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Junkersteyn - Gerüche oder Gerüchte

Verfasst: Mittwoch 29. Januar 2025, 10:41
von Florence Lascari
*Bei dem kleinen Tümpel neben dem Stall bleibt eine Langbein Graik stehen und untersucht einen toten Hund und Hase, die sich ein letztes mal gute Nacht wohl gesagt haben. Weist die beiden Wachleute auf die verwesenden Kadaver hin und auch auf etwas im Wasser, vielleicht eine Phiole. Sie vermutet ein Vergiften oder Verseuchen des Wassers, mehr weiß sie dazu nicht zu sagen und überlässt es den Regimentlern sich darum zu kümmern und kehrte zum Nilzadan zurück*

Verfasst: Donnerstag 6. Februar 2025, 21:54
von Fleur von Bourgo
Gerüchte sind wie Dornenranken – sie greifen um sich, halten sich fest, und wenn man nicht aufpasst, schneiden sie tiefer, als man denkt. „Ein vergifteter Brunnen“, so flüsterten sie auf dem Markt, zwischen dem Klappern von Körben und dem Rufen der Händler. Worte, getragen vom Wind, fester verankert als manch Wahrheit.

Ich konnte es nicht ignorieren. Nicht als Vogtin. Junkersteyn war meine Verantwortung, und ein solcher Verdacht war mehr als nur ein Flüstern – es war eine Warnung.

Der Weg führte mich nicht weit. Der „Brunnen“, von dem die Leute sprachen, war in Wahrheit der kleine Teich, der unweit eines der größeren Bauernhöfe lag. Er war ein vertrauter Anblick, fast harmlos, eingebettet zwischen den Feldern, wo das Wasser träge unter der Wintersonne glitzerte. Kinder spielten oft in seiner Nähe, und das Vieh der Bauern trank daraus. Doch heute lag eine seltsame Schwere in der Luft, als hätte der Teich selbst den Atem angehalten.

Der Geruch traf mich, noch bevor ich den leblosen Körper sah. Ein Hund, reglos am Ufer. Sein Fell war vom Frost der letzten Nacht noch leicht gefroren, die Augen glasig, das Maul halb geöffnet, als hätte er versucht, den letzten Atemzug hinauszupressen. Kein Zufall. Kein Unfall.

Ich verschwendete keine Zeit. Die Wache an der Vogtei – ein junger Mann mit ernster Miene, die unter seinem Helm kaum mehr als eine Maske wirkte – wurde umgehend informiert. „Halte die Leute fern, besonders die Kinder. Niemand nähert sich dem Wasser, bis ich zurück bin.“ Meine Stimme ließ keinen Widerspruch zu, doch in meinem Innern nagte ein leises Unbehagen.

Das hier war mehr als nur ein toter Hund.

Es gab nur eine Person, die ich nun aufsuchen musste: Ekatharyna, die Baronin von Junkersteyn. Ihre Kenntnisse in der Heilkunst waren ebenso scharf wie ihr Verstand – und ich wusste, dass ich ihrer Expertise vertrauen konnte.

Ich fand sie im Herrenhaus derer von Silbersteyn. Der Steinbau wirkte an diesem Tag kälter als sonst, die Luft schwer von getrockneten Kräutern und dem leichten Hauch von Tinte und Pergament. Ekatharyna hörte mich an, ihr Blick aufmerksam, durchdringend, wie ein Messer, das die Wahrheit von der Lüge trennt. Ich schilderte alles: den toten Hund, die Gerüchte, den Teich.

Ohne zu zögern erhob sie sich, ihre Schritte zielstrebig, als hätte sie das Gift bereits selbst geschmeckt. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg, unsere Schritte hallten über das gefrorene Erdreich, begleitet vom fernen Muhen des Viehs und dem gelegentlichen Krähen eines Hahns. Doch all das wirkte dumpf, belanglos angesichts der drückenden Stille in meinem Kopf.

Am Teich kniete Ekatharyna nieder, prüfte das Wasser mit geschultem Blick, ihre Finger streiften sanft über die Oberfläche, bevor sie Proben entnahm. Ich stand daneben, den Blick wachsam in alle Richtungen gerichtet, auch wenn ich wusste, dass der Feind hier nicht mit Schwert und Schild lauerte.

Stunden vergingen. Während sie sich in ihrem Arbeitszimmer in die Untersuchung vertiefte, lief ich auf und ab, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, mein Geist gefangen zwischen Vermutungen und Sorgen.

Als sie schließlich zu mir kam, lag die Antwort unausgesprochen in ihrem Blick. Gift. Jemand hatte es absichtlich ins Wasser gegeben.

Ekatharyna verschwendete keine Zeit. Mit einer Präzision, die ich nur bei ihr gesehen hatte, bereitete sie ein Gegengift zu. Kräuter wurden zerstoßen, Flüssigkeiten gemischt, und die Luft füllte sich mit dem beißenden Duft von Essenzen, die mehr Macht besaßen als manches Schwert.

Als der Trank fertig war, kehrten wir zum Teich zurück. Die Dämmerung legte sich wie ein grauer Schleier über Junkersteyn, und der Wind trug das Echo von fernen Stimmen zu uns herüber. Ekatharyna goss das Gegengift behutsam ins Wasser, ihre Bewegungen ruhig, kontrolliert, als könnte allein ihre Haltung dem Gift die Macht nehmen.

Ich stand an ihrer Seite, die Hand am Schwertgriff, obwohl ich wusste, dass Stahl uns hier nicht helfen würde. Aber es war nicht das Gift, das mich beunruhigte. Es war der Gedanke, dass jemand den Tod mitten ins Herz von Junkersteyn getragen hatte.

Nicht aus Versehen. Nicht aus Unachtsamkeit.

Jemand hatte eine Nachricht hinterlassen.

Und ich hatte sie verstanden.