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Neue Wege [MMT]

Verfasst: Mittwoch 17. Juli 2024, 12:15
von Jarii
Aufbruch

Das Bündel an ihrer Seite, den Kurzbogen, sowie den Köcher geschultert stand Jarii am Hafen und hatte rasch eine Entscheidung zu fällen. Die stolze Albatros segelte in Kürze nach Gerimor, die Nautilus hingegen nach Süden, in die entgegen gesetzte Richtung. Jarii folgte der Spur ihrer Schwester schon eine ganze Weile und erfuhr erst am vorherigen Abend, dass eine Frau, die der Beschreibung nach ihrer Schwester aufs Haar gleichte, mit der Herbergsmutter gesprochen habe und jener von ihren etwaigen Reisezielen berichtete. Sie habe den Namen Bajard oder Silberbrücken erwähnt, doch welches nun tatsächlich ihr Ziel gewesen sei, konnte sie Jarii dann auch nicht sagen.
Jarii biss auf ihrer Unterlippe herum, sichtlich überfordert sich für das richtige Schiff entscheiden zu müssen.
Als wenn Flucht jemals eine Lösung gewesen wäre, leise ärgerte sie sich über die Entscheidung der Schwester, andererseits konnte sie es nur zu gut nachempfinden. Ihre Schwester hatte gute Gründe zu gehen, doch hätte sie nicht ohne Jarii gehen dürfen. Das hatten sie sich einst versprochen und sie würde alles tun um sie wiederzufinden.
Jarii bemerkte zwei Seemöwen die umherflatternd nach Nahrung suchten. Sie umkreisten mal das eine, mal das andere Schiff, mal tiefer mal höher fliegend. Einer Eingebung folgend beschloss Jarii eine Passage auf dem Schiff zu buchen, auf welchem sich eine Möwe als Erstes niederlassen würde und ließ die Vögel nicht mehr aus den Augen. Und tatsächlich – kaum war der Gedanke gedacht, flog eine der Möwen tiefer und schnappte sich ein Stück trockenes Brot an Deck der Albatros, nur um sich auf dem hohen Mast niederzulassen um es dort zu verspeisen.
Also Gerimor“ entschied Jarii und ging entschlossen an Bord.
Nur wenige Stunden später hatte das Schiff abgelegt und Jarii stand an Deck, zusehend, wie der letzte Streifen Land am Horizont in der Ferne verschwand. Sie fröstelte, jedoch nicht des Wetters wegen, die Sonne schien und wärmte. Jarii zog das Schultertuch dennoch enger um sich. Nach und nach wurde ihr bewusst auf was sie sich da eingelassen hatte. Es war etwas anderes davon zu träumen und zu hoffen die Schwester wiederzufinden, als es tatsächlich in die Tat umzusetzen. Sie ballte ihre Hände zuversichtlich zu Fäusten. „Hör auf zu jammern Jarii und spiel nicht das verwöhnte kleine Kind,“ schalt sie sich selbst und atmete ein paar Mal tief durch.
Wer A sagt, muss auch B sagen? Waren das nicht stets die Worte derer die alles richtig machten?
Ihre Gedanken schweiften eine Weile zurück in die kleine Heimatstadt, zurück zu ihrem Ziehvater und den Tanten. Zurück zu dem Tag an dem ihrer Schwester eröffnet wurde, dass sie Schusters Philip zu heiraten habe. Sie sah das vor Zorn gerötete Gesicht der Schwester vor sich, Türen knallend war sie aus dem Haus gerannt und in der folgenden Nacht verschwunden.
War sie ihr womöglich gefolgt, weil sie fürchtete das gleiche Schicksal erleiden zu müssen oder war es die Sehnsucht nach ihrer Schwester? Was auch immer für Gründe vorlagen, sie war nun ebenso heimatlos. Es gab keine Umkehr, das Schiff lag im Wind und segelte seinem Ziel entgegen.

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Verfasst: Mittwoch 17. Juli 2024, 15:14
von Damos Void
Zorn und Hingabe

..langsam und schwerfällig tauchte Damos Geist wieder aus der Umklammerung der Unruhe, welche er neuerdings als Schlaf bezeichnen musste. "Des Todes kleiner Bruder", so nannte man IHN in seiner Heimat..nein eigentlich nur sein Vater. Verworrene Fetzen eines sich auflösenden Traumes hinterließen eine trockene Kehle und für einen Moment, hämmernde Kopfschmerzen. Das fast grell scheinende Antlitz seines Erzeugers, der stille Blick seiner Mutter und ein brennender Kaminscheit. Rauch, das Lodern von Flammen, ein anklagender Fingerzeig..Unglaube..heraufbrechender Zorn und schließlich..alles verschlingende Wut.

Erst das erneute Schaukeln und das damit verbundene Ächzen des Holzes des alten Segelschiffes,riß ihn entgültig aus den Fängen des noch nachwirkenden Zustandes. Für einen Moment irrte sein Blick in dem großen Laderaum herum, er war wohl der letzte in seiner Hängematte. Einen heißeren Laut ausstoßend, drehte er sich etwas und kletterte aus dem Gewirr von ineinender geflochtenden Seilen. Sein Schädel brummte noch und mit einer fahrigen Geeste, klatschte er sich etwas Wasser aus einer Schüssel ins Gesicht. Gut,vieleicht war der letzte Becher dieses absurd starken Rums dan doch einer zuviel gewesen aber um sich unter die Matrosen zu mischen, war das ebend der richtige Einstieg. Die Albatros war zwar ein altes aber solides Schiff, die Mannschaft schien tüchtig und stolz auf ihr Handwerk. Die eine oder andere Information konnte Damos aufschnappen, dahingehend war der Kater ein rechtmässiger Preis.

Es gab wohl nichts ernstes auf der Fahrt zu erwarten, obgleich Piratenüberfälle durchaus passierten, doch schien die Albatros in der Vergangenheit Glück gehabt zu haben. Natürlich tönten die stolzen Seeleute, das ihr Ruf in Punkto Tapferkeit und Kampfstärke sein Übriges dafür tat aber für Ihn spielte das keine Rolle. Hauptsache, er kam dort an und musste dafür nicht schwimmen. Auch schienen einige andere Passagiere noch an Bord zu sein, es gab einige zotige Bemerkungen über eine junge,gutaussehende Frau, welche mitreiste. Damos selbst hatte sie nur einmal flüchtig gesehen, als sie an ihm vorbeihuschte aber das Behalten seines Mageninhaltes hatte in diesem Moment Priorität.

