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Bogenholz und Nadelstich
Verfasst: Donnerstag 19. Juni 2025, 08:50
von Andrik Dornhain
Die Morgensonne brach nur zögerlich durch das grüne Blätterdach und Nebel zog in dünnen Schwaden durch das Unterholz .Da saß er an einem alten Baumstumpf eine Hand ruhte auf dem Bogen welcher neben ihm lag seine andere Hand hielt ein Stück gegerbtes Leder das rau an der Unterfläche und weich an der oberen Seite war. Nachdenklich wog er es in der Hand. Die Gedanken kamen leise wie das Wild welches er so oft beobachtet. „Die alte Kleidung taugt nicht mehr viel“, murmelte er. „Die Hiebe und Schläge der Kreaturen in den Höhlen haben sie ordentlich mitgenommen. Die Natur hat ebenfalls stark an ihr gezerrt“. Er streifte mit der flachen Hand über einen Riss in der Lederrüstung.“ Gegen Regen schützt sie auch kaum noch.“
„Und der Bogen...“ er sah zur Waffe hinab „Er ist gut dachte er ein treuer Begleiter. Aber nicht der Bogen welcher gänzlich zu mir gehört". Die letzten Monate in der Wildnis hatten Spuren hinterlassen. Immer wieder hatte sich das Leder der alten Rüstung an Brombeerranken verhakt und zerschlitzt, sich vollgesogen mit Regenwasser, bis es schwer, wie Stein an ihm hing. In den kalten Nächten hielt sie nicht mehr warm und in den heißen Tagen ließ sie keine Luft mehr an die Haut. Er dachte daran, wie er im dichten Dickicht gestürzt war der Bogen hatte sich zwischen zwei Ästen verkeilt dabei war der obere Wurfarm leicht gesplittert. Seit diesem Vorfall lag eine Unruhe in der Waffe. Nicht sofort spürbar aber in den entscheidenden Momenten, wenn er schnell anlegen musste wenn der Wind drehte da zitterte der Pfeil mehr als sonst. Fast so, als sei der Bogen sich selbst nicht mehr sicher.
„Die Natur hat mir deutlich gezeigt, was nicht mehr genügt. Und ich kann mir keine Schwächen leisten, dass erlaubt sie nicht.“ Andrik dachte an die wenigen Menschen die er kannte. Dann an seine Geschwister jene, die seinem Pfad teilen. Und dann war da Evadna eine Stoffschmiedin mit geschickten Fingern und einem wachen Blick, die ihm bereits seine derzeitige Rüstung gefertigt hatte. „Sie wird dich nicht schützen wie eine Platte aus Stahl, Aber sie wird dich tragen. Leise, geschmeidig, wie ein Schatten zwischen den Bäumen. Und wenn du sie pflegst, wird sie dich lange begleiten.“ So seine Erinnerung an ihre Worte bei der Übergabe seiner Rüstung. Er hatte sie zwar gepflegt aber nicht ausreichend. So wurde er nicht nur einmal von ihr getadelt. Doch nun war ihre Zeit vorbei oder nicht? „Vielleicht kann sie mir wieder helfen“, murmelte er vor sich her.
„Vielleicht näht sie mir erneut ein Stück Wildnis auf den Leib.
“Andrik fuhr mit der Hand über das hölzerne Griffstück des alten Bogens. Noch immer war dort die Kerbe, die er selbst eingeschnitzt hatte mehr aus Gefühl als aus Notwendigkeit. Der Bogen hatte ihm gute Dienste geleistet, doch fühlte es sich immer so an , als wenn etwas fehlt. Das Holz das er nicht selbst ausgewählt hatte, den Schaft nicht den er selbst geformt hatte. Er dachte an die Bäume, die er auf seinen Streifzügen gesehen hatte die vielen Arten welche er mit seinen Geschwister besprochen hatte. Ein Bogen der selbst gewählt geformt würde das wäre nicht nur Werkzeug es wäre ein Teil von ihm.
Einer der mitwächst statt nur zu dienen. „Ich brauche etwas, dass mit mir geht mich begleitet.“
„Etwas, dass nicht nur meine Hand kennt, sondern auch mein Herz.“ Er stand auf. Der Nebel hatte sich etwas gelichtet und die Sonne wärmte die nasse Erde. Sein Blick ging in Richtung des erhabenen Bergs dort wo Sie ihre Stoffschmiede hat in der Evadna lebte und arbeitete. Vielleicht würde sie ihn wieder empfangen. Vielleicht hatte sie noch Stoffe und Ideen, die nur für ihn gedacht waren. Und wenn nicht , dann würde er weiterziehen. Einzigartiges Holz sammeln weiter Wissen anhäufen welches ihm nützlich sein könnte, einen Bogen zu bauen, der mit ihm durch die Wälder ziehen konnte, wie ein stummer Bruder. Und eine Rüstung tragen, die ihn nicht schmückt, sondern schützt wie eine zweite Haut lautlos, wie der Flug eines Pfeils. „Elfen…“, murmelte er. Persönlich kannte er keine doch die Geschichten über ihre Bogenkünste die kannte er gut. Sein Blick wanderte als zöge ihn etwas in Richtung der Wälder Ered Luins.
Verfasst: Montag 30. Juni 2025, 20:55
von Andrik Dornhain
Die Reise zum Berg hatte ihn einige Zeit gekostet. Der Pfad war steinig, die Steigungen kräftezehrend. Hoffnung hatte ihn geführt, dass Bild von Evadnas Werkstatt vor Augen einem relativ vertrautem Ort, an dem er die Kunst des Stoffschneiderns mit den Augen beobachten durfte. Als er Klamm erreichte, lag die Stoffschmiede still und leer. Kein Rauch stieg aus dem Schornstein und er konnte kein Licht sehen. Andrik klopfte einmal, dann ein zweites Mal. Nur das Echo der Klopfgeräusche antwortete ihm. Sein Blick glitt prüfend über das Tor und suchte nach einem Zeichen ihrer Rückkehr aber alles sprach von Abwesenheit der Stoffschmiedin. Ein tiefer Atemzug entwich ihm. „schade“, murmelte er. Er lehnte sich kurz gegen das Tor und ließ die Stirn das raue Holz berühren. Ein kalter Windzug an einer geflickten Stelle seiner Rüstung erinnerte ihn daran, warum er hier war. Doch vielleicht… vielleicht war es genau das, was die Wildnis ihm lehren wollte. Die Wege zu finden, wenn die offensichtlichen Pfade versperrt sind. Er richtete sich wieder auf und ging langsam einige Schritte rückwärts dabei den Blick nun auf das weite Land gerichtet, welches sich unterhalb des Berges ausbreitete. Seine Gedanken begannen zu kreisen. Vielleicht musste er sich das Wissen selbst holen. Die Materialien selbst wählen und dann nur noch den Meister finden, welche sie zusammensetzt. „Wenn die Tür verschlossen bleibt, bleibt der Wald offen“, säuselte er vor sich hin. Ein schwaches Lächeln zuckte über seine Lippen. Sein Blick wanderte über das Leder in seiner. Vielleicht konnte er lernen es zu flicken. Vielleicht lag es an ihm es neu zu gestalten. Vielleicht konnten seine Geschwister ihm helfen. Ein letztes Nicken, dann wandte er sich ab und trat den Abstieg an hinunter zu der Wildnis, hin zu neuen Möglichkeiten, die ihn vielleicht zu den nächsten Antworten führen würden.
Verfasst: Samstag 19. Juli 2025, 21:50
von Andrik Dornhain
Die Tage wurden länger, als Andrik sich tiefer in die Wälder zurückzog. Nicht um dort zu ruhen oder sich auszuruhen. Die Frage die ihn vorantrieb, war keine leichte Was macht einen Bogen zu einem Teil seines Trägers? Ihm war klar, dass er mehr brauchte als nur Holz. Er brauchte eine Verbindung eine Erinnerung, die in den Bogen mit eingewoben waren.
