Der Fall eines Drachen
Verfasst: Donnerstag 13. März 2025, 06:25
Spät in der Nacht brannte im Haus des Erzmagiers noch das Licht. Genauso hörte man, auch noch aus eben diesem Hause kommend, tumult artige Geräusche, als zerlege jemand gerade die Inneneinrichtung. Allerdings kümmerte das die Nachtwache nicht einmal im Geringsten.
Nicht nur waren sie es bereits gewohnt, dass es im Haus ihres Oberstleutnants nicht immer ruhig war, auch zu nachtschlafener Stunde, viel mehr hatten sie sogar teils Angst nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Manch einer munkelte, ein Frischling sei bei einer unbedachten Nachfrage mit Haut und Haaren verschlungen oder an die Ziehtochter des Oberstleutnants verfüttert worden, als er diesem auf dem falschen Fuß erwischte.
Das ist natürlich nie passiert, aber Gerüchte halten sich gerne.
Im Inneren des Hauses wurde jedoch, entgegen aller Behauptungen, lediglich umgeräumt. Und da der Bewohner des Hauses über die Jahre so viele Dinge angesammelt hatte, gab es nun mal viel zu räumen. Merrik hatte ein Schreiben erreicht, das doch recht dringlich seine Anwesenheit abseits Gerimors erforderte. Und da er damit rechnete, einige Tage, wenn nicht Wochen, weg zu sein, musste er natürlich alles entsprechend vorbereiten.
Verderbliche Lebensmittel mussten nach Möglichkeit entsorgt oder besser zu Orten gebracht werden, wo sie auch Verwendet würden, bevor sie ungenießbar werden. Der Stapel an Papierkram müsste noch einmal durchgegangen und die wirklich dringlichen Dinge beantwortet werden. Die Dienstpläne für mindestens 3 Wochen müssten erstellt werden. Und natürlich musste zugesehen werden, dass seine Ziehtochter Saria für die Zeit versorgt ist.
Doch all das würde schon irgendwie funktionieren. Und das Herzogtum würde auch ohne ihn weiter laufen. Nicht wie ein Uhrwerk, aber das tat es auch mit ihm nicht wirklich.
Merrik brauchte nicht lange, bis er die Sachen für seine Reise gepackt hatte. Zugegeben würde die Reise auch nicht wirklich lange dauern. Konnte er sich nicht über so weite Strecken teleportieren, hatte er doch eine recht eigene aber eindeutig effektive Methode um schnell von einem Punkt zu einem anderen zu kommen.
Er verließ sein Haus, wünschte der Nachtwache im Adelsviertel noch eine ruhige Wacht und folgte den großen Straßen durch Adoran, bis vor die Mauern in Wellenruh. Hier, abseits der engen Wege und der schlafenden Zivilisation, hatte er genug Platz und Ruhe seine Reise anzutreten.
Tief sog er die kalte Nachtluft ein und blickte auf das Meer hinaus, das sich im Osten Gerimors erstreckte. Er kannte die Strecke, zugegeben 'immer geradewegs nach Osten' ist auch nicht schwierig, wenn auch man, so ganz ohne Anhaltspunkt auf dem weiten Meer, gerne mal die Himmelsrichtungen aus dem Auge verliert. Und wie ein Mensch niemals ohne Anhaltspunkte genau geradeaus laufen kann, kann man das fliegend offenbar auch nicht.
