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Vertrauen ist heilig - Verrat dagegen himmlisch
Verfasst: Dienstag 15. August 2006, 13:21
von Kihdar von Nebeltal
Auf der rauhen Fläche des Eichenholz-Tisches lag eine zerfledderte Karte Gerimors ausgebreitet, die er mit einigen Gewichten an den Ecken so befestigt hatte, dass sie nicht bei jedem Wellengang hin und her rutschen konnte. Er hörte zu seiner Zufriedenheit, wie die Matrosen draussen am Deck eilig umhertummelten, um das Schiff klar zu machen, damit der schnelle Wellenbrecher Rabanas, auf dem er sich nun befand, baldigst aus dem Hafen Rahals auslaufen konnte.
Das Schiff hatte nun fast einen ganzen Monat im Hafen der Stadt gelegen und befand sich demzufolge im guten Zustand, auch wenn er sich wünschte, dass Rahal ein größeres Trockendock besaß, in dem man einige ausführlichere Reparaturen am Schiff ausführen konnte. Doch tröstete er sich mit dem Gedanken, dass das kleine wendige Schiff den Weg zum heimischen Hafen der Nebelinseln wohl unbeschadet bestehen würde.
Zwar bedeutete der Umweg über sein eigenes Lehen eine weitere Verzögerung der Planungen, doch war es eine unmögliche Vorstellung für den Freiherrn zu Nebeltal und Langenorpunkt, sowie Konteradmiral der Nebelinselflotille, sich mit so einem unauffälligen Schiff auch nur in die Nähe eines Hafens der Grafschaft zu begeben.
So nahm er nur schwermütig die lästigen Umstände im Kauf, denn schliesslich war es für eine gute Sache.
'Eine gute Sache...', redete er sich immer wieder ein und musste dabei heimlich seine sonst eher undurchdringliche Grimasse zu einem schiefen Lächeln verziehen.
'Eine gute Sache für mich', pflegte Kihdar für gewöhnlich den Gedanken zu beenden und nun konnte er sich wahrlich ein glucksendes Kichern nicht mehr verkneifen, das mit all der Glückseligkeit und Vorfreude vermischt eher einem missglückten Katzengejaule ähnelte.
Der Haß an Adrian und überhaupt an all diese scheinheiligen temorasüchtigen Wichtigtuer hatte schon zu lange seine Rachegelüste genährt, als dass er den Schmerz und die Ohnmacht der Tatenlosigkeit nun einfach so abschütteln konnte.
Schmerz? Zuckersüß war der verlockende Gedanke daran, was nun geschehen wird, wenn der Orden seine Pläne wirklich verwirklichen konnte.
Vor seinem geistigen Auge schwebten ihm verschiedene Szenarien vor:
Adrian, der über den Zinnen seines Palastes thront und seelenruhig zusieht, wie seine Gardisten eine Rebellion der Stadtbewohner blutig niederschlägt.
Adrian, der die Templer des Temoraordens als Ketzer deklariert und diese dann öffentlich vor dem Stadttor pfählen lässt.
Adrian, der vor dem Alka kniet und seinen Lehnsmännern befielt von nun an Alatar zu huldigen.
Er verwarf die Gedankenspiele und versuchte sich nun auf die vor ihm liegenden Dinge zu konzentrieren. Noch war die Arbeit nicht getan und Versagen bedeutete unweigerlich den Tod oder lebenslange Schmach.
Mit zusammengezogenen Brauen, beugte er sich nun vor, um sich tief über die Karte zu lehnen, damit er die Umgebung Varunas genauer studieren konnte...
Varuna... diese Stadt wird sich für ewig verändern, doch der Wandel... wird so fließend wie möglich stattfinden... dafür würden schon seine Brüder und Schwestern des Ordens sorgen. Der Gedanke an das magische Meisterwerk, das sie zu erwirken gedachten, richtete seine Nackenhaare auf und bereitete ihm ein wohlfühlendes Kribbeln über die ganze Haut.
'Graf Adrian von Hohenfels, Truchsess des Reiches, Euer Erlaucht wird überrascht sein, welch ein loyaler, herzensguter und temorafürchtiger Diener Kihdar aus dem Hause der Nebeltals sein kann. Ich werde die Anweisungen von Bruder Jago mit Vergnügen befolgen und mich von meiner feinsten Seite präsentieren.' murmelte er insgeheim zu sich selbst, während sein Magen laut knurrend ihn daran erinnerte, dass er wieder das Dinner versäumt hatte...
Verfasst: Dienstag 15. August 2006, 15:13
von Sarog Pilyan
Wieder hatten für lange Zeit Sarogs Auge in die des Jago gesehen. Er war ein mächtiger und kaltblütiger Mann. Im nächsten Augenblick, so es Jago von Nutzen wäre, hätte er doch mit Sicherheit den Orden verraten. Dessen war sich Sarog völlig bewusst. Aber was erwartete er auch an seinem solchen Ort? Hier war Intrige vorprogrammiert. Die Gemeinschaft entstand einzig und allein aus Hass. Hass auf den einzigen Fein, den man wirklich Feind nennen konnte. Das reudige Pack der Magierschaft vom Konvent. Sie würden sich dem Grafen unterwerfen, immerhin hatte er ja solch einen guten Ruf, den er genoß. Trauriges kleines Völkchen, was sich an einen weltlichen Herrscher festhielt. Eine Person die jeden Tag einfach so sterben konnte... oder? Achja, die Pläne! Er hatte sich ja mit Kihdar gut einigen können. Er glaubte fast, dass in diesem Mann Potenzial steckte, wovon es nicht wirklich viel in diesem Haufen gab, den Gedanken dachte er jedoch nicht zu Ende. Immerhin wusste er nicht, wer gerade in seinen Gedanken herumspuckte, welche Techniken der Meister anwand, sich in die Köpfe seiner Schüler zu fressen.