Sein Weg führte ihn durch alte Haine, wo die Kronen so dicht standen, dass kaum ein Lichtstrahl den Boden erreichte und hier, zwischen den alten Stämmen da fand er die Schwarzzeder ein seltener Baum, dessen dunkles und biegsames Holz in der Tiefe klang, wenn man es klopfte. Andrik erinnerte sich an die Worte eines alten Wanderers, dem er auf seinen Reisen begegnet war. „Das Holz eines Hörenden“ sprach er, es speichert Klänge und vielleicht sogar Gedanken. Andrik legte seine Hand an die Rinde, schloss dabei die Augen. Er hörte nichts und doch war da etwas. Eine Ruhe, ein Gleichgewicht wie ein stilles wartendes Wesen. In den folgenden 3 Tagen ließ dieser Baum die Gedanken von Andrik nicht mehr los. Sie war leicht gebogen, als trüge sie die Last ihrer Jahre. Ihre Rinde war sehr dunkel fast schon schwarz und bei Nässe schimmerte das darunter liegende Holz rötlich.
In den folgenden Tagen ließ dieser Baum die Gedanken von Andrik nicht mehr los. Drei Tage verbrachte er in dessen Nähe. Er beobachtete Tiere und das Spiel des Windes, sowie das Rauschen der Blätter. Dann kam die dritte Nacht stürmisch und wild. Andrik hockte geduckt unter einer Überhangwurzel, in ein nasses Fell gehüllt. Er konnte den Blick nicht von der Zeder wenden. Dann kam der Donner ein lautes Grollen gefolgt von einem gleißenden Blitz. Der Blitz fuhr in den Baum. Ein lauter Knall, Licht und Splitter folgten. Glühend zersprang ein Dicker Seitenast dabei flog dampfende Rinde durch die Luft. Doch der Stamm blieb stehen. Er Schwankte und rauchte aber er blieb Stehen. Die Zeder hatte den Zorn der Natur überstanden gezeichnet, aber nicht gebrochen. Das Gewitter legt sich und Andrik trat vorsichtig aus seinem Schutz hervor. Regen rinn über sein Gesicht und seine Füße versanken im Matsch, doch das war ihm gleich. Er legte die Hand an den dampfenden Stamm dabei spürte er Wärme und eine eigentümliche Kraft, als hätte der Baum etwas aufgenommen. Am Morgen trat er mit Bedacht an den geborstenen Ast heran. Er nahm nicht mehr, als nötig war nur den vom Sturm gefällten Teil. Mit seiner Axt bearbeitete er das Holz, säuberte es vom verkohlten Rand. Das Holz war schwer und fest, aber es gab leicht nach, sowie wie unter einem stummen Einverständnis. Dann blickte er ein letztes Mal zurück zu der Zeder.
„Deine Geschichte soll weitergehen ich danke dir. “ Mit dem Holz und einer neuen Entschlossenheit machte er sich auf den Weg. Sein Ziel war klar er würde einen Meister der Bogenkunst finden müssen der nicht nur das Handwerk beherrschte, sondern auch die Bedeutung in der Maserung lesen konnte. Der verstand, dass dieser Bogen mehr war als eine Waffe.
Der Bogen wuchs bereits in seinem Geist und nahm Form an. Doch was war ein Bogen ohne Sehne? Sie musste halten, was sein Wille spannte. Sie musste Kraft bändigen und das ohne zu brechen. Zugleich fein genug sein, um den Flug eines Pfeils nicht beeinträchtigen. Ihm wurde klar keine gewöhnliche Sehne würde genügen nicht für diesen Bogen.
Sein Weg führte ihn dorthin, wo die Wälder rauer wurden. Die Schatten wurden dichter und das Unterholz wilder. Hier lebten jene Tiere, die sich nur selten zeigten alte Füchse, große Rothirsche und auch Keiler.
Andrik kannte sie gut. Ihr Wappen zierte den Schild seiner Kindheit und in Träumen war es ein Keiler, der ihn geführt hatte. Er wusste nicht, wonach er suchte. Doch er würde es erkennen, wenn es ihn fand.
Es war am Rande einer moosigen Schlucht, als er auf die Spuren stieß. Aufgewühlter Boden und tiefe schwere Spuren. Ein Stück weiter fand er ihn. Ein großer Keiler. Breit gebaut sein Fell war grau durchzogen er hatte einen abgebrochenen Eckzahn. Er lag da so als ob er schlafen würde. Der Keiler hatte keine sichtbare Wunde. Und doch war das Leben gewichen. Ebenso befand sich kein Raubtier in der Nähe. Nur ein Rabenvogel, der auf einem Ast saß und Andrik aus dunklen Augen musterte.
Schweigend kniete sich Andrik neben das Tier. Er hatte diesen Keiler noch nie gesehen und doch war da eine tiefe Vertrautheit. Er hatte Narben an der Flanke und Schorf über dem Auge, es war ein Kämpfer gewesen. Vielleicht war es das Herz, dass nicht mehr wollte oder vielleicht die Knochen, die ihn nicht mehr trugen. Mit ruhiger Stimme sprach er „Dieser Tod war kein Ende. Sondern ein Übergang“.
Andrik senkte den Kopf. „Danke“ flüsterte er.
Er wollte das ganze Tier ehren. Doch das hätte er nicht geschafft, nicht allein nicht hier. Also nahm er nur das, was er verstand, zu verwenden: Die Sehnen der Hinterläufe so zäh gedreht, wie Stränge aus Leder. Zwar schwer zu verarbeiten, aber von unerschütterlicher Kraft.
Mit ruhiger Hand löste er sie, wickelte sie in Tuch und band sie ans Holz. Er würde sie reinigen und trocknen. Es würde Arbeit brauchen und vorallem Geduld. Doch am Ende würde sie halten. Das nicht, weil sie stark war sondern weil sie aus dem richtigen Grund gewählt wurde.
Andrik erhob sich dabei sprach er leise „Keiler, du hast mir gegeben. Ich werde es tragen und ehren“.
Als er weiterging, fühlte sich der Wind anders an. Nicht wärmer und auch nicht kälter aber Wohlwollender. Als begleite ihn nun ein Freund mehr durch den Wald.
Verfasst: Sonntag 20. Juli 2025, 09:50
von Andrik Dornhain
Es war das Einzige, was zwischen seiner Haut und den Gefahren von Gerimor lag. Andrik wusste, dass die Rüstung die er trug nicht nur aus Fellen,Leder und Nähten bestand sondern auch aus Erinnerungen. Seine alte Rüstung hatte ihn sehr gut geschützt und durch dichte Dornen geführt, über Klippen und in den verschiedensten Höhle beschützt. Sie war zerschlissen, geflickt und doch treu geblieben. Und nun da ein neuer Bogen im Begriff war zu Entstehen, brauchte auch der Schutz eine neue Form. Aber nicht durch puren Wechsel der Rüstung.
„Ich will nicht vergessen. Ich will weiterweben.“ Dachte er. So begann er, in den Städten nach Antworten zu suchen. In Bajard dem geschäftigen Hafen konnte er immer viel hören, wenn man nur wusste wo man lauschen musste. Die Gerbereien dort stanken nach Salz und Blut und die Händler riefen Preise lauter als die Möwen. Zwischen all dem Lärm fand er einen alten Frachtmeister, der bei einem Krug Bier von einem Troll erzählte, der sich in den Höhlen eingenistet haben sollte und dort für Unheil sorgte. Ein gewaltiges Biest mit Haut so zäh, dass selbst Pfeile daran abglitten sollen.
„Kein Leder mein Junge eine Rinde auf Beinen“, lachte der Frachtmeister. Andrik´s Augen schmälerten sich er hörte mehr als Spott er hörte Möglichkeiten. In Berchgard, wo die Wachen ihre Helme blank rieben und der Geruch nach Schmiede und Eisen in der Luft lag, sprach er mit einem Harnischmacher, der sich an geplauder anderer erinnerte.