Prioritäten..ja..darum und nur darum ging es. Ein sardonisch anmutendes Lächeln bildete sich auf seinen Zügen, obgleich er fortgegangen war, hatte sich dies nicht geändert. Mit einem Straffen seines Oberkörpers, griff er sich den abgewetzten Umhang und nahm das wenige an sich, was er besaß. Etwas frische Seeluft, würde seinen Schädel klären, über sein weiteres Vorgehen konnte er auch an Deck brüten. Mit einem Ruck drehte er sich gen Treppe und stieß prompt gegen einen der Querhölzer, was einen leisen Fluch von den Lippen löste. Dieses Schiff war zu klein oder er zu groß verdammt, grummelnd kletterte er die Leiter hoch und betrat das Deck des Segelschiffes. Einigen Matrosen zunickend, schwankte er gen Backbord und starrte auf den weiten,offenen Ozean. Laut dem Steuermann sollten sie in wenigen Tagen in Gerimor anlanden, irgendein Hafen namens Bajard. Auch dieser Name interessierte Damos wenig, die Möglichkeiten dort schon mehr.

Für einen Lidschlag lang ballte sich seine Rechte zur Faust und er wiederholte still abermals seinen Schwur. Jedes mahnende Wort, jeder abschätzige Blick und letztlich..jeder einzelne Hieb würde vergolten werden. Das angeblich allumfassende Licht hatte ihn verwundet, getrieben und..belächelt. Sein Blick verdüsterte sich und ein freudloses Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Welch Umsicht ihm doch gegolten war und wieviel Glück er hatte, welch leeres Geschwätz es doch für ihn darstellte. Letztlich strebte jeder nach Einfluss und..Macht. Selbst oder gerade jene,die sich für fromm und erfüllt hielten, unterlagen genauso diesen Characterzügen. Der feine Unterschied schien ihm, das Verlogenheit und Eigennutz stets unter dem Deckmänntelchen des Glaubens getragen wurde.

Dunkelheit war nur das Fehlen von Licht und dieser Umstand führte unweigerlich zum Verfall. Er hatte diese Worte damals bezweifelt und tat es auch heute. Der Kreislauf des Lebens beinhaltete alles, selbst der so verschriene Verfall war ein wichtiger Bestandteil. Damit endete es nicht, doch wo führte er hin? Seine Brauen zogen sich zusammen, als er diesen Gedanken nachhing und der salzige Seewind sein längeres.braunes Haar verwirbelte. ER hatte nun Zeit, auf so viele Fragen Antworten zu finden, keine Phrasen oder Zitate aus einem Buch und verdammt wollte er sein, wenn er keine finden würde.............

Seereise

Verfasst: Samstag 20. Juli 2024, 14:21
von Jarii
Seereise

Unter Deck wurde es zunehmend stickiger, die Mitreisenden waren eine Mischung aus gehobener Gesellschaft wie auch einfachstem Volk. Die besser Gestellten hatten bevorzugtere Kabinen, während die nicht so Betuchten im Bauch des Schiffes untergebracht waren. Vereinzelt konnte man sich der Hängematten bedienen, ansonsten auf einfachen, nicht sonderlich sauberen groben Lagern aus Holzbänken, Segeltuch und groben Fasern niederlassen. Die Reise dauerte bereits zwei Tage und Nächte und würde wohl noch einen weiteren Tag in Anspruch nehmen bevor das ersehnte Ziel erreicht werden würde. Jarii hielt sich so oft wie nur möglich oben auf dem Deck auf, suchte sich eine stille Ecke wo sie unbehelligt ihren Gedanken nachhängen und die würzige Seelust atmen konnte. Unter den Passagieren fiel ihr immer wieder die Gestalt eines mittelgroßen, jungen Mannes Anfang Zwanzig auf, ein Morgenstern hing an seinem Gürtel seitlich herab und zeichnete ihn als jemanden aus, der damit umzugehen wußte. Die leicht kantigen Gesichtzüge muteten nicht sonderlich weich an, doch sein Blick war meist freundlich, bisweilen nachdenklich, doch er widmete seiner Umgebung durchaus Aufmerksamkeit und beteiligte sich an den Gesprächen, wenn auch mit einer Prise Zurückhaltung. Jarii hingegen blieb still und zurückgezogen.
Als er eines Abends nur wenige Schritte neben ihr an der Reeling stand und den Blick eine Weile übers Meer schweifen ließ, wendete er sich ihr zu, grüßte und schenkte ihr einen freundlichen Blick. Es waren vielleicht seine nachtblauen Augen die ihr Vertrauen schenkten und so erwiderte sie seinen Gruß ebenso, wenn auch noch verhalten. Er schien nicht den Wohlhabenden anzugehören, seine Kleidung war eher robuster Natur, zweckdienlich und in gedeckten Farben gehalten, das dunkelbraune halblange Haar umwehte seine Züge.
Wie lange wohl die Reise noch dauern wird, ich halte es unter Deck wirklich nicht mehr lange aus. ,“ fragte Jarii, plötzlich das Bedürfnis nach menschlicher Konversation verspürend.
Sie stellte sich vor und erzählte kurzerhand, dass sie ihrer Schwester folgen würde. „Es ist quasi eine Reise ins Unbekannte und ich muss zugeben, dass mich so langsam die Unsicherheit erfasst. Wohin geht Eure Reise, habt Ihr ein bestimmtes Ziel auf Gerimor?
Aufmerksam suchte sie den Blick des ihr unbekannten Reisegefährten.

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Verfasst: Montag 29. Juli 2024, 19:11
von Damos Void
..reglos starrte Damos auf die heranrollenden Wellen, welche sich beim Aufprall gegen den massiven Schiffsrumpf, in Gischtfontänen verwandelten. Das Salz brannte auf den Lippen, doch war dies kein unangenehmes Gefühl, nach dem Aufenthalt im stickigen Unterdeck. Mit einem weiteren Schütteln seines Kopfes, versuchte er die letzten Fetzen der wirren Träume abzuschütteln, still verfluchte der junge Abenteurer die heimtückische Wirkung der unsteten Ruhe. Eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnehmend, drehte er seinen Kopf und beobachtete die junge, gutaussehnde Frau. Auch sie verharrte an der Rehling und schien ihren Gedanken nachzuhängen, kaum einen Meter entfernt von ihm.
Damos war froh in diesem Augenblick an Deck zu sein, den vermutlich roch er mittlerweile wie ein nasser Hund, seine Kleidung hatte ebenfalls gelitten und ließ ihn recht abgerissen aussehen.