Er schüttelt nur den Kopf, um den Gedanken wohl von sich zu werfen. Ihn erst einmal sein zu lassen. Denn jetzt gab es einen anderen Grund, den Kopf frei zu halten und sich nachdenklich zu stimmen. Zuerst musste neue Kleidung beschafft werden, er musste seine Haare anders tragen und er musste auch seine Verhaltensweise ändern. Ach - der Name - natürlich! Er musste ebenfalls einen überzeugenden Namen finden. Hm, den Schreiberling durfte er spielen, eine Aufgabe, der er nur zu gerne nachging. So kam er sicher an das eine oder andere kostbare Schriftstück, durfte bei den adligen Machenschaften mitmischen und sollte er doch mehr zu sehen bekommen, als seine Eltern damals für ihn vielleicht eingeplant hatten. Ein einfaches Handelshaus, närrisch und schwach. Niemals wäre er mit ihrer Hilfe im Orden gelandet!
Nun galt es loszulegen. Es musste überzeugend wirken und die richtigen Köpfe mussten verdreht werden. Dann - schnell, musste der Schlag kommen. Wenn man ihm am wenigstens erwartet, wenn er am wenigstens auffällt. Ein Lächeln zog sich über das bleiche Gesicht des Arkorithers und er erhob sich von seinem Schreiberpult. Griff sich mit der linken Hand seinen Wein und schwenkte diesen immer mal im bauchigen Glas. Die kühle rechte Hand wanderte über den Hals seiner Dame. Und fast mochte man eine Wärme in seinen Augen erkennen...
Verfasst: Dienstag 15. August 2006, 18:54
von Jago di Trequona
Er erwachte irgendwann in den dunklen Stunden vor der Dämmerung. Einen verwirrenden Moment lang hatte er keine Ahnung, wo er war - oder mit wem. Ein warmes, feuchtes Gewicht lag an ihn geschmiegt, und seine Hand ruhte auf nackter Haut.
Möglichkeiten stoben in Jagos Kopf auf wie ein aufgescheuchter Wachtelschwarm und verschwanden dann, als er tief Luft holte und Parfum, teuren Wein und weiblichen Moschus roch. Mädchen. Ja, natürlich. Die Frau, die vor kurzem mit dem Schiff in Bajard eingetroffen war.
Er lag einen Moment benebelt still und versuchte, sich in der unvertrauten Dunkelheit zu orientieren. Da - ein dünner, grauer Strich markierte das Fenster mit seinen geschlossenen Läden, ein Hauch heller als die Nacht im Inneren. Tür.... wo war die Tür? Er wandte den Kopf und sah ein schwach flackerndes Licht auf den Dielenbrettern, das erschöpfte Leuchten einer tropfenden Kerze im Flur. Er erinnerte sich vage an einen Aufruhr mit Stampfen und Gesang aus der unteren Etage, doch das hatte jetzt aufgehört.
Es war warm und stickig im Zimmer, doch ein schwacher Luftzug vom geschlossenen Fenster her berührte seinen bloßen Körper wie ein kühler Finger.
Sie lag auf seinem Arm. Mit langsamen Bewegungen löste er sich von ihr, achtsam, um sie nicht zu wecken. Dann griff er nach seinen Kleidern und stand auf.
Die Luft in den Stunden vor der Dämmerung war frisch und kühl und Jago atmete sie in tiefen Zügen ein, als er vor die bajarder Herberge trat. Dann wandte er sich in schnellen Schritten der Holzpalisade zu, verließ Bajard und ging noch ein Stück weiter die Straße entlang, bis er an einem Wegweiser stehen blieb. "Varuna" stand darauf zu lesen. Ob Bruder Kihdar bereits auf dem Weg war? Davon ging er aus.
Bei diesem Gedanken kroch ihm die unterschwellige Anspannung erneut über die Haut. Sein Vertrauen in den Orden war groß - aber er war nicht dumm und so war es nicht bedingungslos. Er kannte die Stärken und Schwächen seiner Schützlinge, jedenfalls von den meisten.
Nachdenklich strich er über das morsche, verwitterte Holz des Wegweisers. Sarog. Noch hatte er Zeit, irgenwann würde ihm der Beschwörer sein wahres Ich offenbaren.
Mit einer energischen Bewegung löste sich der Zauberer vom morschen Holz des Wegweisers und verschwand in einem Sphärenriß.
Rot glomm die Rune auf den Toren der Ordensburg auf, dann schwangen die Flügel beiseite und ließen ihn ein. Das leise Schnauben des grauen Hengstes begrüßte seinen Herren.
Kurze Zeit später schloß sich die Türe des rechten Turmes. Die Spinne war in ihr Netz zurückgekehrt. Nun saß sie da und lauerte.
Verfasst: Dienstag 15. August 2006, 20:25
von Kihdar von Nebeltal
Bevor man auf der Rabanas die Segeln setzte und der Wellenbrecher ins kalte eisige Meer stach, verließen noch etliche Brieftauben das Deck des Schiffes.
Ein mehrteiliges Schreiben wird zur Arkoritherburg getragen
Sein Segen mit euch Brüder und Schwestern,
Bruder Shirash wurde schon ausreichend von mir in Kenntnis gesetzt, über die grobe Vorgehensweise innerhalb Varunas. Weitere Details unterliegen einer zu wichtigen Geheimhaltung, als dass sie schriftlich festgehalten werden dürfen. Zu Erwähnen sei, dass Kihdar von Nebeltal, seines Zeichens her Freiherr von Nebeltal und Gouverneur der Hafenstadt Langenorpunkt, in den nächsten Tagen mit dem schweren Harpunensegler Elior die gräfische Hafenstadt Berchgard ansteuern wird. Danach wird er unverzüglich zur Hauptstadt Varuna reisen, um baldigst eine Audienz beim Truchsess zu erbitten. Der Treffpunkt soll das Gasthaus 'Zur bluehenden Weide' sein, bei der sich die eingeplanten Brüder und Schwestern in nächster Zeit möglichst unabhängig voneinander einfinden sollten.
