[MMT] Verschlungene Geister
Verfasst: Mittwoch 26. Juni 2024, 17:50
Müdigkeit. Penetrante anhaltende Müdigkeit war nicht nur in den letzten Wochenläufen zu einem ständigem Begleiter geworden, nein wie ein klebriger Schatten der einen überall hin folgte, selbst bis in die Träume hinein. Da war die Suche damals nichts dagegen, auch wenn sie letzten Endes ins Leere lief und ich akzeptieren musste, dass dieser Kampf für mich mit einer Niederlage geendet hatte. Wobei... war es wirklich eine Niederlage? Vielmehr war es ein siegreiches Patt, denn ich hatte andere Erkenntnisse daraus schlagen können, nicht nur allein neue Informationen sondern auch Wissen darum auf wen man zählen konnte. Doch... hier in dieser Angelegenheit würde mir niemand außer dem Herrn allein helfen können, auch wenn dies nicht so ganz richtig war.
"So müde..."
Viel war passiert, dass es mich beinahe überwältigt hatte. Wo schlicht zu anfangs der Wunsch war, dem Tempel einfach etwas näher zu sein, hatte man mich weit mehr aufgenommen als eine einfache Messdienerin, gar so als wäre ich ein Teil von ihnen. Nach und nach übertrug man mir wieder neue und andere Aufgaben und diese neue Erfahrung war als wäre eine Quelle der neuen, frischen und mächtigen Kraft in mir geöffnet worden. Eine Quelle der Verbundenheit und Zugehörigkeit dazu und von Tag zu Tag hatte es sich mehr angefühlt als wäre ich... vollständiger. Richtiger. Es war schwer zu beschreiben, dieses erhabene Gefühl nicht nur angenommen sondern auch gewollt zu sein. Teil sein zu dürfen. Wie ein Vogel, der fliegen und zurückkehren durfte wie er wollte, nur dass es mit Pflichten verbunden war. Und bei jeder Rückkehr war es wie ein erfrischendes Bad zu nehmen.
Loyal und aufrecht, das war es wie sie mich teilweise genannt hatten und doch wurde diese Loyalität und das Aufrechte auf eine schwere, schwere Probe gestellt. Wo ich doch stets das wahre Wort unter ihnen gesucht habe, musste ich ihnen nun Dinge verschweigen. Noch mehr wurde es allerdings auf die Probe gestellt zum Fest des Getarestodes. Das Feuer hatte so geknistert, so unsäglich verlockend geknistert dass ich es in meinen eigenen Fasern spüren konnte wie eine zärtliche Berührung eines Gefährten. Jeder Kummer und jeder Schmerz war in diesen jenen kleinen Momenten wie weggeblasen, jeder hatte sich in kleineren Gruppen zusammengefunden um zum Alltag zurückzukehren kaum dass die Messe vorbei war, nur für mich... für mich war sie noch nicht vorbei.
War es der Weihrauch gewesen? Die Aufregung? Oder wurde der Zornkristall mit neuem Leben gespeist? Warum sah ich da diese Bilder im Feuer? Eindeutige und klare Bilder! Sie riefen mich, sie wollten dass ich zu ihnen kam... und dann... eine Stimme. Oh Herr, diese Stimme in meinen Gedanken war eine solche Wohltat gewesen, so samtig und weich, so unirdisch und unbeschreiblich. Über der ganzen Haut hatte es gekribbelt beim Vernehmen, dass ich mir wünschte sie würde gar nichtmehr aufhören zu reden. In diesem klaren vernebelten Moment war ich so klar, dass ich wusste nicht besessen zu sein. Sie raunte mir zu was zu tun wär, was ich zu tun hätte und dann... Schwärze. Als wär von jetzt auf gleich jedes Licht und die Welt ausgelöscht worden und ich fand mich am Boden wieder, umringt von den verbliebenen Gästen und Templern. Nur langsam kehrte das Leben und Bewusstsein wieder ein, doch eine gewisse Fahrigkeit blieb noch. Weder konnte ich verstehen was man zu mir sagte noch konnte ich erfassen was um mich herum zu sehen war. Ja gewiss, ich sah es, aber es entwich mir ohne dass ich sagen konnte ob ich es wahrgenommen hatte oder nicht. Nach und nach war ich wieder Herr meiner Sinne und damit auch einer Erkenntnis, wie ich sie zu dem Zeitpunkt noch nicht begreifen, doch umso intensiver spüren konnte. Und leidigerweise hatten die Templer sogleich eine Vermutung was passiert war... oder wussten es gar? Wussten sie, dass es eine Vision gegeben hatte und hatten etwas gespürt? Oder war es einfach... Wissen?