„Drei Jäger sind auf einen Zweikopf gestoßen, tief im Wald“, sagte der Mann, während er seiner Arbeit nachging „Sein Leder war dick und stabil, aber die Jäger haben’s nicht genutzt. Keiner wollte etwas tragen, das so sehr nach Chaos roch.“ Andrik´s Notizen wuchsen immer mehr auch wenn nicht jede Quelle brauchbar war so auch diese Information welche sich später als unbrauchbar herausstellte. Dennoch öffnete sich mit jeder eine Möglichkeit. Und die Idee Leder zu verwenden, welches nicht nur brauchbar war, sondern auch eine Geschichte trug, gewann an Form.
Es war in der Nähe von Junkersteyns, als Andrik auf einen alten Reisenden traf ein stiller Mann mit wettergegerbtem Gesicht. Sie hatten ein Gespräch über seltene Felle und das richtige Gerben begonnen. Dann holte der Mann etwas aus seiner Tasche ein schmales Stück das kaum größer als eine Hand war. Es schimmernd wie glatter Stein und doch biegsam wie Leder.„Schwer zu bekommen“ murmelte der Alte. „Von einem Astrylbullen. Tief in den Bergen, da leben sie noch. Manchmal verliert einer einen Fetzen Haut beim Kampf mit den anderen. Dieses hier habe ich gefunden nicht gewonnen“ Sprach er.Andrik nahm das Stück entgegen und ließ die Finger langsam darüber gleiten. Es fühlte sich an wie kaltes Metall aber es gab nach leise und geschmeidig. Ein merkwürdiges Knistern durchlief seine Fingerspitzen beim Mustern des Leders. „Widersteht Feuer und was du sonst noch glaubst, dass durchdringt. Doch… leicht ist es nicht, dieses Untier zu finden. Und schon gar nicht, es zu bezwingen.“
Bevor er sich jedoch auf die Suche nach dem Astrylbullen machen konnte, wollte Andrik seinem ersten Ziel folgen, welches in seinen Notizen stand dem Troll. Der Frachtmeister aus Bajard hatte nicht übertrieben. Die Berichte mehrten sich von verschwundenen Händlern und von zerschmetterten Lagerstätten. Ein Troll, der so alt und wild war, dass selbst die Wachen seine Höhle mieden. Andrik beobachtete das Gelände tagelang. Die Höhle lag in einer kleinen Schlucht, zwischen Felsplatten und moosbedeckten Steinen. Die Spuren des Trolls waren für ihn deutlich zu erkennen. Riesige Fußabdrücke, zerbrochene Äste dazu eine Fäulnis die in der Luft lag. Der Kampf war roh und Wild. Kein edles Duell, sondern das Ringen mit einem Urwesen. Der Troll war größer und vorallem kräftiger. Seine Haut war wie der Frachtmeister berichtete zäh wie Baumrinde mit Adern wie ein geflochtenes Tau. Der Kamp zog sich, Andrik wich aus er rollte und sprang zur Seite immer wieder trieb er seine Klinge in die Gelenke des Trolls, in die weichen Stellen unter der Achsel und am Halsansatz. Der Kampf dauerte an schließlich fand der Troll durch einige Pfeile in den Hals sein Ende. Als dieser fiel, bebte der Boden kurz fast so, als hätte sich die Natur selbst vom Gewicht dieses Wesens erleichtert. Er arbeitete bis zum Morgen. Er schnitt vorsichtig und suchte dabei die brauchbarsten Stücke, legte sie auf und prüfte ihre Stärke. Es war schwer und fest, nur mit Mühe würden diese Lagen zu nähen sein, aber es hatte Potenzial.
Das Stück Astrylleder ließ ihn nicht los. Er konnte es nicht mehr aus der Hand legen, ohne dabei zu denken, wie viel mehr möglich war. Eine Rüstung, die sein altes Leder ehrte, das Trollleder als Rückgrat und das Astrylleder als Haut. Eine solche Rüstung würde ihn sicher vor allem schützen, was Gerimor ihm noch entgegenwerfen würde.
Seine Idee war es, eine Gruppe zu suchen. Es sollten keine lauten Söldner sein, sondern Naturkundige, Höhlenkundige sein, welche die vorsichtige Kämpfer waren und die wussten, dass Tiefe mehr bedeutet als Dunkelheit. Er sprach mit einer Frau in der Bibliothek, die ihm eine verblichene Karte zeigte. Die Ruinen des tiefen Netzes, ein Höhlenkomplex, der weit unterhalb der Oberfläche lag. Mit alten Markierungen, wo einst Astrylwesen gesichtet worden waren.
Er besuchte eine Heilerin in Junkersteyn, die von Tränken sprach, mit denen man sich auf einen Solchen Kampf vorbereiten könne. Dann setzte er die ersten Worte auf Papier. Ein Aushang. Keine Namen. Nur ein Ziel.
"Für jene, die keine Furcht vor Tiefe kennen, und wissen, dass jedes Tier seine Geschichte verdient ich suche Begleitung für den Weg, welcher zu den Astrylwesen führt.
Noch bevor der Aushang erste Stimmen angelockt hatte, Hatte Andrik eine neue Idee er erinnerte sich an das Volk der Thyren. Dieses Volk kannte die Jagd und die Natur besser als jede andere. Er kannte zwei drei von ihnen. Der Handel trieb ihn zu diesem Volk. Er verstand sich gut mit ihnen war es auch eine Thyrin namens Kari, welche ihm die ersten Schritte auf Gerimor vereinfachte. Er brauchte das Einverständnis, dass er Teil ihrer Jagd werden durfte und das Ziel das Astrylwesen war. So machte er sich auf zu ihnen entlang der Pfade durch die Grenzwälder. Andrik antwortete ehrlich. Von seinem Vorhaben, vom erlegten Troll und dessen Leder. Und schließlich vom Astrylbullen, dessen Spuren tief unter den Felsen des Südens verborgen lagen. Sie hörten zu und einer von ihnen, ein sogenannter Hagvirkr nickte schließlich. „Dey kannst mit auf set Hatz“ Tage später zogen sie gemeinsam los. Die Thyren führten den Weg und Andrik folgte. Der Abstieg war lang. Der Höhlenkomplex war nicht leer die Jagd dauerte an die Spuren des Astrylbullen waren alt, dennoch klar zerkratzte Felsen, geriebene Steine und ein Schimmer in der Dunkelheit wo seine Haut durch das Gestein gestriffen war. Der Kampf kam schnell. Der Bulle war kein Tier sondern er war eine Gewalt wie Andrik sie noch nicht kannte. Er stürmte mit bebenden Hufen vor dabei flackerte seine Haut zwischen Stein und Feuer. Selbst das Gestein um sie fing bei seinem Brüllen an zu vibrieren. Die Thyren wussten, was sie taten. Sie umkreisten ihn und schnitten seine Wege Sie kannten seine Art. Andrik selbst setzte gezielte Pfeile, rief sich Erinnerung was er alles durch seine Geschwister im Hain gelernt hatte. Es war kein schneller Kampf.Am Ende stand der Astrylbulle noch für einen Herzschlag lang bis er dann fiel er und das würdevoll, wie ein Baum, der nur dann fällt wenn es Zeit ist. Schweigend sammelten sie was sie brauchten. Und ließen Andrik das, was er gesucht hatte. Haut und Erinnerung. Und ein Blick, den der Ahnenwächter ihm zuwarf nicht voller Lob dennoch mit Anerkennung.