Weiteres Vorgehen wird man vor Ort persönlich besprechen. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass sich die Schwestern und Brüder selbstverständlich in Umgang mit den Temoragläubigen üben sollten, um uns vor irgendwelche Dummheiten vorzubeugen. Natürlich habt ihr alle mein vollstes Vertrauen, so dass ich befürchte, dass meine Sorge sicherlich überflüssig sein wird.
Möge der Herr unser Auge und unser Ohr sein
Bruder Vinan
Nachtrag: Anbei liegt ebenfalls ein Dokument, welches für Bruder Shirash bestimmt ist.
Langenorpunkt 10.Ashatar 249
Hiermit verkündet Kihdar von Nebeltal, seines Zeichens Freiherr von Nebeltal und Langenorpunkt, Gouverneur von Langenorpunkt und Konteradmiral der Nebelinselflotille, Macht seines Amtes, dass Capitàn Germon L'arfiel am heutigen Tage eine Edlung zuteil wird, so dass er nun Germon de Narlot zu nennen sei und zugleich das Anwesen zu Narlot an der Dreimannsklingenklippe beziehen und besteuern darf. Mit dieser Kennzeichnung für ausserordentliche Tapferkeit im Kampfe gegen rahalische Freibeuter wird zugleich sein langjähriger treuer Dienst gegenüber der königlichen Marine gewürdigt und anerkannt.
Capitàn de Narlot erhält mit der Edlung zugleich Zugang zum Rang eines Commodore.
Mit dieser Erhebung erhält Commodore de Narlot das Kommando über den schweren Harpunensegler Elior und die Anweisung, mich während meines Aufenthaltes in Varuna zu begleiten.
gez. i. Auftrag von Freiherr Kihdar von Nebeltal,
Commodore Frederyc de Ecueyl."
*anbei liegen die Dokumente zur Edlung, Beförderung und Beorderung von Commodore de Narlot*
Eine zweite Botschaft erreicht die Taverne zur blauen Ratte und ist an eine gewisse Aurana gerichtet
Meine werte allerliebste Cousine Aurana,
Die besten Wünsche von der Heimat soll ich dir überbringen. Erinnerst du dich noch an die kleine amüsante Geschichte mit dem Truchsess? Träume sind dazu da, um sie Wirklichkeit werden zu lassen, und aus diesem Grunde möchte ich dir mitteilen, dass ich bald zur großen Stadt des Truchsessen aufbrechen werde, um unseren Traum vorzubereiten. Ich werde dort im Gasthaus 'zur bluehenden Weide' verweilen, wo ich dir dann eine Nachricht zukommen lassen werde, damit ich dir den Traum näher erläutern kann.
dein Cousin Armin
Eine dritte Nachricht wird entgegen des markerfrierenden Nordwindes getragen- hin zu den Nebelinseln.
An Commodore Frederyc de Ecueyl
Beladet den schweren Harpunensegler Elior unverzüglich und bereitet es für eine Überfahrt nach Berchgard vor. Das Schiff soll im besten Zustand im gräflichen Hafen Berchgard einlaufen, sobald ich mich in einigen Tagen an Bord begeben habe. Zusätzlich möchte ich ein halbes Dutzend Sprengfässer an Bord wissen, die in Weinfässer verkleidet sind und das Gütesiegel der Grafschaft besitzen.
*Statt der Unterschrift findet sich am Boden der Nachricht eine schlichte Möwenzeichnung ein*
Verfasst: Mittwoch 16. August 2006, 23:29
von Lanaya Shevanor
... .. . und aus den Tiefen der Verborgenheit werden sie sich erheben
Immer wieder musste sie an diesen Satz denken und betrachtete die Reagenzien vor sich. Ohja... sie würde durchaus auf ihre Kosten kommen bei diesem Auftrag.
Mein Leben für den Orden. .. ...
War es nicht so? Mit ihrem Blut hatte sie den Pakt besiegelt nun würde sie dafür einstehen. Obgleich sie ihrem Bruder ein wenig Bedenken geäußert hatte, die Zukunft der Baronie befürchtend, war sie nun mehr als bereit den Willen des Meisters zu erfüllen, zu gefallen.
Glauben bedeutet dienen... . .. ...
Auch dies schien zutreffend. Vor geraumer Zeit hatte sie begonnen zu glauben und zu handeln. Erneut schien es an der Zeit sich einer Lüge hinzugeben, zu verschmelzen. Ab und an verlor sie sich und vermochte selbst nicht zu unterscheiden was wahr oder unwahr ist. Ab und an glaubte sie die Lüge, lebte sie.
Amelia, Alchemistin. Suzanne, die alte Blinde. Tarasha die Bäuerin.
Namen, gänzlich ohne Bedeutung. Doch diesmal würde sie ihre ureigene Lüge aufleben lassen. Diesmal würde sie als sie selbst walten und handeln. Diesmal würden die Konsequenzen vielleicht nicht nur sie treffen sondern auch die ihr Unterstellten. Aber war es das nicht wert? Durchaus, natürlich war es wert IHM zu gefallen. Energisch schmiss die ziehrliche Person den Stuhl vor sich um und trat hinaus. Bereits ein wenig zu lange hatte sie gezögert. Nun schien die Zeit gekommen Taten auf Gedanken folgen zu lassen.
*Einem Boten aus Berchgard das Pergament übergebend, verließ sie sich das dieses den Weg zum Schlosse Varunas finden würde. Kurze Zeit später sah man den Boten es einem der Wachmänner übergeben und sich eiligst davon machen*
Für den Grafen ...
