geschwister der Meinung dass die Ritter recht gehandelt hatten. Und doch mischte sich von Zeit zu Zeit ein leiser Zweifel in dieses Wissen. Ihr Vater hatte stets versucht die Waage zwischen Gerechtigkeit und Härte zu halten, und dieses Streben hatte sich ihr eingeprägt. Hätte es nicht einen anderen Weg geben können, das Ohr des Volkes zu erreichen? In Zweifel und Angst gefangen, brauchten die Menschen eine Person zu der sie aufsehen, der sie ihr Vertrauen entgegen bringen konnten. War der Truchsess ein solcher Mensch? Warum zeigte er sich nicht, vermittelte seinen Untertanen Sicherheit wie es der Baron von Wolfenfels stets zu tun pflegte?

Dieser hatte alleine durch sein ruhiges, besonnenes Auftreten so manchen Tumult im Kern erstickt, bot allen Bürgern gleichermaßen seine Aufmerksamkeit und die Sicherheit seines Urteils. Selbst wenn die Dinge in Varuna anders lagen, warum sollte ein solches Vertrauensverhältnis nicht auch hier möglich sein? Ariana hütete sich diese Gedanken außerhalb des Familienkreises auszusprechen. Ohne tieferen Einblick in die Grafschaft und ihre Machtträger würde sie kein Urteil fällen können. Dennoch blieb der Zweifel, die stete Frage wenn sie durch die aufgewühlten Straßen Varunas ging.

Verfasst: Dienstag 29. August 2006, 11:30
von Thrillom Samuas
Kein Auge konnte er in der Nacht schließen, die Bürger Varunas hatten nun die Stadt verlassen und waren zum Kloster aufgebrochen, qualm stieg von ihrer Raststätte zum Himmeln und ein leichtes glimmendes Leuchten verriet sie über den Dächern. Er saß schweigend vor seinem Schreibtisch, die Kette mit der Hässlichen Raben Gestalt, hatte er vom Hals genommen und starte sie regelrecht mit seinem lehren Blick an. Vor einigen Momenten, stand er seinem liebsten Feind gegenüber der Ritter Sire de Arganta, war so wie er ihn verstand auf dem Besten Wege Temora abzusagen. Und somit begann dieser Mann zu denken, einen besseren Weg als die Sturheit ihrer Tugend zu finden und genau diesen wollte ihn Thrillom geben. Sicher, das Gespräch war nicht gerade das unter Freunden, aber Thrillom war sich sicher, das er wiedereinmal einen Gedanken in das Hirn des Ritters brannte. Doch hatte er nun erstmal seinen Plan in die Tat umzusetzen, welcher ihm von dem Herrn de Arganta in dem Gespräch eingepflanzt wurde. Eine unschuldige Ritterin zu verbrennen, war Thrillom schon ein Gefundenes Opfer für seinen Meister, aber was, wenn er das ganze Volk von Varuna haben könnte?
Der Ritter war felsenfest davon Überzeugt die Unschuldige vor dem dümmlich engstirnigen Pöbel zu retten. Thrillom musste sie nur überzeugen, das sie das Kloster stürmen, und ein Blutbad würde genau wie vor hundertern Jahren die Fratze an der selben stelle wo sie damals in die Erde ging erwecken, und den Zweiten Kampf anzufangen. Der Gedanke festigte sich in seinem Kopf, er gefiel ihm und er würde sicher das erfüllen nachdem er sich so lange sehnte. Wiedereinmal stand er vor einer großen Aufgabe, wiedereinmal würde er es alleine nicht Schaffen, aber dieses mal war er Vorbereitet. Seine Hand glitt in die Hosentasche und entlockte ihr den roten Blutverschmierten Dolch, wessen Klinge sich zugleich durch die Haut seines Zeigefingers schlich und ein sachtes Rinnsal Blut mit sich aus dem Fleische zog. Langsam tropfte jenes auf den Rabenen Anhänger seiner Kette, wo er unter einem leichten qualmen und zischen verschwand um zugleich langsam aus den hohlen Augen des Skellettköpfigen Rabens tränen gleich auszutreten. Er wusste, das jeder Rabe nun Blut weinen würde, und jeder der dieses Blut am nägsten Tage auf seinem Larken hat, weiß wo er sich einzufinden hatte. Ja, die Schattenengel würden sich wieder erheben und die Massen des Volks gen das Kloster hetzen.

Am nägsten Tag in der Morgen Dämmerung machte er sich in Richtung des Lagers der Bürger auf, er war selbst in Lumpen gepackt und sah mehr oder minder wie ein Bauer aus. Dort angekommen vergiftete er ihre Ohren.