Der Blick des Astrylbullen, in seinem letzten Moment, war mehr gewesen als nur das Ende einer Jagd. Alles, was er mit sich trug , die gegerbten Stücke vom Troll, das geschmeidige Leder des Astryls seine alte Rüstung. Es war kein Schatz keine Beute, es war eine Verantwortung. Wieder auf der Oberfläche angekommen in den weiten Wäldern Gerimors, war es der Wind, der ihn empfing. Er dachte an seine Mutter, an ihre Geschichten über die Tiere und die Wildnis. An seine Geschwister im Hain, die ihn ausgebildet hatten. An den Keiler sein Seelentier das ihm in Träumen erschien. All diese Erinnerungn sie waren wie Harz an einen Baumstamm. Zäh dabei schützend und formend. Er brauchte nun jemanden der all das verstand und seine Vorstellungen umsetzen könne. So zog Andrik weiter um jene Hände zu finden. Er wusste nicht, wo und wer ob alt oder jung, es war gleich. Wichtig war nur, dass sie bereit waren, mehr zu sehen als nur Holz und Leder.
Verfasst: Mittwoch 23. Juli 2025, 19:52
von Andrik Dornhain
Mit ruhigen, bedachten Schritten näherte sich Andrik dem Haus, das man ihm beschrieben hatte. In seiner Hand ein zerknitterter Zettel, dessen Inhalt er kaum noch lesen musste. Sein Blick hob sich und blieb auf dem Schild über der Tür stehen. Ein leises kaum wahrnehmbares Nicken folgte er wusste, hier war er richtig. Andrik blieb einige Schritte vor der Tür stehen. Seine Kleidung war vom Wetter gezeichnet, seine zerschlissene Tunika trug den Geruch von Wald und Erde. Er sog tief die Luft ein und schob die Gugel zurück, sodass sein Gesicht sichtbar wurde. Dann trat er auf die Tür zu und klopfte und das nicht hastig, nicht fordernd sondern mit der gewissen Ruhe denn er wusste, dass sein Weg ihn an den richtigen Ort geführt hatte. „Serina, seid Ihr da?“, rief er mit gedämpfter Stimme. Es dauerte einen Moment, ehe sich die Tür öffnete. Eine Frau mit wachem und prüfendem Blick trat heraus. Sie trug einfache Kleidung, und dennoch lag in ihrer Haltung etwas Handfestes, Bestimmtes. Sie musterte Andrik einen Herzschlag lang, ehe ein leichtes Nicken und Lächeln folgte.
„Guten Morgen, der Herr. Temora mit euch.“
„Wind und Schutz der Wälder mit euch“, erwiderte Andrik, dabei die Hand zur Brust führend und das Haupt neigend. Sein Ton war dabei ruhig und freundlich.
„Mein Name ist Andrik. Ich bin ein Freund der Wege und der Wälder. Ich suche Serina Marcel… ich hoffe, Ihr seid es?“
Die Frau lächelte sanft. „Die habt Ihr gefunden.“
Im Inneren des Hauses roch es nach Holz, nach Kräutern. Serina wies ihm freundlich einen Platz an. Eine schwarze Katze mit forschendem Blick Minki, wie sie sich später herausstellte inspizierte Andrik, der sich sacht zu ihr hinunterbeugte und ihr die Rückhand anbot. Sie schien ihn zu dulden, was Serina mit einem weiteren Lächeln quittierte.„Ich bin nicht hier, um etwas zu kaufen, Serina“, begann Andrik, als er sich an den Tisch setzte. „Ich glaube, unsere Wege sollten sich kreuzen. Ich habe etwas mitgebracht und eine Bitte dazu. “Mit diesen Worten öffnete er seinen Beutel und legte ein großes Stück Holz auf den Tisch. Rau, von der Zeit gezeichnet, rissig an der Rinde – doch dort, wo sie abgeplatzt war, leuchtete das Innere in einem warmen, rötlichen Ton. „Dieses Stück stammt von einer alten Zeder. Ich habe sie tief in einem Tal gefunden. Ich folgte keinem Weg nur dem Wind und den Spuren alter Tiere. Der Baum war wie ein Wächter. Und als der Sturm kam, schlug der Blitz ein. Ein mächtiger Ast brach. Ich nahm ihn mit nicht aus Habgier. Ich nahm nur, was der Baum bereit war zu geben. “Serina betrachtete das Holz mit stillem Respekt, ihre Finger glitten sacht über die Maserung. Sie schien zu fühlen, was Andrik meinte. Die Geschichte des Baumes war im Holz selbst eingraviert so als hätte es Erinnerungen gespeichert wie Andrik es sich wünschte. Doch Andrik war noch nicht fertig. Er öffnete ein weiteres Bündel, sorgsam in Leinen geschlagen. Zum Vorschein kam eine starke, gegerbte Sehne hell, zäh und fast durchscheinend.
„Er war schon tot, als ich ihn fand“, sagte Andrik leise. „Ein Keiler, alt und mächtig. Er lag inmitten des Waldes, friedlich. Keine Wunde, kein Blut. Nur Ruhe. Als hätte er beschlossen, dass es Zeit war zu gehen. “Er schwieg einen Moment, dann reichte er ihr die Sehne. „Ich glaube, er war mehr als nur ein Tier. Vielleicht ein Geist des Waldes. Ich bitte euch nutzt diese Sehne für den Bogen. Ich will, dass ein Teil von ihm weiterlebt. “Serina sah ihn an, prüfend, aber nicht zweifelnd. „Ein schöner Gedanke. Doch wie wollt ihr diesen Bogen einsetzen, Andrik?“ „Mit Bedacht“, antwortete er. „Ich bin kein Jäger aus Lust. Ich nehme nur, was der Wald mir bereitwillig gibt. Der Bogen ist mein Gefährte wie dieser alte, den ich mit mir trage. Kein Meisterwerk, aber treu. Ich will ihn ehren, ihn ablösen – durch etwas, das mehr ist als Holz und Sehne. Etwas, das lebt. “Serina nickte. „Dann will ich euch helfen. Dieses Holz verdient es, in Ruhe verarbeitet zu werden. Ich werde mit einer Skizze beginnen. Kommt gegen Ende der Woche wieder und wir werden fertigen wonach ihr sucht Andirk. Mit der Freude jemanden gefunden zu haben, der Verstand, was er sich wünschte und dieses auch teilte macht er sich wieder auf den Weg. Das nächste Treffen würde schon bald bevorstehen.
Verfasst: Montag 28. Juli 2025, 21:22
von Andrik Dornhain
Ein Schleier aus Morgentau lag noch über dem Morgen, als Andrik den Weg zur kleinen Werkstatt in der Nähe des Waldrandes erreichte. Die Kapuze seines Umhangs fiel zurück und die Maske zog er von seinem Gesicht.
Mit zwei Fingern klopfte er, bevor er mit ruhiger Hand die kleine Glocke erklingen ließ.
Drinnen kniete Serina bei ihrer Katze Minki, als das Klingeln sie aus ihrer kleinen Morgenruhe riss. „Erwartest du einen netten Kater?“ neckte sie das Tier mit einem Lächeln. Dann stand sie auf und öffnete die Tür, dort stand Andrik mit einem vertrauten und wachen Gesicht. In dessen Blick lag eine gewisse Erwartung.
„Ich bin wieder da“, sagte er, „bereit, wenn du es bist um zu fertigen, was auf uns wartet.“
Serina begrüßte ihn mit den Worten Temoras, bat ihn herein und wies ihm einen Platz an. Während sie Wasser für den Tee aufsetzte, widmete sich Andrik zunächst einem anderen Freund der Katze Minki. Mit behutsamer Hand holte er ein Stück frischen Fisch aus seiner Tasche, dass er Minki mit einem Schmunzeln darbot. Das Tier schnupperte prüfend und nahm den Fisch genüsslich an.
Am Tisch sitzend, dampften bald zwei Gläser Tee vor den beiden. Sie kamen zum eigentlichen Grund seines Besuchs der Bogen. Ein neues Werk sollte entstehen, aus dem Zedernholz, welches Andrik aus dem Wald mitgebracht hatte.
„Habt ihr euch Gedanken gemacht, was den Bogen angeht, Serina?“ fragte er.
Serina nickte. „In der Tat. Ich hoffe, mein Entwurf wird euch zusagen. Ein wenig künstlerische Freiheit habe ich mir genommen…“ Sie holte eine Zeichnung hervor und reichte sie ihm.
