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Sammlung: Notizen, Skizzen, Impressionen

Verfasst: Sonntag 29. Dezember 2024, 19:54
von Rahes Aurelian Aschenborn
Langsam öffnete er das Notizbuch und lehnte sich zufrieden in das samtige Polster des Ohrensessels zurück. Diesen Ort hatte er bereits am Tag seiner Ankunft zu schätzen gelernt. Bücher, Folianten, Almanache, Kladden und Manuskripte. Bestimmt nicht alles für ihn von Interesse, doch ging er davon aus, dass er trotzdem einige Jahre hier schmökern konnte, ohne dass ihm langweilig werden würde.
Aber seinem eigentlichen Ziel würde ihn keine einzige Seite hier näherbringen.
Er hatte Gerimor herausbekommen, das war mehr, als es im ersten Moment schien, denn so groß war diese Insel nicht. Vielleicht würde es ein Weile dauern, doch er hatte Zeit und würde letztendlich bekommen, wonach er verlangte. Ein kleines Lächeln hatte sich auf seinen Lippen breitgemacht und er öffnete die Tasche, um den schwarzen Krähenfederkiel und das Fässchen Dornrindentinte hervorzuholen. Ein durchweg vielversprechender Anfang musste festgehalten werden.

28. Alatner 267

Adoran – groß, blitzsauber und im Moment in der schneeweißen Tracht einer jungfräulichen Braut gekleidet. Ich bin angekommen, mehr oder minder. Die launische See hat beinahe verhindert, dass ich in diesem Fischerdorf lebendig von Bord gehen konnte, statt irgendwo als aufgedunsene Wasserleiche angespült zu werden. Aber mein Leben hat sie nicht bekommen, dafür ist das Reisegepäck von einer der Wellen verschlungen worden. Was die ersten Stunden für Ärger und Frust gesorgt hat, entpuppt sich nun aber als glaubhafter Einstieg in einen neuen Part meiner Karriere.
Karriere…
Bereits vor Jahren war ich der festen Ansicht, dass diese vollendet wäre. Was braucht ein Apothecarius mehr, als all das, was ich gelernt habe? Wohin geht die Reise, wenn man bereits der Gilde angehört und brav Schüler ausgebildet hat? Manchmal muss man sich eben von den kleinen Schülern inspirieren lassen, ihrem Beispiel folgen, auf ihren Wegen wandeln.
Die Ausbildung zum Bader und Heiler anzuschließen ist keine schlechte Idee und wird irgendwann der Apotheke auch nutzen, wenn und wann es mich wieder heimwärts zieht. Im Moment ist sie in guten Händen. Beatha wird sich vielleicht sogar ein bisschen besser kümmern, als ich. Auch wenn ich die Spannungen zwischen ihr und Miliwanya bereits, wie ein schlechtes Orakel, vorhersehen kann. Doch während sich in Mohnfelde meine ehemalige Schülerin meiner Apotheke annimmt, muss ich hier zusehen, dass mich einer als Schüler annimmt. Oder eine. Ich denke es wird eine werden auch wenn ich noch mit mir kämpfe. Sie ist ohne Zweifel gebildet, klug und hübsch anzusehen. Doch habe ich meine erste Ausbildung begonnen, als sie gerade geboren wurde und das macht das Verhältnis ein bisschen absurd. Zusätzlich muss ich aufpassen, was ich wie erfrage. Sie ist nicht gerade auf den Kopf gefallen. Aber es erscheint mir der richtige Ort zu sein, um zu beginnen und langsam die Fährte aufzunehmen. Ich bin gespannt, ob und wie sie in das Bild passt.
Esther Sternlied.

