Stein schleift Schere
Verfasst: Freitag 13. Dezember 2024, 04:05
Da stand sie nun. Die wahrscheinlich schlechteste Schmugglerin der Welt.
Sie hatte grade noch ihre zusätzlichen Stoffwickel um den Stein gebunden
und fragt sich gar wie blöd sie eigentlich sein muss. Für einen Stein. Für
einen lausigen Stein, der aussah wie jeder andere Stein auch. Und doch
war es kein gewöhnlicher Stein. Er war besonders. Ein besonderer Stein,
nur für sie. Ihr geheimes Projekt. Und sie durfte sich diesen Felsbrocken
auf gar keinen Fall wegnehmen lassen. Genau deshalb hat sie ihn versteckt.
Gut versteckt? Nun ja, jeder in der Bank wusste jetzt bescheid. Aber was
soll's? Ein Wachmann und eine Bankerin. Genau genommen waren beide
ja Frauen. Und Frauen halten doch zusammen. Außerdem was sollte es
Tineke und Marinnia scheren was Neschdana mit ihrem Stein anstellt?
Also watschelte sie nun wie eine schlanke hochschwangere Frau mit ihrem
bescheuerten Felsbrocken über den rutschigen Schnee gen Bajarder Tor.
Sie hatte ja schon Angst, dass es sie umbringen würde, wenn sie nur aus
der Bank heraustreten würde. Eine vereiste Treppe, einmal ausgerutscht
und über den Schnee geschlittert nur um dann im Hafenbecken jämmerlich
zu ersaufen. Was waren das nur für zermürbende zwei Minuten gewesen?
Und dabei musste sie nur um die Ecke. Ihre Nerven lagen blank. Und doch
hat sie es geschafft. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, weil sie es
nicht riskieren wollte auf den matschigen Wegen auszurutschen. Also nahm
sie lieber den schmalen wenig genutzten Bereich am Rand, der zumindest
noch durch Eiskristalle und gefrorenes Gras ein wenig Halt versprach.
Erschöpft und geschafft stand sie schnaufend hinter dem Tor. Hier draußen
dämmerte ihr, dass jede Etappe ihrer Reise gefährlich werden würde. Vom
Aufbruch über die Bemühung bis hin zu ihrer Erkenntnis und dem Bericht.
Doch ein Schritt nach dem anderen. Sie hatte sich schon einen kleinen Plan
zurechtgelegt. Als Erstes musste sie etwas herumprobieren. Sie brauchte
also einen sicheren Ort und etwas Werkzeug. Zum Glück gab es in der Nähe
von Bajard viele leerstehende Behausungen, in denen man fündig werden
könnte. Darunter auch die Überreste der ihr unbekannten Magierakademie.
Zu ihrem Glück war der Weg frei von Banditen. Was man über den anderen
Pfad nicht behaupten konnte. Mit letzter Kraft, zusammengebissenen Zähnen
und unter angestrengtem Ächzen hob sie ihren falschen Bauch, welchen sie
bisher mit beiden Armen fest umschlungen hielt, auf eine der Arbeitsflächen.
Es war ein dunkler kürbisgroßer Klotz. Hier und dort hatte er Spuren einer
Bearbeitung durch Werkzeuge. "Ja, das ist ein Fels." Dachte sie sich und
schnaufte wirr aus als sie sich ihrer aktuellen Situation bewusst wurde.
Wie verrückt das alles klang. Wie nebulös dieser ganze Umstand zu greifen
war. Und doch musste sie sich nun darin zurechtfinden. Einen Stein ohne
metallene Werkzeuge zu bearbeiten. Das sollte doch wohl machbar sein!
Wie hat man bitteschön sonst das allererste Mal Metall gegossen? Irgend-
einen Weg wird es da schon geben. Spätestens, wenn man ihn von einem
hohen Turm aus auf Wasser wirft oder ihn auf eine steinerne Fläche fallen
lässt muss er doch zerspringen. Aber erstmal musste sie antesten, ob er
sich nicht auch einfach mit anderen Felsen bearbeiten lässt. Immerhin gibt
es auch Speer- und Pfeilspitzen aus Feuerstein. Einfach zwei Steine gegen-
einander schlagen und schauen, ob sich dadurch etwas absplittern lässt.
Die bis ins Mark hinein entsetzende Frage jedoch ist: Was ist, wenn sich in
diesem Stein überhaupt nichts verbirgt? Was, wenn er einfach nur in tausend
Stücke zerbricht und das war's? Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie ihr
geschieht, würde dieser kostbare Stein nichts als Enttäuschungen enthalten.
Sie musste ganz dringend noch zu einem Magier. Und zu einem fachkundigen
Bergmann, der sich mit Felsbrocken auskennt. Vielleicht müsste sie ja eine
besonders vorsichtige Technik anwenden oder könnte gar eine spezielle
Form aus diesem wertvollen Felsen herausbekommen. Dann müsste sie sich
nur noch den Kopf darüber zerbrechen, was das für eine Form werden sollte.
Nun aber erstmal der Machbarkeitsbeweis. Sie griff einen herumliegenden
Trümmerbrocken und klopfte diesen Gegen die klobige dunkle Kugel. Klock.
Nichts geschah. "Hm, dann eben fester." Diesmal nahm sie ein wenig mehr
Schwung. Plock. Wieder nichts. Nun holte sie bis weit über ihren Kopf hinweg
aus und hämmerte nach wie vor etwas zaghaft auf den robusten schwarzen
Felsbrocken hernieder. Die Angst etwas unwiederbringlich zu vernichten war
einfach noch zu groß, weshalb sie sich nur nach und nach und unter aller-
größter Vorsicht erlaubte kräftiger auf ihren kleinen Schatz einzuschlagen.