Er begann damit seinen Geist über die körperlichen Fesseln hinaus zu erstrecken und griff nach allen möglichen Elementaren Energien in der Umgebung, um sie nach und nach zu sich zu ziehen. Bevor er damit anfing seine eigene Klangstruktur zu verändern, verstopfte er mit einem einzelnen Impuls eine Verbindung zwischen Geist und Körper, die den Knotenpunkt des Schmerzempfindens darstellt, und machte sich dann nach und nach daran die vorhandenen Elementarstraenge zu zerfasern und die herangezogenen beizufügen. Mehr und mehr wurde seine eigenen Klangstruktur mit Elementaren Energien angereichert und zügig wuchs der menschliche Körper weit über seinen natürlichen Zustand hinaus. Die Haus wurde dicker und nahm mehr und mehr eine nicht nur grünlich-silberne Farbe sondern auch eine schuppige Form an. Die Gliedmaßen verlängerten sich wesentlich und aus Händen und Füßen wurden klauen mit spitzen Krallen. Flügel wuchsen ihm aus dem Rücken heraus, der aus der Senkrechten in die Horrizontale gewechselt ist. Der Hals wuchs um ein Vielfaches und letztlich wandelte sich auch der Kopf passend zum ganzen Rest des Körpers.
Kaum jemand konnte dieses Spektakel bezeugen, höchstens ein zwei der Nachtwachen von den Toren, die ihre Aufmerksamkeit mit immer noch vorhandenem Staunen auf das Tun des Magiers richteten. Merrik hatte sich zwar einen ruhigen Ort gesucht, der genug Platz bot, doch ewig weit weg von der Stadt musste er ja nicht.
Es dauerte auch nicht lang und bedurfte nur ein paar stampfende Schritte Anlauf, bis sich der gewaltige Drachenkörper, der für einen Drachen allerdings immer noch nicht groß war, mit einigen kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte begab, ziemlich zügig an geschwindigkeit zunahm und, ehe es sich die Wachen versahen, weiter und weiter in die Lüfte stieg und Gerimor, geradewegs in Richtung Osten, hinter sich lies.
Merrik liebte das Gefühl des Fliegens, auch nach all den Jahren. Oder vielleicht sogar noch mehr als früher, seit er selbst die Gestalt der gefürchtesten Jäger der Lüfte annehmen durfte und konnte.
Der Himmel war zwar mit Wolken bedeckt und selbst das Mondlicht hatte Schwierigkeiten hindurchzukommen, doch war es ruhig und nicht regnerisch. Wenn auch es nicht gerade warm war, waren es doch zumindest passable Voraussetzungen für einen Flug.
Merrik versuchte sich, zumindest solange es ging, ander kleiner werdenden Insel hinter sich zu orientieren. Doch sobald in allen Richtungen nur noch Wasser zu sehen war, konnte er sich nur darauf verlassen nicht zu weit vom Kurs abzukommen. So weit oben sah man zwar auch viel weiter, aber das reicht leider auch nicht immer.
Merrik schloss seine Augen, wie er es nur allzu oft tat, wenn er flog, um den Wind zu genießen, der ihm unnachgiebig entgegen drückte. Vielleicht war es eine schlechte Angewohnheit, doch konnte er so auch weit oben im Himmel etwas Ruhe und Entspannung finden. Und viel mehr als fliegen, konnte er ja ohnehin kaum. Doch mehr und mehr mischte sich ein Rauschen in das windige Brausen, das seinen Kopf entlang und in seine Ohren hinein strömte. Und ehe er sich versah, prasselte kalter, nasser Regen ströment auf ihn herab. Wie aus tiefstem Schlaf gerissen, riss er seine Augen auf, kniff sie aber direkt wieder zusammen, als die ersten Regentropfen drohten seine Augen zu treffen. Blitze finden an aus der Wolkendecke hinab zur Meeresoberfläche zu schießen. Er konnte unmöglich in diesem Sturm bleiben. Er musste höher.
Kräftig schlug er mit seinen Flügel um weiter an Höhe zu gewinnen. Er wollte die Wolkendecke durchbrechen um so dem Sturm zu entgehen. Als er sich mehr und mehr der Wolkendecke näherte, schlugen zeitgleich mehr und mehr Blitze aus selbiger hervor, die sich mehr und mehr auf eine gefährliche Nähe begaben. Und doch schaffte er es nicht nur die Wolkendecke zu erreichen, sondern auch in sie zu gelangen. Doch konnte er in den Wolken nicht nur weit weniger sehen, zuckten auch Blitze direkt durch das riesige Wolkenmassiv, das hoch oben über dem Meer thronte. Er konnte unmöglich erkennen, wie weit er durch die Wolke dringen musste, um wieder aus ihr herauszukommen und damit vor dem Sturm in Sicherheit zu sein.
