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Hingabe und Gier

Verfasst: Samstag 19. Oktober 2024, 09:18
von Damos Void
..die Stille des Tempels wurde nur durch leisen Atem und gelegentlichem Rascheln des blutroten Stoffes der Robe unterbrochen, als der junge Catulus gemessenen Schrittes seine Pflichten erfüllte. Das Flackern der unzähligen Kerzen erfüllte die weite Haupthalle mit tanzenden Schatten, warf skurille Muster an die Wände. Normalerweise behruigte die Atmosphäre des Heiligtums seinen aufgewühlten Geist, doch..es war viel geschehen. So vieles war an Erlebnissen und Eindrücken auf ihn eingeprasselt, das er mitunter kurzweilig Probleme hatte, die Routineaufgaben mit gebotener Effiziens zu erfüllen. Ein leises Knurren verließ seine Kehle und er spürte deutlich in seinem Inneren den Zorn aufbrodeln, seine heißen Strömme durch seine Adern schicken und schließlich die schwarzen Schlieren des Haßes, in genau diese zu brennen. Unter anderen Umständen genoss er diese Emotionen, waren sie doch unschätzbar wichtiger Bestandteil seines Glaubens und Ausbildung. Erst, als die letzten Barrieren von Zurückhaltung und falscher moralischen Vorstellungen durch seine Weihe hinweggespült worden waren, spürte Damos die grenzenlosen Möglichkeiten seiner Selbst. Er war befreit worden, der Allmächtige hatte ihn angenommen, der gerade verheilte Biss in seiner Schulter mitsam der klerikalen Kraft, zu welcher er nun fähig war, ließ keine Fragen offen. Seine Gedanken glitten zurück auf dem Pfad der Vergangenheit, während seine Hände und Beine der Routine gehorchten.

Die Stimme seines Erzeugers, spöttisch und tadelnd zugleich, erreichte seine Sinne. Er solle sich mehr anstrengen, sonst ende er als Ketzer, würde nicht bestehen vor der Herrin der Fammilie Void. Anfangs hatte sich Damos eingeredet, dieses Gebaren würde ihm tatsächlich helfen. Helfen zu verstehen, Zusammenhänge erkennen und somit seinen Platz erkennen. Doch wurde schnell klar, das sein Platz bereits vordefiniert war und offenkundig derart viel Entäuschung mit sich brachte, das diese ihm mit allen Mitteln eingebläut werden sollte. Nicht einmal die Vorgehensweise und die daraus resultierenden körperlichen Schmerzen waren es, die den Zorn und Haß des jungen Damos schürten. Viel entscheidender war die Verachtung, welche der Pein folgte. Sein Erzeuger war ein Heuchler, der Milde predigte, Phrasen von sich gab und für viele, offenbar ein leuchtendes Beispiel von Tugenden und Diziplin abgab. Doch Damos und auch seine Mutter wußten es besser. Bei der ersten Gelegenheit, verließ Damos seine Heimat, onehin verband ihn damit nichts. Heuchler, Betrüger und Verblendung, dafür bedurfte es nicht einmal besonderer Aufassungsgabe. Still sein und beobachten..unsichtbar sein und nur allzu schnell zeigten so viele Menschen die Ansätze ihres wahren Ichs. Es war fast zu einfach, grundsätzlich war der Haß,Eigennutz,Rachsucht und Zorn wilkommene Emotionen, doch bedienten sich diese Ketzer jenen heiligen Gedanken und leugneten doch die Quelle. Leugneten die Notwendigkeit, den Genuss und die Macht, welche sie durch die Adern strömmen ließ. All das, all seine Gedanken wurde schließlich bestätigt. Selbst in der kleinen Küstenstadt Bajard frisch angekommen, stieß er hier exakt auf dieselbe verklärte und fehlgeleitete Haltung. Vorverurteilung und sogar Gewaltdrohungen, von Verbrennungen war schnell die Rede. Nicht die Diener des Allmächtigen sprachen dies aus, nicht Tetrarch Athes, nein. Auch hier waren es die Blender Temoras, voller Hochmut und keinerlei Demut, brabbelten sie ihre Phrasen. Selbst sein späterer Besuch in ihrer Hauptstadt erbrachte die letzte Antwort, welche er brauchte. Mit einem weiteren, diesmal verächtlichen Knurren, ließ er seine Gedanken in die jüngste Vergangenheit wandern.

