[Q] Das Auge des Adlers
Verfasst: Sonntag 7. Januar 2024, 23:14
von Berenguer von Salberg
Verschwommene Bilder.... ein Greif.... ein schattenartiges Wesen... ein Kampf und schließlich die Löwenpranke des Greifen, die auf ihn zusauste.
Die Vision ließ Berenguer nicht mehr los. Er hatte seitdem er den Ruf Temoras vernommen hatte schon viele Visionen erlebt und doch war diese.... anders. Er konnte sich nicht helfen, er wusste diesmal würde irgend etwas besonderes passieren, das sonst nicht passierte.
Dieses unbestimmte Gefühl wurde nur noch genährt dadurch, dass die Vision ihn in einem Raum voller Geweihter überkommen hatte, aber keiner der anderen hatte die Bilder wahrgenommen - nur Berenguer. Und nun hatte heute auch noch Beak eine ähnliche Vision gehabt - höchst merkwürdig für einen Nicht-Geweihten.
Die Zeit würde zeigen, welche Mysterien hier darauf warteten gelüftet zu werden...
Verfasst: Montag 19. Februar 2024, 17:40
von Keylon von Salberg
Jetzt würde es bald weitergehen.
Die Suche nach dem... Tintenfass. So unwirklich es auch klingen mochte.
Sie suchten ein Tintenfass.
Eine Greifenfeder hatten sie bei der letzten Expedition gefunden. Eine Feder die wohl eine gewisse Heiligkeit verströmte.
Tintenfass und Feder
War ja eigentlich logisch... doch wie und wofür sollte es sein.
Eine Vision hatte wohl gezeigt das die Amulette der Ritter alsbald ihren Dienst versagen würden, doch sie hatte auch eine Lösung aufgezeigt.
Mit diesen beiden Gegenständen sollen den Rittern heilige Zeichen auf die Stirn geschrieben werden und so wird das Amulett durch Temoras Gnade ersetzt werden.
Eine Tinte die wohl nur von Geweihten gesehen werden konnte.
Seine Gnaden Lumen hatte wohl den Auftrag das Fass zu bergen und wie er vermutete würde es am Schrein des heiligen Fasamar im Westen zu finden sein, was nicht ganz ungefährlich sein würde, aber die Kirche war nicht so dumm die Bergung alleine durch zu führen, sondern lud dazu die Ritterschaft ein.
Keylon jedenfalls würde sich dem Tross nur zu gerne anschließen.
Verfasst: Sonntag 3. März 2024, 17:39
von Berenguer von Salberg
Der achtundzwanzigste Eisbruch des Jahres 267 war ein Tag den Berenguer so schnell nicht vergessen würde. Hatte er beim Anblick der gigantischen Bibliothekskatakomben, welche sich unterhalb des Schreins des Fasamar verborgen hatten schon gedacht, dass es ein denkwürdiger Tag sei und er sich glücklich schätzen konnte diesen legendären heiligen Ort mit eigenem Auge zu erblicken, so hatte der weitere Verlauf des Abends noch deutlich mehr Wendungen gebracht.
Kaum hatte die Gruppe bestehend aus Vertretern des Ritterordens, des Klosters sowie dem Schmiedemeister Arne Levar es geschafft die komplizierten Rätsel der Kammer zu lösen und das gesuchte Artefakt - ein heiliges Tintenfass - an sich zu bringen, da geschah das Unglück:
Die Bibliothek - jener lange verschollene heilige Ort - begann in sich zusammenzubrechen. Nur mit Mühe gelang es der Gruppe rechtzeitig den Ausgang zu erreichen und sich ans Tageslicht zu retten bevor die Katakomben für immer einstürzten.

Doch auch an der Oberfläche ward ihnen noch keine Ruhe vergönnt. Kurz nachdem sie den Heimweg angetreten hatten wurde der Ritter Beak auf die Spur eines künftigen Rabendieners aufmerksam. Nachdem sie diesen kurz vor Varuna ausfindig gemacht hatten begann der scheinbar aussichtslose Kampf um die geschwächte Seele des Mannes. Ein Kampf der nur gewonnen werden konnte indem der Ritter dem Wehrlosen die Klinge seines Schwerts bis zum Heft in die Brust stieß und das Leben des Gezeichneten auslöschte.
Im Moment des Todes des Unglücklichen konnte Berenguer jedoch erkennen wie Temora die Seele des Mannes umfing und ihn sicher in ihr Reich geleitete.
Doch im Moment des Todes zerbrach das Ritteramulett des Klosterwachenkommandanten und Temora wies Antorius und Berenguer an, ihm zur Seite zu stehen und ihn mit Greifenfeder und Tintenfass zu zeichnen.
