Raus aus dem goldenen Käfig
Verfasst: Samstag 21. Januar 2023, 10:58
Muuuuuuh!
Nun, die Alternativen wären die Straße oder der Kerker gewesen. - Oder eine Rückkehr nach Alumenas, aber das stand eigentlich schon lange nicht mehr zur Option. Sonst hätte ich mich damals nicht für den mühseligen Umzug nach K'awi entschieden.
Unten vernehme ich Geräusche von auf- und zugehenden Türen. Töpfe klackern und geschäftige Schritte huschen über den Boden. Natürlich ist Herr Lemandt zu genauso gottlosen Zeiten wach wie seine Viecher. Das wäre definitiv auch kein Beruf für mich. Entschieden schüttele ich meinen Kopf und mache mich daran, mich erst einmal gründlich zu waschen. Nicht, dass ich die ganze Landluft jemals von mir abgerubbelt bekäme, solange ich hier lebte, aber in mir regt sich eine leise Hoffnung, wenigstens sauber zu bleiben dabei.
Während mein Blick aus dem kleinen Zimmerfenster fällt, tun sich mir allerdings doch Zweifel daran auf. Ich befinde mich hier im Umland einer Kleinstadt - auf dem Land, sozusagen. Es ist Winter, wenn die Witterung auch eher frühlinghaft anmutet, aber es ist ganz sicherlich keine Umgebung zum sauber Bleiben.
Resignierend blicke ich irgendwann dann in den Kleiderschrank und damit auf meine Klamottenauswahl. Jede Menge schicker Gewänder - aber wen will ich hier damit beeindrucken? Außerdem könnten sie dreckig werden, oder noch schlimmer, sie könnten beschädigt werden! In dunkler Erinnerung an einen damals geplanten Waldspaziergang beginne ich in den hinteren Bereichen des Schranks zu kramen. Irgendwo hatte ich doch Kleidung dafür, welche ich mir gesondert hatte schneidern lassen...
Ah! Da sind die Sachen ja. Noch ungetragen. Original gefaltet, so wie ich sie damals von der Schneiderin erhielt. Kurzentschlossen kleide ich mich also zur Abwechslung in Braun-Grün, statt Tiefblau und in Wildleder, statt Brokat besetzter Balronhaut. Den sonst üblichen Blick in einen Spiegel spare ich mir heute. Ich will gar nicht wissen, wie heruntergekommen ich darin aussehe. Selbst der Gedanke daran, dass es immer noch hochwertig verarbeitetes und maßgeschneidertes Material aus dem Laden einer Meisterin ihres Faches ist beruhigt mich nicht recht. Es ist meine "Ich werde potentiell dreckig" Kleidung. Das sagt alles darüber aus, wie meine künftigen Tage hier aussehen werden.
Dennoch, ich kann es mir selbst gar nicht oft genug in Erinnerung rufen: Es ist besser als die Alternativen und es ist vor allem auch nicht selbstverständlich von Herrn Lemandt, mir diese Option zu bieten. Also werde ich, statt zu klagen, an einer wieder lohnenswerteren Lebenssituation arbeiten und mich bis dahin etwas in Genügsamkeit schulen. - Und mich mit meiner neuen Heimat vertraut machen, ja. Immerhin habe ich damit etwas zu tun, das nicht "Stall ausmisten" oder "Kühe melken" bedeutet. Die Worte des Clericus kreisen noch präsent in meinem Kopf herum.
- Glaubenssätze, Gesetze und Leute kennenlernen. -
Am liebsten würde ich das Ganze in umgekehrter Reihenfolge angehen, aber ich habe so ein leises Gefühl, dass hinter der Aussage des Clericus eine indirekte Prioritätensetzung steckt. Schon früher habe ich gehört, dass das Alatarische Reich eher eine Theokratie, als eine Monarchie sein soll. Ich seufze wieder. Schon im Königreich war ich weit davon entfernt, zur Menschengruppe der Frommen zu gehören und Gesetze waren auch eher lediglich... Richtlinien für uns Flammensterns. Dunkelgrau ist eine sehr schöne Farbe, wenn man sich darin zu bewegen weiß.
Sei es drum. Weitermachen!
Kickerikiii!