Es zog sich eine gefühlte Ewigkeit, bis sein Kopf endlich durch die Wolken stieß und das erhellende Licht des Mondes die Augen des Magiers erreichte. Doch mit einem mal durchzuckte den massigen Drachenkörper des Magiers eine enorme Energie. Ein Blitz zuckte nicht nur zu nah sondern direkt durch den Körper und durchfuhr ihn wie eine Naturgewalt, die so ein Blitz nun mal ist. Das Licht des Mindes wich einer tiefen Schwärze, als Merrik sein Bewusstsein verlor. Dem Verlust des Bewusstseins folgte, was folgen musste. Unkontrolliert und mit der vollen Kraft des Liedes selbst, wandelte sich, was unnatürlich war, um den natürlichen Zustand wieder herzustellen. Der Drachenkörper schrumpfte zügig wieder zusammen, Gliedmaßen verkürzten sich und das ursprüngliche Menschliche zeigte sich wieder. Doch am wichtigsten.. verschwanden auch die Flügel, die den Magier so hoch oben hielten.
Im freien Fall, der Schwerkraft ergeben, sauste der flugunfähige Körper des Magiers bewusstlos nach unten. Weitere Blitze durchzuckten den Magier und hinterließen ihre Male. Meter um Meter fiel er tiefer und tiefer und selbst als die Wolkendecke wieder weit über ihm war blitze es unnachgiebig in den höchsten Punkt der Umgebung. Dass dieser Punkt ein fallender Mensch war, störte die Natur genauso wenig, wie die Tatsache, dass sich der Körper der Wasseroberfläche immer weiter näherte. Merriks Augen zuckten und nur flatterhaft öffneten sie sich. Für einen Herzschlag erlangte er wieder das Bewusstsein, bevor er es schlagartig wieder verlor. Unmöglich in der kurzen Zeit seine Situation auch nur ansatzweise zu erfassen.
Er war nur noch hunderte Meter vom Aufprall auf das Wasser entfernt, als sich seine Augen wieder aufrissen. Hecktisch sah er in alle möglichen Richtungen. Und da, ein kleines Stück Land, nicht weit entfernt. Sein Geist löste sich von seinem Körper, raste so schnell er eben konnte in Richtung des vermeindlich rettenden Eilands und zog letztlich den fallenden Körper ruckartig hinterher.
Er schlug auf hartem Boden auf, immerhin gebremmst durch die Teleportation, und rollte unweigerlich den schrägen untergrund herunter. Wieder verlor er sein Bewusstsein, unfähig das Weiterrollen zu verhindern, geschweige das, was darauf folgen würde. Er rollte unaufhaltsam die felsige Schräge herunter, wobei der felsige Untergrund seine Kleidung malträtierte. Doch das war ohnehin unwichtig. Am Ende der Schräge folgte eine tiefe Klippe und dem zufolge ein weiterer Fall. Doch statt auf einen sichernden Boden am Ende der Klippe zu fallen, warteten dort unten unzählige spitze gewachsene Steine. Und beim alten Kampf, Stein gegen Fleisch, gewann bisher schon immer der Stein. Warum sollte es dieses mal anders sein? Die Spitzen trieben sich durch das weiche Fleisch, das, von der Schwerkraft getrieben, auf sie fiel. Dieses mal war es nicht nur die Kleidung des Magiers, die geschunden wurde, wurden einige Stellen des Körpers des Magiers selbst vom Stein durchbohrt. Den Verletzungen folgte direkt der Fluss von Blut und ein unaushaltbarer Schmerz, der dem Bewusstlosen zumindest erspart blieb.
