"Stirb leise" - Teil 1 bis...
Verfasst: Freitag 23. Mai 2025, 18:40
Originalpost in: Allgemeines Rollenspiel - [Q /MMT] Mit Schweiß und Blut für Berchgard
Ja… er würde sich in die hinterste Reihe schieben lassen, wenn sie es für nötig hielten. Ihn… den Jungspund. Den kleinen Novizen. Schlimmer: das Grafensöhnchen. Der junge von Hohenfels. Sie wussten es, und er war ja dankbar dafür. Was sollte er machen: sich vorne verheizen lassen? Trotzdem hätte er toben können vor Wut. Er wollte seinen Beitrag leisten, er wollte etwas bewegen, er wollte… vollwertig sein!
Und war es nicht.
Tja. Na schön.
Also hinterste Reihe.
„Mikh, du kommst mit.“
Blinzelnd schaute er auf. Was? Hatte von Tilianas damit bloß gemeint, dass er ihn jetzt zum Dorfkrug begleiten sollte? Wie ein Schatten folgte er, so oft es ging, dem Erzmagus und per Notstand reaktiviertem Oberst. Aber nein: es ging um den Stoßtrupp, den Arenvir selbst organisieren wollte.
Stoßtrupp. Angriff. Rein in den Feind. Etwas in ihm fiel wie ein kalter Klumpen zu Boden. Er stand wie versteinert zwischen den Leuten, die Arenvir ausgesucht hatte und fühlte sich fehl am Platz. Unwirklich. Das hier war ein Theaterstück? Jemand würde gleich lachen und alles auflösen?
Scheinbar nicht. Das Geschehen rauschte wie tosendes Wasser an ihm vorbei… er funktionierte. Eilte, sein Pferd zu holen. Stellte keine Fragen.
„Tilianas verlässt sich jetzt auf mich. Dass ich auf mich aufpasse, dem Trupp helfe und nicht zurück bleibe“, war das Einzige, was sich im Groben und Ganzen durch sein eingefrorenes Denken zog.
Erste Brücke kaputt. Zweite nicht. „Die ist doch viel zu schmal, das ist doch garantiert ein Hinterhalt!“, dachte er – aber es war keiner. Oder doch?
Ihr Anrücken wurde viel zu schnell bemerkt. Närrisch auch, die Pferde mit zu nehmen, wenn man sich anschleichen wollte… Aaryon ließ sein klobiges Waldarbeiterpferd am Ufer stehen und hielt sich an der Uferböschung im hohen Gras, während der Rest des Trupps die sich nähernden Feinde konfrontierte und band. Marlan Kabo ganz vorne. Arenvir dahinter, mit seinem Stab Zeichen in den Boden kratzend. „Braucht er meine Konzentrationskraft? Soll ich unterstützen?“ Er musste darauf vertrauen, dass der Erzmagier ihn schon rufen würde, wenn er ihn brauchte. Bis dahin schien es das Sinnvollste zu sein, hier im Gras halbwegs in Deckung zu bleiben und den Rückweg zur Brücke im Auge zu behalten. Versteckt bleiben. Wieder fühlte er sich so fürchterlich überflüssig.
Ein Lethar näherte sich. So langsam, abgeduckt, irgendwie unauffällig, dass Aaryon ihn fast trotz freier Fläche übersehen hätte und zwei Mal hinschauen musste, um überhaupt zu begreifen, dass diese hässliche Armbrust da eine ernste Gefahr in ihrer Flanke war! Und sie zielte auf Arenvir!
„Vorsicht!“ Hatte er das gerufen? Wie unsinnig! Er verriet sich bloß, und helfen tat es nichts. Einzig konnte er hoffen, dass der Schütze abgelenkt wurde und verschoss, als Aaryon einen Funkenschlag los jagte: dicht um den Letharen herum Hitze und Kälte schlagartig zusammenführte, wie man es ihn gelehrt und er es an etlichen Spinnen und Untoten geübt hatte, dass er jetzt immerhin kaum mehr darüber nachdachte und sofort seine Konzentration neu sammelte.