Schnell hatte ich das nächstbeste mir über die Zunge als Ausrede gehen lassen; zugeben, dass etwas passiert war, so nah wie möglich an der Wahrheit entlang ohne sie zu präsentieren. "Deine Aufgabe, teile sie mit keinem." schallte es in meiner Erinnerung wider, ohne dass sich die Stimme nochmal meldete. Und wie sehr sehnte ich mir diese Berührung der Stimme nochmal her und mit niemandem dufte ich darüber sprechen. Mit niemandem...
Der erste Plan war es den "Bericht" einfach zu "vergessen", ihn totzuschweigen sodass die Templer ihn einfach vergaßen und hoffentlich damit auch was passiert war, doch Velvyr'tae durchkreuzte ihn und wurde nicht müde mich zu erinnern, dass er noch ausstand. Cailen hingegen... stellte keinerlei Nachfragen mehr noch eine Anmerkung. Immerhin konnte ich mir so halbwegs sicher sein, dass er auch künftig nicht zu viele Fragen stellen würde. Verdammt, so hartnäckig wie ich öfter war, so bekam ich nun meine eigene Medizin zu schmecken. Lügen, das wollte ich aber nicht und doch musste ich es. Nur wie? Hineinweben, die Geschehnisse des Abends miteinander verweben wie ein feines Stück Stoff sodass man nicht erkennen konnte, was darunter lag. Die Wahrheit neu formen ohne sie zu verbiegen. Plausibel klingen lassen... und so tat ich es. Bis heute gab es keine Beschwerden oder Fragen, der Bericht wurde genommen wie er gebracht wurde.
Doch wie sollte ich möglichst meine Fragen stellen ohne dass jemand Verdacht schöpfte? Ah, die Harpyien, eigentlich musste ich ihnen dankbar sein, denn sie machten es mir möglich meine Fragen zu verstecken auf die ich eine Antwort brauche ohne dass jemandem der Gedanken kam, dass es für die Sache war. Der Berg an Sucharbeit wurde auch nicht geringer derweil...
Wo ich vorher noch eine Vermutung war, woher die Stimme gekommen war wurde diese nur noch mit der geheimnisvollen Nachricht untermauert. Ein Rennen gegen die Zeit begann womöglich. Ein Rennen in dessen Zentrum scheinbar dieses Rätsel lag, welches mir schlaflose Nächte und gedankenschwere Tage bereitete. Ich träumte davon, viel und intensiv, nicht nur von "der Sache", nein auch von diesen Harpyien und manchmal ging alles ineinander über in meinen Träumen und die Harpyien wurden zu meinem Rätsel. Und der Berg an Büchern in meiner Schreibkammer wurde größer und größer und der Platz an verbrauchten Pergamenten unter meiner Holzdiele immer weniger. Das Rätsel, so leicht und doch so schwierig zu knacken. Und meine Versuche mussten gut versteckt und dann vernichtet werden. Niemand sollte auf einen Hinweis kommen das Rätsel entschlüsseln zu können. Oder noch nicht? Wer wusste das schon...
"Deine Aufgabe, teile sie mit keinem. Deine Aufgabe, teile sie mit keinem."

"So müde..."
Viel war passiert, dass es mich beinahe überwältigt hatte. Wo schlicht zu anfangs der Wunsch war, dem Tempel einfach etwas näher zu sein, hatte man mich weit mehr aufgenommen als eine einfache Messdienerin, gar so als wäre ich ein Teil von ihnen. Nach und nach übertrug man mir wieder neue und andere Aufgaben und diese neue Erfahrung war als wäre eine Quelle der neuen, frischen und mächtigen Kraft in mir geöffnet worden. Eine Quelle der Verbundenheit und Zugehörigkeit dazu und von Tag zu Tag hatte es sich mehr angefühlt als wäre ich... vollständiger. Richtiger. Es war schwer zu beschreiben, dieses erhabene Gefühl nicht nur angenommen sondern auch gewollt zu sein. Teil sein zu dürfen. Wie ein Vogel, der fliegen und zurückkehren durfte wie er wollte, nur dass es mit Pflichten verbunden war. Und bei jeder Rückkehr war es wie ein erfrischendes Bad zu nehmen.
Loyal und aufrecht, das war es wie sie mich teilweise genannt hatten und doch wurde diese Loyalität und das Aufrechte auf eine schwere, schwere Probe gestellt. Wo ich doch stets das wahre Wort unter ihnen gesucht habe, musste ich ihnen nun Dinge verschweigen. Noch mehr wurde es allerdings auf die Probe gestellt zum Fest des Getarestodes. Das Feuer hatte so geknistert, so unsäglich verlockend geknistert dass ich es in meinen eigenen Fasern spüren konnte wie eine zärtliche Berührung eines Gefährten. Jeder Kummer und jeder Schmerz war in diesen jenen kleinen Momenten wie weggeblasen, jeder hatte sich in kleineren Gruppen zusammengefunden um zum Alltag zurückzukehren kaum dass die Messe vorbei war, nur für mich... für mich war sie noch nicht vorbei.
