Kälte
Verfasst: Mittwoch 16. August 2006, 22:04
Er erwachte irgendwann in den dunklen Stunden vor der Dämmerung. Einen verwirrenden Moment lang hatte er keine Ahnung, wo er war - oder mit wem. Ein warmes, feuchtes Gewicht lag an ihn geschmiegt, und seine Hand ruhte auf nackter Haut. Sie lag auf seinem Arm. Mit langsamen Bewegungen löste er sich von ihr, achtsam, um sie nicht zu wecken. Dann griff er nach seinen Kleidern und stand auf.
Die Luft in den Stunden vor der Dämmerung war frisch und kühl und ohne den warmen Leib des nächtlichen Liebhabers an ihrer Seite begann Jana bald zu frösteln. Der durch das halb geöffnete Fenster hereinhuschende Seewind gelangte nun an die nackt schlafende Frau und kühlte den stickigen Raum schnell ab. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, in den lockeren Decken Wärme zu finden, schlug sie die Augen auf. Ein kühler Schauer stricht über ihren Körper hinweg, als sie sich aufsetzte, und hinterließ eine prickelnde Gänsehaut. Jana blickte nachdenklich auf die zerknitterten Stoffe, in denen mit etwas Phantasie noch die Abdrücke von Jagos kräftigem Körper zu sehen waren. Wie lange er schon fort war, konnte sie nicht sagen. Mit einem Mal wurde ihr bewußt, daß sie tatsächlich fror. Ja, sie spürte die Kälte des Morgendunstes, sehnte sich nach Sonnenstrahlen und wärmender Nähe. Sie schlang die Arme um sich und schüttelte den Kopf. Sie war Kälte gewohnt. In den anatomischen Leersälen der Akademie war es immer kalt gewesen. Die Leiber der Toten, an denen sie und andere das heilige Handwerk des Arztes lernten, waren kalt gewesen. Es war kalt gewesen, als die Studenten in die Feldlager zu von Orks verwundeten Soldaten und geschändeten Einwohnern des Wijards-Vorgebirges gerufen wurden. Eigentlich war es immer kalt gewesen, und nie hatte ihr das irgend etwas ausgemacht. Aber jetzt fror sie.
Ihr Finger tasteten nach der wollenen Decke. Als sie das große, dunkle Stoffstück zu sich heranzog, schmunzelte sie. Ein besonders feuriger Liebhaber war Jago nicht gewesen. Eigentlich hatte sie erwartet, daß er nach dem gestrigen Gespräch versuchen würde, sie nach allen Regeln der Kunst vergessen zu lassen, daß sie beide Schwäche gezeigt hatten. Besonders wichtig, so hatte sie gedacht, würde dem dunklen Jago die Wiederherstellung seiner scheinbar doch so geliebten Dominanz sein. Was tatsächlich geschehen war, beunruhigte sie. Fast schien es, als ob der sicherlich erprobte Liebhaber Angst davor hätte, sie zu intensiv zu berühren. Es gab nur zwei Typen von Männern, die sich so verhielten: Schwächlinge die nicht glauben konnten, was sie in den Lenden und unter ihren Händen spürten – und Frischverliebte. Hatte er sich in sie verliebt? Hatte sie sich in ihn verliebt?
Unter die Decke geschmiegt seufzte sie leise. Was als knisterndes Abenteuer, als jungfräuliche Beziehung angefangen hatte, entpuppte sich nun als gebährfreudige Mutter von Schwierigkeiten. Es waren eindeutig zu viele ungeordnete Gefühle im Spiel, damit ihre Begegnung als spannendes Erlebnis genossen und abgehakt werden konnte. Und es mußte abgehakt werden. Es mußte vergehen. Alles mußte vergehen. Irgendwann. Wer, wenn nicht sie, würde das besser wissen. Wenn er mehr von ihr wollte nach dieser Nacht, dann würde er sie zu verfolgen beginnen, denn sie war nicht der Typ Frau, den er einfach gehen ließ. Nicht einmal penetrant, aber konstant – mit Stil. Alles an diesem Jago die Trequona geschah mit Stil. Stilvoll würden die Präsente sein, die morgens „überraschende“ auf sie warteten, stilvoll die damit verbundenen Einladungen für einen Abend, bei dem nicht nur der Schaumwein prickelnd sein würde. Stilvoll – und eigentlich war so viel Aufmerksamkeit ihren Plänen im Weg. Es sei denn, er wäre ein Verbündeter. Sie mußte schmunzeln und räkelte sich unter der Decke. Das herauszufinden würde einige originelle Begegnungen, interessante Gespräche und lustvolle Momente bedeuten. Nun – warum nicht.
