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[Q] Verwoben mit den Ahnen wir sind...
Verfasst: Sonntag 6. Oktober 2024, 22:48
von Der Erzähler
Seit einigen Tagen legt sich im frühen Morgengrauen ein sanfter Nebel über die rauen Küsten von Sturmouve. Das Wasser wird spürbar kälter, und der Winter kündigt seinen nahenden Einzug an. Doch noch singen die Vögel ihr fröhliches Lied und heißen den Herbst in all seinen Farben willkommen. Der dichte Wald, der sich um das Dorf schmiegt, erstrahlt in einem warmen Goldbraun, das verspielt zwischen den Bäumen tanzt. Die Thyren gehen ihren gewohnten Tätigkeiten nach, und das Dorf pulsiert im Rhythmus des alltäglichen Lebens.
Holz wird gehackt, und aus der Räucherei steigt wohlriechender Rauch in die klare Luft. Die Waschweiber stehen lachend am Ufer und hängen ihre Wäsche auf, während ihre lauten Gespräche von den Winden der Klippen getragen werden. Der Jäger kehrt mit frischem Wild zurück, ein Triumph der Jagd, den er stolz durch das Dorf trägt. Alles scheint friedlich.
Doch ein aufmerksamer Beobachter, der sich an die steilen Klippen wagt, mag innehalten. Die Wellen brechen hart an den Felsen, als wollten sie das Land selbst warnen. Ein unheilvoller Hauch liegt in der Luft, der über das tosende Meer weht. So ruhig der Morgen auch erscheinen mag, das Gefühl eines nahenden Sturms scheint die Stille zu durchbrechen. Vielleicht sollte man das Meer im Auge behalten...

Verfasst: Montag 7. Oktober 2024, 07:27
von Kari Hinrah
Wie beinahe jeden Tag rückt Kari ihre Reuse zum Angeln an den Klippen Sturmouves auf ihrer rechten Schulter zurecht, um diese versehen mit einem ansehnlichen Köder aus Fischresten, Muschelresten und Talg weit von sich zu werfen. Der Ausschwung gelingt, die Reuse landet wie erhofft in der tosenden Gischt. Gerade solche Morgen liebte sie, das Meer brandet aufgebraust und überraschend unberechenbar, so trägt es in der Gischt oft einen Schatz oder eine der begehrten Karten mit sich in der Reuse, die durch die Brandung frei gespült wurden. Kräftig ruckt die Thyrin an der Schnur, nach einer Veränderung im Gewicht fühlend, den Horizont im Blick und den Tag willkommen heißend, voller Stolz und Ehre was zu erwarten sei. Immer wieder schweift ihr Fokus gen Horizont, prüfend was die Schnur der Reuse im Gebrause noch auszuhalten vermag, bevor sie diese lieber hereinzieht, denn es scheint ihr kein gewöhnlicher Morgen zum Angeln zu sein. Heftiger als sonst zerrte das Meer an der Leine die sie zu bändigen suchte, gerade zu aufgepeitscht scheint es. Sich fester in den Untergrund stemmend und sich gerader reckend, das Ende der Angelschnur nun auch mit dem Fuß sichernd fühlt sie nach der Verbindung zur Reuse, ihr Augenmerk gen der Brandung und des Horizontes gerichtet.
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2024, 00:37
von Djurgeirr Mandre
Die Dunkelheit hatte Wulfgard noch fest im Griff, wenngleich am Horizont schon die ersten Anzeichen für die nahende Morgendämmerung zu erkennen waren. Djurgeirr schälte sich gerade aus seinen Fellen um sich für seinen ersten Rundgang des Tages fertig zu machen. Die Nächte wurden langsam kalt aber das war für die Jahreszeit nicht weiter ungewöhnlich. Er wusch sich mit etwas kaltem Wasser aus seinem Zuber und legte anschließend seine Rüstung an. Er prüfte jeden Riemen doppelt erst dann legte er auch die Waffengurte an und steckte seine Waffen ein. Er sog tief die kalte Morgenluft ein als er die durch die Tür seines Zimmers auf die Palisade im ersten Stockwerk des Forts trat. Zu Erst drehte er eine Runde über die Wehrgänge des Forts um ein wenig mit den Wachen zu palavern und sich zu erkundigen ob die Nacht ruhig verlaufen war. Er war kaum überrascht dass dem so war. In den knapp zwei Mondläufen die er nun hier bei den Sturmheulern weilte war es stets recht ruhig gewesen bis auf die Schlacht bei den Kaluren gegen einen gefallenen Gott der Städder.
Er verließ schließlich das Fort um seinen Rundgang fortzusetzen. Er entzündete eine Laterne um das von vereinzelten Fackeln an den Wegen spärliche Licht etwas zu verstärken. Die Umgebung lag still. Nichts bewegte sich mit Ausnahme der Wachen die, einige zusammen mit ihren Wachwölfen auf den Wegen patroullierten. Wenige Minuten später erreichte er das Westtor, welches auf seinen Wachgängen immer das zweite Ziel war. Auch hier war alles ruhig wie nicht anders erwartet. Er spähte eine Weile in die Dunkelheit welche sich allmählich lichtete. Feine Nebelschwaden noch nicht so dicht wie sie in einigen Wochen sein würden aber doch schon reichlich vorhanden erhoben sich langsam von Wiesen und Feldern. Stille lag auch über den Nahen Wäldern. Nur vereinzelt konnte man noch einen letzten Ruf einer Eule oder den Laut eines anderen Nachtjägers vernehmen die sich jedoch allmählich auf ihre Bäume oder in ihre Höhlen zurückzogen beinahe so als ob sie den nahenden Morgen fürchteten.
Sein Weg führte ihn dann weiter in südlicher Richtung an einem der Höfe vorbei und dann am Fluss entlang zu den Ruinen in denen sich allerlei Getier…. Riesige Spinnen, gräßliche Vogelweyber zu tummeln pflegten und immer wieder zurückkehrten egal wie viele man von Ihnen vernichtete. Unzählige Male hatte er seit seiner Ankunft die Zahl dieser Untiere dezimiert wie auch viele andere Clanner und doch war es Ihnen nicht gelungen diese Gefahr für das Rudel entgültig zu bannen.