Die Weihe..sie war nicht mit Worten zu beschreiben, zumindest kannte er keine dafür. Die Intensität der Emotionen, die begleitende Ehrfurcht und das Wissen, endlich angekommen zu sein, erfüllte ihn noch immer ganz und gar. Der Allmächtige selbst, hatte ihn begutachtet und für..geeignet befunden. Selbst die anwesenden Tetrarchen hatten ihren Blick geändert, wo voher Kälte und Zweifel gestanden hatten, war nun..Aktzeptanz zu sehen. Natürlich musste sich Damos beweisen, nichts anderes wäre aktzeptabel, auch nicht für ihn selbst. Alles, was ohne Mühen erlangt werden konnte,war wertlos und führte lediglich zur Verwässerung allen Begehrens. Der allgegenwärtige metallische Geruch des Blutes, das Wispern des Blutbeckens, die allumfassende Präsenz Alatars..all das war kaum zu beschreiben. Etwas hatte sich in Damos erhoben, eine Gier und Verlangen, welches maßloser nicht sein konnte. Als sich Wochen später abermals der Allmächtige seinen Dienen mitgeteilt hatte, waren jene Empfindungen nur noch verstärkt worden. Die Gestalt aus pulsierendem Blut hatte ihm direkt betrachtet, als es sich bewegte waren Tropfen des Blutes in sein Antlitz gespritzt. Einem Instinkt und der Gier folgend, schnellte seine Zungenspitze über seine Lippen und die Intensität nahm noch zu. Der junge Catulus würde diesen unvergleichlichen Geschmack niemals wieder vergessen..und er wollte mehr..viel mehr. Diese Gier rüttelte..brüllte..knurrte und kratzte an seinem Gefängniss aus Diziplin,Stärke und Glaube. Das spürte Damos genau und er genoß es, war sich aber auch der Gefahr bewusst. Zügellosigkeit war nur bis zu einem gewissen Maß Alatares gefällig.
So verbarg er es, so gut er es vermochte und nutzte den Zorn, welcher die Enthaltsamkeit verursachte.

Er beobachtete und lernte, die Tetrarchen hatten diese Emotionen gezügelt, am hervorstechendsten war dies bei dem Erhabenen Athes. Er wirkte stets voller Wut und Haß und doch kontrollierte er all dies, nutzte die daraus resultierende Macht in Wort und Tat. Schließlich war auch Demian Athes, der ihn jene Fragen in Bajard stellte, welche seine letzten Schritte zur Befreiung einleiteten. Er hatte Damos klar aufgezeigt, was möglich war, wenn man die Antworten wirklich annahm. Eine solch entscheidene Erkenntniss, war niemals das Werk seines eigenen Vaters gewesen. Einst hätte ihn diese Schlußfolgerung geschmertzt, heute stärkte sie ihn auf seinem Weg, ließ seine Verachtung nur noch höher lodern. Das letzte Wort war noch längst nicht geprochen, die letzte Hand noch nicht erhoben. Noch war Damos nicht soweit, als Catulus durfte er noch nicht im Namen des Tempels sprechen. Doch dies würde sich ändern und letztlich würde sein Erzeuger entweder entsagen oder brechen. Leiden würde er sicherlich, wie jeder andere Ketzer auch.

Dan der feige Überfall von Ketzer Kreaturen auf Düstersee, jener korrumpierende Präsenz, dessen Nachhall auf schmerzhafte Weise in die Köpfe von ihm und Catulus Bes, eingedrungen war. 2 treue Bürger waren auf bestialische Weise ermordet worden und auf brutale Art und Weise arangiert worden. Nur die behertzte Verteidigung von den stationierten Soldaten war es zu verdanken, das nicht mehr Opfer unter der Bevölkerung waren. Insbesondere Landsknecht Ingres hatte sich bewährt, wenngleich Damos ihn auch erst versorgen musste, sowohl Körper als auch Geist. Schließlich, nach Rezetieren der ersten Gebote und Erinnern an seine Ausbildung, konnte Ingres einen detalierten Bericht über den Übefall abgeben. Danach hatte der Nachhal jener Häresie insbesondere die beiden Catuli derart atackiert, das nur der heilige Boden des Tempels, diese Korrumpierung löste. Der Allmächtige hielt seine schützende hand über seine Diener und gab ihnen den Befehl und die Macht, dieser Häresie zu trotzen. Als direkte Antwort auf diese Attacke waren direkte Maßnahmen eingeleitet worden, Tempel als auch Garde und Bruderschaft waren in höchster Alarambereitschaft. Das Kriegsrecht wurde unmittelbar ausgerufen und die Bevölkerung einmal mehr aufgefordert, jede noch so nichtige, verdächtige Beobachtung zu melden.