Nachdem sie die Leiche des Beinahe-Rabendieners hastig verbrannt hatten um es dem Raben nicht zu ermöglichen den Toten zu erwecken strebten alle Anwesenden das Kloster an. Sie verbrachten den aufgelösten und mit der eigenen Tat hadernden Ritter zum Lichtbaum, wo Berenguer versuchte ihm neue Hoffnung zu spenden indem er ihm die Notwendigkeit des eigenen Handelns erläuterte.
Er ließ den Knappen Logan de Mederic den Ritter vom Wappenrock und Harnisch befreien und zeichnete dann mit den von Temora gewiesenen Worten
"Dein Schild und Schwert für die Menschen,
für den Glauben,
wider der Dunkelheit,
für das Licht!"
ein güldenes Ankh auf Beaks Brust - direkt auf Herzhöhe.
Direkt im Anschluss umfasste sie beide ein goldenes Licht und als es verging war auch das Äußere Berenguers auf eine bedeutsame Weise verändert worden - denn nun trug er die Robe eines Hochgeweihten.
Verfasst: Mittwoch 17. April 2024, 21:32
von Der Erzähler
„Und Ihr wollt Euch wirklich von dem Amulett trennen, Sir Arelmar?“
Die weinerliche Stimme Hrolwins riss ihn vollkommen aus seinen Überlegungen und er sah auch an Lyzanders Mimik, dass die Tonlage beim Schwertbruder einen Nerv traf, der aufgrund der Tragweite ihres besonderen Vorhabens eh schon bis zum Zerbersten angespannt war. Bevor er nun riskierte, dass sich der Jüngste und eigentlich angenehm Stillste in der Runde in Aggressionen entlud, öffnete er rasch den Mund und sprach kühl aber beinahe sanft beiseite:
„Nein, alter Freund, nicht ich möchte mich von dem Amulett trennen, wir ALLE werden unsere Amulette in andere Hände geben, auf dass wissende Geister sich ihrer bemächtigen, sie analysieren und verändern mögen, bis sie schließlich Zugriff auf alle Amulette der Ritterschaft haben und den falschen König vom Thron stoßen mögen.“
Hrolwin nickte, doch blieben die Sorgenfalten auf der Stirn und mit einem unterdrückten Seufzen setzte Arelmar erinnernd hinterher:
„Ihr wart dabei, als sie Eirensees Warnungen und danach ihn selbst zerschlagen haben, nicht wahr? Ihr wart sein Freund, oder?“
Sofort zuckten der ältere Recke zusammen und ein Schatten verdunkelte die vom Falten und Narben gezeichneten Züge. Sehr gut, die Eirensee-Karte zog weiterhin, selbst jetzt noch, als sie alle drei kurz davor waren, den sich nähernden und vollkommen vermummten Schwarzroben die Amulette ihrer Lebenslaufbahn zu übergeben. Eine drastische Maßnahme, doch, so empfand er es, durch und durch richtig. Die Mittel heiligten in dem Fall den Zweck oder, genauer gesagt, die Zwecke! Sie waren für Außenstehende sicher ein seltsames Trio und sehr einprägsam, obwohl sie doch alle Ritter seiner Majestät waren… noch. Deshalb hatte er darauf bestanden, dass sie getrennt von einander angereist waren, hier zum halb verfallenen Horteras-Denkmal am Felsplateau beim an und für sich malerisch schönen Silberwald. Den Forst umrankte so manche Legende und Mär, doch wurde er von den meisten Menschen gemieden, war er doch nun eine deutliche letzte Grenze zum umkämpften Gebiet nahe Shevanor. Selbst jetzt, wo für den Moment das Feuer der Schlacht hier nicht allzu innig loderte, wollte man sich nicht zu nahe an die schwelende Glut wagen.
Gut für sie!
Keiner würde die drei Ritter aus Schwarzwasser hier erkennen oder ungewollt beobachten.
Sir Hrolwin von Kalkreuth und Harkenstätt war dabei noch nicht einmal die markanteste oder bekannteste Figur, obwohl der Ritter nach dem Fall Eirensees ebenfalls in der Gunst der königlichen Familie bis fast auf den Bodensatz des Adels gesunken war. Seine Freundschaft zu Eirensees und der zumindest nachgesagt, wenngleich nie nachweisbare Beistand hatte dafür gesorgt, dass man ihn lange nicht mehr nach Alrynes, geschweige denn direkt an den Hof geladen hatte. Er wurde gemieden, verdrängt und vergessen, ein Los, das der einst berühmte Kämpe nicht mehr zu tragen gewillt war. Verständlich, denn der Mann mit dem eisgrauen Haar und dem stattlichen Vollbart ragte zwar wie ein Bär über ihnen beiden auf, doch sein Kreuz war leicht gebeugt, eine Müdigkeit in den etwas wässrig werdenden, grünlichen Augen und er hatte darauf bestanden, dass sein Page Ionnet, ein nervöser, dürrer Bengel von nicht einmal vierzehn Sommern, mit ihm reiste, um sich um seine Rüstung zu kümmern, als wäre er selber nicht mehr in der Lage. Wenn er hätte schätzen müssen, so wäre Arelmar schnell zu dem Schluss gekommen, dass Sir Hrolwin nicht mehr allzu viele Jahre hatte und diese wollte er mit dem Ruhm oder aber der Rache verbringen, die ihm zustand.