Was folgte, war so charmant und scheinbar unabwendbar wie die Schlinge eines Galgens, in der man mit dem Hals steckte:
Immer mehr Letharen kamen. Hässliche dicke Reitechsen, deren Kiefer er schon beim ersten Anblick nie von Nahem sehen wollte. Fächerförmig breiteten sie sich aus und drohten den Menschentrupp zwischen Festung und Fluss komplett zu umzingeln. Panik drohte, nach ihm zu greifen, als er nicht nur auf den Armbrustschützen, sondern weitere Feinde zaubern musste, in der Hoffnung, sie von seinem Mentor und Lehrer abzulenken. Aber jene, die Arenvir bedrängten, beeindruckten seine kleinen Novizenzauber nicht. Stattdessen wurden weitere Letharen auf die Stelle am Ufer aufmerksam, wo sich etwas bewegte… eine der Reitechsen im Schlepptau witterte und suchte nach etwas zu fressen. Zum Beispiel einen kleinen, leckeren Novizen…
Er wich zurück, langsam, innerlich selbst unter einer Spannung stehend, als hätte er seinen eigenen Funkenschlagzauber gefressen. Zurück ins Wasser. „Nicht ausrutschen!“ Zurück Richtung Berchgard... was direkt hinter der Festung entlang führte. Er duckte sich ins hohe Gras, schluckte einen der Unsichtbarkeitstränke von Ragai und schickte Stoßgebete zu Temora, dass die Wellen im Wasser nicht zu sehr auffielen! „Am besten nicht bewegen.“ Ja, das war besser: einer der Letharen, der auf das Ufer zugeschlurft war wie ein Zombie, drehte ab und marschierte auf Arenvirs Rücken zu. Verdammt, sollte er sich verkrümeln und seinen Trupp, seine Leute, seinen Mentor im Stich lassen?!
Ihm schossen Tränen in die Augen. Dann hörte er neben sich ein Schnüffeln, ein Sabbern und Schnaufen – die Echse. Hörte dahinter das Rascheln weiterer Letharen. Wenn sie ihn fanden, gefangen nahmen... Ein schuppiges, unglaublich breites und häßliches Maul schnappte neben ihm, gefühlt direkt neben seinem Ohr, nach einer Libelle, während er kurz davor stand, vor Angst in Ohnmacht zu fallen.
„Hau AB!“, dachte er nur und hätte, wie es in Geschichten stand, einen Stein in eine andere Richtung geworfen – aber hier war keiner. Kurz darauf sahen die Letharen wie auch die Echse, wie ein Büschel Gräser rechts von ihnen in Flammen aufging. Interessiert latschte die Echse dort hin, und Aaryon zog es vor, die andere Richtung zu wählen... leise...
Einer seiner letzten Blicke galt dem Feld, wo seine Kameraden standen. Alle am kämpfen, schwerst bedrängt. Aus der Festung kam etwas, das...
„Ein Wesen mit ledrigen Flügeln, zwei Beine, glaube ich, und Klauen“, hatte Barak Donnerfaust beschrieben. Das sollte es wohl sein. „Wie .. groß?“, hatte Aaryon noch gefragt, in Sorge, dass sie etwa auch noch einen schwarzen Drachen in der eingenommenen Festung hätten.
„Etwa so groß wie zwei Pferde“, hatte der Kalure nach etwas Überlegen geantwortet.
Zwei Pferde? Diese Kreatur überragte die gesamte verdammte Festungsmauer!!!
„Selbst schuld!“, schalt sich Aaryon, „Was fragst du auch einen Kaluren nach Größenvergleichen!“
Und dieses Ding hatte seinen Mentor im Visier... mit einem Kloß im Hals und Tränen in den Augen schob sich Aaryon weiter die Böschung längs durch Wasser und Schlamm. Es sah wirklich so aus, als würde er hinter der Festung längs entkommen können.
Er sah zur Mauer hoch: ein Wehrgang. Ein hölzener Wehrgang, überdacht. Stirnfurchend stellte Aaryon fest, dass es eine Art Öffnung zum Innenhof sein könnte. Dort, wo die Katapulte standen, die sie doch zerstören mussten.