Ich wälze mich zum x-ten Mal im Bett herum und atme feste durch. Noch bevor ich meine Augen öffne, reibe ich mir mit meiner Hand durch mein müdes Gesicht. Hinter geschlossenen Lidern erahne ich, dass die Sonne heute noch gar nicht richtig aufgegangen ist. Warum sind die Viecher also schon so laut? Ich stöhne genervt als ich höre, dass sich irgendein anderes Tier noch lautstark mit zu Wort meldet. Keine Ahnung, welches. Ist mir auch egal. Schnaufend richte ich mich in eine sitzende Position auf und blinzele durch die kleine Nische, die ich derzeit meine Unterkunft nenne. - Fairerweise muss ich einräumen, dass drumherum noch ein, wenn auch für meine Standards kleines Zimmer angrenzt, was ich ebenso benutzen darf. Herr Lemandt ist sehr großzügig, mich hier aufzunehmen. Trotz allem fehlenden Luxus bin ich ihm tatsächlich aufrichtig dankbar dafür. Noch immer bin ich selbst überrascht davon, dass ich mich einmal über eine kleine Unterkunft auf einem von Tiergestänken und -geräuschen überlagerten Bauernhof im Alatarischen Reich freuen würde.Nun, die Alternativen wären die Straße oder der Kerker gewesen. - Oder eine Rückkehr nach Alumenas, aber das stand eigentlich schon lange nicht mehr zur Option. Sonst hätte ich mich damals nicht für den mühseligen Umzug nach K'awi entschieden.
Muuuuuuh!
Schon wieder... Ich seufze und schwinge mich schließlich doch aus dem Bett. Dabei kann doch niemand ausschlafen!Unten vernehme ich Geräusche von auf- und zugehenden Türen. Töpfe klackern und geschäftige Schritte huschen über den Boden. Natürlich ist Herr Lemandt zu genauso gottlosen Zeiten wach wie seine Viecher. Das wäre definitiv auch kein Beruf für mich. Entschieden schüttele ich meinen Kopf und mache mich daran, mich erst einmal gründlich zu waschen. Nicht, dass ich die ganze Landluft jemals von mir abgerubbelt bekäme, solange ich hier lebte, aber in mir regt sich eine leise Hoffnung, wenigstens sauber zu bleiben dabei.
Während mein Blick aus dem kleinen Zimmerfenster fällt, tun sich mir allerdings doch Zweifel daran auf. Ich befinde mich hier im Umland einer Kleinstadt - auf dem Land, sozusagen. Es ist Winter, wenn die Witterung auch eher frühlinghaft anmutet, aber es ist ganz sicherlich keine Umgebung zum sauber Bleiben.
Resignierend blicke ich irgendwann dann in den Kleiderschrank und damit auf meine Klamottenauswahl. Jede Menge schicker Gewänder - aber wen will ich hier damit beeindrucken? Außerdem könnten sie dreckig werden, oder noch schlimmer, sie könnten beschädigt werden! In dunkler Erinnerung an einen damals geplanten Waldspaziergang beginne ich in den hinteren Bereichen des Schranks zu kramen. Irgendwo hatte ich doch Kleidung dafür, welche ich mir gesondert hatte schneidern lassen...
Ah! Da sind die Sachen ja. Noch ungetragen. Original gefaltet, so wie ich sie damals von der Schneiderin erhielt. Kurzentschlossen kleide ich mich also zur Abwechslung in Braun-Grün, statt Tiefblau und in Wildleder, statt Brokat besetzter Balronhaut. Den sonst üblichen Blick in einen Spiegel spare ich mir heute. Ich will gar nicht wissen, wie heruntergekommen ich darin aussehe. Selbst der Gedanke daran, dass es immer noch hochwertig verarbeitetes und maßgeschneidertes Material aus dem Laden einer Meisterin ihres Faches ist beruhigt mich nicht recht. Es ist meine "Ich werde potentiell dreckig" Kleidung. Das sagt alles darüber aus, wie meine künftigen Tage hier aussehen werden.
Dennoch, ich kann es mir selbst gar nicht oft genug in Erinnerung rufen: Es ist besser als die Alternativen und es ist vor allem auch nicht selbstverständlich von Herrn Lemandt, mir diese Option zu bieten. Also werde ich, statt zu klagen, an einer wieder lohnenswerteren Lebenssituation arbeiten und mich bis dahin etwas in Genügsamkeit schulen. - Und mich mit meiner neuen Heimat vertraut machen, ja. Immerhin habe ich damit etwas zu tun, das nicht "Stall ausmisten" oder "Kühe melken" bedeutet. Die Worte des Clericus kreisen noch präsent in meinem Kopf herum.
- Glaubenssätze, Gesetze und Leute kennenlernen. -
Am liebsten würde ich das Ganze in umgekehrter Reihenfolge angehen, aber ich habe so ein leises Gefühl, dass hinter der Aussage des Clericus eine indirekte Prioritätensetzung steckt. Schon früher habe ich gehört, dass das Alatarische Reich eher eine Theokratie, als eine Monarchie sein soll. Ich seufze wieder. Schon im Königreich war ich weit davon entfernt, zur Menschengruppe der Frommen zu gehören und Gesetze waren auch eher lediglich... Richtlinien für uns Flammensterns. Dunkelgrau ist eine sehr schöne Farbe, wenn man sich darin zu bewegen weiß.
Sei es drum. Weitermachen!