Plötzlich erklang ihre Stimme und er fokussierte seinen Blick nun entgültig auf ihrem Antlitz. Mit etwas Verblüffung stellte er schnell fest, das die junge Frau entweder eine weit effektivere Vorgehendsweise der Hygiene entwickelt hatte oder schlicht nicht ganz so eingepfercht schlief, wie Damos selbst. Ihre Stimme klang freundlich, auch sie schien noch jung zu sein und..weit weg der eigentlichen Heimat. Etwas an ihr erinnerte ihn an seine eigene Schwester und unbewusst, erwiederte er ihr Lächeln. Sie erklärte sich überraschend offen und schien sich einfach unterhalten zu wollen. Gern ging Damos darauf ein, schien sie doch eine freundliche, angenehme Gesprächspartnerin. Gerimor, das also war der Kontinent..das Ziel auch seiner Reise. Tatsächlich hatte Damos bei der Buchung für die Überfahrt nicht einmal richtig zugehöhrt, zu zornig und unruhig war sein Innerstes, zu entschlossen sein junges Gemüt, endlich die richtigen Schritte einzuleiten.

Auf Ihre Frage hin, zuckte er etwas ratlos wirkend mit den Schultern.
"Mh,ein Ziel in Form eines Ortes habe ich nicht, meine Informationen über Gerimor selbst sind recht..spärlich. Das Gerede am Hafen und der Matrosen gaben mir einige Hinweise, doch werde ich vor Ort entscheiden, wohin ich mich wende. Hauptsache es ist ersteinmal ein ganzer Ozean zwischen mir und teilen meiner..Fammilie."
Bei dem Wort Fammilie verdüstern sich für einige Lidschläge seine Gesichtzüge und wieder wallte Zorn vermischt mit dem gefühl der Unbeständigkeit in ihm auf. Doch diesmal konnte er diese Emotionen schnell unterdrücken, waren sie doch jetzt und hier nicht nur nutzlos sondern störten auch das bisher friedvolle Gespräch zweier Menschen, die wohl beide auf der Suche waren. So nickte er sacht und stellte selber noch einige Fragen über ihre Schwester.
"Damos Void mein Name, entschuldigt meine Unhöflichkeit, das Reisen auf einem Schiff ist nicht Meines, der Schlaf ist noch schlechter als gewöhnlich, ich bin ein wenig..gerädert. Habt ihr einen Anhaltspunkt, was die Suche nach Eurer Schwester angeht, irgendeine Spur, der es sich zu folgen lohnt?"

Während des Gesprächs, ließ er seinen Blick ab und an umhergleiten, war er sich doch der rauhen Umgebung bewusst. Hier und da konnte er den einen oder anderen Matrosen beobachten, wie er ihnen immer mal wieder einen Blick zuwarf. Er erwiederte diese Blicke stets, sollten sie ruhig erkennen, das er keineswegs wehrlos war oder Streit grundsätzlich aus dem Wege ging....

Verfasst: Dienstag 30. Juli 2024, 13:07
von Jarii
Endlich legten sie in Bajard an, die Seereise war überstanden und nach und nach betraten die Reisenden das Festland. Ein Geruch von Fisch, Seetang und all dem was so eine kleine Hafenstadt anzubieten hatte umgab sie und langsam legte sich das schaukelnde Gefühl unter ihren Füßen. Nun würde Jarii’s tatsächliche Suche nach der Schwester beginnen, vorbei war das faule Leben an Bord, vorbei das Warten. Doch damit begann auch die Unsicherheit. Sie musste sich eine Bleibe für die Nacht suchen, etwas zu Essen besorgen und den nächsten Schritt überlegen.


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Noch am Hafen stehend verabschiedeten sich Damos und Jarii voneinader. Es war gut gewesen jemanden zum sprechen zu haben, auch er hatte seine Heimat zurückgelassen, sicherlich aus anderen Gründen als Jarii, ihm war durchaus anzusehen das es kein freudiger Grund war, auch wenn er dies zu verbergen suchte.
Wir sehen uns bald wieder, Damos, aye?“ sprach sie und legte in einer verabschiedenden Geste eine Hand an seinen Oberarm. „Versprich mir, dass du keinen Mist baust, ich sehe es dir an, dass du Schwierigkeiten anziehst wie das Licht die Motte,“ und hob den Mundwinkel, ihn eines neckenden Blickes bedenkend. „Und wenn du eine blonde junge Frau mit roten Schuhen siehst, gib mir Bescheid, versprichst du’s?
Und so gingen beide ihrer Wege und sahen sich eine ganze Weile nicht mehr.

Jarii konnte sich einen ruhigen Platz im Heu eines Stalls ergattern, half einem alten Krieger bei der Rattenplage und verdiente sich somit ihre ersten Münzen. Es war gut, dass sie ihren Bogen mitgenommen hatte, er sicherte ihr das Überleben. Fredegar, ein freundlicher Bogner aus Bajard versorgte sie mit Pfeilen und sie fühlte sich zunehmend sicherer.
Die Tage gingen schnell dahin, schon war sie einen ganzen Wochenlauf auf Gerimor, doch von ihrer Schwester war keine Spur, noch gab es einen Hinweis. Am Hafen hatte sie niemand gesehen, auch im näheren Umland an der Kutsche zu den anderen Städten Gerimors gab es keinen Hinweis auf eine blonde Frau mit roten Schuhen.