Holz...
Offen...
Seine Hand tastete nach zwei Phiolen, in denen sich Brandöl befand. Wenn er die werfen konnte, wenn nur eine traf... Arenvirs Meteore waren an einem magischen Schutzschild gescheitert – konnte nun wirklich die geschmissene Phiole eines kleinen Novizen, der sich grad verpisste, die Wende bringen? Konnte er zum Held werden?
Quatsch. Natürlich nicht.
„ACHTUNG!“, hörte er noch drinnen eine Frauenstimme brüllen, als eine der Phiolen an einer der hölzernen Wehrgangstreben zerschellte und Flammen hoch züngelten. Die zweite zerschellte knapp darunter an der Außenseite der Mauer. „Beschissener Winkel“, stellte Aaryon fest und führte bereits den nächsten Unsichtbarkeitstrank an die Lippen.
„Schöne Flugbahn“, dachte sich womöglich der Lethar auf der anderen Seite des Flusses, der die Böschung von drüben abgesucht hatte und nun zwischen dem Schilf eine nasse weiße Robe mit einer lächerlich auffälligen orangenen Kapuze darüber sah und die Armbrust wieder anlegte.
Ein Schuss. Ein Aufschrei. Ein Platschen.
Einige der Letharen kehrten zurück zu dem Ufer, wo sie zuvor die Spur des Burschen verloren hatten und starrten nun auf das Wasser, das sich teils seltsam bewegte, in dem sich rote Schlieren ausbreiteten, Seerosen wurden beiseite gedrückt...
Mit brennendem Schmerz in der Schulter hielt Aaryon unter Wasser verzweifelt die Luft an und mühte sich gleichzeitig, das Gift am Bolzen daran zu hindern, tiefer in seinen Körper zu gelangen. Verdammte Seerosen! Fast verhedderte er sich und das unter Wasser... Panik stieg wieder auf – ähnlich unaufhaltsam wie er. Wenn er auftauchte, würden sie ihn erschießen!
Mit einem kräftigen Armzug tauchte er noch ein Stück. „Keine Chance. Sie werden dich einsammeln, auslachen und dann erst aufhören, wenn du tot bist!
Erst wenn du tot bist.
Tot.
Sie verlieren das Interesse an dir, wenn du tot bist!“
Er sah hoch zu den Seerosen, die gerade über ihm fast ein schützendes Dach bildeten. Seine Hand griff an den Gürtel. Nicht zu den Unsichtbarkeitstränken. Sondern zu einem Narkosetrank, der einem in übelsten Notfällen rasch das Bewusstsein und damit die Schmerzen nahm, die Körperfunktionen drosselte – also auch die Atmung. Hoffte er.
„Wenn das nicht klappt, bist du tot.
Wenigstens kriege ich es dann nicht mit...“
Er trieb unter die Blätter der Seerosen, entkorkte die Phiole und leerte sie, so wie er einen letzten, tiefen Atemzug nahm.
Draußen beobachteten die Letharen, auch der Armbrustschütze, wie der Körper des Menschen, den er eben getroffen hatte, sichtbar und von der Strömung aus den Seerosen gezogen wurde, flussabwärts trieb:
mit dem Gesicht im Wasser. Reglos. Widerstandslos. Seinen Bolzen im Rücken und einem versiegenden Rinnsal an Blut, das von dort ins Wasser floß und sich verteilte...