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Verfasst: Sonntag 5. Januar 2025, 13:38
von Rahes Aurelian Aschenborn
Raureif an der Scheibe neben dem Bett, auf dem er es sich gemütlich gemacht hatte. Einen Moment noch betrachtete er die kunstvollen Kristallgebilde der Frostblüten, welche sich auf dem Glas entfalteten und hauchte einmal dagegen, um zuzusehen, wie einer dieser Äste wieder in sich zusammenschmolz. In wenigen Momenten würde er neu gewachsen sein und diese geduldige, störrische Unnachgiebigkeit des Winters imponierte ihm. Sie schenkte ihm auch neue Kraft und Zuversicht für das eigene Unterfangen. Wieder wurde das kleine Lächeln auf den Lippen wach und wanderte bis in die düsteren, sturmgrauen Augen hinauf. Mit jedem Tag hatte er das Gefühl hier an festem Boden zu gewinnen und wenn der Stand wirklich sicher war, konnte er von einer neuen sicheren Basis aus die Suche nach der Spur beginnen.
Ja, es fügte sich alles harmonisch und adäquat ineinander.
Er beugte sich nach vorne, griff nach dem Notizbuch und senkte den Krähenfederkiel wieder in die Tinte.

05.Hartung 268

Ich habe mein Quartier vom Gasthaus nun ganz ins Hospital verlegt und bewohne ein Zimmer, das nach Lavendel und getrocknetem Jasmin duftet. Der Teppich ist dezent gemustert und in hellen Farben aber angenehm für die Augen, vielleicht sogar ein bisschen bieder. Zwei Betten stehen, eng an die Wand gedrückt, im Norden und Süden. Da das Südbett am Fenster steht und die Kommode bis auf ein riesenhaftes Duftkissen darin frei war, habe ich diese Seite bezogen. Es fühlt sich ein bisschen an, wie damals, als ich bei Meister Ludran in die Lehre ging und zusammen mit einem Taugenichts, an dessen Namen ich nicht mehr denken möchte, die Lehrlingsstube unter dem Dach der Apotheke bewohnt habe. Die vergessene Sorglosigkeit der Jugend durchströmt mich, die alltägliche Schwere scheine ich in Mohnfelde gelassen zu haben. Gut so, denn voraussichtlich werde ich eine ganze Weile hierbleiben. Die neue Anschrift habe ich Beatha, Miliwayna, Lenja und natürlich auch Ana zukommen lassen. Ana, wenn sie wüsste...
Vor zwei Tagen war ein Mädchen hier im Hospital, die meine Beherrschung unwissentlich mehr als nur herausgefordert hat. Auch sie hat meine Erinnerung angeregt und Bilder hervorgerufen, die ich zu lange nicht betrachtet hatte. Von Begegnungen im Wald, den Wiesen und im Kornfeld. Vielleicht lag es an den dunklen Haaren oder dem ähnlichen Körperbau, drahtig und knabenhaft. Auf jeden Fall war da etwas in ihrem Blick. Die Vorsicht, nein Furcht darin. Doch zu ihrem Glück waren die Augen Blau wie ein Sternsaphir, nicht Grün wie der Frühling und selbst dieses Grün kann unterschiedlich aussehen. Ich habe ihr nur den verletzten Finger versorgt und sie mit einem wohlgemeinten Rat wieder in die Nacht entlassen. Zu früh, zu gefährlich und zu einfach das Ganze.
Wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich sie noch kurz vor mir und bevor die Erinnerung sie verändert und an andere Gesichter anpasst, wird sie Teil dieser Skizzensammlung.
Luka Ehrenfeld.

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Verfasst: Sonntag 19. Januar 2025, 15:26
von Rahes Aurelian Aschenborn
Der Tag war zu schön, um im Kellerlabor zu sitzen, doch noch erwartete ihn im Erd- und Obergeschoss der Apotheke nichts als freie, sonnengeflutete Räume. Und Kälte, die durch die Mauerritzen gekrochen kam und sich selbst in den Dielen festsetzte. Trotzdem saß er nun hier oben am Fenster, das den Garten und das dazugehörige Türchen so gut überblicken ließ. Eine Kiste diente als Sitz, zwei Kisten als Pult und eine einfache Wolldecke als Wärmequell. Die Spitze des Krähenfederkiels zuckte in der Luft, bereit zu schreiben, doch er konnte sich noch nicht überwinden. Im Moment war er sich auch einfach nicht sicher, was er schreiben sollte. Nicht, dass es ihm an Material fehlte, nein, es war eher zu viel und drängte in ganz verschiedene Richtungen.
Die Skizze aber war schon fertig.
Eigentlich zwei Skizzen, doch die eine hielt er noch für einen anderen Tag zurück, wenn er die Früchte seiner Arbeit etwas sicherer ernten konnte und sie nach süßer Wonne keinen bitteren Nachgeschmack hatten. Die Zahnreihen pressten sich aufeinander und der Kiel begann sein Werk.