„Die Hexe hat die Hohe Templerin Verhext“
„Sie wird euch alle Täuschen wenn sie ihre Kraft demonstriert“


„Die Garde will euch vertreiben, sie horten Lähmungstränke und Truppen zusammen. Sie sind Verhext wollen sich gegen ihre eigen Bürger stellen“


„Die Garde wird euch alle umbringen, ihr müsst der Hex' vorher das Handwerk legen“


„Je eher die ganze Hexerei aufhört desto weniger Gefahr droht“


„Eure Kinder, eure Kinder bringt eure Kinder weg sie sind der Keim ihrer Macht“


Seine erste Arbeit war getan, die Menschliche Angst war geschürt und ihre Sorge geweitet, er wollte noch einige Zeit warten, und sie Beobachten. Sie würden sich sicher bald Rüsten um ihre Angst und ihre Sorge selbst zu beseitigen. Er machte sich vorerst auf die Schattenengel zu bündeln und das weitere Vorgehen zu unterreden.

Verfasst: Mittwoch 30. August 2006, 12:24
von Der Erzähler
Der Mut der Verzweiflung war den Bürgern in die Gesichter gemeißelt.
Als ihre Heiligkeit vor die Klostertore trat und auf die Menge zuging, herrschte zunächst Stille. Geprägt von Angst, Befürchtungen, aber auch Ehrfurcht.
Zunächst zaghaft, dann jedoch lauter wurden die Stimmen, die forderten.
„Laßt sie beweisen, dass sie keine Hexe ist!“
„Legt sie in Ketten!“
„Sperrt sie in den Kerker!“
Die beruhigenden Worte der Erztemplerin hinterließen eine Mischung aus vertrauen wollen und der Befürchtung, auch sie könne unter dem Bann der „Hexe“ Elbenau stehen.
Die mahnenden Worte Alyssas jedoch förderten das Verlangen, Darna von Elbenau im Kastell zu wissen, auf dass ihre Kinder geschützt seien.
Erleichterung mischte sich in die besorgten Gesichtszüge, als die „Hexe“ schlußendlich abgeführt wurde, im Schlepptau, sicheren Abstands einige Bürger, die sich vergewissern wollten, dass sie dort ankam, wo sie es verlangt hatten.

Schnell kehrte Ruhe ein im Lager am Kloster. Morgen.. morgen würde es sich zeigen...

Verfasst: Mittwoch 30. August 2006, 18:12
von Droyan Xaliuqse
Angst, Verzweiflung und Unsicherheit.

Aber es war vorallem Angst, die Droyan in den Gesichtern der Bürger sah, die er vor zwei Nächten in einer aufgebrachten, verwirrten Menge nordwestlich des Klosters traf.

Er hatte eigentlich vorgehabt, noch vor Einbruch der Dunkelheit die sicheren Mauern Varunas zu erreichen und dort im trockenen, warmen Zimmer einer Gaststätte die Nacht zu verbringen, aber wie schon so oft hatte sich der junge Mann verkalkuliert.
Die Sonne war schon vor Minuten endgültig hinter den Bergen im Westen verschwunden und die Kühle der rasch heraufziehenden Nacht ließ Droyan einen kühlen Schauer über Arme und Rücken laufen, als er vom Schein der Fackeln und Laternen einer großen Schar Leute geblendet wurde.
Zum größten Teil handelte es sich vom Äußerlichen her um einfache Bürger aus der Stadt aber es waren auch einige Gerüstete - vermutlich von der Wache, mutmaßte Droyan - darunter, die sich scheinbar gerade in einer hitzigen Diskussion mit einem schwarzgewandeten Mann befanden. Genaueres konnte er selbst nicht verstehen und da scheinbar alles friedlich auszugehen schien und Gerüstete wie auch der Schwarzgewandte ihrer Wege zu gehen schienen, wandte er sich an einen der Männer in der Menschenmenge, die Stirn dabei in Falten gezogen, und begann ein Gespräch mit ihm.
Der Mann erzählte ihm dass er und die seinen hier draußen auf "Wanderschaft" seien, dabei machte er aber eine deutende Geste mit dem Kopf auf die abziehenden Gerüsteten und Droyan nickte verstehend. Natürlich, er hatte auch Gerüchte gehört wie jeder andere, und ob wahr oder falsch, beunruhigend waren sie allemal. Als er den Mann fragte, was sie heute machen würden antwortete ihm dieser dass sie heute nur noch das Lager errichten würden und morgen ... - dass wusste allein die Mutter selbst.
Die Leute waren mit ihren ganzen Familien, mit Frau und Kindern von Varuna hierher gereist, bei den Göttern, wenn dass kein Zeichen war ob ihres Zweifel, ihrer Angst?!
Innerlich konnte Droyan nur seufzen, er konnte beide Seiten verstehen - die Ritter und Kämpen auf Seiten der "Hexe", der Ritterin von Elbenau, wie auch das einfache Volk, dessen Angst nur Zeichen ihrer Unsicherheit und dem Bedürfnis nach Frieden und Ruhe entsprach.
Droyan zögerte nicht, als der Mann ihn bat beim Holzsammeln fürs Feuer zu helfen und ihm daraufhin auch kurzerhand anbot gleich die Nacht mit ihnen hier, in der freien Natur, zu verbringen.

