Invasion im Kuriositätenkabinett
Verfasst: Samstag 31. Mai 2025, 21:06
Altern - wenn es ein Alter betrachtete - ist die Sammlung an Mechanismen, die man im Laufe des Lebens erlernt, um zu überleben. Es beginnt damit, sprechen und gehen zu lernen und fährt daraufhin fort damit, dass man schweigt und stillhält. Die Eindrücke des Lebens werden nicht weniger, aber das Auge und der Geist lernen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Fokus. Die Kunst, in der Fülle aller Eindrücke den Weg zu erkennen, den zu gehen Erfolg verspricht. Oder Überleben. Altern.
In Q’ins Fall war zwischen den ersten Schritten eines frisch erzeugten Letharfen und dem Hier und Jetzt einiges passiert, was den Fokus des Ala’thraxor auf mannigfaltige Weise geformt hatte. Q’in sah, wenn auch nicht so, wie seine Geschwister. Er nahm wahr, auch wenn dabei vermeintlich Essenzielles ignoriert, gar nicht erst registriert wurde. Der Tunnelblick war sein Überlebensrezept geworden: Singulär, frei von Ablenkungen und dem unnötigen Schmuck der Realität existierte der Alte in seiner Idee von Welt. Widersprüchliches versuchte oft vergebens, in diese individuelle Wahrheit einzudringen.
Und doch kam der Tag, als Wahrnehmung es schaffte, wahrgenommen zu werden.
Es war ein sonniger Tag, oder ein regnerischer. Vielleicht schneite es auch wieder - das kalte Zeug war nutzlos und blendete Q’in nur unnötig - jedenfalls war außerhalb des Axorns Tag oder Nacht oder irgendetwas dazwischen und dazu dieses oder jenes Wetter. Nichts davon war von Wichtigkeit, denn die Geradlinigkeit der Verhältnisse im Axorn ließen sich nur seltenst davon beeinflussen. Q’in hatte seine Stunden irgendwo in den Gängen verbracht, geisterte wie eine ungewollte Erscheinung laut und vorwarnend durch Tunnel, Räume, Lager und Pilzfarmen. Wie immer trieb es ihn um, schrie es in ihm danach, nicht zu verweilen, nicht anzuhalten. Ohne Richtung, jedoch mit dem größten Willen, sammelte der Alte so manche Meile untertage. Doch wenn der Drang abebbte, fand er sich zumeist wieder in den Hauptgängen seiner neuen Heimat. Die Füße mussten nicht suchen, um ihn laut scharrend und unter dem Protest einer zerstörten Lunge zu seinem Lager zu führen.
Als Ala’thraxor stand ihm im neuen Axorn eine Wohnhöhle zu. Dies hatte er begriffen. Sie war ihm und seine eigene. Auch dies war klar. Er könnte sie nutzen, um seinen Fokus aufzuweichen, so wie es seine Geschwister mit unnützem Tand machten. Selbst dies verstand er. Und doch fühlte es sich für Q’in fremd an, einen Ort als „seinen“ zu verstehen. Dies war neu, unerhört, fast schon häretisch in der Art, wie es den geringeren Völkern nacheiferte.
Q’in wusste nichts mit der Höhle anzufangen… und so war sie sein Warenlager geworden, der Ort, an dem alles Unbekannte, Interessante, Getötete, Gestohlene und Gefundene ohne ersichtliches System zusammengerafft lag. Der Wohnhöhle lag eine Logik zugrunde, die glasklar für den Alten erschien, wenn ihre Auswüchse auch jedem äußeren Betrachter die Sorgenfalten in das Gesicht treiben würden.
Mit dem Eintreten in sein kleines Reich der Kuriositäten stellte sich ein neues Gefühl ein. Nein - nicht neu. Aber klarer. Lauter. Substanzieller. Etwas war anders. So anders, dass gleich mehrere Sinne im frenetischen Chor um Aufmerksamkeit buhlten. Was bisher nicht stark genug war, um den Wall der Ignoranz, den allumfassenden Filter des Fokus, zu durchdringen, konnte nicht mehr länger aus dem Lebensbild von Q’ins Realität verbannt bleiben. Etwas war anders.
Seine Realität musste diesen Eindruck quantifizieren. Etwas Neues war in seine Definition von Realität eingedrungen - und in seine Wohnhöhle. Es fehlte an Verständnis, da und dann. Und so begann ein zerschlissener, alter Ala’thraxor damit, Antworten auf neue Fragen zu finden, während draußen die Sonne schien oder der Mond oder es regnete oder auch nicht.
Ein Buch. Dieses stach heraus, denn es lag nicht sauber katalogisiert, wie all seine Funde, sondern alleine. Unordentlich. Systemfremd. Es reizte ihn genug, um es zu betrachten. Von außen, aber auch von innen. Lesend sogar. Und mit jeder Zeile, jedem Wort, drohte mehr Neues in sein Leben zu bluten. Etwas war anders und neu. Und falsch?

Die Schriftzeichen tanzten vor Augen, die vor Jahrzehnten bereits das Lesen aufgegeben, sich dieser Ablenkung abgewandt hatten. Und doch .. scheiterten diese zu Pergament gebrachten Gedanken auch nicht an seinen inneren Mauern. Sie invasierten, brachen sich einen Pfad, stellten ein Wehrlager auf. Innerhalb seiner Realität. Gemeinsam mit anderem Neuen.
Q’in verstand nicht, ob da ein Gefühl war, als er sich dieses geistigen Eindringlings bewusst wurde. Aber das Neue kitzelte ihn. Die Monotonie der eigenen Realität plötzlich erschüttert, die Wehr bezwungen. Etwas war anders und er würde sich dieses Mal der Suche hingeben, um die Quelle dieses Frevels ausfindig zu machen.