Eines Tages hörte sie von der Insel K’awi und anstatt auf Rattenjagd zu gehen, beschloss sie einen Tag frei zu nehmen und machte sich auf den Weg dorthin. Eine Brücke verband K’awi mit dem Festland und eine warme sommerliche Briese schlug ihr entgegen. Jarii legte den warmen Überwurf ab und stiefelte neugierig über die Insel. Es zeigte sich ihr eine paradiesische Welt, herrlichste Blumenvielfalt verströmte ihren Duft, der Himmel war blau und die Bäume erfüllt vom Gezwitscher verschiedenster Vögel.
Bald erreichte sie die Stadtmauern und schritt durchs Tor in die Stadt. Eine Architektur wie diese war ihr unbekannt, der Stein der Gebäude war ihr fremd, eine fremde Kultur offenbarte sich ihr.
Umherwandernd traf sie auf eine Frau und einen Mann die sich ihr als Mara und Leon vorstellten. Jarii war überwältigt von der Hilfsbereitschaft dieser beiden und ließ sich nur zu gern die Insel zeigen. Ein seltsames Gefühl von Vertrautheit überkam sie, das Gefühl hier am richtigen Ort zu sein veranlasste sie ein Zimmer unter der Taverne anzumieten.
Das erste Mal seit sie ihre Heimat verlassen hatte schlief sie wieder in einem richtigen Bett und hatte eine Tür die sich verschließen ließ.
Ein Ort der sie zur Ruhe kommen ließ.
Von hier würde sie ihre Suche fortsetzen können, Schritt für Schritt ohne sich selbst zu gefährden.

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Verfasst: Dienstag 30. Juli 2024, 16:39
von Jarii
Wie so oft, wenn man den richtigen Weg beschreitet, kommt einem das Leben entgegen und es bieten sich Gelegenheiten, an die man noch nicht einmal im Traum gedacht hat. So erging es auch Jarii auf K’awi. Eines Abends verbrachten sie eine erholsame Zeit am Strand. Mara beköstigte ihre Freunde mit exotischen Kostbarkeiten, die Stimmung war ausgelassen und man unterhielt sich. Mehr und mehr lernte Jarii über diese mystische Insel, man erzählte ihr von den Ersten und von K’awi selbst, einem Wesen dessen schätzende Hand über den Bewohnern der Insel wachte. Jarii fand sich in einem Traum wieder, die Möglichkeit ein Mysterium zu erleben beseelte sie und sie war Feuer und Flamme auf dass sie Freya direkt fragte:“Was muss ich tun um hier leben zu dürfen, darf ich Bewohnerin Kawi’s werden?
Freya, die Stimme der Insel nahm sie beiseite und erzählte ihr in feinen Einzelheiten wie K’awi entdeckt wurde und was seitdem geschehen war, sodass sie Stunden später einen türkisfarbenen, perlmuttschimmernden Bürgerbrief in ihren Händen hielt . Es war plötzlich alles so leicht, fast schon zu leicht.

Am Tag darauf wollte sie Nägel mit Köpfen machen, ging zur Burg der Felswart und äußerte den Wunsch Mitglied zu werden. Leon brachte ihr die Ziele der Gemeinschaft dar: Jeden Menschen in seiner Freiheit zu unterstützen, auf stete Gerechtigkeit zu achten und somit zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden.
Das waren Ziele die Jarii so wichtig waren. Schöne, als Lüge getarnte Worte hatte sie erst selbst durch ihren Ziehvater erleben müssen. Mit freundlicher Stimme hatte er über die Freiheit ihrer Schwester verfügt, sie ohne ihr Einverständnis mit einem wohlhabenden Mann vermählen wollen. Die Schwester floh und Jarii war nun froh, sich künftig ebenso gegen so etwas stellen zu können und fühlte sich am richtigen Platz.

Doch kaum war sie Mitglied der Felswart hallten Hilferufe entlang der Burg und sie eilten gemeinsam hinaus. Dort begegnete ihnen das schreckliche Bild einer Gruppe Menschen die den besinnungslosen Körper Freya’s trugen, Blut bedeckte ihre Brust und ein Pflock ragte aus jener heraus. Jarii war dermaßen betroffen, dass es ihr den Atem verschlug. Wie in Trance folgte sie der Gruppe in Richtung des Tempels wo Freya auf einem steinernen Tisch niedergelegt wurde. Arvan der Heiler und Bruder Leon’s trat hinzu und untersuchte sie, konnte jedoch nur noch Freyas Tod feststellen. Allgemeine Bestürzung und Trauer machte sich im Tempel breit, so unvorstellbar und doch so wahr war diese tragische Tatsache real geworden.

Wer hatte die Stimme der Insel ermordet, wer war die Frau für dessen Schutz sich Freya geopfert hatte?
Fragen über Fragen, ein Gefühl der Ohnmacht versuchte an die Oberfläche zu kommen, sie würden versuchen den Mord an Freya aufzuklären, es durfte nicht ungesühnt bleiben.
Umso verzweifelter dachte Jarii nun voller Sorge an ihre Schwester, dieses Land war nicht sicher und sie musste sich anstrengen sie zu finden.

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Verfasst: Samstag 10. August 2024, 03:15
von Elin
Dieser stumpfsinnige Schusterssohn! Dieser Tölpel!
Wutentbrannt schleuderte Elin einen ihrer roten Schuhe, die sie von ihm angenommen hatte, in seine Richtung.
Wie konnte er nur denken, dass sie ihn heiraten würde!
Da flog auch schon der zweite Schuh - und diesmal traf er.
Phillip Schusters Hand fuhr an seine Stirn, offenbar waren die Absätze wirklich so stabil wie er gesagt hatte, als er Elin die Schuhe überreicht hatte.

Das war vor einigen Wochen gewesen.
Und ja, sie hatte die Schuhe als Geschenk angenommen.
Aber womit sie nicht rechnete, war, dass er das als eine Art Zusage ansehen würde, als Einverständnis, dass sie ihn zum Mann haben wollte!
Es war ihrerseits nur eine Mischung aus Mitleid und ihrer früheren Kinderfreundschaft gewesen. Mitleid mit dem schon immer etwas dumpfen, naiven Sohn des Schusters und dessen Familie, die zu den gut betuchten Leuten im Dorf gehörten. Und ihre ehemalige Freundschaft war schon so lange vergangen, dass sie sich gar nicht mehr erinnerte, worin sie bestand.

Ihr Stiefvater hatte ihr gestern eröffnet, dass sie Phillip heiraten sollte, weil der sich scheinbar in sie verguckt hatte, und natürlich eine sehr gute Partie war. Sie war daraufhin ohne ein einziges Wort zu sagen, in ihre Kammer gelaufen, die sie sich mit ihrer älteren Schwester Jarii teilte.
Nachdem die erste Wutwelle verraucht war, hatte sie leise ihre Siebensachen zusammengepackt.
Es stand für Elin sofort fest, dass sie hier nicht bleiben konnte. Sie wollte ein solches Leben nicht, ohne die Möglichkeit eigener Entscheidungen, und vor Allem an der Seite eines Mannes, der sie mit seiner lahmen, schlurfigen Art in den Wahnsinn getrieben hätte.