19.Hartung 268

Mein neues Heim, meine Apotheke.
Ein großer Schritt in die Richtung, die ich gehen möchte und muss, ist getan. Doch wird noch viel Zeit und Arbeit hineinfließen und sie wird nicht annähernd die Größe der anderen, der ersten Apotheke haben. Das wäre auch unbedacht, denn ich habe hier keinen Gärtner, keine Hausmagd und keine Schüler. Hier bin ich der Schüler und auf mich selbst gestellt. In den meisten Fällen zumindest. Natürlich will ich nicht leugnen, dass ich Unterstützung bekomme und mir in anderen Lebenslagen Unterstützung auch einfach nehme, doch im Großen und Ganzen bin ich auf mich selbst gestellt. Also keine zu großen Apotheken, keine zu gewagten Schritte.
Womit wir schon am Punkt sind, der meinen Puls beschleunigt:
Die Fährte. Sie ist frisch und führt in ein Gebiet, das es mir sehr schwer macht, weitere Schritte sicher zu planen. Noch brauche ich mehr Informationen, mehr konkrete Namen. Doch bin ich guter Dinge, dass mir genau diese über kurz oder lang in den Schoß fallen werden.
Wie so manches in den letzten Tagen...
Leider war bisher immer ein Wermutstropfen dabei, der dafür gesorgt hat, dass es nicht ganz rund lief und ein bisschen von Freude oder Vorfreude verderben konnte. Gestern war es nur ein Satz. Ein einziger Satz mit wenigen Worten, der mich in Rage versetzt hat, weil er der bitteren Wahrheit entsprach. Ich bin kein Narr, ich kann mir eingestehen, wenn etwas nicht so ist, wie ich es gerne hätte aber es war nicht ihr Platz, besonders nicht zu diesem Zeitpunkt, mir das unter die Nase zu reiben. Sie wird es mir büßen. Bald schon, bald.
Doch ist es nicht ihre Skizze, die das Ende des Eintrags schmücken soll!
Da ist noch ein Fräulein, das langsam Misstrauen in mir weckt. Sie ist es auch, die mir die ersten Informationen zuspielte und sogar Weitere erbrachte. Aber beim ersten Gespräch darüber, schwenkte ihre Gutgläubigkeit kurz um und sie ließ mich schwören, dass ich im Verlauf meiner Jagd kein Gift einsetzen würde. Nicht, dass mir das schwerfiel, doch der Gedankengang alarmierte mich und zeigte offen, dass sie mir nicht vertraute. Natürlich habe in mich entrüstet gezeigt und etwas später war der Umgangston wieder mild, ohne Schärfe.
Gestern dann das zweite Paket voller Informationen, die sie mir freundlich erbrachte und dabei so naiv, so einfältig sprach. Meine erste Einschätzung dieser Frau war eine ganz Andere, doch gestern redete sie wie ein ungebildetes Bauernmädchen, das nur Schwarz von Weiß unterscheiden kann. Jemand, der in Adoran wohnt und so denkt, studiert nicht auf K'awi oder ist nicht ganz richtig im Kopf. Im Moment bin ich mir sehr sicher, dass es in ihrem Fall nicht der letzte Punkt ist. Also bleibt die Frage, warum sie versucht mich in Sicherheit zu wiegen und was sie bereits hinterfragt.
Bevor es mir zu gefährlich werden kann, bat ich sie, erst einmal nichts mehr zu erfragen. Sie darf nicht mit ihr sprechen, denn sonst habe ich ein Problem mit einem Namen.
Mara Schusterwald.