Damos würde seine Kampfübungen intensivieren und gerade in Düstersee Präsenz zeigen, mit der Bevölkerung sprechen. Zwar durfte er noch nicht im Namen des Tempels sprechen aber durchaus in seinem, im vollem Bewußtsein seines Glaubens. Die Menschen suchten Schutz und Führung, waren teils verängstigt und blickten mit Furcht in die Nacht. All das bestärkte seine Entschlossenheit und ließ weiteren Zorn aufsteigen. Die Ketzer waagten es also, in SEINEM Reich zu agieren..IHN herauszufordern mit ihren erbärmlichen Kreaturen. SEINE Bürger zu ermorden. Das war eine Kriegserklärung und würde keinerlei Zögern nach sich ziehen. Seine Schreie sollten also köstlich hallen, er wäre so alleine..? In Damos Gesicht bildete sich ein raubtierhaftes Lächeln. Der Ketzer glaubte also ernsthaft, sie wären die Beute? Narr, gleich welch Macht, letztlich würden sie alle knien......


Schmerz und Erhalt

Verfasst: Mittwoch 18. Dezember 2024, 19:30
von Damos Void
..einen Moment lang schloss der junge Catuli seine Augen und versuchte sich mit grimmiger Miene, dem unsäglichen Pochen in seinem Kopf weiter zu stellen. Seine Rechte ballte sich zur Faust und ein lautloses Knurren verließ seine Kehle. Während der Stich in seinem Oberschenkel, zufriedenstellend heilte, bereitete ihm die Nackenwunde noch immer massive Probleme. Ob es nun an der Empfindlichkeit der Körperstelle an sich handelte oder weil dieser präszisse gesetzte Schnitt aus der feingliedrigen aber grausamen Hand Ihrer Schmerzmentorin ausging, vermochte er nicht zu sagen. Noch immer hallte das fast sanfte Wispern in seinem Ohr wieder, als sie hinter ihn geglitten war. Fast liebkosend strich die schmale Dolchklinge an seinem Hals entlang, selbst Damos Atem verlief flach, die knieende Haltung fast regungslos. Ganz bewusst wehrte er sich gegen seinen kämpferischen Instinkt, welcher ihn einen Lidschlag lang veranlasste, die Schulter und Nackenmuskulatur anszuspannen. Das kaum wahrnehmbare Rascheln der schweren Robe, ein erneutes Wispern, dan das Unausweichliche. Seine onehin angespannten Sinne, noch weiter befeuert durch das verbrannte Rauschkraut, rollten sich zusammen, einer Peitsche gleich. Dan der Schnitt..langsam und nicht zu tief, doch Damos spürte genau,wie sein empfindliches Fleisch sich teilte. Sofort fingen die Wundränder an zu brennen und sein Körper zuckte einmal auf. Er spürte genau,die trügerisch sanfte Berühung von Fingerspitzen, wie sie über die Wunde fuhren. Clerica Velvyr'tae liß sich Zeit, erklärte was das eigentlich bloße Wort überhaubt bedeuete, welche Facetten es haben konnte und was am wichtigsten schien, wie genau diese Qual zur Vervollkommnung führte.