Doch ein paar Verrückte Vogelweyber und eine Handvoll zu großer geratener Spinnen machten ihm keine allzu große Sorge. Das Rudel war stark und zu jeder Zeit aufmerksam und so hatte man diese Gefahr stets unter Kontrolle. Er setzte seinen Weg fort in Richtung der Schamanenhütte und dem Hain. Von dort aus führte ihn sein Weg an den anderen Höfen vorbei über den Markt und dann zu den Nördlichen Palisaden. Auch hier mussten die Wachen stets auf der Hut sein. Tollwütige Eisbären , Eistrolle und auch Frostzweiköpfe machten die Nördlichen Ausläufer Sturmuoves zu einem unsicheren Gebiet das man tunlichst meiden sollte wenn man ungerüstet ist und nur leicht bewaffnet. Er lachte bei dem Gedanken….. Ungerüstet und Leicht bewaffnet verließ er als Schwert des Clans seine Kammer nicht einmal. Doch obwohl in der Regel alle Thyren sich im Gegensatz zu den Städdern im Umgang mit Waffen verstehen ist es nicht angeraten ohne Begleitung eines Schwertes oder eines Wolfsheulers in Nördlicher Richtung die Sicherheit der Siedlung zu verlassen.
Sein letztes Ziel bei seinen Wachgängen war stets der Hafen wo er sich meist eine Weile an die Spitze des Piers stellte und eine Weile aufs Meer hinaus schaute. Doch etwas schien heute anders zu sein. Ein ungewöhnlicher Wind der ihm bisher kaum aufgefallen war wehte hier direkt an der Küste. Das Meer war stärker als sonst in Bewegung, was man am allerbesten an den Schiffen im Hafen erkennen konnte die deutlich stärker als sonst auf dem Wasser wogten. Er ging eine Weile am Strand entlang und beobachtete das Meer wie es an die Klippen prallte. Auch der Himmel am Horizont über dem Meer erschien ihm anders als gewohnt. Ein seltsames Gefühl überkam ihn und kurze Zeit stellten sich ihm sogar die Haare im Nacken ohne dass er selbst hätte sagen können warum. Das Meer war immer ein Ort ungebändigter Kraft ist es doch das Reich der Leviathanin. Doch selbst wenn es im Sinne der Jahreszeit liegt, dass die Eisige Jungfer , welche in der Hitze des Sommers Kühle schenkt der Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit der Leviathanin ein Stück weit weicht, so liegt doch eine Ungewöhnlichkeit in der Bewegung des Meeres und dem beinahe seltsam anmutenden Hauch der mit dem Wind vom Meer her auf die Insel weht.
Beinahe scheint es als wäre das Meer selbst in Aufruhr vor einer drohenden Gefahr. Für einen Moment huschten Bilder in seinen Gedanken von den Geschichten der Alten von Raugaroth dem Dämonenwal der so wurde erzählt das Schiff seiner Vorfahren versenkte und nur zwei Handvoll hatten überlebt und wurden an der Insel angespült die den größten Teil seines Lebens seine Heimat gewesen war. Wieder spürte er ein unangenehmes Kribbeln im Nacken als sich erneut seine Haare aufstellten, und er schalt sich selbst einen Narren als er sich dabei ertappte das Meer nach dem Riesigen Dämonenwal abzusuchen.
Eine Weile sinnierte er ob er sich das vielleicht einbilde, aber wie er die Tatsache in Gedanken auch drehte und wendete so kam er unweigerlich zu dem Ergebnis dass es angeraten wäre das Meer in nächster Zeit genauer im Blick zu behalten. So machte er sich auf den Rückweg, bat die Wachen im Hafen das Meer im Auge zu behalten und alle ungewöhnlichen Veränderungen sofort zu melden. Zurück im Fort nahm er sich ein Holzbrett zur Hand um eine Nachricht an die anderen Schwerter und den Jarl zu verfassen in der sie über seine Beobachtungen und Befürchtungen in Kenntnis setzte.
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2024, 15:56
von Olov Hinrah
Die Sonne ging gerade erst auf, mit den ersten Strahlen, als Olov mit einem Keiler im Nacken von der Hatz zurück kam. Er hatte nicht vor direkt das Tier zu schlachte, so legte er kurz vor dem Fort neben Elof ab.
"Wenn dat ding nachher weg sey… holst dey n neues!"
Sprach er mit einem schmalen Grinsen gen Elof und begann auch schon seine Pfeife zu stopfen. Denn das wollte er, den Morgen mit Ruhe und seinen Gedanken verbringen.
Verloren in Erinnerungen und eins mit seiner Umwelt. Frieden war es was er an diesem Morgen suchte.
So trug es ihn an das Süd-Östliche Ufer Stumouves und er suchte sich einen Platz unweit des Leuchtturmes. Er setzte sich einfach nur in das Gras und lehnte den Leib bequem an einen Felsen. Eine ganze Weile verstrich und er saß gedankenverloren, in süßlichem Rauch eingehüllt und den Horizont betrachtend, nur da.
Die Welt war hell geworden und klar. Das Leben kehrte ein und die Wellen sangen mit ihrem rauschen ein Lied für den Morgen. Doch plötzlich schien es als würde der Horizont selbst klagen. Nicht laut, leise von den Wellen mitgetragen.
Er nahm seine Pfeife aus dem Mund und betrachtete ruhig den Bauch jener Pfeife prüfend. "Komisches Kraut" - Sprach er in Gedanken und steckte sie jedoch schnell wieder in den Mund und lehnte sich abermals bequem an den Felsen. Der Hintern ruckte etwas hin und her, bis der kurz vermisste Frieden wieder einkehrte.