Kurz überkam sie ein schlechtes Gewissen.
Nicht wegen ihres Stiefvaters, nein. Der konnte ihr mit seiner Habgier den Buckel herunterrutschen.
Es war wegen Jarii, dass sie plötzlich zögerte.
Sie hatten einander versprochen, dass sie zusammen weggehen würden, eines Tages.
Aber Elin wollte die Schwester nicht mit in ein Schicksal ziehen, was vielleicht kein gutes sein würde, so ungeplant und unüberlegt, wie sie handelte.

Nein, beschloss sie. Sie würde alleine gehen.
Und wenn sie in der Ferne zu etwas Geld gelangt wäre, würde sie eine verschlüsselte Botschaft an Jarii schicken, und sie nachholen.
So war es besser.

Sie legte sich bald schon zur Ruhe, auch, wenn sie in Wirklichkeit kaum ein Auge zu tun konnte.
Jarii schien zum Glück nichts zu ahnen, ihre Atemzüge waren lang und gleichmäßig.

Als Elin sich frühmorgens aus dem Haus geschlichen hatte, jubelte sie innerlich bereits, dass niemand ihr Weggehen bemerkt hatte. Und dann stand plötzlich Phillip mitten auf dem Weg.
Glotzte sie regelrecht an, vorwurfsvoll fast, als ob er genau Bescheid wüsste, was sie vorhatte. Fing an, zu lamentieren. Von den teuren, den guten Schuhen. Aus dem kostbaren, roten Leder.
Elin besann sich nicht lange, zog die Schuhe aus, und wollte sie ihm eigentlich nur in die Hand drücken.
Doch als er dann damit anfing, Elin sei ihm schließlich versprochen, gehöre ihm gar! Da spürte sie wieder heißen Zorn in sich aufsteigen, und warf die Schuhe einzeln, zack, und zack auf ihn.

Dann lief sie los, barfuß, den Weg entlang, aus dem Dorf hinaus. Sie wusste, in welche Richtung sie musste, um zur Hafenstadt zu gelangen. Das Glück schien ihr hold zu sein, ein Eselkarren kreuzte ihren Weg, und der Bauer ließ sie inmitten von einigen Heuballen mitfahren.
In Trubarstedt angekommen, lief Elin an den Piers entlang. Viel Geld hatte sie nicht, also kam nur eine sehr günstige Schiffsreise in Frage. Und wohin eigentlich? Sie kannte sich nicht gut in der Welt aus, also war ein Ziel so gut wie das andere.
Sie handelte noch einen besseren Preis aus, indem sie sich zur Mitarbeit auf dem Schiff verpflichtete.

Aufgeregt beobachtete sie das Ablegen des Segelschiffes vom Deck aus, und sah, wie ihre bisherige Heimat in der Ferne immer kleiner wurde, bis das Land hinter dem Horizont verschwand, und nur noch das Meer zu sehen war.
Jetzt war sie wirklich frei!
Tief saugte sie die Seeluft in ihre Lungen. Sie war gespannt auf ihre Zukunft.

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Bestätigung

Verfasst: Samstag 10. August 2024, 05:36
von Damos Void
..fast schon geschickt hantierte Damos mit der Reuse und warf diese mit Schwung aus dem Handgelenk in das salzige Wasser der Küste Bajards. Geduldig verharrte er eine Weile, nahezu reglos stehend. Lediglich sein Blick glitt umher, fixierte dieses und jenes. Ab und an passierten Einwohner ihn und winkten, er nickte mit freundlichem Gesichtsausdruck zurück, bewegte sich jedoch nicht. Dan mit einer schnellen Bewegung, zog er das Netz abrupt nach oben und nickte zufrieden. Die voher eingebrachten Köder und seine Geduld machten sich sprichwörtlich bezahlt, obgleich die Münzen schnödes Beiwerk bei seiner Tätigkeit waren. Das Verbessern seiner Geschicklichkeit und Reflexe waren weit entscheidener, sowie das Beobachten von Gegebenheiten in dem kleinen aber geschäftigen Fischerort. Er fand sich allmählich gut zurecht und schätzte die Möglichkeiten, welche die Siedlung ihm bot.

Seine Beobachtungen führen zu Mutmaßungen, weitere Informationen zu Entschlüssen, er lernte und passte sich an, sofern es nötig erschien. Grundsätzlich waren die Einwohner Bajards sehr herzlich, er mochte diese Menschen obgleich ihm viele ziellos vorkamen. Es war ein Freihafen, lebte vom Handel und von der Toleranz anderen gegenüber, also der ideale Ort um Erfahrungen zu sammeln. Alle waren ihm bisher freundlich begegnet..hier strömmte ein trügerisch sanftes Lächeln in seine Züge. Alle, bis auf jene, welche sich der ach so geschätzten Temora verschrieben hatten. Nicht, das sie ihn direkt angegangen hatten, nein. Doch schienen sich die Robenträger an der Anwesenheit von Dermian Athes zu stören. Der Mann hatte ihn eine geraume Weile beim Fischen beobachtet und schließlich waren sie ins Gespräch gekommen. Der kräftig gebaute Mann hatte ihm Fragen gestellt, Fragen die derart exakt gestellt wurden und..den Kern beinhalteten, warum er größtenteils hier war. Er schien immenses Wissen zu haben und machte aus seiner Abneigung gegenüber den Temora Gläubigen keinerlei Hehl.