War es der Weihrauch gewesen? Die Aufregung? Oder wurde der Zornkristall mit neuem Leben gespeist? Warum sah ich da diese Bilder im Feuer? Eindeutige und klare Bilder! Sie riefen mich, sie wollten dass ich zu ihnen kam... und dann... eine Stimme. Oh Herr, diese Stimme in meinen Gedanken war eine solche Wohltat gewesen, so samtig und weich, so unirdisch und unbeschreiblich. Über der ganzen Haut hatte es gekribbelt beim Vernehmen, dass ich mir wünschte sie würde gar nichtmehr aufhören zu reden. In diesem klaren vernebelten Moment war ich so klar, dass ich wusste nicht besessen zu sein. Sie raunte mir zu was zu tun wär, was ich zu tun hätte und dann... Schwärze. Als wär von jetzt auf gleich jedes Licht und die Welt ausgelöscht worden und ich fand mich am Boden wieder, umringt von den verbliebenen Gästen und Templern. Nur langsam kehrte das Leben und Bewusstsein wieder ein, doch eine gewisse Fahrigkeit blieb noch. Weder konnte ich verstehen was man zu mir sagte noch konnte ich erfassen was um mich herum zu sehen war. Ja gewiss, ich sah es, aber es entwich mir ohne dass ich sagen konnte ob ich es wahrgenommen hatte oder nicht. Nach und nach war ich wieder Herr meiner Sinne und damit auch einer Erkenntnis, wie ich sie zu dem Zeitpunkt noch nicht begreifen, doch umso intensiver spüren konnte. Und leidigerweise hatten die Templer sogleich eine Vermutung was passiert war... oder wussten es gar? Wussten sie, dass es eine Vision gegeben hatte und hatten etwas gespürt? Oder war es einfach... Wissen?
Schnell hatte ich das nächstbeste mir über die Zunge als Ausrede gehen lassen; zugeben, dass etwas passiert war, so nah wie möglich an der Wahrheit entlang ohne sie zu präsentieren. "Deine Aufgabe, teile sie mit keinem." schallte es in meiner Erinnerung wider, ohne dass sich die Stimme nochmal meldete. Und wie sehr sehnte ich mir diese Berührung der Stimme nochmal her und mit niemandem dufte ich darüber sprechen. Mit niemandem...
Der erste Plan war es den "Bericht" einfach zu "vergessen", ihn totzuschweigen sodass die Templer ihn einfach vergaßen und hoffentlich damit auch was passiert war, doch Velvyr'tae durchkreuzte ihn und wurde nicht müde mich zu erinnern, dass er noch ausstand. Cailen hingegen... stellte keinerlei Nachfragen mehr noch eine Anmerkung. Immerhin konnte ich mir so halbwegs sicher sein, dass er auch künftig nicht zu viele Fragen stellen würde. Verdammt, so hartnäckig wie ich öfter war, so bekam ich nun meine eigene Medizin zu schmecken. Lügen, das wollte ich aber nicht und doch musste ich es. Nur wie? Hineinweben, die Geschehnisse des Abends miteinander verweben wie ein feines Stück Stoff sodass man nicht erkennen konnte, was darunter lag. Die Wahrheit neu formen ohne sie zu verbiegen. Plausibel klingen lassen... und so tat ich es. Bis heute gab es keine Beschwerden oder Fragen, der Bericht wurde genommen wie er gebracht wurde.
Doch wie sollte ich möglichst meine Fragen stellen ohne dass jemand Verdacht schöpfte? Ah, die Harpyien, eigentlich musste ich ihnen dankbar sein, denn sie machten es mir möglich meine Fragen zu verstecken auf die ich eine Antwort brauche ohne dass jemandem der Gedanken kam, dass es für die Sache war. Der Berg an Sucharbeit wurde auch nicht geringer derweil...
Wo ich vorher noch eine Vermutung war, woher die Stimme gekommen war wurde diese nur noch mit der geheimnisvollen Nachricht untermauert. Ein Rennen gegen die Zeit begann womöglich. Ein Rennen in dessen Zentrum scheinbar dieses Rätsel lag, welches mir schlaflose Nächte und gedankenschwere Tage bereitete. Ich träumte davon, viel und intensiv, nicht nur von "der Sache", nein auch von diesen Harpyien und manchmal ging alles ineinander über in meinen Träumen und die Harpyien wurden zu meinem Rätsel. Und der Berg an Büchern in meiner Schreibkammer wurde größer und größer und der Platz an verbrauchten Pergamenten unter meiner Holzdiele immer weniger. Das Rätsel, so leicht und doch so schwierig zu knacken. Und meine Versuche mussten gut versteckt und dann vernichtet werden. Niemand sollte auf einen Hinweis kommen das Rätsel entschlüsseln zu können. Oder noch nicht? Wer wusste das schon...
"Deine Aufgabe, teile sie mit keinem. Deine Aufgabe, teile sie mit keinem."