Merriks Herz hörte unweigerlich auf zu schlagen, als sein Körper den tödlichen Verletzungen erlag. Wo sein Geist danach hin ging, von welchem Gott oder ob überhaupt, das würde wohl nur er wissen, sobald er den Weg ins Jenseits, der ihm nun bevor stand, geschafft hatte.
Nicht nur waren sie es bereits gewohnt, dass es im Haus ihres Oberstleutnants nicht immer ruhig war, auch zu nachtschlafener Stunde, viel mehr hatten sie sogar teils Angst nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Manch einer munkelte, ein Frischling sei bei einer unbedachten Nachfrage mit Haut und Haaren verschlungen oder an die Ziehtochter des Oberstleutnants verfüttert worden, als er diesem auf dem falschen Fuß erwischte.
Das ist natürlich nie passiert, aber Gerüchte halten sich gerne.
Im Inneren des Hauses wurde jedoch, entgegen aller Behauptungen, lediglich umgeräumt. Und da der Bewohner des Hauses über die Jahre so viele Dinge angesammelt hatte, gab es nun mal viel zu räumen. Merrik hatte ein Schreiben erreicht, das doch recht dringlich seine Anwesenheit abseits Gerimors erforderte. Und da er damit rechnete, einige Tage, wenn nicht Wochen, weg zu sein, musste er natürlich alles entsprechend vorbereiten.
Verderbliche Lebensmittel mussten nach Möglichkeit entsorgt oder besser zu Orten gebracht werden, wo sie auch Verwendet würden, bevor sie ungenießbar werden. Der Stapel an Papierkram müsste noch einmal durchgegangen und die wirklich dringlichen Dinge beantwortet werden. Die Dienstpläne für mindestens 3 Wochen müssten erstellt werden. Und natürlich musste zugesehen werden, dass seine Ziehtochter Saria für die Zeit versorgt ist.
Doch all das würde schon irgendwie funktionieren. Und das Herzogtum würde auch ohne ihn weiter laufen. Nicht wie ein Uhrwerk, aber das tat es auch mit ihm nicht wirklich.
Merrik brauchte nicht lange, bis er die Sachen für seine Reise gepackt hatte. Zugegeben würde die Reise auch nicht wirklich lange dauern. Konnte er sich nicht über so weite Strecken teleportieren, hatte er doch eine recht eigene aber eindeutig effektive Methode um schnell von einem Punkt zu einem anderen zu kommen.
Er verließ sein Haus, wünschte der Nachtwache im Adelsviertel noch eine ruhige Wacht und folgte den großen Straßen durch Adoran, bis vor die Mauern in Wellenruh. Hier, abseits der engen Wege und der schlafenden Zivilisation, hatte er genug Platz und Ruhe seine Reise anzutreten.
Tief sog er die kalte Nachtluft ein und blickte auf das Meer hinaus, das sich im Osten Gerimors erstreckte. Er kannte die Strecke, zugegeben 'immer geradewegs nach Osten' ist auch nicht schwierig, wenn auch man, so ganz ohne Anhaltspunkt auf dem weiten Meer, gerne mal die Himmelsrichtungen aus dem Auge verliert. Und wie ein Mensch niemals ohne Anhaltspunkte genau geradeaus laufen kann, kann man das fliegend offenbar auch nicht.
Er begann damit seinen Geist über die körperlichen Fesseln hinaus zu erstrecken und griff nach allen möglichen Elementaren Energien in der Umgebung, um sie nach und nach zu sich zu ziehen. Bevor er damit anfing seine eigene Klangstruktur zu verändern, verstopfte er mit einem einzelnen Impuls eine Verbindung zwischen Geist und Körper, die den Knotenpunkt des Schmerzempfindens darstellt, und machte sich dann nach und nach daran die vorhandenen Elementarstraenge zu zerfasern und die herangezogenen beizufügen. Mehr und mehr wurde seine eigenen Klangstruktur mit Elementaren Energien angereichert und zügig wuchs der menschliche Körper weit über seinen natürlichen Zustand hinaus. Die Haus wurde dicker und nahm mehr und mehr eine nicht nur grünlich-silberne Farbe sondern auch eine schuppige Form an. Die Gliedmaßen verlängerten sich wesentlich und aus Händen und Füßen wurden klauen mit spitzen Krallen. Flügel wuchsen ihm aus dem Rücken heraus, der aus der Senkrechten in die Horrizontale gewechselt ist. Der Hals wuchs um ein Vielfaches und letztlich wandelte sich auch der Kopf passend zum ganzen Rest des Körpers.