Die Luft in den Stunden vor der Dämmerung war frisch und kühl und ohne den warmen Leib des nächtlichen Liebhabers an ihrer Seite begann Jana bald zu frösteln. Der durch das halb geöffnete Fenster hereinhuschende Seewind gelangte nun an die nackt schlafende Frau und kühlte den stickigen Raum schnell ab. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, in den lockeren Decken Wärme zu finden, schlug sie die Augen auf. Ein kühler Schauer stricht über ihren Körper hinweg, als sie sich aufsetzte, und hinterließ eine prickelnde Gänsehaut. Jana blickte nachdenklich auf die zerknitterten Stoffe, in denen mit etwas Phantasie noch die Abdrücke von Jagos kräftigem Körper zu sehen waren. Wie lange er schon fort war, konnte sie nicht sagen. Mit einem Mal wurde ihr bewußt, daß sie tatsächlich fror. Ja, sie spürte die Kälte des Morgendunstes, sehnte sich nach Sonnenstrahlen und wärmender Nähe. Sie schlang die Arme um sich und schüttelte den Kopf. Sie war Kälte gewohnt. In den anatomischen Leersälen der Akademie war es immer kalt gewesen. Die Leiber der Toten, an denen sie und andere das heilige Handwerk des Arztes lernten, waren kalt gewesen. Es war kalt gewesen, als die Studenten in die Feldlager zu von Orks verwundeten Soldaten und geschändeten Einwohnern des Wijards-Vorgebirges gerufen wurden. Eigentlich war es immer kalt gewesen, und nie hatte ihr das irgend etwas ausgemacht. Aber jetzt fror sie.
Ihr Finger tasteten nach der wollenen Decke. Als sie das große, dunkle Stoffstück zu sich heranzog, schmunzelte sie. Ein besonders feuriger Liebhaber war Jago nicht gewesen. Eigentlich hatte sie erwartet, daß er nach dem gestrigen Gespräch versuchen würde, sie nach allen Regeln der Kunst vergessen zu lassen, daß sie beide Schwäche gezeigt hatten. Besonders wichtig, so hatte sie gedacht, würde dem dunklen Jago die Wiederherstellung seiner scheinbar doch so geliebten Dominanz sein. Was tatsächlich geschehen war, beunruhigte sie. Fast schien es, als ob der sicherlich erprobte Liebhaber Angst davor hätte, sie zu intensiv zu berühren. Es gab nur zwei Typen von Männern, die sich so verhielten: Schwächlinge die nicht glauben konnten, was sie in den Lenden und unter ihren Händen spürten – und Frischverliebte. Hatte er sich in sie verliebt? Hatte sie sich in ihn verliebt?
Unter die Decke geschmiegt seufzte sie leise. Was als knisterndes Abenteuer, als jungfräuliche Beziehung angefangen hatte, entpuppte sich nun als gebährfreudige Mutter von Schwierigkeiten. Es waren eindeutig zu viele ungeordnete Gefühle im Spiel, damit ihre Begegnung als spannendes Erlebnis genossen und abgehakt werden konnte. Und es mußte abgehakt werden. Es mußte vergehen. Alles mußte vergehen. Irgendwann. Wer, wenn nicht sie, würde das besser wissen. Wenn er mehr von ihr wollte nach dieser Nacht, dann würde er sie zu verfolgen beginnen, denn sie war nicht der Typ Frau, den er einfach gehen ließ. Nicht einmal penetrant, aber konstant – mit Stil. Alles an diesem Jago die Trequona geschah mit Stil. Stilvoll würden die Präsente sein, die morgens „überraschende“ auf sie warteten, stilvoll die damit verbundenen Einladungen für einen Abend, bei dem nicht nur der Schaumwein prickelnd sein würde. Stilvoll – und eigentlich war so viel Aufmerksamkeit ihren Plänen im Weg. Es sei denn, er wäre ein Verbündeter. Sie mußte schmunzeln und räkelte sich unter der Decke. Das herauszufinden würde einige originelle Begegnungen, interessante Gespräche und lustvolle Momente bedeuten. Nun – warum nicht.