Nicht lange brauchte es bis ihn dieses Gefühl wieder beschlich, doch diesmal schien es seine Brust zerdrücken zu wollen. Das Klagelied wurde immer lauter, ohne eine Stimme zu haben, Wut und Zorn schwang mit den Wellen, ohne eine Emotion zu zeigen. Er legte ruhig die Pfeife ab und ging wie im Sog direkt an den Rand der Klippe und besah das Meer. Nichts von dem was er fühlte, sah er oder hörte es. Es war Frieden um ihn herum. Seine Augen und Ohren schienen in täuschen zu wollen, also wollte er "fühlen". Der Einherjer kniete sich hin und legte die Hand flach auf den Boden vor sich. Als sich seine Augen schlossen begann er deutlich langatmiger zu atmen. Die Welt um ihn herum, erfragen wollend. Ob das Kraut wirklich nur zu wild war, oder spürte er wahrlich etwas, dass noch gar nicht da ist. So vergingen viele Herzschläge in dieser Haltung bis der Hüne einfach nur tief erschrocken aufsprang. Die Zähne gebleckt als hätte ein Bär den Wolf angegriffen. Die Fäuste geballt taumelte er etwas nach hinten, sein Gesicht finster und sein Geist geplagt. Erst als er mit der Ferse an dem Stein anstieß, der zuvor als Lehne diente, besinnte er sich und lockerte den Leib. Nicht vollkommen, doch nach und nach kam er wieder in das hier und jetzt.
So stand er da, mit dem Blick auf das Meer gerichtet.... er sah Frieden.
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2024, 21:48
von Der Erzähler
Der Tag hatte bereits düster und neblig begonnen. Das Meer zeigte eine unheilvolle Unruhe, und der Wind frischte stetig auf, als wolle er das Kommende ankündigen. Schon am Morgen zeichnete sich ab, dass der Abend in Sturmouve von etwas Bedrohlichem heimgesucht werden würde. Die Gischt toste und schäumte wild, als versuche das Meer, Aufmerksamkeit zu erregen. Die donnernden Wellen brachen lautstark an den Klippen, und selbst im Fort konnte man das unaufhörliche Krachen hören. Der Leuchtturm war an jenem Abend besonders hell und schien mit flackernden Flammen die Schiffe auf See zu warnen, als das Feuer plötzlich noch höher aufloderte.
Unvermittelt erklang das dröhnende Signalhorn des Hafens, laut und eindringlich, und machte jeden auf das aufmerksam, was sich am Hafen von Sturmouve abspielte. „TRÜMMER! SCHIFFSTRÜMMER ÜBERALL!“ hallte der aufgeregte Ruf aus den Wachtürmen. „TRÜMMER WERDEN ANGESPÜLT!“
Es dauerte nicht lange, bis das Horn die letzten Bewohner aus dem Fort zum Hafen trieb. Aufgeregt und mit Sorge in den Gesichtern blickten die Thyren auf das Chaos, das sich vor ihnen ausbreitete. Plötzlich drang eine leise, schwache Stimme durch das Tosen des Meeres. „Hi...lf...e,“ keuchte ein im Wasser treibender Thyre, der sich verzweifelt an ein zerborstenes Fass klammerte.
Mit vereinten Kräften gelang es den Thyren, ihn aus den eisigen Fluten zu retten, die über die verstreuten Schiffstrümmer schwappten. Der Mann war abgemagert und dem Tode nahe, doch die Farben des Clans Wikrah waren deutlich an seiner Kleidung zu erkennen. Als er schließlich festen Boden unter den Füßen hatte, flüsterte er nur ein einziges Wort: „Ulf...“ Noch bevor die Thyren das Ganze fassen konnten, packte der Sterbende den Arm von Jarl Thorlav und murmelte kraftlos: „Du musst sie retten... nach Süden... es ist dunkel, düster... groß... mächtig... es wird sie alle vernichten. Du musst sie retten... Einher...“
Mit diesen Worten hauchte Ulf sein Leben aus, und sein letzter Atemzug entwich in die stürmische Nacht. Der Jarl, erschüttert und doch voller Entschlossenheit, rief seine Krieger zusammen. Die Hörner erklangen erneut, dieses Mal, um die besten Kämpfer von Sturmouve zu mobilisieren. Waffen wurden geschärft, Rüstungen angelegt, und ein leises Flüstern ging durch die Reihen. Jeder wusste, dass etwas Düsteres auf sie zukam, und sie waren bereit, sich der Herausforderung zu stellen.
Doch was würde sie im Süden erwarten?
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2024, 23:12
von Thorlav Hinrah
Die Entscheidung war gefallen.
Sie würden dem Gesuch von Ulf folgen und gen Süden segeln.
Etwas mächtiges, dunkles würde sie dort erwarten. Alles sprach dafür.
Die unguten Vorahnungen der Claner. Die beunruhigenden Worte des Einherjers zu seinen eigenen Erfahrungen und letztlich die eindringlichen Worte des sterbenden Brottrs.
Doch wenn ein Thyre eines nicht war. Dann feige!
Sie alle kannten die Angst, verspürten sie auch, doch ließen sich von ihr nicht kontrollieren.
Er selbst verbrachte, nachdem die Claner den Toten in den Hain gebracht hatten, noch lange am Ufer. Dort starrte er, gefangen von seinen eigenen Gedanken, auf die schwarze See hinaus und konnte leztendlich keine Ruhe finbden. Also führten ihn seine Schritte dann irgendwann, mitten in der Nacht in den Hain, wo Norwin und Lykka die Totenwache hielten, dort kniete er sich neben den toten Wikrah.
Du hast großen Willen un unendliche Stärke aufgebracht um deinen Auftrag zu erfüllen un uns zu erreichen. Du hast dem Tod getrozt un dein Blut für dein Rudel gegeben. Die Ahnen werden mit Stolz auf dich hinabblicken. Deine Aufgabe is beendet Brottr un die Sturmheuler werden dem Ruf folgen. Begib dich nun mit erhobenem Haupt und Stolz im Herzen auf deine letzte Reise.
Ein ganze Weile kniete er noch schweigend neben dem Verstorbenen, die eigene Pranke flach auf dessen ausgemerkelte Brust gelegt, ehe er dann wortlos, lediglich mit einem Nicken zu Lykka und Norwin, den Hain verließ um sich selbst auf die Reise vorzubereiten.
In den folgenden Tagen würden sie also die Fluchbrecher seetüchtig machen.
Sie mit Proviant, Ersatzmaterialien, Werkzeugen und Waffen beladen. Vorallem mit Waffen. Lange Speere wurden verlangt, schwere Harpunen und genügend Klingen und Pfeile um drei Dämonen der See für immer zurück in die Tiefen von Helheim zu schicken.