.......... eilig!
*hört man ihn noch rufen ehe die verwunderte Wache sich aufmacht das Pergament zu überbringen*
[img]http://nachbarslumpi.na.funpic.de/Katja/Lanaya%20Krams/an%20Adrian.JPG[/img]
Zufrieden sah sie dem Boten nach ehe sie rasch Berchgard den Rücken kehrte und mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze in den Wäldern verschwand. Einige Stunden später erreichte sie ihr Ziel und trat aufatmend ein. Alles schien zu laufen wie es sollte und ein weiteres Pergament wurde in der Festung des Ordens zurückgelassen.
[img]http://nachbarslumpi.na.funpic.de/Katja/Lanaya%20Krams/bei%20den%20Arkhorithern.JPG[/img]
Als auch dies getan war machte die Verschleierte sich ein letztes Mal in dierser Nacht auf den Weg. Alsbald schien die Luft um sie herrum erfüllt von Wärme und ein Magierkundiger mochte wohl die dunklen Schwingungen im Lied der Eluive erkennen. Für die Wachen Rahals jedoch schritt nun mehr die freundliche Alchemistin durch die Tore die ihne heute besonders vergnügt zunickte.
Verfasst: Donnerstag 17. August 2006, 16:16
von Varlon
*Es war früh am Morgen als es an der Tür hämmerte und ein Bote mit einer Schriftrolle in der Hand davor stand.
'eilig' hätte es geheissen.... nun bin ich nicht unbedingt der gebohrene Frühaufsteher und so scheuchte ich ihn
sogleich mit einer unwirschen Handbewegung davon. Doch der ärger wandelte sich in Neugierde als er die
folgenden Zeilen las. Langsam schritt er in sein Haus zurück und begann mit Feder, Tinte und Papyrus eine
Antwort aufzusetzen.*
[img]http://nachbarslumpi.na.funpic.de/Stephan/Antwort.JPG[/img]
*Langsam erhebt sich der Mann von seinem Stuhl und schlendert mit der Schriftrolle in der Hand zum Fenster
auf dem ein schwarzer Rabe bereits warten zu scheint.* "Flieg, flieg und überbringe mein Wort!"
Verfasst: Samstag 19. August 2006, 12:05
von Baygon Lypsan
Als Baygon dort im Versammlungsraum auf dem Stuhl saß und nach und nach die anderen Ordensbrüder und Schwestern eintraten, musterte er jeden dieser argwöhnisch. Schließlich bekam er sie nicht oft zu Gesicht. Auch ihm noch unbekannte Gesichter waren darunter doch er wollte nun keine große Kennenlernfarce veranstalten, schließlich hatte Bruder Jago etwas wichtiges zu sagen....
Jago...ihm noch immer ein Rätsel. Was seine Ausstrahlung betrifft ist er Baygon gar nicht so unähnlich. Stets ruhig doch in seiner Stimme und Aura liegt eine tiefgreifende Boshaftigkeit, die in den Feinheiten der Stimme zum Vorschein kommen.
Jago begann offensichtlich gut gelaunt seine Ansprache nachdem die Versammlung noch etwas auf Bruder Sarog gewartet hatte, der aber zunächst nicht erschien, und Jago entschied zu beginnen.
Baygon blickt nach links und rechts und kam nicht umher zu sehen, wie einige der Ordensschwester Jago anbiderten und mit ihren Reizen sein Wohlgefallen gewinnen wollten. Widerlich.... etwas anderes viel ihm nicht ein als er dies beobachtete und seinen Würgereiz unterdrückte. Er war Gewiss nicht neidisch auf Jago, nein er hatte es noch nie mit Frauen gehabt, sie waren nur lästig und zeitintensiv. Jedoch verachtet er die Art auf diese Weise Aufmerksamkeit oder gar Anerkennung zu gewinnen.
Jagos Nachricht war größtenteils ausgesprochen und Baygon wurde wieder klar....Infiltrieren im Verborgenen agieren, heucheln und dulden. Das war nicht seine Art. Ihn dürstet es nach Konfrontation nach Kampf Aug in Aug mit dem Feind, der weiß wer sein Gegner ist!
Einige Ordensmitglieder begannen noch während der Ausführung grundlegende Fragen zum Auftrag zu stellen, die in Baygons Augen eine glatte Unverschämtheit waren! Wie konnten sie es wagen Jagos Integrität in Frage zu stellen! Er und der Meister werden sich schon ihre Gedanken gemacht haben, die keinerlei zweifelhafte Fragen offenließen!
Er hielt nicht viel von dem Plan vorallem weil er dieses Versteckspiel hasst und nebenbei müsste er sich schon einer grundlegenden Veränderung unterziehen um in Varuna nicht aufzufallen.
Doch was in Baygon's Hirn, den Orden betreffend, am meisten Unmut verbreitet, ist die Tatsache mit dem Rest der Gruppe gleichgestellt zu sein. Er hatte eine weitreichende Vergangenheit, er hatte in Kriegen gekämpft sich den Respekt seiner Feinde erkämpft. Er hat sich weitreichendes Wissen und Macht erarbeitet und gefestigt. Und nun soll er mit diesen "Jungzauberern" die nicht ansatzweise seine Erfahrung mitbrachten gleichgestellt sein? Lächerlich. Reika bildete natürlich die Ausnahme, immerhin war sie von seinem Blut und hat nicht minder viel erlebt. Doch wie sollte er sich von ihnen vor Jago und dem Meister hervorheben? Ihm wie diese Dirnen schöne Augen machen einen Rock tragen?!
Auch SEINEN Respekt mussten sich die anderen ersteinmal verdienen.
Was den Plan betrifft würde er sich im Hintergrund halten und zur Verfügung stehen sollte irgendetwas schiefgehen.........