Ohne Zögern stellte er sich Ihnen in den Weg und konfrontierte sie. Er stellte in Frage, kritisierte und nahm jede Beschimpfung mit einer gewissen Amüsiertheit entgegen. Und wieder wurde Damos bestätigt, nicht der angeblicche Ketzer entfachte den Streit..nein, der männliche Robenträger deutet mit seinem Stab aufplusternd und wichtigtuerisch auf Demian und betitelte ihn direkt mit Beleidigungen. Zorn strömmte in Damos Blut, er konnte fast spüren, wie sich etwas in ihm verfestigte. So zögerte er nicht lang und stellte sich an die Seite des angeblichen Ketzers. Auch er stellte Fragen, warum maßte sich der Kleriker an, gegen geltendes Recht in Bajrad zu verstossen, indem er offen auf der Strasse einen Kampfstab trug? Also auch hier..selbst hier..hunderte Seemeilen entfernt, war es eine ähnlich anmaßende Situation. In ihrem blinden und selbstgerechten Eifer, suchten sie die Leute heim, brachen Gesetze und umgaben sich mit einer Aura der Selbstherrlichkeit. Die Wangenmuskeln von Damos knirschten, doch er mäßigte sich, war doch blinde Wut etwas für Narren oder Berserker und er war keines von beiden.

Das Wortgefecht artete fast aus und immer mehr Menschen strömmten zu dem Unruheherd. Mittlerweile hatte sich Demian den Robenträgern unmittelbar genähert, völlig gelassen und noch immer mäßig amüsiert. Die Unsicherheit in den Augen seines Gegenübers war klar ersichtlich, trotz markiger Worte und Drohungen. Es war fast surreal, doch hier lernte Damos seine erste Lektion auf dem neuen Kontinent oder fand, seine erste Bestätigung. Alathar lehrte den freien Willen und gab seinen Kindern alle notwendigen Werkzeuge, um diese auch zu erreichen. Dieser hochmütige Narr schenkte Ihnen das wichtigste von allen, ja die Essenz dessen, was Ketten sprengte und Adelshäuser stürtzte..Zorn. Eine fast unbändige Welle aus Zufriedenheit und Kampfeswillen pulsierte brüllend durch seine Adern und er verharrte stolz neben Demian Athes, dem Ketzer. Jede Beschimpfung, jede Drohung zeigte nur eines..das wahre Antlitz, geprägt von innerer Schwäche und Verblendung.

Schließlich stapfte Athes aus der Stadt und wartete dort geduldig darauf, das die Robenträger ihren markigen Worten auch Taten folgen ließen. Doch dies passierte nicht, wohl um ersnteren Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, verschwanden sie mittels Zauber oder was auch immer. Natürlich ließen sie es sich nicht nehmen, noch voher auf die Wehrmauer zu steigen und dem wartenden Athes höhnisch zuzuwinken, was für eine offenkundige Darbietung von Characterschwäche. Damos verstand und wechselte noch einige Worte mit Demian, er würde diesen Mann aufsuchen und..lernen.

Auch Jarii traf er wieder und konnte ihr tatsächlich von einer jungen Frau berichten, welche der Beschreibung ihrer Schwester sehr ähnelte. Ihre Freude war deutlich sichtbar und sie ließ sich haarklein jedes Detail der Begegnung berichten. Lächelnd tat er dies natürlich, mochte er die quirlige junge Frau doch und auch ihre Schwester Elin schien sympathisch. Irgend etwas in ihm wisperte, das er die beiden jungen Frauen nicht das letzte Mal gesehen hatte und er strich sich nachdenklich über das Kinn. Inzwischen packte er seine Reuse zusammen und machte sich auf den Weg. Seine Kaputze ins Antlitz ziehend, vor Bajard den Waffengurt wieder schließend, strebte er zielstrebig gen Kutsche. Er würde wieder dorthin reisen, wo er noch mehr lernen konnte, wo der Zorn geheiligt wurde und die Atemluft stickig..gefährlich und herausfordernd und doch hatte ihn seine erste Begegnung genau dorthin geführt....................

Verfasst: Samstag 10. August 2024, 15:51
von Elin
Das Hochgefühl der Abreise hielt nicht allzu lange an.
Sie half der Mannschaft bei all den einfachen Aufgaben, die an Bord eben so anfielen, und hatte deshalb genug zu tun mit Plankenschrubben, Segel kontrollieren und Ausbessern, in der Kombüse Gemüse schneiden und weiteren, mäßig erfreulichen Dingen.

Doch dann änderte sich das Wetter.
Ein Sturm zog auf, finstere Wolken ballten sich zusammen, und ehe Elin sich es versah, waren sie mitten in dem Gewittersturm, das Schiff gebeutelt von schweren Böen, die Segel ächzend und die Planken knarrend.
Heftiger Sturzregen setzte ein, jeder an Bord wurde bis auf die Knochen durchnässt.
Elin hielt sich, so gut es ging, an die gebrüllten Anweisungen der Mannschaft und des Kapitäns. Leicht war es nicht, auf dem nun glitschigen und rutschigen Holz nicht zu fallen, und so krallte sie sich mit beiden Händen an die Reling.
Sie musste hilflos mitansehen, wie ein anderer Passagier, der sich weniger gut festgehalten hatte, über Bord ging. Es war nicht einmal daran zu denken, ihn inmitten des Orkans, und der Dunkelheit, die sie jetzt bis auf die zuckenden Blitze umgab, noch zu suchen.
Das Schiff war unsteuerbar geworden, sie konnten nur hoffen und zu allen wohlmeinenden Göttern beten, dass sie es heil aus dem Unwetter schaffen würden.

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Irgendwann, nach gefühlten Ewigkeiten, legte sich der Sturm allmählich. Der nächste Morgen brachte die Schäden ans Tageslicht, es würden viele Stunden mit Reparaturen vergehen, bevor sie wie zuvor unter vollen Segeln fahren konnten.
Dazu kam der Verlust eines Menschen, der auch Elins Herz schwer machte. Wie schnell das Leben vorbei sein konnte!

Die Flaute der nächsten Tage kam der Schiffmannschaft zunächst ganz gelegen.
Still, fast wie ein Spiegel, lag die Meeresoberfläche ausgebreitet um sie herum.
Der Sturm hatte auch einen neuen Passagier an Bord gebracht: Eine große, graue Möwe saß am Bug des Schiffes und besah sich interessiert die laufenden Arbeiten der Menschen.
Ab und an legte Elin ihr einen Happen zu Essen hin, wenn niemand es bemerkte. Einer der Matrosen erklärte Elin, es sei eine Sturmmöwe. Wie passend!