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Verfasst: Dienstag 28. Januar 2025, 21:38
von Rahes Aurelian Aschenborn
Die Müdigkeit drang durch die Glieder bis in die Fingerspitzen. Irgendwo hatte er es vermisst selber anzupacken, zu studieren und einer Arbeit nachzugehen, die einen scharfen Geist, Erfahrung, Genauigkeit und Geduld brauchte. All diese Qualitäten konnte er aufweisen und es schmeichelte ihm auch, dass die neue Meisterin manchmal suchen musste, um Themen zu finden, in denen er ihr nicht mindestens gewachsen war. Aber auf der anderen Seite stach es ein wenig nicht die Position zu bekleiden, die er sich in Mohnfelde und Schwarzwasser unter der Gilde der Apothecarii nach und nach erarbeitet hatte. Die Arbeiten an der Apotheke gingen zwar voran, doch auch da war es die Geduld, die seine Laune im Lot hielt. Oh und die Spiele, all die kleinen, feinen Spiele. Die Szenen, die er sah, wenn er die Augen schloss. Manche davon gehegt und gestriegelte Erinnerungen, Andere dann noch Wunschträume. Alle flossen sie in das Skizzenbuch und hatten so viele, hübsche Gesichter, doch war es das eine Antlitz, welches sich immer wieder in seine Arbeiten schlich, das er im Moment zu verdrängen versuchte. Die Erfüllung seiner kühnsten Vorstellungen im Bezug auf die Spur hatten ihn unvorsichtig und angreifbar werden lassen. Dass diesen Umstand aber gerade jemand bemerkt hatte, der einen prächtigen Spielball abgegeben hätte, machte ihn nervös.
Zuerst die Magierin mit ihrem kindlich braven Gebaren, hinter dem wahrscheinlich weit mehr steckte, als sie durchscheinen ließ und nun gerade dieses... Kind. Schnell lenkte er seine Gedanken wieder zurück zur Arbeit und lauschte, wollte das Geklapper des Geschirrs hören, den Duft frischer Küchlein riechen aber noch war sie kein Teil des Hospitals. Noch.


28.Hartung 268

Ein weiteres Mal bin ich alleine im Hospital, denn Esther hat sich zu früh zurückgemeldet und sitzt jetzt einen Steinwurf entfernt in ihrem Heim und wird hoffentlich endlich ruhen, bevor sie sich am Ende die Lunge aus dem Leib husten muss. Es ist interessant wie schlecht sie auf ihre eigenen Anweisungen hört und noch schlechter kann sie den eigenen Rat befolgen. Hoffen wir, dass sie sich bald wieder auf dem Pfad der Genesung befindet. Ich habe mal gelesen, dass kleine Mädchen nicht vom rechten Weg abkommen sollten aber vielleicht trifft das auf Esther gar nicht zu, denn sie kommt mir nicht wie ein kleines Mädchen vor und im Moment habe ich die Möglichkeit direkt zu vergleichen. Natürlich ist es vor allem der mentale Zustand, welcher sie zu einem kleinen Mädchen macht aber mir ist das nur recht. Ihre Naivität erleichtert mir so viel, dass ich mich manchmal sehr zurückhalten muss, um nicht laut zu lachen, wenn sie mir wieder einmal alles abkauft, was ich ihr so erzähle. Schade nur, dass sie die bald enstehende Apotheke so selten aufsucht, das leere Gebäude wirkt so noch ein wenig leerer.
Aber dafür erfüllt ein neues, warmes Licht meine Nachmittage mit den rotglühenden Funken der Abendsonne. Ein Blick nur aus dem Fenster und wenn ich den Hof nebenan gut sehen kann, dann erspähe ich das kleine Feldfeuer. Immer wieder und immer so deutlich. Es sind die roten Locken, welche im Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne wahrlich wie helle Glut aufleuchten. Ich bin mir nicht sicher, ob der Hospitalsgeist sie eingefangen hat oder ob sie uns selber so direkt in die Arme gelaufen ist aber plötzlich haben wir da eine Köchin und Bäckerin. So viele süße, sündige Verführungen und ein Name, der sie verbindet:
Tessaija Arda Arcanthus.