Andrik betrachtete sie eingehend. Ein filigraner doch starker Bogen, mit elegant zulaufenden Wurfarmen, einem fein gearbeiteten Griff, in den sich Linien und Schnitzereien schmiegten. Er erkannte einen Vogel „ein Specht“ oben eingearbeitet. Serinas Handschrift.
„Ich würde gerne auch meinen Gefährten auf dem Bogen sehen. Einen Keiler. Sagte Andrik. Er führt mich durch den Wald.“ Serina stimmte zu, sichtlich erfreut über den Wunsch. Sie schlug vor, ihn gut sichtbar zu platzieren. Keiler und Specht Symbolik von Stärke und Wachsamkeit gemeinsam auf dem Bogen. Dazu sollten noch Eichenblätter kommen für ein Zeichen der Natur, Beständigkeit und Verwurzelung. Andrik war sofort einverstanden.
Serina führte Andrik in ihre Werkstatt. Die Wände waren mit Regalen voller Werkzeuge, Holzstücke und Zeichnungen bestückt. In der Mitte war in Podest, auf dem das Zedernholz lag. Serina begann damit, Maß zu nehmen. Andrik holte seinen alten Bogen hervor, hielt ihn mit Stolz wie einen treuen Gefährten. Der neue er würde mehr sein… „Kompakt, hohe Zugkraft, schneller Pfeilflug“, erklärte er. Serina nickte und machte erste Markierungen.
Dann begann sie mit der Arbeit. Zunächst grob und mit festen aber doch achtsamen Hieben. Späne fielen zu Boden, während das Holz langsam eine Form annahm. Andrik beobachtete sie still seine Augen voller Achtung. Ihre Hände bewegten sich sicher als würde soe sie den Willen des Holzes selbst vernhemen. Nach und nach nahm das obere Ende seine Form an. Der Griff wurde herausgearbeitet, der Lauf des Bogens dabei geformt. Immer wieder prüfte sie die Biegsamkeit,as Gewicht und die Balance. Zwischen ihnen wuchs mehr als nur ein Bogen es wuchs ein Verständnis, Respekt. Der Rohbogen war geformt und sie, reichte ihn Andrik. Er nahm entgegen, der Griff lag sehr vertraut, die Form war dabei kraftvoll. Seine Augen leuchteten. „Ja“, sagte er, „das wird er.“ Nun folgte die Feinarbeit. Serina begann, das Holz zu glätten und mit feinem Schleifpapier sorgfältig und geduldig zu bearbeiten. Dann brachte sie das Leder am Griff an. Es folgte der Keilerkopf ein wahres Kunstwerk für sich. Mit filigranen Werkzeugen schnitzte sie die Form in das Holz. Die Hauer und der starke Blick alles war deutlich zu erkennen, trotz der kleinen Fläche die der Bogen bot.
Dann schnitzte sie den Specht in das obere Ende es war ihr Zeichen. Klein und doch präzise dabei voller Leben im Detail. Die Eichenblätter schmiegten sich darum, wie vom Wind bewegt. Der Bogen wirkte nun wie ein Ausschnitt aus dem Wald selbst.
Währenddessen erzählte Andrik von seiner letzten Aufgabe: Wilderer, Fallen, Tiere, die nicht gejagt, sondern hingerichtet wurden. Zorn blitzte in seinen Augen, doch auch Genugtuung, als er sagte: „Die Wälder sind nun wieder sicher.“
Die letzten arbeitsschritte folgten Schutz. Serina holte eine kleine Dose hervor. Mit feinem Pinsel trug sie sie schützende Masse auf den Bogen auf, dünn und gleichmäßig. Das Zedernholz nahm einen sanften Glanz an, als hätte es gerade selbst zu atmen begonnen. Am Ende reichte sie Andrik den fertigen Bogen. Noch unbespannt, doch vollkommen in seiner Form. Andrik nahm ihn, drehte ihn im Licht, ließ die Maserung tanzen. „Er liegt gut in der Hand“, sagte er leise. „Wie ein alter Freund, den man sofort erkennt.“
Serina nickte. „Ein Freund und Gefährte soll er auch sein und bleiben.“
Sein Blick ruhte auf Serina, die nun zur Sehne griff. Es war der letzte Schritt. Der Moment, in dem aus Holz und Handwerk ein Gefährte werden würde. Serina nickte ihm zu. Seine Finger lagen fest um das Griffstück des Bogens. Serinas Hände führten die Sehne mit geübter Ruhe ,prüfend strich sie an ihr entlang. Er half ihr, hielt das Holz ruhig, damit nichts verrutschte. Gemeinsam brachten sie die Sehne an.
„Ist er fertig?“ fragte Andrik mit leiser Aufregung in der Stimme. Serina blickte auf und schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Prüf seine Spannung... mach dich mit deinem neuen Gefährten vertraut.“
Mit einer Mischung aus Stolz und Vorsicht hob Andrik den Bogen. Seine Finger glitten über das glatte Holz, folgten dabei der eleganten Krümmung und dem Verlauf der Maserung. Er betrachtete die kunstvollen Schnitzereien, vom Specht bis hin zum Keiler. Dann streckte er die Sehne langsam ans Ohr, spannte sie sacht dabei Knarzte er kaum hörbar.
„Er verspricht Kraft“, sagte er schließlich. Serina lächelte still, doch voller Freude. Sie hatte gesehen, was in dem Holz schlummerte, und nun stand es vor ihr, lebendig geworden durch Hand, Herz und Handwerk.
„Er liegt besser in der Hand als jeder Bogen, den ich je geführt habe“, murmelte Andrik. Sein Blick war erfüllt von etwas Tieferem als Zufriedenheit es war die Bindung. Als hielte er nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Geschichte. Seine Geschichte..
„Serina... ich danke euch, begann Andrik. „Aus dem, was ich mitbrachte vom Wald gegeben, habt ihr es geschafft diesen Bogen zu formen.
Ein stiller Moment legte sich über die beiden.
Sie neigte den Kopf, ein leises, ehrliches Lächeln auf den Lippen. „Es war mir eine Ehre.“
„Ich werde gut auf ihn achtgeben“, versprach Andrik. „So wie er auf mich. Gemeinsam werden wir die Wälder schützen.“
„Dann haben wir beide etwas zurückgegeben, Andrik“, erwiderte Serina ruhig. „Ein Stück Sicherheit für den Wald... und ein Gefährte für dich.“
„Dann mögen die lichten Götter ein Auge auf dich werfen. Auf dich... und deinen Bogen.“
Ein letztes Nicken. Die Stille zwischen ihnen war nicht leer sondern sie war erfüllt von Anerkennung, von Geschichte.
„Ihr werdet immer willkommen sein“, sagte Serina sanft.
„Serina…“ sagte er zum Abschied. „Ich wünsche euch ebene Pfade auf allen Wegen.
„Möge dein Weg sicher sein unter dem Schutz der lichten Götter.“ sprach Sie.
Dann drehte er sich wortlos um und verschwand in die Wälder, mit einem Bogen in der Hand, der mehr war als nur Holz und Sehne. Ein neuer Begleiter. Eine Geschichte. Eine Erinnerung, geschnitzt in das Herz des Waldes.
Verfasst: Dienstag 29. Juli 2025, 18:20
von Andrik Dornhain
Der Wind rauschte leise durch die Grenzwälder, als Andrik am Abend sein Lager aufschlug. Das Feuer knisterte und er saß da, den Rücken an einen alten Baum gelehnt. Seine Hände hatte er locker im Schoß, und lauschte dabei den Geräuschen der Natur.
Andrik dachte über Osten und Westen nach. Er hatte beide Seiten durchquert er hatte auf beiden Seiten im Wald gesessen und in den Höhlen Schutz gefunden. Die Sonne schien für den Osten wie den Westen. Die Amseln sangen in beiden Himmelsrichtungen dieselben Lieder. Er erinnerte sich an ein Gespräch mit Anhängern Alatars die von Ordnung des All einen sprachen. Dann mit Gläubigern von Temora , welche mit derselben Inbrunst von Ihrem Glauben sprachen. Beide waren überzeugt.