Der Großteil der Leute legt sich nun schon schlafen, vorallem die Kinder kuschelten sich dankbar in ihre Decken als die Kühle der Nacht zunahm, der Mann gab Droyan einen Umhang, damit dieser sich damit zumindest ein wenig die Kälte abhalten konnte und legte sich ebenfalls zur Ruhe. Droyan selbst blieb noch eine Weile wach und schnitzte gedankenverloren auf einem schönen, kräftigen Ast der viel zu schade fürs Feuer gewesen war.
Was konnte man nur tun, um die Angst dieser Leute zu lösen? Sie verdienten es, ein ruhiges Leben ohne Sorge zu führen, denn auch wenn sie von manchem treulos oder schlimmeres genannt wurden waren sie im Kern ihres Herzens immer noch gute Menschen.

Fast wäre Droyan eingenickt als ihn dass Schnauben eines Pferdes aus den Gedanken riss - ein junger Reisender der wie er vom Schein des Lichts angelockt worden war. Auch er - der sich Droyan später als Kimroth vorstellte - verwunderte sich ob dieses Auflaufes hier draußen und diesmal war es an Droyan zu erklären. Er erzählte dem Mann von den Ängsten der Leute, von ihrer Sorge, versuchte sie ihm deutlich zu machen. Kimroth nickte, meinte er selbst kam von den Toren des Klosters wo er sogar ein Pferd geschenkt bekam, erklärte er wolle heute noch sein Glück versuchen und bei der Wache für diese Leute vorzusprechen, Droyans Einwürfe dabei ausschlagend.
Was könnte denn schon ein einzelner bewirken? Aber vielleicht könnte gerade ein einzelner genug bewirken, um diesen Wahnsinn zu beenden...
Kimroth wollte noch diese Nacht aufbrechen und so wünschte ihm Droyan alles Gute während er auf sein Pferd stieg und als Schatten in der Nacht verschwand und schließlich vollends von dieser verschluckt wurde.

Droyan blieb zurück, zwar einsam aber nicht allein inmitten all dieser Leute, in deren Herzen die Saat der Furcht gedieh.
In den frühen Morgenstunden, noch ehe sich die Sonne zeigte, packte Droyan zusammen und schlich sich aus dem Lager, über die noch Schlafenden hinweg, gen Varuna.

Verfasst: Mittwoch 30. August 2006, 19:38
von Darna von Hohenfels
Der Lohn der Freundschaft

Freunde. Heute hatte sie erfahren, daß keine noch so dicke Mauer diesen Wall, der sie schützte, ersetzen konnte.
"Wenn du Vertrauen in die gütige Herrin hast, so folge mir nun, Kind." Mit diesen Worten verließ die Heiligkeit die Kirche wieder, in die sie Darna zuvor geschickt hatte, als der Tumult vor dem Kloster herrschte - wütende, verängstigte Bauern, die die Herausgabe der Hexe forderten.

Dort standen sie einander gegenüber wie Feinde - ein Anblick, der schmerzte. Hudgarr, Herr Greif, Rafael mit seinen Leuten von der Allianz, weitere, teils unbekannte Gesichter, von denen sie dennoch Zuspruch bekam.
Und dann die Bauern. Kinder, Frauen, Männer... aufgebracht, doch einer ängstlicher als der andere. Sie blickte ihnen einfach ruhig entgegen, etwas herausfordernd vielleicht, doch die Blicke wurden gesenkt, sie wichen zurück, daß man hätte vermuten können, ein schlichtes "Buh!" von ihr hätte sie vor Schreck tot umfallen lassen. Lächerlich. Das waren keine Feinde - das waren Opfer. Opfer ihrer eigenen Furcht.
Was ihr am meisten Sorge machte, war die Unberechenbarkeit, die daraus erwuchs. Ihr Schwert sollte sie ablegen - das Zeichen ihres Standes und ihrer Würde. Eine von der Macht der Göttin gesegnete Waffe. Doch es wurde wohl nur die Bedrohung darin gesehen.
"Jawohl, Euer Heiligkeit", antwortete sie gehorsam und löste den Schwertgurt, reichte ihn nach hinten, wo sie Hudgarr wusste. Und während sie dem lauten Gemurre der Bauern lauschte, umfassten ihre auf dem Rücken verschränkten Hände plötzlich den Ring - ihren Siegelring.
Sie zog ihn mühsam vom Finger, reichte ihn ebenso, diesmal möglichst unauffällig, an Hudgarr.
"Wenn mir etwas geschieht, schickt ihn nach Elbenau, Herr Amarth", flüsterte sie leise und ernst.
"Euch wird nichts geschehen."