Die Hände würden also nicht viel Schlaf finden. Aber wer würde das schon?
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2024, 23:45
von Norwin Hinrah
Aufgebahrt auf einem Scheiterhaufen, der aus Holz aufgeschichtet war, legen die Claner den Verstorbenen im Hain nieder. Wer mag er wohl zu Lebzeiten gewesen sein? So viele Fragen blieben unbeantwortet doch glaubte man zumindest seinen Namen erfahren zu haben.
Ulf vom Clan der Wikrah, war getrieben durch die rauhe See, auf Treibgut an die Küste Sturmouves gespült worden. Schwer gezeichnet erreichte er noch Wolfsfjord um seine letzten Worte zu überbringen, ehe er seinen letzten Atemzug tat. Worte die es wert waren durchzuhalten, die Tortour zu überstehen, bis sie letztendlich überbracht wurden.
Der Ahnenwächter legte viel Wert darauf, dass der Leichnam auf ganz bestimmte Weise seinen Platz fand, bevor er seine letzte Reise antreten könnte. Der Körper selbst wurde auf den Rücken gelegt, Arme und Beine in eine natürliche Ausrichtung gebracht und der Kopf durch ein gerolltes Fellbündel in eine leicht angehobenen Winkel gebracht. Es war die Ahnenruferin die dafür Sorge trug, dass die Augen weit geöffnet waren. Laternen deren Flammen im Dunkel der Nacht flackern. Horn samt Met und ein frischer Kilt der Wikrah wurden aus dem Lager geholt und dem Verstorbenen gereicht. Hölzernes Schnitzwerk in Form der verschiedensten Totems um den Körper verteilt. Das Gesamtbild vermittelt ein Gefühl von Würde und Respekt.
"Das Bild eines verstorbenen Nordmannes auf einem Scheiterhaufen ist eine eindrucksvolle Darstellung von Tradition und Ritual"
Er war alleine gekommen, doch sollte er nicht auch alleine gehen. So verweilten in dieser Nacht die Ahnenruferin und der Ahnenwächter an der Seite des verstorbenen Fremden.
Verfasst: Mittwoch 9. Oktober 2024, 19:51
von Djurgeirr Mandre
Mit einer Fackel in der einen und seinem Speer in der anderen ging er den Hafen entlang und dann den Klippen folgend in Richtung Norden. Sein Blick auf das Wasser in Ufernähe gerichtet wollte er prüfen ob noch ein Bruder oder eine Schwester wie der arme Ulf ans Ufer gespült wurden.
Seine Gedanken kreisten jedoch immer noch um die Vorkommnisse des heutigen Abends. Er war gerade vom Rundgang zurück zum Fort gekommen. Der Seegang war mittlerweile so stark geworden, dass man das Brechen der Wellen an die Klippen noch bis zum Fort laut und deutlich hören konnte. Unvermittelt erscholl plötzlich das Alarmhorn der Wacht.
Es dauerte nur wenige Herzschläge um den Ursprung des Hornes am Hafen zu verorten. Die Clanner griffen ihre Speere und Schilde soweit sie diese nicht ohnehin schon bei sich trugen. Mit langen Schritten und trotz der schweren Rüstungen kaum ausser Atem kamen sie nach kurzer Zeit am Hafen an.
Trümmer eines Schiffes , Fässer, Kisten und allerlei andere Schiffsuntensilien wurden von der starken Gischt an den Hafen gespült, und zerschellten dort teilweise unter der massiven Wucht der Strömung. „ Dort treibt ein Körper !“ Rief plötzlich eine der Wachen welche in höherer Position mit einem Fernrohr das Ufernahe Meer überblickte. Und tatsächlich konnten sie den treibenden Körper mit seinen Blonden Haaren und dem Blauen Kilt, der ihn als Mitglied des Clanes Wikrah auswies erkennen.
Im Ersten Moment hielt Djurgeirr ihn für tot, doch dann erkannte er dass der Thyre wenngleich auch recht schwächlich nach wie vor gegen das Wasser ankämpfte. Da er zu schwach war das ihm mehrmals zugeworfene Seil zu ergreifen hangelte sich Brytta schließlich am Seil entlang zu ihm hinunter während der Jarl, er selbst und Norwin das Seil hielten um die beiden dann aus dem Wasser zu ziehen.
Der Wikrah welcher auf den Namen Ulf hörte war völlig verhärmt und hatte offenbar lange Zeit nichts ordentliches gegessen oder getrunken. Er war sehr schwach und es war offensichtlich wenngleich sich das niemand eingestehen mochte, dass er in nicht allzu langer Zeit seine letzte Reise antreten würden.
Eindringlich mit weit aufgerissenen Augen welche wohl nur einen Bruchteil des Schreckens den er erlebt haben musste zum Ausdruck zu bringen vermochten redete er auf den Jarl und den Ahnenwächter ein. Er stand einige Schritt beseite und der Wind und das laute Brechen der Wellen am Ufer taten ihr übriges dazu dass es ihm nicht möglich war mehr als nur ein paar Gesprächsfetzen zu erfassen von dem was der Wikrah berichtete.
Von einem dunklen Schrecken sprach er und er flehte wir mögen nach Süden segeln den seinen zu Hilfe zu kommen. Norwin tat sein möglichstes dem Kerl zu helfen……. Schlussendlich hauchte er dennoch sein Leben aus und Norwin schloss ihm ein letztes Mal die Augen.
Sie bildeten Trupps um die Küste abzusuchen nach weiteren Überlebenden, oder im schlimmsten Fall Feinden die ebenfalls den Weg an ihre Küste gefunden haben mochten. Er selbst ging mit Lykka nach Norden doch schon nach einer nicht allzu langen Weile kamen sie alle erneut am Hafen zusammen und niemand hatte auch nur das geringste entdecken können.
Norwin kümmerte sich in der Zeit um den Leichnam Ulfs , wusch ihn machte ihn zurecht legte ihm neue Kleider an sowie einen Kilt seines Clans sodass er wie es sich für einen der unseren gebührt seine letzte Reise antreten konnte.