Kaum jemand konnte dieses Spektakel bezeugen, höchstens ein zwei der Nachtwachen von den Toren, die ihre Aufmerksamkeit mit immer noch vorhandenem Staunen auf das Tun des Magiers richteten. Merrik hatte sich zwar einen ruhigen Ort gesucht, der genug Platz bot, doch ewig weit weg von der Stadt musste er ja nicht.
Es dauerte auch nicht lang und bedurfte nur ein paar stampfende Schritte Anlauf, bis sich der gewaltige Drachenkörper, der für einen Drachen allerdings immer noch nicht groß war, mit einigen kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte begab, ziemlich zügig an geschwindigkeit zunahm und, ehe es sich die Wachen versahen, weiter und weiter in die Lüfte stieg und Gerimor, geradewegs in Richtung Osten, hinter sich lies.
Merrik liebte das Gefühl des Fliegens, auch nach all den Jahren. Oder vielleicht sogar noch mehr als früher, seit er selbst die Gestalt der gefürchtesten Jäger der Lüfte annehmen durfte und konnte.
Der Himmel war zwar mit Wolken bedeckt und selbst das Mondlicht hatte Schwierigkeiten hindurchzukommen, doch war es ruhig und nicht regnerisch. Wenn auch es nicht gerade warm war, waren es doch zumindest passable Voraussetzungen für einen Flug.
Merrik versuchte sich, zumindest solange es ging, ander kleiner werdenden Insel hinter sich zu orientieren. Doch sobald in allen Richtungen nur noch Wasser zu sehen war, konnte er sich nur darauf verlassen nicht zu weit vom Kurs abzukommen. So weit oben sah man zwar auch viel weiter, aber das reicht leider auch nicht immer.
Merrik schloss seine Augen, wie er es nur allzu oft tat, wenn er flog, um den Wind zu genießen, der ihm unnachgiebig entgegen drückte. Vielleicht war es eine schlechte Angewohnheit, doch konnte er so auch weit oben im Himmel etwas Ruhe und Entspannung finden. Und viel mehr als fliegen, konnte er ja ohnehin kaum. Doch mehr und mehr mischte sich ein Rauschen in das windige Brausen, das seinen Kopf entlang und in seine Ohren hinein strömte. Und ehe er sich versah, prasselte kalter, nasser Regen ströment auf ihn herab. Wie aus tiefstem Schlaf gerissen, riss er seine Augen auf, kniff sie aber direkt wieder zusammen, als die ersten Regentropfen drohten seine Augen zu treffen. Blitze finden an aus der Wolkendecke hinab zur Meeresoberfläche zu schießen. Er konnte unmöglich in diesem Sturm bleiben. Er musste höher.
Kräftig schlug er mit seinen Flügel um weiter an Höhe zu gewinnen. Er wollte die Wolkendecke durchbrechen um so dem Sturm zu entgehen. Als er sich mehr und mehr der Wolkendecke näherte, schlugen zeitgleich mehr und mehr Blitze aus selbiger hervor, die sich mehr und mehr auf eine gefährliche Nähe begaben. Und doch schaffte er es nicht nur die Wolkendecke zu erreichen, sondern auch in sie zu gelangen. Doch konnte er in den Wolken nicht nur weit weniger sehen, zuckten auch Blitze direkt durch das riesige Wolkenmassiv, das hoch oben über dem Meer thronte. Er konnte unmöglich erkennen, wie weit er durch die Wolke dringen musste, um wieder aus ihr herauszukommen und damit vor dem Sturm in Sicherheit zu sein.