Verfasst: Montag 21. August 2006, 15:59
von Kihdar von Nebeltal
"Wird nicht wieder vorkommen, eure königliche Hoheit." antwortete die Gardistin kleinlaut, während sie des Grafens Schelte wehmütig entgegennahm.
Dieser unscheinbar wirkende ruhige Mann mit dem Ledermantel von mittleren Alter war also Adrian? Den kurzen Moment der Überraschung lang, stand Kihdar wie versteinert hinter diesem Manne, der wie seine schlichten Untertanen beim Gemüsestand seinen Einkauf tätigte. Für diesen Augenblick lang ließ er sich von der Wut in seinem Bauche dazu verführen, dem Grafen von Hohenfels hinterherzueilen. Schnell wanderten seine Finger unbewusst zum Knauf seines Rapiers, dessen helles metallisches Klimpern sein verräterisches Verhalten im vorraus ankündigte.
Schnell zog er die Waffe aus der Scheide hervor, um es dem ahnungslosen Adrian in den Rücken zu stoßen. Und zumindest in seiner Phantasie wurde das Lebenslicht des Grafen ausgelöscht.
Doch das waren alles Hirngespinste. Der gleichmässige unbekümmerte Gang des Grafen, der einige Schritte von ihm entfernt von einem Marktstand zum anderen wanderte, brachte den Freiherren von Nebeltal wieder auf den harten Boden der Realität zurück.
Er schallte sich selbst einen Idioten und ließ seine Hand wieder vom Knauf des Mordinstrumentes ab....
Was nutzte es ihm, wenn er Adrian tötete? Vorrausgesetzt ihm gelinge die mehr als unwahrscheinliche Flucht aus der Stadt, so würde dennoch der Orden Kihdar hart für sein Versagen bestrafen.
Was nutzten einem die süßen Früchte des Erfolges, wenn man nicht die Gelegenheit hatte, diese auszukosten?
Nein, noch war es nicht bereit sein eigenes Leben gegen das von Adrian einzutauschen. Es barg sicherlich mehr Vorteile in sich, die Maskerade bis zum endgültigen Finale aufrechtzuerhalten.
Mit einem zurückhaltenden Lächeln auf dem Gesicht macht er sich an, den Truchsess zu begrüßen...
Verfasst: Montag 21. August 2006, 16:27
von Kihdar von Nebeltal
"Temora zum Gruß mein Herr..." Ihre Stimme klang aufgeschlossen, freundlich und vor allem sanft, mit einer Spur von zurückhaltender Neugierde unterlegt.
Er haßte dieses Gesülze und noch mehr verachtete er diese scheinheilige Masche, welches man in Varuna als 'höflichen Umgang' zu nennen pflegte.
Zu gern hätte er sich eine Illusion erschaffen, mit der er das unangenehme Verziehen seiner Mundwinkeln bei diesen Worten überspielt hätte. Doch es war zu spät und die Unachtsamkeit überraschte ihn auch diesmal eiskalt.
Mit einem verärgerten Zähneknirschen nahm er sich vor, beim nächsten Mal vorzusorgen und besser auf so etwas vorbereitet zu sein.
Vor ihm stand, wie sich später herausstellte, Eileen von Hohenfels, die Gemahlin des Grafen Adrian von Hohenfels, und Kihdar hätte sich beinahe verplappert, als er bemerken wollte, dass sie gar nicht so aussieht wie eine ehemalige Stallmagd. Zum Glück konnte er sich noch im letzten Moment auf ein besseres besinnen und das Ruder herumreißen...
Sicherlich hatte die Gräfin so ihre Reize, und ihre Unbekümmertheit sowie ihr erfrischender Humor erinnerte ihn an vergangene Bekanntschaften aus jungen Jahren.
Doch zu ungewohnt war nun dieses warme geborgene Gefühl, welches die Gräfin nun in ihm erweckte. Fast schon empfand er Mitleid für sie, als er sich vorstellte, was der Orden alles mit ihrem Gemahl anstellen würde...
Seltsam, seltsam ...
Verfasst: Montag 21. August 2006, 17:25
von Eileen von Hohenfels
Ein seltsamer Mensch, alles in allem.
Er hatte beiweitem nicht die Souveränität besessen, die Eileen von einem Adligen seines Alters erwartet hätte.
Aber nun gut, wer war schon perfekt, und letzten Endes waren sie alle Menschen.
Bestimmt höflich hatte sie Kihdar von Nebeltal angesprochen und ihn nach seinem Interesse am Geschmack des Grafens gefragt.
Es mutete schon seltsam an, in diesen Zeiten auf dem Markt zu stehen und ein unbekanntes Gesicht, solch Fragen stellen zu hören.
Wie dreist würden Rahaler wohl sein ? Was würden sie unternehmen, um Dinge in die Wege zu leiten, die dem Reich schaden sollten ?
Varunas Tore waren so offen wie man sie nur machen konnte. Man verbarg sich hierzulande nicht, hatte man ja auch nichts zu verbergen, und gleichsam präsentierte man seine verletzliche Seite damit.
Wieviel Schergen mochten in der Stadt sein und nach diesen Schwächen suchen ?
Eileen hatte beschlossen den Mann anzusprechen, zuvorkommend wie immer. Kihdar von Nebeltal.
Es schien ihr als habe sie ihn halbwegs kalt erwischt, und die ein oder andere Ungereimtheit kam über seine Lippen.
Das Wort "Rahal" fiel und er sprach von seinem Commodore ebenso wie von einem Kriegsschiff, welches dieser vor Berchgard liegend rüsten würde.
Unbedacht oder gewollt, es war einerlei, doch hakte sie dezent nach.
Die Deutlichkeit der Fragen stand zwischen den Zeilen, und Dinge die jemand von Stand in Rahal zu erledigen hatte, wie er bekannte, waren ihr Suspekt.