Andrik hatte damals genickt, höflich und interessiert. Doch in seinem Innern war längst etwas anderes gewachsen. Es war nicht ein Bruch von Glauben oder Lehren. Es war vielmehr ein Gleichgewicht. Er hatte die Stille des Waldes gesucht. Hatte sich nachts unter Bäume gelegt, bis der Tau kühl über ihn hinweg zog. Er hatte Tiere sterben sehen, nicht nur durch Hände der Völker, sondern durch den Kreislauf der Natur. Leben kam. Leben ging.
Einmal hatte ihn eine Gruppe berittener gefragt, an wen er glaubte. Andrik hatte kurz geschwiegen, dann nur gesagt:
„Ich glaube an das, was atmet an die Wälder, auch wenn es keine Stimme hat.“
So saß er im Wald, auf dem Weg zu einem Mann, der vielleicht helfen konnte, seine neue Rüstung zu nähen. Ob dieser Oswyn nun Alatar diente oder nicht war ihm gleich. Solange der Mann wusste, wie man mit Leder umging und dabei respektierte, woher es kam. Andrik suchte nicht nach dem Segen eines Gottes. Er suchte nach Händen, die das Leder verstanden und wussten, was er brauchte. Er folgte den Hinweisen aus dem eilenden Kurier einer Taverne in Bajard. Man sprach von einem Schneider namens Oswyn ein Besuch könnte nicht schaden um sich ein Bild von ihm zu machen dachte er.
Am nächsten Morgen würde er weiterziehen, durch die Wälder. Rahal war nur eine Stadt für Andrik. Der nächste Schritt bei seiner Suche. Und irgendwo dort wartete vielleicht der fähige Schneider der verstand , was es hieß eine Rüstung zu schaffen.
Verfasst: Freitag 1. August 2025, 12:04
von Andrik Dornhain
Andrik legte das letzte Wegstück zur Stadt zurücklegte. Regen hatte sein Gesicht gewaschen. Auf dem Rücken trug er einen schweren Rucksack aus dessen Öffnung ledriges Material ragte. Als er schließlich in der Stadt ankam, irrte sein Blick durch die Gassen vorbei an den Straßenhändlern und den Geräuschen der arbeitenden Bevölkerung. Dann blieb er stehen. Er kam an ein schlichtes Holzschild an auf dem der Name Oswyn stand. Der Name des Mannes den er suchte, ein Schneider, von dem man sagte er könne mit Nadel und Faden umgehen einer der sein Handwerk versteht. Andrik zögerte nicht lange. Er atmete einmal durch und strich sich über die zerfurchte Tunika und griff nach der kleinen Glocke an der Tür.
Im Inneren der Schneiderei war es still. Doch ein Mann namens Oswyn, wie sich bald herausstellte hörte das Klingeln. Als das Läuten erklang, murmelte er: „Ich hab doch Ruhetag.“ Doch die Neugier siegte. Mit einem Ruck öffnete er die Tür. „Es liegt mir fern, euch zu stören“, begann Andrik, „doch ich bin weit gereist, um euch zu finden.“ Oswyn musterte ihn erst mit Skepsis, doch dann mit wachsendem Interesse. Die beiden Männer waren verschieden und doch verband sie etwas. Er bat ihn herein. Drinnen war es warm. Der Duft von Leder und Kräutern lag in der Luft. Oswyn bot Erdbeeren an doch Andrik lehnte höflich, aber dankbar ab. Dann öffnete er seinen Rucksack und begann damit ihm zu Zeigen und zu erklären, warum er hier war. Zuerst holte er ein altes Stück Rüstung hervor, glattgescheuert und an manchen Stellen rissig. Er behandelte die Rüstung mit Respekt als er sie ihm Zeigte. „Diese Rüstung hat mich begleitet“, sagte er. „Sie ist Teil von mir. Doch nun brauche ich etwas Neues. Ich hoffe das sie auch ein Teil davon wird.“
Oswyn hörte aufmerksam zu. Dann zog Andrik das erste besondere Leder hervor. Dunkelgrau, zäh wie Rinde, durchzogen von tiefen Narben. „Das hier… ist vom Troll. Ein Ungeheuer von Gestalt, dessen Haut so hart war, dass ich Tage brauchte, ihn zu überlisten. Ich habe ihn beobachtet und studiert.“ Der Schneider fühlte das Leder, testete es, bog es. „Groß war er, ja? Und fett.“
Andrik nickte. Dann folgte das Astrylleder. Vom Bullen eines Wesens, das tief unter der Erde hauste, mit Hörnern wie gebogenen Felsen. „Es existierte für mich nur in Geschichten bis ich ihm selbst begegnete.“ Sprach Andrik zu Oswyn.
Oswyn schwieg einen Moment. Dann sagte er: „Wenn du willst, dass ich daraus etwas mache… dann soll es nicht einfach nur eine Rüstung sein. Sie soll zu dir passen. Dich nicht einengen. Sie soll dich kennen.“ „Genau das suche ich“, antwortete Andrik. „Kein Prunk. Keine Show. Ich brauche etwas, das mich schützt und dabei anliegt wie eine zweite Haut.
Sie sprachen über Stiche, über Schnitte, über Möglichkeiten. Oswyn ließ sich nicht blenden, nicht vom Material. Doch in seinen Augen wuchs Respekt. „Die Nähte sind das Wichtigste“, sagte er.
Die Idee nahm Form an. Brustpartie und Kernstücke aus Astrylleder, verstärkt durch das Trollmaterial. Oswyn nickte langsam. „Ich habe solch ein Leder noch nicht verarbeitet. Aber ich will es versuchen.“ Sie einigten sich und machten einen Termin aus in wenigen Tagen. Bis dahin beschaut sich Oswyn das Leder genauer. So verließ Andrik den Laden, ohne fertige Ware. Mit einem Versprechen, dass aus den Häuten der Ungeheuer, mit Geduld und Mut eine Rüstung entstehen würde, die mehr war als Schutz. Sie würde Andirk begleiten und Schützen und von Oswyns Handwerkkunst erzählen.
Ein leises Klingeling kündigte Andrik an. Drinnen blickte Oswyn zur Tür. Einen Moment lang schien er zu erwarten, jemand anderes stünde dort doch dann erkannte er Andrik und lächelte, wenn auch überrascht. „Dich habe ich jetzt nicht erwartet. Ich dachte, eine gute Freundin würde vorbeischauen. Aber komm herein. Ich habe mir deine Rüstung angeschaut.“
Die beiden Männer stiegen gemeinsam die schmale Treppe zur Werkstatt im Obergeschoss hinauf. Dort, zwischen Stoffballen, Garnrollen und allerlei, begann die eigentliche Arbeit.