Der Jarl rief sie zusammen um die Vorkommnisse zu besprechen und um Möglichkeiten zu erörtern was man tun könnte oder müsste. Am Ende waren sich alle einig dass man den Worten Ulfs und nicht zuletzt dem schlechten Gefühl Olovs vertrauen wollte und es wurde beschlossen das Schiff seetauglich zu machen und in wenigen Tagen nach Süden zu segeln.
Den Leichnam Ulfs betteten sie auf einem Holzstapel der eilends angerichtet wrurde. Djurgeirr war es der den Leichnam vom Hafen in den Hain trug, und mit Schrecken wurde ihm gewahr wie leicht der Tote geworden war. Wer weiß wie lange er schon auf See war und wie viele Stunden er möglicherweise schon im Wasser trieb ehe er ans vermeintlich rettende Ufer gespült wurde.
Ein plötzliches Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken und brachte ihn blitzschnell in die Gegenwart seines Weges an den Klipppen entlang zurück. War dort etwas im Wasser ? Er leuchtete mit der Fackel etwas weiter nach unten konnte aber nichts sehen. Offenbar hatten ihm seine Ohren einen Schabernack gespielt oder er war einfach zu tief in seine Gedanken gesunken und hatte es sich nur eingebildet.
Zurück im Fort setzte er sich noch eine kurze Weile ans Feuer um sich zu wärmen und gönnte sich für die innere Wärme ein Horn voll „Trollkopp“. Das Fort lag ruhig die meisten waren wohl schon zu Bett gegangen oder noch nicht zurück gekehrt. Brytta würde die Nacht am Hafen verbringen und von ihm am Morgen abgelöst werden. Norwin und Lykka hielten Totenwacht bei Ulf und auch der Jarl war noch nicht ins Fort zurückgekehrt.
Schließlich nachdem das Horn bis auf den letzten Schluck der den Geistern gehörte und ins Feuer gegossen wurde geleert war zog er sich zurück in seine Kammer und legte sich in die Felle. Doch die beruhigende und betäubende Kraft des Schlafes wollte sich noch eine ganze Weile nicht einstellen. Zu viele Gedanken kreisten in ihm und als er am frühen Morgen geweckt wurde um Brytta abzulösen hatte er das Gefühl nur einen Wimpernschlag geschlafen zu haben.
Verfasst: Sonntag 13. Oktober 2024, 19:08
von Djurgeirr Mandre
In den Folgenden Tagen herrschte eine Betriebsamkeit in Sturmuove wie Djurgeirr sie seit seiner Ankunft noch nicht erlebt hatte, und manch anderer wohl auch noch nicht all zu oft. Der Bau des Forts hatte sicherlich ebenso viel wenn nicht mehr Arbeit erfordert, und doch war es dieses Mal etwas gänzlich anderes.
Sie bereiteten sich nicht auf einen Umzug vor sondern auf einen Kampf. Die Hände arbeiteten von Morgens bis Abends in ihren Werkstätten. Große Harpunen und Speere, Lange Seile in einem halben Dutzend unterschiedlichen Stärken und Längen. Holz wurde bearbeitet und Schiffsteile hergestellt die auf der Überfahrt möglicherweise kaputt gehen und ausgetauscht werden müssen.
Das Schiff selbst wurde auf Vordermann gebracht , Segel geflickt und an der einen oder anderen Stelle der Rumpf neu abgedichtet. Auf den Höfen wurden Lebensmittel hergerichtet, Fleisch und Fisch gepökelt um es haltbar zu machen. Niemand wusste wie lange sie unterwegs sein würden.
Mit jedem Tag wuchs die Spannung an. Ursprünglich war geplant nach 3 Tagen aufzubrechen, es erwies sich allerdings als zu optimistische Einschätzung. Fünf Tage sind vergangen seit Ulf angespült würde, doch nun waren die Vorbereitungen so gut wie abgeschlossen.
Vor allem die Schwerter und Wolfsheuler waren in beinahe freudiger Erregung. Jedem war der Ernst der Lage durchaus bewusst und auch die Tatsache dass ein nicht geringes Risiko bestand, dass der ein oder andere vielleicht nicht mehr zurückkommen würde. Doch dieser Umstand ließ einem Thyren nicht die Hosenbeine flattern. Ein jeder von Ihnen war bereit dazu und kein Thyre kneift wenn er seinem Jarl folgen kann und die Möglichkeit bekommt für sich und sein Rudel Ehre zu erringen.
Djurgeirr war seit Tagen von Morgens bis Abends auf den Beinen. Zwischen seinen Wachschichten und dem schleppen von diversen Kisten und Säcken an den Hafen…….. das war die einzige Arbeit für welche die Hände ihn brauchen konnten verbrachte er viel Zeit auf dem Übungsplatz. Er war seit Tagen angespannt im positiven Sinne. Er würde zum ersten Mal in seinem Leben mit einem Schiff auch solch eine Unternehmung fahren.
Viele Städder waren der Meinung Thyren würden keine Furcht empfinden, was natürlich nicht stimmte er würde allerdings nicht auf die Idee kommen ihnen das zu erzählen . Jeder spürte Furcht man musste nur dafür Sorgen dass die Furcht nicht seine Entscheidungen beeinflusste. Doch tatsächlich spürte er in dem Fall keine Furcht. Wenn er sich seine Brüder und Schwestern anschaute . Viele erfahrene Anundr und Einherjer unter ihnen war er sich sicher dass sie erfolgreich sein würden, und er viel dazu lernen würde in den nächsten Tagen oder Wochen wer wusste das schon genau zu sagen.
Verfasst: Sonntag 13. Oktober 2024, 23:17
von Jael
Nachdem Ulf bestattet wurde und seinen letzten Weg nach Anundraf angetreten hatte, hallten seine Worte lange in den Köpfen der Zurückgebliebenen nach. Nur wenige Tage nach dem Abflauen des Sturms an der Küste Sturmouves wurde die Fluchbrecher, ein robustes Nordmannschiff, wieder seetüchtig gemacht. Ihr Ziel: die Geheimnisse im Süden zu ergründen und Ulfs letzten Hinweisen nachzugehen. Vielleicht gab es noch jemanden zu retten – oder war es bereits zu spät?