Sie hatte grade noch ihre zusätzlichen Stoffwickel um den Stein gebunden
und fragt sich gar wie blöd sie eigentlich sein muss. Für einen Stein. Für
einen lausigen Stein, der aussah wie jeder andere Stein auch. Und doch
war es kein gewöhnlicher Stein. Er war besonders. Ein besonderer Stein,
nur für sie. Ihr geheimes Projekt. Und sie durfte sich diesen Felsbrocken
auf gar keinen Fall wegnehmen lassen. Genau deshalb hat sie ihn versteckt.
Gut versteckt? Nun ja, jeder in der Bank wusste jetzt bescheid. Aber was
soll's? Ein Wachmann und eine Bankerin. Genau genommen waren beide
ja Frauen. Und Frauen halten doch zusammen. Außerdem was sollte es
Tineke und Marinnia scheren was Neschdana mit ihrem Stein anstellt?
Also watschelte sie nun wie eine schlanke hochschwangere Frau mit ihrem
bescheuerten Felsbrocken über den rutschigen Schnee gen Bajarder Tor.
Sie hatte ja schon Angst, dass es sie umbringen würde, wenn sie nur aus
der Bank heraustreten würde. Eine vereiste Treppe, einmal ausgerutscht
und über den Schnee geschlittert nur um dann im Hafenbecken jämmerlich
zu ersaufen. Was waren das nur für zermürbende zwei Minuten gewesen?
Und dabei musste sie nur um die Ecke. Ihre Nerven lagen blank. Und doch
hat sie es geschafft. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen, weil sie es
nicht riskieren wollte auf den matschigen Wegen auszurutschen. Also nahm
sie lieber den schmalen wenig genutzten Bereich am Rand, der zumindest
noch durch Eiskristalle und gefrorenes Gras ein wenig Halt versprach.
Erschöpft und geschafft stand sie schnaufend hinter dem Tor. Hier draußen
dämmerte ihr, dass jede Etappe ihrer Reise gefährlich werden würde. Vom
Aufbruch über die Bemühung bis hin zu ihrer Erkenntnis und dem Bericht.
Doch ein Schritt nach dem anderen. Sie hatte sich schon einen kleinen Plan
zurechtgelegt. Als Erstes musste sie etwas herumprobieren. Sie brauchte
also einen sicheren Ort und etwas Werkzeug. Zum Glück gab es in der Nähe
von Bajard viele leerstehende Behausungen, in denen man fündig werden
könnte. Darunter auch die Überreste der ihr unbekannten Magierakademie.
Zu ihrem Glück war der Weg frei von Banditen. Was man über den anderen
Pfad nicht behaupten konnte. Mit letzter Kraft, zusammengebissenen Zähnen
und unter angestrengtem Ächzen hob sie ihren falschen Bauch, welchen sie
bisher mit beiden Armen fest umschlungen hielt, auf eine der Arbeitsflächen.
Es war ein dunkler kürbisgroßer Klotz. Hier und dort hatte er Spuren einer
Bearbeitung durch Werkzeuge. "Ja, das ist ein Fels." Dachte sie sich und
schnaufte wirr aus als sie sich ihrer aktuellen Situation bewusst wurde.
Wie verrückt das alles klang. Wie nebulös dieser ganze Umstand zu greifen
war. Und doch musste sie sich nun darin zurechtfinden. Einen Stein ohne
metallene Werkzeuge zu bearbeiten. Das sollte doch wohl machbar sein!
Wie hat man bitteschön sonst das allererste Mal Metall gegossen? Irgend-
einen Weg wird es da schon geben. Spätestens, wenn man ihn von einem
hohen Turm aus auf Wasser wirft oder ihn auf eine steinerne Fläche fallen
lässt muss er doch zerspringen. Aber erstmal musste sie antesten, ob er
sich nicht auch einfach mit anderen Felsen bearbeiten lässt. Immerhin gibt
es auch Speer- und Pfeilspitzen aus Feuerstein. Einfach zwei Steine gegen-
einander schlagen und schauen, ob sich dadurch etwas absplittern lässt.
Die bis ins Mark hinein entsetzende Frage jedoch ist: Was ist, wenn sich in
diesem Stein überhaupt nichts verbirgt? Was, wenn er einfach nur in tausend
Stücke zerbricht und das war's? Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie ihr
geschieht, würde dieser kostbare Stein nichts als Enttäuschungen enthalten.
Sie musste ganz dringend noch zu einem Magier. Und zu einem fachkundigen
Bergmann, der sich mit Felsbrocken auskennt. Vielleicht müsste sie ja eine
besonders vorsichtige Technik anwenden oder könnte gar eine spezielle
Form aus diesem wertvollen Felsen herausbekommen. Dann müsste sie sich
nur noch den Kopf darüber zerbrechen, was das für eine Form werden sollte.
Nun aber erstmal der Machbarkeitsbeweis. Sie griff einen herumliegenden
Trümmerbrocken und klopfte diesen Gegen die klobige dunkle Kugel. Klock.
Nichts geschah. "Hm, dann eben fester." Diesmal nahm sie ein wenig mehr
Schwung. Plock. Wieder nichts. Nun holte sie bis weit über ihren Kopf hinweg
aus und hämmerte nach wie vor etwas zaghaft auf den robusten schwarzen
Felsbrocken hernieder. Die Angst etwas unwiederbringlich zu vernichten war
einfach noch zu groß, weshalb sie sich nur nach und nach und unter aller-
größter Vorsicht erlaubte kräftiger auf ihren kleinen Schatz einzuschlagen.