Es zog sich eine gefühlte Ewigkeit, bis sein Kopf endlich durch die Wolken stieß und das erhellende Licht des Mondes die Augen des Magiers erreichte. Doch mit einem mal durchzuckte den massigen Drachenkörper des Magiers eine enorme Energie. Ein Blitz zuckte nicht nur zu nah sondern direkt durch den Körper und durchfuhr ihn wie eine Naturgewalt, die so ein Blitz nun mal ist. Das Licht des Mindes wich einer tiefen Schwärze, als Merrik sein Bewusstsein verlor. Dem Verlust des Bewusstseins folgte, was folgen musste. Unkontrolliert und mit der vollen Kraft des Liedes selbst, wandelte sich, was unnatürlich war, um den natürlichen Zustand wieder herzustellen. Der Drachenkörper schrumpfte zügig wieder zusammen, Gliedmaßen verkürzten sich und das ursprüngliche Menschliche zeigte sich wieder. Doch am wichtigsten.. verschwanden auch die Flügel, die den Magier so hoch oben hielten.
Im freien Fall, der Schwerkraft ergeben, sauste der flugunfähige Körper des Magiers bewusstlos nach unten. Weitere Blitze durchzuckten den Magier und hinterließen ihre Male. Meter um Meter fiel er tiefer und tiefer und selbst als die Wolkendecke wieder weit über ihm war blitze es unnachgiebig in den höchsten Punkt der Umgebung. Dass dieser Punkt ein fallender Mensch war, störte die Natur genauso wenig, wie die Tatsache, dass sich der Körper der Wasseroberfläche immer weiter näherte. Merriks Augen zuckten und nur flatterhaft öffneten sie sich. Für einen Herzschlag erlangte er wieder das Bewusstsein, bevor er es schlagartig wieder verlor. Unmöglich in der kurzen Zeit seine Situation auch nur ansatzweise zu erfassen.
Er war nur noch hunderte Meter vom Aufprall auf das Wasser entfernt, als sich seine Augen wieder aufrissen. Hecktisch sah er in alle möglichen Richtungen. Und da, ein kleines Stück Land, nicht weit entfernt. Sein Geist löste sich von seinem Körper, raste so schnell er eben konnte in Richtung des vermeindlich rettenden Eilands und zog letztlich den fallenden Körper ruckartig hinterher.
Er schlug auf hartem Boden auf, immerhin gebremmst durch die Teleportation, und rollte unweigerlich den schrägen untergrund herunter. Wieder verlor er sein Bewusstsein, unfähig das Weiterrollen zu verhindern, geschweige das, was darauf folgen würde. Er rollte unaufhaltsam die felsige Schräge herunter, wobei der felsige Untergrund seine Kleidung malträtierte. Doch das war ohnehin unwichtig. Am Ende der Schräge folgte eine tiefe Klippe und dem zufolge ein weiterer Fall. Doch statt auf einen sichernden Boden am Ende der Klippe zu fallen, warteten dort unten unzählige spitze gewachsene Steine. Und beim alten Kampf, Stein gegen Fleisch, gewann bisher schon immer der Stein. Warum sollte es dieses mal anders sein? Die Spitzen trieben sich durch das weiche Fleisch, das, von der Schwerkraft getrieben, auf sie fiel. Dieses mal war es nicht nur die Kleidung des Magiers, die geschunden wurde, wurden einige Stellen des Körpers des Magiers selbst vom Stein durchbohrt. Den Verletzungen folgte direkt der Fluss von Blut und ein unaushaltbarer Schmerz, der dem Bewusstlosen zumindest erspart blieb.
Merriks Herz hörte unweigerlich auf zu schlagen, als sein Körper den tödlichen Verletzungen erlag. Wo sein Geist danach hin ging, von welchem Gott oder ob überhaupt, das würde wohl nur er wissen, sobald er den Weg ins Jenseits, der ihm nun bevor stand, geschafft hatte.