Die Überfahrt begann ruhig, das Schiff schaukelte sanft auf den Wellen. Doch schon bald zog ein Unwetter auf, das sich als weit bedrohlicher erwies, als es zunächst schien. Je weiter sie nach Süden vordrangen, desto dramatischer wurde die See. Stürmische Wellen schlugen hart gegen den Bug, als hätten uralte, unbekannte Mächte sich erhoben, um den Weg zu versperren. Die Gischt toste und zischte wie wütende Geister, und es fühlte sich an, als würde unter der Wasseroberfläche ein erbitterter Kampf toben, dessen Auswirkungen über das Meer hinausreichten.
Zwei Tage lang kämpfte die Fluchbrecher gegen die entfesselte See, bis sich die Wellen schließlich beruhigten. In der Dämmerung tauchte eine Insel am Horizont auf, umhüllt von Rauch und Nebel. Über ihrem Zentrum wirbelte ein gewaltiger Zyklon, der die Luft mit einer düsteren Unheilverkündigung erfüllte. Das Schiff, vom Sturm schwer in Mitleidenschaft gezogen, benötigte einige Tage, um wieder in Schuss gebracht zu werden.
Als die Nordmänner schließlich an Land gingen, bot sich ihnen ein schauriges Bild: Eine noch rauchende Siedlung lag vor ihnen, durchzogen von Tod und Verfall. Der Gestank von verbranntem Holz und menschlichem Leid hing in der Luft. Was war hier geschehen? Vorsichtig bewegten sich die Männer durch das dichte Dickicht, stets wachsam, während der unheimliche Singsang, der aus der Ferne zu ihnen drang, immer lauter wurde. Als sie sich einer Lichtung näherten, erstarrten sie angesichts des Schreckens, der sich vor ihnen offenbarte.
Inmitten der Lichtung türmten sich die Leichen der Dorfbewohner wie für ein finsteres Ritual auf, während über ihnen der Zyklon tobte. Umgeben war dieses grausame Werk von zahlreichen Echsenwesen, die in einer fremden Sprache murmelten und dunkle, magische Rituale vollzogen. Ohne zu zögern, setzten die Thyren zum Angriff an. Einige der finsteren Kreaturen fielen unter ihren Hieben, doch die Gefahr war zu groß, um sich offen dem Feind zu stellen.
Rasch und lautlos zogen sich die Nordmänner zurück, tief in den Schutz des Waldes, wo sie dann ein Lager am nordöstlichen Strand errichteten. Dort, am wärmenden Feuer, begannen sie hitzige Diskussionen, wie sie dieser schrecklichen Bedrohung entgegentreten könnten. Die Toten Brüder und Schwestern, die auf der Lichtung lagen, verdienten eine würdige Bestattung, und die Nordmänner würden nicht ruhen, bis sie sicherstellen konnten, dass ihre Seelen nach Anundraf gelangen würden. Doch zuerst musste ein Plan geschmiedet werden, wie sie diese finsteren Mächte überwinden konnten.
Verfasst: Montag 14. Oktober 2024, 22:31
von Aegir Mandre
Der Eiswolf hatte nicht nur einmal Wulfgard hinter sich gelassen, um einer Queste zu folgen, die von anderen Clanern initiiert worden war. Es galt Befehle zu befolgen und dem Rudel zu Wohlstand zu verhelfen. Jedes Rudelmitglied, das er an seiner Seite wusste, hätte dies genauso getan und wie selbstverständlich das eigene Wohl hintan gestellt. Und so auch sein Handeln von Statten ging, als würde er ein Gedicht auswendig aufsagen, so kreisten seine Gedanken doch in andere Richtungen und verlierten einige Male ihren Fokus. Die Ablenkung, die in Felle eingewickelt, in den heimatlichen Fellen eingemümmelt lag, verabschiedete er mit einem liebevollen Kuss auf die Stirn. Sie versprachen sich kein Wiedersehen und legten auch keine Schwüre ab. Das, was passieren musste, würde passieren. Darauf hatten manch weltliche Methoden keinerlei Einfluss.
Ein Bündel Harpunen, zwei Schilde, zwei Klingen, die Axt, etliche Verbände, guter Skeppkopp-Schnaps, die polierte Rüstung und sein Markenzeichen eines Wolfszahn-Amuletts - alles, was eben zu einem Aegir Aaronson gehörte. Ein Wikrah war er nicht, aber er wusste, wo er effektiv mit anpacken musste und wo er besser nicht im Weg rumstand. Sonderlich geschickte Finger hatte er nicht, aber er konnte zupacken und tragen. So tat er es auch beim Beladen der Fluchbrecher, dem Schiff, das mit für seine Freiheit und sehr wahrscheinlich auch Lebensrettung verantwortlich war. In gewissem Maße fühlte er sich sogar mit dem robusten Stück schwimmendem Holz verbunden. Nur wenige Claner hatten sich am Hafen eingefunden, um den Trupp zu verabschieden, der sich in Richtung Süden aufmachte. Der Rest musste Notschichten einlegen. Auch das Tor wurde verschlossen, da die Wacht nur noch stark reduziert vertreten war.