Handel ? Verhandlungen ? Abmachungen ? andere Befangenheiten ? oder einfach nur falsche Informationen ?
Innerlich wuchs ihre Reserviertheit und sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen.
Der Mann gestand nichts in der Hand zu haben, was als Aufmerksamkeit taugte, wenn er zur Audienz ins Schloss käme.
Seltsam zwar, aber auch das konnte passieren. Wenn er sich vor dem Tresen einer handelnden Bäuerin erkundigte, konnte es sich nur um eine Kleinigkeit handeln, an die er gedacht hatte, und sicher wollte Eileen ihn nicht beschämen. Wusste man doch nie, wie liquide die Herrschaften waren.
Jedem das seine, aber gegen eine wirklich gute Flasche Wein hätte Adrian sicher nichts einzuwenden, und sie hoffte, dass das Kahlids Goldbeutel nicht sprengen würde ... lies er doch ein Schiff rüsten ... hatte er "rüsten" gesagt ? Was hätte er sonst kaufen wollen ? Einen Zentner Äpfel ?
Sie war gespannt, was jene Audienz wohl ergeben würde, und beschloss nicht weiter in ihn zu dringen, stand ihm ab und an wirklich die Röte auf der Stirn.
sei behutsam ... du kennst ihn nicht
Man verabschiedete sich in aller Form und ging seiner Wege.
Eileen hatte den Eindruck jemanden zurück zulassen, der nicht recht wusste was er wollte. Ein Unding. Konnte sojemand nicht wissen was er wollte ?
Sie beschloss die Gedanken derweil zurückzustellen und Adrian von der Begegnung zu berichten.
Verfasst: Montag 21. August 2006, 18:32
von Kihdar von Nebeltal
"Ein trockener Roter .. aus einem Jahr mit viel Sonne." War es das Schicksal oder doch Zufall, dass sich nun alles um Wein drehte?
Innerlich völlig aufgewühlt beobachtete Kihdar aus der Ferne, wie einige Tagelöhner die stämmigen Weinfässer über den Marktplatz hievten.
Er hoffte nur insgeheim, dass keines der Fässer zu Bruch gehen würde...
...denn die Weinfässer waren nicht das, was sie zu sein schienen. Zwar unterlagen sie am Stadttor eindeutig dem Weinzoll, denn der zuständige Gardist hatte sich auch nicht das Vergnügen- oder besser gesagt die heilige Pflicht - nehmen lassen, jedes der Fässer auf seine angebliche Güte zu überprüfen, doch wer sollte schon ahnen dass die Fässer einen präparierten doppelten Boden besaßen und sich hochentzündliches Brandöl im unteren Drittel der Fässer befand.
Er fragte sich, was er nur mit den Tagelöhnern machen sollte. Ob diese ahnten, dass etwas mit den Fässern nicht in Ordnung war? Es war wohl sicherer, die Männer zum Schweigen zu bringen, damit sie nicht zuviel erzählten.
Mit einem schwermütigen Seufzen begab sich Kihdar zum Handelsbund von Varuna, um sich nach dem "trockenen Roten aus einem Jahr mit viel Sonne" zu erkundigen.
Wein war sicherlich das richtige Geschenk für den Grafen- in diesem Falle musste er Eileen zustimmen.
Verfasst: Mittwoch 23. August 2006, 03:27
von Lanaya Shevanor
Die Vorbereitungen liefen in höchstem Maße. Bruder Kar´drak war inzwischen mit den Einzelheiten Shevanor betreffend vertraut. Von den beiden Schwestern hatte sie nur soviel gehört das Eine inzwischen erkrankt war. In vier Tagen sollte das Schiff von ihrer Heimat Lameriast passieren und sich weiter auf den Weg nach Gerimor machen. Sie beschloss in Lameriast ihren Platz einzunehmen und lies Varlon einige Zeilen zukommen ihn darüber in Kenntnis setzend. Es sollte wohl möglich sein sich dann am Hofe umzusehen. Sie hoffte das ihre Briefe an die Heimat angekommen waren und sich die gewünschten Dinge an Bord befanden. Bislang hatte sie Varuna nur zweimal betreten. Das Gesicht zu Unkenntlichkeit verändert. Niemand dürfte sie dort bemerkt haben. Sie war vorsichtig und berechnend. Oft rümpfte sie die Nase über den rotwangingen Freiherren der wahrscheinlich nicht einmal „Echt“ war. Doch auch er spielte nur eine Rolle, so wie sie. Sie alle waren Figuren im Spiel der Götter und sie alle würden ihre Aufgabe erfüllen. Nur wenige Tage hatte sie Zeit ihr Wissen über die gläubigen Adelsfamilien aufzufrischen und diese würde sie nutzen. Etliche kleine Fläschchen in Kisten einräumend würde sie diese mit auf das Schiff nehmen und unter die gewünschten Vorräte mischen. Es wäre möglich gewesen diesen Auftrag ebenfalls in die Hände ihres Vertrauten zu legen. Doch schien ihr diesmal Shevanor zu weit weg um dies ausreichend kontrollieren zu können. Sie wollte sich keinen Fehler erlauben und so waren in stundenlanger Arbeit Tränke über Tränke in verschiedenen Geschmacksrichtungen entstanden. Letztendlich war sie sich über die nebensächliche Wirkung einiger selbst nicht mehr sicher und musste einige Flaschen nochmals entkorken ehe diese wieder ihren Platz fanden. In der Tat, obgleich ihr Auftritt in Trauer erfolgen würde, konnte sie nicht mit leeren Händen erscheinen. Es ziemte sich schlichtweg nicht. Nachdenklich neigte die zierliche Baronin den Kopf nach Vorne, sich die ohnehin schon glänzenden Haare bürstend. Hatte sie etwas übersehen? War etwas nicht durchdacht worden? Aus den Gedanken gerissen warf sie den Kopf zurück und blinzelte. Die Brieftaube die eben durch das Steinfenster geflattert kam nahm ihre Aufmerksamkeit in Anspruch. Ja waren sie denn des Wahns? So etwas wie eine Brieftaube zu senden? Fluchend nahm sie dem Tier das winzige Pergament vom Bein. Das Siegel schien unversehrt, na immerhin. Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen als sie die Nachricht vernahm und das Pergament im Feuer vernichtete. Das Schiff würde nicht wie geplant in den frühen Morgenstunden sondern bereits zur Nachtzeit Lameriast passieren. Sie würde also einige Stunden früher als geplant die Insel verlassen um dann mit dem Schiff in Berchgard einzulaufen. Die Sachen wurden gepackt und alsbald ward sie auf dem Weg nach Lameriast. So alles glatt lief würde sie dennoch einen Tag Spielraum haben bis ihr Schiff bereit war sie aufzunehmen. Mit dem Kapitän würde sie wohl nochmals ein Wörtchen reden. Durch die verfrühte Ankunft geriet sie in ihrem Plan durcheinander.