„Er ist tot, Zyn!“
„Nehmt Ihr an dem Ausfall teil?“, war er noch gefragt worden, er wusste gar nicht mehr, ob von Serina oder Cecilia. „Neiiin“, hatte er beruhigend gesagt. Er doch nicht. Hier waren eine Handvoll ernstzunehmende Kombattanten wie der Erzmagus oder Lady Helisande – aber insgesamt hatte er den Eindruck gewonnen: Hier waren sie, die Plänkler, eingeschlossen in der Stadt, und warteten, dass die „richtigen“ Truppen kamen. Die Ritter. Sir Beak. Die Eminenzen. Die Erzmag... ach, verdammt. Merrick tot. Nyome also. Leute jedenfalls, die dieser Schar aus Ahads, Tetrarchen, gruseligen Letharen, Rabendämongesocks und hochrangigen Magiern des Arkoritherordens etwas entgegen zu setzen hätten, verflucht! Trotz zahlenmäßiger leichter Überlegenheit hatten sie den ersten offenen Kampf gescheut und sich nach Berchgard zurückgezogen. Magister Silvan von Dragenfurt hatte ihm erklären müssen, warum. Aber immerhin konnte er das sachlich, die strategischen Überlegungen aufzeigend und nicht ‚für Dumme‘. Der Novize von adeligem Geblüt würde schon verstehen, und das war auch der Fall. „Ich werde eure Befehle nicht mehr in Frage stellen“, hatte Aaryon gesagt und meinte es so.Ja… er würde sich in die hinterste Reihe schieben lassen, wenn sie es für nötig hielten. Ihn… den Jungspund. Den kleinen Novizen. Schlimmer: das Grafensöhnchen. Der junge von Hohenfels. Sie wussten es, und er war ja dankbar dafür. Was sollte er machen: sich vorne verheizen lassen? Trotzdem hätte er toben können vor Wut. Er wollte seinen Beitrag leisten, er wollte etwas bewegen, er wollte… vollwertig sein!
Und war es nicht.
Tja. Na schön.
Also hinterste Reihe.
„Mikh, du kommst mit.“
Blinzelnd schaute er auf. Was? Hatte von Tilianas damit bloß gemeint, dass er ihn jetzt zum Dorfkrug begleiten sollte? Wie ein Schatten folgte er, so oft es ging, dem Erzmagus und per Notstand reaktiviertem Oberst. Aber nein: es ging um den Stoßtrupp, den Arenvir selbst organisieren wollte.
Stoßtrupp. Angriff. Rein in den Feind. Etwas in ihm fiel wie ein kalter Klumpen zu Boden. Er stand wie versteinert zwischen den Leuten, die Arenvir ausgesucht hatte und fühlte sich fehl am Platz. Unwirklich. Das hier war ein Theaterstück? Jemand würde gleich lachen und alles auflösen?
Scheinbar nicht. Das Geschehen rauschte wie tosendes Wasser an ihm vorbei… er funktionierte. Eilte, sein Pferd zu holen. Stellte keine Fragen.
„Tilianas verlässt sich jetzt auf mich. Dass ich auf mich aufpasse, dem Trupp helfe und nicht zurück bleibe“, war das Einzige, was sich im Groben und Ganzen durch sein eingefrorenes Denken zog.
Erste Brücke kaputt. Zweite nicht. „Die ist doch viel zu schmal, das ist doch garantiert ein Hinterhalt!“, dachte er – aber es war keiner. Oder doch?
Ihr Anrücken wurde viel zu schnell bemerkt. Närrisch auch, die Pferde mit zu nehmen, wenn man sich anschleichen wollte… Aaryon ließ sein klobiges Waldarbeiterpferd am Ufer stehen und hielt sich an der Uferböschung im hohen Gras, während der Rest des Trupps die sich nähernden Feinde konfrontierte und band. Marlan Kabo ganz vorne. Arenvir dahinter, mit seinem Stab Zeichen in den Boden kratzend. „Braucht er meine Konzentrationskraft? Soll ich unterstützen?“ Er musste darauf vertrauen, dass der Erzmagier ihn schon rufen würde, wenn er ihn brauchte. Bis dahin schien es das Sinnvollste zu sein, hier im Gras halbwegs in Deckung zu bleiben und den Rückweg zur Brücke im Auge zu behalten. Versteckt bleiben. Wieder fühlte er sich so fürchterlich überflüssig.
Ein Lethar näherte sich. So langsam, abgeduckt, irgendwie unauffällig, dass Aaryon ihn fast trotz freier Fläche übersehen hätte und zwei Mal hinschauen musste, um überhaupt zu begreifen, dass diese hässliche Armbrust da eine ernste Gefahr in ihrer Flanke war! Und sie zielte auf Arenvir!