Die Pranken krallten sich in die Reling, als die Wellen mit dem Schiff umgingen, als wäre es eine Nussschale auf einem reißenden Strom. Auch die anderen Claner versuchten dort halt zu finden, was sich ihnen anbot. Die Seile wurden festgezurrt und die eigenen Leiber damit ans Schiff gebunden, um zu verhindern, dass jemand über Bord geht. Hier draußen hätte dieser Jemand keine Chance und alle wussten, welches Ungeheuer in den Tiefen auf Thyrenfleisch und gar Seele lauerte. Die See zeigte sich in ihrer wildesten und ungebändigten Form. Das Nass peitschte ins Gesicht, dass die Kälte schmerzte, eisiger Wind schlich sich zwischen die Kleider und stach zwischen Rippenbögen, dass es einem den Atem raubte. Der hartgesottene Wolf hatte schon einige Stürme gesehen, erlebt und überstanden, aber hier wurde ein ganz neuer Gang eingeschlagen und auch machte ganz neue Erfahrungen, auf die er sich nicht vorbereiten konnte. Er fluchte, was Mundwerk und Lungen hergaben, beschwörte damit den Schutz der Ahnen und Geister, verfluchte jene Seeschlange, die nach ihrem Leben trachtete. Und obwohl die Fluchbrecher dem standhielt, tat er es nur für einen einzelnen Aufschlag nicht. Dem Schiff wurde buchstäblich durch eine Welle der Boden weggerissen und zog auch den Mandre von den Füßen, der krachend auf dem Hinterteil aufkam, dann mit einer kippenden Bewegung des Schiffs über das Deck geschliddert wurde. Soweit er es erahnen konnte, hatten Djurgeirr und Kari seinen kleinen Ausflug über die Holzplanken mitbekommen und auch den Tiefflug, der folgte, als er schnurstracks im Unterdeck landete. Zeit für Scham hatte er nicht, denn die ersten helfenden Hände waren auch schon zeitnahe da. Die Konzentration war zurück und die Sturheit der Sturmheuler würde auch diesen Sturm überstehen.
Sie taten es.
Als die besagte Insel erblickt wurde, ließ er es sich nicht nehmen sofort das Beiboot zu besteigen und so folgten ihm auch die, von denen es zu erwarten war. Trotzdem wurde das Beiboot auf zwei Fahrten aufgeteilt.
Der Anblick der toten Thyren löste in ihm sowohl Wut, als auch Entsetzen aus und hätte er seiner Wut freien Lauf gelassen, hätte er alle enttäuscht, die Vertrauen und Wissen mit ihm geteilt hatten. Er konzentrierte sich auf die Sache selbst und auf drohende Gefahren, die ihnen selbst drohten - nicht die, der bereits Vergangenen. Wie vom Holzbrett abgeguckt, formten sie den perfekten Schildwall und marschierten auf den Singsang zu, der aus Richtung einer Ritualstätte an die Thyrenohren herannahte. Nahkämpfer drückten Schild an Schild, überlagerten diese. Schützen suchten sich Freiräume und den nötigen Überblick, um die Szenerie einschätzen zu können. So waren sie auch bei den ersten Angriffswellen der Echsen erfolgreich, die an ihnen scheiterten, wie Wasser an einer Felsenformation. Dennoch, und das wusste auch der schwächste der Strategen, würden sie auf lange Sicht hin gegen eine solche Masse scheitern.
"Nicht heute, Sturmheuler. Nicht heute," dachte er sich noch, während sich die Wölfe in den Wald zurückzogen und manche Wolfsheulerin die Spuren verwischte, damit sie nicht verfolgt wurden. Mit wie viel Erfolg das gekrönt sein wurde, konnte man nur erahnen. Es war ein unbekannter Feind und die Mächte damit schwierig einzuschätzen.
Am provisorischen Lager machte er sich wieder nützlich und half zusammen mit seinem Clansbruder primär der Bunjam-Wolfsheulerin. Keine Zeit sich Gedanken und Sorgen zu machen. Sie mussten Fakten zu der Situation sammeln und seine persönliche Hoffnung ruhte auf Norwin und Yri. Sollte sich ein Plan abzeichnen, würden die Sturmheuler genau das machen, was sie am besten können: Überleben.

Verfasst: Dienstag 15. Oktober 2024, 22:09
von Der Erzähler
Der Abend begann unheilvoll. Von fern her drangen Schreie und fremde Stimmen durch das Dickicht, als sich die Sturmheuler auf den Weg machten. Der Himmel über ihnen war grau, von dichten Wolken verhangen, während ein dichter Rauch die Luft erfüllte. Der Geruch von Tod und verbranntem Holz lag schwer über der Szenerie. Thorlav, der Anführer der Gruppe, führte die Männer entschlossen an, sein Blick starr auf das Zentrum des Zyklons gerichtet, das drohend am Horizont schwebte. Jeder Schritt schien sie tiefer in das Grauen zu führen. Unbehagen machte sich breit, doch keiner von ihnen sprach es aus. Sie wussten, dass sie nicht mehr umkehren konnten.
Je näher sie dem Zentrum kamen, desto drückender wurde die Atmosphäre. Schatten huschten durch die Bäume, und das Rascheln von Laub schien aus allen Richtungen zu kommen. Das leise Zischen von Magie lag in der Luft. Plötzlich brach eine Echsenpatrouille aus dem Dickicht hervor. Die ersten Pfeile zischten durch die Luft, und die Sturmheuler erhoben ihre Waffen. Der Marsch ins Verderben hatte begonnen.
Die Echsenwesen, mit schuppigen Leibern und leuchtenden Augen, schossen aus allen Richtungen auf sie zu. Ihre Waffen strahlten eine unheimliche, bläuliche Energie aus, während sie magische Rituale vollführten. Doch es war nicht nur der Feind, der das Blut der Sturmheuler in Wallung brachte. Als sie auf eine Lichtung stießen, traf sie ein grausames Bild: Die Leichen ihrer gefallenen Brüder waren in makabren Stapeln aufgetürmt, Opfergaben für ....
Mit einem mächtigen Kampfschrei stürzten sich die Sturmheuler auf die Echsen, der Zorn in ihren Herzen loderte wie das Feuer um sie herum. Schwerter blitzten auf, Äxte und Schwerter krachten auf schuppige Häute nieder, und die Magie der Echsen explodierte in unheilvollen Schlägen durch die Luft. Die Schreie der Sterbenden, sowohl von Mensch als auch von Kreatur, vermischten sich mit dem Knistern der Flammen und dem dumpfen Dröhnen des Zyklons über ihnen der auch noch einige Dämonenartige Wesen ausstieß. Der Kampf tobte, unbarmherzig und brutal. Es war ein Racheakt, aber auch ein verzweifelter Versuch, das Grauen zu stoppen, das sich über die Insel ausbreitete.