Plötzlich war Darnas eigene Angst verflogen. Ales, was ihr jetzt noch Schlimmes drohen konnte, wäre Willkür und eine Eskalation der Lage, doch es wollte den Leuten doch niemand was.
Zornige Rufe, nur weitere Beweise sinnloser, lähmender Furcht.
"Legt die Hexe in Ketten!"
"Schafft sie fort!"
Sie sollte fort gebracht werden... wohin? Diesen vor Angst kopflosen und blinden Bauern ausgeliefert wohl hoffentlich kaum. Doch die Antwort wäre zum Lachen gewesen, wär es nicht so traurig: ins Kastell.
Das Schloß war den Leuten nicht sicher genug gewesen, absurderweise nicht einmal das Kloster, nun sollte sie der Garde übergeben werden, in der sie selber Befehlsgewalt hatte, in der treue Seelen wie Hudgarr sie immernoch als Vorgesetzte betrachteten. Es war absurd geworden, daß sie nicht mehr als Mitleid dafür aufbrachte.
Warum sie diese dummen Leute eigentlich noch schützten, fragten sich wohl mehr der wehrfähigen Mannen als nur der Gardist - doch der Grund war eben genau diese Angst, genau diese Kopflosigkeit.
"Das sind doch Opfer, wenn wir sie nicht schützen", dachte sie traurig und folgte Rafael in die Stadt. Mißtrauisch folgten drei Bauern in gebührendem Abstand, doch wusste Darna nicht sicher, wer hier vor wem beschützt wurde... Hudgarr hatte deutlich genug gesagt, daß er es nicht zulassen würde, daß man ihr auch nur ein Haar krümmte. Rafael dachte kaum anders. Viola hatte sie in diesem Eifer schon bremsen müssen.

Der Kerker.
In selbstverständlicher Geste zog sie den Schlüsselbund aus der Hose, um die Kerkertür zu öffnen, bis sie stutzte und bald laut losgelacht hätte - sie schloß sich selber die Zellentür auf, das war wohl weniger im Sinne des Erfinders...
Hudgarr brachte ihr Essen, seine Ehren de Dynal fand sich ein, bewies ebenso, daß selbst er auf ihrer Seite stand, diesen Wahnsinn der Leute bedauerte. Auch Viola war wieder zur Stelle, ihr eigenes Gesicht inzwischen von Sorge und Müdigkeit gezeichnet. Rafael hatte kaum schlafen können, Hudgarr die ganze Nacht vor dem Kloster Wache gehalten.

Es musste aufhören. Morgen vor dem Baum des Lichts erhoffte sie sich die Lösung der ganzen Scherereien. Es musste aufhören. Und die Angst hatte den Zugriff auf sie verloren, in dem Moment, als sie begriff, daß man viel mehr Angst vor ihr hatte, als sie selber haben müsste. Absurd.

"Ich hab', ich habe Herzen,
so treue wie gebührt,
die Heuchelei und Scherzen
nie wissentlich berührt;
ich bin auch ihnen wieder
von Grund der Seelen hold;
ich lieb euch mehr, ihr Brüder,
als aller Erden Gold."


(#aus "Lied der Freundschaft" von Simon Dach)

Verfasst: Freitag 1. September 2006, 20:14
von Der Erzähler
Es war so nett von den jungen Frauen, die Wasser brachten, wo das ihre bereits zur Neige ging, weil sich die Umstände um die Hexe Elbenau in die Länge zogen.
Dankbar tranken die Bürger, die sich in der Nähe des Klosters nieder gelassen hatten, während sie auf die Probe.. das Gebet.. weswegen waren sie dort?.. Richtig.. Gebet und Segnung der Lady von Elbenau. Es mochte den Anschein haben, dass die Ängste, Zweifel und Befürchtungen ebenso so schnell fort waren, wie sie entstanden waren.
Die Erinnerung an jeglichen Zusammenhang des Hexentums und der Lady von Elbenau... wie aus dem Gedächtnis gelöscht.
Die bösen Blicke der die Lady Begleitenden schoben die Bürger dem Umstand zu, nicht gern gesehen zu sein, bei der Segnung einer Ritterin.. war es doch aber für die Bürger ein Erlebnis der besonderen Art und so zeigten sie sich ergriffen und dankbar, zogen mit friedvollen Gesichtern von dannen.
Am nächsten Tag wurde das Holz von den Straßen geholt, welches wohl den Vorrat anlegen sollte, für die kühlen Herbsttage.

Als niemand mehr von Hexen sprach, schlichen sich die beiden Schwestern Klatschmaul ins Schloß, um ihre wenige Habe zu packen und sich aus der Küche Vorrat für eine lange Reise zu nehmen...