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Die Flaute hielt an.
Tage dehnten sich zu Wochen aus.
Noch immer kein Wind.
Obwohl sie doch jetzt mit den Wiederherstellungsmaßnahmen fertig waren! Quälende Unruhe erfasste Elin, und auch alle anderen an Bord wurden mit der Zeit gereizter, denn man konnte sich nicht wirklich aus dem Weg gehen.
Der Matrose Jan, der Elin einiges über die Seefahrt erzählt hatte, bot an, ihr das Bild ihres tierischen Passagiers als ewige Erinnerung tätowieren zu lassen. Es war ohnehin kaum etwas zu tun, also willigte sie ein, und ließ sich ein kleines Abbild der Sturmmöwe auf ihren linken Fussknöchel stechen. Es war ihr Symbol für die Freiheit und für ihren eigenen Weg geworden.

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Sie wünschte sich jetzt aber nur noch, anzukommen. Endlich wieder Land unter den Füßen haben, statt stetig diese eintönige Wasserfläche bis zum Horizont!
Es war ihr eigentlich auch fast egal geworden, wo sie anlanden würden, außer natürlich in Trubarstedt. Müßig fragte sie sich, wie lange man nach ihr suchen würde. Und wer würde sie suchen? Wahrscheinlich nur Jarii.
Sie vermisste ihre Schwester. Die beiden verband nicht nur ihr Schicksal, als Kinder nach dem Tod ihrer Mutter zu fremden Leuten zu kommen, die ihnen wenig Wohlwollen entgegenbrachten.  Würde sie Jarii je wiedersehen? Hoffentlich musste sie nun nicht an Elins Stelle Phillip heiraten.

Nach schier endlosen Wochen, in denen langsam auch ihre Vorräte zur Neige gingen, kam schließlich Wind auf.
Die Mannschaft wuselte begeistert an Deck umher, die Segel wurden gesetzt, es ging endlich weiter! Jetzt fuhren sie in kurzer Zeit in Richtung ihres Ziels.
Es war die mittelgroße Hafenstadt Bajard, und sämtliche Leute an Bord schienen erleichtert aufzuatmen, als die Küstenlinie in Sicht kam.

Elin verabschiedete sich von allen Mitreisenden. Nichtahnend, dass ihre verlängerte Reisezeit dafür gesorgt hatte, dass ihre Schwester sie einholen, ja sogar überholen würde, schritt sie die Planke herunter an Land.
Hier war sie also nun. Welche Erfahrungen würde ihr diese für sie neue Welt wohl bringen, wohin sollte sie sich zuerst wenden?

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Verfasst: Sonntag 18. August 2024, 12:35
von Jarii
Und dann sah Jarii sie! Am Lagerfeuer in Bajard strahlte ihr Elins sturmgrauer Blick entgegen, Sekunden des Zweifels verwandelten sich in Freude, Sorgen fielen von ihren Schultern, denn zulange trug sie schon diese Last mit sich herum. Elin lebte und die Suche hatte ein Ende.
Auch Damos war anwesend, Elin und er hatten sich bereits kennengelernt und er hatte sie mit allem versorgt was nötig war. Jarii war ihm zu Dank verpflichtet und es hatte sich bewiesen, dass sie den jungen Kerl richtig eingeschätzt hatte. Allerdings machte ihr sein Umgang sorge, denn er begab sich offenbar oft in die Gesellschaft von Letharen und Rittern Alatars. War das falsch, war es bedrohlich und musste sie auf ihn achten? Jarii war noch viel zu kurz in diesen Landen um die einzelnen Ausrichtungen der verschiedenen Religionen beurteilen zu können, doch beunruhigten sie die Erzählungen, in denen es von Brutalität und Machtbestreben nur so brannte.
Jarii nahm vorerst eine beobachtende Position ein, nur eigene Erfahrungen würden sie nicht zum Spielball der Welt machen.
Tom, der k’awianische Barde lud sie alle zu sich nach Hause ein, das Wiedersehen sollte gebührend gefeiert werden. Bald schon saßen sie auf K’awi friedlich beisammen, Geschichten wurde erzählt, man aß und trank und Jarii fühlte eine unbändige Kraft und Zuversicht. Alles würde von nun an besser werden, ein Neubeginn der nicht vom Verlust der Schwester überschattet war.
Nur Damos war ihnen nicht gefolgt, er hatte „politisches“ zu regeln, und der seltsame Glanz in seinen Augen gefiel Jarii nicht.

Tage vergingen, Elin wanderte umher, gern auch allein, so wie sie es schon zuvor getan hatte. Ihr Freiheitssinn war nicht zu bremsen und so sorgte sich Jarii nicht, denn so war Elin und so würde sie hoffentlich auch fortan bleiben.
Jarii indess hatte das Glück ein kleines Haus unweit der Stadtmauer zu beziehen. Es war angenehm kühl, dicke ins Erdreich reichende Mauern bewahrten vor der Hitze K’awis. Ein Ort zum Ausruhen, ein Zuhause.

Tag für Tag zog sie aus um sich in der Kunst des Bogenschießens zu verbessern, aus den großen Ratten wurden gefährlichere Wesen und zuletzt wagte sich Jarii gar allein in die Höhlen und begegnete Schlangen - und Spinnenwesen, wie auch den gefährlichen Vogelfrauen. Geschwind flogen ihre Pfeile den gegnerischen Zielen entgegen, sie selbst sprang in entscheidenden Augenblicken zurück um sich zu retten, stob jedoch wieder vor, sowie sich die Möglichkeit bot. Sie traute sich mehr und mehr zu und es gelang ihr, ohne größere Blessuren den Höhlen auch wieder zu entkommen.
Bald wäre sie eine größere Hilfe für die Felswart, eine Vereinigung denen der Erhalt der Freiheit wichtig war und die Jarii so hingebungsvoll unterstützen wollte.
Nie mehr würde sie Unfreiheiten tolerieren und mehr und mehr wuchs in der jungen Frau diese neue Ausrichtung.
Leben und leben lassen, Respekt vor jedem friedlichen Wesen, Verständnis für diejenigen, die keinen Frieden fanden, die Liebe zur Natur und Dankbarkeit leben zu dürfen, das waren Jariis Ziele.

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K'awi

Verfasst: Dienstag 20. August 2024, 14:33
von Jarii
Wer ist K’awi?