Mit einem plötzlichen Beben begann die Erde unter ihren Füßen zu vibrieren. Das Dröhnen wurde lauter, bis es die Sinne betäubte, und plötzlich stieg aus den Tiefen des Meeres eine gewaltige Gestalt empor. Das Wasser brodelte, Wellen schlugen wie Mauern gegen die Küste, und aus den Fluten erhob sich Raugaroth. Das kolossale Wesen, ein Dämon von unerbittlicher Macht, tauchte aus den Tiefen der Unterwelt auf, seine Augen glühten wie heiße Kohlen in der Dunkelheit.
Die Echsenwesen, die eben noch unerschütterlich in ihren Ritualen waren, erstarrten vor Ehrfurcht. Diese kurze Ablenkung reichte den Sturmheulern, um ihre Feinde in einem letzten, verzweifelten Angriff zu überwältigen. Doch es gab keine Zeit zum Feiern. Der wahre Feind stand nun vor ihnen – Raugaroth, ein Wesen von unvorstellbarer Stärke. Sein Gebrüll ließ die Luft vibrieren, und jeder Schritt, den er auf die Helden zutat, ließ die Erde erzittern.
Mit einem schweren Herzen stellte sich Thorlav mit seinen Sturmheulern dem Ungeheuer entgegen. Sein Schwert glänzte im schwachen Licht des Zyklons über ihnen, und er wusste, dass dies sein größter Kampf werden würde. Raugaroth war keine Kreatur aus Fleisch und Blut, sondern ein Dämon, dessen Macht die Welt selbst erzittern ließ.
Der Kampf war gnadenlos. Jeder Hieb, den Thorlav führte, wurde von Raugaroth mit erschreckender Kraft erwidert. Felsen zersprangen, Bäume krachten in den Staub, als der Boden unter ihren Füßen erbebte. Doch Thorlav gab nicht nach. Er wusste, dass dieser Feind nicht vollständig besiegt werden konnte, doch er konnte ihn zurück in die Tiefe treiben – zumindest für eine Weile. Mit einem letzten, gewaltigen Hieb traf Thorlav den Dämon in seiner Brust, und Raugaroth ließ ein markerschütterndes Brüllen los, bevor er zurück in die brodelnden Fluten gezogen wurde.
Der Sieg war errungen, doch Thorlav wusste, dass Raugaroth eines Tages wiederkehren würde.
Nach der Schlacht war die Luft still. Der Kampf war vorbei, doch die Verluste waren groß. Thorlav und seine Männer errichteten Scheiterhaufen für die gefallenen Brüder und Schwestern. Inmitten von Rauch und Asche legten sie die Leichen der Thyren auf hohe Podeste, bereit, ihre Seelen nach Anundraf zu schicken. Das Feuer knisterte, während die Flammen langsam die Körper verzehrten, und die Sturmheuler standen in feierlicher Stille.
Plötzlich erhob sich aus den lodernden Flammen ein mächtiger Ahnengeist, seine Gestalt war imposant und sein Blick durchdrang die Nacht wie ein Sturmwind. Er war ein Symbol des alten Blutes, das in den Adern der Sturmheuler floss – ein Wächter der Vergangenheit, geboren aus dem Schmerz und der Stärke zahlloser Generationen. Thorlav trat vor, das Feuer spiegelte sich in seinen Augen, als der Ahne zu ihm sprach.
„Verrate mir den Namen deiner Klinge, Thorlav,“ dröhnte die tiefe, unirdische Stimme des Geistes, „und ich werde meine Kraft mit deiner verschmelzen. Dein Arm wird meine Stärke führen, und meine Weisheit wird dein Zorn leiten.“
Thorlav, vom Gewicht der Verantwortung gebeugt, schloss die Augen und ließ die alten Worte in seinem Geist widerhallen. Dann sprach er mit ruhiger Stimme: „Aerasigrr.“ Es war ein Name, der in den Seelen seiner Ahnen widerhallte – die Klinge, die er schmieden lassen würde, getränkt im Blut und im Erbe vergangener Krieger.
Der Geist nickte anerkennend. Aerasigrr, die Ahnenklinge, würde von dem Tag an seine Hand führen – eine Waffe, die sowohl eine Macht als auch eine Bürde darstellte.
Mit dieser Waffe in der Hand würde Thorlav das Gewicht einer uralten Verantwortung auf seinen Schultern spüren. Er hatte nicht nur einen Dämon besiegt, sondern auch das Vermächtnis seiner Ahnen angenommen. Raugaroth war besiegt, doch die Bedrohung lauerte weiterhin.
Die Sturmheuler standen schweigend um das Feuer, das Rauschen des Meeres in ihren Ohren, den Wind, der durch ihre Haare strich. Jeder von ihnen wusste, dass dies nur der Anfang war. Der Krieg gegen die Dunkelheit hatte gerade erst begonnen, und sie würden die ersten sein, die dem drohenden Unheil erneut entgegentraten. Thorlav war fest entschlossen, bereit, dem Ruf der Ahnen zu folgen, wann immer es nötig sein würde.
Die Fluchbrecher war endlich wieder seetauglich, ihre Planken verstärkt und die Segel neu gesetzt. Die Wunden des Schiffs, die der gewaltige Sturm und die erbitterte Schlacht hinterlassen hatten, waren mit harter Arbeit und dem handwerklichen Geschick der Sturmheuler geheilt. Nun lag sie stolz in den ruhigen Gewässern vor der geheimnisvollen Insel, bereit, ihre tapferen Krieger zurück nach Sturmouve zu bringen.
Thorlav stand am Bug, die salzige Brise in seinem Gesicht. Der Zyklon, der über der Insel gewütet hatte, war verschwunden, doch die Erinnerung an die grausame Schlacht und den Anblick der gefallenen Brüder und Schwestern brannte sich tief in sein Herz. Der Sieg über die Echsenwesen und der vorübergehende Triumph über Raugaroth waren bedeutend, doch es war nur der Anfang einer größeren Herausforderung.
Während das Schiff sanft in den Wellen schaukelte und sich langsam auf den Rückweg machte, spürten die Sturmheuler, dass etwas in ihnen gewachsen war – eine neue Entschlossenheit, ein unerschütterlicher Wille. Der Ozean weitete sich vor ihnen aus, und die Heimat wartete in der Ferne, aber mit ihr kamen neue Aufgaben und neue Gefahren.
Die Rückkehr nach Sturmouve war nur der nächste Schritt.