Absoluter Fokus war Perfektion - aber auch Einöde. Ernüchternde Leere. Diesmal jedoch war etwas anders.
In Q’ins Fall war zwischen den ersten Schritten eines frisch erzeugten Letharfen und dem Hier und Jetzt einiges passiert, was den Fokus des Ala’thraxor auf mannigfaltige Weise geformt hatte. Q’in sah, wenn auch nicht so, wie seine Geschwister. Er nahm wahr, auch wenn dabei vermeintlich Essenzielles ignoriert, gar nicht erst registriert wurde. Der Tunnelblick war sein Überlebensrezept geworden: Singulär, frei von Ablenkungen und dem unnötigen Schmuck der Realität existierte der Alte in seiner Idee von Welt. Widersprüchliches versuchte oft vergebens, in diese individuelle Wahrheit einzudringen.
Und doch kam der Tag, als Wahrnehmung es schaffte, wahrgenommen zu werden.
Es war ein sonniger Tag, oder ein regnerischer. Vielleicht schneite es auch wieder - das kalte Zeug war nutzlos und blendete Q’in nur unnötig - jedenfalls war außerhalb des Axorns Tag oder Nacht oder irgendetwas dazwischen und dazu dieses oder jenes Wetter. Nichts davon war von Wichtigkeit, denn die Geradlinigkeit der Verhältnisse im Axorn ließen sich nur seltenst davon beeinflussen. Q’in hatte seine Stunden irgendwo in den Gängen verbracht, geisterte wie eine ungewollte Erscheinung laut und vorwarnend durch Tunnel, Räume, Lager und Pilzfarmen. Wie immer trieb es ihn um, schrie es in ihm danach, nicht zu verweilen, nicht anzuhalten. Ohne Richtung, jedoch mit dem größten Willen, sammelte der Alte so manche Meile untertage. Doch wenn der Drang abebbte, fand er sich zumeist wieder in den Hauptgängen seiner neuen Heimat. Die Füße mussten nicht suchen, um ihn laut scharrend und unter dem Protest einer zerstörten Lunge zu seinem Lager zu führen.
Als Ala’thraxor stand ihm im neuen Axorn eine Wohnhöhle zu. Dies hatte er begriffen. Sie war ihm und seine eigene. Auch dies war klar. Er könnte sie nutzen, um seinen Fokus aufzuweichen, so wie es seine Geschwister mit unnützem Tand machten. Selbst dies verstand er. Und doch fühlte es sich für Q’in fremd an, einen Ort als „seinen“ zu verstehen. Dies war neu, unerhört, fast schon häretisch in der Art, wie es den geringeren Völkern nacheiferte.
Q’in wusste nichts mit der Höhle anzufangen… und so war sie sein Warenlager geworden, der Ort, an dem alles Unbekannte, Interessante, Getötete, Gestohlene und Gefundene ohne ersichtliches System zusammengerafft lag. Der Wohnhöhle lag eine Logik zugrunde, die glasklar für den Alten erschien, wenn ihre Auswüchse auch jedem äußeren Betrachter die Sorgenfalten in das Gesicht treiben würden.
Mit dem Eintreten in sein kleines Reich der Kuriositäten stellte sich ein neues Gefühl ein. Nein - nicht neu. Aber klarer. Lauter. Substanzieller. Etwas war anders. So anders, dass gleich mehrere Sinne im frenetischen Chor um Aufmerksamkeit buhlten. Was bisher nicht stark genug war, um den Wall der Ignoranz, den allumfassenden Filter des Fokus, zu durchdringen, konnte nicht mehr länger aus dem Lebensbild von Q’ins Realität verbannt bleiben. Etwas war anders.
Seine Realität musste diesen Eindruck quantifizieren. Etwas Neues war in seine Definition von Realität eingedrungen - und in seine Wohnhöhle. Es fehlte an Verständnis, da und dann. Und so begann ein zerschlissener, alter Ala’thraxor damit, Antworten auf neue Fragen zu finden, während draußen die Sonne schien oder der Mond oder es regnete oder auch nicht.
Ein Buch. Dieses stach heraus, denn es lag nicht sauber katalogisiert, wie all seine Funde, sondern alleine. Unordentlich. Systemfremd. Es reizte ihn genug, um es zu betrachten. Von außen, aber auch von innen. Lesend sogar. Und mit jeder Zeile, jedem Wort, drohte mehr Neues in sein Leben zu bluten. Etwas war anders und neu. Und falsch?
Die Schriftzeichen tanzten vor Augen, die vor Jahrzehnten bereits das Lesen aufgegeben, sich dieser Ablenkung abgewandt hatten. Und doch .. scheiterten diese zu Pergament gebrachten Gedanken auch nicht an seinen inneren Mauern. Sie invasierten, brachen sich einen Pfad, stellten ein Wehrlager auf. Innerhalb seiner Realität. Gemeinsam mit anderem Neuen.
Q’in verstand nicht, ob da ein Gefühl war, als er sich dieses geistigen Eindringlings bewusst wurde. Aber das Neue kitzelte ihn. Die Monotonie der eigenen Realität plötzlich erschüttert, die Wehr bezwungen. Etwas war anders und er würde sich dieses Mal der Suche hingeben, um die Quelle dieses Frevels ausfindig zu machen.
Absoluter Fokus war Perfektion - aber auch Einöde. Ernüchternde Leere. Diesmal jedoch war etwas anders.