„Vorsicht!“ Hatte er das gerufen? Wie unsinnig! Er verriet sich bloß, und helfen tat es nichts. Einzig konnte er hoffen, dass der Schütze abgelenkt wurde und verschoss, als Aaryon einen Funkenschlag los jagte: dicht um den Letharen herum Hitze und Kälte schlagartig zusammenführte, wie man es ihn gelehrt und er es an etlichen Spinnen und Untoten geübt hatte, dass er jetzt immerhin kaum mehr darüber nachdachte und sofort seine Konzentration neu sammelte.
Was folgte, war so charmant und scheinbar unabwendbar wie die Schlinge eines Galgens, in der man mit dem Hals steckte:
Immer mehr Letharen kamen. Hässliche dicke Reitechsen, deren Kiefer er schon beim ersten Anblick nie von Nahem sehen wollte. Fächerförmig breiteten sie sich aus und drohten den Menschentrupp zwischen Festung und Fluss komplett zu umzingeln. Panik drohte, nach ihm zu greifen, als er nicht nur auf den Armbrustschützen, sondern weitere Feinde zaubern musste, in der Hoffnung, sie von seinem Mentor und Lehrer abzulenken. Aber jene, die Arenvir bedrängten, beeindruckten seine kleinen Novizenzauber nicht. Stattdessen wurden weitere Letharen auf die Stelle am Ufer aufmerksam, wo sich etwas bewegte… eine der Reitechsen im Schlepptau witterte und suchte nach etwas zu fressen. Zum Beispiel einen kleinen, leckeren Novizen…
Er wich zurück, langsam, innerlich selbst unter einer Spannung stehend, als hätte er seinen eigenen Funkenschlagzauber gefressen. Zurück ins Wasser. „Nicht ausrutschen!“ Zurück Richtung Berchgard... was direkt hinter der Festung entlang führte. Er duckte sich ins hohe Gras, schluckte einen der Unsichtbarkeitstränke von Ragai und schickte Stoßgebete zu Temora, dass die Wellen im Wasser nicht zu sehr auffielen! „Am besten nicht bewegen.“ Ja, das war besser: einer der Letharen, der auf das Ufer zugeschlurft war wie ein Zombie, drehte ab und marschierte auf Arenvirs Rücken zu. Verdammt, sollte er sich verkrümeln und seinen Trupp, seine Leute, seinen Mentor im Stich lassen?!
Ihm schossen Tränen in die Augen. Dann hörte er neben sich ein Schnüffeln, ein Sabbern und Schnaufen – die Echse. Hörte dahinter das Rascheln weiterer Letharen. Wenn sie ihn fanden, gefangen nahmen... Ein schuppiges, unglaublich breites und häßliches Maul schnappte neben ihm, gefühlt direkt neben seinem Ohr, nach einer Libelle, während er kurz davor stand, vor Angst in Ohnmacht zu fallen.
„Hau AB!“, dachte er nur und hätte, wie es in Geschichten stand, einen Stein in eine andere Richtung geworfen – aber hier war keiner. Kurz darauf sahen die Letharen wie auch die Echse, wie ein Büschel Gräser rechts von ihnen in Flammen aufging. Interessiert latschte die Echse dort hin, und Aaryon zog es vor, die andere Richtung zu wählen... leise...
Einer seiner letzten Blicke galt dem Feld, wo seine Kameraden standen. Alle am kämpfen, schwerst bedrängt. Aus der Festung kam etwas, das...
Götter!
WAS war das?! Ein Wesen, das er schon nicht mehr als „Kreatur“ bezeichnen mochte! Ein Avatar Alatars?„Ein Wesen mit ledrigen Flügeln, zwei Beine, glaube ich, und Klauen“, hatte Barak Donnerfaust beschrieben. Das sollte es wohl sein. „Wie .. groß?“, hatte Aaryon noch gefragt, in Sorge, dass sie etwa auch noch einen schwarzen Drachen in der eingenommenen Festung hätten.
„Etwa so groß wie zwei Pferde“, hatte der Kalure nach etwas Überlegen geantwortet.
Zwei Pferde? Diese Kreatur überragte die gesamte verdammte Festungsmauer!!!