„Kannst du das Leder verwenden?“ fragte Andrik hoffnungsvoll. Oswyn nickte. „Ein Teil deiner alten Rüstung ist noch brauchbar aber anderes ist zu sehr gezeichnet. Aber ich habe mir Gedanken gemacht.“ Er begann, seinen Vorschlag zu erklären. Eine leichte Untergewandung aus Leinen, dünn aber wärmend dann drei bis vier Lagen, auf denen das schwere Leder aufliegen sollte. Darüber das Trollleder auf den Schultern, das Bullenleder auf der Brust. „Sag, Oswyn...Wäre es möglich, die Rüstung mit einem Zeichen zu versehen? Der Keiler er ist mein Begleiter. Eine Gravur, nichts Großes aber bedeutsam.“ Oswyn antwortete ohne zu zögern: „Auf der Brust. Im Bullenleder. Nicht prahlend, aber sichtbar. Es soll dich begleiten.“
Sie gingen weiter in die Details. Oswyn erklärte, dass die Nähte das Entscheidende seien nicht das Leder allein. „Ein spitzer Stich will festen Halt, ein dumpfer Schlag braucht Spielraum.“ Er zeigte ein altes Schulterstück aus Andrik früherer Rüstung. „Handwerklich in Ordnung aber für die Schulter nicht geeignet. Zu starr.“ Andrik lachte leise. „Sie hat gehalten... irgendwie.“
„Man kann Glück haben“, meinte Oswyn trocken. „Aber ich spiele ungern um mein Leben.“
Dann brachte Oswyn das geplante Untergewand hervor einen Gambeson. Andrik musterte es prüfend und schlüpfte hinein. Der Stoff saß gut. Bewegungsfreiheit war da. „Dein Augenmaß hat dich nicht im Stich gelassen“, sagte er anerkennend. „Jetzt beginnt die Arbeit“, meinte Oswyn, und gemeinsam breiteten sie die alten und neuen Lederstücke aus. Stück für Stück legten sie sie an und richteten sie aus dabei nahmen sie Nadeln und Garn zur Hand. Oswyn vernähte die Stücke mit präzisen und geübten Bewegungen. Andrik, war lange noch nicht so versiert aber folgte konzentriert und setzte seine Stiche. „Mit Verstand“, mahnte Oswyn, während er Garnrollen zurechtlegte. „Wo Stiche erwartet werden, muss die Naht stark sein. Wo Schläge kommen da weich.“
Andrik nickte, murmelte die Regel leise wie ein Art Mantra. „Wo Stiche, da stark... wo dumpf, da weich...“ Er spannte den Faden, prüfte, nähte. Seine Finger bewegten sich langsam, aber bewusst. Nicht zum ersten Mal, doch noch weit von Oswyns Geschick.
„Das ist wie eine Geschichte, die wir zusammennähen“, sagte Andrik plötzlich.
„Aye“, murmelte Oswyn. „Eine, die man nicht erzählt sondern trägt.“
Stunde um Stunde verging. Die Rückseite der Rüstung nahm Form an, altes Leder fand neues Leben. Schultern und Brust sollten zum Schluss folgen Als Andrik schließlich aufblickte und seine Arbeit betrachtete, fragte er vorsichtig: „Wenn das für dich so passt?“ Oswyn sah hin erst prüfte, dann nickte er langsam.
„Das passt.“
„So...“, murmelte Oswyn schließlich und sah von der fast fertigen Rüstung zu Andrik.
„So!“, erwiderte dieser mit einem schmalen Lächeln und trat näher heran.
Sie betrachteten gemeinsam das Werk, dass aus Stunden des konzentrierten Schweigens vielen Nadelstichen und Geduld entstanden war. Oswyn prüfte die Nähte mit geübtem Griff. Er rüttelte daran, zog und zerrte an den Lederstücken, um ihre Festigkeit zu testen. Zufrieden nickte er.
„Dann jetzt die wichtigen Stücke.“
Er legte das schwere Trollleder auf den Tisch, zeichnete mit einem Kohlestift sorgfältig eine Linie für den Schnitt . Oswyn reichte ihm das Gerbermesser, das neben dem Leder bereitlag. „Es soll dein Stück werden“, sagte er leise. Andrik trat vor, legte die Handkante entlang der gezeichneten Linie, atmete durch und begann zu schneiden. Sorgfältig trennten seine Bewegungen das Leder, das sich zunächst widerspenstig zeigte. Mit gespannter Stirn und ruhigem Atem arbeitete er sich entlang der Markierung. Stück für Stück entstand das, was ihn einst schützen sollte. „So, dann bringen wir die Schulterstücke an“, sagte Oswyn. Sie drehten den Gambeson und legten die ersten neuen Teile an. Oswyn begann zu nähen ruhig und konzentriert, mit der Gelassenheit eines Mannes, der wusste, wie viel ein falscher Stich kosten konnte. Andrik folgte seinem Vorbild und zog die Nadel durch das Leder, achtete auf die Spannung, prüfte jeden Zug mit Bedacht. „Weich“, hatte Oswyn gesagt. „Die Schultern müssen Schläge abfangen.“
Nach und nach entstand ein Werk, das sich nicht nur wie Schutz anfühlte, sondern auch wie eine zweite Haut. Schließlich war das Bullenleder für die Brust an der Reihe. Das Stück passte nicht ganz also musste angepasst werden. Wieder griff Oswyn zum Kohlestift und zeichnete eine Linie von nur zwei Millimetern auf fast unsichtbar.
„Nur ein wenig“, murmelte er. Andrik zog skeptisch die Braue hoch. „Nur ein wenig?“
„Zu viel, und du hast eine Lücke.“
Mit ruhiger Hand schnitt Andrik das Leder zurecht. Der Raum war still und nur durchbrochen vom leisen Schleifen der Klinge am Leder. Am Ende lag das Stück perfekt. „Ich würde behaupten, besser geht’s nicht mehr.“´Oswyn nickte. „Wie muss es genäht werden?“
„Feste Naht“, antwortete Andrik ohne Zögern. Die Nadel flog erneut durch Leder und Stoff. Bald war auch das Bruststück sicher vernäht. Oswyn trat zurück und sah sein Werk an. „Nun heißt es anprobieren.“ Andrik hob die Rüstung mit einem breiten Grinsen und legte sie an. Vor dem Spiegel drehte er sich und prüfte Bewegungen aus. „Sie sitzt gut eng, aber nicht einengend. Wie eine zweite Haut eben.“
Oswyn trat heran, zog leicht an den Armen, testete Nähte, prüfte Halt. „Aye“, sagte er schließlich. „Gut.“ Dann wandte er sich dem Keiler zu dem Zeichen, das Andrik sich auf der Brust gewünscht hatte. „Wenn ich ehrlich bin“, begann er, „ich würde ihn einätzen. Nicht sticken oder prägen das würde das Leder zerstören. Aber Ätzen bildet nur eine Oberfläche.“ „Dann soll es so geschehen“, antwortete Andrik ruhig. Oswyn nickte, doch seine Stirn war in Falten gelegt. „Ich habe die Materialien nicht hier. Und bei solchem Leder… ich weiß nicht, was wirkt. Es ist zu selten.“ Andrik überlegte. „Wir haben Reste. Du könntest darauf testen. Mit dem Material, das du sonst nutzt und dann mit Ideen weiter.“ „Wenn du nichts dagegen hast, kommst du die Tage nochmal vorbei?“ „Natürlich“, sagte Andrik. „
Verfasst: Dienstag 5. August 2025, 11:21
von Andrik Dornhain
Oswyn setzte die Tasse ab warf einen Blick zur Tür. Etwas hatte sein Auge beim Trinken gestreift, ein Schatten oder eine Bewegung, und so stieß er entschlossen die Tür auf.„War doch richtig, dass ich da was gesehen habe beim Kaffee trinken“, meinte er mit einem kurzen Lachen, während sein Blick über die Schwelle glitt.Andrik, der gerade die Gugel von seinem Kopf zog, hob den Blick zur sich öffnenden Tür und lächelte, als er Oswyn erkannte.
„Schön, dich zu sehen, Oswyn“, sagte er und neigte den Kopf tief zum Gruß.„Seinen Segen mit dir“, erwiderte der Schneider knapp, ehe er das Gespräch auf das Wesentliche lenkte. „Ihr wollt die Rüstung abholen?“ „Das wäre der Plan, sofern sie fertig ist… und du eine Möglichkeit hattest, sie mit dem Symbol des Keilers zu versehen“, erklärte Andrik, wobei er sich erinnerte, dass Oswyn bereits erwähnt hatte, dass es keine einfache Arbeit werden würde.Oswyn nickte. „Ein letzter Schritt fehlt noch. Ich habe eine Zeichnung vorbereitet, und die Säure steht auch bereit. Aber kommt doch erst mal rein.“Andrik folgte ihm, gespannt auf das Ergebnis. Doch anstatt zur Werkstatt zu gehen, deutete Oswyn zum Tresen, auf einen Korb.