Sir Lyzander vom Eldertann war der vollkommene Gegensatz. Jung, agil und mit der Optik eines Märchenprinzen gesegnet, drehten sich die Weiber (und manchmal auch Burschen) in so ziemlich jeder Stadt um, jubelten ihm zu und badeten in seinem strahlendsten Lächeln, welches doch, wenn man ihn kannte und beobachtete, die veilchenblauen Blicke nie erreichte. Dort herrschte Kälte und eine so mäßig unterdrückte Grausamkeit, dass Arelmar sich bis heute fragte, wie diese Züge bei seiner Ausbildung übersehen werden konnten, wenn sie ihm, der den Waffenbruder nun nicht mehr als ein gutes Jahr besser kannte, regelrecht ins Gesicht sprangen? Nun, so hatte er zumindest rasch einen weiteren Verbündeten in der Sache erkannt. Lyzander brannte innerlich für Krieg und Zerstörung, die Politik des Reiches enttäuschte und erzürnte den jungen Ritter dermaßen, dass er bereit war, seinen erst so frisch gegebenen Schwur zu brechen und mehr noch: er spielte mit dem Gedanken, die Seiten vollends zu wechseln, doch nagte noch die Frage an ihm, wer oder was er im Westen denn dann sein würde. Sein Titel bedeutete nichts mehr und die Ländereien, die zugegebenermaßen nicht besonders groß oder schön waren, wenn man an den düsteren Eldertann im Nordwesten dachte, wären verloren. Fragte sich nur, was den Jüngling mehr locken würde – Ansehen und Reichtum oder Tod und Zerstörung? Arelmar glaubte die Antwort zu kennen.
Das Bindeglied zwischen dem alten, gekränktem Recken und dem jungen, aufstrebenden Schlächter war er, Sir Arelmar Brynden von der Westerley. Sicher auch nicht unbekannt aber weder ein Kämpe aus alten Schlachten, noch ein junger, ansehnlicher Stern am Himmel, wohl aber ein Mann, der als einer der Knappen bei Hof war, der sowohl mit Ador als auch Isidor als Kinder gefochten hatte, der Krone die Treue gehalten hatte, als die Brüder entzweit wurden und welcher zuletzt all die Jahre stets in der Entourage der Ritter seiner Majestät zu finden war, statt sich an der Küste und der schönen Westerley gut gehen zu lassen. Eine einzige Bitte trug er dafür kurz nach der Hochzeit seiner Majestät dem König dann an diesen heran und diese einzige, simple, kleine Bitte, welche für ihn die Zukunft bedeutet hätte, wurde ausgeschlagen. Ohne lange zu fackeln, ohne darüber zu diskutieren oder auch nur einen Moment an ihn und sein Befinden zu denken. Die Antwortzeilen konnte er jetzt noch lesen, wenn er die Lider einen schloss.
„… so ist und bleibt sie eine Überläuferin, deren Stand im Reiche Alumenas noch nicht geklärt ist. Es ist nicht Wunsch seiner Majestät den Rittern seiner Leibgarde eine Absolution hinsichtlich einer möglichen Ehe mit Personen, deren Hintergrund derartige Lücken aufweisen und Absichten unklar bleiben, zu erteilen. Euer Anliegen muss daher abgelehnt werden.“
Keine weiteren Rückfragen, keine möglichen Optionen und Aussichten, nur eine Ablehnung.
Leicht für den König… der in seinem gefundenen Glück schwelgte, während sein Ritter die Frau verlor, die er zu ehelichen gesuchte. Doch auch Ador Segenus Corbidian Victor von Alumenas würde nun verlieren… endlich! In nur wenigen Augenblicken würden die Amulette die Besitzer wechseln und in den Händen der Arkorither, davon war er überzeugt, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die Verbindung zum Liede unter den Rittern wahlweise kappen oder, noch interessanter, darauf Einfluss nehmen konnten. Dann musste nur einer von ihnen nah genug bei der königlichen Familie stehen und es wäre Adors Zukunft, die in grellen Lichtblitzen verglühen sollte…
Das leise Wiehern eines Pferdes und ein Lyzanders schlecht unterdrücktes Auffluchen rissen ihn aus seinen Gedanken der mörderischen Genugtuung und ließen ihn herumfahren.