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Verfasst: Dienstag 11. Februar 2025, 14:53
von Rahes Aurelian Aschenborn
Irgendwann erwachte er auch aus dem Halbschlaf, der ihn bis weit in den Vormittag begleitet und den Morgen mit einer Flut an Trugbildern der Sehnsucht versüßt hatte. Doch als er die Augen blinzelnd aufschlug und nach einem wohligen Strecken beiseite tastete, war der Platz neben ihm im Bett, wie gehabt, leer. Die Ernüchterung traf nach solchen, lebhaften Träumen nahe am Wachzustand, besonders heftig. Holte ihn auf den Boden der Tatsachen, wie ein Eimer voller Eiswasser. Mit einem knurrenden Laut setzte er sich verdrießlich auf und schob sich aus dem Bett. Ohne auch nur daran zu denken, sich halbwegs anzukleiden, bahnte er sich den Weg aus dem Schlafgemach durch die halbe Apotheke und schließlich ins Obergeschoss hinauf, wo sein Schreibpult, und darin eingeschlossen, das Skizzenbuch auf ihn wartete.
Es war hier oben zwar nicht einmal im Ansatz so mollig warm, wie im gut beheizten Schlafgemach aber dank der letzten Glut des Küchenfeuers nebenan auch nicht wirklich kalt. Er griff nach einer seidig weichen Decke, die etwas unordentlich über dem Lesesessel hing und schlang sie einmal um die Lenden. Dann ließ er sich nieder, langte nach der Tinte und dem Kiel, um zu beginnen…


11.Eisbruch 268

Freuden.
Viele, sündig süße, schöne Freuden.
Geschichten von Jägern und Wölfen, kleine Episoden, in welchen beide Antagonisten ihre Natur auslebten. In einer davon wird von einer kleinen Magd berichtet, die sich zu weit in den finsteren Wald gewagt hat, nur um eine wichtige Lektion in Sachen blindes Vertrauen zu erhalten. Oder der Part, an welchem eine junge Frau feststellen muss, dass sie ganz ohne es zu wissen ausgezogen war, um das Fürchten zu lernen und auch nicht ahnte, dass die Reise gerade erst angefangen hatte. Dann war da auch noch die Stelle, in der es um einen Wettlauf mit einem Häschen ging, den dieses bereits vor dem Startsignal verloren hatte. Viele schöne, erquickende Geschichten. Aber nur für kurze Zeit und dann wird der Geschmack schal, die inhaltsreichen Bilder trübe und die Leere verdrängt das prickelnde Gefühl der Lebendigkeit. Ich bin kein junger, verträumter Narr, ich weiß, dass nichts wirklich ewig währt. Dass allein das Wort seiner Bedeutung spottet. Aber ich weiß auch, dass ich etwas eingefangen hatte, was meinem Bild von Ewigkeit nahe kam. Was diese Leere nicht nur füllen konnte, sondern mich nährte. Meine Seele fütterte und das Leben, einem Jungbrunnen gleich, durch meine Adern rauschen ließ.
Doch was man fangen kann, vermag einem auch zu entwischen. Verfluchte Feenwesen mit ihren süßen Verlockungen, sie sind schwer zu fassen und leicht zu verlieren. Wie hatte der junge Taran beim Tee salopp gesprochen? Feen erfüllen einem Wünsche, wenn man sie darum bittet? Oder lieb fragt? Oh, sie erfüllen Wünsche, durchaus richtig, doch mit einer Frage oder Bitte hatte das genau genommen gar nichts zu tun. Im Gegenteil. Aber deshalb war der eingeschlagene Weg der Richtige. Genau deshalb muss ich Miliwanyas verweinte Briefe ignorieren, Beathas oder Lenjas Kopfschütteln abkönnen und es bleibt auch gar keine Zeit, um sich Gedanken über die anderen Grazien zu machen, welche weit über dem Meer, in Schwarzwasser oder Mohnfelde zurückbleiben mussten. Irgendwann werde ich wieder zurückkehren, doch erst, wenn ich zurückbekommen habe, was mir gehört.
Ich denke, ich habe einen weiteren Schlüssel zum Ziel hin gefunden. Man muss ihn noch schleifen, formen und polieren aber er wird seinen Zweck dann erfüllen, da bin ich mir nun sehr sicher. Es gibt Menschen, die verlieren ihre Naivität nicht einmal, wenn das Leben ihnen täglich ein Bein stellt und sie immer und immer wieder auf die Nase fallen. Diese besonders unschuldigen, armen Seelen sind geradezu prädestiniert Anderen auf den Leim zu gehen, lassen sich spielen und instrumentalisieren, wie… Schlüssel eben.
Die Frage ist nur, ob du im Laufe deines Schlüsseldaseins irgendwann darauf kommen wirst, dass du damit von Anfang an eine jämmerliche Beschützerin warst,Pip Appelholm.