„Selbst schuld!“, schalt sich Aaryon, „Was fragst du auch einen Kaluren nach Größenvergleichen!“
Und dieses Ding hatte seinen Mentor im Visier... mit einem Kloß im Hals und Tränen in den Augen schob sich Aaryon weiter die Böschung längs durch Wasser und Schlamm. Es sah wirklich so aus, als würde er hinter der Festung längs entkommen können.
Er sah zur Mauer hoch: ein Wehrgang. Ein hölzener Wehrgang, überdacht. Stirnfurchend stellte Aaryon fest, dass es eine Art Öffnung zum Innenhof sein könnte. Dort, wo die Katapulte standen, die sie doch zerstören mussten.
Holz...
Offen...
Seine Hand tastete nach zwei Phiolen, in denen sich Brandöl befand. Wenn er die werfen konnte, wenn nur eine traf... Arenvirs Meteore waren an einem magischen Schutzschild gescheitert – konnte nun wirklich die geschmissene Phiole eines kleinen Novizen, der sich grad verpisste, die Wende bringen? Konnte er zum Held werden?
Quatsch. Natürlich nicht.
„ACHTUNG!“, hörte er noch drinnen eine Frauenstimme brüllen, als eine der Phiolen an einer der hölzernen Wehrgangstreben zerschellte und Flammen hoch züngelten. Die zweite zerschellte knapp darunter an der Außenseite der Mauer. „Beschissener Winkel“, stellte Aaryon fest und führte bereits den nächsten Unsichtbarkeitstrank an die Lippen.
„Schöne Flugbahn“, dachte sich womöglich der Lethar auf der anderen Seite des Flusses, der die Böschung von drüben abgesucht hatte und nun zwischen dem Schilf eine nasse weiße Robe mit einer lächerlich auffälligen orangenen Kapuze darüber sah und die Armbrust wieder anlegte.
Ein Schuss. Ein Aufschrei. Ein Platschen.
Einige der Letharen kehrten zurück zu dem Ufer, wo sie zuvor die Spur des Burschen verloren hatten und starrten nun auf das Wasser, das sich teils seltsam bewegte, in dem sich rote Schlieren ausbreiteten, Seerosen wurden beiseite gedrückt...
Mit brennendem Schmerz in der Schulter hielt Aaryon unter Wasser verzweifelt die Luft an und mühte sich gleichzeitig, das Gift am Bolzen daran zu hindern, tiefer in seinen Körper zu gelangen. Verdammte Seerosen! Fast verhedderte er sich und das unter Wasser... Panik stieg wieder auf – ähnlich unaufhaltsam wie er. Wenn er auftauchte, würden sie ihn erschießen!
Mit einem kräftigen Armzug tauchte er noch ein Stück. „Keine Chance. Sie werden dich einsammeln, auslachen und dann erst aufhören, wenn du tot bist!
Erst wenn du tot bist.
Tot.
Sie verlieren das Interesse an dir, wenn du tot bist!“
Er sah hoch zu den Seerosen, die gerade über ihm fast ein schützendes Dach bildeten. Seine Hand griff an den Gürtel. Nicht zu den Unsichtbarkeitstränken. Sondern zu einem Narkosetrank, der einem in übelsten Notfällen rasch das Bewusstsein und damit die Schmerzen nahm, die Körperfunktionen drosselte – also auch die Atmung. Hoffte er.
„Wenn das nicht klappt, bist du tot.
Wenigstens kriege ich es dann nicht mit...“
Er trieb unter die Blätter der Seerosen, entkorkte die Phiole und leerte sie, so wie er einen letzten, tiefen Atemzug nahm.
Draußen beobachteten die Letharen, auch der Armbrustschütze, wie der Körper des Menschen, den er eben getroffen hatte, sichtbar und von der Strömung aus den Seerosen gezogen wurde, flussabwärts trieb:
mit dem Gesicht im Wasser. Reglos. Widerstandslos. Seinen Bolzen im Rücken und einem versiegenden Rinnsal an Blut, das von dort ins Wasser floß und sich verteilte...