Auch die Antlitze seiner Mitcatuli bemühten sich um Reglosigkeit und keine Änderung der Mimik oder Haltung blieb verborgen. Die Clerica hatte ihre Schüler bewusst so angeordnet,das sie sich ins Gesicht blicken konnten und auch sollten. Teilhaben am Schmerz der anderen, darin eine gemeinsame Stärke finden und..vorbereitet sein. Sie waren von IHM berührt und waren SEINE Werkzeuge, Inbrunst,Eifer und Ehrfurcht formeten seinen Geist und Körper. Früher hätte der junge Mann diese Entwicklung mit Unverständniss und Skepsis betrachtet, doch seit einigen Schlüsselerlebnissen, hatte er geahnt, das es so viel mehr gab. Das jenes ketzerische Verhalten seines Erzeugers und seiner ehrlosen Meute, weder unebeobachtet noch konseqenzenlos blieb. Die Welt besaß Strukturen, jeder hatte seinen Platz..Damos hatte seinen gefunden. Er spürte SEINE Gunst durch seine Adern rauschen, SEINE Ungeduld und Zorn, anfangs überwältighte ihn das alles. Ließ ihn wie im Rauch taumeln, sich ergötzend und gleichzeitig voller Ehrfurcht vor dieser allumfassenden Macht.

Fast gewaltsam riß sich Damos aus diesen Erinnerungen, der aufklingende Schmerz bei einer zu schnellen Kopfbewegung, tat sein übriges, um seine Konzentration wieder auf das hier und jetzt zu richten.

ERHALT

Die neue Aufgabe für die Catuli war anspruchsvoll und hatte keinerlei Platz für Fehler. Trotz des engen Zeitplanes, war überstürtztes Handeln weder angebracht noch zielführend. Daher bat er um ein Termin mit der Wissenshüterin Nobilia Treuwind. Die vorrangegangenen Gespräche waren stets angenehm und informativ. Die Nobilia enstammte aus dem Volk und war aufgrund ihrer Leistungen, in den Verdienstadel gerufen worden. Ein Umstand, der neben ihres starken Glaubens und scharfen Verstandes, Damos Respekt abnötigte. Sie höhrte zu und verstand die Sorgen als auch Ängste der Bürger.Allein schon deshalb, sollte nach Damos Meinung, der Tempel ihr sehr genau zuhöhren. Obgleich sie eine Verwundung ausheilte, empfang sie den Catulus und brachte ihm exakt die weiterführenden Informationen, welche er benötigte. Sie erklärte die Zusammensetzung von Pottasche, worauf es bei dem Harz ankam und in welcher Prozedur, man es erhielt. Zusammen mit seinen eigenen und Catulus Horatios Überlegungen, waren die nächsten Schritte zügig klar.

Gerade wichtige Informationen, das jenes Harz aus Zypressen oder Zedern gewonnen werdne sollte und das Achten auf die Salzqualität, wie auch den Einsatz des Weihrauches, beseitigten Fehlerquellen. Das die gewonnene Pottasche schon seit langer Zeit im alatarischen Reich vielfältig genutzt wurde, wie zum beispiel bei der Herstellung von Seife, war ihm bis dahin unbekannt. So höhrte er sehr genau zu,hakte nach und machte sich Notizen, unterstrich das eine oder andere zusätzlich. Die Asche trocknete das noch vorhandene Weichgewebe, während die Wirkung des Harzes die Konservierung weiter unterstützte und dem Körper einen gewissen Schutz verlieh. Der beigemengte Weihrauch sorgte für Wohlgeruch und unterdrückte eventuell sich bildende Störgerüche.

Die Behandlung der Innereien verlief nahezu gleich,obgleich man diese mittels eines minimalen Schnittes im Brustkorb voher entfernen konnte und später der Hülle beistellte. Eine standesgemässe Maske für das verherrte Antlitz,sowie Kleidung machten die Hülle dan schlußendlich vorzeigbar,nüchtern betrachtet. Natürlich handelte es sich hier um keine gewöhnliche Hülle, sie war jene des verstorbenen Alkas und wurde mit aller Würde und Ehre behandelt. genau aus diesem Grund,musste die ganze Prozedur fehlerfei verlaufen.Einen tiefen Atemzug ausstoßend, bückte sich Damos und betrachtete kritisch, einige kleinere Äste, welche er aufgesammelt hatte. Mit einem Nicken verschwanden diese in einem Korb, allmählich vervollständigten sich die notwendige Menge an Ingredenzien.......

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