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Verfasst: Sonntag 6. April 2025, 23:20
von Rahes Aurelian Aschenborn
Bis vor wenigen Momenten hatte er noch die Liste zusammengeschrieben, die ihm Esther an Besorgungen aufgetragen hatte und dabei mussten die Gedanken ihre eigenen Wege beschritten haben. Die letzten Gespräche mit Beatha und Miliwanya hatten ihm die Sorge bestätigt, dass er doch mehrfach im Laufe des Jahreswandels die Reise nach Mohnfelde antreten musste, um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig die Augen auskratzten, beziehungweise vergifteten. Er konnte noch nicht einmal sagen, wer hier den Kürzeren ziehen würde, dafür waren sie zu sehr Feuer und Eis. Wo Miliwaynas Leidenschaft aufglühte, der Zorn brannte und der Hass loderte, da behielt Beatha den kühlen Kopf, plante eisig und führte ohne große Emotionen dann aus. Sein Besuch konnte die Wogen fürs Erste glätten und sowohl seine Schülerin, als auch Mili wieder auf die rechte Spur bringen. Aber es war kein Zustand auf Dauer, dessen war es sich durchaus bewusst und damit bedeutete es weitere Reisen in die Wahlheimat. Müde wanderte der Blick der düsteren, sturmgrauen Augen durch den Raum und blieb an dem zweiten, noch leeren Pergament hängen. Ohne wirklich bewusst darüber nachzudenken, hatte er bereits danach gegriffen und es näher herangezogen. Leise begann der Kohlestift kratzend über die leicht raue Oberfläche zu gleiten und jeder Abdruck verlieh der Form ein wenig mehr Anmut, Feinheiten, ein Gesicht.
Zuletzt erhob er sich, um nach dem Skizzenbuch, der Tinte aber auch blauer und goldbrauner Bernsteinfarbe zu suchen.