„Das Ätzen machen wir im Garten. Die Werkbank will ich mir nicht versauen. “Dort lag die Rüstung. Langsam streckte Andrik die Hand aus, ließ die Finger über das glatte Leder einer Platte gleiten, tastete über die Brustpartie und folgte gedankenvoll den Nähten. Eine Weile verharrte er so, ehe er Oswyn ansah und langsam nickte.
„Aye… so machen wir es.“ Oswyn griff den Korb, Andrik nahm die Rüstung behutsam an sich, wog sie kurz in den Händen und folgte Oswyn hinaus in den Garten. Auf einem Tisch legte er das Stück vorsichtig ab. Oswyn nahm eine Flasche mit Säure zur Hand, sicherte die Öffnung mit Bandagen und reichte sie Andrik. Der sah das Gefäß fragend an. „Ich habe keine Idee, wie das jetzt funktionieren soll… willst du das nicht lieber machen?“ Mit einem kurzen Nicken nahm Oswyn die Konstruktion zurück, stellte zwei Wasserkrüge bereit und ließ die Säure in die Bandagen sickern. Vorsichtig führte er das getränkte Material über die feinen Linien auf der Rüstung. Ein leises Zischen ertönte, und ein beißender Geruch breitete sich aus, während die Oberfläche zu arbeiten begann. Andrik rümpfte leicht die Nase, verfolgte jedoch jede Bewegung des Schmieds mit schmalen, aufmerksamen Augen.
„Du hast also eine Lösung gefunden, die stark genug ist?“ „Aye. Eine Freundin hat mir geholfen, zufällig war sie heute Morgen hier“, erklärte Oswyn.
„Dann richte ihr bitte auch meinen Dank aus“, entgegnete Andrik. Schicht für Schicht arbeitete Oswyn weiter, bis sich eine undurchsichtige Flüssigkeit gebildet hatte. Mit einer frischen, angefeuchteten Bandage wischte er sie fort und langsam, wie aus dem Nebel, erschien das Abbild eines Keilers auf der Brustplatte. Schließlich nahm er den Wasserkrug und goss das Werk gründlich ab, damit kein Rest der Säure zurückblieb.
Andrik betrachtete die Arbeit Oswyns mit stiller Aufmerksamkeit. „Und das Ätzen schadet der Rüstung am Ende nicht?“ fragte er schließlich, den Blick noch immer auf die Hände des Handwerkers gerichtet.
Oswyn griff zu einer trockenen Bandage, strich sie bedächtig über das Leder und erwiderte gelassen: „Ney, es ist nur oberflächlich. Das Leder ist weiterhin beständig.“ Verstehend nickte Andrik und verfolgte jeden Handgriff, während Oswyn die Rüstung trocknete und von den Spuren der Säure befreite. Das Abbild eines Keilers zeichnete sich nun klar auf der Oberfläche ab. Für einen Moment schien der Handwerker in Gedanken versunken, denn versehentlich hatte er den Stofffetzen, mit dem er die Säureflasche geöffnet hatte, auf dem Steintisch abgelegt. Feine Spuren der Verätzung blieben zurück. Oswyn seufzte leise, winkte jedoch ab und meinte mit einem schiefen Grinsen: „Hab ich wohl auch eine Erinnerung.“ Andrik folgte seinem Blick, sah die Stelle am Tisch und musste schmunzeln. „Scheint wohl so, ja.“ „Wenn du willst,“ bot Oswyn an, „kannst du sie gleich anprobieren unten ist eine Umkleide mit Spiegel.“ Doch noch bevor der Satz ganz verklungen war, hatte Andrik schon zugegriffen. Die Tunika fiel zu Boden, und er begann, sich das neugearbeitete Stück Leder überzustreifen. Langsam, bedacht in seinen Bewegungen, glitt seine Hand ehrfürchtig über die einzelnen Platten, als wolle er jede Naht spüren. Er schob die Arme in die Schulterstücke und bewegte die Schultern vor und zurück, dann hob er die Arme dabei machte er fließende Bewegungen, als spanne er einen Bogen. Das Leder knarzte leise, doch es schien seinen Bewegungen nicht im Geringsten im Weg zu stehen. „Der Gambeson ist sehr angenehm,“ stellte Andrik zufrieden fest. „Hier hindert mich nichts an den Bewegungen.“ Oswyn lächelte, während der Andrik das Gewicht verlagerte, leicht in die Knie ging und wieder aufrichtete. Das Leder folgte jeder Bewegung geschmeidig, und ein Lächeln voller Dankbarkeit trat auf Andriks Gesicht. „Wie eine zweite Haut …“ „Aye. So sollte es sein,“ bestätigte Oswyn. „Ich hätte sie mir nicht anders wünschen können. Mein Dank ist dir gewiss, Oswyn.“ „Und ich habe für die Erfahrung mit dem kostbaren Leder zu danken,“ entgegnete der Handwerker. „Ein fairer Tausch.“ Andrik legte schließlich einen Beutel auf den Tisch, dessen Inhalt metallisch klimperte. „Erfahrung allein wird deinen Laden nicht bezahlen. Zeit und Mühen sollen auch nicht unbezahlt bleiben. Ich danke dir für beides.“„Aye, wohl wahr,“ nickte Oswyn und nahm das Geld an. „Und falls mal was mit der Rüstung sein sollte du weißt, wo du mich findest.“ „Genau dann weiß ich, wo ich dich finde,“ erwiderte Andrik, ehe er die Hand des Handwerkers ergriff. Der Händedruck war fest, von gegenseitigem Respekt geprägt. „Die Pranke möge dich schützen,“ sagte Oswyn zum Abschied. „Es war mir eine Freude und eine große Lehre, an deiner Seite an diesem Stück zu arbeiten. Danke, dass ich ein Teil davon sein durfte.“ Mit einem letzten Nicken wandte sich Andrik zum Gehen. „Frohes Schaffen dir und reichlich zahlende Kundschaft!“
Die Suche hatte sich über viele Wochen gestreckt. Viele Tage im Wald und Nächte am Feuer viele Gespräche mit Händlern und Handwerkern.
Von den ersten noch vagen Vorstellungen, welche Ausrüstung er für seinen Weg als Waldläufer brauchte, bis hin zu den klaren Bildern die sich in seinem Kopf formten war es ein langer Pfad gewesen.
Mit einem Beutel voller Lederrstücke stand er vor Oswyns Schneiderei, das leise Läuten der Glocke kündigte ihn an. Oswyns prüfender Blick, dass Abwägen der Möglichkeiten und schließlich das gemeinsame Arbeiten an der Rüstung hatten den Werkraum erfüllt, mit dem Geräusch der Nadel die durch das dicke Leder stach. Der beißende Geruch beim ätzenden des Symbols wird ihm in Erinnerung bleiben, als das Keilersymbol eingeätzt wurde.
Nicht weniger eindrucksvoll war die Arbeit mit Serina, der Bognerin. Ihre Werkstatt roch nach Harz, frisch geschnittenem Holz. Stück für Stück hatte sie gemeinsam mit Andrik den Bogen aus erlesenem Holz gefertigt. Schichten von Geschick, Geduld und handwerklicher Kunst. Der Moment, in dem sie ihm den fertigen Bogen reichte, war von einer stillen Feierlichkeit so als würde er nicht nur ein Werkzeug, sondern einen neuen Gefährten erhalten.
Nun stand Andrik in der Abendsonne in der Nähe seiner Höhle. Die neue Lederrüstung schmiegte sich an seinen Körper und der Bogen ruhte in seiner Hand dabei spannte er die Sehne unter seinem prüfenden Griff. Die Suche nach den Materialien war zu einem Weg der Begegnungen, der Erinnerungen und des Handwerks geworden.
Er atmete tief die frische Luft ein, ließ den Blick über den Wald schweifen und spürte die Gewissheit das die Suche war vorbei aber seine Reise hatte gerade erst begonnen.