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Ein guter Tag zum Sterben

Verfasst: Freitag 14. März 2025, 19:53
von Belric Durenald
Belric lehnte sich auf den Zaun seines Hofes und ließ den Blick über die weiten Felder schweifen. Die Morgenluft war frisch, der Geruch von feuchtem Heu und Pferden lag in der Luft. Er schnaubte, nahm einen tiefen Schluck von seinem selbstgebrannten Schnaps und grinste.

"Heute ist ein guter Tag zum Sterben", murmelte er, dann lachte er über seinen eigenen Pathos. "Oder zumindest ein guter Tag für ein Abenteuer!"
Seit der Auflösung der Felswart war viel Zeit vergangen. Er hatte sich in die Ruhe des Landlebens gefügt mit Fässern voll Alkohol, einer Handvoll treuer Pferde und gelegentlichen Ausflügen in Höhlen um alten Instinkten nachzugeben. Doch heute war besonders. Heute wollte er wieder tun was ihn am meisten reizte eine spannende Jagd.

Er sattelte seine beste Stute, die er liebevoll "Roulladen Eri" nannte, und ritt mit einem vollen Flachmann in Richtung Höhle. Dort sollte sich ein besonders fetter Troll eingenistet haben. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln. "Der Schöne gegen das Biest. Mal sehen, wer länger steht.“
Doch bevor er die Höhle erreichte, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. "Belric, du alter Säufer, noch immer nicht tot? Lange nicht mehr gesehen!"
Er drehte sich um und erblickte Leon. Sein ältester Freund, seine ewige Erinnerung an alte Zeiten. Leon wirkte wie immer ohne viel Emotionen im Gesicht doch das stumpfe Lächeln welches er Belric immer schenkte, war noch immer dasselbe. "Leon!", rief Belric . "Kommst du, um mir meinen Schnaps zu klauen oder um mich in den Tod zu begleiten?"
"mit einem schmunzeltn", antwortete Leon trocken "Was hast du diesmal vor?"
"Einen Troll verdreschen, sterben, vielleicht beides", sagte Belric mit einem Zwinkern. "Aber zuerstein Trinkspruch! Auf die Felswart, auf die alten Zeiten!"
Sie lachten, und für einen Moment war es, als wäre keine Zeit vergangen und die alte Zeit vom Hofe Kawi wäre zurück. Dann ritten sie gemeinsam weiter.
Die Höhle lag finster und stinkend vor ihnen. Belric kniff die Augen zusammen. "Also gut. Du lenkst ihn ab, und ich haue ihm mit meinem besten Knüppel eine über den Schädel."
"Ah, der gute alte 'Wir rennen einfach drauflos Plan. Funktioniert bestimmt hervorragend."
Sie betraten die Höhle und der Troll war wirklich ein Brocken. Groß, hässlich, mit Warzen übersät und in einem Nest aus Knochen hockend. Leon riss die Arme hoch. "Also, willst du ihm zuerst ein Gedicht vortragen oder ihn gleich mit deinem Atem umhauen?"
"Ich denke, ich fange mit einem Begrüßungsgeschenk an." Belric zog eine Flasche hervor nahm einen tiefen Schluck und warf sie in Richtung des Trolls, sie zerbrach an dessen Brust, tränkte ihn in Schnaps. Der Troll brüllte auf, schlug wild um sich und bevor Belric wusste, wie ihm geschah, packte ihn eine riesige Pranke und schleuderte ihn quer durch die Höhle.
Er landete hart und ungünstig. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihn und ein spitzer Stein durchbohrte seinen Bauch. Er konnte sich kaum noch rühren, während Leon mit gezücktem Schwert kurzen Prozess mit dem Troll machte. Es war ein kurzer Kampf aber Belric wusste, dass seine Zeit gekommen war.

Er dachte an Maralea, Leon die Felswart an Eri die er vermisste. An das Leben, das sie hätte führen können. An das, was sie verloren hatten, als die Felswart zerfiel. Und doch war es so schlimm? Er hatte getrunken, gelacht, gelebt. Und nun würde er sterben mit einem Lächeln im Gesicht.
Leon kniete sich neben ihn, als der Troll nur noch gehacktes Fleisch für einen Eintopf war. "Belric... du verdammter Idiot."
Belric grinste schwach. "Sag Maralea... ich hätte sie gerne noch einmal gesehen, dass es mir leid tut wie alles gekommen ist."
"Das wirst du. Nur nicht heute." Leon nahm seinen Freund in den Arm, während Belric seinen letzten Atemzug tat mit dem Geschmack von Schnaps auf den Lippen und der Stimme eines Freundes im Ohr.

Leon hielt Belric fest, während dessen Atem flacher wurde. Das Lächeln auf seinen Lippen verblasste langsam, seine Augen wirkten glasig, doch noch lag ein Hauch von Leben darin. Ein letzter, abgehackter Atemzug. Dann nichts mehr.

Die Höhle war still. Nur das Tropfen von Wasser und das entfernte Knacken der zerbrochenen Fackeln hallte durch den Raum.
Leon seufzte, senkte den Kopf und legte Belric sanft auf den Boden. Er schloss ihm die Augen mit seiner rauen, schwieligen Hand. „Verdammter Narr“, murmelte er leise. „Du konntest es nicht lassen.“
Draußen begann der Wind zu heulen. Rouladen Eri wieherte unruhig, als hätte sie gespürt, dass ihr Reiter nicht mehr zurückkommen würde.
Leon richtete sich auf, griff nach Belrics Flachmann, nahm einen tiefen Schluck und ließ ein paar Tropfen auf den blutgetränkten Höhlenboden fallen. „Auf dich, du alter Säufer.“

Dann machte er sich an die Arbeit.
Es dauerte Stunden, bis Leon ein Grab ausgehoben hatte, dort, wo die Morgensonne auf die Felsen fiel. Die Erde war hart, voller Steine, doch er hielt durch. Schließlich bettete er Belric in die Grube, legte seinen Knüppel und den leeren Flachmann an seine Seite.

Mit schweren Händen schaufelte er die Erde zurück, bis nur noch ein aufgeschichteter Steinhaufen blieb. Ein einfacher, grober Grabstein, auf den er mit seinem Dolch kratzte:

Belric - Krieger, Säufer, Freund.

Leon trat einen Schritt zurück, betrachtete sein Werk und schwieg lange. Dann nahm er seinen letzten Schluck aus der Flasche, stellte sie auf das Grab und wandte sich ab.

Rouladen Eri wartete am Waldrand, den Kopf gesenkt.
„Komm, Mädchen“, murmelte Leon, als er sich in den Sattel schwang. „Zeit, weiterzuziehen.“
Er warf einen letzten Blick auf das Grab seines Freundes. Dann ritt er davon, während die Morgensonne langsam über den Horizont kroch.

Es war ein guter Tag zum Sterben.