Der Abend war gefüllt mit aufregenden Erzählungen, Mera berichtete von der Entdeckung K’awis, Schanna untermalte die Aussagen und Jarii hörte mit steigender Spannung zu.
So viele Fragen stellten sich ihr und wie schon zuvor in der Taverne mit Tom und Iggy, erfuhr sie immer nur Bruchteile von dem was tatsächlich geschehen war und noch nicht einmal offenbart worden war. Stundenlang wälzte sie Bücher in der Bibliothek, sog alles Wissen auf als wäre sie ein trockener Schwamm.
Wer war K’awi, wer die Ersten und wie lebten die Zweiten? Was diese Insel magisch, war es feste Materie, war es nichts davon und der Welt etwas völlig Unbekanntest.
In Jarii regte sich, wie schon so oft etwas, der ihr bereits in der Vergangenheit unangenehme Situationen beschert hatte. „ Benimm dich wie eine anständige junge Frau und nicht wie eine Abenteuerin!“ , „Kannst du nicht sein wie alle anderes deines Alters und Standes?“, „Hör jetzt endlich auf mit deinen wilden Fantastereien, es ist nicht zum aushalten!“

Doch hier auf K’awi hörte sie keine solcher abfälligen Bemerkungen, hier schienen alle dem Mysterium zugewandt, ließen Fragen zu und versuchten in einer Art ehrfürchtigen, wohlgesonnenen Absicht in Einklang mit der Insel, K’awi, den Ersten und den Zweiten zu leben.
Jariis Wunsch nach Wissen wuchs, sie sehnte sich mehr zu erfahren und fühlte ihren freudigen Herzschlag mehr als je zuvor.

Lange noch lag sie wach bis sie schließlich in einen farbenfrohen Traum hinabglitt:

***Sümpfe in denen kräftige Mangroven wuchsen, ihr unbekannte Blumen in allen Farben zwischen dem Grün des Sumpfes ihre Köpfe herausstreckten, Wellensittiche, Papageien zwitscherten und erhoben ihre Stimme in der Dichte des Regenwaldes. Eine warme Feuchtigkeit lag über dem Sumpf und Jarii folgte dem Traum hin in die Tiefen eines zauberhaften Gewässers.
Sie wurde zum Fisch, und tauchte hinab in dieses herrlich schillernde Gewässer, tiefer und tiefer bis ihr dichtes und hohes schimmerndes Seegras die Sicht versperrte.
K’awi, bist du hier?“ Das Seegras begann sich zu teilen und türkises, wie Perlmutt glitzerndes Licht,erhellte das Wasser.***

Jarii erwachte – alles nur ein Traum?

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Verfasst: Mittwoch 4. September 2024, 12:50
von Jarii
Vor wenigen Tagen erreichte K’awi die Nachricht, dass die vermeintlichen Mörder Freyas Nilzadan anzugreifen gedachten. Schon bald war man sich einig Freyas Tod zu rächen und nicht ungestraft hinzunehmen. Sie bereiteten sich vor, ordneten ihre Kampfausrüstung, Iggy verteilte Tränke und gab nützliche Ratschläge. Dann zogen alle gemeinsam los in Richtung Frostklamm. Es hatte sich ein beachtlicher Haufen K’awianer eingefunden, alle bis auf die Zähne bewaffnet stiegen sie durch das Portal welches Iggy eröffnete. Wie jedesmal verspürte Jarii ein Kribbeln und leichten Schwindel beim Durchschreiten dieses dimensionalen Tores. „Nicht dran denken, konzentrier dich auf das was nun vor uns liegt“, ermahnte sie sich und folgte der Gruppe. Nach geraumer Zeit erreichten sie die Klamm, ein gewaltiges, beeindruckendes Monument. Alle zu Hilfe gekommenen Völker gruppierten sich vor dem Tor welches in den Berg hinab führte, der Heimat der Kaluren, der Khaz-Aduir, was soviel wie Wächter des Berges bedeutete.
Ihre Augen waren gen Himmel gerichtet und beobachteten die unheilvolle dunkle Wolke bestehend aus Harpyien die mit ihrem ohrenbetäubenden Kreischen Furcht und Schrecken auslösten. Sie jagten auf die Verteidiger herab, mutig warfen sich die Truppen den Feinden entgegen, Kriegsgeschrei und schwirrende Pfeile ertönten, klirrende Schwerter und dumpfe Schläge auf Schilder bestimmten die Klänge an der Klamm.
Es bleib keine Zeit für Angst, lediglich suchte ihr Blick die vertrauten Freunde, Schanna, Tom, Iggy, Aura, sogar Schneid war mitgekommen und warf sich mutig den Bestien entgegen.
Hunderte an toten Körpern der Vogelfrauen bedeckten den blutüberzogenen Boden, dann trat Stille ein. Suchend zogen die Blicke über den Himmel, bis schließlich eine donnernd laute Stimme ertönte und von Dingen sprach die Jarii gänzlich fremd waren. Ein Jemand oder ein Etwas forderte seine ihm zustehende Macht zurück und rief Cirmias auf zu erscheinen.
War dies ein Kampf der Götter? Was hatte es mit Freya zu tun? Ihre Mörder waren nirgends zu sehen. Unausweichlich war der Kampf zwischen diesen beiden, immer wieder fiel der Name des Gottes Getares.. War denn dieser Gott nicht bereits vergangen? Konnten Götter sterben? Fragen um Fragen schossen Jarii durch den Sinn, bis alle dem Zweikampf zwischen Cirmias und dem anderen beiwohnen durften.
Jarii hatte noch nie zuvor die Gegenwart eines Gottes verspürt, sie glaubte an Eluive, die Mutter aller Dinge, an den Sternenvater, doch gezeigt hatte sich ihr keiner. Und nun stand sie neben Cirmias, einem mächtigen, blauschimmernden Bären, durch dessen Adern pures Mithril floß.
Der Kampf wurde beendet als der vermeindliche Getares, eine goldene, geflügelte Gestalt durch einen Speer verletzt wurde und floh.
Erleichterung machte sich breit, Dankesworte seitens des Kâl Dâr der Graik hallten über den Platz, man versicherte sich des Gesundheitszustandes der Einzelnen und es ging heimwärts.
Und doch war die Stimmung getrübt. Wenn Götter untereinander im Krieg standen war kein Frieden in Sicht. Und Frieden war alles was Jarii wünschte.
Wie würde es weiter gehen?

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Verfasst: Mittwoch 4. September 2024, 13:00
von Jarii
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