Tage später:
Endlich war Lameriast erreicht. Den Inhalt der Kisten nochmals kontrollierend schritt sie gemächlich das Ufer entlang. Stunden marschierte die schwere Kiste mit sich tragend. Inzwischen hatte sie gelernt ihre Müdigkeit und ihre Ausdauer zu beherrschen. So das ein Fremder kaum auf die Idee gekommen wäre das sie schon geraume Zeit unterwegs ist. Bevor sie abgereist war hatte sie nochmals einige Zeilen in der Feste des Ordens zurückgelassen.
An die Familie Kerben,
die Zeit ist gekommen und das Vorhaben beginnt. In wohl 5 Tagen wird mein Schiff in den Hafen Berchgards einlaufen und wir werden uns gen Schloss wenden. Bruder Kar´drak steht bislang an meiner Seite. Schwester Sylvana ist erkrankt und ich bin nicht im Bilde in wie weit sie dem Vorhaben beiwohnen kann. So noch jemand weiteres Interesse daran hegt der Familie seine Augen und Ohren zu leihen erwarte ich ihn am Tag der Ankunft nahe Berchgard. Selbstredend werden dann höchstens 1 – 2 Tage verbleiben ihn über ein Grundwissen Shevanor betreffend zu informieren. Über das Vorhaben sollten inzwischen ja alle informiert sein so das ich mich darüber nicht nochmals auslassen werde.
Eure Base Samantha
Doch nun galt es ihr Ziel zu erreichen. Endlich sah sie das Fischerboot vor sich. In einfachen Kleidern verstaute sie zunächst die Kisten darauf ehe sie selbst sich setzte und zu Rudern begann. Niemand wäre darauf gekommen das die Frau von höherem Stand sein könnte. Das Haar in einem Kopftuch verbergend glänzte alsbald ein feiner Schweißfilm auf der blassen Haut. Sich immer wieder orientierend erreichte sie endlich die vereinbarte Stelle. Hier war sie nunmehr ein Punkt im Wasser den niemand beachten würde. Doch Stunden später würde ein Schiff passieren und sie mitnehmen. Wachsam richtete sie sich auf und begann zu warten.
Verfasst: Freitag 25. August 2006, 09:36
von Kihdar von Nebeltal
Kihdar von Nebeltal hat geschrieben:"Wo kein Ankläger, da auch keine Klage," dachte sich Kihdar nebenbei und wälzte sich unruhig auf dem Bett des Gasthauses 'zur bluehenden Weide' herum.
Die Audienz enttäuschte ihn und dennoch war er froh, dass er den Tag überlebt hatte. Als er seine Lügen so formlos wie ein alter Geschichtenerzähler den Herrschaften aufgetischt hatte, hoffte er sich insgeheim natürlich, dass er keine wichtigen Details ausgelassen hatte, um unnötig Argwohn bei den Rittern zu vermeiden. Lügen war für ihn als Illusionisten schon zur Gewohnheit geworden und manchmal, da verwischte er ebenso unbewusst die Grenzen zwischen Illusion und Realität, wenn er einen zu intensiven Blick in den Abgrund wagte.
Für einige Momente lang befürchtete er schon, dass Darna ihm auf die Schliche gekommen war, doch was hatten sie schon gegen ihn in der Hand? Keines der werten Herrschaften des Lichtes würden sich nach Rahal in die 'Höhle des Löwen' - so nannten sie die Stadt ausweichend- wagen.
Er musste bei dieser Bezeichnung unwillkürlich kindisch in seinen Kissen kichern, als er sich ausmalte welches der beiden Städte wohl eher die Höhle des Löwen darstellte- Varuna oder Rahal? Vielleicht hatte er auch umlängst den Gespür für so etwas verloren, denn zu lange musste sich der Illusionist verstellen, um sich durch diese erbarmungslose Welt zu schlagen.
Es behagte ihm nicht, dass der Bruder seines Ordens Sarog sich anfangs ein wenig sonderbar benahm (oder war er schon so paranoid, dass er sich dies einbildete?), doch womöglich war es sogar vom Vorteil, dass der Beschwörer des Ordens ein wenig die Aufmerksamkeit der Anwesenden an sich riß.
Überhaupt war es von Vorteil, dass so wenig Aufmerksamkeit wie möglich seiner eigenen Person galt. Wie erleichtert stellte er fest, dass die Herren Ritter scheinbar durch den misslungenen Brandanschlag völlig andere Sorgen hatten.