Der Page!
Ionnets bleiches Sommersprossengesicht drehte sich noch einmal zu den Rittern, zeigte Angst, Verzweiflung aber auch Wut und maßlose Enttäuschung. Er deutete nur vage in Richtung der Schwarzberobten, dann schüttelte er den struppeligen, rotbraunen Schopf und gab dem Tier die Sporen. Auch weil ihm schon gar nichts Anderes mehr übrig blieb, eilten doch sowohl Hrolwin, als auch Lyzander in seine Richtung, der Eine mit erhobenem Zeigefinger, der Andere mit erhobenem Schwert. Sie beide mussten die Verfolgung schon bald aufgeben, doch kümmerte sich eine andere Macht um den abtrünnigen Bengel. Ein feurig rötliches, statisch knackendes Geschoss schien den Fingerspitzen einer der Arkorither zu entweichen, huschte dem Knaben wie ein Pfeil hinterher und fand sein Ziel so sicher, dass er den Jungen nicht nur zusammenzucken und aufschreien hörte, sondern auch das Blut, dunkle Tropfen Flüssigkeit in der Nacht, spritzen sah. Der Page sank halb über dem Tier in sich zusammen und doch ritt er weiter. Lyzander war es, der nach den Zügeln seines edlen Schimmels griff, aber eine leise, verführerisch weiche, weibliche Stimme ließ ihn innehalten.
„Lasst gut sein, er kommt nicht weit.“
Wie falsch die schöne Arkoritherin lag, erfuhr er erst viele Tage später.
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Siebenwacht, Schwarzwasser
Wechselwind im Jahre 267
Krone und Reich im Lichte eins!
Phanodains Wissen und Weisheit mit dem Konvent des Fuchses!
Vergeht, hohe Spektabilitäten der Krone, die knappe und spontane Ansprache,
doch schreibe ich diese Zeilen in größter Not und unter massivem zeitlichen Druck.
In der vergangenen Nacht erreichte ein tödlich verletzter junger Mann die Ausläufe der Küstenstadt Siebenwacht und konnte als „Ionnet Arberling, Page des Ritters Hrolwin von Kalkreuth und Harkenstätt“ identifiziert werden. Er war kaum noch bei Bewusstsein und erlag am frühen Morgen des heutigen Tages seiner Wunde, eine grässliche, mutmaßlich durch dunkle Magie gewirkte Verletzung, welche seinen Brustkorb unterhalb der Schulter durchschlug und für massiven Blutverlust, sowie einer Einschränkung der Lungenarbeit sorgte.
Dennoch hat der tapfere Knabe es sich nicht nehmen lassen, mit seinen letzten Atemzügen einen Bericht des schaurigen Geschehens abzugeben, welches letztendlich in dem Mord an dem Jungen geendet hat.
Er wurde Augenzeuge eines Treffens zwischen den Rittern seiner Majestät:
• Sir Hrolwin von Kalkreuth und Harkenstätt
• Sir Lyzander vom Eldertann
• Sir Arelmar Brynden von der Westerley
Letzterer, ein ehemaliges Mitglied der Leibgarde seiner Majestät, war Initiator des geheimen Treffens und auch Vermittler zwischen den drei abtrünnigen Rittern und einigen Mitgliedern des Ordens der Arkorither. Der Page konnte noch hören, wie sie planten der Arkoritherbrut ihre drei Amulette der Ritterschaft zu düsteren Forschungszwecken und möglicher Korruption zu überreichen, dann versuchte er mit den Informationen zu fliehen, wurde aber von einem „grellroten Pfeilblitz“ getroffen und ab da verlor er immer wieder das Bewusstsein, vollbrachte aber das Wunder den Weg bis zu uns nach Schwarzwasser zu finden.
So ist es nun an mir, das Opfer des edelmütigen, ritterlichen Knaben nicht mit Füßen zu treten und euch über das, was er beobachtete schnellstmöglich zu informieren. Wenn meine Vermutungen stimmen, so werden die Arkorither versuchen Zugriff auf die Amulette der Ritterschaft zu erlangen und so mit Sicherheit auch ein Attentat auf die königliche Familie, welche sich ja gerade vor Ort in Adoran befinden müsste, planen.
Die Zeit drängt!
Bringt seine Majestät den König, die Königin und den Prinzen in Sicherheit und kümmert euch dringend um die Sicherstellung der Amulette!
Temora möge uns in diesen dunklen Tagen beistehen!
Mirandine van Beerenbach,
Priesterin unter Temoras schützenden Schwingen
Semborels Hallen des Meerwindes zu Siebenwacht