06. Wechselwind 268

Begegnungen sind es und die damit verbundenen Eindrücke, die mich verfolgen. Auch wenn ich die Augen schließe. Es war richtig nach Mohnfelde zu reisen und ich habe ausgiebig gekostet, was mir dort zu Verfügung steht und im selben Moment schmerzlich zu spüren bekommen, was mir weiterhin verwehrt bleiben wird. Die Augen, in denen bedingungslose Liebe lodert, sind so blau wie der Himmel an einem strahlenden Morgen und nicht erfüllt vom unergründlichen Farbton des lockenden Sommersees. Ja, ich verbrachte auch einige Tage und Nächte in Goldkronach und bis jetzt verfolgt mich der zarte Duft ihrer goldblonden Locken. Jede Umarmung, jeder Kuss ein kleiner Stich und alle zusammen haben diese ewige, alte Wunde wieder aufgerissen. Die unsichtbare Entzündung schwand aber nun blutet sie erneut still und schmerzhaft.
Ich bin ein Tor.
Ein Narr.
Sie hat mich dazu gemacht und weiß davon. Das kann ich in ihren Gesten, Worten, dem Lächeln und auch in den seegrünen Augen sehen. Weib, du hast mich gebunden und glaubst, alles an mir tanzt noch folgsam, wenn du an den Stricken ziehst, nicht wahr? Oh Ana, wenn du wüsstest...
Wenn du wüsstest, dass ich zerbreche, was du geschaffen hast!
Wenn du wüsstest, dass ich verfolge und jage, was du beschützen wolltest.
Wenn du wüsstest, dass mir gehört, was einst dein war!
Rache ist nicht bitter, sie mundet süß.
Und die Spur, von der ich glaubte, sie verloren zu haben, ist wieder wärmer geworden und ich sehe das Ziel vor mir, wenn ich die Augen schließe. Nein, ich muss die Augen dazu nicht mehr schließen. Gestern sah ich ihr Abbild in einer jungen Frau mit blaugefärbten Haaren. Ich bin mir nicht sicher, was es auslöste, denn genanntes Fräulein ist zwar schmal aber nicht annähernd so feenhaft wie sie. Auch sie hat ein Band aus Sommersprossen, doch sind die Gesichtszüge darunter nicht so fein und vollkommen. Hübsch ist sie, ganz ohne Zweifel aber auch das verblasst im Vergleich und vor allem fehlt das Feuer im Blick ihrer Augen. Dennoch hast du mich kurz an sie erinnert und ich stellte mir die Frage, ob du mein Ziel kennst, Ragai Mirkow.


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Re: Sammlung: Notizen, Skizzen, Impressionen

Verfasst: Sonntag 2. November 2025, 12:06
von Rahes Aurelian Aschenborn
Nobilia Appelholm…
Diese Kombination war der blanke Hohn!
In seinem Haus war sie unter Temoras gestrengem Blicke aufgewachsen, hatte Zucht und Ordnung gespürt, nur um sich nun wie ein Flittchen an das Fell des Panthers zu schmiegen! Er keuchte kurz auf und musste sich zurückhalten, um nicht aufzuschreien, denn das hätte sie vorgewarnt und sie lief ihm gerade doch so schön in die Arme.
Aus dem unterdrückten Schrei wurde ein leises Grollen und zahniges Grinsen. Immerhin hatte der Titel nicht nur all das bestätigt, was man ihm an Informationen hatte zukommen lassen, sondern ein konkretes Ziel gesetzt.
Gefunden, nach all den Monaten, die zu zwei quälenden Jahren zusammengewachsen waren. Gefunden! Jetzt kam sie schon näher und aus der zierlichen Silhouette wurde tatsächlich das Mädchen, das ihm entkommen war. Die junge Frau, verbesserte er sich und wusste bereits, dass das Grinsen sinistere Züge angenommen hatte.
Cecilias Brief hatte ihn nachdenklich gestimmt und eine Weile die Jagd schleifen lassen, denn in ihren freundlichen, arglosen Worten erkannte er Elises Gemüt und diese Erinnerungen schmerzten auf eine ganz andere Art und Weise als die stetige Abweisung durch Ana Appelholm, Mutter der verdammten kleinen Hexe dort am Waldpfad.
Waldpfad…
Auch der Umstand des Aufeinandertreffens erheiterte ihn mit einem Schuss Wahnwitz!
In Referenz an das Gespräch und den Disput mit Tess, hatte er hier die Protagonistin seiner Allegorie gefunden. Das unvorsichtige Mädchen im Wald, abgekommen vom Weg und sich keiner Gefahr bewusst, bis es dann zu spät war.
Er duckte sich, machte sich zum Sprung bereit und entschuldigte sich noch ein letztes Mal gedanklich bei jenen, die ihm eine so viel weißere Weste zugestanden hatten.
Dann packte er zu und riss sie förmlich mit sich.

01. Rabenmond 268
Habe ich dich endlich, meine Sae Appelholm.


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