Die arme Seele, die er für den Anschlag rekrutriert hatte, traf er nach der Audienz nicht mehr wieder und auch das Haus des Juweliers war noch unberührt. Er fragte sich ob es nötig war, den Handlanger zu liquidieren. Ein Fingerschnipsen der Kampfmagier des Ordens und alle noch relevanten Beweise für seine zwielichten Intentionen wären beseitigt, auch wenn er sich dem Handlanger niemals als Kihdar von Nebeltal gezeigt hatte, sondern als den dürren verdreckten Verrückten mit den wirren zotteligen Haaren.
Ein Misslungener Anschlag und doch ein Erfolg?
Der dauerhafte Zugang zum Palast musste noch erarbeitet werden, und langsam nahmen auch die ersten wirren Gedankenfetzen eine ansehliche Gestalt an...
Er raffte sich von seiner Schlafstätte empor und lugte nochmals zum Fenster hinaus, wo sich der matte Lichtschein des Mondes gerade hinter einer Wolkenformation versteckte....
Ein schales Lächeln huschte verspielt über seine Züge, als er sich mit ruhiger Gewissheit wieder zum Schlafen legte. Der nächste Schritt wird bald folgen...
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Verfasst: Freitag 25. August 2006, 14:44
von Kihdar von Nebeltal
Das Klappern der Hufen draussen auf den Straßen entfernte sich zusehends, und nur noch in seiner Einbildung hallten die Klänge des städtlichen Nachmittags wider.
Er ließ den Tag noch einmal Revue passieren:
Er war morgens aufgestanden, hatte wie ein eingesperrtes Raubtier in seiner viel zu kleinen stickigen Kammer ausgeharrt und die Zeit totgeschlagen, nur um Mittags wiederum die matschige Haussspezialität der Gaststätte, welches sowohl optisch, als auch geschmacklich eine Zumutung war, zu verschmähen.
Kurz nach Mittag erreichte ihn eine Eilnachricht von einer gewissen Cousine Sylvana, die sich über sein Wohlergehen erkundigte und abends in Varuna eintreffen wollte. Er war erstaunt, dass der Orden so wenig Zutrauen hatte, dass man ihm nun eine Schwester als Aufsicht schickte. Oder wollte Jago nur die Fortschritte der Unternehmungen überprüfen?
Als jedoch zum angekündigten Zeitpunkt die junge Frau mit den fast feurigroten langen Haaren den Vorhang der Kutsche zur Seite schob, manifestierte sich sein Plan vollständig...
Wie vermutet erwies sich die Schwester bockiger als ihr Äusseres erscheinen ließ und als sie in dieser winzigen Kammer des Gasthauses für sich alleine waren, bestätigten sich auch sofort diese Befürchtungen schlagartig. Er konnte nicht umhin, sich einige zweideutige Bemerkungen zu genehmigen, und für diese leichtsinnigen Worte hätte sie ihm just in diesem Moment beinahe die Augen ausgekratzt.
Und trotz der scharfen Nägel, die sich tief in seine Hand schnitten, verspürte er ein ungewohntes Kribbeln im Bauch...
Doch ihre Wut war nur günstig für seine Pläne.
Er verharrte kurz vor dem Fenster und lauschte den versiegenden Hufgeklappere aus der Ferne, als das Messer in ihrer Hand plötzlich aufblitzte und die Klinge mit einer geschmeidigen Bewegung in seinen Rücken getrieben wurde- direkt wie vereinbart auf der Höhe des rechten Lungenflügels neben der Wirbelsäule. Wenigstens in diesem Falle konnte man sich auf den Orden verlassen- die fast chirurgischer Präzision des Tötens...
Verfasst: Freitag 25. August 2006, 18:06
von Lythiana Cronor
Mit leisen, kaum hörbaren Schritten näherte Lythiana sich dem Bruder, die rechte Hand war um den Griff eines äußerst spitzen, nachtschwarzen Dolches geschlossen. Einen Moment lang verharrte sie hinter ihm... so dicht an ihm, dass er ihren Atem im Nacken spüren musste. Ohne Vorwarnung schnellte die rechte Hand mit dem Dolch dann vor, trieb die Waffe tief in den Rücken Kihdars. Um den Einstich herum färbte sich das Hemd des Bruders augenblicklich rot... Ein nahezu faszinierender Anblick, wenn es sich nicht um einen Ordensbruder gehandelt hätte, der da vor ihren Augen langsam zusammenbrach.
Wenige Augenblicke später wurde die Tür des Zimmers aufgerissen und eine junge Frau stürmte heraus, welche nur bei sehr genauem Hinsehen Lythiana ähnelte. Die vorher hüftlangen, feuerroten Haare waren nun halblang, zerzaust und konnten als "straßenköterblond" bezeichnet werden... das dunkelrote, recht teure Kleid war einem ungefärbten, schlichten und ein wenig schmuddeligem Modell gewichen. "HILFE! HILFE! Wieso hilft mir denn niemand? Blut... Blut... so viel Blut... ein Mord! HILFE!" Solche und ähnliche Dinge schreiend lief die junge Magierin durch die Straßen Varunas. Ihre Schritte führten sie, natürlich nicht zufällig, zum Schloß. Die Hände klammerten sich um die Eisenstäbe des Tores, welches zum Schloßgarten führte... ihre Stimme wurde noch ein wenig lauter, die Augen noch ein bißchen mehr aufgerissen. Endlich näherten sich Schritte, das Tor wurde geöffnet und Lythiana konnte berichten...
Einige wenige gestammelte Worte genügten um ihren Gesprächspartner - um wen es sich handelte, konnte die junge Frau nicht sagen, lediglich dass er über einen gewissen Einfluss verfügte konnte sie erkennen - zu alarmieren. Nur mit Mühe konnte sie ein triumphierendes Grinsen verbergen, als sie, von dem Herren gefolgt, wieder zurück zu Kihdars Zimmer eilte. Der Plan schien aufzugehen...