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Der Auftrag

Verfasst: Mittwoch 16. August 2006, 19:00
von Cira Ad Ethir
Nachdenklich hatte Cira den Raum des Erhabenen verlassen. Sein Befehl war klar und eindeutig gewesen.
Der Auftrag war keineswegs leicht und barg vielerlei Gefahren. Doch ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie daran dachte, welche Auswirkungen wohl folgen würden.
Doch vorerst würde sie sich zurückziehen. Sie musste eine Lösung finden, um diesen Auftrag zu erfüllen.
Mit purer Gewalt war hier nichts zu machen, dessen war sie sich bewusst. Nein, etwas Geschick, eine kleine List und eine Ablenkung, die für Gesprächsstoff sorgen würde. Und mit Alatars Segen würde es ihr gelingen.
Der Gedanke an eine frühere Aufgabe kam ihr in den Sinn. Ein noch nicht erfüllter Auftrag, von dem wohl auch keiner mehr erwarten würde, dass sich noch jemand darum kümmert. Doch Cira hatte sich schon einmal darauf vorbereitet und nun sollte sie ihr zu Nutze sein. Bereits damals hatte diese Aktion Furcht und Verwirrung bei den Anhängern Temoras hinterlassen.
Es war nun an der Zeit, ein neues Zeichen zu setzten...

Verfasst: Sonntag 20. August 2006, 22:14
von Cira Ad Ethir
Markttag...
Cira hatte sich bereits eine ganze Weile in Varuna aufgehalten, war einige Male über den Markt geschlendert, hatte den Händlern beim Aufbauen zugesehen und sich dann zurückgezogen um auf die Eröffnung des Marktes zu warten.
Als sie zurückkehrte waren schon einige Interessenten an den verschieden Ständen zu sehen. Sie ging ebenfalls an den Aufbauten vorbei und warf flüchtige Blicke auf die angeboten Waren. Kaum jemand nahm Notiz von ihr. Sie hielt sich nirgendwo lange genug auf, damit die Händler auf den Gedanken kamen ihre Waren anzubieten.
Cira suchte auch nicht nach Waren – sie suchte nach IHM.
Würde er überhaupt erscheinen? Wie lange müsste sie sich noch hier aufhalten und Gefahr laufen jemanden aufzufallen? Sie atmete tief durch und schlenderte weiter über den Marktplatz, vorbei am Brunnen zu einem Stand mit Kleidung.
DA war ER. Er saß am Brunnenrand und sprach mit einem ihr unbekannten Herrn. Sie ging unauffällig weiter zu dem Marktstand. Halbwegs interessiert betrachtete sie einige Kleidungsstücke, sah jedoch immer wieder verstohlen zu den beiden Männern.
Solange er sich unterhielt hatte sie keine Chance an ihn heranzukommen, schon gar nicht wenn er gemütlich am Brunnen saß.
Sie konnte sogar einige Gesprächsteile hören, jedoch fehlte der Zusammenhang und sonderlich interessiert war sie an dem Gespräch sowieso nicht, sie wollte nur mitbekommen wenn es beendet war.
Endlich schienen sich die Männer zu verabschieden und der Graf stand vom Brunnenrand auf. Jetzt war ihre Zeit gekommen. Ein Zögern durfte es nicht geben. Das würde einem Versagen gleichkommen. Und zu versagen war nicht akzeptabel.
Sie hatte die Hände in den Ärmeln ihrer Robe verschränkt, so dass niemand den Dolch sehen konnte, den sie in einer Hand bereithielt.
Der Graf lenkte seine Schritte sogar in Richtung des Standes an dem sie sich befand, was ihr äußerst entgegenkam. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und lauschte nur auf seine Schritte, jedes andere störende Geräusch ignorierend. Als er etwa hinter ihr sein musste macht sie einen Schritt zurück und drehte sich dann halb in seine Richtung, wobei sie ihn wie versehentlich anstieß. Eine weitere halbe Drehung um hinter ihn zu kommen, eine kurze Berührung, ein rascher Schnitt mit dem versteckten Dolch, dann die Hände wieder in die Ärmel der Robe – und es war vorbei.
Sie murmelte ein knappes „Verzeihung der Herr“ und wandte sich zum Gehen um als er noch sagte, sie möge besser Acht geben, sonst würden sich die Wachen ihrer annehmen. Sie konnte sich noch einen entschuldigende Verbeugung in seine Richtung abgewinnen, bevor sie den Marktplatz verließ.

Es war getan und sie war noch am Leben! Wahrscheinlich hatte der Graf gar nichts bemerkt. Er muss mit seinen Gedanken weit weg gewesen sein, womöglich bei dem fremden Mann – oder bei anderen kürzlich eingetretenen Ereignissen. Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Alatar musste seine Hand schützend über sie gehalten haben. Sie konnte Varuna unbehelligt wieder verlassen.


Am selben Abend noch klopfte Cira an die Tür des Erhabenen. Als Letast öffnete verneigte sie sich und hielt ihm wortlos und mit ausdruckslosen Gesichtszügen die Locke entgegen.